Kapitel 8.2
Rotschöpfe in allen Farben und Formen TEIL 2
Harry wachte am nächsten Tag gut gelaunt auf. Nachdem er seinen morgendlichen Lauf beendet hatte, ging er - statt zurück ins Schloss zu gehen, um im Raum der Wünsche zu trainieren - zu Hagrids Hütte, um zu sehen, ob der freundliche Halbriese Zeit für eine Tasse Tee hatte. Harry genoss es, Zeit mit seinem Freund zu verbringen. Hagrid hatte ihn scherzend gefragt, ob er sich schon ein Date für den Ball geschnappt hatte und war überrascht, als Harry ihm sagte, dass er das hatte. Hagrid beglückwünschte ihn zu seinem guten Geschmack, als Harry verriet, wer sein Date sein würde.
Die beiden verbrachten eine gute halbe Stunde damit, sich einander von den aktuellen Geschehnissen in ihren Leben zu erzählen. Hagrid erzählte ihm, dass Grawp nicht mehr im Wald war. Er lebte nun in einer Höhle in einem nahen Gebirge. Hagrid versicherte Harry, das sein Halbbruder nun schnell Englisch lernte und zu einer einfachen Konversation in der Lage war. Harry redete ein wenig über seine HA-Klassen und einige der Probleme, die aufgetaucht waren, vor allem mit Ron. Hagrid versicherte ihm, dass Ron eventuell verstehen würde. Harry konnte nur hoffen, dass er Recht hatte.
Nach einer kleinen Weile verabschiedete sich Harry und joggte zurück zum Schloss. Er ging direkt zum Raum der Wünsche, um sein morgendliches Training zu absolvieren. Nachdem er fertig war, duschte er, um sich zu erfrischen. Er hoffte, dass es noch nicht zu spät war, um in die Große Halle zu gehen und schnell zu essen, bevor das Frühstück zu Ende war. Aber im Fall der Fälle wusste er, dass er noch immer einen Stopp in der Küche einlegen konnte um etwas zu holen. Er war überrascht, als er aus dem Bad trat und eine rothaarige Hexe wartend auf einer Bank sitzen sah.
„Hey Harry! Ich hatte mir schon gedacht, dass du hier drin sein würdest", rief sie ihm zu, als sie ihn bemerkte.
Harry war froh, dass er sich vollständig angezogen hatte, bevor er aus dem Badezimmer getreten war. Er war es nicht gewohnt, Gesellschaft zu haben. „Hey, Gin. Was führt dich hierher?", fragte er sie neugierig.
„Als du nicht zum Frühstück aufgetaucht bist, nahm ich an, dass du ein wenig spät dran bist mit deinem Training und habe dir ein wenig Toast gebracht", sagte sie und förderte besagten Toast, der in einer Serviette eingewickelt war, zutage.
„Danke", sagte er und lächelte sie an. „Ich habe mir schon Sorgen gemacht, dass ich das Frühstück verpassen könnte." Er ging zu ihr und nahm dankbar den Stapel Toastbrot entgegen.
„Jederzeit", erwiderte sie. „Aber sag: Wie kommt es, das du es nicht rechtzeitig zum Frühstück geschafft hast? Du bist sonst nicht so spät dran. Hast du verschlafen?"
Harry schluckte den Bissen herunter, bevor er antwortete: „Nein, überhaupt nicht. Nach meinem Lauftraining bin ich noch kurz zu Hagrid gegangen. Ich hatte darüber nachgedacht, den Rest meines Trainings ausfallen zu lassen, um zum Frühstück zu gehen, aber ich dachte, ich könnte noch immer in die Küche gehen, wenn ich es verpassen sollte."
„Das war nett von dir", sagte sie ihm, während er weiterhin sein Frühstück vernichtete. „Hagrid vergöttert dich ... er redet die ganze Zeit über dich."
Harry schaute mit überraschten grünen Augen zu Ginny. Sein Adamsapfel bewegte sich auf und ab, als er einen weiteren Bissen hinunterschluckte: „Wirklich?"
„Mhmm", antwortete sie. „Ich weiß, dass es ihm alles bedeutet, wenn du ihn besuchst. Ron und Hermine genauso", fügte sie nachträglich hinzu.
„Huh", bemerkte Harry eloquent. „Weißt du, Hagrid war der erste Freund, den ich je hatte. Er hat mich den Sommer vor meinem ersten Schuljahr von den Dursleys gerettet."
„Was meinst du mit „gerettet"?", unterbrach ihn Ginny mit einem gefährlichen Glitzern in ihren Augen.
Harry setzte sich neben sie; seinen Toast hatte er bereits verschlungen. „Als Briefe von Hogwarts anfingen, bei uns anzukommen, ließen die Dursleys sie mich nie lesen. Sie haben sie immer vernichtet, haben sie üblicherweise ins Feuer geschmissen, sobald sie ankamen. Jeden Tag erhöhte sich die Anzahl der ankommenden Briefe. Es hat meinen Onkel buchstäblich verrückt gemacht. Er hat den Briefkastenschlitz an unserer Haustür und alle Fenster vernagelt, um zu verhindern, dass Briefe ausgeliefert werden, aber sie fanden immer einen Weg in das Haus.
Eines Tages wurde ihm alles zuviel. Er hat kurze Zeit den Verstand verloren und fuhr mit uns allen durch das halbe Land, um den Brieffluten zu entgehen, aber sie folgten uns überallhin. Wir endeten schließlich in einer Hütte auf einer Insel mitten im Nirgendwo. Es war eiskalt, es stürmte und die Hütte half wenig, um uns vor den Elementen zu schützen. Ich blieb in dieser Nacht wach, weil es zu kalt war, um zu schlafen und ich zählte hinunter bis Mitternacht, da am nächsten Tag mein Geburtstag war. Kurz nachdem die Uhr zwölf geschlagen hatte, schlug Hagrid die Tür ein."
„Ich wette, deine Verwandten waren begeistert", sagte sie mit einem Kichern.
Er lächelte sie an, dankbar für ihre Unbeschwertheit: „Natürlich. Onkel Vernon wusste nicht, ob er wütend oder ängstlich sein sollte also schwankte er zwischen den beiden und bedrohte Hagrid und versteckte sich gleichzeitig in einer Ecke im Raum. Hagrid brachte mir einen Geburtstagskuchen, den ersten Kuchen, den ich je bekommen habe. Und als Dudley versuchte, ihn zu essen, verpasste Hagrid ihm einen Schweineschwanz."
Das ließ sie laut auflachen und sie drängte ihn, weiterzureden, und so tat er dies: „Er musste ihn sich chirurgisch in einem Muggelkrankenhaus entfernen lassen. Hagrid hatte ihn ihm gelassen. Jedesmal, wenn Dudley nun einen Zauberer sieht, versucht er, sein Hinterteil mit seinen Händen zu bedecken, um zu verhindern, dass es wieder passiert. Das einzige Problem ist, das sein Hinterteil viel zu breit ist, so dass er ihn niemals vollständig verdecken könnte. Wie auch immer. Hagrid hat mich von dort weggebracht und mich in die Winkelgasse geführt, um meine Schulsachen einkaufen zu gehen. Und er hat mir mein erstes Geburtstagsgeschenk gekauft: Hedwig. Ich schätze, das ist ein weiterer Grund, warum ich ihr so nahe stehe. Sie ist das erste Geschenk, an das ich mich erinnern kann."
Ginny legte eine Hand auf sein Knie und drückte sanft. „Hagrid war klasse. Er hatte nur vergessen, mir zu erklären, wie man Bahngleis 9 ¾ erreicht. Aber es war nur dank dieses Versehens, dass ich deine Familie kennengelernt habe. Ich kann es ihm also nicht wirklich übel nehmen."
„Ich erinnere mich daran", steuerte Ginny bei. „Du warst so schüchtern. Du hast meine Mutter gefragt, wie man durchkommt. Ich erinnere mich, dass ich mich gewundert habe, warum du ganz alleine da warst und wo deine Familie war. Ich dachte, dass du putzig seist." Sie erröteten beide leicht, aber sie fuhr ohne Pause fort: „Dann haben meine Brüder mir gesagt, wer du bist und da war es schon zu spät für mich. Ich war schon ein wenig in dich verschossen, aber zu hören, dass du der Harry Potter warst, dieser kleine, schüchterne Junge, der meine Mutter um Hilfe gebeten hatte. Ich habe mich so schlecht gefühlt, dass du alleine warst und ich wünschte, dass du zurückkommen würdest, so dass ich dich verabschieden könnte. Ich dachte, dass jeder es verdient, sich von jemanden verabschieden zu können, wenn sie in den Zug steigen."
„Ich erinnere mich an dich, wie du auf dem Bahnsteig dem Zug hinterher gelaufen bist, lachend und weinend, während die Zwillinge dir sagten, sie würden dir eine Klobrille schicken." Sie lachten beide über die Erinnerung. „Wusstest du, dass sie mir nach den Geschehnissen mit dem Stein der Weisen am Schuljahresende eine Klobrille in den Krankenflügel geschickt haben?"
„Du machst Witze?" fragte sie und brach in Gelächter aus.
„Nein", erwiderte er ehrlich. „Dumbledore hat es mir gesagt, als ich aufwachte. Er sagte, das Madame Pomfrey ihn konfisziert hat, weil sie der Meinung war, das es nicht sehr hygienisch sei." Sie lachten beide darüber. „ Ich erinnere mich: als ich dich dem Zug hinterherlaufen sah, habe ich mir gewünscht, dass ich jemanden hätte, jemanden, der mich vermissen würde und dem ich schreiben könnte."
„Wie ironisch, dass wir beide uns dasselbe gewünscht haben", sagte sie.
„Jep, das Leben kann wirklich merkwürdig sein", stimmte Harry zu.
„Wieso musstest du den Zwillingen schreiben", fragte Ginny plötzlich. Er zog ob dieses plötzlichen Themenwechsels eine Augenbraue hoch. „Ich wollte dich gestern Abend fragen", erklärte sie. „Als du erwähnt hast, dass die Zwillinge dir eine Klobrille geschickt haben, ist es mir wieder eingefallen."
„Ah", sagte er, darüber nachdenkend. „Ich schätze, es macht nichts, es dir zu erzählen. Das bleibt aber unter uns, ja?" Sie nickte und er fuhr fort: „Offiziell war er nur über ihren Laden. Sie haben mir gestern Morgen ein Update über ihren Laden geschickt. Sie scheinen tatsächlich ziemlich erfolgreich zu sein, also wollte ich sie vor allem beglückwünschen."
„Aber der wahre Hintergrund des Briefes hatte nichts mit dem Laden zu tun", fuhr Ginny fort.
„Ich würde nicht sagen nichts damit zu tun", erwiderte Harry geheimnisvoll. „Ich habe ihnen einen geschäftlichen Vorschlag gemacht. Es ist nicht ihr übliches Geschäft, aber auch nicht so weit davon entfernt."
„Und was hat er beinhaltet?", bohrte sie weiter und lehnte sich begierig nach vorne.
„Du bist ein neugieriger kleiner Zwerg, nicht wahr?", neckte er sie. Sie schlug ihm als Antwort leicht auf den Arm. Er rieb behutsam über die Stelle und ließ die Verletzung schlimmer aussehen als sie war: „Autsch. Du musst nicht so gewalttätig werden." Als sie ihre Hand noch einmal erhob, hielt er seine Hände kapitulierend hoch. „Ok, ok, ich erzähl ja schon weiter, schlag mich nur nicht." Sie lachte zustimmend und er fuhr fort:
„Ich habe die Idee nach einer Unterredung mit Dumbledore gehabt. Er hat erwähnt, dass die Zwillinge versuchen, in den Orden zu kommen, seit sie letzten Frühling die Schule verlassen haben, aber er hat sie noch nicht gelassen. Er sagte, er zögere es ihnen zu erlauben, wenn sie noch so jung sind. Als ich sein Büro verließ, habe ich mir gedacht, dass - obwohl die Zwillinge wirklich unreif sein können - sie unglaublich intelligent sind. Wenn sie in die richtige Richtung gelenkt werden würden, könnten sie eine große Hilfe für die Kriegsanstrengungen sein."
„Da Dumbledore und der Orden sie ignorieren, gibst du ihnen eine kleine Orientierungshilfe.", sagte Ginny mehr als das sie fragte.
„Genau", lächelte Harry. „Ich habe vorgeschlagen, dass sie ihr kreatives Genie anwenden und Dinge erfinden, die für den Orden von Nutzen sein können. Wenn zum Beispiel ihre Unsichtbarkeitshüte modifiziert werden könnten, um den ganzen Körper verschwinden zu lassen, könnte das ein großer Vorteil sein. Oder wenn sie etwas kreieren könnten, das einem Feuerwerk ähnlich ist, nur das es statt farbiger Lichter Zaubersprüche versprüht, könnte man einen Raum voller Todesser außer Gefecht setzen, ohne jemanden einer Gefahr auszusetzen."
„Das sind sehr gute Ideen", sagte Ginny anerkennend.
„Danke", erwiderte Harry dankbar. „Ich dachte, das wäre ein guter Anfang für sie. Und sobald sie sich in die Idee hineindenken, werden sie sicherlich selber mit einigen ziemlich nützlichen Erfindungen aufwarten können. Der Scherzartikelladen könnte als Fassade dienen. Sie würden noch immer die bereits existierenden Produktlinien verkaufen, aber statt neuer Scherzartikel zu erfinden, könnten sie ihre Zeit darauf verwenden, sich für den Orden etwas auszudenken. Und sobald sie ein paar dieser Dinge den Ordensmitgliedern vorgestellt haben ..."
„... würden sie keine andere Wahl haben, als sie zu Mitgliedern zu machen", beendete Ginny für ihn.
„Genau", sagte Harry enthusiastisch.
„Das ist brillant, Harry."
„Nah, das war der einfache Part. Die Zwillinge sind diejenigen, die die Schmutzarbeit machen und das ganze erfinden müssen", erklärte Harry.
„Stell dein Licht nicht unter den Scheffel, Harry", beharrte Ginny auf ihren Standpunkt. „Du magst nicht derjenige sein, der die Sachen tatsächlich erfindet, aber ohne dich wäre diese Idee vielleicht niemanden eingefallen."
„Was hältst du davon, wenn wir in mein Büro gehen und dein Training heute früher beginnen?", fragte Harry plötzlich. „Wir sind bereits zusammen und allein, also brauchen wir uns keine Ausrede einfallen lassen. Beziehungsweise wir können heute auch einfach hier bleiben und dann alle zum Mittagessen treffen."
„Hört sich gut an, Harry", erwiderte sie und schüttelte den Kopf über seine Unfähigkeit, ein Kompliment anzunehmen.
Normalerweise hätte Harry diese Zeit damit verbracht zu trainieren, aber er entschied, dass es nicht schaden würde, seiner Routine ein wenig aufzurütteln. Sie wollten diese Treffen geheim halten. Wenn also jemand mitbekommen würde, dass sie immer zur gleichen Zeit an bestimmten Tagen in der Woche fehlen würde, könnte das Aufmerksamkeit erregen. Andererseits, sie würden eher denken, dass sie beide in einem Besenschrank knutschten, als dass sie übten um Animagi zu werden, aber darum ging es nicht.
Harry beschloss einfach sein eigenes Training auf später am Tag zu verschieben. Sie begannen wie bereits während der vergangenen zwei Treffen mit Wingardium Leviosa. Ginny verbesserte weiterhin ihre Fähigkeiten. Sie hatte bei weitem nicht die Kontrolle, die sie mit einem Zauberstab hatte, aber nach einer Stunde Arbeit konnte sie den Federkiel für so lange wie sie wollte ziemlich stetig schweben lassen.
Harry sagte ihr, dass sie an ihrer Kontrolle arbeiten müsste, aber dass sie sich einem neuen Zauberspruch zuwenden sollten. Sie konnte diesen nun für sich selbst üben. Sie entschieden, dass es wahrscheinlich am besten war, sich auf Verwandlung zu konzentrieren, da ihr endgültiges Ziel den Elementen der Verwandlung ähnlich war. Harry beschwor eine Nadel hervor und sagte Ginny, sie solle sie in einen Fingerhut verwandeln.
Sie zauberte erst mit ihrem Zauberstab, wie Harry es ihr gesagt hatte, um den Unterschied zwischen den beiden Arten der Zauberei zu fühlen. Und Ginny war tatsächlich überrascht zu fühlen, dass es einen bemerkenswerten Unterschied gab. Sie hatte trotz Harrys Erklärung, die das Gegenteil behauptet hatte, angenommen, dass ihre Magie sich gleich anfühlen und das nur ihre Absicht sich verändern würde, um die Zaubersprüche zu verändern. Aber es gab einen Unterschied: gering, aber definitiv vorhanden.
Ginnys Fortschritte mit diesem Zauberspruch waren etwas schneller als mit ihrem ersten zauberstablosen Zauber. Zuerst hatte sie die Magie, um die Nadel schweben zu lassen, zu sich gerufen, während sie ihr gleichzeitig sagte sie solle die Nadel in einen Fingerhut verwandeln. Das Ergebnis war, das die Nadel nur auf ihrem Platz vibrierte. Harry erriet was sie getan hatte und sie gab betreten zu, dass er Recht hatte. Ihr nächster Versuch war ein wenig erfolgreicher. Die Nadel begann sich zu wandeln und ihre Gestalt zu verändern, aber wurde nicht ein vollständiger Fingerhut. Irgendwo während der Verwandlung verlor Ginny ihre Konzentration und blieb mit einer deformierten Masse zurück.
„Und das ist der Grund, warum wir klein anfangen und nicht mit unseren Körpern", hatte Harry trocken kommentiert und dafür einen weiteren Schlag auf den Arm geerntet. Sie hatte die Tendenz, ihn jedes Mal, wenn sie das tat, auf die exakt gleiche Stelle zu schlagen und es begann tatsächlich etwas weh zu tun, auch wenn er das niemals zugeben würde.
Als es Zeit fürs Mittagessen war gingen sie um ihre Freunde in der Großen Halle zu treffen. Ginny hatte bis dahin die Verwandlung von einer Nadel zu einem Fingerhut und zurück gemeistert. Sie fragte ihn ob das bedeutete, dass sie wieder die Animagusverwandlung üben könnten. Harry war sich nicht ganz sicher ob sie es ernst meinte, aber machte ihr deutlich wie wichtig es sei, dass sie die subtilen Unterschiede zwischen den verschiedenen Zaubern verstand und wie zauberstablose Magie funktionierte, bevor sie etwas an sich selbst ausprobierte. Er nahm ihr das Versprechen ab, dass sie nicht alleine eine Verwandlung versuchen würde, bis er sie als dafür bereit erklärte, worauf sie unwillig zustimmte.
Der nächste Tag war mit Harrys beiden Doppelstunden HA gefüllt. Die AHA kam schnell voran. Sie würden vor den Weihnachtsferien wahrscheinlich nicht nur mit den Patroni beginnen, sondern sogar mit ihnen abschließen. Harry würde dann praktisch die Unterrichtstunden, die er mit der FHA abgehalten hatte, mit der AHA im nächsten Semester wiederholen. Er war froh, dass er den Unterrichtsplan für die FHA für dieses Semester aufgeschrieben hatte, da es ihm nun die Mühe sparte, es noch einmal für das nächste Semester und die AHA wiederholen zu müssen.
An diesem Tag übte die FHA größtenteils den Schneidezauber Lacerus. Er funktionierte ähnlich wie der Abtrennzauber Diffindo, war aber viel mächtiger. An einem Menschen würde Diffindo nur eine dünne, oberflächliche Wunde verursachen. Lacerus dagegen würde tiefer schneiden und an seinen Opfern wahren Schaden anrichten. Es war der erste Zauber, den Harry ihnen beibrachte, der ohne Probleme als tödlich betrachtet werden konnte.
Harry nahm den Zauber nicht auf die leichte Schulter und er stellte sicher, dass auch keiner seiner Schüler dies tat. Er ließ sie alle in ihrem eigenen Kreis üben, beschützt von einem Schutzzauber, der den Schneidezauber absorbieren würde, sollte jemand danebenzielen. Er wollte keine Unfälle in dieser Klasse. So viele einzelne Zirkel gegen so einen mächtigen Fluch abzusichern verlangte einiges von Harry ab, aber er betrachtete es als notwendige Vorsichtsmaßnahme.
Selbst mit dieser Vorsichtsmaßnahme betonte Harry gegenüber seiner Klasse, wie gefährlich der Fluch war. Er machte ihnen die Schwere der Situation deutlich. Dieser Fluch sollte nicht leichtfertig benutzt werden. Man sollte ihn nur in einer Leben- oder Todsituation verwenden und selbst dann sollte man vorsichtig damit umgehen. Es könnte passieren, dass man vor hat, jemanden zu schneiden, um ihn zu verletzen, vielleicht auf dessen Zauberstabarm zielt in der Anstrengung, die Bedrohung einer Attacke zu entfernen, dann aber aus Versehen danebentrifft und sein Ziel tötet. Es könnte auch sein, dass man sein Ziel vollständig verfehlt oder dieses ausweicht und wenn eine unbeteiligte Person in der Nähe ist, konnte diese schnell verstümmelt oder getötet werden. Die Atmosphäre war nach Harrys eindringlichen Warnungen gedrückt, aber sie übten alle gewissenhaft den Fluch.
Die Stimmung blieb gedrückt, als die Klasse am Ende des Unterrichts aus dem Raum schlurfte. Er hasste es, sie so gehen zu lassen, aber er wusste, dass er sichergehen musste, dass sie seine Warnungen ernst nahmen. Er bemerkte zu seiner großen Bestürzung das Cho nicht unter den Schülern war, die den Raum verließen. Sie blieb zurück - allein - und wartete, bis der Raum sich leerte. Harry blickte zu seinen fünf Freunden hinüber, die gleichen Freunde, die letzten Juni mit ihm in der Mysteriumsabteilung gekämpft hatten. Hermine interpretierte seinen Blick so, dass sie die anderen aus dem Raum scheuchte und Harry alleine ließ, um Cho handzuhaben. Er hatte tatsächlich seine Freunde stumm darum gebeten, ihn nicht allein zu lassen, aber er wusste tief in sich drin, dass es besser war, dies so schnell wie möglich aus dem Weg zu räumen.
Als die Tür hinter Hermine zufiel, ging Cho zu ihm. „Das war eine interessante Unterrichtsstunde, Harry", sagte sie sanft und voller Wärme.
„Danke", sagte er aufrichtig. „Ich hoffe nur, dass alle meine Warnungen ernst nehmen."
„Ich denke, darauf kannst du Gift nehmen", antwortete sie geziert.
„Glaubst du?", fragte er.
„Oh ja", versicherte sie ihm. „Konntest du es nicht sehen?"
„Ich habe befürchtet, dass ich vielleicht nur das gesehen habe, was ich sehen wollte", sagte er ihr ehrlich.
„Ich glaube nicht, dass du dir Sorgen machen musst. Es gab keinen Zweifel, wie ernst du es meinst."
„Danke", erwiderte er etwas erleichtert. „Ich habe gezögert euch den Fluch überhaupt beizubringen, aber ich wusste, dass ich es muss. Es ist nützlich, ihn zu kennen, falls einer von euch jemals angegriffen wird und gezwungen ist, um sein Leben zu kämpfen. Manchmal ist betäuben einfach nicht genug, vor allem, wenn es mehrere Angreifer sind. Sie können sich einfach gegenseitig wiedererwecken und man kommt nicht vorwärts." Er hatte das auf die harte Tour gelernt, aber der einzige Grund, warum er noch immer darüber redete, war, um das Unausweichliche hinauszuzögern. Er wusste, warum sie hier war und wo sie die Konversation hinlenken wollte; er freute sich nur nicht darauf.
Aber das hielt sie nicht davon ab, voranzudrängen. „Du hast das richtige getan, Harry", versicherte sie ihm sorglos. „Also Kopf hoch. Außerdem gibt es viel bessere Dinge, auf die du dich konzentrieren solltest, wie zum Beispiel der kommende Ball."
Harry stöhnte innerlich auf, behielt aber sein höfliches Äußeres bei: „Ja, ich schätze, es bringt nichts, sich auf Dinge zu konzentrieren, die man nicht kontrollieren kann."
„Genau", stimmte sie fröhlich zu. „Gibt es also jemanden Besonderes, mit dem du gehen willst?", fragte sie andeutend.
„Ja", antwortete er müde.
„Und?", fragte sie mit einem breiten Lächeln.
„Ich gehe mit Ginny Weasley", sagte Harry unumwunden, in der Hoffnung, dass sie das Thema einfach fallen lassen würde, wenn er es freiheraus sagte.
„Ja, ich habe davon gehört" gab sie zu. „Du hast sie gefragt, ob sie mit dir zum Ball geht, um ihrem Bruder zu beweisen, wie einfach es ist, ein Date zu bekommen. Aber ich bin sicher, dass sie verstehen würde, du weißt schon, wenn ...", sie ließ den Satz unvollendet.
„Wenn was, Cho", fragte Harry mit einem warnenden Tonfall.
„Nun, ich hatte irgendwie gehofft, dass du und ich zusammen gehen könnten", erklärte sie langsam und ignorierte komplett seinen warnenden Tonfall. „Ich bin sicher, dass sie verstehen würde wenn du ihr sagen würdest, dass du nicht wirklich mit ihr gehen möchtest. Ich meine, du hast nur deinen Standpunkt bewiesen, als du sie gefragt hast und du wusstest nicht, dass Michael und ich uns zu diesem Zeitpunkt getrennt haben."
Harry strich sich müde mit einer Hand übers Gesicht und bereitete sich innerlich darauf vor, was er sagen würde und wie sie reagieren würde. „Schau, Cho", sagte er ernst. „Ich gehe mit Ginny zum Ball, weil ich mit ihr gehen möchte und nicht, um einen Standpunkt zu beweisen und nicht, um dich mit ihr zu ersetzen."
„Aber ... aber ich dachte, du magst mich", schmollte Cho vorwurfsvoll und ihre Augen wurden feucht.
„Ich habe dich gemocht", gab Harry zu. „letztes Jahr. Ich war in dich verknallt. Aber wir haben versucht, zusammenzukommen und es hat nicht funktioniert. Du bist wirklich ein nettes Mädchen und ich hoffe, wir können Freunde bleiben, aber ..."
„Aber wir hatten gerade mal eine Verabredung", unterbrach Cho und die Tränen drohten noch immer zu fallen.
„Und schau, wie dieser eine Versuch geendet hat", machte Harry seine Meinung deutlich. „Schau mal, wir haben nicht einmal so viel gemeinsam. Und die Tatsache, dass du glaubst, dass ich überhaupt in Erwägung ziehen würde, Ginny fallen zu lassen, um mit dir zum Ball zu gehen, zeigt nur, wie wenig du mich kennst. Selbst wenn ich mit dir gehen wollen würde, würde ich niemanden je so im Stich lassen, vor allem so eine gute Freundin. Aber der Punkt ist, dass ich glücklich bin mit Ginny zu gehen", Harry hielt inne um tief Luft zu holen und sich zu sammeln, bevor er sanft fortfuhr: „Ich bin nicht der richtige Junge für dich, Cho."
„Schön", spuckte sie fast. Tränen der Wut rannen ihre Wangen hinunter und verwischten ihren Mascara. „Viel Spaß mit deiner kleinen Freundin auf dem blöden Ball." Sie wandte sich von ihm weg und stürmte zur Tür. Sie blieb auf halben Weg stehen, drehte sich wieder zu ihm um und schrie: „Sie kann sich wahrscheinlich nicht einmal ordentliche Festroben leisten. Ich hoffe, du genießt es, mit dem einzigen Mädchen, das alte Lumpen trägt aufzutauchen". Damit wandte sich um und stampfte aus dem Zimmer. Ein lautes Krachen hallte durch das weiträumige Zimmer, als sie die Tür hinter sich zuschlug.
„Nun, das verlief gut", murmelte Harry zu sich selbst und bat den Raum gedanklich um ein paar Trainingsdummies.
OoOoO
Ginny ließ sich zusammen mit den anderen aus dem Raum treiben. Die vier Gryffindors verabschiedeten sich von Luna, als sie sich in Richtung des Gryffindorturms wandten. Nachdem sie um die erste Ecke gebogen waren, blieb Ginny abrupt stehen. „Ginny, was ist los?", verlieh Hermine der Frage, die sie alle hatten, Stimme.
„Ich habe mich gerade nur an etwas erinnert, das ich Luna fragen muss", sagte sie ihnen. „Geht ihr schon mal vor. Ich werde versuchen, sie einzuholen, bevor sie ihren Gemeinschaftsraum erreicht." Sie drehte sich um und begann den Weg, den sie gekommen waren, zurückzulaufen.
„Ginny", Nevilles Stimme ließ sie innehalten, gerade als sie um die Ecke biegen wollte. Sie schaute zurück zu ihren Freunden: „Möchtest du etwas Gesellschaft?"
„Nein, das ist schon okay, Neville", erwiderte sie schnell. „Es ist etwas persönliches", fügte sie hinzu, als sein Lächeln von seinem Gesicht verschwand.
„Oh", erwiderte er. „Okay. Man sieht sich."
"Tschau", rief sie ihm über die Schulter zu, als sie weg eilte.
Sie lief den Flur hinunter, aber statt Luna hinterherzugehen, blieb sie vor der Tür des Raumes der Wünsche stehen und machte sie einen Spalt breit auf, so dass sie die Stimmen hören konnte. Es war Cho, die sie zuerst hörte: „Du hast das richtige getan, Harry. Also Kopf hoch. Außerdem, es gibt viel bessere Dinge, auf die du dich konzentrieren solltest, wie zum Beispiel der kommende Ball."
Ginny rollte ihre Augen: anscheinend war Subtilität nicht eine von Chos Stärken. Sie verpasste Harrys Antwort, aber sie hörte Chos nächste Frage ohne Probleme: „Gibt es also jemanden Besonderes, mit dem du gehen willst?"
Sie hörte, wie Harry ziemlich kurz angebunden antwortete, dass es jemanden gab, mit dem er gehen wollte und wie Cho versuchte, herauszufinden, wer es war. Ginny lächelte, als er ihr sagte, dass er mit ihr, Ginny, zum Ball gehen würde, aber sie konnte nicht glauben, was Cho als nächstes sagte. Wie konnte sie es wagen, vorzuschlagen, dass er sie einfach fallenlassen sollte? Ginny war besorgt gewesen, dass Harry nicht wirklich mit ihr gehen wollte. Sie hatte am Freitagabend gehört, dass Cho und Michael sich getrennt hatten und dass sie Harry nach dem Abendessen zurückgehalten hatte. Sie war besorgt, dass er seine Entscheidung, sie zu fragen, nun bereute, da Cho wieder zu haben war.
Das war der Grund, warum sie ihn Freitagnacht während ihres Trips zur Eulerei ausgefragt hatte. Aber sogar nachdem er ihr versichert hatte, dass er mit ihr gehen wollte, hatte Ginny noch immer Befürchtungen, dass sie nur die zweite Wahl war. Sie wollte nicht, dass er dachte, dass er mit ihr gehen musste, wenn er nicht wollte. Aber alle ihre Befürchtungen wurden vernichtet, als sie Harrys Antwort auf Chos Vorschlag hörte. Harry machte ziemlich deutlich, dass er mit derjenigen, mit der er gehen wollte, zum Ball ging. Er hatte zugegeben dass er, selbst wenn das nicht der Fall gewesen wäre, er Ginny nie abserviert hätte, was sie bereits angenommen hatte, aber er bestand darauf, dass er wirklich mit Ginny zum Ball gehen wollte.
Zufrieden begann sie wegzugehen. Sie hörte noch Chos Ausbruch. Sie konnte nicht fassen, was das Mädchen über ihre Roben gesagt hatte, wusste aber, dass zumindest ein Körnchen Wahrheit hinter der Aussage steckte. Sie hatte nicht das Geld um die besten Roben, die es gab zu kaufen. Sie hoffte nur, dass sie mit dem Geld, das sie gespart hatte zusammen mit dem, was ihre Mutter ihr schicken konnte, etwas ordentliches in Hogsmeade finden könnte.
Sie hatte ihrer Mutter von dem Ball geschrieben. Das war der Brief, den sie Freitagnacht weggeschickt hatte, als sie und Harry nach dem Zapfenstreich ausgegangen waren. Sie hatte über den Sommer mehrere Galleonen bei den Zwillingen verdient und sie hatte noch immer das meiste davon. Es war aber bei weitem nicht genug, um einer der Festroben bei Besenknechts Sonntagsstaat zu kaufen. Sie könnte vielleicht in der Lage sein, etwas zu kaufen, wenn es im Sonderangebot war und sie das Geld ihrer Mutter dazurechnete, aber sie hatte das Gefühl, dass sie beim nächsten Hogsmeadewochenende nach einem Secondhandrobengeschäft schauen würde. Sie realisierte, als sie zum Gemeinschaftsraum ging, dass das Hogsmeadewochenende am nächsten Wochenende war. Es war wirklich schneller als erwartet soweit.
Sie betrat den Gemeinschaftsraum und musste Hermines wissende Blicke ertragen, aber glücklicherweise schien keiner der Jungs über ihre Täuschung Bescheid zu wissen. Sie nahm an, dass sie später mit Hermine reden müsste, ob sie wollte oder nicht. Aber es machte ihr tatsächlich nicht viel aus. Es gab nicht viel zu verstecken, zumindest nichts, von dem Hermine etwas wusste. Sie und Harry waren nur Freunde. Sie verschwanden oft zur gleichen Zeit, was Argwohn erregen musste, aber solange niemand den wahren Grund dafür erriet, hatte sie damit kein Problem. Und sie nahm an, dass Harry damit ebenfalls kein Problem hatte. Sie konnten einfach weiterhin allen die Wahrheit sagen und dabei das echte Thema vermeiden.
Hermine hatte keine Gelegenheit vor dem Abendessen mit Ginny zu reden, da diese den Großteil der Zeit damit verbrachte, an ihrem Zaubertrankaufsatz zu arbeiten. Und Hermine war niemand, der jemanden beim Lernen störte. Für sie war das eine geheiligte Zeit. Harry kam nicht zurück zum Gemeinschaftsraum, aber das war kaum eine Überraschung. Sie nahm an, dass er entweder las oder trainierte. Das einzige echte Training, das sie je gesehen hatte, war sein morgendliches Workout, aber sie wusste, dass mehr als das dazu gehörte, auch wenn er dies nie explizit gesagt hatte.
Er verschwand öfter über längere Zeit und sie bemerkte, dass er dann nicht immer in sein Büro ging. Sie hatte das Gefühl, dass er zum Raum der Wünsche ging, aber sie hatte sich nie dazu bringen können, ihm zu folgen, um es herauszufinden. Soweit es sie anging, war das seine Angelegenheit. Sie würde Bescheid wissen, wenn er entschied, es ihr zu sagen und nicht davor. Aber das hielt sie nicht davon ab, zu spekulieren.
Sie machte sich Sorgen, dass Hermine dieselben Hinweise bemerken würde, die sie ebenfalls gesehen hatte, aber das ältere Mädchen schien in letzter Zeit ziemlich mit Lernen beschäftigt zu sein. Sie war beinahe die ganze Zeit in der Bücherei und wenn sie es nicht war, war sie noch immer in ein Buch vertieft. Ginny hatte Schwierigkeiten, zu verstehen, wie Hermine so viel lernen konnte, ohne verrückt zu werden. Dann aber wiederum machte Hermine Lernen Spaß, es war also vielleicht anders für sie.
Und sie nahm an, dass, solange niemand sonst bemerkte wo er hinging, würden sie alle annehmen, dass er lernte. Von dem was sie hörte, hatte er überhaupt keine Schwierigkeiten im Unterricht und ließ sogar teilweise Hermine alt aussehen. Sie hatte gesehen, wie Hermine Harry mehrmals ihre Hilfe angeboten hatte und wie dieser höflich abgelehnt hatte. Sie war das erste Mal, als dies passiert war, überrascht gewesen, aber sie nahm an, dass Harry schon immer schlau genug gewesen war, um gut in der Schule zu sein. Er hatte sich in der Vergangenheit nur nie angestrengt. Das schien sich in diesem Jahr geändert zu haben.
Es verwirrte sie wirklich. Manchmal dachte sie, dass er sich nur in alles vertiefte, immer beschäftigt war, nur so, dass er nicht innehalten und über sein Leben oder alles das, was in der Welt geschah, nachdenken musste. Aber dann, zu anderen Zeiten hatte sie das Gefühl, dass er viel darüber nachdachte. Und es hatte einige Momente gegeben, wo er ihr Dinge verraten hatte, von denen er sagte, dass er sie noch nie jemand anderen erzählt hatte. Es war also nicht so, als würde er die Dinge vollständig ausblenden. Und er schien meistens glücklich zu sein. Zugegeben, es gab Momente, wenn ihn alles einholte, sie konnte es in seinen Augen sehen. Sie hatte es heute im HA-unterricht gesehen. Sie alle hatten es gesehen.
Aber als er sie alle zum Abendessen getroffen hatte, war er wieder sein lebenslustiges Selbst. Sie, genauso wie Hermine, nahm an, das es eine Menge gab, dass er ihnen nicht erzählte, dass er eine Last trug, die so viel schwerer wog als alles das sie jemals hatten tragen müssen, aber er trug es mit Fassung, soweit sie es beurteilen konnte. Und wenn es je zu viel für ihn sein würde, würde sie für ihn da sein. Doch bis dahin hatte sie keine Probleme damit, ihm seine Geheimnisse zu lassen.
Hermine war nicht so verständnisvoll. Sie erwähnte das Thema andauernd und versuchte Harry dazu zu bringen sich ihnen anzuvertrauen. Manchmal wollte Ginny ihr einfach nur einen Klaps auf den Hinterkopf geben und ihr sagen, sie solle ihren verdammten Mund halten. Okay, das wäre vielleicht ein wenig hart, aber Hermine wusste wirklich überhaupt nicht, wann sie aufhören musste. Alles, was sie mit ihrem Tun erreichte, war ihren Freund noch mehr zu isolieren und ihn angespannt fühlen zu lassen. Umso mehr Hermine nachbohrte, umso mehr zog Harry sich zurück.
Es schmerzte sie zu sehen, wie ihre Beziehung litt, aber sie konnte nicht viel tun. Hermine weigerte sich nachzugeben. Und sie wusste, dass Harry nicht nachgeben würde und sie zollte ihm dafür Respekt. Er ließ niemanden ihn drängen, etwas zu tun, mit dem er sich nicht wohl fühlte. Ginny hatte einige Male versucht, Hermine zu überzeugen, es zum Wohle ihrer Freundschaft mit Harry sein zu lassen, aber das ältere Mädchen bestand darauf, dass es für sein eigenes Wohl war. Also konnte Ginny sich nur zurücklehnen und zusehen und Harry ihre stumme Unterstützung geben, ein aufmunterndes Lächeln hier und da. Und vor allem würde sie für ihn da sein, wenn er bereit war, zu reden.
Hermine schnappte Ginny nach dem Abendessen, bevor sie sich hinsetzen konnte und beförderte sie in den Schlafsaal der Sechstklässlerinnen. Nachdem sie sich versichert hatte, dass der Raum leer war, zog Hermine Ginny am Arm hinüber zu ihrem Bett und setzte sich. Sie klopfte auf den Platz neben sich, um Ginny zu bedeuten, sich hinzusetzen. In dem Moment, in dem Ginnys Hinterteil das Bett berührte, begann Hermine mit der Befragung.
„Was passiert da zwischen dir und Harry?"
„Was? Kein Hallo? Kein: Wie geht's Ginny?", fragte sie neckend. Hermine zog nur eine Augenbraue hoch. „Wir gehen als Freunde zum Ball. "
„Nun, jeder weiß das", antwortete Hermine gönnerhaft. „Ich möchte wissen, was wirklich zwischen euch ist."
„Was lässt dich denken, dass da etwas ist?", war Ginnys Erwiderung.
„Oh, bitte", mokierte sich Hermine. „Ich bin nicht blöd, weißt du. Ron ist nicht der Einzige, der bemerkt hat, dass du in letzter Zeit oft verschwunden bist. Und Harry fehlt zufälligerweise immer zur selben Zeit. Ich glaube kaum, dass das Zufall ist."
„Harry und ich sind nur Freunde", erklärte Ginny ihrer braunhaarigen Freundin ruhig.
„Aber du leugnest nicht, dass du Zeit mit ihm verbringst", wies sie auf die Tatsache hin.
„Freunde verbringen immer wieder Zeit miteinander", antwortete Ginny.
„Ja, aber wie kommt es, dass niemand zu wissen scheint, wo ihr seid, wenn du und Harry zusammen verschwindet?", fragte Hermine nach. Sie war wirklich ein neugieriges Ding.
„Ich weiß es nicht. Vielleicht achtet niemand darauf", spekulierte Ginny.
„Oh bitte", rief Hermine aus. „Hör zu, Ginny. Ich weiß, dass du seit Ewigkeiten in Harry verknallt bist", Ginny machte Anstalten, sie zu unterbrechen, aber Hermine hielt eine Hand hoch und fuhr fort: „Oh, ich weiß, dass du schon vor langer Zeit aufgehört hast, auf ihn zu warten, aber das ist etwas anderes als über ihn hinwegzukommen, nicht wahr? Ich glaube einfach nicht, dass jetzt die richtige Zeit ist um eine Beziehung mit ihm einzugehen. Er durchlebt im Moment eine schwere Zeit und ist besonders verwundbar. Er mag sich an dich klammern, weil du ihn so behandelst, als sei nichts passiert, aber das ist nicht gut für ihn. Er muss damit zurechtkommen, was mit Sirius passiert ist und was in der Welt um ihn herum passiert. Ich denke nicht, dass nun die richtige Zeit ist, um mit ihm zusammenzukommen."
„Du bist unglaublich", erwiderte Ginny hitzig. „Wie kannst du es wagen, mir so etwas zu unterstellen?"
„Ich versuche nicht, dir etwas zu unterstellen", versuchte Hermine ihre rothaarige Freundin zu beruhigen. „Ich weiß, dass du dir um Harry Sorgen machst und dass du für ihn da sein möchtest, aber du kannst ihn nicht in Watte packen und ihn so tun lassen, als sei alles in Ordnung. Du musst ihn entweder dazu bringen, sich zu öffnen oder dich etwas zurückziehen. Ihm eine andere Fluchtmöglichkeit anzubieten ist gerade einfach nicht gut für ihn."
„Und zu versuchen, ihm deinen Willen aufzuzwingen, ist nicht sehr förderlich für eure Freundschaft", konterte Ginny.
„Was soll das heißen?"
„Es bedeutet genau das, was ich gesagt habe", erklärte Ginny hitzig. „Du kannst Harry nicht dazu zwingen, sich zu öffnen oder dir alle seine Geheimnisse anzuvertrauen. Du musst ihn zu dir kommen lassen, wenn er dazu bereit ist. Er muss darauf vertrauen können, dass du ihn nicht zu mehr drängen wirst als er bereit ist zu geben. "
„Harry würde sich nie jemanden gegenüber öffnen, wenn wir ihn nicht dazu drängen würden", protestierte Hermine leidenschaftlich. „Er ist eine sehr private Person, aber er braucht Hilfe, um mit den Geschehnissen fertig zu werden. Er kann es nicht alleine, also müssen wir ihn dazu bringen, sich zu öffnen. Und das ist etwas schwer, wenn ich die einzige bin, die es versucht, während alle anderen so tun, als sei alles nur eitel Sonnenschein."
„Vielleicht respektieren wir anderen Harry genug, um ihm seine Privatsphäre zu lassen", antwortete Ginny etwas gemäßigter. „Merlin, Hermine. Du drängst ihn und drängst ihn und er zieht sich weiter und immer weiter von dir zurück. Wann wirst du es verstehen? Du ruinierst eure Freundschaft. Er scheut sich davor, mit dir reden zu müssen, weil er weiß, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bevor du ihn dazu zwingst, zu reden. Du magst versuchen ihn dazu zu bringen sich zu öffnen, aber alles, was du erreichst, ist, dass er sich dir verschließt."
„Das ist nur, weil die Leute wie du und Ron ihn so tun lassen, als sei alles in Ordnung. Du magst denken, dass du ihm hilfst, indem du ihm seinen Freiraum lässt, aber das ist nicht das, was er im Moment braucht. Er braucht seine Freunde, die ihm durch diese Schwere Zeiten helfen. Er wird nie zulassen, dass wir ihm helfen, außer wenn wir ihn zwingen", versuchte Hermine sie die Dinge so sehen zu lassen, wie sie es tat.
„Und was macht dich zu einem Experten, was Harry braucht?", fragte Ginny.
„Ich bin die letzten fünf Jahre seine beste Freundin gewesen. Ich weiß so viel über Harry wie jeder andere und mehr als die meisten", erklärte Hermine. Sie versuchte geduldig zu bleiben, war aber nicht ganz dazu in der Lage. „Du magst die letzten fünf Jahre praktisch besessen von ihm gewesen sein, aber du hast erst vor kurzem angefangen, mit ihm zu reden. Er vermeidet es, über alles, was ihn unbehaglich macht, zu reden, als sei es die Pest. Er hat kaum einmal etwas über seine Verwandten oder sein Leben vor Hogwarts erzählt. Der einzige Grund, warum wir auch nur halb so viel wissen, wie wir es tun, ist, weil Ron, Fred und George ihn das eine Mal, als er den ganzen Sommer über in seinem Raum eingesperrt war, losgegangen sind, um ihn zu holen und weil dein Dad und die drei ihn im Sommer vor unserem viertem Schuljahr abgeholt haben.
Jedes Mal, wenn einer von uns seine Verwandten anspricht, vermeidet er es, konkrete Antworten zu geben und wechselt so schnell wie möglich das Thema. Er weigert sich, irgendjemanden von uns auch nur irgendetwas über sie oder sein Leben vor Hogwarts zu erzählen. Er sagt immer nur, die Dinge seien gut, ihm geht es gut, die Dursleys behandeln ihn gut. Aber wir wissen, dass sie es nicht tun und ich weiß, dass es ihm nicht gut geht. Also bitte, hör darauf, was ich gesagt habe. Wenn du nicht ein Teil der Lösung bist, dann bist du ein Teil des Problems. Entweder du hilfst mir oder du ziehst dich zurück, aber du kannst ihn nicht länger in Watte packen", endete Hermine mit tränengefüllten Augen.
„Es tut mir leid, Hermine. Ich weiß, dass du Harry liebst und dass du es gut meinst, aber du packst es falsch an. Ich kann das, was du tust nicht unterstützen und ich werde mich nicht zurückziehen", antwortete Ginny ehrlich und wünschte, sie könnte ihrer Freundin erzählen, was Harry ihr vor kurzem über sein Leben bei den Dursleys vor Hogwarts erzählt hatte. „Harry braucht jemanden, der ihm bedingungslose Unterstützung gibt und er bekommt das nicht von dir. Er bekommt sie definitiv nicht von Ron. Ich habe vor so lange für ihn da zu sein wie er das möchte. Es geht nicht darum eine dumme Kindheitsfantasie zu erfüllen, in der ich mit Harry Potter, dem –Jungen-der-lebte- zusammenkomme. Harry ist mein Freund und ich habe vor, auf jegliche Weise, in der er mich braucht, für ihn da zu sein. Aber ich werde ihn nicht dazu zwingen, sich zu öffnen, bevor er dazu bereit ist. Und ich flehe dich an, darüber nachzudenken, was du tust, bevor du die Freundschaft, die ihr beide habt, ruinierst."
„Wenn er schließlich zusammenbricht", sagte Hermine, während ihr Frust wuchs, „wirst du wissen, wessen Schuld es ist."
„Wenn er zusammenbricht oder jemanden zum Reden braucht, werde ich für ihn da sein, wenn er das möchte", sagte Ginny und zwang sich, ruhig zu bleiben.
„Wie kannst du dich einfach zurücklehnen und darauf warten wie er zusammenbrechen wird", fragte Hermine hitzig.
„Erst einmal nimmst du an dass er zusammenbrechen wird und ich bin nicht so sicher, dass ich dir da zustimme. Zweitens hatte ich bereits den Willen von jemand anderes aufgezwungen", erwiderte Ginny eisig und ihre Augen blitzten gefährlich. „und ich werde niemanden das gleiche antun. Nun, wenn du mich entschuldigen würdest", fuhr sie fort und stand auf, „ich gehe wieder hinunter." Sie ging zur Tür, trat heraus und kehrte zum Gemeinschaftsraum zurück. Sie ließ Hermine allein auf ihrem Bett sitzend zurück.
OoOoO
Als die nächste Woche begann, redete die Schülerschaft nur über zwei Themen: Den Weihnachtsball und das kommende Hogsmeade-Wochenende. Trotz ihrer abgelenkten Schüler fuhren die Professoren mit ihrem Unterricht ohne Rücksicht auf Verluste fort und gaben Unmengen an Hausaufgaben, vor allem an diejenigen, die mit den Inhalten zu kämpfen hatten, was in Harrys Unterricht so ziemlich jeden außer ihn und Hermine betraf. Aber sogar sie mussten zu diesem Zeitpunkt eine ordentliche Menge an Aufsätzen schreiben.
In Verwandlung konzentrierten sie sich im Moment darauf, komplexe Objekte heraufzubeschwören. Harry und Hermine waren der Klasse voraus und konzentrierten sich bereits darauf, mehrere komplexe Objekte zur gleichen Zeit heraufzubeschwören. Danach mussten sie nur noch permanentes Heraufbeschwören meistern, bevor sie sich auf das nächste Thema konzentrieren konnten. Die meisten so erschaffenen Objekte verschwanden nach einer bestimmten Zeit. Es brauchte eine Menge Konzentration und magische Kraft, um etwas heraufzubeschwören, dass wirklich für einen längeren Zeitraum erhalten blieb. Es war unbekannt, ob man wirklich etwas dauerhaft heraufbeschwören konnte, aber es war möglich, etwas heraufzubeschwören, das mehrere Jahre existierte, auch wenn diese Fähigkeit nicht üblich war. Der durchschnittliche Zauberer und die durchschnittliche Hexe konnte ein einigermaßen simples Objekt heraufbeschwören, das einige Monate existierte, bevor es verschwand.
Hagrids Pflege magischer Geschöpfe Unterricht war bisher tatsächlich relativ harmlos gewesen, wofür Harry unendlich dankbar war. Sie hatten ein paar Wochen damit verbracht, Phönixe zu studieren, und Fawkes war in diesen Wochen ein regulärer Gast gewesen. Harry war sehr an dem Unterricht interessiert und freute sich, dass Fawkes genauso viel Zeit auf seiner Schulter wie auf der von Hagrid verbrachte. Harry wünschte sich, er könnte mit Fawkes reden, so wie er es mit Hedwig tat, aber er erinnerte sich daran, was sie ihm über magische Kreaturen erzählt hatte. Sie hatte ihm erklärt, dass alle magischen Kreaturen Gedankenreden verwenden konnten, aber dass nicht alle Kreaturen die menschliche Sprache verstanden. Sie hatte weiter erklärt, dass Phönixe eine eigene Sprache hatten, die keine andere Kreatur kannte.
Harry brillierte weiterhin im Zaubertrankunterricht; sehr zu Snapes Bestürzung. Der Mann hielt sich im Unterricht etwas mit seinen abfälligen Bemerkungen zurück. Er hatte scheinbar nach Harrys fehlenden Reaktionen das Interesse verloren. Die Slytherins in der Klasse versuchten noch immer dann und wann, seine Zaubertränke zu ruinieren, waren aber noch nicht erfolgreich gewesen. Seine Zaubertränke waren normalerweise nicht der gleiche Standard wie der eines Zaubertrankmeisters wie Snape, aber waren mehr als adäquat für den Unterricht. Harry schaffte meistens ein Annehmbar. Angesichts Snapes strengen Anforderungen, zusammen mit seinen Vorurteilen gegenüber Gryffindors im Allgemeinen und Harry im Besonderen, nahm Harry an, dass er irgendwo zwischen einem Erwartungen übertroffen und einem Ohnegleichen stand. Harry war nur froh, dass Snape keinerlei Einfluss auf die Benotung der U.T.Z.e hatte.
Sie lernten selten etwas Neues in VgdDK. Das meiste hatten sie bereits in seinem HA-Unterricht durchgenommen und fast den gesamten Rest hatte er selber gelernt. Aber Harry verstand, dass nicht jeder das Extratraining hatte, das er und seine Freunde hatten, und so konnte er es dem Professor nicht übel nehmen. Der Unterricht war für ihn einfach ohne Herausforderungen.
Blieb noch der Zauberkunst-Unterricht. Im Moment übten sie Animationszauber. Jeder Schüler bekam eine kleine Spielzeugpuppe, einer Muggel-Action-Figur ähnlich, die sie animieren sollten, über den Tisch zu laufen. Die meisten in der Klasse kämpften damit, ihre Puppen überhaupt dazu zu bringen, sich zu bewegen. Hermines Puppe konnte relativ problemlos hin und her laufen. Wenn niemand schaute, würde Harrys Puppe auf Zehenspitzen am Rande des Tisches laufen oder Runden rennen. Er behielt solche Spielereien jedoch für sich und ließ die Puppe einfach nur laufen, sobald jemand zu ihm schaute.
Harry schien dafür einen siebten Sinn zu haben. Er konnte immer sagen, wenn jemand zu ihm schaute. Es war eine Fähigkeit, die er schon immer gehabt hatte, aber im letzten Jahr schien sie ausgeprägter geworden zu sein. Sie hatte anderen Nutzen als ihn im Unterricht mit Puppen spielen zu lassen. Sie war mehrmals in Aktion getreten, als Draco Malfoy sich in der Nähe aufhielt und er hatte das Gefühl, dass der blondhaarige Junge ein sehr waches Auge auf ihn hatte, wachsamer als es sonst der Fall war. Er hatte das Gefühl, dass der Blonde den Auftrag bekommen hatte, ein Auge auf ihn zu haben, aber es gab nicht viel, dass Harry dagegen tun konnte außer vorsichtig zu sein mit dem, was er tat und was er sagte, wenn er in Malfoys Nähe war.
Harry traf sich am Donnerstag wieder mit dem Schulleiter, um Okklumentik zu üben. Das Treffen hatte ähnliche Ergebnisse wie beim letzten Mal. Der Schulleiter suchte für längere Zeit an seinen Barrieren herum, attackierte dann schnell und präzise und riss ein Loch in seine Barrieren und trat in seinen Kopf ein. Er ließ sich wieder ohne Widerstand hinausbefördern. Die beiden redeten ein wenig und der Schulleiter erklärte, dass Harry seine Schilde gegen solche präzisen Angriffe verstärken musste, nicht nur gegen einen allgemeinen Angriff. Sein Schild war nur so stark wie dessen schwächster Punkt.
Bevor Harry Dumbledores Büro verließ, informierte dieser Harry, dass mehrere Auroren und Ordensmitglieder an diesem Wochenende in Hogsmeade sein würden. Er warnte Harry, dass er, sollte er etwas Verdächtiges bemerken, sofort jemanden Bescheid geben und nicht etwas Gefährliches tun sollte. Harry nickte nur und ging.
Am nächsten Tag wurde Harry von Professor Caldwell wieder dazu beordert, Aufsätze zu verbessern. Dieses Mal waren es Aufsätze von Drittklässlern, die der Professor bis Mittwochmorgen benötigte. Harry sagte ihm, dass dies kein Problem sei. An diesem Abend nach dem Abendessen ging Harry zurück zum Gryffindorturm und entdeckte Ginny vor ihm. Sie redete mit einer ihrer Zimmergenossinnen, von der er glaubte, dass ihr Name Melissa sei. Er konnte gerade so ihre Unterhaltung hören.
„... morgen zu Besenknechts?", fragte Melissa.
„Ich denke ... habe genug. Ich hoffe nur, dass sie etwas im Angebot haben. Ich habe nur 10 Galleonen ...", sagte Ginny etwas niedergeschlagen.
„Ich bin mir sicher, dass wir etwas finden werden", ermutigte ihre Freundin sie.
Harry ließ sich zurückfallen und dachte darüber nach. Chos abschließende Worte hallten in seinen Ohren. Es war nicht so, dass es ihn kümmerte, was Ginny zum Ball trug. Es konnte ihm nichts egaler sein, ob sie die neueste Mode oder etwas, das seit zehn Jahren out war, trug. Er wusste nicht einmal, was in Mode war. Aber er wollte nicht, dass Ginny sich darüber Sorgen machte. Er wusste, dass sie wahrscheinlich keine „Almosen" von ihm akzeptieren würde, und er würde es niemals wagen, ihr anzubieten, ihr die Roben zu kaufen, da er nicht wollte, dass sie dachte, dass es wichtig für ihn sei. Da wäre der Ärger vorprogrammiert.
Eine Idee nahm in seinem Kopf Gestalt an. Er hatte bereits vorgehabt, am nächsten Tag früh in die Stadt zu gehen, um bestimmte Arrangements zu machen. Ein kurzer Stopp auf dem Weg konnte nicht schaden. Und so waren Harrys Freunde am nächsten Morgen alle überrascht, als er schnell sein Frühstück in sich hineinstopfte und ihnen sagte, dass er sie in der Stadt treffen würde, bevor er eiligst verschwand.
Harry überquerte schnell die sonnigen Ländereien. Er sah kaum die wechselnde Farbe der Blätter, die die Bäume schmückten. Er musste die Augen zusammenkneifen, als er schnell zu den Toren lief, da die Morgensonne noch tief am Himmel stand. Aufgrund des beginnenden Herbstes war es ein kühler Morgen. Wenn es keine Wärmezauber geben würde, würde Harry seine morgendlichen Läufe scheuen. Er hatte keine langen Hosen für sein Workout, obwohl er annahm, dass er im Fall der Fälle noch immer Jeans tragen könnte. Er hätte sich beinahe selbst einen Klaps auf den Kopf gegeben, als er begann, sich darüber Gedanken zu machen, nur um zu realisieren, dass ein Wärmezauber den Kleidungswechsel unnötig machte.
Ein Windstoß fuhr durch Harrys Haar und machte es noch unordentlicher. Es war noch immer ein wenig frisch, aber nicht unangenehm. Er überwand die Distanz zur Stadt in kurzer Zeit. Sein erster Halt war Besenknechts Sonntagsstaat. Er bemerkte, dass der Laden in den Schaufenstern vor allem Festroben anpries. Anscheinend hatten sie von dem kommenden Ball gehört und wollten an diesem Wochenende ein gutes Geschäft machen.
Harry betrat den Laden und schaute sich nach dem Eigentümer um. Das Geschäft schien jedoch leer zu sein. Er ging an mehreren Kleiderregalen vorbei und kam zu einer Abteilung voller Fußbekleidung, um genauer zu sein: Socken. In der Annahme, dass es nie zu früh für Weihnachtseinkäufe war, schaute Harry sich nach den haarsträubendsten Socken um, die er finden konnte. Er fand ein Paar ungeheuerlich orange und braun gefärbte Socken und ein Paar grellgelbe Socken mit roten Tupfen. Bevor er ging, erinnerte er sich an etwas, das Dumbledore ihm in seinem ersten Schuljahr erzählt hatte und er nahm noch ein Paar dicke Wollsocken mit.
Als er sich umdrehte, entdeckte er die Ladenbesitzerin, die aufgetaucht war, während er abgelenkt gewesen war. Harry ging entschlossen zu der älteren Hexe. Sie schaute zu ihm und lächelte: „Du bist früh dran. Kann ich dir helfen, mein Lieber?"
„Ja", antwortete Harry höflich und nickte. Er ging zu ihr: „Ich würde gerne diese Socken hier kaufen und ich habe gehofft, dass Sie mir einen Gefallen tun könnten."
„Nun, das erste sollte kein Problem sein", sagte sie freundlich. „Aber ich fürchte, dass ich erst hören möchte, was du brauchst, bevor ich irgendeinem Gefallen zustimme, Mr ...?"
„Potter", beeilte sich Harry zu sagen. „Harry Potter."
Ihre Augen wanderten wie üblich zu seiner Narbe, als bräuchte sie die Bestätigung, dass er wirklich derjenige war, der er zu sein behauptete. „Es ist eine Freude, Ihre Bekanntschaft zu machen, Mr. Potter", sagte sie schließlich etwas aufgeregt.
„Bitte, einfach Harry", bestand Harry.
„Nun gut, Harry. Was ist der Gefallen, von dem du gesprochen hast?"
„Nun, es ist so", begann er. „Ich bin mir sicher, dass Sie von dem kommenden Ball wissen." Sie nickte bestätigend. „Nun, ich habe ein Date für den Ball. Ihre Familie ist nicht die wohlhabendste und ich habe sie mit einer Freundin reden gehört und wie sie sagte, dass sie sich Sorgen macht, dass sie sich keine ordentlichen Roben leisten könnte. Es könnte mir nichts egaler sein, was für Roben sie trägt. Von mir aus könnte sie in ihren Schulroben auftauchen. Aber ich möchte nicht, dass sie sich Sorgen macht, also habe ich mir überlegt, wie ich ihr helfen kann."
„Ich glaube nicht, dass sie mich ihre Roben kaufen lassen würde", erklärte Harry. „Und ich glaube, dass allein es vorzuschlagen mich in Schwierigkeiten bringen würde. Also hatte ich gehofft, dass Sie mir helfen könnten. Irgendwann heute wird Ginny Weasley in diesen Laden kommen und nach Roben schauen. Sie sagte, dass sie nur etwa 10 Galleonen zum Ausgeben habe. Wenn sie also schließlich etwas findet, was sie mag, habe ich mich gefragt, ob Sie ihr nicht einfach sagen könnten, dass es im Angebot ist und etwa neun Galleonen dafür verlangen könnten. Ich werde natürlich die restlichen Kosten tragen."
Die ältere Frau schien über das, was er gesagt hatte, nachzudenken. Sie hielt ihre Hand ans Kinn und schaute über Harrys rechte Schulter ins nichts. Ihr Blick wanderte wieder zurück zu ihm und sie fragte: „Wie sieht sie aus?"
Harry lächelte. „Sie hat langes rotes Haar, jede Menge Sommersprossen und ist ungefähr so groß" informierte er sie und deutete mit seiner Hand etwa auf die Höhe seines Kinns. „Heißt das, dass Sie mir helfen?"
„Ich denke ich brauche eine Versicherung, nur um sicherzugehen, dass du nicht vergessen wirst, zurückzukommen und den Rest der Kosten zu zahlen", sagte sie.
„Oh, natürlich", antwortete Harry schnell. „Das ist kein Problem. Wie viel möchten Sie? Wie viel kostet Ihre teuerste Robe hier?"
Sie dachte kurz darüber nach. „Nun, unsere teuerste Robe für diesen Anlass kostet ungefähr 55 Galleonen, aber ..."
„Kein Problem", unterbrach Harry. Er holte seinen Geldbeutel hervor, sagte „50 Galleonen" und leerte den Beutelinhalt auf die Theke. „Das sollte mehr als genug sein, um die Kosten für die Roben, die sie sich aussucht, zu decken, besonders mit ihren 9 Galleonen und Sie können den Rest für Ihren Aufwand und Ihre Freundlichkeit behalten."
„Das ist wirklich nicht notwendig, Mr. Potter", meinte sie mit großen Augen.
„Der Name ist Harry", verbesserte er. „Und es ist wirklich kein Problem. Ich habe mehr Geld, als das ich wüsste, was ich damit anfangen soll und ich weiß Ihre Hilfe wirklich zu schätzen. Sie ist eine sehr gute Freundin von mir und ich würde es hassen, wenn sie sich unnötig über so etwas Sorgen machen müsste."
„Es ist mir ein Vergnügen. Nun, diese Socken gehen aufs Haus". Harry setzte gerade an etwas zu sagen, als sie eine Hand hob, um ihn vom Reden abzuhalten. „Ich will nichts hören. Zusammen wären es nicht mehr als eine Galleone und selbst wenn deine Freundin die teuersten Roben hier aussuchen würde, hast du mir zusammen mit ihren neun Galleonen mehr als genug gegeben, so dass ich mehr verdiene als ich sollte. Ich werde ein Nein nicht akzeptieren."
„Danke", sagte er ehrlich und mit einem Lächeln im Gesicht. Er war äußerst zufrieden, wie der Besuch verlaufen war.
„Es war ein Vergnügen mit dir Geschäfte zu machen", sagte sie gutgelaunt.
„Ebenfalls", erwiderte Harry über seine Schulter, schon auf dem Weg zur Tür. Er verließ das Geschäft und ging weiter in die Stadt. Sein nächster Stopp sollte der Pub „Die Drei Besen" sein. Als er den bekannten Pub betrat, war er fast überrascht, ihn beinahe leer zu sehen. Es war nicht so, dass er eine große Menschenmenge oder so erwartet hätte. Tatsächlich wusste er, dass nicht viele Leute da sein würden. Aber er war es nicht gewohnt, den Pub ohne eine Horde Schüler, die ihn füllten, zu sehen.
Er hatte kurz in den Pub hineingeschaut, als er das erste Mal in seiner Eulengestalt erkunden gewesen war, aber er hatte die Bar zu der Zeit nicht betreten und er hatte damals nur kurz hineingelugt. Nach dem ersten Mal hatte er sich von der Stadt ferngehalten, da er nicht riskieren wollte, gesehen zu werden. Er wusste nicht, ob es möglich war, zu erkennen, ob ein Tier in Wirklichkeit ein Animagus war, aber er nahm an, dass es möglich war: Jemand wie Dumbledore oder Moody wäre wahrscheinlich dazu in der Lage. Mit Hogwarts in der Nähe war es immer ein Risiko, Dumbledore in der Stadt zu treffen. Und Harry wusste nicht, wo Moody sein könnte, angesichts der Tatsache, dass er für den Orden arbeitete. Theoretisch könnte er überall sein.
Harry riss sich aus seinen Gedanken und ging zur Theke. Madame Rosmerta, die Bardame und Besitzerin der Taverne, bediente gerade einen der zwei Männer, die an der Bar saßen. Harry setzte sich auf einer der Barhocker, um zu warten. Sein Blick wanderte ziellos durch den Raum. Er brauchte nicht lange zu warten, als eine melodiöse Stimme ihn aus seiner Tagträumerei holte. „Was kann ich dir bringen, Süßer?"
Harry wandte sich um und sah Rosmerta direkt vor sich, die sich leicht über die Theke beugte. Er hatte kurz einen guten Blick auf ihre ... Attribute und erkannte, dass sie in ihrer Jugend atemberaubend schön gewesen sein musste. Zum Kuckuck, gab er vor sich selber zu, sie war noch immer wunderschön, auch wenn sie älter als seine Eltern war. Er erlaubte seine Augen nicht zu verweilen. Er blickte hoch zu ihrem runden Gesicht und schaute in ihre honigfarbenen Augen.
„Ich habe mich gefragt, ob Sie Butterbier auch in großen Mengen verkaufen", fragte Harry sie.
„Was hast du dir vorgestellt?", erwiderte sie und lehnte sich nicht länger gegen die Bar. Sie nahm ein Geschirrtuch zur Hand und begann ohne Eile ein Glas zu trocknen, während sie ihn beobachtete.
„Nun, wir haben bald ein Quidditchspiel", erklärte ihr Harry und schaute ihr die ganze Zeit in die Augen. „und es ist üblich, danach eine Party zu haben, natürlich angenommen, dass wir gewinnen." Den letzten Teil fügte er hinzu, als dachte er fast, es sei unnötig, es zu erwähnen. „Früher haben die Weasleyzwillinge- ich bin mir sicher, Sie erinnern sich an sie- „, er grinste sie an und sie lachte leise als Antwort und er fuhr fort: „die Gryffindors mit ausreichend Butterbier und einer Auswahl an Essen versorgt. Ich bin mir sicher, dass ich die Hauselfen davon überzeugen kann, uns mit Essen zu versorgen, aber ich bin ratlos, was das Butterbier angeht."
„Nun, ich könnte dazu in der Lage sein, dich mit einigen kleinen Fässern zu versorgen" begann sie und stellte das Glas zusammen mit dem Geschirrtuch auf die Bar. „Zugegeben, die Fässchen sind nicht unbedingt günstig ..."
„Ich habe genug Geld", unterbrach Harry sie.
Sie lächelte ihn warmherzig an: „Und ich nehme an, dass du versuchst, diese Aktion geheim zu halten ...?"
„Ja, woher wissen Sie das?", fragte er neugierig.
„Nun, normalerweise sehe ich hier so früh keine Schüler", erklärte sie. „Und wenn ich es tue, sind sie normalerweise nicht alleine", fügte sie schelmisch hinzu.
„Oh", errötete Harry leicht. „Ja. Ich schätze, es ist ein wenig offensichtlich."
„Nur ein wenig", neckte sie. „Ich bin mir nicht sicher, wie du sie ins Schloss bringen willst, ohne dass alle deine Freunde sie sehen. Ich kann sie dir nicht eulen, also wirst du sie selbst hochbringen müssen."
„Das ist kein Problem", wischte Harry ihre Sorge beiseite. „Ich kann die Fässchen einfach in meinen Koffer tun."
Sie zog daraufhin ihre Augenbrauen hoch. Also holte er seinen Koffer aus seiner Hosentasche hervor und entfernte nonchalant den Verkleinerungszauber. Er vergrößerte sich vor ihnen auf seine volle Größe.
„Ich habe jede Menge Platz hier drinnen und er wird niemals zu schwer."
„Das ist ein beeindruckendes Stück Holz", sagte sie anzüglich und zwinkerte Harry zu.
Harry wurde puterrot. Er hatte die nicht so versteckte Zweideutigkeit nicht überhört. „Madame Rosmerta. Wenn ich es nicht besser wüsste", kommentierte er in einer so normalen Tonlage, wie er es fertigbrachte, „könnte ich schwören, dass Sie mit mir flirten."
Sie kicherte anerkennend und ihr Lachen war fast melodisch. „Wie viele Fässer sollen es also sein, Mr. Potter?"
„Ich bin mir nicht sicher", erwiderte er ehrlich. „Wie viele glauben Sie benötige ich für den gesamten Gryffindorturm?"
Sie dachte kurz darüber nach. „Zwei könnten reichen. Aber wenn du sichergehen möchtest, solltest du drei nehmen. Selbst wenn ihr nicht alles verbraucht, bezweifele ich, dass du dich beschweren wirst, wenn du etwas Extrabutterbier über hast."
„Gutes Argument", stimmte Harry zu. „Drei sind es also."
Sie lächelte ihn an und verschwand für einen Moment im Hinterzimmer. Eine Minute später kam sie mit drei kleinen Fässern, die ihr folgten, heraus. „Normalerweise sind es 20 Galleonen für ein Fässchen, aber weil du so süß aussiehst, überlasse ich sie dir für 50 Galleonen."
„Du wirst merken, dass du mit Schmeicheleien bei mir viel erreichen kannst", erwiderte Harry kokett, überrascht von seinem eigenen Wagemut. Er holte seinen Geldbeutel hervor, sagte „60 Galleonen" und schüttete den Inhalt vor ihr aus.
„Ich glaube, ich habe 50 gesagt, Harry", schimpfte sie scherzhaft.
„Ich weiß, was Sie gesagt haben", antwortete Harry spitzbübisch. „Aber wenn Sie den Preis um zehn Galleonen senken, weil ich süß bin, ist es nur fair, dass ich ihn wegen Ihrer Schönheit um wenigstens den gleichen Betrag hebe."
„Du kleiner Charmeur", grinste sie. „Was ist mit dem schüchternen kleinen Jungen passiert, der erst vor wenigen Jahren hierhergekommen ist?"
„Er ist erwachsen geworden", zuckte Harry mit den Schultern.
„Das ist er", schnurrte sie und kicherte leicht.
Harry schaffte es, sein Erröten etwas zu kontrollieren. „Sie müssen alle Jungs verrückt machen", sagte er ihr.
„Nun, ich versuche es", sagte sie mit einem Augenzwinkern.
Harry lachte laut auf. „Ich nehme besser diese Fässer und verschwinde von hier, bevor Sie mich noch mehr korrumpieren."
„Hey", schmollte sie, nahm das Geschirrtuch in die Hand und schlug ihn damit gegen den Arm. „Ich korrumpiere dich nicht. Ich bringe dir nur bei, richtig zu flirten."
„Mein Fehler", gab Harry nach, noch immer breit grinsend. Er packte die drei kleinen Fässer in seinen Koffer, bevor er sich wieder der Matrone zuwandte. „ Es war ein Vergnügen, mit Ihnen Geschäfte zu machen", sagte Harry ihr und wiederholte damit den Satz, den er keine halbe Stunde zuvor gehört hatte.
„Das Vergnügen war ganz auf meiner Seite", erwiderte sie.
„Ich bin mir sicher, dass ich Sie später wiedersehen werde", sagte Harry ihr, schrumpfte seinen Koffer und stopfte ihn wieder in seine Hosentasche, während er zur Tür ging.
„Ich freue mich darauf", hörte er, als er den Pub verließ.
Den Kopf schüttelnd und mit einem Lächeln auf dem Gesicht ging Harry zurück in die allgemeine Richtung von Hogwarts und hoffte, seine Freunde zu treffen. Er fand Hermine, Ron und Neville, als sie in die Stadt liefen. Sie sagten ihm, dass Ginny sich mit ein paar Freundinnen aus ihrem Jahrgang traf, um nach Festroben zu schauen. Harry grinste, sagte aber nichts.
„Wo ist Luna?", fragte er dann, als er bemerkte, dass sie ebenfalls nicht Teil der Gruppe war. Die drei Freunde schauten sich für einen Moment an und schauten dann Harry betreten an. Anscheinend hatte keiner von ihnen daran gedacht, den einzigen Ravenclaw in ihrer Gruppe zu fragen, was sie während des Hogsmeade-Besuchs machen würde. Harry hoffte, dass vielleicht Ginny daran gedacht hatte, die blonde Ravenclaw zu fragen, was ihre Pläne seien. „Wir müssen uns einfach nach ihr umsehen", meinte Harry.
Die vier liefen los, um ihren Tag außerhalb des Schlosses zu genießen. Harry bekam mehrere Fragen über sein merkwürdiges Verhalten gestellt und warum er so früh in die Stadt hatte gehen wollen, aber er wich allen Fragen aus. Sie würden alles über seine Geschäfte mit den Drei Besen in angemessener Zeit herausfinden und er hoffte, dass niemand jemals über den Deal herausfinden würde, den er mit der Besitzerin von Besenknechts Sonntagsstaat ausgehandelt hatte.
Hermine bestand darauf, Schreiberlings Federladen zu besuchen, um ihren Vorrat an Federkielen und Pergament aufzustocken. Harry kaufte ebenfalls einige Extravorräte in der Annahme, dass es nicht schaden würde, ein paar Reservevorräte zu haben. Ron überstimmte Hermines nächste Wahl, den Buchladen, indem er argumentierte, dass Hermine den letzten Stopp gewählt hatte und dass es daher nur fair sei, dass jemand anderes den nächsten aussucht. Also ging das Quartett zum Honigtopf, um sich mit Süßigkeiten zu versorgen. Harry kaufte nicht viele Süßigkeiten. Er hatte sich nie wirklich zu einer Naschkatze entwickelt, da er nie wirklich mit Süßigkeiten in Berührung gekommen war, bevor er die Zaubererwelt betreten hatte.
Er kaufte eine Packung Schokoladenfrösche, aber das war alles. Er verstand die Anziehungskraft von Bertie Botts Bohnen jeder Geschmacksrichtung nicht. Mehr als die Hälfte der Bohnen waren etwas, dass Harry nie freiwillig essen würde. Zuckerfederkiele waren nicht übel. Sie bestanden aus reinem, aromatisierten Zucker, aber Harry war solch einen hohen Zuckeranteil nicht gewohnt. Es war für ihn zu reichhaltig. Er zog es vor, einfach ein wenig Schokolade da zu haben für den Fall, dass er Lust auf etwas Schokolade hatte.
Hermine erging es mehr oder weniger wie Harry. Ihre Eltern waren Zahnärzte. Es machte also Sinn, dass sie zuckerhaltige Leckereien vermied. Neville suchte sich ein paar verschiedene Leckereien heraus, übertrieb es aber nicht. Ron dagegen schien entschlossen zu sein, mit so vielen Süßigkeiten aus dem Geschäft herauszugehen, wie er sich leisten konnte, während er noch immer ein wenig Geld für einige Stinkbomben von Zonkos aufsparte. Er hatte Schokofrösche, Bohnen jeder Geschmacksrichtung, Eismäuse, Zuckerfederkiele, Lakritzzauberstäbe, Schokoladenkugeln und Pfefferkobolde gekauft. Und das waren nur die Dinge, die Harry gesehen hatte. Harry war tatsächlich ein wenig überrascht, dass Ron genug Geld für das alles hatte.
Als sie gingen, wurde Hermines Wunsch erfüllt und sie gingen zum Buchladen. Harry machte der Halt angesichts seines neuentdeckten Geschmacks fürs Lesen nicht so viel aus wie in der Vergangenheit. Er brauchte nicht einmal wirklich mehr Bücher. Er hatte noch immer einige Bücher in seiner eigenen Sammlung, die er noch nicht gelesen hatte und die Bücherei in Hogwarts hielt ein wahres Reichtum an Wissen bereit. Aber er hatte nichts dagegen, die Regale durchzustöbern, um zu sehen, ob ihm etwas ins Auge fiel. Und tatsächlich: Einige Bücher weckten sein Interesse, eins über Schutzzauber, welches er noch nie gesehen hatte, ein anderes über Heilen auf dem Schlachtfeld und noch ein anderes über Legilimentik. Harry hatte in der Vergangenheit nicht wirklich in Betracht gezogen, die Kunst zu lernen, aber er nahm an, dass es nicht Schaden konnte, zumindest über die Grundlagen zu lesen. Es könnte ihm sogar dabei helfen, Okklumentik besser zu verstehen, indem er verstand, wie Legilimentik funktionierte.
Harry holte fast seinen Koffer hervor, um ohne Nachzudenken seine Einkäufe darin zu verstauen. Er war sich nicht sicher, warum er dieses Geheimnis für sich behielt, aber er wollte seine Freunde einfach nicht über diesen Erwerb informieren. Also gab er sich zufrieden, alles wie die anderen in Taschen zu tragen. Als sie es endlich schafften, Hermine hinauszubefördern, war ihr nächster Halt Zonkos, so dass Ron sich mit Stinkbomben versorgen konnte. Harry konnte die Faszination seines Freundes mit den übel riechenden Bällen nicht verstehen, aber jedes Mal, wenn sie nach Hogsmeade gingen, kaufte Ron welche.
Niemand musste noch woanders hin und die Gruppe ging daher zu den „Drei Besen", um ein Butterbier und Mittagessen zu genießen. Die vier Freunde ließen sich an einem Tisch in der Mitte des Pubs nieder und bestellten bei Madame Rosmerta, die weiterhin besonders freundlich zu Harry war - sehr zu seinem Vergnügen. Die Gesichter seiner Freunde als sie flirteten, war unbezahlbar.
Ihr Essen war gerade serviert worden, als die Tür des Pubs aufging und den Blick auf eine strahlende Ginny, die von dem Sonnenlicht hinter ihr beschienen wurde, freigab. Sie schaute sich im Raum um, entdeckte ihren Tisch und hüpfte förmlich zu ihnen. Sie zog einen Stuhl herbei und setzte sich zwischen Harry und Neville. „Hey Leute", grüßte sie und nahm sich ein paar Pommes von Harrys noch unangetasteten Teller.
„Hey" „Hi Ginny. „Hi", grüßten drei Stimmen gleichzeitig.
„Hey Gin", fügte Harry hinzu. „Wie geht's?"
Sie wandte sich zu ihm und strahlte: „Großartig, Harry. Und dir?"
„Mir geht es ebenfalls ziemlich gut", antwortete er gutgelaunt und schaute zu, wie Ginny eine weitere Handvoll Pommes von seinem Teller stahl. „Ein bisschen hungrig, mhmm?"
„Ein wenig", gab sie reuelos zwischen zwei Bissen zu.
„Nun, ich bin froh, dass ich zu Diensten sein kann", gab Harry zurück, zog eine Augenbraue hoch und grinste.
„Gut", sagte sie. „Ich bin froh, dass es dir nichts ausmacht." Sie griff hinüber und nahm sich noch ein paar.
„Du solltest nicht nur Pommes essen", informierte Harry sie. „Du solltest etwas gehaltvolleres essen." Harry schaute über Ginnys Schulter zu Madame Rosmerta, die - wie er bemerkt hatte - ihren Austausch beobachtet hatte. Er signalisierte ihr, dass sie einen weiteren Teller bringen sollte und schob seinen eigenen vor Ginny, wissend, dass sie wahrscheinlich nicht genug Geld übrig hatte, um sich selbst eine Mahlzeit kaufen zu können.
Ginny lächelte Harry dankbar zu. Sie begann dann richtig zu essen. Harry nahm diesen Moment wahr, um sich am Tisch umzuschauen und erkannte, dass sie im Mittelpunkt des Interesses standen. Seine Freunde schauten alle amüsiert aus. Keine Minute später lehnte sich Rosmerta, eine Hand an seiner Schulter, über Harry und stellte einen neuen Teller vor ihn hin. „Bitteschön Harry", sagte sie lächelnd und drückte seine Schulter leicht.
„Danke Rosie", erwiderte Harry mit einem schiefen Lächeln. Sie zwinkerte ihm zu, bevor sie sich umdrehte und sich einem anderen Tisch voller Gäste zuwandte.
„Rosie", wiederholte Hermine ungläubig. Ron hatte einen schmerzerfüllten beinahe sehnsüchtigen Gesichtsausdruck, seine Augen unverwandt auf Rosmertas Hinterteil gerichtet. Neville sah so aus, als würde er die Show einfach nur genießen. Ginny aß weiterhin und zeigte nur ein flüchtiges Interesse an dem, was um sie herum geschah.
„Was?", fragte Harry und begann seine neue Mahlzeit zu essen.
„Was ist los mit dir?", fuhr Hermine fort. „Wenn ich es nicht besser wüsste, könnte ich schwören, dass du gerade mit ihr geflirtet hast."
„Und wenn es so wäre?", gab Harry zurück.
„Sie ist alt genug, um deine Mutter zu sein", erwiderte sie empört und wedelte mit ihren Händen vor ihrem Gesicht. „Sie ist sogar älter als deine Mutter wäre ..." Sie verstummte, als sie realisierte, was sie gesagt hatte und schlug eine Hand vor den Mund. „Es tut mir leid", entschuldigte sie sich schnell. „Ich hätte das nicht sagen sollen."
„Wahrscheinlich nicht", stimmte Neville ihr zu.
Harry zuckte nur mit den Schultern. „Ich habe nur Spaß", erklärte sich Harry halbherzig und ignorierte ihren Kommentar über seine Mutter. „Es ist nicht so, als würde einer von uns beiden es ernst nehmen."
„Aber du flirtest nicht", sagte Hermine beinahe zu sich selbst.
„Das ist nicht wahr", schaltete Ginny sich ein. Sie wandte sich zu Harry und zwinkerte. Der lachte nur über die Geste.
„Nun, ich habe dich noch nie flirten sehen", fuhr Hermine fort.
„Nun, ich habe nicht vor mit dir zu flirten", entwich es Harry unbedacht.
Hermines Gesicht nahm einen schmerzerfüllten Ausdruck an und Ron sah ein wenig entrüstet aus, als sein Blick zu Harry wanderte. „Und warum nicht?", wollte Hermine wissen.
Harry erkannte schnell seinen Fehler. „Hermine", sagte er und hielt eine Hand beschwichtigend hoch. „Du bist mehr wie eine Schwester als alles andere. "
Das war alles, was es benötigte. Ron grinste breit und wandte seine Aufmerksamkeit Hermine zu. Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich schlagartig von verletzt zu berührt. Unvergossene Tränen standen ihr in den Augen und sie wimmerte beinahe: „Oh Harry", bevor sie von ihrem Stuhl aufsprang, um ihn zu umarmen.
Nachdem er einen Moment gezögert hatte, erwiderte Harry vorsichtig die Geste, vielleicht ein wenig steif. Er musste eine Strähne von Hermines buschigen Haaren ausspucken, die es geschafft hatten, sich in seiner Überraschung über ihre Reaktion angesichts seiner Aussage ihren Weg in seinen offenen Mund zu bahnen. Er schaute über ihre Schulter zu seinen drei anderen Freunden. Rons sehnsüchtiger Gesichtsausdruck schien zurückgekehrt zu sein, doch er lächelte. Neville gab ihm die Daumen hoch zusammen mit einem Grinsen. Als er Ginnys Blick fand, zwinkerte sie ihm zu und sagte lautlos: „Nicht schlecht".
Harry antwortete daraufhin ebenfalls lautlos: „Dankeschön". Er klopfte Hermine dann einige Male auf den Rücken und löste sich vorsichtig aus der Umarmung. Sie lächelte ihn an. Ihre Augen glänzten noch immer, als sie die Umarmung löste.
Der Rest der Mahlzeit verging ohne weitere Hindernisse. Luna trat nicht viel später ein und die Gruppe hieß sie herzlich willkommen. Sie verbrachten eine gute Stunde damit, einfach nur herumzusitzen, zu reden und ihre Butterbiere zu trinken, bevor sie Anstalten machten, zu gehen. Madame Rosmerta hatte praktischerweise den zweiten Teller von der Rechnung weggelassen, aber Harry zahlte trotzdem für ihn. Er zwinkerte auf dem Weg nach draußen Madame Rosmerta zu und fragte sich, was ihre Reaktion sein würde, wenn sie den Extrabetrag, den er dagelassen hatte, bemerkte.
Sie wanderten noch eine Weile länger in der Stadt umher, gingen aber nirgendwo hinein. Schon bald machten sie sich auf den Weg zurück nach Hogwarts. Als sie dem ausgetretenen Pfad folgten, waren Hermine und Ron in einem ihrer typischen: Streitigkeiten vertieft. Harry wusste nicht einmal, um was sich dieses handelte, noch dachte er, dass es wirklich wichtig war. Luna erzählte Neville etwas über eines ihrer selbsterdachten Kreaturen. Sein Gesichtsausdruck, als er zuhörte, war urkomisch.
Harry beobachtete Nevilles Gesichtsausdruck mit nicht versteckten Vergnügen, als er einen leichten Schubs von der Seite fühlte. Er schaute hinüber und entdeckte, dass die Verursacherin niemand anderes als Ginny Weasley war. Ihre rote Haarmähne bewegte sich sanft in der Nachmittagsbrise. „Hey", sagte sie.
„Hey Gin, hattest du heute Spaß in der Stadt?", fragte er, die Antwort bereits kennend. Sie hatte ihr Vergnügen nicht wirklich versteckt. Tatsache war, dass sie - seit sie die „Drei Besen" betreten hatte - nicht aufgehört hatte zu lächeln.
„Uh huh", antwortete sie. „Du?"
„Yep. Ich hatte Spaß" erwiderte Harry. „Gute Gesellschaft" fügte er hinzu und gab ihr einen spielerischen Stoß.
„Oh, ich bin mir sicher", antwortete sie. „Obwohl ich mir sicher bin, dass du traurig bist, dass du deine wertvolle Rosie zurücklassen musstest."
„Nun, da du es erwähnst ...", machte Harry mit.
„Weißt du, wenn du sie zum Ball fragen möchtest, würde ich es dir nicht übel nehmen", neckte sie. „Ich möchte euch nicht im Weg stehen."
„Aww," lachte Harry. „das ist süß von dir, wirklich. Aber du kommst nicht so einfach davon. Ich fürchte, du wirst mich nicht los."
„Schade", schmollte sie spielerisch. Dann änderte sie abrupt das Thema. „Ich glaube, ich habe dir noch nicht wirklich für das Mittagessen gedankt."
„Mach dir darüber keine Gedanken", erwiderte Harry automatisch und wischte das Thema beiseite. „Es war nichts."
„Es war nicht nichts", bestand sie. „Es war sehr lieb von dir, vor allem, dass du mir deinen eigenen Teller ohne viel Tamtam gegeben hast. Die meisten Jungs würden versuchen, Aufmerksamkeit darauf zu lenken, um für ihre Großzügigkeit Anerkennung zu bekommen oder so, aber du tust es einfach, ohne darüber nachzudenken. Um die Wahrheit zu sagen, hatte ich nicht genug Geld, um mir ein Mittagessen leisten zu können. Ich habe bei Besenknechts Sonntagsstaat Roben gefunden, die ich mir gerade so leisten konnte und ich habe zu der Zeit nicht ans Mittagessen gedacht. Du hast mich davor bewahrt, hungrig zu bleiben, also danke."
„Gern geschehen", erwiderte Harry. „Du hast also Festroben gefunden, hmmm?" Harry war überrascht, dass er tatsächlich neugierig war, wie ihre Roben aussahen.
„Uh huh, ich mag sie wirklich gerne", sprudelte es förmlich aus ihr heraus. „Es war Glück, dass sie im Angebot waren, ansonsten hätte ich sie mir nie leisten können."
„Welche Farbe haben sie?", fragte Harry.
Sie öffnete ihren Mund, als wolle sie antworten, schloss ihn dann aber wieder und schaute ihn scharf an: „Sie werden es am Tag des Balles herausfinden, Mr. Potter. Ich würde die Überraschung nicht verderben wollen."
„Awww", schmollte Harry. „Bitte? Ich bin schließlich dein Date. Habe ich daher nicht besondere Privilegien?"
Sie zog daraufhin eine Augenbraue hoch. „Ich würde denken, dass es Privileg genug ist, mich zum Ball zu begleiten." Sie benutzte Gesten der Überheblichkeit, von denen Harry der Meinung war, dass sie für eine Prinzessin passend seien.
Er nahm ihre Hand, fiel hinunter auf ein Knie und schaute hinauf zu ihrem Gesicht. Der Anblick vor ihm überkam ihn plötzlich. Die Sonne, welche gerade unterging, schien hinter ihr und kreierte eine Heiligenscheinähnliche Aura um sie herum. Sein Atem stockte ob der Schönheit vor ihm. Seine Worte, die ursprünglich vollkommen spielerisch gedacht gewesen waren, kamen ernster, als er anfangs geplant hatte, heraus: „Vergebt mir, meine Lady. Ich habe niemals andeuten wollen, dass es anders sei. Ich bin tief geehrt, Sie zum Ball begleiten zu dürfen." Er krönte seine Vorstellung, indem er ihre Hand zu seinen Lippen führte und einen sanften Kuss auf ihren Handrücken platzierte.
Sie hielt eine Hand vor ihren Mund, als sie so tat, als würde sie in Ohnmacht fallen. Sie fing dann an zu kichern und zog Harry vom Boden hoch: „Wann bist du so süß geworden, Harry? Vor diesem Jahr konnte ich mir nicht vorstellen, dass du so schauspielern würdest."
Harry zuckte mit den Schultern und ging weiter. Er bemerkte, dass sie nun weit hinter ihren Freunden waren, aber es machte ihm nichts aus. Er ließ seinen Zauberstab aus seinem Halfter gleiten und kreierte damit eine Geräuschbarriere um sie herum, bevor er antwortete. Sie warf ihm einen fragenden Blick zu. „Schweigezauber" sagte er als Erklärung, bevor er antwortete: „Ich weiß nicht, was die Ursache ist. Ich glaube, ein Teil ist wegen meines Okklumentiktrainings. Ich habe jetzt bessere Kontrolle über meine Emotionen. Zuvor wäre ich zu peinlich berührt gewesen, um die Hälfte der Dinge zu sagen, die ich nun sage. Aber ich denke, ein großer Teil ist aufgrund meiner neuen Lebenseinstellung. Es fühlt sich gut an, etwas zu tun. Ich habe mich letztes Jahr so unruhig und schuldig gefühlt, wissend, dass ein Krieg sich zusammenbraut und ich nicht wirklich was tat. Das einzige Mal, dass dieses Gefühl verschwand, war, wenn ich die DA unterrichtete. Aber jetzt weiß ich, dass ich jeden Tag hart arbeite, um stärker zu werden, so dass ich helfen kann, wenn die Zeit kommt. Das macht den Unterschied aus. Ich fühle mich gut über mich selbst. Ich fühle mich nicht schuldig, etwas Spaß zu haben, weil ich weiß, dass ich im Moment alles tue, was ich kann."
Ginny neben ihm nickte, während sie nach vorne schaute: „Das macht Sinn." Sie wandte sich dann zu ihm: „Ich bin wirklich froh, dich so glücklich zu sehen, Harry. Ich ... nun, wir waren alle besorgt darüber, wie du mit dem Verlust von Sirius umgehen würdest." Ginny beobachtete Harry genau, als sie dies sagte. Sie bemerkte, dass er kurz auf den Boden schaute und einen beinahe unhörbaren Seufzer ausstieß. Davon abgesehen reagierte er nicht auf die Erwähnung seines toten Paten. „Ich glaube, keiner von uns hätte gedacht, dass du jemals so schnell wieder auf die Füße kommen würdest, oder so vollständig. Hast du schon mit Ron oder Hermine über deine Lebenseinstellung geredet?"
Harry musterte Ginny kurz, bevor er antwortete: „Nein, nicht wirklich. Erst einmal hat mich keiner von ihnen gefragt. Hermine scheint anzunehmen, dass ich das Thema einfach nur vollständig vermeide und hört nicht auf, zu versuchen, mich davon zu überzeugen, über meine Trauer zu reden und zu versuchen, mich dazu zu bringen, aufzuhören, meine Gefühle abzustreiten und so zu tun, als sei alles in Ordnung. Ron hat die Situation vollständig ignoriert und die Hälfte der Zeit ist er sowieso wegen dem einem oder anderen wütend auf mich."
„Ja, nun, Ron ist ein Depp. Das kann ich beschwören", gab Ginny reuevoll zu. „Und ich weiß genau, was du mit Hermine meinst. Wir hatten tatsächlich letztens darüber ein Gespräch." Harry schaute sie daraufhin scharf, beinahe anklagend, an. „Oh, schau mich nicht so an. Ich habe dich verteidigt und versucht, sie davon zu überzeugen, aufzuhören, aber sie will nicht zuhören."
Harry hatte den Anstand, zerknirscht auszusehen. „Entschuldige. Ich wollte nicht voreilig sein. Ich mag es einfach nicht, wenn die Leute über mich reden ..."
„Schon okay, Harry", unterbrach sie ihn. „Angesichts deiner Lebensumstände, ist es absolut verständlich. Die Menschen reden andauernd hinter deinem Rücken über dich, zeigen auf dich und so fort. Es ist nur natürlich, dass du etwas defensiv darüber wirst."
„Nun, danke, dass du mich verteidigt hast", sagte Harry ihr aufrichtig, „aber ich glaube wirklich nicht, dass es etwas gibt, dass Hermine überzeugen könnte. Sobald sie ihre Meinung gebildet hat, ist es fast unmöglich, sie umzustimmen. Denk nur an die Hauselfen. Sie macht für das Wohl der Hauselfen mit .R weiter und ignoriert dabei völlig deren Bitten, damit aufzuhören. Es ist nicht so, dass ich ihr nicht zustimme. Sie meint es immer gut, aber sie packt die Dinge falsch an."
„Ich weiß, was du meinst", stimmte Ginny zu. „Hast du in Betracht gezogen, es den beiden zu sagen?" Sie brauchte nicht näher erläutern, was sie meinte.
„Natürlich", antwortete Harry, als sei es das Offensichtlichste in der Welt. „Glaub es oder nicht. Ich hasse es, Geheimnisse vor euch zu haben. Aber es ist zu gefährlich, es jemanden zu erzählen. Bei Hermine ist die Wahrscheinlichkeit zu groß, dass sie alles Dumbledore oder einem anderen Erwachsenen erzählt; und Rons Temperament ist zu labil, um ihm irgendwelche Informationen anzuvertrauen. Bei ihm ist die Gefahr groß, dass er alles in einem Wutanfall herausbrüllen würde. Ich bewege mich gerade auf dünnem Eis. Sollte Dumbledore oder jemand anderes auch nur die Hälfte von dem herausfinden, was ich kann, würde es mein Leben viel schwerer machen. Ich wäre nicht in der Lage, so zu trainieren. Sie würden mich wie ein Fuchs beobachten. Der einzige Grund, warum ich im Moment nicht beobachtet werde, ist, weil sie annehmen, dass ich nicht in der Lage bin, in Hogwarts in zu viele Schwierigkeiten zu geraten und dass ich nicht in der Lage bin, die Ländereien zu verlassen.
Im Ligusterweg werde ich Tag und Nacht von Ordensmitgliedern bewacht. Jedes Mal, wenn ich das Haus verlasse, folgen sie mir. Sie machen sich nicht einmal die Mühe, mir viel Aufmerksamkeit zu schenken, wenn ich innerhalb des Hauses bin, weil sie annehmen, dass ich nicht apparieren kann. Aber sollten sie herausfinden, dass ich das alles kann, würden sie mir nonstop folgen. Ich hätte keinen Moment für mich und mein Training würde beeinträchtigt werden. Dumbledore ist entschlossen, mich im Moment im Dunkeln zu lassen. Ich glaube, dass er mir die Stelle als Assistenzprofessor nur gegeben hat, um mich zu beschwichtigen, um mich zu beschäftigen, so dass ich nicht unruhig werden würde und etwas Dummes tue."
„Wieso vertraust du mir dann?", fragte sie. Sie konnte die Tatsache nicht ignorieren, dass er kein Problem damit zu haben schien, dass sie das alles wusste, wenn er sich sogar weigerte, irgendjemand anderes - sogar seinen besten Freunden - auch nur das kleinste Detail anzuvertrauen.
„Nun, du weißt, was du weißt, weil du es über mich herausgefunden hast", erwiderte Harry ehrlich.
„Stimmt", nickte Ginny. „Aber es scheint dir nicht allzu viel auszumachen, dass ich Bescheid weiß."
„Das kommt daher, weil es mir nichts ausmacht", erwiderte Harry automatisch.
„Warum nicht?", fragte sie.
„Ich vertraue dir", erwiderte er einfach.
„Aber warum?", wollte sie wissen.
Harry zuckte hilflos mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich mir keine Sorgen machen muss. Ich weiß, dass du nie jemanden freiwillig etwas von dem, was ich dir gesagt habe, es sei ein Geheimnis, erzählen würdest. Ich weiß, dass du es nicht in einem Wutanfall verraten wirst. Ich bin tatsächlich ein bisschen froh, dass du es herausgefunden hast. Es ist schön, jemanden zum Reden zu haben, auch wenn du noch nicht alles weißt."
„Noch?", fragte Ginny kokett und ein breites Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus.
Harry lächelte sie kurz an und zuckte wieder mit den Schultern. „Ich bin nicht bereit, dir schon alles zu erzählen. Aber ich vertraue dir. Ich habe wenig Zweifel, dass du im Laufe der Zeit mehr von meinen Geheimnissen hören wirst. Und wir haben bereits unsere eigenen Geheimnisse, die wir teilen, wie zum Beispiel dein Spezialtraining."
„Danke, dass du mir vertraust", sagte sie ihm ehrlich.
„Du brauchst mir nicht zu danken. Du hast es verdient", sagte Harry ihr ernsthaft. „Danke dass du so verständnisvoll bist."
„Jederzeit, Harry, jederzeit."
OoOoOoOoOoOoOoO
Harry verbrachte den größten Teil der Nacht mit Aufsätzen, seinen eigenen und denen, die Professor Caldwell ihm zum Korrigieren gegeben hatte. Die nächste Nacht würde ein weiterer Vollmond sein, was eine weitere lange Nacht mit seinem Werwolffreund bedeutete. Harry schützte Kopfschmerzen vor und ging in dieser Nacht früh zu Bett. Er errichtete wieder den Illusionszauber. In dieser Nacht bekam er nur wenige Stunden Schlaf. Aber er hatte glücklicherweise vorausgedacht. Er hatte Aufpäppeltrank gebraut, um sich durch den Tag zu bringen.
ENDE Kapitel
vielen Dank an curylcuryl für die Review!
