10. Undefiniertes Materialversagen
Nach dieser Erklärung wandte sich unser Gespräch wieder meinen fehlenden Erinnerungen zu. Carlisle erklärte, dass es ein gutes Zeichen sei, dass ich diese Flashback's hätte und wollte wissen, ob ich bereits weite gehabt hätte. Ich erklärte so gut es ging, was mir bisher wieder eingefallen war und die Umstände unter denen ich welche hatte und zu meiner großen Erleichterung, schien alles wirklich meiner Erinnerung und nicht meiner Fantasie zu entspringen. Er meinte, dass es das Beste wäre einfach ganz normal weiter zu machen, so als ob ich nichts hätte.
„Damit wir uns richtig verstehen Emmett, das beutet, dass du nicht ständig fragt, ob Bella sich wieder erinnert!" erklärte er streng blickend einem sichtlich enttäuschten Emmett „Ach komm schon! Du gönnst mir auch keinen Spaß! Nicht doch ein bisschen, ich meine, dass ist doch einfach zu perfekt, überleg dir doch die Möglichkeiten, es gibt so viele Witz über Vergesslichkeit?!" er wackelte mit seinen Augenbrauen, was ihm einen giftigen Blick von Edward und ein gequältes Stöhnen meinerseits einbrachte. Carlisle unterdrückt ein schmunzeln und erklärte ihm, dass es nur die Chancen einer schnellen Besserung mindern würde, während die anderen nur mit den Augen rollten oder den Kopf schüttelten.
„Wenn Bella Fragen hat, beantwortet sie so gut es geht, baut kleine Brücken und Infos in eure Gespräche ein, aber sagt ihr nicht alles vor! Ich denke es ist auch besser, wir behalten dein kleines Problem für uns. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Menschen anders mit einem Patienten umgehen, wenn sie wissen, dass er Probleme mit seiner Erinnerung hat. Man könnte manchmal meinen, dass sie glauben, es handelt sich um eine Form von geistiger Behinderung!" das erstaunte mich, machte es wirklich so einen Unterschied, ob jemand etwas über eine Erkrankung wusste, oder eben nicht?
Carlisle sah meinen verwunderten Blick und erklärte „Du weist nicht, was ich schon alles erlebt habe! Glaub mir, es ist besser, wenn es nur wenige wissen! Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass es sich bei dir nur im eine vorübergehende Amnesie handelt. Wenn du das Gefühl hast jemanden ins Vertrauen ziehen zu können, tu das. Es ist nichts was du verheimlichen musst, aber wir müssen auch nicht alle mit der Nase darauf stoßen. Ich kann dir nur raten vertrau auf deinen Instinkt!"
In diesem Moment klopfte es an meiner Tür und Charlie steckte seinen Kopf durch einen schmalen Spalt, wohl um nach zu sehen, ob ich wach war. Als er sah, dass ich nicht nur wach, sondern auch von Besuchern umringt war, betat er nach einem Moment des Zögerns den Raum und fragte betont scherzhaft „Ich hoffe du hast noch ein bisschen Platz für deinen alten Vater!" „Hey Dad! Komm rein, wir reden gerade über mein defektes Oberstübchen." „Hä?"
Emmetts Gesicht leuchtete auf und noch bevor er den Mund öffnen konnte wies Esme ihn zurecht „Emmett! Was haben wir gerade über die Witze gesagt!" „Aber sie macht doch selber Witze drüber! Warum darf ich dann nicht auch?" „Naja, ist ja auch ihr Kopf!" kam es trocken von Jasper aus dem Hintergrund, bevor der Raum in Lachen ausbrach und Emmett sich beleidigt in seinem Stuhl zurück lehnte und etwas, das verdächtig nach Spielverderber klang vor sich hin grummelte. Ich hätte gerne mitgelacht, aber bereits nach dem ersten tiefen Atemzug fuhr mir ein stechender Schmerz in die Seite und ich verlegte mich auf ein gezwungenes Grinsen.
Edward muss meine plötzliche Anspannung gespürt haben, denn er fragt mit einem Sorgenvollen Blick „Alles in Ordnung?" „Ja, ich darf nur nicht vergessen dass ich im Moment besser nicht lachen sollte." „Ich hoffe du hast das gehört Em, entweder du beherrscht dich, oder du fliegst raus!" „Peace Bruder! Was kann ich denn dafür, dass ich so ein sonniges Gemüt habe, aber ich werde versuchen mehr so wie du zu sein!". Dieser Spruch brachte Emmett ein weiteren giftigen Blick und ein knurren von Edward ein, obwohl kein Ton zu hören war, spürte ich die Vibrationen die aus seiner Brust aufstiegen. Emmett fand das ganze anscheinend nur erheiternd, denn er lehnte sich mit einem selbstzufriedenen Gesichtsausdruck wieder bequem in seinem Stuhl zurück und drückte Rose fest an sich.
Charlie der inzwischen an das Fußende meines Bettes getreten war, sah die zwei Brüder irritiert an und sah aus als wenn er sich in seiner Haut nicht wohl fühlen würde. Alice die sowohl Emmett als auch Edward bedeutungsvolle Blicke zuwarf erklärte ihm mit einem breiten Grinsen „Keine Sorge Charlie, auf diese Art drücken die beiden ihre gegenseitige Zuneigung aus!" "Für mich dann bitte keine Zuneigungsbekundungen!" Charlie erwiderte ihr Grinsen, was aber ziemlich gezwungen aussah. „Ach Charlie, du kennst dass doch sicherlich?! Die Art wie Geschwister miteinander umgehen wirkt manchmal etwas seltsam auf andere!" Esmes beschwichtigende Worte schienen etwas von seiner Anspannung zu nehmen „Ähm, nicht wirklich, ich habe keine Geschwister!"
„Charlie, was führt dich her? Ich meine, abgesehen von der Tatsache Bella zu besuchen? Edward sagte, dass du den technischen Bericht für heute erwartest, ist er das?" Die Mappe in den Händen meines Vaters viel mir erst auf, als Carlisle ihn darauf ansprach. Ich war bisher viel zu sehr von seinem Verhalten, welches offensichtliches Unbehagen ausdrückte, und den Blicken, die sämtliche Cullens sich gegenseitig zuwarfen abgelenkt.
„Hm, ach ja, der Bericht! Der ist vor zwei Stunden reingekommen. Hat uns alle ganz schön ins grübeln gebracht! Ich habe die letzte Stunde am Telefon zugebracht, um einige Dinge nach zu prüfen und mir dieses Kaudawelsch übersetzen zu lassen " „Warum? Was ist so ungewöhnlich?" Jaspers ruhige Stimme, war anscheinend die Einladung auf die mein Vater nur gewartet hatte, jetzt da der ganze Raum an seinen Lippen hing, schien er sein Unbehagen abzuschütteln und fuhr mit seinem Bericht fort.
Anscheinend war mein Unfall eine Verkettung unglücklicher Umstände. Das Auto das zum Überholen angesetzt hatte, hätte den Überholvorgang problemlos geschafft, zwar etwas zu knapp und für meinen Geschmack eindeutig zu waghalsig, aber ohne mit meinem Wagen in Kontakt zu kommen. Da aber die Reifen des Holzlasters genau zu dem Zeitpunkt geplatzt sind, als der Wagen etwa auf gleicher Höhe wie der Anhänger war, ist eine Art Kettenreaktion in Gang gekommen, deren Ende erst erreicht war, als mein Wagen von einer alten Fichte gestoppt wurde, nicht ohne vorher noch Bekanntschaft mit mindestens zwei weiten Bäumen gemacht zu haben.
Diese Information freilich kam nur zögernd zur Sprache, als wenn Charlie befürchten würde, dass dies etwas zu viel für mich wäre. Erst Carlisles Bemerkung, dass die meisten Unfallopfer das erlebte besser aufarbeiten könnten, wenn sie genau wüssten, was vor sich gegangen ist und meine Versicherung, dass ich mich diesen Informationen durchaus gewachsen fühlen würde, brachte ihn dazu weiter zu berichten, was er am liebsten ausgelassen hätte. Wie zum Beispiel die Tatsche, dass mein Sicherheitsgurt gerissen war.
„Naja mein Sicherheitsgurt hat zumindest den ersten Aufprall ausgehalten!" meine ruhiger Einwurf schien Charlie zu verwirren „Woher willst du dass wissen?". „Ich habe hübsche lila Streifen, da wo normalerweise der Sicherheitsgurt sitzt!" „Oh, ja, ähm, ich schätzte da hätte ich auch von selbst drauf kommen können. Also, das ganze hätte noch schlimmer ablaufen können, wenn der LKW-Fahrer nicht alles Menschenmögliche getan hätte um sein Gefährt halbwegs unter Kontrolle zu bringen und der LKW nicht in so einem Topzustand gewesen wäre!"
Es wurde sehr still im Raum, während die Tragweite dessen, was Charlie gerade berichtet hatte allen langsam bewusst wurde und sich in jedem Gesicht ein ähnlicher Ausdruck von Schrecken und Erleichterung ausbreitete. Es war seltsam diese beiden Emotionen gleichzeitig, nicht nur in einem sondern gleich in acht Gesichtern zu sehen. Als mich ein Moment der Panik durchzuckte und mir bewusst wurde, dass ich genauso gut auch hätte tot sein können und die anschließend Erleichterung, dass ich es nicht war, machten es mir leichter diesen Blick besser zu verstehen. Mein Gesicht sah wahrscheinlich genauso aus.
Edward hatte mich während Charlies Bericht immer fester an sich gedrückt, als wenn ich mich jeden Moment in Luft auflösen könnte. Er tat mir nicht weh, aber er hielt mich eindeutig zu eng, als dass es angenehm gewesen wäre. „Edward, du drückst zu doll!" Es sah erst in mein Gesicht und dann auf seine Hand die um meinen Oberarm geschlungen war, als wenn er sich fragen würde, wie sie überhaupt dorthin gekommen sei, bevor er mit einem erschrockenem „Tschuldigung!" seinen Griff lockerte und beruhigend über die Stelle rieb, die er eben noch zu fest gedrückt hatte.
In diesem Moment kippte die Stimmung im Raum und die seltsame friedliche Ruhe, die den Raum schon früher erfüllt hatte, breitete sich wieder aus. Mit einem Laut des Wohlbehagens kuschelte ich mich enger an die Schulter neben mir und sah Charlie an, der nachdem er sich ausgiebig geräuspert hatte nun deutlich ruhiger weiter erzählte. „Wir haben es Rebecca Harries zu verdanken, dass nichts Schlimmeres passiert ist!" „Wer ist das?" „Das ist die Besitzerin des Transportunternehmens, Esme!" klärte Carlisle auf, während Charlie aufgriff und weiter ausführte „Sie hat den Laden, vor etwa einem Jahr von ihrem Vater übernommen. Ganz schöner Starrkopf der alte Harries. Ich habe ihm und seinen Lastern öfter Verwarnungen ausgestellt als ich zählen kann." erzählte er kopfschüttelnd.
„Tja und dann hat Rebecca den Laden übernommen und auf Vordermann gebracht, Fahrsicherheitstranig für die Fahrer, Generalüberholungen für die Laster. Also da ging es ganz schön heiß her, viele der Fahrer waren am Anfang uneinsichtig, ich kann euch sagen, die ist genauso stur wie ihr Vater, aber ich glaube ihre Jungs würden ihr sonst auch auf der Nase rumtanzen."
„Ähm Charlie, ich will ja nicht undankbar klingen. Es ist toll, dass diese Frau etwas für die Sicherheit auf unseren Straßen tut, aber das erklärt noch immer nicht, warum der technische Bericht seltsam ist?!" Emmett wirkte etwas enttäuscht, als wenn er mehr erwartet hätte. „Hatte ich schon erwähnt, dass an dem LKW nicht nur ein Reifen geplatzt war, sondern vier?" „Oh!" dass ließ alle aufhorchen. „Das ist aber noch nicht das seltsamste, die Reifen waren alle brandneu, gerade mal zwei Tage vorher draufgezogen! Keiner kann sich erklären warum sie geplatzt sind. Die Jungs aus der Technik meinen, dass sie ein einem einwandfreien Zustand waren, keine Risse, Löcher, oder eingefahrene Nägel."
„Das ist allerdings seltsam!" Rosalie klang nachdenklich „Was genau sagt der Bericht?" „Undefiniertes Materialversagen!" „Ja aber dass sagt doch gar nichts aus!" Emmett klang empört „Das stimmt nicht ganz, das sagt, dass sie es sich nicht erklären können!" klang es von meiner Seite und Edward hatte den gleichen nachdenklichen Gesichtsaudruck wie Rosalie.
Hallo! Einige von euch wünschen sich, dass es schneller voran geht. Ich fange gar nicht erst an Erklärungen abzugeben warum ich so lange brauche (Ich war nicht zufrieden mit meinem Geschreibsel :( ). Ich kann euch aber versichern, ich mache das bestimmt nicht um euch zu ärgern, oder auf die Folter zu spannen.
Danke an alle die sich die Zeit genommen haben mir ein paar nette Zeilen zu hinterlassen, ich habe mich über jede gefreut! (Auch die, die mich als fies bezeichnet haben. Ich weiß, ich habe es verdient!:)) Genauso möchte ich allen danken, die mich in ihre Favorites und Alerts aufgenommen haben. Bleibt bei mir, ich habe fest vor diese Geschichte zu einem Ende zu bringen, ich kann nur nicht sagen, wie lange ich dazu brauchen werde!
Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr euch allen!
