Ein schauriges Brüllen war zu vernehmen. Arya hob ihren Kopf und sah erneut gen Himmel. Doch dort, wo noch Minuten zuvor der Mond herabgeschienen hatte war nichts mehr, nichts als Schwärze. Arya kniff die Augen zusammen und vermochte zu ihrem großen Schrecken die Umrisse eines gewaltigen Drachen auszumachen.
Shurikan.
Die beiden Drachen folgten wie gebannt den kraftvollen und zugleich anmutigen Bewegungen des schwarzen Kolosses, der nun zur Landung ansetzte. Das Beben, das den Boden der Lichtung erzittern ließ, riss Arya fast zu Boden, hätte Murtagh nicht immer noch einen Arm um sie gelegt der sie aufrecht hielt.
Vorsichtig spähte Arya an dem gigantischen Berg aus Zähnen, Klauen, Schuppen und Muskeln hinauf. Auf seinem Rücken konnte sie keinen Reiter erkennen, was ein gutes Zeichen war. Sie hatte immer gedacht Glaedr wäre einer der größten Drachen gewesen, die existierten, doch wurde sie nun eines besseren belehrt. Der majestätische Feuerspucker hob seinen Kopf und fokussierte seine Augen, die schwärzer als die Nacht waren auf die völlig erstarrte Gruppe vor ihm.
Ein Blick zu Eragon und Saphira verriet Arya, dass diese genauso erstarrt waren wie auch sie. Murtagh schien sich als erstes wieder gefasst zu haben, wohl weil er den Anblick der sich ihnen hier bot schon gewohnt war.
„Shurikan, was machst du denn hier?", erkundigte er sich und in seiner Stimme war eine Angst zu hören, die an Panik grenzte.
„Galbatorix hat mich geschickt, er zweifelte wohl an deinen Fähigkeiten eine Elfe zu fangen.", grollte der Drache, so durchdringend, dass auch die anderen seine Stimme vernahmen, auch wenn er wohl nur zu Murtagh und Dorn gesprochen hatte.
„Es ist hier alles unter Kontrolle", knurrte Murtagh und wich etwas zur Seite, wie als wollte er die Aufmerksamkeit des schwarzen Drachen von Eragon und Saphira abwenden.
Der alte Drache jedoch schien zumindest die Drachendame nicht entgangen zu sein, denn er hob seinen gewaltigen Kopf und schnupperte in ihre Richtung, was ihm sogleich ein donnerndes Grummeln entlockte, dass fast wie das Schnurren einer Monsterkatze klang.
Auch Saphira schien in Richtung des großen Drachen zu schnuppern und trat neugierig näher. Sowohl Eragon, als auch Dorn reagierten sofort, wenn auch sehr unterschiedlich. Eragon lief rosarot an und warf seiner Drachendame einen mehr als peinlich berührten Blick zu. Dorn hingegen rappelte sich ächzend vom Boden hoch und wankte zwischen die beiden älteren Drachen und knurrte Shurikan herausfordernd an. Dieser schien von der Reaktion des kleinen roten Drachen überaus amüsiert zu sein, denn er lachte tief und grollend, was den Boden unter Aryas Füßen beben ließ. Sollte Dorn etwa eifersüchtig sein?
„Keine Sorge kleiner roter Schlüpfling, ich bin viel zu alt um …", plötzlich verstummte er und man konnte förmlich sehen wie sich der alte Drache verspannte und keuchte, als würde er von unsäglichen Schmerzen heimgesucht. Dann erklang mit einem Mal eine furchtbare, eiskalte und grausame Stimme.
„Sieh einer an, was haben wir denn hier. Alle meinen Sklaven versammelt, wie schön.", Aryas Blut schien in ihren Adern zu gefrieren, das konnte nur Galbatorix sein. „Nun gut, Shurikan, nun gut. Es ist an der Zeit, dass ihr alle zu mir zurückkehrt."
….
Galbatorix saß in seinem Thronsaal und konzentrierte sich mit geschlossenen Augen auf seinen Drachen, und sprach durch ihn zu der kleinen Gruppe. Er konnte spüren wie sich der alte Drache aus ihm unerklärlichen Gründen stärker gegen ihn sträubte als er es für gewöhnlich tat. Er musste wohl Mitleid mit den Drachen haben. Schwäche, aber darum würde er sich kümmern wenn er sie alle hier versammelt haben würde.
„Los Shurikan, bring sie zu mir", rief er mit vom Wahnsinn erstickter Stimme, sein Triumph war so nah, zum Greifen nah, doch warum bewegte sich dieser dumme Drache nicht.
Doch dieser schien nicht einmal mehr auf seine Zuruf zu reagieren, sondern wandte sich in gerade diesem Moment der zittrigen Elfe zu, die wie entgeistert zurück starrte.
„Shurikan, ich warne dich ein letztes Mal, beweg dich und bring sie zu mir. Hörst du nicht?", tobte Galbatorix und sprang von seinem Stuhl auf.
Doch er konnte nur sehen, wie sich der gewaltige Drache seinen Kopf senkte, bis er Auge in Auge mit der Elfe war. Neugierig blickten sie sich an, bis die Elfe beinahe wie ferngesteuert ihre Hand hob und Shurikan seien breite Schnauze dagegen drückte.
Ein brennender Schmerz fuhr durch den Körper des Wahnsinnige Königs und wie von Sinnen schlug dieser sich die Hände an den Kopf in dem irrationalen Versuch das Drohnen und Stechen abzustellen. Er kannte das Gefühl, er kannte es zu gut. Er spürte wie etwas an seinem Verstand riss, an seinem Herzen, an seiner Seele. Das ziehen wurde stärker und stärker bis mit einem Ruck alles schwarz wurde vor seinem inneren Auge.
„Allein, nein das kann nicht sein, nicht wieder, nein, NEEEEEEEIIIIIIIINNN", dann brach der König in sich zusammen.
…
Dorn starrte auf den großen Drachen, der auf einmal mit einem beinahe hypnotisierten Blick die Elfe einfing. Diese erwiderte den Blick nicht weniger apathisch und langsam, ganz langsam beugte Shurikan den Kopf und hielt auf Augenhöhe mit der Elfe inne, wobei sein großer Kopf, wie ein mächtiger Felsen auf dem Waldboden ruhte.
Langsam beinahe noch langsamer als Shurikan hob Arya ihre Hand und hielt sie keine schuppenbreite von der Schnauze des schwarzen Drachen entfernt vor sich. Mit einem Ruck berührte der Drache die Handfläche der Elfe mit seiner Schnauze und massiver Energiestoß wurde freigesetzt.
Als sich der magische Nebel wieder gelichtet hatte, sah man, dassArya gegen die Schnauze des Drachen gesunken war, der lautstark jubilierte. „Frei, endlich frei, nach so vielen Jahren, frei wie ein Vogel."
Eragon trat näher an Drachen und an Arya heran und versuchte sie an der Schulter zu berühren, doch Shurikan stieß ein grollendes dumpfes Knurren aus und Eragon taumelte zurück.
„Was, was ist passiert?", stammelte Murtagh.
„Ein Drache hat seinen wahren Reiter gefunden.", antwortete eine dumpfe Stimme in ihren Gedanken. „Nichts, nicht einmal die stärkste Magie, kann verhindern, dass ein Drache mit seinem wahren Reiter seine Bindung eingeht."
Eragon hob den Kopf und trat neben Saphira um aus der Satteltasche eine große goldenen Kugel zu holen. „Glaedr, wie … wie kann das sein, ich dachte Shurikans Reiter ist von Galbatorix getötet worden."
„Das habe ich auch gedacht, schließlich haben wir einen Toten neben dem Ei gefunden aus dem Shurikan geschlüpft ist. Aber das war offensichtlich nicht der Reiter, sondern nur einen unglückliche Seele, die zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort gewesen ist.", antwortete das Herz der Herzen.
„Was ist mit Galabtorix passiert, ich spüre ihn nicht mehr", fragte Murtagh entzückt.
„Er hat gerade seinen Drachen ein zweites Mal verloren. Einmal ist schmerzhaft ein zweites Mal muss tödlich gewesen sein", überlegte der Drache. „Fliegt nach Uru´Baen, denn der Krieg ist entschieden, ich fühle wie sich das Land bereits zu erholen beginnt und die Schatten sich verziehen. Dieses kleine Wunder wir gewaltige Folgen haben. Das Land kann heilen und die Zeit der Drachenreiter wird zurückkehren"
Dorn hob seinen Kopf gen Himmel und stieß ein ohrenbetäubendes Triumpf Brüllen aus, in das die beiden anderen Drachen mit einfielen. Eine Zeit des Friedens würde folgen, dessen waren sich alle sicher.
-ENDE-
