Aufrichtigkeit sprach aus ihren Augen. Seine dunklen Iriden waren mit ihrem Blick fest verschlungen, während er zärtlich über ihren Kopf streichelte. Hermine ahnte nichts von dem Kampf, der in Severus' Inneren tobte, ahnte nichts davon, dass er sogar seinen Geist vor ihr verschloss. Alles was zählte war der Kuss, den er ihr in diesem Augenblick gab, seine Zunge, die sich ihren Weg zu ihrer suchte und sich leidenschaftlich mit ihr verschlang. Die junge Schülerin schloss die Augen, genoss nur noch was ihr Lehrer ihr gab. Für sie zählte nur er, er war überall, auf ihrem Körper, in ihrer Seele, verschlungen mit ihr. Er presste sich an sie und sie ihn an sich, keinen Raum mehr zwischen ihnen lassend. Plötzlich spürte sie seine Hand zwischen ihren Beinen und stöhnte überrascht und lustvoll in seine Lippen, nichts mehr von ihrer Erregung zurückhaltend. Severus hielt ihren Kopf fest, ließ ihr keine Möglichkeit ihm auszuweichen. Nichts anderes zählte als sie beide, die Zeit schien stillzustehen, die Umgebung wurde bedeutungslos.
Urplötzlich stieß er in sie, ließ ihr keine Zeit darüber nachzudenken, und drang in ihr Innerstes vor. Alles in Hermine schrie, ihr Körper bäumte sich unter Severus auf, ihre Brust an der seinen, ihr Kopf in den Nacken gelegt. Ihre zitternden Hände fanden seinen Körper, krallten sich regelrecht an ihm fest und hinterließen Kratzspuren auf seinem Rücken, seinen Armen, seinen Schultern. Das Stöhnen, das in ihr aufwallte, sprach von der unendlichen Lust, die sie empfand, als sie ihn endlich in sich spürte. Kein Schmerz, keine Angst, nur Erregung. Hermine hatte die Augen geschlossen gehalten, doch als die erste Welle der Überraschung verebbt war, hob sie den Blick und sah Severus an, flammend vor Verlangen nach ihm. Sie hatte es nicht bemerkt, doch seit er in sie eingedrungen war zitterte ihr Körper, wurde von regelrechten Beben erschüttert. Ihre Gefühle für ihn waren über ihr zusammen geschlagen, trugen sie hinweg auf einer Welle der Liebe, die noch so viel intensiver war als zuvor. Ihm so nahe zu sein brachte sie fast um den Verstand.
Einem Impuls ihrer Instinkte folgend schlang sie ihre Beine plötzlich um ihn, was dazu führte, dass er noch tiefer in sie dringen konnte. Ein heiserer Lustschrei löste sich in ihr als sie ihn so tief spüren konnte, nie hätte sie es für möglich gehalten, dass sich ihre Erregung noch weiter steigern würde. Hermine hatte das Gefühl zu bersten. Ihre Hände fanden den Weg in seine Haare, zogen ihn an sich und sie stahl ihm einen Kuss so voller Leidenschaft, dass es ihr die Sinne vernebelte. Als er begann sich in ihr zu bewegen war es um sie geschehen, ihr Stöhnen an seinen Lippen füllte den Raum, ihr Atem ging nur noch stoßweise und ihr Herz drohte aus ihrer Brust zu springen. Hermine war sich in diesem Moment sicher, dass Severus sie umbringen würde. Sie würde sterben, niemand konnte so viel Erregung aushalten, so viel Lust verkraften. Doch es machte ihr nichts aus. Es wäre ein schöner Tod.
Hermine hielt es kaum aus und so löste sie sich wieder von Severus Lippen, löste ihre Hände von ihm und ließ sich auf das Bett zurücksinken. Ihre Finger krallten sich in die Laken, ihre Augen schlossen sich wie von selbst und sie warf überwältigt den Kopf in den Nacken. Mit ihren Beinen, die ihn immer noch umschlungen hielten, presste sie ihn immer fester an sich, wollte ihn immer tiefer spüren. Alles in ihrem Inneren verlangte nach ihm, er füllte sie nicht nur mit seinem Körper aus, sein ganzes Sein war in ihr. Sie war angefüllt mit allem was er war, mit allem was er für sie bedeutete und mit allem, was er selbst nicht erkennen konnte. Schon zuvor hatte Hermine erkannt, dass Severus nicht der war, der er zu sein vorgab und der er zu sein glaubte. Doch jetzt, wo sie so miteinander verbunden waren, spürte sie noch viel mehr das Licht in ihm, das winzige Licht, das an die Oberfläche drängte. Ihr strahlend helles Licht zog das seine an, ließ es erstrahlen in einer Umgebung so voller alles umfassender Dunkelheit. Es war noch sehr klein, unscheinbar inmitten der Dunkelheit, doch es würde wachsen. Sie glaubte fest daran.
Es lag eine seltsame Spannung in der Luft, als würde sie knistern und augenblicklich schien es so, als würden zwei so unterschiedliche Seelen aufeinander stoßen und einen Weg finden sich zu umschließen. Strahlendes Licht prallte auf die Dunkelheit und durchflutete es. Die Welt schien für einen Moment still zu stehen.
Sie war so wunderschön eng, feucht, wie für ihn geschaffen. Ihren zierlichen Körper an sich gedrückt, stieß er sich kontinuierlich in ihre Enge. Immer und immer wieder bis er einen gleichmäßigen Rhythmus fand. Das Kratzen ihrer Fingernägel auf seiner Haut empfand er nicht als schmerzvoll, stattdessen flammte in ihm eine noch nie dagewesene Lust auf. Ihr junger Körper zitterte unter ihm, bäumte sich ihm bei jedem Stoß entgegen, um seine pralle Erregung noch tiefer in sich aufzunehmen. Severus keuchte, dieser Moment war so atemberaubend, dass er ihn wohl niemals vergessen könnte.
Als sich ihre Blicke trafen konnte man darin das Feuer lodernd sehen, die Leidenschaft die ihnen inne wohnte. Severus konnte keinen Schmerz in ihren Augen sehen, stattdessen war da dieser Ausdruck, der ihn fast um den Verstand brachte. Er schnappte nach Luft, ehe er ihren leidenschaftlichen Kuss erwiderte. In ihm stieg die Gier, die Gier nach mehr. Die Erregung die ihn umfing war kaum noch auszuhalten.
Plötzlich löste sich seine Schülerin von ihm und im ersten Moment fühlte Severus den Schmerz des Verlustes. Als er jedoch daraufhin bemerkte, dass sie sich ungehalten und völlig auf ihn fixiert in die Laken krallte, kurz davor den Höhepunkt ihrer Lust zu erreichen, verschwand dieser Schmerz. Er richtete augenblicklich seinen Oberkörper aus, um Halt am Bettgestell zu finden. Seine Hände umgriffen das dunkle Holz um Halt daran zu finden. Nun begann er wesentlich kräftiger, härter in sie zu stoßen, um in ihnen beiden noch höher, weiter die Lust voranzutreiben. Sein Verstand völlig vernebelt, gab er sich nur noch diesen Gefühlen hin. Es war so mächtig, so stark, dass er nicht mehr anders konnte als ihren Namen zu stöhnen. „Hermine…"
Er zog ihren Oberschenkel hoch, drückte sich tiefer in sie, ließ ihr keine Gelegenheit sich zu beruhigen. Ihr Körper bebte, der seine tat es ihrem gleich. Sein Kopf fiel ihm in den Nacken, ließ ihn tausend Sterne sehen. „Oh Merlin…!" Es war zu schön, zu wahnsinnig um wahr zu sein. Es musste ein Traum sein.
„Hermine..."
Allein ihren Namen in einem Stöhnen von seinen Lippen zu vernehmen, hätte es fertig gebracht sie an den Rand des Wahnsinns zu treiben. Sie wäre in einem Höhepunkt explodiert ihren Lehrer nur in Extase ihren Namen aussprechen zu hören, doch die junge Schülerin war noch dazu vollkommen von ihm ausgefüllt. Seine fordernden Stöße entfesselten etwas in ihrem tiefsten Inneren, etwas das sie noch nie zuvor gefühlt hatte. Hermine war nicht wie andere Mädchen in ihrem Alter, ihre Sexualität zu entdecken war nie so wichtig gewesen wie Wissen in sich aufzunehmen und so hatte sie sich auch noch nie selbst berührt. Sie wusste nicht, wie sich ein Orgasmus anfühlte. Doch als es sich in ihrer Körpermitte ausbreitete und sie wie ein heiß glühendes Feuer zu verzehren begann, hatte sie Blut geleckt. Nie wieder wollte Hermine etwas anderes spüren als das, was Severus in ihr auszulösen vermochte.
Der Slytherin bäumte sich auf, stützte sich an dem Bettgestell vor sich ab, um noch heftiger in die Gryffindor dringen zu können. Seine Stöße wurden härter, fast brutal, doch noch immer war es ihr nicht genug, sie verlangte mehr und immer mehr. Ihr Stöhnen nahm einen Rhythmus an, verband sich mit seinen Bewegungen, ihr Atem ging immer schneller, bis sie glaubte zu verbrennen. Ihr Unterleib verkrampfte sich mit einem Mal um seine pulsierende Männlichkeit. Das Gefühl trug sie auf Wellen der Lust hinfort, bis sie sich vollkommen verloren hatte. Zitternd schlang sie ihre Arme um seinen Oberkörper, suchte an ihm Halt und hielt kaum aus, was in ihr vorging. Stöhnend erreichte sie den Gipfel ihrer Lust, die Lippen an seinem Hals und schrie seinen Namen fast heraus.
„Severus!"
Sie hatte es nicht verhindern können, er war einfach überall. Es war Hermine unmöglich geworden ihrer Erregung anders Ausdruck zu verleihen. Severus hatte eine solche Macht über sie, dass sie nichts anderes mehr fühlen konnte. Schwer atmend verharrte sie in der Position, blieb an ihm geklammert, bis die Erschöpfung des abklingenden Höhepunktes sie ergriff. Hermine sank in die Laken zurück, schwindlig von der vollkommenen Erfüllung. Eine Weile sah sie nur müde lächelnd und schwer atmend zu ihm auf, genoss noch immer das Gefühl ihn in sich zu spüren, die Wärme, die sich von ihm ausgehend in ihr ausgebreitet hatte. Dann jedoch überkam sie das Bedürfnis nach Zärtlichkeit und so zog sie ihn an sich, drehte sich mit ihm und schmiegte sich an seinen Körper, nicht ohne ihm jedoch noch einen letzten, liebevollen Kuss zu schenken. Ihre Wange an seine Brust gebettet dauerte es nicht lange, bis die junge Schülerin auf den Wellen des Glücks in einen tiefen Schlaf sank.
Ihr andauerndes Stöhnen, bis hin zu dem, dass sich ihre Muskeln augenblicklich zusammenzogen, brachte auch ihn an den Rand der Klippe. Seine Bewegungen wurden im stärker, seine Stöße immer härter, ehe er sprang und sich augenblicklich in ihrem Körper entlud.
„Severus!"
Sein Name der über ihre Lippen kam, drang nur am Rande an ihn heran. Severus war vernebelt von der Ekstase die ihn augenblicklich umfing. Für einen Moment schien es so als würde er auf Wolken schweben. Nichts mehr hatte Bestand. Zweifel, Vorwürfe und Schuldgefühle waren nicht mehr existent. Er war durch und durch berauscht von diesem Gefühl, dass ihn vollständig ausfüllte. Nach und nach kehrte er wieder in die Wirklichkeit zurück, spürte wie der Körper seines Mädchens in die Laken fiel und sie ihn erschöpft anlächelte. Severus Snapes Körper tat es ihrem gleich, ohne sie jedoch unnötig zu beschweren fiel er ebenso. Seine Muskeln entspannten sich allmählich und eine Müdigkeit machte sich breit, was ihn bald schon tief in den Schlaf riss. Den Körper Hermine Grangers fest umklammert schlief er schließlich ein und gab sich seinen Träumen hin…
Ein Kerker hatte den Vorteil, dass er keine Fenster besaß, durch die unwillkommenes Sonnenlicht hereinfallen konnte und man so, wenn man es sich erlauben konnte, durchaus auch mal länger schlafen konnte. Der Nachteil daran war, dass einen das Sonnenlicht am Morgen nicht automatisch weckte und das Problem an der ganzen Sache war, dass sich Severus auch keinen Zauber gestellt hatte, der ihn des Morgens aufwachen ließ. Trotz allem hatte sich sein Körper auf eine gewisse Zeit eingestellt und dennoch musste er als er plötzlich die Augen aufschlug erkennen, dass er verschlafen hatte. In weniger als fünf Minuten würde der Unterricht beginnen, Zaubertränkebrauen mit den Fünftklässlern stand an!
Augenblicklich fuhr der Zaubertränkemeister hoch, versuchte sich orientierungslos im Raum umzublicken. Was war letzte Nacht geschehen? Nach und nach kamen die einschneidenden Erinnerungen zurück. Wie er Weasley dabei erwischt hatte, seiner kleinen Löwin viel zu nahe zu kommen, wie dieser es gewagt hatte ihr einen Kuss zu rauben. Als er schließlich ungestüm den Jungen niedergestreckt und Granger mit in sein Büro gezerrt hatte…
Ihm stockte der Atem, als ihm augenblicklich bewusst wurde, dass er die letzte Nacht mit seiner Schülerin verbracht hatte. Er würde es nicht vergessen können, der Moment mit ihr war zu unvergesslich gewesen. Langsam wanderte sein Blick auf die andere Bettseite und er erstarrte.
Die junge Schülerin lag seelenruhig da, immer noch in ihren Träumen gefangen. Die Sekunden verstrichen während der Zaubertränkemeister ihr nur wortlos dabei zusah, wie sie schlief. Sie war wunderschön, doch… Die Zeit! Der Unterricht! Drei Minuten!
Augenblicklich sprang er aus dem Bett, zog der jungen Schülerin unsanft die Decke weg. „AUFSTEHEN! RAUS HIER! UNTERRICHT… DREI MINUTEN!" Ein Appell erfolgte, ehe Snape nach seiner Nachttischschublade griff und eine Phiole daraus zog. „Hier… Schlucken Sie das!" Es handelte sich um einen Verhütungstrank , der eine Schwangerschaft zu hundert Prozent ausschließen würde. In Windeseile war Severus auf den Füßen und kramte gehetzt in einem der Schränke nach ein paar Unterrichtsmaterialien. „ANZIEHEN, RAUS HIER! In drei Minuten in meinem Klassenzimmer. Schnell!"
Ihre Träume waren angefüllt von ihrem Zaubertränkemeister. Sie zeugten davon, was er in ihr ausgelöst hatte, was über sie hereingebrochen war. Severus Stimme, sein Geruch, sein Anblick, er war überall. Wellen des Glücks malten die buntesten Farben in den Himmel unter dem sie dahinschwebte und sich vollkommen darin verlor. Nie hatte Hermine so gut geschlafen wie in dieser Nacht, nie hatte sie sich so völlig fallen gelassen. Severus Körper, der sie so fest umschlungen hielt während sie beide schliefen, war wie eine beruhigende Decke, die sich über ihr ausgebreitet hatte. Noch nie zuvor hatte sie sich so beschützt gefühlt. Ihr Verstand floss dahin und verlor seine Form, wusste nicht mehr wie ihm geschah und wo er war. Zeit und Raum waren unerheblich geworden.
Die Sonne, die sonst in der Früh ihre Nase kitzelte, wenn es an der Zeit war aufzustehen, blieb an diesem Morgen aus. Hermine wog sich in der Sicherheit, dass dies daran lag, dass die Sonne noch nicht aufgegangen war und sie daher noch Stunden hatte bis sie ihr Bett verlassen musste. Sie hatte ihre Orientierung vollkommen verloren, der Meinung verfallen, sie befände sich im Mädchenschlafsaal der Gryffindors. Ein Lächeln lag auf ihren Lippen während sie schlief, doch als plötzlich ihre Decke verschwand verwandelte es sich in einen Schmollmund. Sie umarmte ihr Kissen auf der Suche nach Wärme als eine Männerstimme dumpf an ihr Ohr drang. Hermine konnte kaum verstehen, was sie sagte, doch sie kam ihr so bekannt vor.
„Professor Snape...?", murmelte sie verschlafen, „...in meinem Schlafzimmer...?"
Die junge Schülerin sprach nicht mit ihm, vielmehr war ihr schlaftrunkener Verstand der Auffassung, dass ihr Lehrer sich aus unerfindlichen Gründen in den Mädchenschlafsaal der Gryffindors verirrt hatte. Von der Realität noch weit entfernt hatte Hermine keine Ahnung, dass Snape bereits hektisch um sie herum wirbelte. Der Gedanke, dass in Kürze der Unterricht beginnen würde kam ihr nicht, immerhin war noch immer die Sonne nicht aufgegangen. Auch die Ereignisse des vergangenen Abends kamen ihr noch nicht in den Sinn, viel zu unwirklich war die ganze Situation gewesen. Noch immer kam es ihr vor wie ein wunderschöner Traum. Erst als Snape begann einen Befehl zu bellen, schlug sie verschlafen die Augen auf, um sich nach der Quelle des Lärms umzusehen. Sie wollte gerade etwas danach werfen, da sie der Annahme erlag Ginny würde sie ärgern, als sie direkt in das von Zeitdruck geplagte Gesicht ihres Lehrers blickte.
„Professor Snape! Was machen Sie hier?!", rief Hermine zu Tode erschrocken aus, sprang auf und wich sofort vor ihm zurück, bis ihr bewusst wurde, dass sie aus ihr rätselhaften Gründen vollkommen nackt war.
Augenblicklich kam die Erinnerung zurück. Sie war auf dem Weg zum Nachsitzen bei ihm gewesen, als Ron sie geküsst hatte. Snape hatte ihn mit einem Fluch niedergestreckt und sie dann in sein Büro gezerrt, wo sie einen üblen Streit gehabt hatten. Er hatte von ihr eine Entscheidung verlangt, entweder sie verschwand oder sie schlief mit ihm. Und sie hatte sich entschieden. Bei jedem Schritt, den ihr Verstand auf seiner Entdeckungsreise des vergangenen Abends machte, wurden ihre Augen weiter, ihre Wangen röter. Wie vom Donner gerührt starrte die junge Schülerin ihren Lehrer an, bis ihr klar wurde, dass nicht er in ihrem Schlafzimmer war, sondern sie in seinem.
„ANZIEHEN, RAUS HIER! In drei Minuten in meinem Klassenzimmer. Schnell!"
Der Befehl ihres Verstandes an ihren Körper, dass dieser in Bewegung kommen musste, verebbte. Sie war wie festgefroren, der Schock stand ihr ins Gesicht geschrieben. Nicht auch das noch! Nicht nur, dass Hermine mit Snape geschlafen hatte, sie kam jetzt auch noch zu seinem Unterricht zu spät! Die Gryffindor fühlte ein kleines gläsernes Etwas in ihrer Hand, das er ihr gereicht hatte. Erst jetzt fand Hermine ihre Fähigkeit sich zu bewegen wieder und richtete ihren irritierten Blick darauf. Zwar war sie unerfahren, jedoch keineswegs dumm und so wusste sie genau was das für ein Trank war. Sie zog den Korken aus der Phiole und schluckte das Gebräu, denn sie fühlte sich noch lange nicht dazu bereit Mutter zu werden. Schon gar nicht in dieser verfahrenen Situation.
Leben kam in die Dunkelhaarige, als sie durch den Raum hetzte, um ihre Kleider einzusammeln und sie so schnell es ihr möglich war anzulegen. Was ihr sonst mühelos gelang war in jenem Augenblick eine fast unlösbare Aufgabe geworden. Wütend kämpfte sie mit ihrer widerspenstigen Krawatte, packte sich dann ihren Zauberstab und brachte ihre zerzausten Haare in Ordnung. Zwar hatte sie gestern ihr erstes Mal gehabt, doch es war unnötig, dass ihr das jeder sofort ansehen würde. Bei dem aufkommenden Gedanken hielt sie auf einmal inne und ein Lächeln umspielte ihre Lippen. Sie hatte ihr erstes Mal gehabt und es war unbeschreiblich gewesen, die pure Erfüllung. Ihr Blick fand ihren noch immer hektisch umherschwirrenden Professor und ihre Züge nahmen etwas Diabolisches an.
Hermine wusste genau, dass sie Snape jetzt in einem Zustand der vollkommenen Abgelenktheit erwischen würde, also passte sie ihn ab, als er sich aufrichtete und sich zu einem anderen Regal wendete. Lebensmüde wie sie war stahl sie ihm in diesem Augenblick einen Kuss und als sie sich wieder von ihm löste lag ihr kecker Blick auf dem seinen. Bevor er jedoch die Fassung verlieren würde war sie bereits losgerannt, hatte sich ihre Tasche geschnappt und hetzte durch den noch offenstehenden Durchgang in sein Büro, wo sie ganz behutsam die Tür in den Gang öffnete, sicher ging, dass die Luft rein war und nach draußen verschwand.
Das Gesicht das ihm aus dem Spiegel ansah, war an diesem heutigen Morgen besonders niedergeschlagen. Es war sicherlich nicht so, dass er heute schlecht geschlafen hatte – nein – vielmehr hatte er einen ganz besonders guten Schlaf genossen. Doch irgendwie wirkte er etwas mitgenommen. Seine Haare, die sonst eher fettend nach unten hingen, schienen heute wirr in alle Richtungen zu stehen. Die Augenringe unter seinen Augen betonten heute besonders sein sonst schon fahles, bleiches Gesicht. Nur seine Augen zeugten alles andere als von Müdigkeit. Sie strahlten an diesem Morgen seltsam fremd, so als hätte irgendetwas oder irgendjemand sein Leben aus dem Gleichgewicht gebracht.
Trotz der Hektik versuchte er sorgfältig seine Manschettenknöpfe zu schließen, den Kragen aufzustellen und die weite Robe, die durchaus einige Falten aufzuweisen hatte, wieder ordentlich hinzubekommen. Mit einigen Zauberstabschwenks war dies dann doch erledigt, die müden Falten in seinem Gesicht konnte er jedoch nicht so leicht weghexen. Aus den Augenwinkeln heraus konnte er wahrnehmen, wie schließlich die junge Schülerin erwachte und sich ebenso vom Bett erhob. Kaum hatte sein Blick ihren nackten Körper gestreift, stockte ihm augenblicklich der Atem, schockiert riss er die Augen auf.
Ruhig, Severus. Du gehst in den Unterricht, es ist alles wie gehabt. Nichts hat sich geändert. Eine Schülerin nackt in deinem Bett mit der du noch dazu zufällig geschlafen hast, macht überhaupt keinen Unterschied zu deinem normalen Alltag.
Er beobachtete sie weiter, wie sie nach und nach ihre Kleidung vom Boden aufsammelte und sich dann in Windeseile anzog. Dann jedoch verlor er sie kurz aus dem Blick, als er gerade daran war noch ein Lehrbuch aus einem der Regale zu nehmen. Kaum hatte er kurz seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes gelenkt, war sie plötzlich bei ihm, drückte sich ungeniert an ihn und zwang ihm einen Kuss auf. Völlig fassungslos starrte er sie mit panischen Augen an, im ersten Moment nicht fähig irgendetwas von sich zu geben. Als er schließlich zu einer Schimpftirade ansetzen wollte, war sie jedoch schon wieder verschwunden. Die Tür fiel hinter ihr ins Schloss und Hermine Granger war aus seinen Privaträumen verschwunden…
Die schwere Kerkertür des Klassenzimmers fiel auf und mit weiten, eiligen Schritten kam Professor Snape den Gang entlang bis nach vorne zu seinem Pult. Er war ganze zwei Minuten zu spät! Das war eine weitere Premiere in seiner Karriere als Lehrbeauftragter. Griesgrämig wie eh und je blickte er in die Klasse, versuchte die Schüler nur mit einem einzigen Blick einzuschüchtern. Niemand würde es wagen ihm irgendwelche Fragen zu stellen hinsichtlich seines Zuspätkommens. „Buch Seite 365… Zutaten für Tränke jeglicher Art, die sich mit der Beseitigung von schwarzmagischen Verletzungen befassen!" Seine Stimme kalt und unnahbar. Severus Snape war wieder in die Rolle des dunklen Zaubertränkeprofessors geschlüpft. Unberechenbar, streng und alles andere als gut gelaunt.
Als er plötzlich erneut sein Haupt hob und in die Schülerschaft blickte, musste er schwer schlucken. Dort saß sie… So als wäre nie etwas zwischen ihnen geschehen.
Ihr Äußeres zeugte nicht davon, was in ihrem Inneren vorging. Gedankenverloren saß Hermine im Klassenzimmer für Zaubertränke als die anderen langsam eintrudelten. Sie hatte bereits ihr Buch und einige Rollen Pergament vor sich liegen und war ganz darin vertieft, während ihre Gedanken jedoch immer noch Achterbahn fuhren. Immer wieder spielten sich die Ereignisse des vergangenen Abends vor ihrem geistigen Auge ab und ließen Schmetterlinge in ihrem Bauch entstehen. Bevor ihr verräterischer Körper etwas davon nach außen tragen konnte rief sie sich zur Konzentration. Es durfte ihr niemand ansehen, was sie beschäftigte, am Wenigsten Snape selbst. Wenn er den Eindruck bekam, dass das was zwischen ihnen war ihre schulischen Leistungen störte würde er bestimmt wieder auf die unsägliche Idee kommen, dass er nicht gut für sie war. Innerlich verdrehte Hermine genervt die Augen. Wenn er doch nur damit aufhören würde.
„Mine!", riss plötzlich Harrys Stimme die junge Schülerin aus ihren Gedanken und sie schreckte auf. „Wo bei Merlins Unterhose warst du?"
Sie hatte das Frühstück verpasst. Panik wallte in ihr auf, Panik davor, dass ihr jemand auf die Schliche kommen könnte. Natürlich hatten ihre Freunde bemerkt, dass sie gefehlt hatte. Hilflos auf der Suche nach einer plausiblen Erklärung beobachtete sie stumm, wie Harry und Ron neben ihr Platz nahmen und ein anderer Gedanke schoss ihr durch den Kopf. Snape hatte Rons Gedächtnis manipuliert, nachdem er ihm einem Fluch auf den Hals gehetzt hatte. Doch wie viel wusste er noch? Vermutlich hatte der Professor dafür gesorgt, dass Ron das gesamte Gespräch zwischen ihnen vergaß, was bedeutete, dass er sich noch immer bei ihr entschuldigen wollte. Als Hermine ihn so ansah konnte sie das schlechte Gewissen aus seinen Zügen sprechen sehen und als er sich gerade zu ihr beugen wollte, kam sie ihm zuvor, um Harry eine Antwort zu geben, die sie ihm noch schuldig war.
„Ich war noch kurz in der Bibliothek", erwiderte sie wie aus dem Zauberstab geschossen und lächelte entschuldigend. „Dabei habe ich das Frühstück ganz vergessen."
Noch immer machte Ron Anstalten sie in ein Gespräch verwickeln zu wollen, doch das Knallen der Türe, das Snapes Ankunft ankündigte, hinderte ihn daran. Innerlich seufzte Hermine erleichtert auf, dass sie sich zumindest nicht jetzt und hier vor der Nase ihres Zaubertränkemeisters mit Ron herumschlagen musste, doch sie befürchtete, dass sie irgendwann nicht mehr darum herum kam. Die junge Schülerin richtete ihre Aufmerksamkeit schließlich auf ihren Lehrer, der ebenso unausstehlich war wie eh und je. Sie jedoch musste ebenso eine Maske aufsetzen, wenn sie nicht wollte, dass jemand auf dumme Ideen kam. Also schlug sie seelenruhig ihr Buch auf und folgte dem Unterricht so gut es ihr möglich war.
Gedankenverloren lauschte die Gryffindor der Stimme des Slytherins und ertappte sich immer wieder dabei, wie ihre Gedanken von seinem Anblick abgelenkt wurden. Sie war seinen Händen mit ihrem Blick gefolgt, als er ihnen einige Zutaten präsentierte, und hatte dabei darüber nachgedacht, was seine Hände sonst noch so alles konnten. Erschrocken über diese Ablenkung wurde Hermine augenblicklich rot und senkte den Blick, alles versuchend, um von sich abzulenken. Diesmal kam Ron ihr unfreiwillig zu Hilfe, der sich im gleichen Moment zu ihr rüber lehnte und ihr einen Zettel zusteckte. Das Rot ihrer Wangen verschwand fast augenblicklich und sie warf dem Rothaarigen einen strafenden Blick zu, rührte den Zettel jedoch nicht an.
Die meiste Zeit gelang es ihr Rons Versuche abzuwehren und sich stattdessen dem Unterricht zu widmen, doch gegen Ende der Stunde wurde er so nervtötend, dass sie seinen Zettel zerknüllte und ihn ihm an den Kopf warf. Schmollend wandte er sich von ihr ab, nicht ohne ihr jedoch immer wieder verstohlene Blicke zuzuwerfen, wie bereits den gesamten Vormittag über.
Als die Stunde endlich vorbei war und sie ihre Sachen zusammen packte, versuchte Ron es erneut, doch sie ging einfach an ihm vorbei als sei er gar nicht da. Hermine verstaute alle Zutaten, die sie gebraucht hatte, wieder feinsäuberlich in Snapes Vorratskammer, um dann ihre Tasche zu nehmen und das Klassenzimmer zu verlassen. Sie hatte nicht mehr auf Ron geachtet, hatte nicht bemerkt, dass er sich auf die Lauer gelegt hatte, und lief ihm daher direkt in die Arme. Ungeduldig zog er sie in einen Seitengang und blickte sie unzufrieden an.
„Hermine, was soll das? Ich versuche schon die ganze Zeit dir etwas zu sagen!"
„Ron, ehrlich, ich will mich im Gegensatz zu dir auf den Unterricht konzentrieren!"
„Aber es ist wichtig!"
„Schön, dann spucks schon aus!"
Ein ungutes Gefühl breitete sich in ihrer Magengegend aus, immerhin hatte sie sich schon einmal in dieser verzwickten Situation befunden. Hermine hatte panische Angst, dass Snape jeden Moment um die Ecke kam, um Ron erneut mit einem Fluch zu belegen. Darauf konnte sie wirklich verzichten, denn das würde nur wieder Ärger für sie bedeuten. Oder aber erneute Befriedigung? Bei dem Gedanken kribbelte es erneut in ihrem Bauch und sie musste sich dazu zwingen an etwas anderes zu denken, bevor Ron bemerkte, dass sie rot anlief.
„Das gestern tut mir wirklich leid, ich...", begann er unsicher, kam jedoch nicht weit.
„Schon okay, Schwamm drüber!", rief Hermine plötzlich einige Tonlagen höher und noch während sie sprach hatte sie bereits die Beine in die Hand genommen und war losgelaufen, um vor Ron zu flüchten bevor er noch einmal auf die Idee kommen konnte sie zu küssen.
Snapes Augen waren überall. Wie auch heute behielt der Professor seine Schüler ganz genau im Auge, doch der strebsamen Gryffindor schenkte er besonders seine Aufmerksamkeit. Während er einen Vortrag über die verschiedenen Zutaten hielt, ließ er immer wieder seinen Blick über die Schülerschaft wandern. So entging ihm auch nicht, dass Weasley erneut Anstalten machten der jungen Schülerin auf die Nerven zu gehen. Der Professor konnte zwar nicht den Zettel sehen, den der Rothaarige Hermine zugeschoben hatte, jedoch konnte er nur zu deutlich ihre Reaktion darauf wahrnehmen. Ein schadenfrohes Grinsen huschte für einen kurzen Moment über Snapes Gesicht, ehe er sich wieder seinem Vortrag widmete.
Obwohl er sich nun wieder seinen Tränkezutaten zuwandte, konnte er es nicht verhindert, dass seine Gedanken immer wieder abdrifteten. Für Severus war es nicht möglich, dass er Hermine Granger völlig ignorierte, schließlich saß sie dort im Unterricht und folgte seinen Worten aufmerksam. Ihr Blick ruhte unentwegt auf seinem, Erinnerungen von letzter Nacht stiegen hoch. Ihr warmer, zierlicher Körper unter seinem, ihre verführerischen Küsse, die leidenschaftlichen Blicke. Ihr Stöhnen, wie sie seinen Namen geflüstert hatte. Abrupt wandte er sich ab, ließ mit seinem Zauberstab etwas auf der Tafel erscheinen. In großen Lettern waren die verschiedenen Zutaten aufgelistet, die nun die Fünftklässler abschreiben mussten. Es war gut, dass er einen kurzen Moment ihren Blicken entfliehen konnte, es ließ ihn wieder rational denken und ihn professionell die Unterrichtsstunde überstehen.
„In den Sommerferien werden Sie Ihre Prüfungsergebnisse der ZAGs brieflich erhalten. Wenn Sie unter den wenigen sind, die ein Ohnegleichen in meinem Fach erhalten, darf ich Sie nächstes Jahr wieder im Oberstufenkurs willkommen heißen. Diese Schüler werden mir bis nach den Sommerferien eine Hausarbeit verfassen, die sich mit einem selbst ausgewählten Thema der Zaubertränkekunst befasst. Etwa 30 Seiten sind dafür angemessen." Mit diesen Worten beendete er den Unterricht, ehe er mit wehendem Umhang augenblicklich das Klassenzimmer verließ.
Als er schließlich in einem der Gänge stand, den Blick auf ein großes Portrait gerichtet, mit dem er sich kurz über alte Traditionen der Zaubereigeschichte unterhielt, kam ihm plötzlich jemand entgegengelaufen, den er so schnell nicht wieder erwartet hatte. Hermine Granger lief hastend den langen Flur entlang, als wäre der Teufel höchstpersönlich hinter ihr. „Miss Granger?" Augenblicklich war er einen Schritt in den Flur getreten und stellte sich ihr in den Weg. Mit gerunzelter Stirn starrte er sie fragend an, ohne sie jedoch direkt nach dem Grund zu fragen. „Sie schulden mir noch Ihre Ausarbeitung, das haben Sie doch nicht vergessen, oder?" Strenge lag in seinem Blick, doch seine Augen sprachen eine andere Sprache. Er musste sich insgeheim tatsächlich ein Grinsen verkneifen. Hermines Haare standen wirr in alle Richtungen, sie hatte einen hochroten Kopf auf und ihr Atem ging stoßweise. Fast so, als läge sie immer noch in seinem Bett unter seinem Körper begraben.
„Miss Granger?"
So hektisch wie sie vor Ron geflohen war hatte sie auf nichts anderes um sich herum mehr geachtet, war nur noch gerannt, um seinen Avancen zu entkommen. Zudem hatte sie schlicht nicht damit gerechnet ihrem Zaubertränkemeister so schnell wieder buchstäblich in die Arme zu laufen. Fast hätte Hermine Snape übersehen und wäre in ihn hinein gelaufen, doch gerade noch rechtzeitig bremste sie kurz vor ihm ab. Als sie bemerkte, dass sie ihm für Außenstehende viel zu nahe gekommen war, brachte sie schnell eine angemessene Distanz zwischen sie beide. Dennoch konnte sie seinen Geruch wahrnehmen, sein Blick war mit dem ihren verschlungen und sofort war es wieder um sie geschehen. Die Wirkung, die ihr Lehrer auf sie hatte war kaum auszuhalten und sofort fand sich die Schülerin in einem erneuten Zustand der Erregung wieder. Ihre Wangen wurden rot und sie räusperte sich vernehmlich, ganz darauf bedacht so gelassen wie möglich zu wirken.
„Sie schulden mir noch Ihre Ausarbeitung, das haben Sie doch nicht vergessen, oder?"
Es entging ihr nicht, dass er versuchte den Strengen zu mimen, seine Augen jedoch etwas vollkommen anderes sagten. Wie gern wäre Hermine jetzt und hier über Snape hergefallen, hätte alle Prinzipien über Board geworfen und ihn in einen Kuss verwickelt, doch sie blieb standhaft. Stattdessen versuchte sie sich ein keckes Verhalten anzugewöhnen, um ihn ein wenig aus der Reserve zu locken. Schließlich hatte sie mittlerweile Gefallen daran gefunden, wenn er lächelte oder sogar grinste, er tat das viel zu selten und sie wollte versuchen ihm mehr Gründe dafür zu verschaffen.
„Sie werden feststellen, dass sich mein Aufsatz bereits in Ihrem Besitz befindet, Professor", erwiderte sie betont distanziert und bedachte ihn mit einem verspielt verführerischen Blick. „Es kann durchaus sein, dass Ihnen das nicht aufgefallen ist, wo Sie es heute Morgen so schrecklich eilig hatten..."
Tatsächlich entsprach dies der Wahrheit, hatte Hermine doch trotz der Hektik daran gedacht die Pergamente auf seiner Couch zurückzulassen. Seiner grünen Couch, die vor dem knisternden Kamin stand und die sich hervorragend dafür eignete, dass er Schülerinnen dabei beobachten konnte wie sie sich für ihn auszogen. Merlin, sie errötete erneut, diesmal konnte sie es jedoch nicht verhindern. Ihr Atem ging augenblicklich schneller und das Verlangen nach ihm ergriff einmal mehr von ihr Besitz. Snapes strenges Verhalten im Unterricht hatte noch dazu beigetragen und Hermine ertappte sich bei dem Gedanken, dass sie sich wünschte er würde sie in seinem Klassenzimmer nehmen. Damit war es um ihre Selbstbeherrschung geschehen, ihre Knie wurden weich und ihr Blick immer verlangender. Betont lässig lehnte sie sich gegen die Mauer, um ihre Reaktion zu überspielen.
„Ich hoffe Sie werden ihn ansprechend finden", fuhr ihre verräterische Stimme etwas heiser fort und sie schalt sich in Gedanken selbst.
Bei dem Gedanken daran, dass der Unterricht den sie gerade bei ihm gehabt hatte ihr letzter für dieses Schuljahr gewesen war, wurde sie wieder ernster. Bisher hatte Hermine noch gar nicht daran gedacht, dass sie Snape eine ziemlich lange Zeit nicht sehen würde. Jetzt jedoch schlug eine Welle der Trauer über ihr zusammen, sie konnte sich mittlerweile nicht mehr vorstellen ihn nicht jeden Tag zu sehen. Überhaupt wusste sie eigentlich gar nichts, sie wusste nicht wie die Ferien ablaufen würden, würde er ihr schreiben? Würde sie ihm schreiben? Konnte sie das überhaupt wagen? Ihr Kopf war ein einziges Chaos aus Fragen aus denen sie nicht schlau wurde, doch im Augenblick stand er noch vor ihr. Noch hatte sie die Gelegenheit sich zumindest ordentlich von ihm zu verabschieden und diese würde sie nutzen. Verstohlen blickte die junge Schülerin sich um, ging sicher, dass wirklich niemand, egal ob Porträt oder Mensch, sie beide beobachtete und hauchte ihm einen liebevollen Kuss auf die Wange.
„Ich wünsche Ihnen schöne Ferien, Professor", sagte sie lächelnd während sie sich noch einmal erlaubte sich in seinen dunklen Augen zu verlieren, bevor sie sich schließlich auf den Weg in Richtung Gryffindorturm machte.
Da stand sie also, die kleine Nervensäge aus Gryffindor und blickte ihn an. Wer hätte jemals gedacht, dass sich das Bild, das er von Hermine Granger hatte, so schlagartig ändern konnte? Der Weihnachtsball vor eineinhalb Jahren war es gewesen, der sie in einem anderen Licht erschienen hatte lassen. Und Schlag auf Schlag war es um den Zaubertränkemeister geschehen. Früher hatte er sie tatsächlich als nervige Streberin gesehen, die immer alles besser wusste, als ihre Schulkameraden. Tatsächlich hatte er ihr Verhalten im Unterricht abgrundtief gehasst, doch auf einmal war alles anders gewesen. Auf einmal hatte er sich selbst in ihr gesehen, wie er als Jugendlicher selbst lieber seine zu lang geratene Nase in die Bücher gesteckt hatte. Sie waren sich vielleicht ähnlicher, als er zu Anfang gedacht hatte.
„Sie werden feststellen, dass sich mein Aufsatz bereits in Ihrem Besitz befindet, Professor…Es kann durchaus sein, dass Ihnen das nicht aufgefallen ist, wo Sie es heute Morgen so schrecklich eilig hatten…"
Die Worte waren wohl bedacht, die die junge Schülerin an ihn richtete. Auf den ersten Blick förmlich, höflich, einer Vorzeigeschülerin entsprechend. Doch auf den zweiten Blick, wenn man zwischen die Zeilen las, da konnte nichts als ein Schalk dazwischen stehen. Severus Mine war unverändert, immer noch blickte er sie streng von oben herab an. Doch in seinen Augen blitzte etwas auf, woran man erkennen konnte, dass er durchaus begriffen hatte. Sie sprach den „Vorfall" an, der sich letzte Nacht in seinen Privaträumen abgespielt hatte.
Ihre nächsten Worte ließen jedoch den Witz verfliegen und beschworen ein seltsames Gefühl in ihm herauf.
„Ich hoffe Sie werden ihn ansprechend finden."
Ihre Art und Weise wie sie die Worte aussprach, ließen keinen Zweifel übrig. Es war offensichtlich auf was sie anspielte. Ansprechend? In Severus Hals bildete sich ein Kloß, durch den es ihm schwer fiel zu sprechen. Er räusperte sich, ehe er ihr eine Antwort entgegenbrachte.
„Gewiss…!" Seine Stimme seidig und zugleich rau, sein Blick durchdringend auf die junge Schülerin gerichtet. „Daran besteht kein Zweifel." Tatsächlich stahl sich erneut dieses seltene, spitzbübische Grinsen auf sein Gesicht, dass augenblicklich jedoch verschwand und einem völlig verdatterten Gesichtsausdruck Platz machte.
Hermine hatte urplötzlich die letzte Distanz zwischen ihnen überwunden und ihm einen Kuss auf die Wange gehaucht. Unfähig irgendetwas zu erwidern, beobachtete er, wie sie von dannen ging. Als sie schon aus seinem Blickfeld verschwunden war murmelte er leise für sich die Worte „Dir auch meine kleine Löwin…"
Anmerkung: Sodala... Das war doch mal ein heißes Kapitel, oder was meint ihr? ;-)
