Kapitel 11

Sie nährten sich, durch das Feld laufend und Händchen haltend, dem Haus. Sie hatte diesmal die Initiative ergriffen, als sie seine Hand genommen hatte. Er fragte sich, ob sie vorhatte, seine Hand auch weiter zu halten, wenn sie in Sicht der Gäste der Hochzeitsfeier kamen. Draco würde es bald herausfinden, da sie bald an dem Haus waren. Hermine hielt seine Hand noch immer fest in ihrer. Das ungleichste Paar auf der Hochzeitsfeier hielt Hände. Sicher hatte sich die Gravitation der Erde geändert, denn das war eine wahrscheinlichere Erklärung dafür, dass diese beiden sich an den Händen hielten, als die, dass sie beide sich vielleicht ineinander verliebten.

Ohne ein Wort zu wechseln gingen zurück zum Fuchsbau. Es war fast 18:00 Uhr und die Party schien noch immer im vollen Gange zu sein. Die meisten Weasley-Männer hatten sich dabei abgewechselt, Geschichten über Ron zu erzählen und die anderen Gäste brüllten vor Lachen. Die meisten Partygäste bemerkten die Rückkehr der beiden Flüchtlinge gar nicht. Harry Potter war nicht unter ihnen. Er schaute zu ihren verschlungenen Händen und dann in Hermine Grangers Gesicht. Sie lächelte. Sie sah wunderschön und glücklich aus. Er schaute zu Malfoy. Der schaute ebenfalls zu Hermine. So sei es.

Draco zog Hermine zu einem Tisch hinüber und setzte sich auf einen Stuhl. Sie wollte sich neben ihn setzen, doch er zog sie auf seinen Schoß, als sei dies das Natürlichste der Welt. Er deutet einem Ober, ihnen ein wenig Wein zu bringen.

Seine Arme schlangen sich fest um ihre Taille. Sie schaute in sein Gesicht und strich mit ihrer Hand leicht über seine Wange. Der Ober brachte ihnen Wein. Sie nahm einen Schluck und stellte ihr Glas dann auf dem Tisch ab. Er nahm seinen Drink und behielt ihn in seiner freien Hand.

Bald darauf berichtete Rons ältester Bruder Bill von dem ersten Mal, als Ron Interesse an einem Mädchen gezeigt hatte. Er lachte, als er sich daran erinnerte, wie Ron seinem ersten Schwarm ein Weihnachtsgeschenk geben wollte und Bill geschrieben hatte, um ihn um Rat zu fragen. Hermine wusste, dass diese Geschichte von ihr handelte. Sie errötete und hoffte, dass niemand das bemerken würde. Sie traute sich, zu Draco zu schauen. Bill war gerade an der Stelle, wo er Ron geraten hatte, ihr keine Schachtel mit Pralinen mit Popelgeschmack zu schenken und die ganze Meute brach in Lachen aus. Er sagte, er habe seinem Bruder geraten, dass Schokolade vielleicht eine bessere Alternative sei. Dann sagte er: „Kein Wunder, dass Ron noch weitere sechs Jahre gebraucht hat, sie endlich um ein Date zu bitte! Wenn es nach ihm gegangen wäre und er ihr seine Popel-Pralinen gegeben hätte, hätte sie ihn einfach gleich zu Beginn verhext und uns damit den Ärger mit diesem liebestollen Trottel für all die Jahre erspart."

Wieder lachten alle. Alle außer Hermine. Sie war sich sicher, dass ihr Gesicht wieder rot war und so schaute sie zu Boden. Draco schaute sie an. Harry auch.

„Tja, am Ende ist alles gut geworden. Meine Pansy mag Popel-Pralinen und sie würde mich nie verhexen", sagte Ron.

Hermine spürte, wie sie Gänsehaut bekam. Sie spürte ein Kribbeln in ihrem Nacken. Sie wollte weinen. Halt den Mund, Ron! Halt einfach den Mund!

Er tat es nicht. „Auf meine liebliche Braut, die mich so akzeptiert, wie ich bin und die nie versucht hat, mich zu ändern! Du brauchst mich und lässt mich der Starke sein. Du schaffst es nicht, dass ich mich unzulänglich oder dumm fühle und du liebst mich, mit meinen Warzen und allem anderen!", sagte er.

Hermine wollte unter den Tisch kriechen und sich dort einfach zusammenrollen.

Hatte Ron sich so gefühlt? Hat er gedacht, dass sie ihn nie akzeptiert hatte? Hatte sie ihn beschimpft und ihn sich wie ein geringerer Mann fühlen lassen?

Sie spürte, wie Tränen in ihre Augen traten. Sie versuchte, von Dracos Schoß aufzustehen, doch er hielt sie fest. „Hermine?", wisperte er.

Sie konnte ihn nicht ansehen. Schon erzählte George Weasley eine andere Geschichte. Oh mein Gott, in der ging es auch um sie. Er erzählte von dem Weihnachtsball und wie Ron nicht den Mut hatte, ein Mädchen zu dem Ball einzuladen, so dass Harry dies für ihn tun musste. Bitte, dachte Hermine, erwähn mich nicht!

Harry rauschte hinüber zu Draco und Hermine. Er konnte sehen, dass sie sich unwohl fühlte. Er lehnte sich zu ihnen hinunter. „Draco, könnten du und Hermine für mich hinein gehen und schauen, ob noch mehr Champagner da ist?", fragte er.

Draco nickte Harry zu, stand auf, nahm Hermines Hand und führte sie um die Leute herum. Er öffnete die Hintertür und führte sie mit seiner Hand auf ihrem Rücken hinein.

Sie stellte sich an die Spüle und schaute aus dem Fenster hinaus zur Hochzeitsfeier. Sie hörte, wie sie wieder lachten. „Sie müssen bei der Pointe angekommen sein", sagte sie dann. „Die, wie Ron und ich uns nach dem Ball gestritten haben."

Draco legte seine Hand auf ihren Rücken und streichelte sie. Er drehte sie zu sich herum und sagte: „Du warst das Schönste, was ich an diesem Abend gesehen habe. Dein Kleid war immergrün, wenn ich mich recht entsinne. Es hat so ausgesehen, als wäre es von Engeln gewoben worden und nur die Engel konnten es schaffen, dass du wie eine von ihnen ausgesehen hast. Es hat dir wie angegossen gepasst. Dein Haar war in kleinen Kringeln hochgesteckt und du warst so schön, dass du gestrahlt hast. Jeder Junge und jeder Mann in dem Raum hat dich bemerkt. Nicht Fleur, nicht Cho Chang, sondern dich, Hermine Granger. Ron Weasley hat dich nie verdient. Du verdienst jemanden, der mit dir auf einer Stufe steht, nicht unter dir. Nicht alle Menschen da draußen lachen über dich. Sie lachen über ihn. Sogar seine Familie."

Sie wusste, dass er Recht hatte. Sie lehnte sich für eine Umarmung zu ihm, die sie auch bekam. Er legte beide Hände auf ihren Rücken, seine rechte Hand in der Nähe ihres Nackens, auf ihre nackte Haut. Er küsste ihren Hals. Hermine schaute zu ihm hinauf und er wischte mit seinem Daumen die einzelne Träne weg, die ihre Wange hinunterlief. Er küsste ihre Wange.

Harry kam in die Küche und sagte: „Wir haben draußen noch Champagner. Das hatte ich vergessen. Trotzdem danke, dass ihr danach geschaut habt, Draco."

Draco drehte sich zu Harry und nickte. „Danke, Potter", sagte er dann.

„Sie reden jetzt über andere Sachen, wenn ihr wieder rauskommen wollt", berichtet Harry ihnen.

Hermine sah traurig aus, dachte Draco. „Vielleicht in einer kleinen Weile", erwiderte er.

Er führte sie zum Küchentisch. Er setzte sich auf den Tisch und zog sie zu sich, zwischen seine Beine.

„Misses Weasley würde verrückt werden, wenn sie wüsste, dass jemand auf ihrem Tisch sitzt", sagte Hermine mit einem schwachen Lächeln.

Er hielt sie an sich gedrückt, seine Arme um ihren Körper. „Diese Frau ist sowieso verrück, mit so vielen Kindern", antwortete er.

Hermine lehnte sich gegen seine Brust, ohne ihn auszusehen. „Bei welchen Date sind wir jetzt?", fragte sie dann.

„Nun, wir sind in der Phase unserer Beziehung, wo die Gefühle des anderen das wichtigste sind. Wir sind absolut zufrieden und entspannt miteinander und die Gefühle des anderen sind das Spiegelbild unserer eigenen Gefühle. Ich würde sagen, wir sind direkt vom sechsten zum zehnten Date gesprungen", erklärte er.

Sie lachte und legte ihren Kopf auf seine Schulter. „Hast du jemals auf das zehnte Date gewartet um mit jemandem zu schlafen?", fragte sie.

Er runzelte gespielt die Stirn und antwortete: „Nein, das habe ich nicht und langsam fühle ich mich ausgenutzt, Granger. Wie lange soll ich noch mit dir ausgehen, bis du endlich mit mir schläfst?"

Sie legte ihre Hand auf seine Wange und ihre Augen strahlten. „Lass diesen Aspekt unserer Beziehung eine Überraschung bleiben."

„Eine Überraschung? Was hast du vor? Mich schnappen, in einen Besenschrank zerren und mich dort vernaschen?", fragte er.

„Verdammt, jetzt kennst du meinen Plan und ich kann das nun offensichtlich nicht mehr machen. Das tut mir leid für dich, Draco", erwiderte sie amüsiert.

„Oh, warte", berichtigte er sich, „das war ja mein Plan, nicht deiner. Ich entschuldige mich. Dein Plan war ganz anders."

Sie nahm seine beiden Hände in ihre und verschlang ihre Finger mit seinen. „Was war denn mein Plan?", fragte sie.

„Dein Plan war es, dass du es schaffst, dass ich mich Hals über Kopf in dich verliebe und dich dann zu einem romantischen Stelldichein entführe, das du nie vergessen wirst", erklärte er, ließ ihre Hände los und zog sie näher an sich heran. Ihre Hüften lehnten gegen den Tisch, während sie fast ganz bei ihm stand. Er hatte seine Beine noch gespreizt, so dass sie nah bei ihm sein konnte.

„Funktioniert mein Plan?", fragte sie vorsichtig.

„Ausgesprochen gut", sagte er, genauso vorsichtig. Er küsste sie wieder, dieses Mal leicht und einladend. Zu was genau er sie einlud, wusste sie nicht ganz.

Draco drückte sie von sich und stand vom Tisch auf. Zuerst wunderte sie sich, was sie falsch gemacht hatte. Ihre Zweifel wurden beantwortet, als er ihre Hand nahm und mit ihr zu etwas eilte, was am ehesten einem Besenschrank ähnelte. Es war die Speisekammer. Darin war kaum Platz für einen, geschweige denn zwei.

„Was machen wir hier?", fragte sie, nachdem sie in der Kammer waren.

„Ich habe mich entschieden, meinen Plan in die Tat umzusetzen, du weißt schon, der Besenschrank, dich vernaschen, das alles halt", antwortete er und küsste dann zunächst ihre Handfläche, dann ihr Handgelenk.

„Was ist mit meinem Plan? Kein Verlieben, kein romantisches Stelldichein?", fragte sie.

Er nahm einen tiefen Atemzug. „Aber Granger, dafür ist es doch zu spät", erwiderte er.

„Was meinst du?", fragte sie besorgt.

„Na was wohl, du Dummchen, ich habe mich bereits in dich verliebt", erklärte er einfach.