Legende:

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»Gerede«

/Gedanken/

:Parsel:

((AdA: Meine Kommentare))

±Bestimmter Zeit- und Ortswechsel±

°Phönixgeschwafel°

Liebesgeständnisse und andere Probleme

»Freust du dich so sehr, mich zu sehen?«, grinste James breit und setzte sich Lily gegenüber. Er nahm sich einen der goldverzierten Kelche und schüttete Orangensaft hinein. Lily hingegen löste ihre Augen von ihrem Toast und starrte James finster an.

»Wir hatten gerade eine Begegnung mit einem sehr interessanten Jungen. Er ist mir viel sympathischer, als du es je sein wirst«, giftete sie zurück.

James verengte seine Augen. »Grinst du deshalb so dämlich durch die Gegend?«

»Ich muss schon sagen, Lily«, schüttelte Alice amüsiert ihren Kopf. »Du bist genauso leicht zu verzaubern wie Rachel.«

»Ich bin nicht leicht zu verzaubern!«, protestierten Rachel und Lily synchron.

»Natürlich«, schnaubte Alice grinsend.

»Moment mal«, rief Sirius aus und hob seine Hände hoch. »Was war hier eigentlich los? Moony?« Er sah zu Remus, welcher nachdenklich in seine Teetasse sah. Doch nun hob er seinen Kopf und sah den jungen Black verwirrt an.

»Hast du was gesagt, Tatze?«

Sirius seufzte. »Wurmschwanz?«

»Dieser Neue, Shorai, war hier«, piepste Peter und wandte seine Augen von Rachel ab, ehe er zu Sirius sah. »Er hat es sich auf James' Platz breit gemacht... Und er hat die Erdbeeren gegessen.«

»Was?!«, kreischte James und sah sich auf dem Tisch um, bevor seine Augen fanden, was sie suchten. Allerdings nicht so, wie erhofft. »Meine Erdbeeren!«

»Es ist sowieso eine krankhafte Eigenschaft von dir, zu jeder Mahlzeit Erdbeeren zu verdrücken. Hast du davon nicht mal genug, Potter?«, schnarrte Lily verächtlich.

»Dieser... dieser... Slytherin!«, brachte James gerade noch hinaus, bevor er so aussah, als hätte er sich verschluckt.

»Was für eine Beleidigung«, murmelte Sirius sarkastisch in seinen nicht vorhandenen Bart.

»Hast du was gesagt?«, fragte James spitz.

»Nein, natürlich nicht, Jamie-Boy«, erwiderte Sirius hastig und grinste ihn verunglückt an.

»James«, fing Remus beschwichtigend an. »Harry hat nichts verbrochen. Ja, er hat nach Erdbeeren gefragt, aber er hatte ja nicht wissen können, dass sie... nun ja... reserviert sind.«

»Sie waren nicht nur reserviert, Moony«, sagte James so langsam und ruhig, als würde er einem Kleinkind erklären, dass man seine Hand nicht auf eine angeschaltete Herdplatte legen durfte. »Sie waren für mich reserviert.«

»Was natürlich einen Unterschied macht, nicht wahr, Potter?«, fauchte Lily empört und stand auf. »Du bist so ein arroganter, verwöhnter und unglaublich unhöflicher Bengel, dass es für mich eine Wohltat ist, zu wissen, dass es Menschen wie Harry gibt.«

»Harry?«, echote James. »Du nennst ihn Harry? Momentchen... Remus, du hast ihn auch Harry genannt!«

Bevor Remus irgendwas antworten konnte, schlug Lilys Faust hart auf dem Tisch auf. »Betone diesen Namen nicht, als wäre er nur Dreck unter deinen Fingernägeln!« Sie drehte sich abrupt um und stapfte wütend aus der Halle.

»Gut gemacht, James«, prostete Rachel dem Potterjungen mit ihrem Apfelsaft zu. »So gewinnst du sie ganz bestimmt.« Sie trank den Kelch aus, bevor sie ihn abstellte und mit ihren Freundinnen Lily folgte.

--

»Ich wünsche Ihnen einen schönen Guten Morgen, Professor Malfoy«, grinste Harry breit, als er dort ankam, wo sie anscheinend Pflege magischer Geschöpfe hatten. Es waren Bänke und Tische aufgestellt worden. Hinter Abraxas Malfoy, welcher sich gerade umdrehte und ihn äußerst genervt anstarrte, stand ein Tisch mit verdeckten Kästen. Zumindest vermutete er von der Form her, dass es Kästen waren.

»Danke, gleichfalls«, schnarrte Abraxas und wandte sich noch einmal kurz zu den verdeckten Gegenständen, um zu überprüfen, dass die weißen, großen Tücher auch alles versteckten, ehe er sich wieder zu Harry wandte, welcher sich in die zweite von fünf Reihen setzte. Abraxas atmete tief ein und aus, sah sich um und ging dann langsam zu dem jungen Mann. Er verschränkte, zugegeben leicht nervös, seine Hände hinter seinem Rücken, als er vor ihm stand.

»Ich weiß, dass es mich nichts angeht, Mr. Shorai«, fing er langsam an. »Aber mir ist aufgefallen, dass der Lord in der letzter Zeit sehr viel außer Haus war. Sie wissen nicht zufällig etwas darüber?«

»Warum fragen Sie ausgerechnet mich das?«, informierte sich Harry, während er sein Buch auf den Tisch legte.

»Ist das nicht offensichtlich?«

»Oh, natürlich«, verstand der Nymph schmunzelnd. »Weil wir miteinander geschlafen haben. Aber das muss nicht bedeuten, dass wir jetzt nicht mehr von einander los kommen. Oder sogar ein Paar sind. Was ohnehin undenkbar ist.«

»Wissen Sie etwas darüber oder nicht?«, fragte Abraxas gestresst. Er sah schon einige Schüler auf sie zukommen. Zwar waren sie definitiv zu weit weg, um sie zu verstehen, aber es dürfte nicht mehr lange dauern.

»Ja«, gab Harry zu. »Tom war oft bei mir.«

»Aha. Und? Läuft was?«

»Bei allem nicht vorhandenen Respekt, Professor Malfoy«, lächelte Harry seinen Lehrer süffisant an. »Tom und mein Liebesleben geht sie nichts an.«

»Es existiert also ein Liebesleben zwischen Ihnen?«, erwiderte Abraxas mit zusammen gekniffenen Augen.

»Nein«, schüttelte Harry seinen Kopf. »Wir sind Freunde. Mehr nicht.«

»Guten Morgen, Professor Malfoy«, grüßte Bellatrix ihren Lehrer, als sie und ihre Schwester als erstes von den herannahenden Schülern ankamen.

»Miss Black«, nickte Abraxas zuerst Bellatrix, dann Narzissa zu, welche höflich lächelte. Die schwarzhaarige Black setzte sich neben Harry, während die Blonde direkt neben ihr Platz nahm.

Mit der Zeit kamen auch die restlichen Schüler an. Der Zeitreisende nickte Lily lächelnd zu, als sie ihn freundlich ansah. Aus den Augenwinkeln erkannte er James' finsteren Blick. Lautlos seufzend sah er daraufhin zu Abraxas, welcher sich vor der Klasse aufstellte und ungeduldig darauf wartete, dass die Schüler sich setzten.

Lily schaffte es irgendwie, ihre Freundinnen in die erste Reihe, vor Harry, zu schieben. James hingegen bugsierte seine Freunde hinter der Reihe von dem Schwarzhaarigen. Irgendwie... fühlte er sich total eingeengt. Als würde er zwischen den Fronten stehen. Das war ein unangenehmes Gefühl, ähnlich dem, als er gegen Voldemort gekämpft hatte. Zumindest fast.

»Wenn ich um Ruhe bitten dürfte«, schnarrte Abraxas in altbekannter Malfoy-Manier und sah kühl in die Menge. Fast sofort stellte sich das Getuschel ein. Er nickte zufrieden. »Wer kann mir was über die offizielle Klassifizierung durch das Zaubereiministerium sagen? Ja, Mr. Zabini?«

»Die Abteilung zur Führung und Aufsicht Magischer Geschöpfe klassifiziert offiziell alle bekannten Tierwesen, Zauberwesen und Geister. Dadurch kann erkannt werden, als wie gefährlich das betreffende Wesen eingestuft wird«, erklärte Zabini.

Abraxas nickte ein weiteres Mal. »Das ist korrekt. Fünf Punkte für Slytherin. Wie viele Gefahrenklassen gibt es? Miss?«

»Grey, Professor. Maggie Grey. Es gibt fünf Einstufungen, Sir«, erwiderte Maggie und nahm ihren Arm runter.

»Fünf Punkte für Gryffindor. Kann mir auch jemand sagen, wie die jeweilige Stufe beschrieben wird?«

Nun wanderten deutlich wenige Hände in die Höhe. Dennoch gab es einige, weshalb Abraxas Lily aufrief und sich gleich nach ihrem Namen erkundigte. »Lily Evans, Sir. Je nach gefährlicherer Klassenstufe gibt es immer ein X mehr. Bei einem wird es als langweilig abgestempelt, bei zwei von ihnen als harmlos. Bei denen wird auch gestattet, dass man das betreffende Wesen als Haustier halten kann. Drei-X-Wesen können von fähigen Zauberern gebändigt werden und vier werden als gefährlich eingestuft. Man benötigt Fachwissen und der Umgang wird nur entsprechend ausgebildeten Zauberern gestattet. Fünf-X-Wesen sind als Zauberertöter bekannt und sie sind unmöglich zu bändigen, geschweige denn als Haustier abzurichten.«

»Sehr gut, Miss Evans. Zehn Punkte für Gryffindor«, nickte Abraxas anerkennend. Harry war leicht überrascht, er hatte diesen Mann als weit parteiischer vermutet. »Sie, Mr., nennen Sie mir ein Wesen, das mit einem X eingestuft worden ist.«

»Mh... Ein Flubberwurm«, sagte der aufgerufene Hufflepuff nach einer kurzen Überlegung.

Abraxas nickte. »Drei Punkte für Hufflepuff. Ein eingestuftes Zwei-X-Wesen? Sie, wie ist Ihr Name?«, zeigte der blonde Mann auf ein Ravenclawmädchen.

»Eve Dixon. Mir fällt spontan ein Gnom ein.«

»Das ist richtig, Miss Dixon. Drei Punkte für Ravenclaw. Das nächste, gefährliche Wesen mit drei X?« Abraxas deutete auf einen Jungen aus Slytherin. »Mr. Pritchard?«

»Ähm... Niffler, Professor Malfoy.«

»Drei Punkte für Slytherin. Vier X? Miss Black?«

»Demiguise, Sir«, antwortete Narzissa mit ihrer ruhigen Stimme.

»Sehr gut, weitere drei Punkte für Slytherin. Nun sind Sie an der Reihe, Miss. Nennen Sie mir ein Wesen, das fünf X in der Klassifizierung hat.«

»Mein Name ist Rachel Leroy, Sir«, gab die Gryffindor zurück. »Ich denke, dass ein Drache in der höchsten Stufe ist.«

»Da denken Sie richtig, Miss Leroy. Drei Punkte für Gryffindor.« Abraxas drehte sich zu den verdeckten Kästen um. Bei dem kleinsten Kasten zog er mit einem Ruck das weiße Tuch herunter und offenbarte somit einen Glaskasten, in welchem ein Garten zu sein schien.

»Kommen Sie näher, Miss«, rief Abraxas Alice zu sich, welche der Aufforderung nach kam. Sie stellte sich neben ihn und sah, nach einem Wink des blonden Mannes, in den Glaskasten.

»Sagen Sie mir, was Sie sehen.«

»Es sieht aus wie kleiner, überwucherter Garten, Sir. Alles ist grün... Oh, da ist ein Pilz.«

»Beschreiben Sie ihn für ihre Mitschüler, Miss...?«

»Rhimes. Maggie Rhimes. Der Pilz sieht fleischig und rötlich aus... Außerdem hat er ein paar drahtige, schwarze Borsten.«

»Vielen Dank, Miss Rhimes. Sie können sich wieder setzen.« Maggie tat es, weshalb sich Abraxas wieder der ganzen Klasse zu wandte. »Dieser Pilz ist ein Horklump. Er stammte einst aus Skandinavien, doch mittlerweile hat er sich in ganz Nordeuropa verbreitet. Außer, dass er in wenigen Tagen einen großen Garten überwuchern kann und er mit Hilfe von zähen Tentakel Erdwürmer aus dem Boden fischen kann, hat er keine besonderen Eigenschaften. Abgesehen davon, dass er eine beliebte Delikatesse für Gnome ist. Wie Sie sich sicher vorstellen können, besteht seine Klassifizierung aus einem einzelnen X.«

Abraxas trat zu dem zweiten, verdeckten Kasten und zog auch da das Tuch weg. Mit viel Fantasie konnte man das, was zum Vorschein kam, als Muggelaquarium bezeichnen. Ein einzelner, silbernen Fisch schwamm darin herum.

»Das ist ein Ramora«, erklärte Abraxas. »Klassenstufe Zwei, im Indischen Ozean beheimatet und der beste Freund eines jeden Seefahrers. Das ist der Grund, weshalb sie vom Zaubereiministerium für hoch geschützt erklärt wurden. Sie sorgen dafür, dass Schiffe sicher Anker legen können und beschützen die Seefahrer. Nun, kommen wir zu unserem dritten und letzten Kasten.«

Wieder zog er das Tuch herunter und offenbarte somit einen limonengrünen, komisch aussehenden Vogel. »Das ist ein Fwuuper. Er ist ein afrikanischer Vogel und wie Sie sehen können, besitzt er ein leuchtkräftiges Gefieder. Bei vielen Anderen ist das Gefieder auch orange, rosa oder gelb. Die meisten Federn der bunten Federkiele stammen von so einem Vogel. Der Gesang eines Fwuupers wirkt am Anfang beruhigend, aber lassen Sie sich sagen, dass es mit der Zeit jeden in den Wahnsinn treibt, weshalb auch auf diesem hier ein Schweigezauber liegt.«

Abraxas warf einen kurzen Blick zu dem Vogel, dessen Mund zwar offen war, doch kein Ton verließ seinen Schnabel. »Deshalb werden sie als Haustier nur Magiern mit einer Zulassung übergeben. Haben Sie irgendwelche Fragen?« Als sich niemand meldete, stellte sich Abraxas wieder vor die Kästen und sah in die Klasse.

»Ich würde Ihnen gerne noch Geschöpfe höherer Klassifizierung zeigen, jedoch wurde mir das vom Zaubereiministerium verboten. Wenn Sie wollen, können Sie sich die drei Wesen hier genauer ansehen. Die Stunde ist beendet.«

Wortlos sah Abraxas dabei zu, wie seine Schüler ihre Sachen packten. Doch als dann mehr als die Hälfte verschwinden wollte, fasste er sich genervt an die Schläfe. »Es wäre besser für Sie, wenn Sie sich diese Wesen aus der Nähe ansehen. Denn als Hausaufgabe erwarte ich insgesamt drei Pergamentrollen darüber, was wir in dieser Stunde gemacht haben. Anders gesagt, Sie suchen sich alles raus, was mit unserem heute durch genommenen Stoff zusammenhängt. Und ich erwarte sehr viele Informationen. Die Schrift wird klein und säuberlich sein, haben Sie das verstanden?«

Der neue Lehrer wurde mit großen Augen angesehen, was ihn noch genervter werden ließ. »Sehen Sie sich diese drei Wesen an, notieren Sie sich das wichtigste – ich weiß übrigens, dass so gut wie keiner mitgeschrieben hat – und dann kehren Sie ins Schloss zurück.«

Während sich die Schüler drängelnd vor die Kästen stellten und durcheinander redeten, gesellte sich Harry zu Abraxas. Dieser sah ihn ungeduldig an.

»Was wollen Sie, Mr. Shorai?«

»Ich wollte nur sagen, dass Sie diese Stunde hervorragend gemeistert haben«, grinste Harry amüsiert. »Tom wird enttäuscht sein, wenn ich ihm das erzähle.« Abraxas schwieg. Erst, als das Gedrängel um die Kästen weniger wurde und Harry sich ebenfalls die Tiere ansah, erlaubte sich Abraxas ein kleines Lächeln. Wie gerne würde er dann das Gesicht seines sadistischen Lords sehen.

--

»Shorai!« Harry, auf dem Weg zum Verwandlungsklassenzimmer, stoppte und drehte sich nach einem tiefen Atemzug zu seinem Vater um. Seine Mitschüler schritten lachend und miteinander redend an ihm vorbei.

»Ja?«, forderte Harry James zum Reden auf, als dieser ihn nur ansah. Sirius stand neben ihn und starrte den Nymph etwas neugierig an. Remus hingegen, welcher hinter James stand, sah ihm entschuldigend entgegen. Harry war froh, dass Pettigrew nicht dabei war.

»Hör auf, Lily den Kopf zu verdrehen!«, fauchte James und stand nun so nah vor ihm, dass er dessen Atem auf seiner Stirn fühlen konnte. Es war gemein, dass er so viel kleiner als sein Vater war.

»Ich verdreh Lily nicht den Kopf. Ich hab sie erst heute Morgen kennen gelernt. Und überhaupt, wer bist du eigentlich?«, schnaubte Harry und hoffte, dass er nicht so unsicher aussah, wie er sich fühlte.

»Derjenige, der dir den Hals umdreht, wenn du Lily zu nahe kommst!«, knurrte James und Harry wusste, dass er seine Fäuste ballte. Es klingelte.

»Ich werde es mir merken«, spottete der Kleinere und drehte sich um. »Entschuldige mich, ich muss zum Unterricht.«

Hart ergriff James den zierlichen Arm des neuen Slytherins und drehte ihn schwungvoll wieder zu ihm um. Er packte ihn am Kragen und zog ihn nah zu sich heran.

»Ich meine es ernst, Shorai. Leg dich bloß nicht mit mir an, das würde dir sonst sehr Leid tun!«

»Potter!« Synchron drehten sich die Köpfe der Jugendlichen zu dem nun verlassen Korridor, wo Tom mit großen Schritten auf sie zukam. »Was gedenken Sie da zu tun?«

»Nichts, Sir«, erwiderte James und ließ Harry los, bevor er einen Schritt zurück trat.

»Also habe ich gerade keine Drohung gehört?«

»Nein«, schüttelte James seinen Kopf. Toms Augen verdunkelten sich und Harry sah, wie seine rechte Hand zuckte. Das war kein gutes Zeichen, denn an seinem rechten Arm war sein Zauberstab befestigt.

»Lügen Sie mich nicht an, Potter! Sie melden sich heute Abend um acht Uhr bei Mr. Filch. Und jetzt verschwinden Sie!«

Tom sah Sirius warnend an, als dieser für seinen Freund einspringen wollte. Doch der Grund, weshalb dieser schwieg, war wohl eher Remus' Verdienst, welcher James und ihn an der Schulter packte und sie sanft den Gang entlang dirigierte. Harry sah erst zu Tom, als sie um die Ecke getreten waren.

»Danke, auch wenn es nicht nötig war«, seufzte der Nymph unbeholfen. Tom lächelte leicht und wuschelte durch Harrys Haare.

»Gern geschehen.« Trotz dem Lächeln des Dunklen Lords konnte Harry erkennen, dass etwas Bedrohliches in seinem Blick lag.

»Was hast du?«, fragte er deshalb mit einem schlechten Gefühl in der Magengegend.

»Ich... Die Potters waren schon seit Anfang des Krieges immer auf Dumbledores Seite. Um ehrlich zu sein, mache ich mir Sorgen um dich.«

»Oh bitte«, winkte Harry lächelnd, jedoch auch etwas verlegen, ab. »James ist nur eifersüchtig, weil seine Freundin mich anscheinend mag. Das ist nichts Ernstes. Das Schlimmste, das er mir antun kann, ist mir kindische Streiche zu spielen.«

Tom sagte nichts, weshalb Harry schwerere Geschütze ausfuhr. »Wenn du ihm was tust, werde ich dich hassen.«

»Warum?«, brachte der Ältere nach einigen Sekunden heraus.

»Ich will dich nicht anlügen, also frag mich bitte nicht.«

»Und... Und was macht dich so sicher, dass es mir etwas ausmachen würde, wenn du mich hasst?«

»Ich kann Parsel, Tom«, gestand Harry nach kurzem Zögern. »Ich habe Nagini gestern verstanden.«

»Was?!« Tom trat nervös von einem Fuß auf den anderen. »Egal ob du es verstanden hast oder nicht... Sie phantasiert.«

»Vermutlich«, lächelte Harry schwach. »Aber wenn ich ehrlich sein soll, dann wünsche ich mir, dass sie Recht hat. Ich weiß, dass diese Hoffnung ein Traum bleiben wird, aber... wenn ich so an die letzten Tage denke, dann wage ich zu glauben, dass du mich wenigstens als einen Freund siehst.« Bevor Tom irgendetwas sagen konnte, hatte sich Harry umgedreht und den Gang mit zügigen Schritten verlassen. Er hatte Angst vor der Antwort.

--

Die restliche Woche ging Harry Tom aus dem Weg. Jedes Mal, wenn Tom ihn in der Halle oder auf dem Gang sprechen wollte, flüchtete er. Wenn der Unterricht vorbei war und Tom ihn zu sich rief, ignorierte er ihn und verließ so schnell er konnte mit seinen Mitschülern das Klassenzimmer. Selbst die Schmerzen in seinem Arm blendete er aus, wenn der Lehrer das Dunkle Mal aktivierte. Und durch eben dieses Mal konnte er spüren, dass der Dunkle Lord immer ungeduldiger wurde.

Harry setzte sich auf den Boden und lehnte sich an den Baum, als er am See angekommen war. Das war der Ort, wo er in dieser Woche am häufigsten war. Schon in seiner Zeit war das sein Zufluchtsort gewesen. An dem Baum, an dem er saß, konnte ihn niemand sehen, da er von anderen Bäumen versteckt wurde. Zumindest dachte er das, doch er wurde nur ein paar Minuten später von dem Gegenteil überzeugt.

»Es ist nicht gerade fördernd für meinen Stolz, dass mir so eine Schönheit aus dem Weg geht. Tatsächlich ist es ziemlich deprimierend«, sagte Tom und lehnte sich an den Baum. Harry sah erschrocken zu ihm hoch, da er ihn nicht bemerkt hatte. Doch dann senkte er seinen Blick und sah wieder auf die Wasseroberfläche.

»Was soll ich dazu schon sagen?«, murmelte er seufzend.

»Wir wäre es mit einer Entschuldigung?«

»Kannst du knicken.«

»Hab ich mir schon gedacht.« Tom seufzte und kniete sich vor Harry hin, welcher seine Beine an seine Brust gezogen hatte und ihn nun ausdruckslos ansah. »Ich hab in der letzten Woche viel nachgedacht.«

»Tatsächlich? Und über was?«

»Über uns, was du sicherlich weißt«, antwortete der Dunkle Lord. »Und ich möchte dir eine Frage stellen. Beantworte sie bitte ehrlich.«

Harry nickte leicht. »Werde ich.«

Tom atmete tief ein und aus, bevor er sich dazu durch rang, sie auch wirklich zu stellen: »Liebst du mich?«

Der schwarzhaarige Nymph antwortete zuerst nicht, sah ihn einfach nur an. Doch dann beschloss er, auch wirklich ehrlich zu sein und das zu sagen, was er die letzte Woche festgestellt hatte. »Ja. Ja, ich liebe dich.«

Tom nickte fahrig und fuhr sich unbeholfen mit einer Hand durch seine Haare. Mit solch einer Situation war er noch nie konfrontiert gewesen und er konnte jetzt schon sagen, dass er es hasste. Er hatte sich noch nie so... unerfahren und unsicher gefühlt.

Harry stand auf, als Tom daraufhin nichts mehr sagte, sondern nur den Baum anstarrte und nachzudenken schien. »Ich geh dann mal. Ich muss noch Hausaufgaben machen.«

»Nein, warte«, hielt der Lehrer ihn auf, als er schon fast aus dessen Blickfeld war. Harry stoppte und drehte sich zögernd um, während Tom langsam aufstand. Er konnte sehen, wie nervös sein Gegenüber war, denn er knetete unaufhörlich seine Hände.

»Ich...«, begann Tom, brach dann aber wieder ab und kam näher. »Ich... Du bedeutest mir sehr viel, Harry. Und ehrlich gesagt, brauche ich nicht Nagini dazu, um das zu erkennen. Ich...« Wieder brach er ab, als er nah vor Harry stand.

»Und wie viel bedeute ich dir? Soviel wie ein Freund?«

»Nein« flüsterte Tom. »Viel mehr. Ich hab dich sehr vermisst, als du mir aus dem Weg gegangen bist. Ich hab wirklich lange über meine Gefühle zu dir nachgedacht... Ich bin nicht besonders erfahren darin, positive Gefühle zu definieren, aber... Harry, ich weiß, dass ich dich liebe. Und ich möchte mit dir zusammen sein. Ich kann verstehen, wenn du das nicht willst, bedenkt man, wer ich bin. Aber...«

Harry schüttelte lächelnd seinen Kopf und legte seinen Finger auf Toms Lippen, damit dieser aufhörte wie ein Wasserfall zu reden. Sanft zog er Tom zu sich runter und küsste ihn. Natürlich wurde sein Kuss sofort leidenschaftlich erwidert, was ihn leicht keuchen ließ. Es kam ihm irgendwie unwirklich vor, was sie gerade taten. Oder eher, dass sie es taten. Vor nicht allzu langer Zeit war es für ihn undenkbar gewesen, dass er etwas mit Tom Riddle anfangen würde, aber er wollte wirklich mit diesem Mann zusammen sein. Und außerdem... wem würde es schaden? Tom war nicht das Arschloch, dass Dumbledore jedem vor Augen halten wollte. Natürlich war er kein Unschuldslamm, aber wer war das schon in diesem Krieg?

»Ich liebe dich«, strahlte Tom, als sie den Kuss lösten und schlang seine Arme um den zierlichen Körper, welcher sich an ihn schmiegte.

»Das hab ich gerade gespürt«, lächelte Harry sanft und verschränkte seine Hände hinter Toms Nacken. »Wir... wir sollten rein gehen. Es wird langsam kalt und es ist schon dunkel.«

Tom nickte, wobei sich sein Grinsen etwas veränderte, und zog Harry an dessen Hand hinter sich her, Richtung Schloss. »Es freut dich sicher zu hören, dass Nagini seit genau drei Stunden wieder in meinem Manor ist.«

»Äh...«, gab Harry nur, plötzlich nervös, von sich, bevor er verstand, was genau sich an Toms Grinsen verändert hatte. Es war vorfreudig und äußerst... dreckig geworden.

»Tom«, zog der Nymph deshalb seine Hand aus der größeren seines Freundes und blieb stehen. »Können wir es langsam angehen?«

Verblüfft drehte sich Tom zu ihm um. »Warum? Wir haben doch schon miteinander geschlafen.«

»Ja, aber da ging es nur um Sex. Ich...« Harry seufzte und brach ab. Unsicher sah er überall hin, nur nicht zu Tom, bevor er sich innerlich selbst zunickte. Auch wenn es ihm – und noch mehr Tom – sicherlich schwer fallen würde, so war es für ihn dennoch wichtig. Entschlossen sah er wieder zu dem Lehrer. »Ich möchte nicht das Gefühl haben, dass sich an unserer Beziehung nichts geändert hat. Am Anfang ging es nur um Sex und wenn wir es jetzt hätten... Wie soll ich da verstehen, dass es mehr ist? Bitte, Tom, ich brauche Zeit.«

Tom sah ihn schweigend an, ehe er schließlich nickte und zärtlich lächelte. »Ist schon okay. Ich denke, ich werde es solange aushalten, bis du dazu bereit bist.« Er nahm ihn in den Arm und küsste ihn sanft auf die Stirn.

»Dafür, dass du dich nicht mit einer Beziehung auskennst, machst du das ziemlich gut«, schnurrte Harry zufrieden.

»Ja? Danke. Ich vertraue nur meinem Gefühl«, lachte Tom leise, schritt dann aber, mit einem Arm um Harrys Schulter, weiter hoch zum Schloss. »Schläfst du heute trotzdem bei mir?«

»Ja«, nickte Harry schmunzelnd. »Die Schlafangewohnheiten meiner Mitschüler haben sich nicht geändert, so sehr ich es mir auch wünsche.«

±Zur gleichen Zeit, im Gryffindor Gemeinschaftsraum±

»Ich kriege es einfach nicht mehr aus meinem Kopf!«, rief James frustriert aus und warf seine Feder auf das Pergament vor sich, wodurch seine Hausaufgaben wegen einem großen Tintenfleck nicht mehr zu gebrauchen waren. Doch das bekam er nur am Rande mit.

»Es ist für mich unvorstellbar, wie du überhaupt Zaubertrankzutaten länger als unbedingt nötig in deinem Schädel behalten kannst«, murmelte Sirius ihm gegenüber abwesend und blätterte eine Seite seines Zaubertrankbuches um.

»Davon rede ich doch gar nicht, Tatze«, murrte James zurück und ließ seinen Kopf auf die Lehne hinter ihm sinken. »Ich spreche von Shorais und Aenigmas Gespräch.«

»Du meinst das von vor einer Woche?«, staunte der Black und sah auf. »Warum bekommst du das nicht mehr aus deinem Dickkopf raus? Aenigma ist nun mal überbesorgt was Shorai angeht, aber er hat dir nichts getan. Und ich denke nicht, dass er es tun wird. Immerhin ist er hier in Hogwarts. Diese Schule wird von Professor Dumbledore geleitet.«

»Was du nicht sagst«, erwiderte James trocken. »Dennoch hat er auf mich den Eindruck gemacht, als würde ihn das nicht groß stören.«

»Mh«, gab Sirius nachdenklich von sich und starrte auf seine Hausaufgaben. »Da könntest du Recht haben, Krone.«

»Ich hab bestimmt Recht«, seufzte James und ließ seine Augen durch den Gemeinschaftsraum der Gryffindors wandern. Er war recht voll, da bald Ausgangssperre war und die meisten sich erst jetzt an die Hausaufgaben setzten, so wie er selbst und seine Freunde. Glücklicherweise war auch Lily da, denn so konnte er sie anstarren, anstatt Hausaufgaben zu machen. Was auch definitiv eine Besserung war, zu seiner vorherigen Tätigkeit.

»T-Trotzdem sollte James vorsichtig sein«, mischte sich nun Peter zögerlich ein.

»Vermutlich«, stimmte Remus zu und sah nun ebenfalls auf. Erstaunt sah Sirius ihn an.

»Und das sagst ausgerechnet du? Bist du es nicht, der uns immer sagt, dass Slytherins nicht so schlimm sind, wie wir denken?«

»Doch«, gestand der Werwolf seufzend. »Aber Professor Aenigma hat etwas an sich, was selbst meinen... na, ihr wisst schon was... zurückschrecken lässt.«

»Vielleicht die Tatsache, dass er mir was antun will?«, murrte James grantig.

»Nein«, schüttelte der braunhaarige Siebtklässler seinen Kopf. »Es ist etwas anderes... Ich kann dir da auch nicht mehr sagen, Krone. Ich weiß nur, dass er gefährlich ist.«

»Wer ist gefährlich?«, fragte Rachel, welche hinter Remus stand. Lily, Alice und Maggie standen daneben, was James etwas wunderte. Wann hatte er seine Angebetete aus den Augen gelassen?

»Aenigma«, murmelte Sirius und blätterte wieder in seinem Zaubertränkebuch, ehe er es schließlich aufgab und sich Remus mittlerweile fertigenden Aufsatz auslieh.

»Oh nein, nicht schon wieder das Thema«, knurrte Lily. »Black, Professor Aenigma ist ein fähiger Lehrer, dem bestimmt nur das Wohl der Schüler am Herzen liegt.«

»Entschuldige mal«, sagte Sirius und hob verteidigend seine Hände vor seine Brust. »Ich hab nicht gesagt, dass er gefährlich ist. Das waren die drei hier.«

»Verräter«, nuschelte James und sah seinen besten Freund böse funkelnd an. Dieser lächelte nur unschuldig.

»Remus!«, wandte sich Lily nun empört an den Werwolf. »Von Potter und Pettigrew hätte ich nichts anderes erwartet, aber dass du auch an so einen Blödsinn glaubst... Unfassbar!«

»Es gibt dafür einen Grund, Lily«, erklärte Remus und deutete auf den freien Platz neben sich. Lily setzte sich, ebenso ihre Freundinnen, welche recht neugierig aussahen.

»Ich höre.«

»Aenigma hat mir gedroht«, sagte James.

»Das glaub ich nicht«, schüttelte Lily ihren Kopf und sah wieder zu Remus.

»Also, er hat James nicht wirklich gedroht«, erklärte dieser, worauf er sich genauso einen bösen Blick des Brillenträgers einhandelte, wie Sirius vor ihm. »James hat zuerst Harry Shorai... naja... man kann es bedroht nennen. Nein, Lily, lass mich ausreden. Also, genau zu der Zeit ist dann Professor Aenigma um die Ecke gekommen. Er hat James Nachsitzen aufgebrummt und ihn etwas zusammen gestutzt. Dann hat er uns fortgeschickt. Wir sind dann um die Ecke gegangen und dann stehen geblieben. James und Sirius wollten ja unbedingt lauschen. Jedenfalls hat das darauf folgende Gespräch zwischen Harry und Professor Aenigma den Eindruck hinterlassen, dass er James etwas antun würde, wenn der Harry auch nur noch weiterhin schief anguckt.«

»Er scheint Harry gut zu kennen und zu mögen – was ich ihm nicht verübeln kann –, also ist es nur verständlich, wenn er ihn schützen will«, sagte Lily in einem bestimmenden Ton.

»Hättest du ihn gehört, würdest du das nicht sagen«, warf Sirius ein.

»Ach, findest du ihn jetzt doch gefährlich?«

»Nein, ich bin nach wie vor der Meinung, dass er nichts tun wird. Was soll er unter Dumbledores Aufsicht auch schon Großes tun können?«

»Sirius hat Recht«, nickte nun James und stand auf, um an das Fenster treten zu können. Leicht abwesend sah er auf die Ländereien. »Selbst wenn Aenigma bereit wäre, mir zu schaden. Hier wäre es nicht besonders klug.«

--

Als Harry aufwachte bemerkte er sofort, dass er noch sehr viel Zeit hatte, bis er sich zum Aufstehen bequemen musste, denn es war noch stockfinster. Grummelnd drehte er sich auf die andere Seite, um Tom zu ertasten, doch so weit er sich auch streckte, da war nichts, außer Stoff. Leicht verwirrt setzte sich Harry auf und sah sich noch einmal um, doch es blieb dunkel. Abgesehen von dem flackernden Lichtstrahl, der unter der Tür durch schien. Verschlafen rieb sich Harry über die Augen, bevor er müde aus dem Bett krabbelte und zur Tür schritt. Er öffnete sie soweit, dass er hindurch schlüpfen konnte, was er dann auch tat.

Tom hob sofort seinen Kopf, als Harry in das Wohnzimmer trat. Sanft lächelte er, als er den Grünäugigen sah. Es war einfach zu niedlich, wie Harry in dem ihm viel zu großen T-Shirt, gähnend und verschlafen im Türrahmen stand. Es fehlte nur noch der Teddybär in der linken Hand haltend, dann würde er schwören, dass ein Kleinkind vor ihm stand.

»Was tust du da?«, nuschelte Harry und kam langsam auf ihn zu. Er setzte sich vor der Couch, auf welcher Tom saß, auf den Boden, damit er mehr von dem wärmenden Feuer im Kamin abbekam. Nebenbei schielte er auf den kleinen Tisch vor seinem Freund, wo irgendwelche Unterlagen verteilt herum lagen, ebenso ein Tintenfass und ein Glas Milch. Tom hielt eine Feder in der Hand, die er jetzt allerdings ablegte, um Harry durch die Haare zu streicheln.

»Das, was ein Dunkler Lord nun mal an Papierkram zu erledigen hat, mein Kleiner«, schmunzelte Tom. Harry nickte verstehend und legte seinen Kopf auf Toms Knie ab, bevor er ins Feuer starrte.

»Und warum machst du das jetzt? Es muss ja noch mitten in der Nacht sein.«

»Stimmt, aber ich hab keine Ahnung, wann ich das nächste Mal dazu komme. Der Job als Lehrer ist auch nicht der Leichteste, denkt man mal daran, wie viel man vor jeder einzelnen Stunde vorbereiten muss. Und dazu kommt das Kontrollieren von Aufsätzen, was manchmal wirklich sehr nervtötend sein kann. Du kannst dir gar vorstellen, wie viele unwissende – oder faule, wie man es nimmt – Schüler sich in Hogwarts befinden.«

Harry kicherte und schlang, aus Mangel anderer Optionen, seine Arme um Toms nacktes Bein. Der Dunkle Lord saß nur in Boxershorts bekleidet da, was den Nymph wunderte, da es etwas kühl war.

»So wie du halb da liegst könnte man annehmen, dass du in Erwägung ziehst, hier zu schlafen«, meinte Tom plötzlich.

»Warum nicht?«, nuschelte Harry undeutlich.

»So bequem?«, lächelte Tom amüsiert und nahm wieder die Feder in seine Hand, um weiter zu arbeiten.

»Es geht«, bekam er eine gemurmelte Antwort. »Ich will nur nicht alleine ins Bett. Das ist so riesig, wenn man alleine drin liegt.«

»Du kannst dich auch aufs Sofa legen und hier schlafen. Ich trage dich dann ins Bett, wenn ich schlafen gehe«, schlug Tom vor.

»Nein, ich warte«, beschloss der Zeitreisende und zeichnete unsinnige Muster auf den Teppich, der unter ihm lag.

»Ich brauche ohnehin nicht mehr lange«, versprach der Ältere.

»Warum machst du das eigentlich nicht am Wochenende? Ist doch schon übermorgen.«

»Am Wochenende geh ich nach Frankreich.«

»Was?«, quiekte Harry und hob seinen Kopf, um Tom anzustarren. Dieser nickte nur leicht abweisend und schrieb irgendwas auf ein Pergament. »Das ist gemein!«

Verwirrt sah Tom auf und betrachtete seinen schmollenden Freund. Völlig überflüssig zu erwähnen, dass er ihn in diesem Moment am liebsten so richtig vernascht hätte. Einen Schmollmund, halbnackt, beleidigt funkelnde Augen und dazu diese vom Schlaf verstrubbelten Haare. Für Tom war das Sünde pur.

»Ich...« Der Dunkle Lord schüttelte kurz seinen Kopf, um sich zu fassen und diesen belegten Ton aus seiner Stimme zu verbannen, bevor er noch einmal zum Sprechen ansetzte. »Das ist alles geschäftlich, Harry.«

»Natürlich«, schnaubte der Junge und biss in Toms Bein.

»Autsch! Lass das, Harry. Es ist wirklich nur geschäftlich.«

»Und in welche Stadt gehst du, oh du leidender Mann?«

Tom war nahe dran zu lügen, doch als er in diese Augen sah, die ihn immer wieder in ihren Bann zogen, konnte er gar nicht anders als sein Todesurteil zu unterschreiben. »Paris.«

»Was?!«, zischte Harry. Er starrte Tom noch einige Sekunden fassungslos an, bevor er sich zum Feuer umdrehte und ihn ignorierte.

»Harry«, fing Tom an, unterbrach sich aber selbst. Himmel, es hatte ihn noch nie gestört, wenn jemand wegen ihm schmollte – war ja auch nie sein Problem gewesen –, aber Harry war ja nicht irgendjemand, er war der Mann, den er liebt. Also eine ganz andere Klasse. Und so süß dessen Schmollmund auch war, er wollte nicht schon wieder ein paar Tage ignoriert werden. Denn genau so würde sich der Nymph verhalten, da war sich Tom absolut sicher.

»Es ist wirklich nur rein geschäftlich, ich bin da nicht zum Vergnügen, Schatz«, startete Tom einen Versuch, ihn zu besänftigen.

»Und wann hattest du vor mir das zu sagen? Außerdem, was machst du zwei Tage Geschäftliches da, hm?!«, fauchte Harry, sah aber nicht über seine Schulter. Eigentlich wusste er selbst nicht, warum er so beleidigt deswegen war. Vielleicht, weil es Paris, die Stadt der Liebe, war? So etwas sollte man, als frisches Liebespaar, doch ausnutzen, oder?

»Bald... Denke ich...«, runzelte Tom seine Stirn. Es war ihm eigentlich überhaupt nicht in den Sinn gekommen, Harry davon in Kenntnis zu setzen. Es war zu neu für ihn, jemanden zu haben, den es wirklich etwas anging, wenn er für zwei Tage wegging. Nicht, dass er dazu verpflichtet war immer zu sagen, wohin er ging. Aber wenigstens, dass er weg war.

»Denkst du, hm?«

»Äh...« Tom verschlug es leicht die Sprache, als er den verletzten Unterton aus Harrys Stimme filtern konnte. Keine Sekunde später verfluchte er sich davor, dass er geredet, bevor er darüber nachgedacht hatte. »Ich hätte es dir vermutlich erst morgen gesagt. Es tut mir Leid, Harry. Es ist mir gar nicht in den Sinn gekommen, dich darüber zu informieren.«

Der Dunkle Lord lehnte sich vor und umarmte Harry so von seiner Position aus. Er küsste ihn leicht hinter seinem Ohr, was dieser einfach über sich ergehen ließ.

»Verzeihst du mir, Süßer?« Kurz war es still, sie hörten nur das Knistern der Flammen.

»Okay«, sagte Harry dann.

»Okay?«, echote Tom verblüfft nach.

»Ja, okay«, nickte Harry. »Wenn ich mitkommen darf.«

»Harry«, stöhnte Tom und richtete sich wieder auf.

»Was denn?«, fragte dieser spitz und drehte sich halb um.

»Ich hab doch gesagt, dass es geschäftlich ist. Und das meine ich, wie du sicherlich weißt, nicht als Lehrer. Wer weiß, vielleicht endet es gefährlich.«

»Ich kann ganz gut alleine auf mich aufpassen, vielen Dank auch. Entweder ich darf mitkommen oder ich geh jetzt.«

»Du hörst dich an wie ein Kleinkind.«

Harry rümpfte seine Nase, stand auf und lief um das Sofa herum. Seufzend lehnte sich Tom halb hinüber und schaffte es gerade noch so, Harry an dessen Hüfte auf das Sofa zu ziehen, bevor dieser zur Tür gegangen wäre.

»Lass mich los«, murrte der Jüngere.

»Nein. Das ist doch idiotisch, dass du wegen so etwas abhaust.«

»Du bist auch ein Idiot!«, näselte Harry wieder beleidigt. »Lass mich doch einfach mitkommen. Bitte, Tom.«

Harry wandte es zum ersten Mal bei Tom an. Und wie es schien, klappte es auch bei ihm einwandfrei. Der Nymph sah förmlich, wie der Widerstand seines Freundes auf einen Schlag in sich zusammen fiel. Tja, seinem Welpenblick hatte noch nie jemand stand halten können, wenn er es richtig darauf anlegte. Sah man mal von den Dursleys ab, aber die waren unwichtig.

»Hör auf damit«, befahl Tom schwach, doch es hörte sich, sehr zu seinem eigenen Missfallen, eher wie eine erbärmliche Bitte an.

»Darf ich nun oder darf ich nicht?«, flüsterte Harry und fuhr aufreizend mit seiner Hand über Toms Brust. Der ältere Mann seufzte leidend, nickte aber schließlich. Deutlich konnte Harry erkennen, wie sehr es Tom nervte, dass er ihn so leicht umstimmen konnte.

»Du bist ein Schatz«, rief Harry strahlend aus und gab seinem Freund einen feuchten Schmatzer auf dessen Wange. Tom schnaubte nur und drehte sich wieder zu seinen Unterlagen um.

»Ich kann dir aber nicht versprechen, dass wir viel von Paris sehen werden«, murrte Tom, während sein Kleiner sich auf dem Sofa ausstreckte und seinen Kopf in seinen Schoß bettete.

»Wenigstens ein paar Stunden können wir doch wohl etwas mehr als die Einrichtungen von dem Gebäude sehen, in dem wir wohnen, oder? Wo wir schon einmal dabei sind, wo werden wir übernachten? In einem Hotel und bei deinen Geschäftsfreunden?«

»Geschäftsfreunde kann man sie nicht nennen. Ich kenne sie auch nur von Briefen heraus. Wie auch immer, Lord Deneuve hat sich bereit erklärt, meine Todesser und mich bei ihm hausen zu lassen. Und ob wir mal da raus kommen, weiß ich nicht.«

»Und wer ist dieser Lord Deneuve?«, erkundigte sich Harry neugierig und schielte nach oben, um Toms Gesicht sehen zu können.

»Das Oberhaupt eines Vampirclans.«

Harry schoss nach oben und erschreckte Tom, als er so plötzlich vor dessen Gesicht erschien. »Er ist was?!«

»Das Oberhaupt eines Vampirclans«, wiederholte sich Tom schmunzelnd.

»Willst du seine Unterstützung oder warum triffst du dich mit ihm?«

»Genau die will ich. Obwohl er nicht der einzige Anführer eines Vampirclans ist, der dort sein wird. Jedes Oberhaupt eines Clans auf der ganzen Erde wird dort sein, zumindest das habe ich geschafft. Jetzt muss ich sie nur noch so weit bringen, dass sie den Vertrag unterschreiben, der uns ihre Hilfe zusichert.«

»Was ist die Gegenleistung?«

»Natürlich die Rechte, die die Menschen auch haben, sollte ich gewinnen. Sicher, es gibt viele Länder, in denen ohnehin schon die Rechte für Vampire denen von Menschen gleich sind, aber es kann nie schaden, wenn es in anderen Ländern auch so ist. Ich bin sicher, dass zwar mehr als die Hälfte von diesen Clans schon nach dem ersten Abend abreisen werden, aber kommen werden sie.«

»Also willst du, solltest du diesen Krieg gewinnen, auch dich dafür einsetzen, dass in anderen Ländern Vampire geduldet werden? Ja sogar die gleichen Rechte wie Menschen haben?«

»Korrekt«, nickte der Ältere, worauf Harry seinen Kopf wieder schweigend auf Toms Schoß bettete.

»Wow«, murmelte er nur nach ein paar Sekunden. Tom lächelte leicht und fuhr durch Harrys Haare, während er sich wieder die Unterlagen ansah und bestimmte, wer ihn begleiten würde. Maximal fünf Leute, das hatten sie schon ausgemacht. Nun, Harry würde dann zwar eine Person mehr bedeuten, aber er war ja auch kein Bodyguard, also konnte er das durch gehen lassen. Nicht, dass er selbst Bodyguards benötigte, aber der Gerechtigkeit halber nahm er auch welche mit.

»Wie viele Vampirclans gibt es durchschnittlich in einem Land?«, wollte Harry neugierig wissen und durchbrach somit die Stille, die sich ausgebreitet hatte.

»Höchstens drei, selten vier«, murmelte Tom.

»Echt? Ich hätte an mehr gedacht.«

»Naja, die Vampire sind ja auf der ganzen Erde verteilt. Und jeder Clan ist groß, vermutlich kann ich diejenigen, die in den letzten vier Jahrhunderten gegründet worden sind, an einer Hand abzählen.«

»Und wie viele gibt es in England?«

»Zwei.«

Harry nickte leicht, was Tom nur zu gut spüren konnte – Merlin sei Dank konnte er sich soweit zurück halten, dass der Jüngere nichts Hartes an seinem Hinterkopf fühlen konnte – und schwieg wieder.

»Mist«, murrte Tom, als er das Pergament in den Händen hielt, auf welchem drauf stand, aus welchen Ländern die jeweiligen Vampirclane kamen.

»Was ist?«, wollte Harry wissen, welcher kurz eingenickt war.

»Ach nichts. Ich hab nur vergessen, Übersetzer unter meinen Todessern herauszufiltern. Jeder beschissene Übersetzungszauber hält höchstens zehn Minuten. Das könnte stressig werden.«

»Für welche Sprachen brauchst du welche?«

»Zu viele«, grummelte Tom. »Vermutlich werden einige Englisch oder Französisch können oder eben Sprachen, die ein paar meiner Todesser können. Bei denen anderen Sprachen werde ich wohl die Übersetzungszauber benutzen müssen.«

»Kannst du außer Englisch gar nichts?«, fragte Harry verwundert und sah ihn an.

»Naja, Parsel und ein kleines bisschen Lateinisch, aber das war's auch schon«, gestand Tom verlegen ein. Sprachen waren das Einzige, in dem er absolut kein Talent hatte. Schon oft hatte er es versucht und jedes Mal hatte er ewig gebraucht, um auch nur annähernd die Sprache zu können. Schließlich hatte er erkennen müssen, dass er darin völlig untalentiert war und hatte es aufgegeben.

»Ich wusste gar nicht, dass du solch eine Schwäche hast«, grinste der Nymph breit.

Tom lächelte und tippte mit seinem Zeigefinger auf die kleine Stupsnase seines Freundes. »Du bist meine größte Schwäche, Harry. Und wenn man es genau nimmt, auch meine Einzige. Für das fehlende Können einer Sprache gibt es diese Muggelwörterbücher.«

Harry errötete leicht und lächelte glücklich. »Vielleicht sollten wir zum Thema zurück kommen, meinst du nicht auch?«

»Ich wüsste nicht, was wir da noch bereden könnten«, gestand Tom nachdenklich. »Ich such Übersetzer und fertig.«

»Also, wegen Japanisch hast du mich, das weißt du doch, oder?«, fragte Harry zur Sicherheit noch einmal nach.

»Ach ja, das hatte ich völlig vergessen!«, rief Tom aus und strich diese Sprache von seiner Liste.

»Dann ist es ja gut, dass ich dich erinnert habe«, lächelte Harry. »Wenn die auch auf deiner Liste sind, kannst du auch Französisch, Spanisch, Deutsch und Bulgarisch streichen. Die beherrsche ich auch alle fließend.«

Tom sah ihn mit großen Augen an, strich dann aber erleichtert die Namen durch. Sanft lächelte er auf seinen Kleinen hinab. »Du bist ja ein richtiges Wunderkind, mein Schatz.«

»Nein«, wehrte Harry ab und stützte sich kurz auf Toms Oberschenkeln ab, um sich richtig auf dessen Schoß zu setzen. Er küsste Tom an dessen Hals kurz, bevor er seine Antwort beendete. »Ich bin nur darin begabt, in kurzer Zeit Sprachen zu lernen. Das ist für mich das Leichteste, das ich, außer Zeichnen, kann. Und natürlich meine zusätzlichen Kräfte, die ich dank meinem Nymphenanteil habe. Aber das war's auch schon.«

Zärtlich saugte er an Toms Hals, was diesen leise zum Keuchen brachte. Entspannt lehnte sich Tom zurück und legte seine Hände auf die Hüfte Harrys.

»Du bist auch noch in anderen Dingen talentiert«, schnurrte Tom regelrecht, als Harry von seinem Hals abließ.

»Danke«, schmunzelte Harry. »Gehen wir schlafen? Ich bin müde.«

Tom sah kurz auf die ganzen Pergamente, die auf dem Tische unsortiert herum lagen, nickte aber dann. »Den Rest kann ich auch noch morgen machen, denke ich.«