Juchu,

Zeit für mein nächstes sadistisches Kapitel *muahahah*.

Aber bevor ich euch weiter quäle hier meine herzlichen DANKE an alle Reviewer:

zissy – kannst du das nochmal sagen *fies bin*, vielleicht schreibe ich ja nochwas um *muahaha*

Little Whisper – Es ist immer wieder schön zu lesen, wenn dir eine Lemon gefallen hat, grinse übrigens immer noch beim Gedanken an deinen Halleluja-Kommentar *gg*

Leni4888 – Ich verspreche gar nichts, sonst wäre es ja ziemlich langweilig weiter zu lesen, oder? Aber immerhin erfährst du jetzt, wie Draco über die ganze Sache denkt *g*

Giftschnecke – Äh, nö, ich dachte eigentlich daran, die Quälerei noch ein paar Chapter anhalten zu lassen *hihi*

Reinadoreen – Tja, naja, auch Harry lässt sich halt mal zu Dingen hinreißen, die hinterher nicht so wirklich toll waren. Macht doch jeder mal, oder?

Nora – Danke, schön, dass die Story dich überzeugen könnte *freu*

skateZ – Endlich mal jemand, dem die Lemon gefallen hat *lach*

FaithlessGirl – Keine Sorge, Charlie ist ganz lieb.

Ihr seid die Besten und ich bin immer wieder begeistert, wie toll die Reviews sind und wie viele Gedanken ihr euch um die Story macht *verbeug*.

Little Whisper – Danke für die vielen hilfreichen Hinweise und Verbesserungen *knuddel*.

Alle meine Schwarzleser – es ist toll, dass diese Story auf so vielen Favoritenlisten steht. Traut euch ruhig mir mal eure Meinung zu schreiben, bin gespannt.

Dann wollen wir uns mal wieder in Dracos Gedankenwelt versetzen.

Viel Spaß und bis nächste Woche

Eure Cassie

Part III

Chapter I - Nachtgedanken

Closed off from love
I didn't need the pain
Once or twice was enough
And it was all in vain
Time starts to pass

(Bleeding Love - Leona Lewis)

Draco

„Nicht schon wieder!" Ich machte mir keine Mühe meine Gereiztheit irgendwie verbergen zu wollen. Roger stand als personifizierter Racheengel in meinem Wohnzimmer und funkelte mich mit einer Mischung aus Ärger und Trauer an. Schon wieder. Ich hatte in den vergangenen Monaten aufgegeben mitzuzählen, wie viele Auseinandersetzungen wir nun schon wegen jenem einen - beschissenen - Abend in Rogers Stammdisco gehabt hatten. Und dabei war es nicht einmal meine Idee gewesen hinzugehen. Mal ganz abgesehen davon, dass das Ganze nun schon gut ein halbes Jahr her war!

„Doch, Draco! Du wirst mir zuhören, was ich zu sagen habe!", verlangte Roger und verzog das Gesicht. Wenn er damit irgendwie versuchte furchteinflößend auszusehen, versagte er ziemlich kläglich. Das Schlimmste war, dass er aussah, als würde er jeden Moment in Tränen ausbrechen. Aus einem mir nicht erklärbaren Grund machte es mich unendlich wütend ihn so zu sehen.

„Nein!", presste ich unter Aufbietung all meiner Selbstbeherrschung hervor und biss meine Zähne so fest zusammen, dass mein Kiefer anfing zu schmerzen. Merlin, wie sehr bereute ich es an jenem Abend Rogers Gebettel nachgegeben zu haben, um ihn in dieses fragwürdige Etablissement zu begleiten. Phunx, allein der Name war schon eine Beleidigung meines Intellekts.

Ich hatte mich zuerst sogar noch standhaft geweigert tatsächlich mitzugehen, auch - was ich leider zugeben musste - wenn mir der Laden in meinem leicht angetrunkenen Zustand irgendwie ganz nett erschienen war. Ziemlich nett sogar, besonders als Roger vorschlug, wir sollten - ganz unorthodox gesagt - eine Nummer in den Katakomben schieben.

Natürlich hatte ich nicht nein gesagt, warum auch? Roger war nun sogar offiziell der Mann an meiner Seite und gegen ein bisschen Thrill hatte ich nichts einzuwenden. Ich konnte wohl kaum voraussehen, dass ich mehr Thrill bekommen würde, als ich jemals haben wollte. Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, dass Er… dass Harry… auch da sein würde… ich…

Ich spürte, wie sich zu meiner Wut auf Roger nun auch noch Wut auf mich gesellte. Wem wollte ich etwas vormachen, wenn ich gewusst hätte, dass Harry dort war, wäre ich auf jeden Fall mitgegangen. Ich hasste mich für diese erbärmliche Schwäche.

Roger unterbrach glücklicherweise meine Gedanken, denn ich wollte wirklich nicht schon wieder an IHN denken müssen. Leider waren Rogers Worte ebenfalls wenig erfreulich: „Leugne es nicht auch noch!" Er klang wütend. Und vorwurfsvoll. Eine Mischung, die ich in den vergangenen Monaten hassen gelernt hatte.

„Ich leugne überhaupt nichts, verdammt noch mal!" Ich wurde laut. Kein gutes Zeichen.

„Er war da! Soviel Zufall kann es nicht geben, Draco! Ich hab ihn vorher noch nie im Phunx gesehen und ausgerechnet an dem Abend, an dem du dich mal erbarmst mit mir hinzugehen ist ER da! Für wie bescheuert hältst du mich eigentlich?", blaffte mir Roger entgegen und verschränkte die Arme vor der Brust wie ein trotziger Dreijähriger. Ein über zwei Meter großer, trotziger Dreijähriger, den ich in nicht allzu ferner Zukunft ins fensterlose Nirvana hexen würde.

Mit dem letzten Rest meiner Selbstbeherrschung kämpfte ich den aussichtslosen Kampf mein Temperament unter Kontrolle zu halten. Dieser Kerl machte mich wahnsinnig! Im absolut wortwörtlichsten Sinne!

„Ich werde diese bescheuerte Diskussion nicht schon wieder führen, Roger! Ich habe dir schon ungefähr 20000 mal gesagt, was ich zu sagen habe und es reicht! ES REICHT!" Soviel zu dem mageren Versuch doch noch einen zivilisierten Tonfall beizubehalten. Ich atmete durch und versuchte krampfhaft meinen Puls durch pure Willenskraft unter die 200-Marke zu zwingen.

„Wenn du es mir schon so oft gesagt hast, wieso glaube ich dir dann nicht?", fragte Roger zurück und ich war mir sicher, dass er im nächsten Augenblick anfangen würde zu heulen. Was ich ganz sicher nicht würde ertragen können.

„Weißt du was? Es ist mir egal! Ich habe dir gesagt, was in jener Nacht passiert ist… ich war betrunken und ich habe mich entschuldigt. Wenn dir das immer noch nicht reicht, dann ist es dein Problem!", antwortete ich mit einer Kälte in der Stimme, die selbst mich erschreckte.

Ich stapfte wütend an ihm vorbei und rauschte in die Diele, griff nach meinem Umhang. Roger folgte mir und beobachtete mich mit einer Mischung aus Trotz, verletzter Eitelkeit und dieser nervtötenden Weinerlichkeit, mit der er mich seit drei Wochen nervte.

„Wo willst du hin?"

„Ins Hospital. Wie es aussieht bekomme ich meinen ruhigen Feierabend hier ja sowieso nicht. Da kann ich genauso gut noch arbeiten.", gab ich zur Antwort und schlüpfte in meinen Umhang.

„Nein, du willst zu IHM, ich weiß es!"

Diese Erwiderung war einfach zuviel. Ich war sicher, dass das sanfte Klicken in meinem Kopf irgendeine Sicherung war, die sich soeben verabschiedet hatte.

„Genau, Roger, genau.", verspottete ich ihn, trieb das ganze noch auf den Gipfel, in dem ich so nah an ihn herantrat, dass ich den Kopf in den Nacken legen musste um ihm in die tränenumflorten Augen zu sehen. „Und weißt du auch warum? Weil ER sich nicht ständig an meinen Umhangzipfel klammert und rumheult wie ein Weib, wenn ich mal keine Zeit für ihn habe!"

Damit ließ ich einen geschockten Roger stehen und disapparierte.

Mein Büro wirkte ungewohnt friedlich zu der späten Stunde, auch wenn ich die angenehme Stille kaum genießen konnte. Sobald das letzte Ziehen des Apparationszuges nachgelassen hatte, zog ich mir den Umhang von den Schultern und schmiss ihn achtlos über einen meiner Besucherstühle.

Ich rieb mir mit beiden Händen durch das Gesicht und war urplötzlich todmüde. Matt schlurfte ich zu meinem Ledersessel und ließ mich hineinfallen. Ich blickte aus dem großen Panoramafenster in den sternenbeschienenen kleinen Park des Hospitals ohne wirklich etwas zu sehen. Allmählich ließ das wütende Brodeln meines Blutes nach. Der säuerliche Nachgeschmack jedoch blieb.

Ich hatte nicht schon wieder mit Roger streiten wollen. Genau genommen konnte ich seine Eifersucht bis zu einem gewissen Grade ja noch verstehen. Immerhin wusste Roger, dass ich ihn in jener Nacht mit … Harry… betrogen hatte. Was ich auch nicht hätte leugnen können, selbst, wenn ich es ernsthaft versucht hätte. Denn, was ich damals - in meiner Mischung aus abklingender Erregung und Alkohol - nicht registriert hatte war, dass Roger nicht schlief, als ich aus dem Badezimmer zurück in mein Schlafzimmer apparierte. Nackt. Und mit noch immer halbsteifem Penis.

Der Gedanke an diesen peinlichen Moment ließ mich das Gesicht verziehen.

Nach einem anstrengenden Tag und diesem unseligen Streit mit Roger, hatte ich nicht mehr die Kraft, die Erinnerung an jene Nacht mit Harry zu verdrängen. Ergeben ließ ich meinen Kopf an die Lehne des Sessels sinken. Es war so anders mit Harry… anders, als es jemals mit Roger sein würde, dass hatte mir diese Nacht unmissverständlich klargemacht. Dennoch hasste ich mich dafür, dass ich ihm nicht hatte widerstehen können. Ich schämte mich dafür, Roger betrogen zu haben und am allermeisten schämte ich mich dafür, dass ich mich selbst betrogen hatte. Warum schaffte ich es Harry gegenüber einfach nicht mir einen letzten Rest Würde zu erhalten?

Harry war am Morgen verschwunden und zurück blieb wieder einmal ich. Ich erinnerte mich noch genau an Blaises bedauerndes Gesicht. Natürlich hatte Blaise genau gewusst, was vorgefallen war. Nicht nur, dass Harry ihm halbnackt aus dem Bad entgegengekommen war, nein, Blaise hatte Harrys T-Shirt zwischen Badewanne und Schrank gefunden und selbstverständlich die richtigen Schlüsse gezogen.

Glücklicherweise kannte Blaise mich gut genug um mich nicht zu drängen. Er wusste, früher oder später würde ich mit eingezogenem Schwanz bei ihm auftauchen und mich ausheulen. Womit er zweifellos recht hatte, so ungern ich das auch zugab.

Während Blaise mir zu verstehen gab, dass er für mich da sein würde, wenn ich es wollte, ging Roger mir wochenlang aus dem Weg. Was ich ihm kaum übel nehmen konnte. Und eigentlich wollte ich ihn auch gar nicht sehen, und so hatte ich nicht einmal versucht ihn während dieser Zeit umzustimmen.

Denn ich war - peinlicherweise - kaum mehr als ein nervliches Wrack. Es machte mich fertig, dass Harry mich - wieder einmal - sitzen gelassen hatte. Sicherlich erfuhr ich im Nachhinein, dass Harrys Sohn in jener Nacht geboren worden war, dennoch blieb eine Tatsache unüberbrückbar. Er war gegangen und nicht wiedergekommen. Es war, als bräche ein Deja vu unermesslichen Ausmaßes über mich herein.

Alles in allem stand ich nach jener Nacht vor einem schier unüberwindbaren Scherbenhaufen, den Harrys Auftauchen hinterlassen hatte. Leider war mir der Katzenjammer nach dem Zusammensein mit Harry nur allzu vertraut, selbst wenn es diesmal noch schlimmer schien als nach jener Nacht im Trophäenzimmer. Blaise überraschte mich damit, dass er solange die Füße still hielt und mein Schweigen akzeptierte. Er versuchte erst gar nicht mich aufzumuntern oder abzulenken. Nein, er kam lediglich öfter in mein Loft geschneit als sonst, meist mit einem Berg fettigem Essen, was weder meiner Figur, noch meinem Magen gut tat. Allerdings trug es tatsächlich dazu bei, dass ich mich wenigstens für kurze Zeit geringfügig besser fühlte.

Nicht ein einziger seiner gewohnheitsmäßigen dummen Sprüche kam über Blaises Lippen. Das Einzige, was er über Harry zu mir sagte war, dass er ihm ganz langsam das Herz herausreißen würde, sollte er jemals das Pech haben ihm über den Weg zu laufen. Erschreckenderweise brach diese Drohung so spontan und mit ehrlicher Wut aus ihm heraus, dass ich keine Zweifel daran hatte, dass er sich zumindest einer schweren Körperverletzung schuldig machen würde, sollte Harry ihm tatsächlich irgendwo begegnen.

Nun, Harry lief - sehr zu seinem Glück - weder Blaise, noch mir über den Weg. Statt dessen schrieb er. ER SCHRIEB! Wie gesagt, ich hatte das Gefühl, dass dieses Deja vu einfach nicht enden wollte.

Obgleich ich es vielleicht hätte besser wissen sollen, las ich seine Briefe nicht. Ich nahm sie nicht einmal an, denn ich konnte es ihm einfach nicht verzeihen, dass er ohne ein Wort gegangen war. Dass er so mit mir spielen konnte, dass ich es zuließ, dass er mir - schon wieder - wehtat.

Dora leistete ganze Arbeit, denn sie kämpfte mit den Eulen, die nicht verschwinden wollten, weil Harry sie beauftragt hatte nicht ohne eine Antwort zurückzukommen. Er rief sogar im Hospital an. Dora wimmelte ihn ab - bis auf ein einziges Mal, als sie ihn lang genug in der Leitung hielt um zu erfahren, dass es Ginny und dem Kind gut ging.

Obgleich ich nie wirklich etwas zu ihr gesagt hatte, schien sie zu wissen was in mir vorging. Mehr als einmal sah ich unterdrückten Zorn in ihren dunklen Augen, wenn eine weitere Eule Harrys uns auf den Nerven herumtrampelte.

Ich seufzte und schloss die Augen. Nur für einen Moment.

Warum hatte ich es auch zugelassen, dass Harry ein weiteres Mal in mein Leben hereinbrach? Warum hatte ich ihn nicht weggeschickt, als ich noch die Gelegenheit dazu hatte? Ich wusste doch ganz genau, dass ich am Ende wieder auf der Strecke bleiben würde. Nicht Harry.

Wenn ich ehrlich zu mir selbst war, dann wollte ich es. Ich wusste, dass er mich verletzten würde und ich wollte es. Ich wollte ihn. Ihn und die Schmerzen, die er mir zweifellos immer bescheren würde. Denn so erbärmlich es auch klingen mochte, es waren ausgerechnet diese flüchtigen Treffen mit Harry, an denen ich mich lebendig fühlte. Lebendig und unbesiegbar. Diese Erinnerung konnte mir auch der Schmerz nicht mehr nehmen.

Nur der bleiernen Müdigkeit in meinen Knochen war es zu verdanken, dass ich meine Stirn nicht auf die Tischplatte meines Schreibtisches knallte. Ich war ein verdammter Masochist! Wie peinlich!

In den Wochen nach jener verhängnisvollen Nacht in meinem Loft ging ich durch die Hölle meiner persönlichen Gefühlsqualen und wieder zurück. An geregelten Schlaf war nicht zu denken und abgesehen von Blaises gelegentlichen Fast-Food-Attacken aß ich sowieso kaum. Merkwürdigerweise reichte schon der Anblick von Essen, um mir meine Gefühlsmisere wieder vor Augen zu führen und ich bekam augenblicklich keinen einzigen Bissen mehr hinunter.

Dora machte sich zunehmend Sorgen um mich, denn statt des üblichen Kaffees fand ich immer öfter einen wesentlich magenschonenderen Tee in meiner Tasse. Ich protestierte nicht einmal, was Dora wahrscheinlich erst recht verriet, wie beschissen ich mich wirklich fühlte. Unter normalen Umständen war ich nicht der Typus Mensch, der sich mit Freude in Selbstmitleid suhlt - von meinen neu entdeckten masochistischen Vorlieben einmal abgesehen - doch in diesem Falle konnte ich mich einfach nicht davon abhalten. Ich hing albernen Tagträumen darüber nach, was wäre, wenn Harry nicht der wäre, der er nun einmal war. Wenn Harry einfach ein bisschen mehr von Roger hätte… Irgendwann musste ich mir eingestehen, dass ich Harry nicht so vergöttern würde, wenn er auch nur einen Deut mehr wie Roger wäre.

Ich vergrub mich in meiner Arbeit und hatte den Trank für die Inferi innerhalb einer rekordverdächtigen Spanne von sämtlichen Nebenwirkungen - wie das mumifizieren der Leichen, so dass die gewünschte Verwesung noch immer nicht einsetzte - eliminiert. Wieder einmal wurde die Fachpresse auf mich aufmerksam und überschüttete mich mit Auszeichnungen und Lobeshymnen. Nicht einmal das konnte ich wirklich genießen.

Schließlich war es Dora, die mir in meinem Büro - in welchem sie mich mit dem Gesicht auf der Schreibtischplatte fand, wo ich über meinen Akten eingeschlafen war - die Moralpredigt des Jahrtausends hielt. Selbst meine Mutter hatte sich niemals getraut so mit mir zu reden. Jedenfalls nicht derart deutlich! Dora fragte mich rundheraus, wie lange ich dem Arsch des schwarzhaarigen Kerls noch nachtrauern wollte, denn so toll wäre der nun auch wieder nicht. Ich fragte mich manchmal, ob Dora tatsächlich nicht wusste, dass der schwarzhaarige Kerl Harry Potter, der Retter der Welt war, oder ob sie ihm absichtlich diesen verallgemeinernden Spitznamen gab um zu verdeutlichen, was sie von ihm hielt. Eine Antwort bekam ich nie auf diese Frage, stattdessen fügte Dora noch an, dass ich mir mal Gedanken darüber machen sollte, ob ich wirklich schwul war oder nur auf einen einzigen Kerl stand.

Gut, meine sexuellen Vorlieben standen nicht wirklich zur Debatte, doch Doras flammende Strafpredigt machte mich absolut sprachlos.

Dora dagegen war noch lange nicht fertig! Sie hielt mir vor, dass sie nicht erwartet hätte, dass ich so ein Jammerlappen sei. Wenn ich Harry wollte, dann sollte ich gefälligst die Arschbacken zusammenkneifen und ihn mir holen. Ich versuchte einen schwachen Widerspruch dahingehen, dass Harry ja eine Familie hatte. Dora wischte den Einwand mit einer ärgerlichen Geste ihrer Hand beiseite und sagte rigoros, dass ich ihn mir dann gefälligst aus dem Kopf schlagen sollte. Sie bot mir netterweise sogar an, das selbst zu übernehmen, wenn ich mich weiterhin in meinem Liebeskummer suhlen würde. Gut, sicherlich glaubte ich nicht wirklich, dass sie mich über das Knie legen und mir den Hintern versohlen würde… andererseits hatte sie ein verdächtig ernstes Glimmen in den Augen. Jedenfalls verstand ich in diesem Augenblick wie Dora es nach dem Tod ihres Mannes geschafft hatte ihre fünf Söhne allein großzuziehen, ohne dass einer von ihnen je auch nur in Versuchung geraten war irgendwie auf die schiefe Bahn zu kommen. Sie war wirklich furchteinflößend in ihrer heiligen Wut!

Nach einer weiteren schlaflosen Nacht - die ich sicherheitshalber in meiner Wohnung verbrachte um Dora nicht schon wieder am frühen Morgen begegnen zu müssen - fasste ich einen Entschluss. Dora hatte Recht. Blaise hatte Recht. Ich durfte nicht zulassen, dass Harry mein Leben mit seinem sporadischen Auftauchen über den Haufen warf, denn immerhin hatte ich jahrelang dafür geschuftet um genau dort zu sein, wo ich war. An der Spitze der magischen Heilerschaft mit Jobangeboten rund um den Globus, von den unzähligen Forschungsangeboten ganz zu schweigen. Der Heiltrank für Harrys Sohn und im Anschluss der Heiltrank für die Inferi machten mich zu einer nicht mehr wegzudenkenden Größe in der magischen Medizin. So gesehen hatte ich alles - und mehr - erreicht, was ich mir jemals zu träumen gewagt hatte.

Blieb nur noch die Misere mit meinem Privatleben.

Ich nahm Doras Rat ernst und musste mir eingestehen, dass ich Harry nun einmal nicht würde bekommen können. Es war einfach zuviel, was uns trennte und ich wusste, er war nicht bereit seinen Ruf, seine Familie oder seine Freunde zu riskieren nur um mit mir zusammen zu sein. Schlussendlich bat ich Roger um ein Treffen. Er wollte zuerst nicht, das war mir klar, als meine Nachrichten ungelesen wieder in meinem Kamin landeten. Es dauerte eine geschlagene Woche, bevor Roger schließlich einwilligte, sich mit mir zu treffen.

Wir gingen in ein mexikanisches Restaurant ein wenig außerhalb von London und damit weitab von möglichen Reportern diverser Tageszeitungen, die mir seit geraumer Zeit nicht mehr vom Umhangzipfel wichen.

Es war merkwürdig Roger nach den vergangenen Wochen wieder zu sehen und ich konnte nicht verhehlen, dass sein Lächeln ein leicht nervöses Kribbeln in meiner Magengegend auslöste. Erst als unsere stockende Unterhaltung langsam in Gang kam, fiel mir auf, dass ich ihn tatsächlich vermisst hatte. Es wurde ein angenehmer Abend, zumindest bis zu dem Moment, als wir auf Harry zu sprechen kamen. Natürlich wusste ich, dass ich Roger würde erklären müssen, was vorgefallen war, wenn ich wollte, dass er zu mir zurückkam.

Also war ich ehrlich zu ihm. Schonungslos. Ich erzählte ihm von jener Nacht im Trophäenzimmer, meinen unerwiderten Gefühlen hinterher, welche ich Harry ja nie gestanden hatte. Und von jener Nacht in meinem Loft. Ich gab zu, ihn mit Harry betrogen zu haben und dass ich es in diesem Moment nicht einmal wirklich bereut hatte. Roger sah mich lange an und stellte dann eine Frage, die mich bis ins Mark erschütterte. „Er wird immer zwischen uns stehen, das ist dir doch klar, oder, Draco?"

Ich wusste zuerst überhaupt nicht, was er damit sagen wollte und schaute ihn nur verwirrt an. Ein melancholisches Lächeln zupfte an Rogers Mundwinkeln, bevor er deutlicher wurde. „Du liebst ihn.", sagte er schlicht und zog mir den Boden unter den Füßen weg.

Selbstverständlich stritt ich diese Feststellung ab, obwohl eine kleine höhnische Stimme in meinem Hinterkopf mich allein für den Versuch der Leugnung der Tatsachen auslachte. Nichts desto trotz versicherte ich Roger, dass dem nicht so sei. Die Nummer in meinem Badezimmer war letztlich nur geschehen, weil ich zuviel getrunken hatte. Noch dazu Absinth, von dem ich mit zunehmendem Alter scheinbar immer weniger vertrug. Roger erwiderte nichts darauf, doch sein Blick sagte mehr als jedes Wort irgendeiner Sprache dieser Welt auszudrücken vermocht hätte.

Seine Miene war freundlich neutral, doch der Ernst in seiner Stimme war unüberhörbar. Und noch etwas war es. Resignation. Roger wusste, dass ich mich niemals für ihn entscheiden würde, wenn es um Harry ging. Er wusste es und er schien versucht sich mit dieser Tatsache arrangieren zu wollen. „Was hat sich geändert? Warum sollte ich dir verzeihen, Draco, wenn ich weiß, dass du mich für ihn immer wieder verlassen würdest?"

Das war tatsächlich eine gute Frage, auf die mir in den ersten Momenten eine passende Erwiderung fehlte. Ja, was hatte sich denn geändert? Meine Gefühle? Wohl kaum, immerhin hatte ich es geschafft mir jahrelang einzureden, dass Harry mir egal war. Und dann brauchte es nur ein einziges Wiedersehen mit ihm um mich praktisch aus den Designerslippern zu hauen.

„Ich möchte, dass du bei mir einziehst.", sagte ich und ich wusste nicht, wer von uns beiden überraschter war.

Roger fiel beinahe die Gabel aus der Hand und er starrte mich sekundenlang in vollkommener Fassungslosigkeit an. Ich dagegen fand, dass ich meinem Weißbrot bislang viel zu wenig Beachtung geschenkt hatte, was ich sofort nachzuholen gedachte. Krümel für Krümel zerlegte ich es mit chirurgischer Präzision. Gleichzeitig ging ich mental die Checkliste geistiger Erkrankungen durch, denn mein Geisteszustand verselbständige sich in besorgniserregendem Maße! Warum um alles in der Welt wollte ich, dass Roger bei mir einzog???

„Ist… ist das dein Ernst?", fragte Roger schließlich nach einer halben Ewigkeit.

„Nein!", brüllte mein Herz und „Ja.", antwortete ich, wobei meine Stimme fester klang, als ich mich wirklich fühlte.

Wollte ich Roger tatsächlich in jeder freien Minute um mich haben? Doras eindringliche Worte kamen mir in den Sinn. „Doc, entscheiden sie sich endlich! Und wenn sie sich entschieden haben, ziehen sie es durch! Manchmal muss man sich im Leben eben mit dem zufrieden geben, was man bekommt."

Ich atmete tief durch und hob den Blick um Roger endlich anzusehen. Seine Miene drückte soviel ehrliche Hoffnung aus, dass ich lächeln musste. „Ja.", wiederholte ich erneut und diesmal glaubte ich es beinahe selbst.

Zugegeben, vielleicht war meine Motivation für diese Versöhnung nicht ganz ehrlich, dennoch hatte ich mich schlussendlich entschieden, denn natürlich wusste ich, dass ich Harry niemals würde halten können. Er gestand mir ja nicht einmal einen Versuch zu und Roger… nun ja, Roger war eben das, was ich bekommen konnte und mit Sicherheit keine schlechte Partie. Ich hatte mich entschieden und ich hatte vor, zu meinem Wort zu stehen.

Tatsächlich kehrte in den folgenden Wochen so etwas wie Ruhe in mein Leben zurück, von dem Tumult, den Rogers Einzug in meiner Umwelt auslöste einmal abgesehen. Die Presse überschlug sich einige Wochen lang mit meinem angeblich überraschenden Coming out, doch da sich niemand aus meiner engeren Umgebung dazu erbarmen konnte wenigstens den Anschein von Schockiertheit zu zeigen, legten sich die Pressemitteilungen über meine sexuellen Vorlieben schnell wieder. Die armen Reporter konnten ja nicht wissen, dass ich nie einen Hehl aus meiner Homosexualität gemacht hatte, auch wenn ich es nicht jedem auf die Nase gebunden hatte.

Blaise kommentierte Rogers Einzug mit einem schiefen Grinsen und der Einladung an Roger an unseren Männerabenden teilzunehmen. Was hätte ich auch von meinem besten Freund anderes erwartet?

Dora schien überrascht aber doch erleichtert, dass ich ihrem Rat gefolgt war.

Tja, so war der Stand der Dinge. Ich nahm Roger zu meinen offiziellen Verpflichtungen mit und schon bald störte sich niemand mehr daran, wenn ein Bild von uns in der Presse erschien. Roger amüsierte sich darüber, dass er an meiner Seite nun auch in den einschlägigen Fachzeitschriften erschien und die halbe Zaubererwelt ihn kannte. Seiner Karriere tat diese Tatsache keinen Abbruch, im Gegenteil, er war erfolgreicher denn je.

Alles in allem konnte man also mit Fug und Recht behaupten, dass wir eine gute Zeit hinter uns hatten. Ich musste mir sogar eingestehen, dass ich mich überraschend schnell an Rogers Gegenwart in meinem Loft gewöhnt hatte. An sich war es sogar recht angenehm nach getaner Arbeit nicht in eine leere Wohnung zurückkehren zu müssen, auch wenn mir Rogers Vorliebe für kitschigen Kleinkram manchmal auf die Nerven ging.

Bis zu jenem Abend im Phunx glaubte ich tatsächlich daran, dass auch mein Privatleben nun endlich in geregelten Bahnen lief.

Ja.

Und dann kam Roger auf die geniale Idee, dass ich ihn in seine Stammdisco begleiten sollte, immerhin ging er mit mir auch auf die meist sterbenslangweiligen Vorträge der magischen Heilerschaft. So gesehen konnte ich ihm die Bitte also gar nicht abschlagen, auch wenn ich es redlich versuchte.

Meine Gedanken überschlugen sich fast, als ich daran dachte, wie ich Harry ausgerechnet im Phunx begegnen musste. Mit einem Weasley! Vielleicht war es das, was mich wirklich fertig machte. Harry… mit einem Weasley! Es waren praktisch zwei Tatsachen, die ich auf einmal zu verdauen hatte. Erstens. Harry zeigte sich in aller Öffentlichkeit mit einem Kerl… gut, Dora hatte den ein oder anderen spitzen Kommentar fallengelassen, dem ich entnehmen konnte, dass Harrys Ehe selbst durch die Sitzungen bei einer Koryphäe wie Melinda Jenkins nicht mehr zu retten gewesen war. Aber, dass er gleich soweit ging und nun doch noch offen seine Vorliebe für das männliche Geschlecht präsentierte?

Es kratzte nicht nur an meinem Ego, dass er sich mit einem Weasley so ungeniert in aller Öffentlichkeit vergnügte. Nein, der Schmerz saß tiefer als mir lieb war, denn ich begann mich zu fragen, was um alles in der Welt dieser rothaarige Kerl hatte, was ich Harry nicht bieten könnte. Wieso war nicht ich es, mit dem Harry sich zeigte?

Mit dem letzten Bisschen, was ich an Kraft aufbringen konnte, hielt ich mich erneut davon ab, meinen Kopf auf die Platte meines Schreibtisches zu schlagen. Super. Es war Monate her, seit ich zuletzt auch nur ein einziges Wort mit Harry gewechselt hatte und nun saß ich hier in meinem dunklen Büro und gestand mir ein, dass ich eifersüchtig auf Ron Weasleys älteren Bruder war? Zumal es nicht mehr als eine Affäre gewesen sein konnte, denn keines der Klatschblätter hatte jemals Wind davon bekommen und auf allen Fotos, die ich von Harry in der Presse gesehen hatte war er allein. Oder mit Hermine Granger, nein Weasley, oh man, noch ein Weasley!

Dafür, dass ich doch angeblich meine Entscheidung für Roger getroffen hatte, fühlte ich mich ziemlich erbärmlich. Ich dachte an den Ausdruck von Überraschung, als Harry mich im Phunx erkannte. Und an das fürchterliche Gefühl in meiner Brust, welches mir den Atem nahm.

Im ersten Moment war ich wie versteinert, was Roger wohl bemerkte, doch er sah Harry erst, als wir beide schon wieder angezogen waren.

Und natürlich verstand Roger sofort. Er brauchte nur einen einzigen Blick in mein Gesicht zu werfen und wusste, dass nicht er es war, den ich dort gefickt hatte. Nein, es war Harry. Die ganze Zeit über hatte ich Harry angesehen und mir gewünscht, dass er es sei, der vor mir auf den Knien lag und in dessen Mund ich stieß.

Seither bereute ich praktisch jede einzelne Sekunde, die vergangen war. Warum war ich nicht sofort verschwunden, als Harry auftauchte? Warum hatte ich mich mit Roger nicht wenigstens in eine andere Nische verzogen? Warum um Merlins Willen war Harry überhaupt dort?

Licht flammte in meinem Büro auf und ließ mich so erschrocken zusammenfahren, dass ich Mühe hatte nicht von meinem Stuhl zu fallen.

„Doc?" Dora stand nicht weniger erschrocken vor mir, die Hand mit dem Zauberstab noch immer auf meine Deckenlampe gerichtet.

„Dora… wollen sie mich umbringen?", brachte ich atemlos hervor und richtete mich zu einer ordentlichen Sitzposition auf.

Ihr gutmütiges Gesicht verdüsterte sich mit jedem Augenblick, den sie mich ansah. „Nein, das übernehmen sie schon selbst. Was tun sie denn schon wieder hier?"

„Kriege ich einen Kaffee?", überging ich ihre Frage und schielte auf meinen Schreibtisch. Leider war ich nicht dazu gekommen auch nur eine Akte aufzuschlagen und so musste ich einsehen, dass ich Dora nicht vormachen konnte, dass ich gearbeitet hatte.

„Sicher." Sie klang frustriert und drehte sich ohne ein weiteres Wort um.

Ich rieb mir die Stirn. War es wirklich schon Morgen? Ein Blick auf die Wanduhr sagte mir, dass es tatsächlich schon nach 7.00 Uhr war. Phantastisch. Eine weitere schlaflose Nacht, in der ich es nicht geschafft hatte Harry aus meinen Gedanken zu verdrängen. Phantastisch! Ganz phantastisch! Mir kam der Gedanke, dass ich als nächstes einen Trank gegen Besessenheit entwickeln sollte, ein besseres Versuchskaninchen als mich würde ich sowieso nirgends finden. Das sarkastische Lächeln auf meinen Lippen fiel verzerrt aus.

Dora kam mit einer dampfenden Tasse zurück, welche ich ihr dankbar abnahm. Offensichtlich hatte der morgendliche Kaffee jedoch seinen Preis. „Was ist nun wieder passiert?", fragte Dora und machte nicht den Eindruck, dass sie sich mit einer lapidaren Ausrede wie unerklärlicher Schlaflosigkeit abfinden würde und für greisenhafte Bettflucht war ich ungefähr 30 Jahre zu jung.

Ergeben beschloss ich ehrlich zu sein. „Ich hatte Streit mit Roger." Immerhin, es war die Wahrheit, den Grund brauchte ich ihr nun wirklich nicht…

„Haben sie sich den Schwarzhaarigen noch immer nicht aus dem Kopf geschlagen, Doc? Seien sie froh, dass sie nicht mein Sohn sind, sonst würde ich sie auf der Stelle übers Knie legen und ihnen so ordentlich den Hosenboden versohlen, dass sie nie wieder auch nur einen Gedanken an den Kerl verschwenden."

Nun ja, die Frau kannte mich eindeutig zu gut! Mein verkniffener Gesichtsausdruck war wohl Antwort genug, denn plötzlich spürte ich ihre warme Hand auf der Wange. „Ich wünschte wirklich, ich könnte ihnen sagen, dass der Schmerz mit der Zeit leichter wird. Aber… wie es scheint ist dies nicht der Ort, an dem sie glücklich werden, Doc."

Ich starrte sie völlig schockiert an.

Dann lächelte Dora und tätschelte mir die Wange. „Trinken sie und dann gehen sie nach Hause und schlafen. Ich melde sie für heute krank, mit den restlichen Inferi wird ihr Fußvolk schon fertig."

Diese Frau hatte einen Einfluss auf mich, der mir im Normalfall eine Heidenangst eingejagt hätte, denn selbst auf meine Mutter hörte ich nicht, wenn sie mir eine Auszeit verordnete. Allerdings war die Vorstellung in meine leere Wohnung - denn Roger war ja an der Arbeit und würde frühestens in neun Stunden wieder auftauchen - zurückzukehren und ein wenig Zeit ganz für mich allein zu haben, derart verlockend, dass ich nicht mal versuchte Dora zu widersprechen.

Artig schlürfte ich meinen Kaffee - nein, es war wieder einer dieser magenschonenden Tees, die schmeckten, als würde ich mir eine Handvoll Heu in den Mund stopfen. Trotzdem trank ich.

Und dann ging ich nach Hause.

Entweder war es die frische Luft auf dem kurzen Nachhauseweg oder Dora hatte mir in diesem fürchterlichen Tee ein Schlafmittel untergejubelt. Jedenfalls erfasste mich plötzlich eine derart bleierne Müdigkeit, dass ich Schwierigkeiten hatte nicht direkt im Lift einzuschlafen, der mich mit einem sanften Rattern in die oberste Etage hob. Selbst zum Apparieren war ich zu müde. Ich schloss matt meine Tür auf und lauschte einige Sekunde in die stille Wohnung. Dankbar dafür, dass Roger wohl wirklich an der Arbeit war, tappte ich entgegen meiner sonstigen Gewohnheit direkt ins Schlafzimmer und ließ mich mitsamt meinen Klamotten auf das Bett fallen. Ich presste mein Gesicht in die weiche Decke und stellte fest, dass sie nach Roger roch. Bevor ich den Gedanken zu Ende führen konnte, war ich eingeschlafen.

Es kam selten genug vor, dass ich derart tief und traumlos schlafen konnte, doch augenscheinlich forderte die durchwachte Nacht ihren Tribut, denn ich erwachte erst am frühen Nachmittag. Noch immer mit dem Gesicht in der Bettdecke vergraben. Mühsam drehte ich mich auf den Rücken und warf einen halbwachen Blick an mir hinunter. Meine Sachen waren so zerknittert, wie ich mich fühlte. Augenblicklich war die Erinnerung an die letzte Nacht wieder aktuell. Ich seufzte und setzte mich auf, wohl wissend, dass an Schlaf sowieso nicht mehr zu denken war. Mein ganzer Körper fühlte sich verspannt an, was mich nicht wirklich verwunderte bei der unbequemen Position, welche ich mir für mein Nickerchen ausgesucht hatte.

Ich beschloss duschen zu gehen und hexte mich kurzerhand aus den Klamotten. Das warme Wasser fühlte sich sensationell auf meiner nackten Haut an und ich stand lange einfach nur reglos unter dem Wasserstrahl und genoss das Gefühl, wie sich meine Muskeln allmählich wieder entspannten. Leider schien der entspannende Effekt sich nicht auf meine Gedanken anwenden zu lassen, denn noch immer rotierten Roger, Harry, meine Schuldgefühle, mein Verlangen und Doras Worte in einem aberwitzigen Wirbelsturm hinter meiner Stirn. Ich bekam Kopfschmerzen.

Erst als das Wasser allmählich begann an Wärme zu verlieren wusch ich mich und beendete meine nachmittägliche Wasserorgie. Das Badezimmer war in dichten Wasserdampf gehüllt und stickig wie in einer Sauna. Ich schlang mir ein Handtuch um die Hüften und ging, ohne mir die Mühe zu machen, mich abzutrocknen in die Küche, es wurde Zeit, meinen Morgenkaffee nachzuholen.

„Meine Güte, kannst du dir nicht einfach einen runterholen und fertig werden, wie jeder andere Kerl auch, Malfoy? Was brauchst du so ewig unter der Dusche?", wurde ich von einer nur allzu bekannten Stimme in meiner Küche empfangen.

„Blaise… wer hat dich reingelassen? Und nimm die Füße von meinem Herd!", begrüßte ich meinen besten Freund nicht wirklich begeistert.

„Die Hauselfen. Wahrscheinlich hatten sie mein Geklopfe in deinem Kamin satt. Seit wann versperrst du deinen Kamin für Besucher?" Blaise ignorierte meinen auffordernden Blick auf seine bestrumpften Füße, welche noch immer auf meinem Herd ruhten.

„Hab ich wohl nach der letzten Nummer im Wohnzimmer vergessen wieder zu entriegeln.", antwortete ich und stellte fast erschrocken fest, dass das ja nun schon drei Wochen her war. Kein Wunder, dass sich seitdem keiner meiner Freunde hatte blicken lassen.

„Ich sollte mir vielleicht doch noch mal überlegen, ob ich schwul werde! Ihr habt eindeutig mehr Sex als wir Heteros." Blaise nickte, als ich ihm fragend eine Kaffeetasse hinhielt. Ich brachte sogar ein erkennbares Grinsen zustande, als ich antwortete: „Was denn, lässt dich deine Süße wieder nicht ran?"

Blaise seufzte übertrieben gequält und mein Grinsen wurde um einiges echter.

„Was machst du eigentlich um die Uhrzeit zuhause?", wechselte er das Thema.

„Duschen.", antwortete ich in dem überflüssigen Versuch ihm nicht die Wahrheit sagen zu müssen.

„Aha.", sagte Blaise und nahm endlich die Füße von meinem Herd.

Ich beschloss es bei dieser Antwort zu belassen und griff nach meinem Zauberstab um den Kaffee zu erhitzen. Mir fehlte eindeutig die Geduld ihn auf dem muggelüblichen Weg zuzubereiten, obwohl er mir damit besser schmeckte.

Blaise hatte die Gnade, mir erst die Kaffeetasse abzunehmen, bevor er meine Hoffnungen auf ein Entgehen eines Zabinischen Verhörs zerstörte. „Hattet ihr schon wieder Streit?"

Ich pustete in meinen heißen Kaffee und nickte. Ähnlich wie bei Dora hatte Leugnen bei Blaise so oder so keinen Zweck. Vorsichtig nippte ich an dem heißen Getränk.

„Also hast du Potter noch immer nicht vergessen?", konstatierte Blaise neutral.

Prompt verbrannte ich mir die Zunge und verschluckte mich. Hustend und mit krebsrotem Gesicht warf ich Blaise einen bösen Blick zu. Ich hasste seine unmögliche Art, mich genau zu durchschauen und mir das auch noch so ganz nebenbei unter die Nase zu reiben!

„Warum hast du Roger dann hier einziehen lassen? Versteh mich bitte nicht falsch, Draco, ich weiß, dass du ihn gern hast… Irgendwie. Aber belügst du nicht dich und deine Umwelt? Es ist doch schon über ein Jahr her, seitdem du Potter in deinem Bad gefi…"

„Wir haben… ihn im… Phunx getroffen.", unterbrach ich Blaise noch immer hustend. Ich hatte keinen gesteigerten Bedarf daran, an mein letztes Zusammensein mit Harry erinnert zu werden - zumal ich noch immer lediglich ein Handtuch um die Hüften trug.

Nun war es an Blaise überrascht auszusehen. „Wann warst du bitte im Phunx?"

„Vor Wochen…."

„Und wieso gehst du da ohne mich hin?"

„Du warst mit deiner Süßen im Urlaub!", erinnerte ich ihn und wagte todesmutig doch noch einen Schluck Kaffee. Da ich mir meine Schleimhäute sowieso schon verdampft hatte, konnte ich auch weiter trinken, ich hatte das Gefühl, dass ich das Koffein brauchen würde um diese Unterhaltung mit Blaise zu überleben.

Blaise zog die Augenbrauen zusammen und betrachtete mich einen Augenblick lang ziemlich ernst. „Wochen, wohl eher schon Monate! Mein letzter Urlaub war im Mai! Du sagst mir jetzt nicht, dass du mit Potter `ne Nummer geschoben hast während Roger irgendwo tanzen war, oder?"

Ich warf ihm einen entrüsteten Blick zu. „Nein, Blaise! Ich habe dir doch gesagt, dass ich mich für Roger entschieden habe!"

„Richtig." Blaise besaß die Unverschämtheit nicht überzeugt auszusehen.

Mein Seufzen war genervt, bevor ich fortfuhr. „Okay, wenn du es unbedingt wissen musst. Ich habe mit Roger `ne Nummer geschoben, wie du es so schön nennst. Und Ha… Potter war mit einem von Weasleys Brüdern da."

Soweit das überhaupt möglich war, wanderten Blaises Augenbrauen noch weiter aufeinander zu. „Ach, und warum regt Roger sich dann auf?"

Mir stieg die Wärme in die Wangen und ich versuchte krampfhaft mir einzureden, dass dies auf den heißen Kaffee zurückzuführen war. „Sagen wir es mal so… ähm… also, ich war wie gesagt mit Roger zugange… und… naja, Potter mit dem Weasley."

Blaise brauchte einige Sekunden um aus meinem Gestammel schlau zu werden, was ich ihm nicht einmal übel nehmen konnte. „Warte! Du meinst, Potter hat `nen Weasley gevögelt? Vor deinen Augen?"

Ich nickte gequält. Koffein! Mehr Koffein! Ich trank einen großen Schluck, was meine Speiseröhre mir mit heftigem Verbrühungs-Schmerz dankte.

„Und was hast du gemacht?"

„Äh… ich hab doch gesagt, ich war mit Roger… also, naja… dabei."

Blaise bekam große Augen. „Du hast es mit Roger getrieben und dabei zugesehen, wie Potter es 'nem Weasley besorgt?"

Ich hatte keine Ahnung, ob Blaise die folgende bedeutungsschwere Stille absichtlich als effektvolle Pause vor seiner nächsten Erwiderung einbaute, oder ob er tatsächlich an meiner Eröffnung zu knabbern hatte. Nach einigen Momenten der Stille jedenfalls brachte er halb lachend, halb schockiert ein: „Heilige Scheiße, Draco!" heraus.

Dem hatte ich nichts hinzuzufügen.

„Soll ich wieder gehen?"

Blaise und ich fuhren zu Roger herum, der es irgendwie geschafft hatte trotz seiner beeindruckenden Statur lautlos einzutreten. Ich sandte ein stummes Stoßgebet gen Himmel, dass er nicht allzu viel von unserer Unterhaltung mitbekommen hatte. Meine Bedenken waren überflüssig, denn offenbar hatte Roger mit anderen Dingen zu kämpfen. Er bedachte Blaise mit einem düsteren Blick. „Also, was ist? Seid ihr fertig oder soll ich in `ner halben Stunde noch mal wiederkommen?"

Ich verstand nur Bahnhof und es war Blaise, der antwortete: „Fertig? Mit dem Kaffee? Nein, aber du kannst auch einen haben, aber ich sag dir gleich, er schmeckt furchtbar."

Ich bedachte Blaise mit einem strafenden Blick, den er geflissentlich ignorierte.

„Kaffee. Natürlich.", antwortete Roger mit diesem ganz besonderen Tonfall. Sofort ging mein Temperament gepaart mit meinem angekratzten Gemütszustand mit mir durch und ich reagierte heftiger als es hätte sein müssen.

„Was soll das? Darf ich jetzt nicht mal mit einem meiner Freunde Kaffee trinken, ohne dass du falsche Schlüsse ziehst?", blaffte ich ihn an und konnte mich nur schwer davon abhalten im meine Kaffeetasse demonstrativ vor die Füße zu knallen.

„Doch, sicher, wie komme ich auch nur darauf, wenn ein schwarzhaariger Kerl hier herumsitzt und du praktisch nackt vor ihm stehst!", antwortete Roger, bevor er sich wütend herumdrehte und im Schlafzimmer verschwand. Die Tür flog mit einem lauten Knall hinter ihm zu.

„Oh… Mann…", sagte Blaise.

„Genau.", antwortete ich. Ärger pochte in meinen Schläfen und ich wusste, dass ich Roger entweder auf der Stelle aus meiner Wohnung werfen würde oder einfach selbst verschwinden würde.

„Was hältst du von einer kleinen Kneipentour?", fragte Blaise und in diesem Moment hätte ich ihn allein für die Tatsache küssen können, dass er mich gut genug kannte um zu wissen, was in mir vorging.

„Deine beste Idee heute! Ich zieh mir nur etwas an, schwarzhaariger Kerl, dann können wir los und uns durch halb London vögeln!" Den letzten Satz sagte ich absichtlich so laut, dass Roger ihn einfach hören musste.

Ich benahm mich albern. Und ich hasste Roger dafür, dass er mich soweit brachte.

Eine Stunde später saß ich Blaise in einer schummrigen Nische in einem höchst zweifelhaften Club gegenüber und starrte missmutig in meine Bloody Mary.

„Hör mal, ich kann verstehen, wenn du das Zeug nicht trinken willst, aber es wird nicht von allein verschwinden, auch wenn du noch so sehr versuchst es zu Tode zu starren.", meldete Blaise sich schließlich zu Wort.

„Ich weiß.", antwortete ich einsilbig und setzte das Glas doch noch an die Lippen. Es schmeckte gelinde gesagt - widerlich, passte also perfekt zu diesem Tag.

„Roger ist ja ziemlich eifersüchtig, was?"

Mehr als ein Nicken brachte ich nicht als Antwort fertig und Blaise seufzte hörbar. Er lehnte sich näher zu mir und ich brauchte nicht aufsehen, um zu wissen wie er mich ansah.

„Draco, bitte, lass es nicht schon wieder soweit kommen."

„Was meinst du?", fragte ich, obwohl ich selbstverständlich genau wusste, auf was Blaise anspielte. Blaise bedachte mich mit einem strafenden Blick, den ich körperlich zu fühlen meinte. Er ließ die Eiswürfel in seinem Glas aneinander klirren und sagte dann in einer merkwürdigen Mischung aus Frustration und Besorgnis. „Rede schon, Malfoy."

Ich wollte nicht reden. Ich wusste ja nicht einmal, worüber ich genau reden sollte. Darüber, dass Roger mich irre machte? Dass ich noch immer an Harry dachte?

„Ich überlege, ob ich nicht für eine Weile ins Ausland gehen sollte.", sprudelte es aus meinem Mund. Überrascht lauschte ich meinen eigenen Worten: „Dora hat mich auf die Idee gebracht und ich habe so viele Forschungsangebote, dass ich mir praktisch aussuchen könnte, wo ich hin will. Vielleicht ist das wirklich keine schlechte Idee, oder, Blaise? Etwas Abstand zu London würde mir bestimmt gut tun."

„Abstand zu London oder zu einem der Einwohner?", stichelte Blaise unbarmherzig.

Eine Haarsträhne fiel mir in die Augen und erinnerte mich daran, dass ich dringend zum Friseur musste. Ungeduldig strich ich sie mir aus der Stirn. „Lass den Blödsinn, Blaise.", murmelte ich leise.

Ein weiteres Seufzen von Blaise folgte, bevor er erwiderte: „Prinzipiell ist das keine schlechte Idee, nur wirst du dein eigentliches Problem nicht dadurch lösen, dass du wegläufst, es sei denn, du willst nie wieder nach London - oder besser England - zurückkommen." Er trank einen Schluck seines Whiskeys. „Ach, Draco, seien wir doch ehrlich. Du bist besessen von Potter und solange ihr beide in derselben Galaxie existiert wird sich das wahrscheinlich auch nicht ändern. Und soweit ich weiß, sind intergalaktische Auswanderungen noch nicht möglich."

„Zeitreise?", schlug ich halbherzig vor.

Blaise grinste und wurde dann unvermittelt wieder ernst: „Und was ist mit Roger?"

Ich antwortete ohne nachzudenken: „Ach, der kann doch von überall arbeiten und zur Not beantrage ich für ihn `nen privaten Portschlüssel, damit er herkommen kann, weil mit Flohpulver kann ich ihn kaum reisen lassen, der würde glatt in Alaska rauskommen."

„Du willst ihn also mitnehmen?"

„Ja… ich denke schon. Er… es ist doch nicht so, dass ich ihn nicht mag…" Irritiert fragte ich mich, warum ich dann ständig mit Roger stritt, wenn ich ihn an meiner Seite haben wollte. Das lästige höhnische Stimmchen in meinem Hinterkopf flüsterte zwei unschöne Wörter: ‚Bequemlichkeit? Gewohnheit?'

„Mögen, Draco? Ist das nicht ein bisschen wenig um eine Beziehung zu führen? Was ist mit Liebe?" Blaise erwiderte den fragenden Blick einer der umherlaufenden Stripperinnen mit einem entschuldigenden aber verneinenden Lächeln. Die halbnackte Schönheit zuckte mit den Schultern und ging weiter.

„Manchmal muss man mit dem zufrieden sein, was man bekommt.", wiederholte ich Doras Worte und grinste meinen Freund schief an. Blaise zog zweifelnd die Augenbrauen nach oben und mein Grinsen machte einem harten Zug Platz. „Den Scheiß meinst du jetzt aber nicht ernst, oder?"

„Was willst du von mir hören, Blaise? Dass ich Roger liebe? Dass er der Mann ist, mit dem ich schon immer Zusammensein wollte? Das stimmt nicht, und das weißt du, also spiel nicht dieses dämliche Anstarren-bis-ich-die-Wahrheit-selbst-erkenne-Spielchen mit mir!"

„Dann hör doch endlich auf, dich selbst zu belügen. Das ist weder fair Roger gegenüber - denn ich denke, er liebt dich wirklich - noch ist es gut für dich.", entgegnete Blaise ernst.

Eigentlich hatte meine Erwiderung hart und entschlossen klingen sollen, doch ich konnte die traurige Sehnsucht darin selbst hören. „Blaise, was soll ich deiner Meinung nach machen? Ich kann Harry nicht bekommen und selbst wenn, ich könnte ihn doch niemals halten. Er hat eine Familie, ein Kind und du siehst doch, was dabei herauskommt, wenn wir aufeinandertreffen."

Blaises Blick wurde weich und ich hatte selten seine Zuneigung zu mir so klar in seinen Augen lesen können. Einige Sekunden sahen wir uns einfach nur an und als Blaise schließlich den Blick senkte, wusste ich, dass er die Wahrheit in meinem Worten nicht leugnen konnte.

„Florida soll schön sein… viel Sonne, Strand, nackte Kerle…", erwiderte Blaise schließlich mit unüberhörbarer Traurigkeit in der Stimme.

Ich verzog das Gesicht: „Nackte Kerle ist nicht gut, sonst redet Roger bald überhaupt nicht mehr mit mir… der Nordpol wäre doch auch nett… Schnee, Eisbären, dicke Klamotten und außer uns höchstens drei oder vier andere Wissenschaftler, die allesamt steinalt, faltig und hetero sind."

Blaise verzog das Gesicht „Ich habe übrigens nicht vor, dich jemals zu besuchen, Malfoy."

Wir lachten.

Tbc…

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