Warnung: In diesem Kapitel geht es um ein verwahrlostes Kind.
Kapitel 10:
Las Vegas,
2003
Warrick und ich hatten unsere blauen Overalls an und untersuchten ein Auto. Sara war für einige Stunden nun schon verschwunden.
Warrick befand sich unter dem Auto und ich sah mir den Innenraum des Wagens an.
Nick kam mit einer Akte in der Hand zu uns. „Hey Griss, ich bin soweit fertig. Ich lege dir den Bericht in dein Büro und hole dann etwas beim Chinesen, wollt ihr 2 auch etwas?"
„Ja gebratene Nudeln, wie immer.", Warrick kam unter dem Auto hervor: „Ich das gleiche und bring noch ein paar Frühlingsrollen mit!"
Wir hatten uns wieder im Pausenraum getroffen um zu Essen, da erschien Sara etwas außer Atem. „ Jungs hört auf zu Essen und ruft Catherine an, ich habe ein paar Dinge heraus gefunden, die werden euch umhauen.", dann verschwand sie, wir hörten aus der ferne nur noch wie sie rief: „Ich hole Brass!"
Catherine sah etwas mürrisch aus als sie den Pausenraum betrat und griff sofort nach unseren Frühlingsrollen. „Ich hoffe ihr habt einen guten Grund, ich wollte an meinem freien Tag nämlich zum Friseur gehen. Es ist ja nicht so als ob ich nicht gerne mit euch Jungs Zeit verbringe, aber eine Frau braucht auch manchmal etwas Zeit für sich selbst."
Brass und Sara betraten den Raum, „Catherine wenn du hörst was ich heraus gefunden habe, wird dich das sicher besänftigen."
Wir alle schauten gespannt zu Sara. „Es war erstaunlich schwer etwas heraus zu finden über Ben Palmer, aber ich habe auch meine Beziehungen im FBI. Ben Palmer ist nicht sein richtiger Name. Vor über 37 Jahren war sein Name nämlich, James Stevens aus Oklahoma, er war im Zeugenschutzprogramm."
Catherine griff erneut zu den Frühlingsrollen, als ob sie Chips wären und wir gerade einen äußerst spannenden Krimi schauen würden.
„Warum hat das FBI nach seinem tot nicht mit offenen Karten gespielt? Anscheinend war er doch ein wichtiger Zeuge in einem Prozess, warum diese Geheimnisse?", ich wollte nun alles Wissen.
„Da ist noch mehr, als ich Ben Palmers richtigen Namen kannte, habe ich m ich um James Stevens Vergangenheit gekümmert. Anscheinend hatte James Stevens einen Sohn und eine Frau und ich fragte mich wieso niemand von ihnen im Zeugenschutzprogramm war.
James Stevens gehörte anscheinend einer ‚Organisation' an, Schutzgelderpressungen, Körperverletzung, Drogen..... „
„Ein echt sympathischer Typ also.", sagte Warrick sarkastisch.
Sie nickte ihm zustimmend zu und fuhr dann fort: „ Die Polizei führte dann 1966 in deren Wohnsiedlung, Razzien durch."
„Und? Was haben sie gefunden? Drogenlabors? Geldwäsche?", fragte Nick, er konnte es kaum erwarten.
„Sie haben überhaupt nichts gefunden.", sagte Sara bedeutsam. Eine Pause trat ein. „Nichts was in irgendeiner Akte vermerkt ist. Aber James war bereit gegen alle auszusagen, weswegen er ins Zeugenschutzprogramm kam."
Sie nahm nun die Akte die sie in der Hand hielt hervor und legt sie vor uns auf den Tisch.
„Dies ist ein Bericht einer Sozialarbeiterin aus Oklahoma, dort ran zukommen war schwerer als in der Area 51 ein Ufo zu landen.", wir alle starrten auf das Papier, doch Sara war wieder schneller. „Dort drin steht wie James Stevens Sohn, Peter, wie ein Hund in einem Käfig gehalten wurde. Dieser Käfig befand sich im Keller. Laut diesem Bericht konnte dieser 10 jährige Junge kaum sprechen und laufen, war vollkommen verwahrlost. Es kam nie zu einer Anzeige, dieses Verbrechen wurde unter dem Teppich gekehrt vom FBI. Ich bin sicher Agent Falk wollte auf keinen Fall das jemand herum schnüffelt, weil diese Geschichte für einen handfesten Skandal sorgen könnte, wenn die Presse davon erfährt."
„Sie haben also diese Leute, die ihr eigenes Kind so behandelt haben, einfach frei laufen lassen weil das FBI damit eine größere Verbrecherorganisation zum Fall bringen konnte?"
Catherine war wütend aufgesprungen, für sie als Mutter musste so etwas kaum zu ertragen sein. Ich sprach etwas ruhiger: „ Es ist nicht ungewöhnlich die kleinen Fische zu benutzen um an die größeren heran zu kommen."
Catherine schnaufte nur wütend. „Und was ist mit der Mutter?", bemerkte Nick.
Sara warf noch ein Papier auf den Tisch: „Janet Stevens, geborene DeMay. Auch gegen sie kam es zu keiner Strafverfolgung, man vermutet das sie diesen Vorfall benutzt hat um unter zu tauchen und 10 Jahre später nach Las Vegas gezogen ist und in Kasinos gejobbt hat."
Ich wünschte wir hätten diese Informationen vor 7 Jahren gehabt, das alles war absolut kein Zufall und ich zweifelte etwas daran das es sich um einen Serienkiller handeln könnte. Es kam mir alles so vor wie ein geplanter Racheakt. Aber für was? Hatte diese Organisation herausgefunden wo sich die Stevens aufhielten oder hatte der verlorene Sohn sich für das gerecht was ihm angetan wurde?
„Was wissen wir denn noch über Peter Stevens?", wir mussten doch irgendwie den Kreis der Verdächtigen weiter verkleinern.
„Tja an dieser Stelle bekommen wir wieder Probleme. Das FBI hat alles dafür getan damit das Kind verschwand. Kurz nach dem er gerettet wurde, verliert sich die Spur. Es gibt eben nur noch diesen einen Bericht der Sozialarbeiterin. Ich werde sofort nach Oklahoma fliegen und sie befragen um mehr herauszufinden über den verbleib von Peter. Ich dachte mir ihr könntet die Liste der Leute durchgehen die James Stevens hinter Gitter gebracht hat. Wir müssen wissen wer kein Alibi für den Mord an Janet besitzt."
Sara legte erneut ein Blatt auf den Tisch. Warrick griff sogleich danach. „Nick und ich werden uns sofort darum kümmern.", Nick und er verließen den Raum.
„Ich werde Carlos so lange befragen bis er einen Namen ausspuckt." Sara nickte Brass dankend zu.
Catherine blickte sich um, „Und was soll ich jetzt tun?"
Ohne viel darüber nachzudenken sagte ich: „Du übernimmst jetzt die Nachtschicht, ich werde Agent Sidle nach Oklahoma begleiten."
Ecklie zu überreden, das ich nach Oklahoma fliegen musste, war leichter als ich gedacht hatte. Vielleicht hatte es auch mit Saras rede zu tun: „Das FBI wäre ihrem Labor zu dank verpflichtet."
Oklahoma,
2003
Unsere Koffer waren schnell gepackt, denn wir rechneten damit dass unsere Befragung nicht länger als einen Tag dauern würde. Vielleicht würden wir auch in der gleichen Nacht wieder zurück fliegen. Die Uhr tickte, Sara musste bald wieder nach Washington und wir waren noch nie so nahe an der Lösung des Falls gewesen, wie heute.
Wir mieteten uns einen kleinen Wagen am Flughafen, und ließen die Koffer im Kofferraum. Wir beschlossen spontan zu entscheiden wie es weiter ging sobald wir mit Rachel Daynem gesprochen hatten. Die Sozialarbeiterin war schon lange Rentnerin und lebte in einem Altenheim. Sie war sichtlich erfreut uns zu sehen, vielleicht schon etwas vergesslich, aber ich war sicher dass sie einiges zu erzählen hatte.
Wir saßen an einem kleinen Tisch, direkt neben einem Fenster und tranken etwas Kaffee.
„Mrs Daynem, ich bin Sara Sidle vom FBI und das ist Gil Grissom vom CSI. Wir wollten ihnen ein paar Fragen stellen über einen Vorfall der 37 Jahre zurück liegt."
„Oh bitte, nennen sie mich doch Rachel, mich kommen so wenig Leute hier besuchen… mein Gedächtnis ist nicht mehr das Beste aber ich versuche ihnen zu helfen."
Ihre Hand zitterte leicht als sie nach der Tasse griff, aber ihre Augen waren vollkommen klar.
„Es handelt sich um einen 10 jährigen Jungen, sein Name war damals Peter Stevens. Sie haben 1966 einen Bericht über die schlimmen zustände verfasst. Er konnte kaum laufen und sprechen, sie fanden ihn in einem Hundekäfig."
Sie stellte langsam die Tasse auf ihren Untersetzer und schaute aus dem Fenster. „Daran erinnere ich mich genau. Ich habe vieles vergessen, aber dieser Tag war etwas Besonderes."
Wir hörten ihr gespannt zu, sie war unsere einzige Spur um Peter Stevens zu finden.
„Ich war ganz neu und dies war mein erster Fall und ich muss sagen einer der schlimmsten. Der Arme Junge, er sah mich nur mit seinen großen grünen Augen an, sein braunes Haar war ganz verfilzt. Er konnte nur grunzen… ich wusste das wir ihn nicht einfach in ein Weisenhaus bringen konnten. Dieser Junge brauchte mehr Hilfe. Er wurde in eine Psychiatrische Klinik gebracht. Ich weiß noch genau…. ja richtig, es kamen zwei Herren vom FBI zu mir. Sie meinten sie würden sich persönlich um das wohl ergehen des Jungen kümmern. Nun ich fand das sehr nett, dass sich das FBI so um ihn kümmerte. Finden sie nicht auch?"
Wir schauten etwas zur Seite, ich denke wir wussten beide dass die Wahrheit sie nur unnötig aufregen würde.
„Ja das war wirklich nett von meinen Kollegen, aber sagen sie uns Rachel. Wissen sie noch ungefähr wohin der Junge kam, in welche Klinik?"
Sie dachte einige Augenblicke nach und nickt dann leicht. „Es ist etwas außerhalb der Stadt, aber es soll bald geschlossen werden. Aber vielleicht haben sie Glück und treffen dort noch Leute an."
Wir verabschiedeten uns von Rachel und fuhren sofort los. Die Klinik war ein altes Gebäude, ein hoher Zaun sorgte dafür das niemand fliehen konnte und auch das niemand so leicht herein kam.
Ich drückte an der Klingel und eine unfreundliche Stimme antworte: „Wer ist das? Wissen sie nicht das sie ohne Termin das Gelände nicht betreten dürfen." Sara schob mich sanft zur Seite um näher an die Klingel zu kommen.
„Hier ist Special Agent Sara Sidle vom FBI, öffnen sie die Tür es ist sehr wichtig."
Einige Sekunden geschah nichts, wir wollten schon erneut klingeln als wieder diese Stimme sagte: „Nun gut kommen sie rein. Dr. Andrews wird mit ihnen kurz sprechen."
Es summte laut und wir öffneten das Tor. Dr. Andrews war ein älterer Herr. Er hatte eine Brille auf der Nase und eine Halbglatze. Er trug einen Kittel und schaute uns freundlich an.
„Das FBI? Was kann ich für sie tun?" – „Danke das sie sich die Zeit nehmen Dr. Andrews. Das ist Dr. Grissom vom CSI." Wir nickten uns nur kurz höflich zu.
„Wir sind auf der Suche nach Unterlagen nach einem gewissen Peter Stevens. Er kam 1966 hierher, konnte kaum Sprechen und Laufen…."
„Aber natürlich, er war äußerst interessant." Wir beide schauten Überrascht. „Sie erinnern sich an ihn?", fragte ich etwas ungläubig.
„ Er war ein äußerst intelligentes Kind. Auch wenn er große Defizite aufwies, hatte er einen Unglaublichen Durst nach Wissen. Er lernte bei uns sehr schnell. Ich war damals hier noch in meiner Lehre. Er sog alles was wir ihm beibrachten auf wie ein Schwamm. Bis er dann von einem Pärchen adoptiert wurde."
Das war ungewöhnlich, wer würde den Jungen denn adoptieren wollen?
„Wer adoptierte ihn, was ist mit dem Jungen dann passiert?" er schüttelte nur ratlos mit dem Kopf. „Tut mir leid, ich habe das Paar das ihn adoptiert hat nie kennen gelernt."
„Nun danke für ihre Hilfe, Dr. Andrews. Wir wollen sie nicht länger von ihrer Arbeit abhalten."
Wir beschlossen uns Adoptionsunterlagen anzusehen. Doch wie so häufig in diesem Fall hatte das FBI alles unternommen damit der Junge nicht gefunden werden konnte. Das letzte was wir erfahren konnten war, dass Peter Stevens in eine Familie adoptiert wurde und eine neuen Namen erhielt. Wir wussten das wir hier nichts mehr finden konnten und hofften das, dass Team in Las Vegas mit ihren Ermittlungen mehr Erfolg hatte…...
