Anmerkungen der Autorin:
Hier ist nun das letzte Kapitel. Eigentlich wollte ich es nicht in Teile untergliedern, aber da es recht lang werden wird und ich euch nicht ewig warten lassen möchte, wird es doch in Abschnitten erscheinen. (In mindestens Zweien.)
Vielen Dank an Jana für ihr liebes Review, das mich sprichwörtlich angetrieben hat weiterzumachen, als die Sommerhitze und ein persönlicher Tiefpunkt das Schreiben einer lustigen Geschichte nicht unbedingt förderten.
Ebenso möchte ich, wie immer, Alraune für ihre Mühen als Betaleserin danken.
Liebe Grüße an alle Leser und Reviewer und viel Spaß beim Lesen.
Das Blinddate
von Tante Hildegard
Kapitel 7 I: Noch einmal der Kater
Als ich aus meinem Schlummer hochschreckte, war bereits finstere Nacht hereingebrochen. Der rothaarige Junge, zu dessen Füßen ich mich zusammengerollt hatte, war verschwunden und mit ihm der süße Duft nach warmen Plätzchen. Verlassen lag das Drei Besen im Mondlicht, das kalt, silbern durch die Fenster flutete. Ich tappte erleichtert zu meinem Kissen, unter der Holzbank, wo ich endlich ungestört liegen konnte, ohne Belästigung durch den übel stinkenden schwarzen Zauberer. Schläfrig liebevoll kaute ich an den Stoffecken, da fiel mir eine kleine Tube, wie sie für Muggelsalben üblich war, in die Augen. Sie mußte einem der Gäste unbemerkt aus der Tasche gefallen sein. Bevor ich ins Drei Besen zog, konnte ich einige Erfahrungen mit Tuben sammeln, denn ich hatte lange Zeit bei einem greisen Squib gewohnt, der für jedes Zipperlein ein Tübchen mit irgendeiner magischen Substanz besaß. Er bezog sie von seiner Magierverwandtschaft oder aus der Apotheke um die Ecke. Sogar die Zähne klebte er mit Hilfe einer speziellen Paste im Mund fest. Tja, Menschen lebten praktisch von bizarren Einfällen, ohne die sie nichts mit sich anzufangen wüßten. „Fauch. Ein Alptraum für die Katze" lasen die pinkfarbenen Lettern auf der Tube. „Reiben Sie das neue, noch cremigere Fauch® einfach auf Ihre Haut und keine Katze wird sich Ihnen nähern können. Das neue Fauch® ist jetzt noch wirksamer und besonders hautverträglich. Bei Fragen schicken Sie vertrauensvoll eine Eule an unsere Serviceabteilung: GPSL (Gisbert's Potion and Salves Laboratories) Service, London." Meine Barthaare zitterten vor Entrüstung. Etwas kleiner und farblich abgesetzt stand darunter noch mehr zu lesen: „Probieren Sie ebenfalls unser Produkt Schnuffis Schrecken® gegen aufdringliche Hunde." Nun war mir einiges klar geworden. Der schwarze Zauberer hatte sich ganz offenbar mit dieser Salbe eingerieben, weshalb ich den furchtbaren Gestank in seiner Nähe wahrgenommen hatte. Aber wieso? Was hatte ich dem Zauberer denn getan? Menschen und ihre kranken Einfälle! Ich schob die Tube möglichst weit fort von meinem Platz, damit mich ihr Anblick nicht belästigte, dann schleifte ich mich zurück auf mein Kissen, um zu schlummern und von meiner schönen rotfelligen Kätzin zu träumen.
Katzen haben kein besonders gutes Zeitgefühl, deshalb konnte ich nicht sagen, ob es einen Tag später geschah oder einen Monat; es hätte auch ein Jahr sein können. Ich kam gerade von Madam Puddifoots Teestube, wo ich vor den Eingang gepullert hatte, direkt neben einen Blumenkübel mit Buchsbaum (- Elspeth von schräg gegenüber war auch schon da gewesen und hatte einen Gruß hinterlassen -) und spazierte mit grazil erhobenem Schwanz ins Drei Besen. Dort kroch ich augenblicklich unter meine Bank, obwohl mein Kissen spurlos verschwunden war und die Behaglichkeit zu wünschen übrig ließ. Zum Ausgleich hatte ich mir einen alten Stiefel unter die Bank gezerrt, auf dem ich zum Trost herumbeißen konnte; er roch sehr interessant. Als der Kerl in der schwarzen Robe zur Tür hereinstürmte, erkannte ich ihn sofort, das hieß, ich wußte, daß er mir schon einmal unangenehm aufgefallen war, auch wenn ich mich nicht an den Zeitpunkt erinnerte. Es bestand außerdem die Möglichkeit, daß er mein Kissen gestohlen haben könnte. Menschen war das zuzutrauen! Glücklicherweise setzte sich der Mann nicht auf meine Bank, sondern an einen Tisch auf der anderen Seite. Er trug einen kleinen Metallkäfig in der Hand, den er vorsichtig vor sich auf dem Tisch plazierte. Der wollige, kleine Insasse weckte mein Interesse, wie er wohl schmecken würde, er duftete jedenfalls höchst aufregend. Ich beschloß ihn im Auge zu behalten. Der Schwarzhaarige starrte finster zu mir herab und ich blinzelte unschuldig, aber wenn er versuchen sollte, sich auf die Mülltonne zu setzten oder gar unter meine Bank zu krauchen und am Stiefel zu schnüffeln... dann würde er es bitter bereuen. Er machte keine derartigen Anstalten. Offenbar wartete er auf eine andere Person, ohne wirklich erfreut zu sein, diese zu treffen. Die Tür klapperte erneut und eine junge Frau marschierte zielstrebig zu seinem Tisch.
„Guten Abend, Professor Snape", grüßte sie.
Er fauchte giftig: „Hier ist der Hamster."
„Oh, ein hübsches Tier. Wie hieß er doch gleich?"
„James."
„Na ja, ein bißchen kränklich erscheint er mir schon und das Fell ist stumpf und... er hat irgendwas mit dem Auge und ..., äh, Verdauungsprobleme."
„Verdauungsprobleme?" Der Mann zuckte mit dem Augenlid. „Mein Hamster hat keine Probleme!"
Noch ehe sie scharf Luft holen konnte, um ihn mit besserwisserischer Miene zu belehren, wurde ihr Gespräch jäh unterbrochen. Alle zuckten erschrocken zusammen, als Orpheus draußen Zeter und Mordio kreischte und Sekunden später die Tür nach innen aufspringen ließ. Im Rahmen stand ein junger Mann mit roten Haaren und purpurnem Gesicht, der Orpheus an beiden Hörnern gepackt hielt. Die Leute glotzen gebannt auf das Schauspiel, aber als der Junge die entsetzten Blicke bemerkte, ließ er die Hände beschämt sinken und zischte an Orpheus gewandt: „Na warte!". Zur Antwort schwang der Türklopfer drohend mit den Hufen und versuchte gelegentlich nach dem Feind zu schnappen, erwischte aber nur ein Gewandstück, an dem er nichtsdestotrotz inbrünstig zerrte.
„Laß los!" wetterte der Rothaarige und fetzte in entgegengesetzter Richtung am Stoff, bis es Orpheus gelang, ein Loch aus dem Gewand herauszubeißen. Was für eine Schau! Verdutzt blinzelte der Junge auf sein durchlochtes Gewand, dann auf den siegreichen Orpheus, dem die Trophäe aus dem Mund baumelte.
„Meine neue Robe", wimmerte er. „Du hast sie kaputt gemacht!"
Meine Futterfrau stürmte zur Deeskalation der Lage in Richtung Tür und rupfte den Jungen ungeduldig nach drinnen, bevor sie, „Wir sprechen uns später!" murmelnd, die Tür schloß.
„Es tut mir sehr leid, was Orpheus da angestellt hat, Mr. Weasley. Ich werde Ihnen den Schaden natürlich ersetzten. Er hat es sicher nicht so gemeint, aber wenn es um Prophezeiungen geht, vergißt er manchmal seine Manieren."
Der Rothaarige fuhr beim Wort Prophezeiung merklich zusammen, ehe er nonchalant quiekte. „Wie kommen Sie darauf, daß es um eine Prophezeiung ging?"
„Nun", räusperte sie sich, „bei Orpheus geht es im Grunde immer um Prophezeiungen. Er sagt den Gästen gerne die Zukunft vorher und ist dann beleidigt, wenn sie ihm nicht glauben." Sie zuckte entschuldigend mit den Schultern.
Entsetzten stand dem jungen Mann ins Gesicht geschrieben, weshalb die Futterfrau ihm lächelnd auf die Schulter klopfte und fragte was sie ihm zu trinken bringen sollte.
„Äh, eigentlich bin ich hier, weil jemand mir eine Nachricht geschickt hat, daß ich mir sein krankes Haustier mal ansehen sollte", nuschelte er und fügte angesichts der Verwirrung auf ihrem Gesicht hinzu: „Ich arbeite als Tierheiler."
„Oh", hauchte die Futterfrau, wobei ihre Lippen ein kleines spitzes Rund formten, und ihre Augen huschen eilig zum Tisch hinüber, den der Junge nicht sehen konnte. Hinter ihren Augen konnte ein aufmerksamer Kater, wie ich, die Spekulationen und Thesen blinken sehen.
Der Rotschopf unterdessen, war noch damit beschäftigt, seine Begegnung mit Orpheus zu verarbeiten, und zupfte seine Robe zurecht, durch die nun ein gutes Stück heller Haut auf der Brust schimmerte. Er fiel aus allen Wolken als die Futterfrau ihm zuflüsterte: „Professor Snape sitzt dort drüben mit einer jungen Dame am Tisch und sie haben einen Hamsterkäfig dabei." Regungslos blieb er stehen, obwohl die Futterfrau ihm nochmals motivierend auf die Schulter klopfte, bevor sie zurück hinter die Theke sauste, von wo man den besten Blick übers Lokal hatte.
Ich huschte unter meinem Tisch hervor und strich ihm um die Beine, um zu prüfen wie er roch. Vielleicht hatte er die eine oder andere Leckerei in seinen Taschen versteckt? Vorsorglich drückte ich mich fordernd gegen seine Waden, aber er reagierte nicht und ich stapfte beleidigt zurück auf meinen Beobachtungsposten, um den schwarzen Zauberer im Auge zu behalten.
Jener schien unter plötzlichen Schmerzen zu leiden, seine Lippen zitterten und sein Atem hatte beschleunigt. Ich brauchte ihn nur eine Sekunde lang anzusehen und verstand. Er hätte lieber für den Rest seines Lebens Trockenfutter gegessen, als mit dem Jungen in einem Raum zu sein, oder, unter einer leicht veränderten Sachlage, hätte er vielleicht auch alles Trockenfutter ertragen, gerade um mit ihm in einem Raum zu sein. Eine bemerkenswerte Mischung aus Furcht und Gier glitzerte in seinen Augen. Ich kroch zum Tischbein vor, um besser beobachten zu können.
Der rothaarige Jüngling lief steifbeinig und mit Tunnelblick zur Theke. Er fragte meine Futterfrau, ob denn kein anderer Gast mit einem Haustier da sei, aber sie schüttelte mitfühlend den Kopf. Der junge Mann erstarrte wiederum. Nach einem Moment nickte er mechanisch und machte auf dem Absatz kehrt, um mißmutig zum Tisch des Schwarzen hinüberzugehen. Wie spannend!
„Was machst du hier?" keuchte der Rotschopf heiser und der Schwarze blinzelte verständnislos zwischen ihm und der Frau hin und her, im Versuch zu begreifen, was gerade vor sich ging.
„Nun", intonierte sie bedeutungsvoll, wobei sie am Kragen ihres Kleides zupfte, „Professor Snapes Hamster ist krank, er bedarf tierärztlicher Fürsorge, deshalb bin ich hier, denn von sich aus hätte Professor Snape das arme Tier nie untersuchen lassen."
Das hakennasige Gesicht fuhr drohend zu ihr um und knurrte gleichzeitig: „Mein Hamster ist kerngesund!"
Diesmal war es an der Zeit für den Rotschopf verwirrte Blicke über seine Mitmenschen zucken zu lassen, ehe er in der Situation einen ausbaufähigen Vorteil erkannte und rechthaberisch krähte: „Wenn der Hamster nicht krank ist, kann ich ja gehen. Aber ich will erst wissen, was du hier zu suchen hast."
Das Mädchen starrte ihm mit zerknautschtem Gesicht entgegen, entschlossen zu schweigen. Ihr Kinn war trotzig nach vorn geschoben; es bebte vor Willenskraft.
„Falls ich dazu etwas sagen dürfte", schnarrte der Schwarze behäbig, mit einer halb erhobenen Hand, „Miss Nightingale und ich haben so etwas wie eine Verabredung. Nichtsdestotrotz würde ich es vorziehen diese auf der Stelle zu beenden. Vielleicht haben Sie beide einander ja mehr zu sagen? Woher auch immer Sie sich kennen." Kurz schnippte seine Aufmerksamkeit zum Antlitz des Jungen empor, dann stierte er wieder so muffig wie zuvor geradeaus. Seine Füße scharrten auf dem Boden und das lange Gewand raschelte verheißungsvoll, als er Anstalten machte aufzustehen. Ob ich die Gunst des Augenblickes nutzen sollte, um mit einer Pfote nach dem Gewandsaum zu hakeln, der herrlich um die dürren Beine schwang?
„Nein!" verbat das Mädchen. „Ich bin hier, weil das Schicksal es so vorgesehen hat. Als Direktor Dumbledore mir alle Lehrer vorstellte, habe ich ihn sofort erkannt." Ihr ausgestreckter Zeigefinger sauste durch die Luft und blieb vor der Hakennase des Schwarzen stehen, dessen Gesicht langsam aber sicher rot anlief.
„Kein Wort!" fauchte der Junge. „Du sagst ihm kein Wort." Die drei Menschen musterten sich schockiert und ängstlich, bis der Junge das Schweigen brach. „Woher, bei Merlin, kennst du Dumbledore?"
Sie schwieg ihn beharrlich an und schob beleidigt die Nase in die Luft. Schließlich räusperte sich der Schwarze, sichtlich von Neugier gepackt. „Miss Nightingale hier, ist Hogwarts neue Wahrsagelehrerin, solange Professor Trelawney in St. Mungos behandelt wird."
Der Junge gluckerte und sprudelte unverständliche Silben, bevor er nach dem Tisch tastete, um sich abzustützen. Alarmiert sprang der Schwarze von seinem Sitz und zog ihn behutsam neben sich auf die Bank, während der junge Mann immer noch fassungslos blubberte. Schließlich, von einer plötzlichen Erkenntnis erschüttert, rutschte der Junge, wie ein geölter Blitz, bis zum äußersten Ende der Bank, daß er beinah runtergefallen wäre, offensichtlich in der Absicht, dem Schwarzen nicht zu nahe zu kommen.
Eventuell wäre es für den finsteren Zauberer von Nutzen gewesen, hätte er das ein oder andere Leckerli in der Tasche gehabt, denn ein Futtergeschenk half bei der Liebeswerbung ungemein, aber ich war mir nicht sicher, wie die Menschen solche Sachen anstellten. Sie waren so ungeschickt!
Das Mädchen suchte den Blick des Rotschopfs, sie lächelte verzweifelt. „Ich wußte nicht, daß er hier sein würde, als ich nach Hogwarts kam. Das Schicksal-"
„Das Schicksal interessiert mich nicht", zischte er. „Ich will selbst entscheiden."
Sie öffnete den Mund, um etwas zu sagen, als die Worte jedoch nicht über die Lippen kamen, klappte sie ihn seufzend wieder zu. „Entschuldige", wisperte sie endlich.
Überrascht schnappte sein Kopf nach oben und staunte das Mädchen an.
„Ich hätte lügen sollen", murmelte sie mit kummervoller Stimme und pulte sich Schmutz unter den Nägeln hervor, „so wie ich es immer mache. Ich wollte dir beweisen, daß ich auch hellsehen kann, daß ich keine Witzfigur bin, deshalb habe ich gesagt, was in der Kugel war. Man darf Prophezeiungen nicht leichtfertig aussprechen. Es war vielleicht falsch."
Der Schwarze runzelte die Stirn. „Sie haben Mr. Weasley etwas prophezeit?" Sie nickte stumm, aber der Junge quiekte panisch.
„Ich verstehe nicht, wieso du überhaupt von Hogwarts weißt und... Dumbledore-"
„Ich habe eine Freundin in der Schule", sagte sie.
„Betty Beaumont, nicht wahr?" unterbrach der Schwarze mit wissender Miene, weshalb ihn ein besorgter Blick des Jungen traf.
„Ja. Ja genau. Für mich ist Betty wie eine kleine Schwester, wir sind im selben Kinderheim groß geworden. Sie hat mir immer Briefe geschrieben, als sie nach Hogwarts kam, und mir von der Schule erzählt. Betty weiß, daß die Geschäfte für Madam Nightingale und mich im Moment sehr schlecht laufen und als sie aufgeschnappt hat, daß die Lehrerin fürs Wahrsagen krank ist, hat sie mich gleich beim Direktor vorgeschlagen." Das Mädchen blinzelte verlegen und zuckte mit den Schultern.
„Selbst auf die Gefahr hin, daß ich es nicht wirklich wissen möchte", brummte der schwarze Zauberer samtig, mit einem prüfenden Blick auf das Mädchen. „Wer ist Madam Nightingale, wenn nicht Sie?"
„Madam Nightingale ist Wahrsagerin, ich arbeite für sie. Das heißt sie ist keine richte Wahrsagerin, aber sie beherrscht alle Kniffe und Tricks, wie man mit den Kunden umgehen muß", schnatterte sie voll Bewunderung. „Ich heiße eigentlich gar nicht Nightingale, aber hier weiß das ja keiner, deshalb..." Sie verstummte.
„Wenn Sie mir jetzt noch verraten, weshalb ich James mitbringen mußte und Sie Mr. Weasley herbeordert haben, wäre ich zufrieden", spöttelte der Schwarze, nicht ohne ein schockiertes Gesicht vom rothaarigen Jungen zu erzielen.
„Mr., ähm, Weasley ist Tierheiler."
Der Zauberer drehte sich zum Jungen um, und begutachtete ihn mit komischem Gesichtsausdruck. „Wieso haben Sie mir gesagt, Sie seinen ohne Arbeit?"
Eine flache Hand wischte zitternd über das feuerrote Gesicht, als der Junge flüsterte: „Ich brauche was zu trinken."
„Ja", nickte der Zauberer zustimmend, „ich könnte auch einen Whiskey vertragen." Dann winkte er meine Futterfrau heran, um sich eine Flasche von Ogdens Altem Feuerwhiskey bringen zu lassen. Ein ziemlich garstiges Gebräu, das einem Tränen in die Augen trieb, sobald man nur daran schnupperte. Das Mädchen klemmte sich eine schwarze Haarsträhne hinters Ohr und behauptete: „Ich glaube, es ist besser, wenn ich gehe. Ich habe die Prophezeiung nun einmal ausgesprochen. Als ich Professor Snape am Lehrertisch sah, wußte ich, daß etwas schief gegangen war und ... Ich habe versucht meinen Patzer wieder gut zu machen und dem Schicksal nachzuhelfen. Mehr kann ich nicht tun, der Rest ist nicht meine Angelegenheit."
Der Junge fletschte die Zähne, aber sie ließ sich nicht irritieren, sondern fügte hinzu: „Du kannst selbst entscheiden. Wenn ich meinen großen Mund gehalten hätte, wäre es leichter, aber du kannst selbst entscheiden. Ich mache das Schicksal nicht. Es ist vorher da und du weißt das schließlich. Die großen Prophezeiungen kann man nicht umgehen, die Kleinen schon, aber sei nicht dumm und trotzig. Tu es nicht aus den falschen Gründen. Du könntest es bereuen." Mit der Aura einer Herzogin stolzierte sie zum Ausgang. Die Tür klappte und das Mädchen war verschwunden, allerdings konnte man Orpheus draußen schwatzen hören, wenn man gute Ohren hatte. Im Gesichtsausdruck des schwarzen Zauberers sah man deutlich, daß er fieberhaft überlegte, was das Mädchen versucht hatte zu sagen. Mir ging es ähnlich.
„Also fangen wir noch mal von vorne an. Warum haben Sie mich wegen Ihres Berufs belogen?"
Fortsetzung folgt
