Stummes Herz
EPOV
Ich achtete penibelst darauf, nicht zu atmen, als ich so schnell wie es mein Wagen zuließ nach Hause fuhr. Ich musste innerhalb der nächsten paar Minuten aus diesem von ihrem Duft geschwängerten Auto raus, wenn ich mich und meine Grundsätze nicht vergessen wollte, so wie ich es fast getan hätte, als Bella meinen Mantel auszog und somit ihren Duft in meine Richtung wehte und ich ihn so noch intensiver wahrnahm. Fast hätte ich mich vergessen und hätte ein übles Unheil angerichtet und wieder wurde mir somit vor Augen gehalten, wie gefährlich ich doch für sie war, wie gefährlich und abartig. Jetzt lag der Mantel neben mir und schien mich zu verhöhnen, zu verspotten aufgrund meiner Schwäche.
Meine Gedanken wanderten zurück ins Restaurant, zurück zu Bella und unserer Unterhaltung. Sie hatte immer noch keine Angst vor mir, trotz ihres Wissens um mich, ihres Wissens, dass ich anders war…ein kaltes Wesen. Sie war nicht davor zurückgeschreckt, mich zu berühren. Und als ihre erhitzte Hand meine viel zu kalte Haut berührte, durchfuhr es mich, wie ein Blitzschlag und ich hätte Bella am liebsten an mich gezogen, sie umarmt, hätte am liebsten ihr seidenes Haar berührt. Noch nie in meiner jetzigen Existenz, hatte ein Mensch bewusst meine Haut berührt und dessen Beschaffenheit erkundet, so wie Bella es getan hatte und ich hatte nicht erwartet, dass es sich…so…gut anfühlen würde. Ihr Herz hatte beinahe Saltos geschlagen, als ihr bewusst wurde, dass mit mir wirklich etwas nicht stimmte, doch es war keine Angst und das verwunderte mich. Hatte sie in allen Lebenslagen ständig Angst und wies einen durch ihre Nervosität erhöhten Herzschlag auf, so blieb sie in meiner Gegenwart verhältnismäßig ruhig. Nur zwei Mal bemerkte ich ihren ansteigenden Puls. Einzig und Allein ihre Neugierde brachte sie dazu, unruhig zu werden. Sie war mir ein Rätsel, das ich unbedingt lösen wollte.
Ich bog auf unseren Waldweg ein und wurde dann langsamer, als ich von weitem unser Haus sehen konnte. Mein Blick viel erneut auf meinen Mantel und ich seufzte innerlich, als ich daran dachte, dass mir nichts anderes übrig blieb, als tief einzuatmen. Mine Kehle brannte sowieso seit dem Moment, als ich Bella ansprach und gewöhnen musste ich mich auch daran. Ich hielt den Wagen vor der Garage, machte den Motor aus und versuchte mich entspannt nach hinten zu lehnen. Langsam griff ich nach meinem Mantel und hielt ihn an meine empfindliche Nase, nicht wissend, ob ich es wirklich tu sollte, ob ich wirklich erneut ihren unbeschreiblichen Geruch in mir aufnehmen sollte. Sie…war nicht mehr hier und somit war auch mein Beschützerinstinkt weitestgehend verschwunden. Wie würde ich also nun auf den neuen Schwall ihres Duftes reagieren? ...Wahrscheinlich würde ich durchdrehen….
Ich schloss die Augen und nahm dann einen tiefen Atemzug, ließ Bellas Duft durch meine Atemwege strömen und knurrte augenblicklich laut auf, als sich die Flammen unaufhaltsam in meiner Kehle, meiner Lunge, meinem gesamten Körper ausbreiteten und mich innerlich zu verbrennen schienen. Jede einzelne versteinerte Zelle meines Körpers schrie nach ihr, verzehrte sich nach ihrem Blut und das Monster in mir wollte augenblicklich loslaufen und seine Zähne in Bellas unglaublich weiche und verführerische Haut schlagen, um an den kostbaren Lebenssaft zu kommen, um sich endlich befriedigt zu fühlen…vollends befriedigt…
Meine Hand verkrampfte sich um meinen Mantel zu einer eisernen Faust und es war mir nicht möglich, ihn von mir zu stoßen. Zu berauscht war ich, um noch klar denken zu können, doch…es musste einfach sein. Ich musste mich daran gewöhnen, auch wenn Carlisle der Meinung war, ich würde mich niemals an diesen Geruch gewöhnen, ich musste es wenigstens versuchen, musste versuchen, abzustumpfen, auch wenn das hieß, unerträgliche Qualen zu erleiden.
Durch meinen inneren Kampf mit mir selbst, mit meinem Monster, hatte ich nicht bemerkt, wie Emmett aus dem Haus und direkt auf mich zugelaufen kam. Erst als sich meine Wagentür mit einem Ruck öffnete, erkannte ich Emmett neben mir. Sofort ging mein Monster in Abwehrhaltung und fauchte meinen Bruder mörderisch an, er wollte es mir wegnehmen, wollte mich meiner Droge entziehen. Das würde ich niemals zulassen.
„Mensch Edward! Bist du wahnsinnig geworden? Was tust du hier? Warum zum Teufel folterst du dich selbst?" Ich sah, wie er nach mir griff und mich aus dem Wagen ziehen wollte, weg von ihrem Duft, hinaus an die frische Luft, doch ich schlug mit aller Gewalt seinen Arm weg und stieß einen lauten Brüller aus. Ich wollte nicht, dass er mich aus meinem Rausch holte, auch wenn es mir noch so schrecklich weh tat. Ich musste lernen, damit umzugehen und nur so konnte es funktionieren.
„Wieso tust du das überhaupt? Es wäre für alle das Einfachste, wenn du dich einfach von ihr fernhalten würdest. Damit keine Probleme entstehen. Was glaubst du, was passiert, wenn es dich so in ihrer Gegenwart erwischt?"
Ich schluckte und schloss die Augen. Er hatte Recht…er hatte ja sowas von Recht. Auch wenn ich es heute Abend geschafft hatte, meine Kontrolle nicht zu verlieren, wer garantierte mir, dass es auch so bleiben würde, dass ich nicht doch noch ausrasten und sie verletzen würde? Und trotzdem konnte und wollte ich ihr einfach nicht fernbleiben. Ich nahm all meine Kraft zusammen, warf den Mantel von mir und stieg dann aus meinem Auto. Weg von ihrem berauschenden Duft und stellte mich Emmett gegenüber. Ich wusste, dass er sich nur Sorgen um mich machte und nicht nochmal in so eine Situation geraten wollte, in der er nicht wusste, wie ich handeln würde und er gezwungen war, mich mit Alice die halbe Nacht zu beschatten. Und trotzdem…es war mein Kampf, nicht seiner. „Es…ist alles in Ordnung Emmett." Sagte ich knapp und lief dann los, in den Wald.
BPOV
Schweiß gebadet und am ganzen Körper zitternd schreckte ich aus meinem Schlaf hoch. Die Bilder aus meinem Traum hatten sich tief in meine Netzhaut eingebrannt und wollten mich einfach nicht mehr loslassen. Es fühlte sich so an, als wäre dieser furchtbare Traum gar kein Traum gewesen, sondern wirklich passiert, obwohl ich wusste, dass das unmöglich war. Doch etwas war anders diese Nacht, denn zum ersten Mal hatte ich etwas anderes geträumt als diese schrecklichen Dinge, die mich nun seit knapp drei Monaten in meinem Schlaf verfolgten und trotzdem war es nicht minder schlimm. Ich fuhr mir durch die Haare und versuchte wieder zu Ruhe zu kommen. Erleichtert stellte ich fest, dass Charlie nicht wach geworden war, ich hatte also nicht geschrien…das war schon mal gut.
Ich war viel zu nervös, als dass ich wieder hätte versuchen können, einzuschlafen und mein Körper schüttelte sich vor der plötzlichen Kälte in meinem Zimmer. Ich griff nach einem Pullover, der neben meinem Bett lag, zog ihn mir über und knipste dann die kleine Lampe auf meinem Nachttisch an. Alles sah wie immer in meinem Zimmer aus und trotzdem war irgendetwas anders…ich konnte es fühlen und doch nicht beschreiben. Ich blickte mich weiter um und konnte dennoch nichts entdecken, dass mir zeigen würde, dass wirklich etwas anders war. Ich musste mir das also nur eingebildet haben…bestimmt die Nachwirkungen des Traumes, der eigentlich nicht so schlimm angefangen hatte. Ich hatte von ihm geträumt…von Edward Cullen…ich weiß nicht wieso, aber ich hatte mich geborgen gefühlt und wollte, dass dieses Gefühl nie mehr verschwand. Immer wieder tauchte sein wunderschönes Gesicht vor meinen Augen auf, seine funkelnden Augen, sein herzerweichendes Lächeln, ich konnte seinen unbeschreiblichen Duft riechen, doch…nach und nach hatten sich die Bilder verändert, hatten begonnen sich zu verzerren, sein Gesicht wurde zu einer schrecklichen Fratze und ich hatte versucht weg zu laufen, jedoch ohne Erfolg. Es war als würde ich nicht von der Stelle kommen und ein übernatürliches weißes Wesen verfolgte mich, jagte mich regelrecht. Ich schüttelte meinen Kopf, um die Gedanken zu vertreiben. Ich wollte jetzt nicht an dieses…Ungeheuer denken…an dieses weiße Ungeheuer mit den scharfen Reißzähnen und der glatten schimmernden steinharten Haut…denn immer wieder hatte dieses Monster Edwards Gesicht, verzogen zu einer unheimlichen Fratze, die mich mordlustig anstarrte, dessen Augen sich verdunkelten, bis sie so schwarz wie die Nacht wirkten. Ich weiß noch, dass ich in meinem Traum geschrien hatte, als mich die Kreatur mit seinen langen Krallen packen und an sich reißen wollte, als sie ihre Zähne bleckte. Und dann war ich aufgewacht.
Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte. Warum spielte mir mein Unterbewusstsein einen solch üblen Streich? Wusste ich vielleicht doch mehr, als ich mir im Klaren war? Ich blickte auf die Uhr und seufzte, als ich sah, dass es erst fünf Uhr morgens war. Ich hatte noch fast zwei Stunden, bis ich wirklich aufstehen musste, doch ich fühlte mich durch den Adrenalinstoß viel zu wach. Mein Gehirn arbeitete auf Hochtouren und spielte immer wieder die gleichen Szenen ab. Der Fastunfall, die wechselnde Augenfarbe…wechselten auch die Augen seiner Geschwister die Farbe? Diese kalte, viel zu bleiche Haut…Schnelligkeit…stein hart…sollte mir nicht irgendein Superheld dazu einfallen? Doch je mehr ich darüber nachgrübelte, desto schwieriger waren die Gedanken zu fassen. Ich würde wohl bei den Legenden der Quileute beginnen müssen, wenn ich hinter das Geheimnis der Cullens kommen wollte.
Ich sprang auf und suchte mir meine Klamotten zusammen. Ich hatte noch genügend Zeit, bis der Unterricht beginnen würde und wem würde ich schon Montagmorgen in aller Früh in der Schulbibliothek begegnen? Ich hastete ins Badezimmer, um mich zu duschen und legte meinen Pyjama ab, ohne dabei in den Spiegel zu sehen, so wie ich es mir angewöhnt hatte. Ich hasste mein Spiegelbild, das, was ich darin zu sehen bekam…Ich drehte das Wasser in der Dusche auf und stellte mich unter den eiskalten Strahl. Sofort überkam mich eine Gänsehaut am ganzen Körper und ließ mich einen Moment zittern, bis ich mich an die Kälte gewöhnt hatte und begann mich dann ausgiebig zu duschen. Es gab Tage, da mochte ich das heiße Wasser nicht, konnte das brennende Gefühl auf meiner Haut nicht ertragen. Es fühlte sich so anders an, als die angenehme Hitze in Phönix. An diesen Tagen genoss ich den eiskalten Strahl Wasser, der mich richtig wach werden ließ. Unweigerlich musste ich wieder an Edwards ungewöhnlich eiskalte Haut denken. Das ganze Wochenende hatte ich in meinem Zimmer verbracht…grübelnd. Charlie hatte schon Sorge, ich würde krank werden und hatte sogar schon darüber nachgedacht, meinen Hausarrest den ich mir eingehandelt hatte aufzuheben, tat es dann aber doch nicht…naja…in gewisser Weise hatte ich ihn ja auch verdient, also würde ich mich auch nicht beklagen.
Duzende Begriffe hatte ich im Internet recherchiert und gehofft, etwas zu finden, das mir weiterhalf, ohne Erfolg. Doch ich würde nicht aufgeben, bis ich erfahren hatte, was mit Edward los war. Auch wenn ich dafür Jake so lange ausquetschen müsste, bis er es mir verraten würde.
Als ich unkontrolliert zu zittern begann, stellte ich das Wasser ab, stieg aus der Dusche und hüllte mich in eines der großen flauschigen Badetücher um mich abzutrocknen und etwas zu wärmen, bevor ich mir eine dunkle Jeans und einen grünen Pullover, der mir fast bis zu den Knien reichte anzog. Er war bequem und warm, also würde ich damit nicht so schnell frieren. Ich überprüfte so schnell wie möglich mein Spiegelbild, nur um zu sehen, dass ich viel zu unordentliches Haar und dicke Augenringe hatte, aber es störte mich nicht besonders. Ich musste ohnehin niemandem gefallen, und so gäbe es wieder neuen Gesprächsstoff an der Schule. Es war schon fast langweilig meinen Freunden zuhören zu müssen, wie sie sich immer wieder über dieselben Themen unterhielten oder gar beschwerten. Unfaire Lehrer, schreckliches Kantinenessen, die neuesten Klamotten und…natürlich die Cullens. Da würde es nicht schaden, ihnen neuen Gesprächsstoff zu liefern.
Ich versuchte so leise wie möglich zu sein, als ich meinen Rucksacke und die dickste Jacke, die ich besaß aus meinem Zimmer holte…naja…der gute Wille zählt, denn ich machte diese Rechnung ohne einen Stapel Bücher, den ich mit einem lauten Krach auf meinem Fußboden verteilte…das war's dann wohl, mit dem heimlich raus schleichen, denn in dem Moment konnte ich hören, wie Charlie die Tür öffnete und mich fragend anblickte, als ich im Flur erschien.
„Bella…was machst du denn so früh für einen Krach? ...Und wieso bist du schon auf?" Charlie sah richtig verwirrt und verschlafen aus, wie er so in seinem Pyjama in der Tür stand."
„Oh…ähm…tut mir leid, ich wollte dich nicht wecken…aber…ich muss früher in die Schule…ich muss noch unbedingt in die Bibliothek." Stotterte ich und zog mir dabei die Jacke über.
Charlie nickte nur und hob dann zum Gruß die Hand. „Aber vergiss nicht, du hast Hausarrest." Erinnerte er mich daran und verschwand dann wieder in seinem Schlafzimmer.
Ich beeilte mich aus dem Haus zu kommen und schnappte mir den Schlüssel zu meinem Truck. Eisige Kälte begrüßte mich, als ich die Haustür hinter mir schloss und zu meinem Wagen lief. Ich hüllte mich fest in meine Regenjacke, um mich vor dem eisigen Wind zu schützen und mich etwas zu wärmen, denn auch im Truck selbst würde es nicht erheblich wärmer sein. Ich warf meinen Rucksack auf den Beifahrersitz und drehte den Schlüssel im Zündschloss…nichts…der Truck wollte nicht anspringen…großartig. Jetzt blieb mir nichts anderes übrig, als zu laufen, wenn ich der Peinlichkeit entgehen wollte, mich von Charlie bringen zu lassen und vor allen Augen aus einem Polizeiauto zu steigen. Fluchend schnappte ich mir meinen Rucksack, stieg aus dem Truck und knallte die Tür zu. Zu Fuß würde ich es gerade rechtzeitig schaffen, pünktlich in die Schule zu kommen, aus meinem Plan vor dem Unterricht noch die Bibliothek aufzusuchen wurde also nichts.
Ich zog mir frustriert die Kapuze tief ins Gesicht um mich vor dem feinen Nieselregen zu schützen und machte mich auf den Weg. Schlimmer konnte ein Morgen doch gar nicht mehr beginnen und bis ich in der Schule war, würde ich völlig durchnässt sein. Ich stapfte durch den Matsch am Straßenrand und achtete auf jeden Schritt, den ich tat um nicht zu stolpern…es sollte verboten sein, einen so unkoordinierten Menschen wie mich alleine auf die Straße zu lassen…wobei…eigentlich war ich zum Glück nur eine Gefahr für mich selbst.
Ich war ziemlich schnell aus der Puste, war ich es doch nicht mehr gewohnt, so weit zu laufen. Seit Monaten hatte ich es vorgezogen nur aus dem Haus zu gehen, wenn es unbedingt nötig war und ich vermied weitestgehend, mich körperlich zu betätigen. Sport war noch nie meine Stärke und durch mein etwas zu geringes Körpergewicht hatte ich auch kaum Kraft. So wurde ich nun immer langsamer, verfluchte das Wetter, verfluchte den alten Truck und verfluchte mich. Vom Glück war ich schon zu lange nicht mehr gesegnet worden. Ich hasste diesen Tag, hasste Forks, hasste mein verdammtes Leben. Aber einen Lichtblick gab es doch…schlimmer konnte es nun wirklich nicht mehr kommen…dachte ich…
Ich schrak zusammen, als ich quietschende Reifen hinter mir hörte und dachte schon, dass ich mal wieder einem Auto in die Quere kam, doch als ich das silberne Auto erblickte, das neben mir zum Stehen kam, atmete ich erleichtert aus. So blieb mir eine Erkältung erspart. Ich öffnete die Wagentür und erblickte dieses unglaubliche Gesicht.
„Soll ich dich mitnehmen?" fragte er mit dieser samtigen Stimme, die ich so sehr liebte.
Ich nickte, stieg in den Wagen und hoffte, mich aufwärmen zu können…naja…oder wenigstens dem kalten Wind zu entkommen. „Vielen Dank." murmelte ich und schnallte mich an, als Edward wieder losfuhr. Es war auch hier eiskalt und so verschränkte ich die Arme um meinen Bauch und versteckte meine eisigen Finger in den Ärmeln. Ich sah, wie Edward seine Hand ausstreckte und für mich die Heizung anmachte…anscheinend war er selbst nicht nur Eis kalt, sondern verfügte auch nicht über ein Kälteempfinden. „Ver…folgst du mich…absichtlich?" fragte ich ihn und blickte Edward kurz an.
„Hm…man könnt auch sagen, du kreuzt ständig meine Wege und…außerdem wäre es für dich viel zu gefährlich, alleine zur Schule zu laufen." Lachte er.
„Hm…" ich runzelte die Stirn. „Stimmt." Ich musste schmunzeln bei dem Gedanken, dass ich es wohlmöglich niemals wohlbehalten in die Schule geschafft hätte…bei meinem momentanen Glück… „Mein…Truck wollte nicht anspringen…mir blieb nichts anderes übrig."
„Warum bist du so früh schon unterwegs?" immer wieder blickte Edward zu mir…viel zu lange eigentlich, wenn man bedachte, dass er ein Auto lenkte und eigentlich auf die Straße achten sollte und trotzdem fuhr er so ruhig wie kaum ein anderer.
„Ich ähm…wollte eigentlich…in die Bibliothek…aber…ich glaube das kann ich mir jetzt sparen…ich wüsste auch gar nicht, wo ich…anfangen sollte…zu suchen…" Sollte ich ihm wirklich sagen, dass ich Recherchen über ihn anstellen wollte? Besser nicht, er würde mich auslachen…oder er würde mir vielleicht den einen oder anderen Tipp geben…
„Was suchst du denn? Vielleicht kann ich dir helfen."
Ich schmunzelte erneut und strich mir die unordentlichen Haare aus dem Gesicht. Und mit einem Male kam ich mir unheimlich dumm vor, dass ich heute Morgen, als ich noch die Gelegenheit dazu hatte, meine Haare doch nicht in Ordnung gebracht hatte. Ich musste wie eine Verrückte aussehen. Ich schob den Gedanken aber schnell beiseite und antwortete Edward. „Hm…du…kannst mir da ganz bestimmt helfen, aber…ich glaube…du willst mir dabei gar nicht helfen." Ich blickte aus dem Fenster und sah die Landschaft an mir vorbeziehen.
„Ach nein? Wieso denkst du das?" fragte er mich und runzelte seine viel zu glatte Stirn, die sich dann jedoch sofort wieder glättete…er hatte verstanden. „Ahhh…" er grinste und ich konnte seine makellosen weißen Zähne erblicken und musste mich zusammenreisen, nicht an diese horrormäßigen Reiszähne aus meinem Traum zu denken. „Du stellst Nachforschungen über mich an."
„Ähm…ich also…ich…muss doch…herausfinden, was für…ein Superheld du bist." Die Hitze schoss mir ins Gesicht, als ich den Laut meiner Worte selbst vernahm. Es war einfach nur verdammt peinlich und ich wusste, er würd mich jetzt, auf der Stelle für geisteskrank halten, doch…er lachte. Edward Cullen lachte. „W…was?" fragte ich und blickte ihn unsicher an.
„Das ist es, wofür du mich hältst? All die Jahre kam niemand auf diesen Begriff. Monster…Ungeheuer…Freak… ja, das war alles dabei, aber…Superheld?" Er lachte immer noch und das verwunderte mich. Er hielt mich weder für kindisch, noch für verrückt…all die Jahre? Konnte man siebzehn Jahre wirklich so bezeichnen?
„Egal ob du…mir hilfst oder nicht, ich…werde es herausfinden..." murmelte ich und blickte wieder aus dem Fenster.
„Ist das…ein Versprechen?" fragte Edward mich und ich meinte Hoffnung in seiner Stimme hören zu können. Wollte er tatsächlich, dass ich seinem Geheimnis weiter auf den Grund ging?
„Ja…das ist es." Ich konnte aus dem Augenwinkel erkennen, dass Edward sanft lächelte.
„Aber bitte…tu mir einen Gefallen. Ja?"
Ich drehte meinen Kopf und blickte ihn an, versuchte mir seine Gesichtszüge einzuprägen. „Welchen?"
„Fang nicht an, mit Kryptonit oder anderem Gestein vor mir herum zu wedeln." Er lachte, was mich selbst zum Schmunzeln brachte.
„Wieso? Schmilzt du dann?"
„Ja, ganz bestimmt."
Wir bogen auf dem Parkplatz der Schule ein und ich schnallte mich ab. Von weitem konnte ich bereits erkennen, dass Jessica mit Mike, Eric und Angela am Eingang standen. Bestimmt tauschten sie gerade die neuesten Gerüchte aus. Konnte man wirklich nichts Besseres zu tun zu haben, als früh morgens in der Schule aufzukreuzen um den neuesten Tratsch zu hören? Ich seufzte innerlich auf, als mir bewusst wurde, dass ich mir das mit meinen Haaren hätte sparen können. Jetzt, wo ich gleich aus Edward Cullens Wagen steigen würde, würde keiner mehr auf mein äußeres achten…alles würde sich bloß noch um mich und Edward drehen.
Edward neben mir drehte sich leicht und griff nach hinten um seinen Mantel zu nehmen.
„Hm…vielleicht solltest du Jessica etwas aus dem Weg gehen…entweder sie wird dich bis aufs kleinste Detail zu Freitagabend ausfragen, oder sie wird versuchen, dich um die Ecke zu bringen…sie kann sich nicht entscheiden."
Ich seufzte auf. „Na toll…"
„Tut…mir leid, das…hab ich dir eingebrockt." Meinte Edward und blickte mich entschuldigend an.
„Was? Du…du entschuldigst dich dafür, dass…dass…du mich…vor dem Erfrierungstod gerettet und…mich…zum Essen eingeladen hast? ...Du…bist…wirklich sonderbar Edward Cullen."
„Bleib einfach bis nach Biologie bei mir, dann…hat sie bis dahin keine Gelegenheit, dir an die Kehle zu gehen."
Ich nickte nur, öffnete die Wagentür und stieg aus. Ich hatte nicht zu viel erwartet, denn plötzlich waren fast ausschließlich alle Blicke auf uns gerichtet. Ich hatte keine Ahnung, was ich tun sollte und fühlte mich plötzlich ganz und gar nicht gut. Sie starrten uns regelrecht an und ich konnte schwören sogar ein paar Finger zu sehen, die auf uns zeigten. „Hättest du mich nicht ein paar Meter vor der Schule aussteigen lassen können? Mir kommt es so vor, als würde mich jedes zweite Mädchen hier töten wollen." Nuschelte ich Edward zu, als wir auf die Schule zugingen und wieder lachte er nur.
„Jedes dritte würde ich sagen. Aber ich glaube, nur Jessica zieht es wirklich in Erwägung."
„Wie schön, dass dich das amüsiert." Ich begann an meinem Daumennagel zu kauen, als wir an meinen Freunden vorbeigingen. Ich murmelte ihnen einen Gruß zu und wandte mich dann gleich von ihnen ab. Sie würden mich noch früh genug mit Fragen bombardieren. Mein Herzschlag beschleunigte sich ein wenig, als ich all das Getuschel hinter uns vernehmen konnte. Ich fühlte mich ganz und gar nicht mehr wohl und hätte mich am liebsten im nächst besten Schrank versteckt, doch Edward holte mich aus meinen grübelnden Gedanken.
„Wie lange hast du Hausarrest?"
„Ich…keine Ahnung…ich denke, bis ich 30 bin." Ich schluckte, als mir einfiel, dass er mir den Hausarrest prophezeit hatte. „Du…hattest Recht…das mit dem Hausarrest und…das Charlie nur besorgt war."
„Sagte ich doch." Meinte Edward nur, als wir den Biologiesaal betraten. „Superheld. Schon vergessen?"
Ich überdrehte die Augen und musste dann unweigerlich etwas lachen. „Pass nur auf, sonst muss ich wohl oder übel mein Kryptonit von zu Hause holen!"
Der Vormittag verging wie immer schleppend. Ich versuchte mich, auf den Unterricht zu konzentrieren und mitzuarbeiten, um Charlie nicht noch mehr Anlass dafür zu geben, böse auf mich zu sein, oder…besorgt. Ich wollte, dass er sich über meine Schulischen Leistungen und meine…Stummheit den Lehrern gegenüber keine Gedanken mehr machen musste, doch es wollte mir kaum gelingen. Immer wieder grübelte ich über Edward nach. Er…wirkte so normal…und auch wieder überhaupt nicht. So…wie er sich benahm, sich bewegte…wie er sprach. Mir kam es nicht so vor, als wäre er ein typischer Teenager…und eigentlich hatte ich diese Bestätigung längst von ihm bekommen. Ich hatte Schwierigkeiten, Jessica aus dem Weg zu gehen, die es einfach nicht erwarten konnte, mich mit falscher Freundlichkeit über Edward auszufragen, ich wusste, sie hätte mich am liebsten vor allen Schülern aus dem Fenster gestoßen… wenn man solche Freunde hatte, brauchte man nun wirklich keine Feinde mehr. Glücklicherweise konnte ich verhindern, mit Jessica reden zu müssen, in dem ich vorgab, Notizen zu machen und in den Pausen war Edward natürlich wieder mein Retter. Er begleitete mich zu jeder Stunde und holte mich auch wieder ab…keine Ahnung, wie er das alles rechtzeitig schaffte…wobei…ich wusste ja, dass er sehr schnell war.
„Was hast du als nächstes?" fragte mich Edward, als ich aus der Klasse kam. Ich konnte sehen, wie Jessica nur missbilligend den Mund verzog und an mir vorbeirauschte.
„Sport…" murmelte ich nicht begeistert und seufzte leicht. Jede Sportstunde war eine potentielle Gelegenheit mir etwas zu brechen oder andere zu verletzen und darauf konnte ich gut verzichten. Aber sollte ich sie wirklich schwänzen? Was wenn Charlie das herausfinden würde…naja…bestimmt würde er es nachvollziehen können. Er wusste, wie tollpatschig ich sein konnte…eigentlich war es die Gelegenheit, endlich in der Bibliothek zu verschwinden. Wenn nötig, würde ich auch einen Schwächeanfall vortäuschen. So wie ich oft drauf war, würde ihn mir jeder abkaufen. Wir gingen den Gang entlang und ich erblickte Alice, Edwards Schwester, die scheinbar auf ihn wartete.
„Geh…schon mal vor. Ja?"
Ich nickte Edward zu und ging ein paar Meter weiter zu meinem Spind, um meine Bücher loszuwerden. Zu weit weg, um ihr Gespräch voll und ganz mitzubekommen, doch ich konnte ein paar Wortfetzen aufschnappen.
„…lage verändert…müssen sofort gehen…und Rosalie sind schon weg…"
Ich runzelte die Stirn und konnte mit dem Gesagten auch nichts anfangen, doch ich versuchte, mir darüber keine Gedanken, zu machen, denn es war ja nicht für meine Ohren bestimmt. Als ich meinen Spind schloss und mich umdrehte, waren Alice und Edward plötzlich verschwunden…Ich blickte den Gang entlang, doch von ihnen fehlte jede Spur. Ich hob meinen Rucksack auf und zögerte kurz, war mir nicht sicher, was ich nun tun sollte, doch eine bessere Gelegenheit würde sich nicht mehr ergeben, also lief ich kurzerhand in die Bibliothek. Niemand würde mich beim Sportunterricht wirklich vermissen. Sie wären nur froh, dass sie eine Stunde vor meiner Ungeschicklichkeit verschont blieben.
Ich musste nicht lange suchen, um Legenden und Mythen über das Reservat in La Push und die Quileute zu finden. Immer wieder stieß ich auf den Begriff „Kalte Wesen", doch ich kam nicht weiter. Nichts, das ich las, gab mir zu verstehen, was dieses „Kalte Wesen" war, noch woher sie kamen. Die meisten Geschichten handelten von den Wölfen, die das Reservat vor Eindringlingen beschützte und bewachte und versuchten, angesiedelte kalte Wesen zu vertreiben. Sie wurden als untote Wesen beschrieben, die wieder der Natur wären, Unheil über die Menschen brachten und ganze Völker innerhalb weniger Tage ausrotteten. Mir lief es kalt den Rücken hinab, als ich wieder an die Bilder aus meinem Alptraum dachte, an dieses Monster, das mich verfolgte und mich packen wollte.
Frustriert packte ich meine Sachen zusammen. Ich musste mir eingestehen, dass ich nicht weiter kam und somit höchstwahrscheinlich mein Versprechen nicht halten konnte. Vielleicht musste ich mich mit dem Begriff „Kaltes Wesen" einfach zufrieden geben. Ich warf mir den Rucksack über die Schulter und stellte die Bücher zurück an ihren Platz, immer noch, diese grauenhaften Bilder vor Augen, diese rasiermesserscharfen Reiszähne…Ich stoppte abrupt in meiner Bewegung und ließ das letzte Buch in meiner Hand fallen, als mein Blick auf einen dunklen Buchrücken fiel, auf dem goldene Buchstaben prangten…und in diesem Moment wusste ich, dass ich gefunden hatte, wonach ich die ganze Zeit gesucht hatte, ich wusste, dass ich das Rätsel gelöst hatte und ich wusste auch, dass ich es niemals hätte erfahren sollen, dass ich lieber weiter im Dunklen getappt hätte, denn…als mich die Erkenntnis traf, lief es mir eiskalt den Rücken hinab. Zitternd zog ich das Buch aus dem Regal und stopfte es in meinen Rucksack, bevor ich fluchtartig die Bibliothek verließ, doch all das Laufen brachte nichts, denn davonrennen konnte ich nun, genauso wie in meinem Traum nicht mehr. Denn vor meinem inneren Auge sah ich immer noch den Buchtitel vor mir.
Vampirismus oder die Sehnsucht nach Unsterblichkeit
Es herrschte strahlender Sonnenschein, als es zur Mittagspause klingelte…das erste Mal, seit ich hier in Forks war und sofort hob sich meine Laune. Ich hatte gar nicht gemerkt, wie getrübt meine Stimmung in den letzten Tagen war, doch jetzt, wo ich im Freien saß und mir die Sonne ins Gesicht scheinen ließ, ging es mir plötzlich viel besser. Ich achtete auch kaum darauf, worüber Mike und die anderen redeten, sondern genoss einfach nur die leichte Wärme und blickte mich etwas um…scheinbar suchend, denn Angela folgte meinen Blicken und lächelte dann leicht.
„Sobald die Sonne rauskommt, verschwinden sie…gehen in den Bergen wandern."
Ich drehte meinen Kopf zu Angela. „Was?"
„Die Cullens. Sie sind richtige Naturfreaks und…da sie die Besten an der ganzen Schule sind, ist es ihnen erlaubt, an schönen Tagen dem Unterricht fernzubleiben."
„Oh…ähm…OK." War es denn so offensichtlich, dass ich nach ihnen Ausschau gehalten hatte? Warum hatte ich das überhaupt getan? Ich hatte ja mitbekommen, dass sie gegangen waren… Angela rückte etwas näher zu mir, um sicher zu gehen, dass Jessica uns nicht belauschen konnte.
„Sie ist ziemlich eifersüchtig auf dich. Auch wenn sie Mike nun ins Visier genommen hat, sie kann nicht verstehen, wie du es geschafft hast, dass Edward mit dir redet, wo er doch ansonsten jeden ignoriert. Aber du solltest einfach nicht darauf eingehen und ich sorge schon dafür, dass sie dich in Ruhe lässt."
Ich lächelte leicht. „Danke…"
„Und? Wird…da mehr aus euch Beiden?" fragte Angela und konnte ihre Neugierde nicht ganz verstecken.
„Ich…ähm...weiß nicht…ich…" ich zuckte unbeholfen mit den Schultern. Darüber hatte ich absolut nicht nachgedacht, dafür hatte ich weitaus größere Probleme und andere Dinge, auf die ich mich konzentrieren musste.
„Edward sieht in deiner Gegenwart sehr…beschützerisch aus…ich glaube er mag dich."
„Naja ich…denke…dass wir Freunde sind." Sagte ich und schob mein fast noch volles Mittagstablett von mir.
Angela lächelte. „Hm…wurde ja auch mal Zeit, dass er sich mit jemand anfreundet. Er kam mir immer…so…einsam vor…"
Ich nickte, als sie meine eigenen Gedanken aussprach. Sehr oft hatte ich schon gehört, dass Edward immer alleine blieb, oder bei seiner Familie und mir selbst war aufgefallen, dass er immer sehr angespannt und nachdenklich wirkte, aber…vielleicht hatte das nicht nur damit zu tun, dass er einsam war…ich griff nach meinem Rucksack und stand auf. „Ähm…könntest…du mir einen Gefallen…tun?" ich sah Angela bittend an und ignorierte Jessicas Blicke.
„Ähm…na klar. Was du willst."
„Bitte sag den Lehrern, dass ich…höllische Kopfschmerzen habe." Ich wartete Angelas Antwort nicht ab, sondern lief los. Ich wollte so schnell wie möglich nach Hause. Keine Sekunde länger wollte ich in der Schule bleiben und mich von Jessica und Mike anstarren lassen, das Getuschel über mich ergehen lassen und das alles ohne Edward an meiner Seite. Was wäre schon ein halber versäumter Schultag? Charlie würde es nicht merken, er war bei der Arbeit und so hätte ich genug Zeit, das gefundene Buch auseinander zu nehmen. Ich rannte quer über den Parkplatz und blieb plötzlich stehen…mein Truck…er stand genau da, wo Edward heute Morgen seinen Volvo geparkt hatte…wie war das möglich? Langsam ging ich darauf zu und sah, dass der Schlüssel im Zündschloss steckte… Ich öffnete meinen Rucksack, in dem ich heute Morgen, bevor ich losgelaufen war, meinen Schlüssel verstaut hatte…und fand ihn nicht. Hatte Edward wirklich meinen Schlüssel gestohlen und dann meinen Truck hier geparkt?
Ich öffnete die Tür und stieg in das Wageninnere, versuchte all die Fragen in meinem Kopf beiseite zu schieben, versuchte nicht daran zu denken, wer…oder WAS Edward wirklich war…ich fühlte mich, als wäre ich in einem schlechten Phantasiefilm gelandet. Vielleicht wollte man mir einen Streich spielen? Wollte man mit Angst machen? Mich veralbern? So schnell wie möglich fuhr ich nach Hause und versuchte dabei, keinen Unfall zu bauen. Manchmal fragte ich mich wirklich, wie ich es schaffte, ein Auto zu lenken, ohne in den Gegenverkehr zu rasen… vor allem in Situationen wie jetzt, in denen ich nicht klar denken konnte und ganz und gar nicht bei mir war. Meine Gedanken rasten wie wild dahin, waren kaum steuerbar. Alles vermischte sich ineinander. Die Beobachtungen, die ich gemacht hatte, Edwards Erzählungen, sein Aussehen…das Buch in meinem Rucksack…es ergab plötzlich alles einen Sinn und hörte sich doch so unheimlich dämlich an.
Die Sonne stand immer noch am Himmel, als ich zu Hause ankam. Noch nie in meinem Leben hatte ich mich so sehr gefreut, die strahlende Sonne zu sehen, wie am heutigen Tag. Ohne groß darüber nachzudenken, ließ ich mich nahe des Waldes, in das getrocknete Gras fallen und starrte in den blauen Himmel, sah die Wolken vorbeiziehen und wünschte, dass jeder Tag so wunderschön sein könnte. Ich dachte wieder daran, was Angela gesagt hatte, dass die Cullens an Sonnigen Tagen nicht in der Schule waren, dass sie…in den Bergen wanderten…ich kannte mich nicht wirklich aus, aber ich wusste, dass wenn sie wirklich das waren, was ich glaubte, konnten sie nicht in die Sonne. War das der Grund für ihr heutiges Verschwinden?
Langsam nahm ich das Buch aus meinem Rucksack und schlug es auf. Mir graute es davor, die Bestätigung dafür zu finden, das zu lesen, wovor ich Angst hatte, doch ich musste es einfach wissen…ich…hatte es ihm versprochen. Meine Hände zitterten vor Aufregung, als mir all die Worte entgegensprangen, die ich nicht lesen wollte, all die Worte, die das Wesen, welches Edward vermutlich war, beschrieben.
„…untot… kalt… unglaubliche Fähigkeiten… ein Herz aus Stein…grausam und blutrünstig…Killer…" Die restlichen Worte blieben mir im Hals stecken und ich schlug das Buch mit einem lauten Knall zu, als ich eine Bewegung am Rande des Waldes wahrnahm. Schnell drehte ich meinen Kopf in die Richtung. Litt ich jetzt auch noch unter Verfolgungswahn? Wobei mich das nun auch nicht mehr wundern würde, doch nein…ein Knacksen war zu hören und plötzlich stand er da. Im Schatten des Waldes, an einen Baum gelehnt und blickte mich an. Seine Augen funkelten und zogen mich in seinen Bann. Ich hätte aufstehen und weglaufen sollen, doch ich tat es nicht…niemals tat ich das, was gut für mich war…ich war es gewohnt alle existierenden Gefahren auf mich zu ziehen. Und auch jetzt spürte ich dieses Kribbeln in meinem Körper…aber es signalisierte mir nicht wegzulaufen…es war reine Neugierde...Neugierde, auf dieses…unglaubliche Wesen.
Langsam stand ich auf. Näherte mich dem Waldrand, an dem Edward immer noch in der gleichen Position verharrte und meine Bewegungen beobachtete. Mein Herzschlag hatte sich bereits erhöht, als ich das Buch zuschlug, doch jetzt konnte ich ihn in meinen Ohren hören. Ich ermahnte mich zur Ruhe und blieb dann direkt vor ihm stehen. „Edward…wa…was tust du hier?" fragte ich leicht stockend und mit zitternder Stimme.
„Ich wollte nur sehen, ob du den Truck gefunden hast." Dieses Lächeln…wieder schenkte er mir dieses unbeschreibliche Lächeln und brachte mich damit fast um den Verstand.
„Wo…woher hattest…du den Schlüssel?"
„Aus deinem Rucksack."
Ich runzelte nur meine Stirn und biss mir auf die Lippe. Ich sparte mir die Frage, wie er das angestellt hatte, hatte ich den Rucksack doch ständig bei mir…es gab wichtigeres, worüber wir reden mussten und doch wollte ich es aufschieben, wollte nicht mit der Tür ins Haus fallen, doch das musste ich auch nicht, denn Edwards Blick fiel auf das Buch im Gras und wieder begann er zu lächeln.
„Du…hast es gefunden?" fragte er sanft und fixierte mich mit seinen Augen.
Ich schluckte. War das bereits die Bestätigung dafür, dass ich nicht völlig den Verstand verloren hatte? „Es…" ich räusperte mich, als meine Stimme zu versagen drohte. „…es ist…also wahr?" fragte ich so leise, dass selbst ich meine Worte kaum verstehen konnte.
„Das…hängt davon ab, was du glaubst…was…ich bin…"
„Ich…" ich atmete laut auf, blickte ihn an. Mein ganzer Körper stand unter Strom und ich konnte mich nicht bewegen. Ich musste mir in die Wange beißen, um das Beben meiner Lippen zu unterdrücken. Was würde passieren, wenn ich es ausgesprochen hatte? Was würde dann geschehen?
„Sag es…bitte!"
So sanft streiften seine Worte mein Ohr und mir entging sein flehender Unterton nicht. Er wollte, dass ich es aussprach, wollte, dass ich es beim Namen nannte und so holte ich zitternd Luft um zu sprechen. „Du..du…bist ein...ein…Vampir." Ich versuchte, ihn fest anzublicken, keine Furcht zu zeigen, die mich in dem Moment, als ich das Wort Vampir das erste Mal aussprach zu überschwemmen drohte und scheiterte kläglich. Meine Hände zitterten und ich konnte sie einfach nicht ruhig halten, während ich ihm weiter ins Gesicht blickte. Und dann schloss Edward die Augen, atmete fast schon erleichtert aus und ein seliges Lächeln umspielte seine Lippen. „Es…es ist…also wahr…" flüsterte ich und war weiterhin nicht fähig, mich zu bewegen.
Ich sah, wie Edward seine Augen öffnete und seine Hand nach meiner ausstreckte, mir seine weiße Hand hinhielt und zögerlich legte ich meine warme Hand in seine kalte. Wieder wurde mir diese wunderbare Beschaffenheit seiner Haut bewusst und konnte nur darüber staunen, als er meinen Arm näher zu sich zog und dann meine Hand an seine Brust hielt…an seine linke Brust. Dort,…wo sein Herz war…dort…wo sein Herz hätte schlagen sollen, doch…das tat es nicht. Nichts bewegte sich in Edwards Brust und ich atmete laut auf. Sein Herz war bewegungslos. Bewegungslos und stumm.
„Jetzt…weißt du,… wieso du niemals…in meiner Nähe sein solltest." Flüsterte Edward und hielt weiterhin meine Hand an seine steinerne Brust.
Soooo wollte mal nachfragen, ob es hier noch jemanden gibt, der meine ff verfolgt? Bitte bitte meldet euch doch mal, ansonsten werde ich hier nicht mehr länger posten... ist ja Zeitverschwendung. Wenn es also jemanden gibt, der weiterlesen möchte, dann lasst es mich wissen :)
