Ich vermute mal, die meisten von euch haben schon fast vergessen, dass diese Story noch existiert - aber ich habe es endlich geschafft.

Es gibt ein neues Kapitel!

Ich hatte einige Probleme beim Weiterschreiben, aus zeitlichen und kreativen Gründen.

Doch jetzt muss ich mich erstmal bedanken, bei denen, die das letzte Mal so lieb Feedback gegeben haben.

blu3ros3: Na du hast dir ja einige Gedanken gemacht ;) Ich will ja jetzt nicht zuviel verraten… warte ab und lies weiter. Ich hoffe es bleibt spannend für dich. Und reden find ich überhaupt immer gut gg

palin-diamondbow: Super, jemand neues der Review schreibt! Das ist immer prima - vielen Dank )

Nyah: Du bist immer mit dabei und ich bin mir auch fast ganz sicher, dass du diesen Teil wieder liest. Für dich hab ich die Story überhaupt nur hochgeladen knuddel Danke für alles!

all: Viel Spaß mit dem neuen Kapitel!

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11. Kapitel

Féwen wischte sich den Schweiß von der Stirn und blickte sich um, während sie einen Moment verschnaufte.

Es war Erntezeit, Anfang Herbst.

Und die ganze Stadt war auf den Beinen um das Getreide und Kartoffeln einzuholen und Vorräte zu sammeln.

Dieses Jahr trugen die Felder wirklich gut und Féwen war zufrieden, sie hatte keinerlei Sorgen, dass man nicht gut durch den Winter kommen würde.

Sie glaubte nicht, dass irgendwelche Ratsmitglieder noch vor dem Winter heimkehren würden und lächelte still, als sie daran dachte, dass auch Legolas dann nicht vor dem Winter aufbrechen würde.

Natürlich hatte sie dadurch auch Finrod noch länger als Gast.

Die junge Frau seufzte.

Sie und Finrod gingen sich seit ihrem Streit aus dem Weg und wenn sie unbedingt miteinander reden mussten, waren beide kühl und distanziert.

Legolas wusste nichts von der Auseinandersetzung, es sei denn Finrod hatte ihm etwas erzählt, Féwen jedoch hatte das nicht getan.

Und irgendwie glaubte sie auch, dass Legolas, hätte er davon erfahren, versucht hätte zu vermitteln.

Sie kannte diese Art und Weise des Handelns schließlich selbst. Stets war sie bemüht, dass unter allen Friede und Freundschaft herrschte und so bedrückte der Streit sie doch mehr, als sie eigentlich zugeben wollte.

Allerdings war sie froh, dass wenigstens Maev und Arolàn zeitweise friedvoll waren.

Die beiden waren ihr in letzter Zeit oft auf die Nerven gegangen, nicht nur wegen ihres ständigen Streits.

Maev, die immer so pflichtbewusst gewesen war, schien auf einmal wie ausgetauscht.

Sie ging zuhause aus und ein wie sie wollte und verbrachte viel Zeit damit, mit ihren Freundinnen kichernd und klatschend durch die Stadt und den Wald zu streunen.

Natürlich war es beruhigend zu wissen, dass sie niemals allein ging, aber Maelafin war in großer Sorge um seine zweite Tochter, die sich oft in ihr Zimmer einschloss und kaum mit ihm redete.

Féwen selbst war oft zornig über dieses Verhalten, da es meistens an ihr war, Maev zu suchen und sie auf ihr Fehlverhalten anzusprechen.

Natürlich verstand sie, dass es für die kleine Schwester schwer war, ihre Jugend ohne Mutter zu überstehen, dennoch überlegte Féwen oft, dass sie selbst sich sehr viel früher sehr viel reifer verhalten hatte.

Sie war ein wenig neidisch auf Maev, bei der ein solches respektloses Verhalten Älteren gegenüber scheinbar in Ordnung war, während sie selbst damals schon Verantwortung übernommen hatte.

Sie war sauer, dass ihre Schwester sich so kindisch verhielt, wo sie doch nach dem Winter die Schule beenden und arbeiten würde. So war die Beziehung der beiden sehr angespannt.

Wenn sie jetzt nur sah, wie die Gruppe junger Mädchen zusammenstand und die Köpfe zusammensteckte, anstatt zu helfen, kam Empörung in ihr hoch.

Jetzt bemerkte sie, wie die Mädchen anfingen zu kichern und zu ihr blickten.

Féwen war verwirrt, soweit sie wusste, lachten sie nur so albern, wenn sie über Jungen sprachen und sie war definitiv keiner.

Kopfschüttelnd wandte sie sich ab und schritt energisch in die andere Richtung, es war schließlich nicht ihre Aufgabe, diesen Mädchen Vernunft beizubringen, als sie plötzlich mit jemandem zusammenstieß.

„Na, da war aber jemand ganz schön weit weg mit den Gedanken."

Féwen blickte auf in Legolas' lächelndes Gesicht.

„Könnte man sicher sagen", antwortete sie und fragte: „Was tut Ihr eigentlich hier?"

„Ich bin es leid, zuzusehen, wie andere Leute schuften und nicht mitzuhelfen.

Ich weiß, ich weiß, ich bin hier Gast und ich muss nicht helfen, aber ich will, ist das ein nicht ein Grund?"

„Ich denke, unter den Umständen können wir eine Ausnahme machen", lachte sie und wies ihn ein.

Den Rest des Tages, arbeiteten sie Seite an Seite und Legolas' Fröhlichkeit verscheuchte Féwens tiefgründige Gedanken.

Erst als sie abends auf dem Weg zum Essen Arolàn trafen, runzelte sie wieder die Stirn.

„Arolàn!", rief sie streng.

Der Junge drehte sich um und kam auf sie zu. Sie schaute ihm prüfend ins Gesicht.

„Ich habe dich heute gar nicht auf den Feldern gesehen, wo warst du denn?"

Ohne ihr in die Augen zu schauen, antwortete er: „Nun, ich war halt bei den Getreidefeldern, wie willst du mich da sehen?"

Aus unerfindlichen Gründen nahm Féwen ihm diese Antwort nicht so ganz ab. Irgendetwas verheimlichte Arolàn ihr, zumindest hatte sie das Gefühl, dass es so war.

Sehr seltsam.

„Und, ist irgendwas besonderes passiert?", fragte Legolas jetzt den Jungen. Dieser schien noch abwesender als zuvor, als er antwortete, dass alles in Ordnung sei und er schon mal vorgehen würde zum Essen.

Féwen schüttelte den Kopf.

„Sag mir, Legolas, liegt es an mir oder hat Arolàn mich soeben angelogen?

Bin ich zu misstrauisch? Aber ich habe das Gefühl, er erledigt seine Arbeit nicht gewissenhaft. Er ist oft so abwesend in letzter Zeit und ich sehe ihn kaum noch."

Der Elb sah in das besorgte Gesicht der jungen Frau und setzte grade zu einer Antwort an, als Finrod zu ihnen stieß.

Während Féwen im kurz zunickte, fiel ihr auf, dass sie auch ihn den ganzen Tag nicht gesehen hatte.

Es schien diesem Mann nicht einzufallen, dass er mithelfen könnte. Warum konnte er nicht so zuvorkommend und ehrenhaft sein wie Legolas?

Féwen errötete leicht, als sie feststellte, dass der Elb anscheinend das Musterbeispiel für jeden Mann zu sein schien und sie jeden anderen erstmal mit Legolas verglich.

Sie betrachte versunken sein makelloses Gesicht, während der Elb leise mit seinem Freund sprach.

Als sie jedoch gewahrte, wie die beiden Männer ihre Blicke auf sie richteten, lächelte sie und schlug vor nun endlich die Halle zu betreten.

Finrod folgte dem Vorschlag sogleich und Legolas berührte sanft Féwens Taille, schob sich leicht vor sich und lächelte: „Nach Euch, werte Lady."

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Etwas wehmütig dachte Féwen an Legolas. Sie würde ihn vermissen.

Sein Lachen und seine strahlenden, klugen Augen mit denen er sie so durchdringend anblicken konnte, dass sie glaubte, er konnte tief in ihr Herz sehen.

Wann würde sie ihn wohl wieder sehen? Er war solange in Thanglhein gewesen, wie würde es wohl ohne ihn werden?

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Ein kalter Wind fegte durch das Fenster ihres Arbeitszimmers herein.

Féwen zog fröstelnd das Schultertuch fester um sich und schob die Kerze, die ihr das Lesen in der abendlichen Dunkelheit erleichterte dichter an das Papier heran.

Sie hoffte sehr, dass dieser Wind noch nicht die stürmische Herbstzeit ankündigte. Wenigstens eine Woche noch brauchten sie trockenes Wetter, dann würden sie es schaffen, die Ernte vollständig einzuholen und sie würden ein wundervolles Erntefest feiern können.

Ein solches letztes großes Fest vor den kalten Tagen und zum Abschluss des Sommers und dem Einbringen der Ernte hatte sich in den letzten Jahren entwickelt.

Alle Bewohner Thanglheins freuten sich stets darauf, es gab jede Menge guter Gerichte, es wurde musiziert und getanzt.

„Fée!"

Der plötzliche Ruf ließ Féwen aus ihren Gedanken hochschrecken und sie bemerkte Arolàn, der soeben das Zimmer betreten hatte.

„Du solltest nicht solange hier sitzen ohne Feuer zu machen", sagte dieser vorwurfsvoll, „Es ist nicht mehr warm genug, du wirst dich erkälten."

Mit einer raschen Bewegung entledigte sich Arolàn seines Umhangs, legte diesen Féwen um die Schultern und küsste sie flüchtig auf die Wange.

„Ich werde noch mal in den Stall gehen und nach den Pferden sehen und du solltest bald schlafen gehen, du siehst müde aus!"

Die junge Frau kam kaum dazu Luft zu holen, so schnell war Arolàn wieder auf dem Weg nach draußen.

Sie lächelte und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück.

Hätte ein Außenstehender diese Szene beobachtet, hätte er vielleicht Bedenken geäußert, dass der 15jährige Junge vielleicht mehr für die junge Frau empfand.

Doch Féwen war sich sicher, dass Arolàn niemals etwas anderes in ihr sehen würde als eine Mutter – trotz des geringen Altersunterschieds und seinem reifen Verhalten.

Ebenso sah es in ihr aus. Sie war stolz, wenn er sich so verhielt wie eben. Er behandelte sie respektvoll und sorgte sich sehr liebenswürdig um sie. Wie man es von einem wohlerzogenen Sohn erwarten konnte.

Er besaß eine schnelle Auffassungsgabe und war sehr wissbegierig. Dies erfüllte Féwen mit Wohlwollen, wenn sie auch oft wehmütig überlegte, warum er noch keine feste Arbeit ergriffen hatte.

Arolàn beteiligte sich überall, wenn irgendwo Unterstützung nötig war, war er zur Stelle. Er erledigte alles ohne Murren, doch schien nichts ihn so zu fesseln, dass er sich damit länger beschäftigte als nur aushilfsweise.

Golar hatte versucht ihn, ähnlich wie Féwen mit den Grundgedanken der neuen Politik vertraut zu machen.

Dieses Unterfangen war jedoch kläglich gescheitert.

Golar hatte es bedauert, er war der Ansicht, dass Arolàn ein ausgeprägtes Gefühl für Gerechtigkeit und die Bedürfnisse anderer hatte.

Doch er war zu ungestüm und zu unkonzentriert. Vielleicht war er noch zu jung, zumindest müsse er sich er sich erstmal ‚die Hörner abstoßen, bevor er Verantwortung übernehmen konnte', meinte Golar.

Diese Aussage gefiel Féwen nicht sehr. Sie sorgte sich, dass Arolàn Probleme damit haben könnte, dass er nicht wie die anderen Jugendlichen war.

Sie erinnerte sich an ein Gespräch mit Legolas zu diesem Thema.

„Ich weiß oft nicht, woran man bei ihm glauben soll. Er ist schon 15 und sogar noch kleiner und schmächtiger als die 13jährigen. Alle halten ihn für ein halbes Kind.

Doch sein Verstand scheint viel reifer zu sein, als der von vielen anderen. Er versteht die Dinge oft, bevor ich überhaupt zu Ende gesprochen habe und hat klare, logische Vorstellungen", berichtete die junge Frau dem gut aussehenden Elben von ihren Sorgen.

„Das ist mir auch schon aufgefallen", bemerkte dieser stirnrunzelnd, „Er scheint keinerlei Hilfe oder Erklärung zu brauchen. Er weiß manche Dinge einfach."

„Genau, und dann wieder scheint er unbedarft, als ob er nicht wüsste wohin mit seinen Ideen und seiner Kraft."

„Hast du schon mal daran gedacht, dass er möglicherweise elbische Vorfahren haben könnte?"

Féwen sah erstaunt in Legolas' blaue Augen.

Sie hatte ihm erzählt, dass Arolàn nicht immer hier gelebt hatte, doch nichts Genaueres.

„Vielleicht würde das einiges erklären", überlegte die junge Frau laut und legte die Stirn in Falten.

Legolas nickte zustimmend: „Zumindest sein junges Aussehen und das nicht dazu passende, erwachsene Verhalten."

„Und doch… es kann nicht sein! Er ist einfach viel zu menschlich und…"

Legolas unterbrach Féwen: „Bin ich etwa nicht menschlich? Sag mir, wenn mein Äußeres mich nicht verraten würde, worin unterscheide ich mich so groß von den Menschen? Woher willst du wissen, dass ich nicht sehr menschlich fühle und handle?"

Er schien fast verletzt, bemerkte Féwen betroffen.

„So meinte ich das nicht", lenkte sie ein.

„Du bist irgendwie ruhiger und besonnener. In deiner Nähe scheinen alle Probleme weniger schlimm und man wird irgendwie hoffnungsvoll."

Féwen hob den Kopf um Legolas' Reaktion zu sehen. Dieser lächelte nun sanft und strich ihr leicht über die Wange.

„Schon in Ordnung", meinte er leise, „Ich verstehe, was du meinst."

Féwen erwiderte sein Lächeln und fuhr fort:

„Arolàn kann jedoch nicht von den Elben abstammen. Er kommt aus der Gegend um Minas Tirith. Das können wir mit Sicherheit sagen. Und dort leben, soweit ich weiß schon seit Generationen keine Elben mehr."

Legolas schüttelte den Kopf.

„Du hast Recht. Wenn er von dort kommt, ist es ziemlich unmöglich, dass er genügend elbisches Blut in sich hat um sein Verhalten stark zu beeinflussen.

Aber er ist etwas besonderes, dass ist nicht abzustreiten.

Ich wüsste zu gerne mehr über seine Herkunft."

Und während Legolas in nachdenkliches Schweigen verfiel, musste Féwen ihm Recht geben.

Arolàns Vergangenheit war mit Sicherheit wichtig. Und das nicht nur für den Jungen.

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Ich hoffe es hat euch gefallen und ihr gebt mir Feedback - ich freue mich schon riesig drauf!

Im nächsten Kapitel wird es zum Ende der Ernte ein Fest geben… Ja es lehnt ans Erntedankfest an, aber ich verwende den Begriff nicht.

Außerdem haben die eh nicht soviel zu feiern in Thanglhein - oder gibt es in Mittelerde Weihnachten? Ich glaube eher nicht…