„Wir sind alle Schüler des großen Geheimnisses des Lebens." Kirpal Singh, (1894 - 1974)
„Die erste Nacht mit Ennis veränderte mein Leben. Für immer. Diese Nacht veränderte auch ihn. Unwiederbringlich.
Noch heute spüre ich seinen Körper, der sich mir langsam, unsicher und zögernd näherte. Angst vor der Neuentdeckung einer Lust, die uns beiden bis zu dem Zeitpunkt fremd war, der Schock über Gefühle, die in einer nie geahnten Tiefe auf uns einströmten, nur allein durch die Gegenwart des anderen hervorgerufen. Stille Freude über die Befriedigung einer Sehnsucht, die uns unser gesamtes Leben begleitet hatte, führte uns in der Nacht zueinander. Sanft, zärtlich, hingebungsvoll haben wir einen Weg eingeschlagen, der kein Zurück mehr zulässt.
Wir haben unsere Herzen gebrandmarkt und uns in vielen erfüllenden Stunden leiser Leidenschaft unsere Seelen geschenkt.
Und der erste Kuss in dieser Nacht – oh mein Gott ... kein Vergleich zu allem, was vorher gewesen ist. Niemals, nicht annähernd. Seine Mund, der so selten lacht, oft zusammengepresst, als müsste er zurückhalten, was in ihm brodelt, als wäre er der Verschluss zu seiner Seele und zu seinem Herzen, eingerostet während der vielen einsamen Jahre. Dieser Mund, mit den weichen und sanften Lippen, der sich mir geöffnet hat. Mir. Der mir einen Weg zu sich nach Hause gezeigt und seine Lippen mit meinen versiegelt hat.
Der Mund, der heiße Spuren auf meinem Körper hinterließ, der meine Haut schmeckte und fühlte, der mich verbrannte und mich erzittern ließ vor Erregung und Leidenschaft.
Sein Atem, der auf meinen traf, unsere Zungen, die sich berührten, fragend und vorsichtig am Anfang, später leidenschaftlich und besitzergreifend, die in Gebiete vordrangen, die wir bis dahin niemandem gestattet hatten zu erkunden.
Sein Wispern in meinem Ohr ‚Du bist so schön, so wunderschön', mein Name, den er seufzte und hinausschrie, den er flüsterte und kommandierte. Niemals, niemals zuvor hat mich allein der Klang einer Stimme so erregt, niemals zuvor so gerührt. Niemals zuvor klang meine Name schöner als in dieser Nacht, niemals zuvor habe ich ihn mit mehr Stolz getragen als in den Sekunden, als Ennis ihn aussprach.
Und seine starken, warmen Hände, die mich an ihn gezogen haben, mich nicht mehr loslassend, mich haltend, mich erkundend. Seine wunderschönen langen Finger, immer noch gebräunt von der Sommersonne, die meine Haut streichelten und mir das Gefühl gaben, ein kostbarer Schatz zu sein, die liebevoll und zärtlich mein Gesicht umfassten, wenn wir uns küssten, die meine Haare streichelten, während er mir in die Augen sah, sein Blick verschleiert vor Liebe und Leidenschaft und wir ineinander ertranken. Seine wunderbaren Hände, die mein Glied hart massierten, als er in mich eindrang und die mich noch Stunden danach hielten, als wir erschöpft und überwältigt das Nachglühen einer Nacht genossen, die uns den Himmel auf Erden gezeigt hatte.
Mein Körper, der sich an seinen schmiegte, nahtlos, als hätte die Natur uns füreinander vorgesehen. Nackte Haut, die aufeinander traf, elektrisierend, pulsierend, das Leben verkündend. Sein Gewicht auf mir, mein Körper auf ihm, Arme und Beine, die sich umklammerten, sich drängend berührten, aneinander rieben, verzehrend, die keinen Raum zwischen unseren heißen Körpern duldeten, zu groß war die Angst, den anderen in dieser Nacht zu verlieren. Irgendwann wussten wir nicht mehr, wo der eine Körper aufhörte und der andere anfing. Wir verschmolzen, wir wurden eins. Und es war gut so.
In dieser Nacht empfingen wir unsere Weihe. Ennis del Mar hat mich getauft, mir meinen Namen und meine Identität gegeben. Er hat mich zum Leben erweckt und mir Wünsche geschenkt. Wünsche nach einer gemeinsamen Zukunft, nach seiner Nähe, seiner Liebe, nach Familie und Geborgenheit.
Ennis ist mein Hafen der Ruhe, er ist der Pol meines Lebens und mein tägliches Elixier.
Ich vermisse ihn.
Ich vermisse ihn, sobald er den Raum verlässt, ich vermisse ihn, wenn ich seine Berührung nicht spüren kann. Ja, manchmal vermisse ich ihn sogar, wenn er in mich eindringt, wir leidenschaftlich und gemeinsam zum Höhepunkt kommen, wispernd und flüsternd oder stöhnend und schreiend, das Gefühl der absoluten, der totalen Erfüllung erfahrend – und ich vermisse ihn mit dem schmerzhaften Gefühl eines Verlustes, weil ich weiß, dass dieser vollkommende Gleichklang, die vollkommene Einheit unserer Körper und unserer Seelen nur Sekunden anhält und ich bis zum nächsten Mal von den Erinnerungen leben muss.
Ennis. Ennis del Mar. Eine einsame Insel im Meer. Umspült vom Schicksal, Wind und Wellen trotzend, nicht nachgebend, sich nicht beugend, sondern sich schützend. Sonnenauf- und Sonnenuntergänge, die den Lauf des Lebens markieren, erlebend, immer einsam, immer auf der Suche aber verharrend am Boden, verwurzelt mit der Umgebung, das ist er, das ist mein Ennis.
Und eines Tages strande ich an den Ufern seiner Festung, nichtsahnend, zufällig. Ich glaube an das Schicksal, ich glaube an Vorbestimmung. Und ich glaube, es sollte so sein, dass wir uns treffen. Ich habe ihn gesucht, mein Leben lang. Und er hat mich gesucht, das glaube ich, das hoffe ich.
Er ist ein starker Mann, mein Ennis. Ein fürsorglicher Vater für Junior, ein guter Lehrer für Bobby und ein ... mein ... Partner, mein Freund, mein Lebensbegleiter. Er ist mein Fels in der Brandung, er gibt mir Kraft, mein Leben zu leben und der Mann zu sein, der ich immer sein wollte.
Und niemand, niemand auf der Welt würde denken, dass es die Nächste sind, in denen dieser starke, kräftige Mann loslassen kann. Dass es die Dunkelheit ist, die sein wahres Gesicht zum Vorschein bringt, dass es die stillen Stunden der Nacht sind, in denen Ennis sich fallen lässt, in denen er Vertrauen und Zuversicht bei mir sucht, in denen er mich braucht, um seine tiefen Wunden heilen zu lassen, in denen er zu dem sanften und zärtlichen Liebhaber wird, an den ich mein Herz verloren habe.
Wie soll man Glück beschreiben? Welche Worte sind wertvoll genug, meine Liebe zu ihm auszudrücken?
Manchmal, wenn ich in den Abendstunden auf der Veranda unseres Ranchhauses sitze und über die flachen Felder blicke, müde von der harten Arbeit des Tages die Beine hochlege und ein Bier trinke, die Abenddämmerung langsam in die Nacht übergeht, der Polarstern am Himmel erscheint, Vorbote für die Millionen anderer Sterne die innerhalb weniger Minuten folgen und die Nacht erhellen, dann habe ich das Gefühl, das der Wind über die Weiten der Prärie einen Namen wispert.
Unhörbar für den Rest der Welt aber laut genug für meine Ohren. Es ist der Name, der mein Glück bedeutet, der Name, der meine ganze Liebe ausdrückt, ein Name, der die Welt für mich bedeutet.
‚Ennis, Ennis, Ennis.' "
„Jack ist ein Träumer, ein Idealist. Für mich ist er das. Weltfremd manchmal und doch so bodenständig. Voller Ziele und Ideen, immer auf der Suche, selten zu Ruhe kommend.
Er erinnert mich an einen Schmetterling. Schillernd und farbenfroh in der Sommersonne, sich vom Wind tragen lassend, niemals einen Gedanken daran verschwendend, wo er landen könnte. Von jedem bewundert, von so vielen geliebt und dennoch so verletzlich. Eine falsche Bewegung und seine Flügel stellen das Fliegen ein. Eine falsche Berührung und er verkümmert.
Und so flatterhaft, dass man ihn kaum einfangen kann – es sei denn, er lässt sich locken. Und ich locke ihn.
Ich weiß nicht, was ein Mann wie Jack an mir findet. Ich weiß es wirklich nicht. Wenn ich ihn ansehe, dann lacht mir die pure Lebenslust entgegen.
Allein der Blick in seine blauen Augen lässt mich schmelzen. Die goldenen Sprenkel, die auftauchen, wenn er lacht. Und wenn er mich ansieht, Lapislazuli-farben, wenn ich in ihn eindringe, Leidenschaft und Erregung seinen Blick verschleiernd. Himmelblau, aber immer die Unendlichkeit versprechend, wenn ich ihn küsse, wenn ich ihm ins Ohr flüstere, wie wunderschön ich ihn finde.
Sein Mund, zum Reden gemacht, der nie stillsteht, immer in Bewegung, immer fragend, kommentierend – lamentierend.
Ich dagegen lebe in der Stille, seit meine Eltern in der Kurve der Dead Horse Road ihr Leben gelassen haben. Abgeschottet von allem, was um mich herum passiert ist, jedes Gefühl auf ein Minimum reduziert, um den Schmerz erträglich zu halten. Isoliert. Ich habe nie viel gesprochen, aber in Gegenwart von Jack ertappe ich mich, dass ich rede, viel rede. Es fließt aus mir heraus, es scheint so, als sei ein Bann gebrochen, ein Damm eingestürzt und nun quillt alles aus mir heraus, was sich über die Jahre angestaut hat.
Das macht mir manchmal Angst. Es ist so überwältigend. Endlich Worte zu finden, jemanden zu haben, der zuhört, der versteht, der Anteil nimmt, der mich hält und mir versichert, mich nie wieder los lassen zu wollen.
Und seine Lippen, seine wunderschön geschwungenen, vollen Lippen. Manchmal leicht geöffnet, wenn er mir entgegen blickt, abwartend, unsicher aber sofort lächelnd, wenn ich ihn umarme oder mich zu ihm beuge.
Manchmal geschwollen und blutig, wenn wir uns nicht mehr kontrollieren können – aber immer so sanft, ohh ... so unendlich sanft, wenn ich ihn küsse. Oh Gott, nie hätte ich gedacht, dass die Lippen eines Mannes so süß schmecken können, so viel Verheißung versprechen. Nie hätte ich gedacht, dass das Berühren eines Männermundes den Himmel auf Erden für mich bedeuten kann.
Und ich küsse ihn oft, sehr oft, ich kann gar nicht genug bekommen. Ich liebe es, wenn sich die weiche Haut seiner Lippen auf meine legt. Seine Lippen wärmen mich, jedes Mal. Und ich frage mich, wie war es, wenn ich Alma geküsst habe?
Die bittere Wahrheit ist: ich kann mich nicht mehr erinnern. So intensiv sind die Gefühle, die Jacks Kuss in mir hervorruft, dass ich alles andere ausblende.
In diesen Sekunden ist nichts mehr von Bedeutung, nur noch seine Nähe, sein harter Körper, ganz Mann, der sich in meiner Umarmung meinen Konturen anpasst – fließend und wie von Geisterhand. Es soll so sein.
Und die Wärme die von seinem Körper auf meinen ausstrahlt, mich wie bei einem Reptil zum Leben erweckt und mir Geschmeidigkeit einhaucht, die ich nie in mir vermutet hätte.
Das erregende Gefühl, dass er mir Zutritt gewährt in seine Welt. Dass er sich mir öffnet. Mir.
Und ich tauche ein in seine Gegenwart, ich rieche ihn und ertrinke in einem Strudel von überwältigendem Verlangen, das ich noch nie zuvor erlebt habe. Ich habe in diesen Sekunden das verzehrende Verlangen, komplett in ihn hineinzukriechen, mit ihm zu verschmelzen, in seinem Körper aufzugehen. Ich wünschte mir, dass wir für immer eins würden, nie wieder getrennt, nie wieder die Kälte spürend, wenn der Kuss vorbei ist, die Leere, die Einsamkeit.
Manchmal bleibt es bei sanften Küssen und wir fummeln und knutschen herum als seien wir wieder fünfzehn Jahre alt. Ich genieße diese Zeit. Ich habe so etwas noch nie zuvor erlebt. Ich war nie fünfzehn Jahre alt ... Ich habe nie rumgemacht ... bis jetzt.
Es sind die gestohlenen Momente stiller und inniger Intimität, wenn er mich im Hausflur abfängt, mich an der Tür begrüßt oder mich in eine dunkle Ecke zieht, verborgen vom Rest der Welt. Wenn er mich von hinten umarmt, wenn ich uns abends ein Bier aus der Küche hole und er mir mit rauer Stimme befehlend ins Ohr wispert: ‚Bleib genauso stehen, Babe. Stell das Bier weg und dreh Dich um – fass mich an, so, ja so ... oh ... so gut. Küss mich, küss mich Liebling, wie Du noch nie zuvor einen Menschen geküsst hast.'
Und was soll ich sagen? Ich brenne in seiner Gegenwart. Lichterloh. Aber er verzehrt mich nicht, er nährt mich. Ich fühle mich vollkommen, wenn er bei mir ist. Und so küsse ich ihn, wann immer er will, wann immer ich will. Manchmal sanft, manchmal hart – aber immer bin ich es. Ich. Ich bringe ihn dazu leise zu seufzen oder laut zu stöhnen. Ich bringe ihn dazu, dass er sich auszieht, sich mir zeigt, seine Hülle fallen lässt, genauso, wie er meine Mauern zum Einstürzen bringt. Und es ist gut so. Vollkommenheit, Perfektion – das ist es, was zwischen und ist.
Und ich liebe jede Richtung, in die es geht. Die sanften Stunden intimer Liebe und Leidenschaft wenn ich ihm zuraune: ‚Du bis mein, Jack, spürst Du es, spürst Du mich, tief in Dir? Jack, schau mich an. Gott, Du schmeckst so gut, so süß, ich will Dich, Jack, Dich ... Dich ... nur Dich. Komm für mich, komm für mich ...'. Und es sind diese Worte, die ihm den Verstand rauben, die ihn zum Höhepunkt kommen lassen für mich, gemeinsam mit mir und die uns Sekunden der Ewigkeit schenken.
Oder die harten Paarungen, wenn wir uns blutig küssen und morgens mit blauen Flecken und wunden Lippen aufwachen, wenn die Erregung in unseren Körpern so überhand nimmt, dass wir nicht anders können als wie die Urmenschen über einander herzufallen, uns gewaltsam zu nehmen, was unsere Körper so bitter-schmerzlich herbei sehnen, laut stöhnend und schreien, uns anspornend ‚Fick mich, aber fick mich hart und tu es ... JETZT!' Und wir bändigen die Eruption der Lust, um nicht wahnsinnig zu werden, um dieses Gefühl der Verzehrung für einander zu begreifen und ihrer Herr zu werden. Und es sind Sekunden, in denen uns das gelingt, in denen wir das Gefühl haben, tiefe Ruhe und Frieden ineinander und miteinander gefunden zu haben.
Ich habe es bis heute nicht begriffen. Ich weiß nicht, was es ist, das uns zueinander zieht, das uns anzieht, wie die Motten zum Licht. Und ich komme an den Punkt, wo ich es nicht mehr begreifen will. Ich kann nicht dagegen ankämpfen. Ich kann nicht gegen ihn ankämpfen. Wie könnte ich das jemals tun? Es ist wie eine Sucht, aber eine Sucht nach etwas Schönem, die Sucht nach einem Lebenselixier, von dem ich weiß, wenn ich es nicht mehr habe, dann bleibe ich langsam sterbend am Leben.
Aber wir müssen aufpassen. Ich finde, dass wir das tun müssen. Unsere Kinder wissen noch nichts von uns und ich weiß nicht, wie sie es aufnehmen werden. Ich meine, ich bin Bobbys Lehrer, er vertraut mir, er macht gute Fortschritte im Lesen und Schreiben und ich denke, er kann es packen. Ich weiß nicht, was passiert, wenn wir ihm sagen, dass sein Dad und ich ...
Und Junior. Sie liebt Jack, das spüre ich. Und ich habe den Eindruck für Jack ist Junior die Tochter, die er nie gehabt hat und das freut mich. Ich weiß nicht, was passiert, wenn wir ihr erzählen, dass wir ... Sie kann nicht schon wieder ... Sie erholt sich nach drei Jahren zum ersten Mal ... Ich kann es nicht, ich bringe es nicht fertig.
Aber ich spüre, dass Jack sich damit nicht mehr lange zufrieden gibt. Er will mehr. Er will über Nacht bleiben, morgens mit mir aufwachen, sich nicht wie ein Dieb in den frühen Morgenstunden aus meiner Wohnung schleichen, damit Junior ihn nicht sieht. Er will, dass ich seine Ma kennen lerne. Aber ich weiß nicht, ob ich das kann. Ich bin noch nicht so weit, oder doch?
Rückblickend auf die letzten drei Jahre meines Lebens und reflektierend, was mir in den letzten Wochen passiert ist, kann ich nichts anderes feststellen, als dass ich überwältigt bin. Jack hat mich ergriffen und ich bin auf seinen Zug aufgesprungen. Ich weiß nicht, in welche Richtung er fährt, ich weiß nicht, wo ich ankommen werde. Aber zum ersten Mal in meinem Leben genieße ich den Fahrtwind und die Schnelligkeit. Und ich schätze, ich bin es ihm schuldig, auf ihn zuzugehen, ihm etwas davon zurück zu geben, was er mir geschenkt hat.
Denn in den Nachtstunden, wenn Jack nicht bei mir ist und mich die Einsamkeit wie ein kalter Hauch umweht, wenn die Sehnsucht nach ihm so schmerzt, wenn die Dunkelheit mich wieder zu ersticken droht und ich mich nach Farbe, Sonne und Wärme sehne, dann schlägt mir die Wahrheit unbarmherzig ins Gesicht.
Dann rufe ich meinen Schmetterling herbei, meinen kostbaren Schatz, meinen Lebensretter, der mich wieder in die Lüfte trägt, der mich träumen lässt. Und vorsichtig, um ihn nicht trudeln zu lassen, hauche ich ihm zu: ‚Nimm mich mit, kleiner Liebling. Du gehörst zu mir. Du bist mein. Ich liebe Dich, ich liebe Dich.'."
„Ma? Hey, Ma, wo bist Du?"
Verschwitzt und mit geröteten Wangen von der Kälte draußen stürmte Jack ins Haus und war auf dem Weg in die Küche zu seiner Mutter als ihn ein scharfes „Schuhe aus, Junge !" am Boden festfrieren ließ.
Irritiert blickte er an sich hinunter, sah auf seine Schuhe „Woher zur Hölle weiß sie, dass ... sie sieht mich doch gar nicht ..."
„Jackie, ich brauch Dich nicht zu sehen", tönte das Orakel weiter aus der Küche. „Ich WEISS, dass Du nicht dran denkst, die Schuhe auszuziehen. Ich kenn Dich lange genug, Junge. Aber eines sag ich Dir..." Die Stimme seiner Mutter kam unheilvoll näher und sie erschien in der Küchentür, den Kochlöffel in einer Drohgebärde erhoben. „... solange ich noch auf zwei Beinen stehen kann und hier das Haus sauber halte, so lange bin ich hinter Dir her, dass Du den Dreck der Felder und Ställe draußen lässt. Und wenn ich's Dir mit dem Kochlöffel einprügele." Grinsend blickte sie ihren Sohn an, der leise vor sich hinmurmelnd die schweren Stiefel von den Füßen zog und vor der Tür abstellte.
„So, und jetzt komm rein, Junge und sag mir, warum Du nach mir rufst, als hättest Du mich wochenlang nicht gesehen."
Auf dem Weg in die Küche zog Jack sich seinen Parka aus, warf ihn achtlos auf das große braune Sofa und folgte seiner Mutter in die Küche, wo ihm der Duft nach gebratenem Fleisch und frischem Gemüse das Wasser im Mund zusammen fließen ließ. Neugierig blickte er in die dampfenden Töpfe auf dem Herd. „Oh, Ma, das sieht lecker aus. Können wir bald essen? Ich sterbe vor Hunger."
„Gib mir zehn Minuten. Wasch Dir die Hände und hol Bobby und Junior, dann kann es losgehen. Junior schläft heute hier?"
„Hmmm, Ennis hat heute einen Elternabend. Da muss ich auch hin. Ich bring die Kinder ins Bett und dann fahre ich zur Schule. Ich bin länger weg heute Abend."
Roberta blickte ihren Sohn wissend an. „Nicht nur heute Abend, wie ich bemerkt habe", sagte sie vielsagend. „Wie ... uh ... wie läuft es denn so mit Ennis?"
Jack blickte seine Mutter an. „Was ... äh ... wie ...?", stammelte er mit hochrotem Kopf. Das war nun schon das zweite Mal, dass sie ihn direkt auf Ennis ansprach und er konnte sich beim besten Willen nicht erinnern, dass er Andeutungen in irgendeiner Form gemacht hatte.
„Jack, Deine Mutter ist zwar schon etwas älter aber bei weitem nicht doof. Du bleibst die Nächte weg, schleichst Dich morgens wieder ins Haus. Du bist nicht betrunken und ich musste Dich noch nicht aus dem Gefängnis auslösen, was mir sagt, dass Du die Nächte nicht bis morgens in einer Bar oder Kneipe verbracht hast. Und Schätzchen, mach mir bitte nichts vor. Wann immer Du den Namen ‚Ennis' in den Mund nimmst, da passiert was mit Deiner Stimme und Deinen Augen ... hu ... das sieht ein Blinder mit dem Krückstock. Also würdest Du Deiner Mutter bitte jede Grundlage für Spekulationen nehmen und ENDLICH sagen, was hier vorgeht?"
Zwinkernd blickte sie ihren Sohn an, der sich verlegen wandte. „So offensichtlich, Ma?", murmelte er. „Und ... und es stört Dich nicht, dass ... ich meine ...?"
Roberta legte Kochlöffel und Gewürze beiseite, mit denen sie gerade das köchelnde Essen bearbeiten wollte und nahm die Hände ihres Sohne. Ernst blickte sie ihn an.
„So offensichtlich, ja." Tief holte sie Luft.
„Jack, ich würde lügen, wenn ich Dir sagen würde, dass ich es normal finde, dass der Liebhaber meines Sohnes ein Mann ist. Ich ... nun ja ... das ist sehr egoistisch, ich weiß, aber ich habe mir immer viele Enkelkinder gewünscht und hatte gehofft, dass Du es im Leben leicht haben wirst. Den Weg, den Du wählst, ist kein leichter, Jack, mach Dir da bitte nichts vor. Die Menschen sind auch im ausgehenden 20. Jahrhundert immer noch sehr konservativ, vor allem hier auf dem Land." Seufzend blickte sie ihren Sohn an.
„Aber", fuhr sie fort. „unabhängig meiner eigenen egoistischen Wünsche, Jack, habe ich Dich noch nie zuvor so glücklich gesehen. Es tut mir so weh, dass wir Dir als Kind dieses Glück nicht geben konnten und dass Du es auch mit Lureen nicht gefunden hast. Aber ich bin so froh, dass Ennis das Beste aus Dir herausholt, Jack. Und deswegen, um Deine Frage zu beantworten – ja, es ist ok für mich."
„Oh, Ma", flüsterte Jack und nahm seine Mutter sanft in den Arm. „Du kannst Dir nicht vorstellen, was das für mich bedeutet. ..." Gerührt vergrub er sein Gesicht ihn ihrer Halsbeuge, wie er es als Kind schon getan hatte und atmete ihren Geruch nach Essen, Apfelseife und kaltem Winterwind ein. Es war der Geruch seiner Kindheit, immer tröstlich, immer beschützend und er war so froh, sie bei sich zu haben.
„Danke, Ma", murmelte er und drückte sie noch einmal fest an sich, bevor er sie losließ. Beide lächelten sich an.
„Jack", sagte seine Mutter nach einiger Zeit zögernd. „Ich ... uhm ... ich bin nicht die aufgeklärteste und eigentlich sollte ich so ein Gespräch nicht mit meinem erwachsenen Sohn führen ... äh ..." Schamesröte stieg in ihrem Gesicht auf und verlegen wandte sie sich ihren Kochtöpfen zu.
Jack lachte belustigt auf. „Ma? He, komm schon, so schlimm kann es nicht sein, über was willst Du mich aufklären?"
Umständlich räusperte sich Roberta, bevor sie leise fortfuhr. „Jack, ich hab da neulich einen Zeitungsartikel gelesen. Vor kurzem war Welt-AIDS-Tag und da haben sie gesagt, die Zahlen der Neuinfizierten stiegen und ... uh ... äh ... betroffen sind vor allem ... oh, Jack, bitte sag mir ... versprich mir ... dass Du aufpasst. Tust Du das ?"
Tränen stiegen ihr in die Augen und ungeduldig fuhr sie mit den Fingern darüber. Sie hatte keine Zeit, sentimental zu werden.
„Ma?" Sanft strich Jack seiner Mutter über den Rücken. „Mach Dir darüber keine Sorgen, ok? Ich ... ich hab mich vor einem halben Jahr testen lassen und ... äh ... Ennis ... also er ... Wir sind sauber, reicht Dir das als Antwort?"
Jack erinnerte sich an das Gespräch mit Ennis, das sie in ihrer ersten Nacht geführt hatten und ein leises Lächeln umspielte seinen Mund.
„Verdammt", murmelte Ennis schlaftrunken, nachdem sie erschöpft nebeneinander zum Liegen gekommen waren und ihrer beider Atem wieder gleichmäßig ging.
„Huh?", murmelte Jack, der seinen Kopf in Ennis Halsbeuge gelegt hatte und ihn mit Armen und Beinen umschlungen hielt.
„Ich ... wir hätten ... ich hätte nicht einfach so ..." Jack lachte leise. „Was denn, Ennis?"
„Wir haben nicht verhütet", brach es aus Ennis heraus und er war unendlich dankbar, dass die Dunkelheit sein knallrotes Gesicht verbarg. Verlegen wandte er sich, als Jack in lautes, unkontrolliertes Lachen ausbrach.
„Verdammt, Twist, das ist nicht witzig", knurrte Ennis. „Ahh ... doch Ennis ... Verhüten, Du meine Güte, verhüten ... uh ... das klingt einfach so lustig ... Hilfe ..." Wieder schüttelte ihn ein Lachkrampf.
„Jack ! Du weißt genau, was ich meine, verdammt noch mal." Tief Luft holend wischte Jack sich die Lachtränen aus den Augen. „Ja, Ennis, ich weiß, was Du meinst", sagte er, immer noch ein Lächeln in der Stimme. „Mach Dir keine Sorgen, was mich angeht. Ich ... ich hab mich vor sechs Monaten testen lassen. Negativ."
„Du ... Du hast Dich ... warum?" „Warum? Weil ich dachte, ich müsste es mal tun. Ich ... ich hatte eine ziemlich wilde Zeit, bevor Lureen und ich uns getrennt haben. Und ich war recht ... uh ... unvorsichtig, um es mal so auszudrücken ..."
Ennis schwieg. Vorsichtig piekste ihn Jack nach einer Weil in seine Rippen. „Warum sagst Du nichts?" flüsterte er.
Ennis zuckte zusammen. „Wilde Zeit?" murmelte er nach einer Weile und vergrub sein Gesicht in Jacks Haaren. „Mit Männern?" Jack schüttelte den Kopf. „Nachbarinnen" kam als Antwort, was Ennis zum Glucksen brachte.
„Nachbarinnen. ... Jack, Du lässt auch nichts anbrennen, oder? Was hat Lureen dazu gesagt?" Jack schnaubte. „Lureen hatte dazu nichts zu sagen, sie hat es selber ziemlich wild getrieben, Ennis. Sie war kein Kind von Traurigkeit und ich auch nicht."
Ennis drückte Jack an sich. „Der Gedanke gefällt mir nicht", presste er zwischen zusammen gepressten Zähnen hervor und besitzergreifend legte er seine Hände auf Jack's Hintern und drückte ihn an sich. „Gefällt mir gar nicht", wiederholte er.
Jack legte seinen Kopf zurück und sah Ennis an. Glühend dunkle Augen ruhten auf seinem Gesicht. „Hey Honey", wisperte Jack belustigt. „Bist Du eifersüchtig?"
Ennis drehte Jack blitzschnell auf den Rücken, legte sich mit seinem ganzen Gewicht auf ihn, fixierte Jacks Arme über ihren Köpfen und presste sein erregtes Glied in Jacks Unterleib. Jack blickte in Ennis glühende Augen und was er dort sah, ließ jede Belustigung verschwinden und machte Platz für ein ziehendes Gefühl steigender, schwindelerregender Gier, nach dem Mann, der ihm gerade die Luft zum Atmen nahm und mit seinem Unterleib eindeutige Signale aussandte. Hastig leckte sich Jack über seine trockenen, heißen Lippen.
„Du gehörst mir, Jack, ab sofort. Mir ganz allein", flüsterte Ennis mit heiserer Stimme und jagte Jack Schauer über den Rücken. Leise stöhnend bäumte er sich Ennis entgegen.
„Ist das so, Ennis? Ja? Los, dann zeig es mir. Markiere mich und zeig mir, wie sehr ich Dir gehöre. Zeig mir, wie sehr Du mich willst. Gib mir einen guten Grund, die Nachbarn zukünftig in Ruhe zu lassen..."
Unter halbgeschlossenen Augen und schwer atmend blickte er Ennis auffordernd an, wohl wissend und kalkulierend, dass er mit dem Feuer spielte. Sein Herzschlag pulsierte sichtbar in seiner Brust und an seinem Hals. Eine animalische Erregung durchfuhr seinen Körper, das Blut schoss in seine Lenden, heiß und fordernd und verschleierte seine Gedanken. Hart bewegte er sich unter Ennis, stieß ihn an, forderte ihn unmissverständlich auf.
„Nimm mich, Ennis. Nimm mich hart, Los, tu es ..." Es brauchte nicht mehr als ein paar rauer, heiser geflüsterter Worte von Jack und Ennis entflammte. Wild nahm er Jacks Mund in seinen Besitz, presste seinen Liebhaber in die Matratze, fixierte ihn an Ort und Stelle, wollte ihm zeigen, ihn spüren lassen, dass es neben ihm keinen weitern Menschen gibt, der Anspruch auf Jack und seinen Körper haben darf. Rau und besitzergreifend drang er in Jack ein, wild wurde er empfangen, hart zurück geschlagen. Es folgte ein Machtkampf zwischen ebenbürtigen Partnern. Niemand verlor, beide gewannen.
Als sie miteinander fertig waren, hatten beide ihr Revier festgesteckt, beide ihr Terrain markiert. Unwiederbringlich.
„Jack? Träumst Du?", fragte Roberta.
Jack zuckte erschrocken zusammen. „Huh, hast Du was gesagt, Ma?"
„Jackie", tadelte seine Mutter. „Hör zu, wenn ich mit Dir rede. Ich habe gesagt, das reicht mir als Antwort. Und nun geh, Junge. Hol die Kinder zum Essen, damit Du rechtzeitig weg kommst."
Jack lächelte seine Mutter an. „Mach ich Ma. Übrigens, das wollte ich Dir noch sagen, ich hab die Tiere in die Ställe gebracht und gesichert. Heute morgen kam auf CNN eine Unwetterwarnung für Wyoming und den Norden."
„Unwetter? Um diese Jahreszeit?" Stirnrunzelnd blickte Roberta ihren Sohn an.
„Jepp. Stell Dir vor. Eine Schneewarnung haben sie herausgegeben. Phhh ... wirklich glauben kann ich's nicht – aber die Leute vom Wetterdienst haben ihr Fach studiert ... oder?"
Roberta zuckte nur mit den Schultern. „Wir werden sehen", sagte sie. „Ach übrigens", rief sie Jack hinterher, als dieser zur Tür herausging. „Bevor ich es vergesse, richte Ennis bitte aus, er und Junior sind zum Thanksgiving eingeladen."
Jack drehte sich um und grinste seine Mutter breit an. „Danke, Ma, ich wird's ihm ausrichten." Sprach's und ging zur Tür raus. Roberta hörte Sekunden später ein lautes Pfeifen und ein gebrülltes „Bobby, Junior, herkommen. Essen ist fertig."
Kopfschüttelnd rief Roberta ihrem Sohn zu: „Jack, Du bist unmöglich. Behandele die Kinder nicht wie Deine Tiere." Lautes Tapsen kleiner Füße kündigte die beiden Wirbelwinde an und Jack lachte. „Warum nicht, Ma? Das System ist bei beiden das gleiche. Ein leerer Magen ist Motivation genug. Uhhh ... he... Bobby ... aua ... uff ... hallo Junior."
Lautes Lachen und Kichern kündigte die drei an und Sekunden später ähnelte Robertas Küche einem Bienenstock.
Sie blickte sie von ihren Töpfen hoch und sah in drei paar strahlender, erwartungsvoll blickender Augen.
„Es gibt so Tage", dachte sie „da hab ich das Gefühl, mein Sohn wird nie erwachsen." Lächelnd blickte sie ihn an, sah in seine himmelblauen Augen und ein warmes Gefühl tiefer Zuneigung erfüllte sie. Sie stellte die Töpfe auf den Tisch, füllte die Teller, setzte sich in den Kreis ihrer Familie und wünschte sich zum ersten Mal, Ennis würde die Runde vervollständigen und an diesem kleinen Glück teilhaben.
Eine Stunde später waren die Twists und Junior pappsatt und zumindest die Kinder hundemüde. Alle drei halfen Roberta noch, den Tisch ab- und die Geschirrspülmaschine einzuräumen, bevor Jack Bobby und Alma mit den Worten „www-ab-ins-Bett-de" ein Geschoss höher scheuchte.
Beide putzten sich die Zähne, zogen sich ihre Schlafanzüge an und warteten auf Jack, der wenige Minuten später erschien und das tragbare Telefon in der Hand hielt.
„Hey, Lady", wandte er sich lächelnd an Alma. „Komm, sag Deinem Daddy noch Gute Nacht. Hier, nimm den Hörer, ich hab schon gewählt."
Er reichte Junior das Telefon, die es ihm strahlend abnahm und in den Hörer lauschte.
„Daddy? Hallo Daddy. Ja, hier ist Junior. ... Wie? Nein, Dad, alles ok, Jack hat gesagt, ich kann Dir gute Nacht sagen. ... Ja ... Nein ... Dad ! ... Nein ... Dad, ja, ich bin brav – JACK, kannst Du meinem Dad bitte sagen, dass ich brav bin?" Alma blickte entnervt und mit rollenden Augen zu Jack, der lächelnd nickte und Junior richtete sich beruhigt wieder an ihren Vater. „Dad, wir waren heute bei den Pferden. Ja ... nein, ich bin noch nicht geritten. Jack hat gesagt, Du bringst mir das im Frühjahr bei. ... Doch, ja, hat er gesagt ... machst Du? Super ! ... Ja – heh, Bobby, lass mir den Hörer, was soll das? Dad, warte, Bobby flüstert mir ... ah, gut, Dad, ich geb Dir Bobby."
„Ennis? Hallo Ennis. Denkst Du morgen an meine neuen Aufgaben? Wir machen die ... ja, ist gut ... Gute Nacht, Ennis. Hier Junior, da haste Deinen Dad wieder."
„Dad? Ich muss jetzt aufhören. Ja, Gute Nacht. ... Ja, Du auch. – HALT, Dad, warte, Jack muss Dir noch was sagen." Junior bedeckte die Muschel mit ihrer Hand und wisperte Jack zu: „Jack, Du hast es versprochen, Du sagst es meinem Dad noch, ok?"
Jack lachte leise auf. „Ist in Ordnung, Süße. So, jetzt ab ins Bett ihr beiden. Und Ruhe, verstanden? Keinen Mucks will ich mehr aus dem Zimmer hören. Gute Nacht, schlaft gut !"
Jack deckte beide Kinder zu, gab ihnen einen Gutenachtkuss, ging aus dem Zimmer, knipste das Licht aus und zog die Tür hinter sich zu, bevor er den Hörer an sein Ohr hielt:
„Die kleinen Ratten sind im Bett. Hey Sweetheart, wie geht's?"
„Jack, das kann doch nicht wahr sein. Du bist doch nicht etwa noch im Zimmer der Ki..."
„Ennis, natürlich nicht, reg Dich ab. Alles ok bei Dir? Wie war Dein Tag?"
„Uh, anstrengend. Die Kids sind mir heute auf der Nase rumgetanzt, Tess ist krank und ich muss morgen zusätzlich für sie einspringen, dann muss ich noch einen Stapel Klassenarbeiten korrigieren und heute Abend der unselige Elternabend – reicht das als Antwort?"
Jack schnaubte. „Du bist ein beklagenswerter Mann. Wir können gerne tauschen. Ich habe heute zum hundertsten Mal in den letzten sechs Monaten die verdammten Weidezäune repariert, die Ställe winterfest gemacht und das Vieh in die Stallungen gebracht. CNN hat für heute Abend ein Unwetter vorhergesagt, mit Schnee und Sturm. Um die Jahreszeit, Ennis, das bringt meine ganze Kalkulation durcheinander. Ich hab noch einige Hektar Weiden nicht gemäht und das Heu noch nicht eingebracht. Scheiße, Ennis, mir fehlen Leute und ich hoffe, dass mir das Wetter keinen Strich durch die Rechnung macht."
„Rodeo, das hört sich nicht gut an. Warum hast Du nichts gesagt? Du weißt, ich bin auf einer Ranch groß geworden, ich kann Dir an den Wochenenden helfen."
„Ah, Ennis, das ist echt nett von Dir – aber ... ich krieg das schon hin ... muss irgendwie gehen. ... Hey, Ennis, wo bist Du gerade?"
„Ich sitz im Klassenraum, bereite das Treffen für nachher vor und schaue über die ersten Klassenarbeiten drüber, warum?"
Jack senkte die Stimme und gurgelte sanft ins Telefon: „Liebling, bist Du alleine?"
„Uh .. äh ... ja ..."
Jack seufzte leise auf und wisperte: „Ennis, soll ich Dir sagen, wo ich gerade bin? Ich bin im Schlafzimmer. Ich habe hier ein großes weiches Bett stehen und einen Kleiderschrank mit einem großen Spiegel. Ich zieh mir gerade mein Arbeitshemd aus, steh vor dem Spiegel und weißt Du, was ich mir vorstelle? Ich stelle mir vor, Du stehst hinter mir, umarmst mich, streichelst meinen Oberkörper pustest mir sanft in den Nacken ... und jetzt ... oh Ennis, wenn Du uns nur sehen könntest, hier vor dem Spiegel ... jetzt wandert Deine Hand langsam weiter nach unten ..."
„JACK ! Das hör ich mir nicht weiter an. SCHLUSS ! Das reicht. Wir sehen uns nachher. Wann kommst Du?"
„Wann immer Du willst, Babe."
„Oh, Twist, Du bist so ein Kindskopf. Herrjeh ! Halb acht. Pünktlich. Hier." Und Ennis legte ohne ein weiteres Wort auf.
Jack lächelte und schaute in den Spiegel. Ein großer, schlanker, schwarzhaariger Mann mit stahlblauen Augen blickte ihm entgegen, vollständig angezogen. Und mit viel Fantasie sah er hinter sich den hochgewachsenen, blonden Mann mit den Locken und den warmen samt-braunen Augen, der ihn umarmte, sein Gesicht in seine Halsbeuge schmiegte, langsam die Knöpfe seines Hemdes öffnete und mit kühlen Händen über seine heiße Haut streichelte.
Jack schloss die Augen, stöhnte leise auf und lehnte sich in die imaginäre Person. „Gott, Ennis, was gäb ich drum, wenn Du jetzt hier wärst", dachte Jack und fuhr mit seiner Hand über seinen Körper bis hin zur harten Beule in seiner Jeans. Fest griff er zu, ließ sich rückwärts auf sein Bett fallen und öffnete seine Hose. „Ennis, spürst Du, wie ich Dich vermisse? Lass mich den Tag vergessen, nimm mir die Angst um die beschissene Ranch ... Ennis, Du fehlst mir so, Du fehlst mir so." Und wie in Trance krümmte sich Jack zusammen, knetete und zog an seiner harten Männlichkeit, bis die Erlösung kam.
Jack betrat pünktlich um halb acht das Schulgebäude und er fand Ennis, wie angekündigt, im Klassenraum. Er blieb im Türrahmen stehen und blickte auf seinen Mann, der konzentriert und in Gedanken versunken über einem Stapel Klassenarbeiten hockte, die verhasste Brille auf der Nase, den obligatorischen Rotstift in der Hand, leise vor sich hin summend.
Ein wohliges Gefühl durchströmte Jack und wie immer in Ennis Gegenwart fühlte er, wie er sanft auf dem Boden landete, seine Füße Festigkeit bekamen und sein Herzschlag einen beruhigenden Rhythmus fand. Für Jack Twist lebte es sich leichter in Gegenwart dieses Mannes.
Leise klopfte er an den Türrahmen und lächelte Ennis warm an, als dieser erschrocken hochblickte.
„Hallo Professor", sagte er mit leiser Stimme und ging auf Ennis zu.
„Professor?" fragte Ennis irritiert und stand auf, um Jack entgegen zu gehen.
„Deine Brille", erläuterte Jack. „Sie lässt Dich so erhaben wirken – wie einen Professor halt."
Ennis schnaubte und lächelte.
„Oh, Shit, Jack. Ich glaube, ich kauf mir doch noch Kontaktlinsen. Die Bilder, die ich von meinen Professoren im Kopf habe törnen mich ziemlich ab. Mit denen will ich nicht in einen Topf geschmissen werden."
„Oh, Honey, ich kann Dich beruhigen. Du siehst sehr sexy aus mit Brille. Geradezu unwiderstehlich. Zum Vernaschen ... Komm her", flüsterte Jack heiser und zog Ennis Kopf zu sich heran, um seinen Mund mit einem hungrigen Kuss einzufangen.
„Jack ... Jack ... nicht hier", stammelte Ennis nach einiger Zeit und löste sich von Jack. „Die ersten Eltern müssten gleich kommen, ich riskiere Kopf und Kragen, wenn die uns hier sehen."
Jack nickte zögernd und löste sich schweren Herzens von Ennis.
„Wie kommst Du voran?" fragte er und setze sich auf die Kante von Ennis Schreibtisch.
„Oh, gut, ich hab mich beeilt. Noch fünf Arbeiten und dann bin ich fertig. Den Rest mache ich heute Abend."
„Hör mal, Jack", fuhr Ennis nach einer Weile fort. „Ich ... ich habe am Wochenende nichts vor. Also, wenn Du Hilfe brauchst ..." Unsicher blickte Ennis zu Jack, der ihn ernst anschaute, sich zu ihm beugte und seinen Daumen sanft über Ennis Unterkiefer streichelte.
„Ennis, ich .. ich hab nachgedacht. Wenn heute Abend wirklich das Unwetter kommt, von dem die Nachrichten seit Stunden sprechen, dann hab ich ein ziemliches Problem. Ich habe einen Teil der Weiden noch nicht gemäht, das bedeutet, dass mit mindestens ein Viertel meiner kalkulierten Winterfütterung für die Tiere wegfällt und ich zukaufen muss. Ich werde mir also keine Ranch-Hands leisten können. Und um Deine Frage zu beantworten, ich wäre sehr froh, wenn Du mir helfen würdest. Du könntest meine Ma kennen lernen, und oh ... apropos, sie hat Dich und Junior zu Thanksgiving einge..."
Weiter kam Jack nicht, denn in diesem Augenblick betrat ein bulliger Mann Anfang vierzig den Raum und ging mit schweren Schritten auf Ennis zu, der sich schnell erhob, um ihn zu begrüßen. Kalte graue Schweinsaugen blickten Ennis entgegen, der harte, verbitterte Mund von einem Schnurbart halbverdeckt, das Gesicht aufgequollen, von feinen roten Äderchen durchzogen, das schüttere aschblonde Haar sorgsam gekämmt und gelegt. Alles in allem eine unsympathische Erscheinung und Ennis hoffte inständig, dass Jack seine Hand rechtzeitig genug zurück gezogen hatte.
„Joe Aguirre", rasselte der Mann kurzatmig.
„Mr. Aguirre, angenehm. Ennis del Mar und das ist Jack Twist, der Vater von Bobby. Jack, Joe Aguirre ist der Vater von ... Joe Aguirre Junior." Lächelnd blickte er erst Jack und dann Joe Aguirre an, doch sein Gesicht erstarrte, als er in das hassverzogene Gesicht seines Gegenübers schaute.
"Bobby Twist? Sie sind also der Vater von dem kleinen Scheißer, der meinen Sohn vor einigen Wochen in die Mangel genommen hat?"
„Was ... wie?", stammelte Jack, überrumpelt nicht nur von der Information, sondern auch von der Aggressivität, mit der der Vater des ihm unbekannten Kindes auf ihn losging.
„Äh, Mr. Aguirre. Ich denke, dass der Tonfall hier nicht so ange…" hub Ennis vermittelnd an, doch Aguirre unterbrach ihn höhnisch lächelnd.
„Mr. del Mar, meinen Sie nicht, Mr. Twist ist in der Lage selbst zu reden? Oder Mr. Twist, fühlen Sie sich nicht Manns genug, es mit mir aufzunehmen?"
Ennis rotes Gesicht und sein wütendes Auflodern der Augen ignorierend, ging Aguirre einen Schritt auf Jack zu, der sich im gleichen Moment streckte und ihm mit vorgestrecktem Kinn entgegen trat. „Mr. Aguirre, ich bin sehr wohl Manns genug, es mit Ihnen aufzunehmen – ich frage mich nur, mit welchem Sinn? Mein Sohn hat mir von der angeblichen Prügelei nichts erzählt und selbst wenn es so gewesen wäre, warum haben Sie mich nicht direkt angerufen oder mich direkt angesprochen, nachdem das passiert sein soll?"
„Mr. Twist, ich habe kein gesteigertes Verlangen, mehr Zeit als notwendig mit Leuten wie Ihnen zu verbringen. Ich erledige die Dinge gern in einem Aufwasch."
„Leuten wie mir? LEUTEN WIE MIR ?Was bitte soll das heißen Aguirre?" fragte Jack und seine Stimme wurde deutlich lauter.
Ennis sah, dass Jack's Halsschlagader verdächtig puckerte und eine leichte Röte an seinem Hals heraufkroch. Ein sicheres Zeichen für herannahenden Ärger und er schritt energisch ein.
„Meine Herren", sagte er. „Ich denke, es ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, das Thema zu erörtern. Ich schlage vor, sie beruhigen sich beide wieder, nehmen Platz und wir warten auf den Rest der Eltern, die gleich kommen ... ah, ich sehe, da sind auch schon die nächsten Neuankömmlinge."
Er warf Jack einen warnenden Blick zu und ging in Richtung Tür, um zwei weitere Eltern zu begrüßen, Phyllis Dane und Margret Swift, die beide fröhlich schnatternd das Klassenzimmer betraten.
Aguirre und Jack musterten sich noch einmal wütend und nahmen dann in den entgegengesetzten Ecken, weit voneinander entfernt Platz.
Kurze Zeit später erschien drei weitere Eltern, Scott Campbell, Herold Black und Doreen Houseman. Ennis machte alle miteinander bekannt und las die Tageordnung vor. Mit ruhiger Stimme erklärte er, was er in den ersten Monaten seiner Tätigkeit als Lehrer mit den Kindern gemacht hatte, welche Fortschritte die einzelnen Kinder erreicht haben und wie seine zukünftigen Planungen aussehen.
„Darüber hinaus", sagte er „ist es Brauch, an der Schule, einen Weihnachtsbasar zu veranstalten, dessen Erlös gespendet wird und wir planen zusätzlich im neuen Jahr einen eintägigen Schulausflug mit allen Kindern der ersten Klasse. Ich möchte gern mit Ihnen allen besprechen, was unsere Klasse zu dem Basar beisteuern kann und gleichzeitig brauche ich zwei freiwillige Mütter oder Väter, die als Begleitpersonen zu dem Ausflug mitkommen. Vielleicht fangen wir mit dem letzten Punkt an, das sollte sich gegebenenfalls schnell klären lassen. Wer von Ihnen kann und möchte mitfahren?"
„Vielleicht sagen Sie uns erst einmal wo's hingehen soll", knurrte Aguirre ungehalten.
„Oh, richtig, danke, Mr. Augirre. Wir fahren mit den Kindern in den nahegelegenen Naturpark, treffen dort den Ranger, der den Kindern den Park erklärt, Pflanzen und Tiere zeigt. Geplant ist die Fahrt Ende Februar, vor der Zeugnisausgabe."
„Aber ist es im Februar nicht noch sehr kalt", fragte Doreen Houseman ängstlich. Ennis blickte die verhärmte, dünne Frau an. Ihre Tochter war Asthmatikerin und Ennis verstand die Sorgen der Mutter sehr gut.
„Ja, Ma'm", sagte er. „Es kann sein, dass wir noch Schnee haben werden. Ich hoffe es nicht, aber das Wetter können wir natürlich so lange Zeit nicht im voraus planen. Wenn Sie meinen, dass das Klima Ihrer Tochter nicht gut tut, rufen Sie mich an, in Ordnung? Sie kann dann hier bleiben und geht für einen Tag in eine der zweiten Klassen."
Doreen Houseman blickte Ennis dankbar lächelnd an.
„Ausnahmen, wo gib't denn so was?", knurrte Herold Black und Ennis erinnerte sich, dass Mary McDonnell Ennis vor dem Mann gewarnt hatte.
„Ennis, Harold Black schleift schon das vierte Kind durch unsere Schule und wir hoffen inständig, dass kein fünftes nachkommt. Mr. Black ist der Leiter der örtlichen Bank hier und er ist stadtbekannt für seine Härte bei der Kreditvergabe und die Kinder werden zu Hause ordentlich gedrillt."
Nicht ahnend, dass er dieses Hintergrundwissen so schnell brauchen würde, nickte Ennis dankbar und speicherte die Informationen unter „sonstiges", von wo er sie jetzt hervorkramte und Harold Black scharf musterte.
„Mr. Black", sagte er mit ruhiger aber bestimmter Stimme. „Ausnahmen bestätigen jede Regel und ich werde immer dann Ausnahmen zulassen, wenn die Gesundheit oder das Wohlbefinden von Kindern gefährdet ist."
„Hört, hört", tönte Joe Aguirre und Ennis drehte sich zu ihm um. „Möchten Sie zu dem Thema noch etwas Konstruktives beisteuern?", fragte er ihn kalt und starrte ihn so lange an, bis dieser den Blick senkte.
„Gut", sagte Ennis. „Kommen wir zurück zu der Frage, wer an dem Tag mitkommen kann." Margret Swift hob ihre Hand. „Ich werde mitkommen, Mr. del Mar. Meine Tochter wird mich dafür hassen – aber das überlebe ich", fügte sie breit grinsend hinzu. Ennis lachte leise und nickte. „Meine Tochter wird auch dabei sein, sie ist in der anderen ersten Klasse. Vielleicht machen wir die beiden miteinander bekannt."
Margret lachte und wandte sich an Phyllis: „Honey, wie wäre es, wenn Du auch mitkommst? Das wäre doch was, oder? Wie in alten Zeiten."
Ennis blickte fragend von einer Frau zur nächsten. „Wir waren bei den Pfadfindern", erklärte Phyllis lächelnd.
„Hu", meinte Ennis. „Das nenn ich mal 'ne Referenz. Also, Ladies?" „In Ordnung" nickte Phyllis und Margret schlug lächelnd ein.
„Haben wir das also geklärt", seufzte Ennis erleichtert auf. „Kommen wir nun zum nächsten Thema: Weihnachtsbasar. Mr. Black, Sie haben ja schon drei Kinder durch diese Basare begleitet, vielleicht können Sie aus der Erfahrung sprechen?"
Überrascht blickte Harold hoch. Dass er direkt angesprochen und Wert gelegt wurde auf seine Meinung, war ihm in einer solchen Runde noch nie passiert. Sein Körper reckte sich um mindestens zehn Zentimeter, was Ennis in Gedanken lächelnd quittierte.
„Uhm, ja... Also wir haben mit den Kindern der ersten Klasse meistens das Kuchenbuffet gestellt. Die Kleinen können ja noch nicht so viel basteln und Spiele für die Teilnehmer zu organisieren ist auch noch etwas schwierig, das haben wir meistens mit den größeren Kindern gemacht."
„Was genau hat es mit diesem Basar auf sich?", fragte Scott Campbell, der sich bisher aus allen Diskussionen heraus gehalten hatte. Ennis wandte sich zu ihm: „An dem Basar beteiligen sich alle Klassen mit insgesamt 50 Schülern plus deren Eltern, Geschwister und Verwandte. Der Basar ist gleichzeitig aber auch ein Tag der offenen Tür, das heißt wir werden externe Besucher haben. Die Bude ist also voll", fügte er grinsend hinzu, als plötzlich das Licht flackerte und ein lauter Donner ertönte.
Erschrocken fuhren alle zusammen und Ennis blickte zu Jack, der aufgesprungen war, zum Fenster lief und mit besorgtem Blick in den Nachthimmel blickte. Dicke Wolken verdeckten die Sterne und Jack sah, dass sich die Bäume im beginnenden Sturm bedrohlich beugten.
„Shit", murmelte er, als er zu seinem Stuhl zurück ging. „CNN hat Recht behalten, verdammt."
„Was war das?" fragte Doreen Houseman mit zittriger Stimme.
„Wir werden einen üblen Schneesturm bekommen", sagte Ennis. „Lassen Sie uns beeilen, damit wir alle schnell nach Hause kommen. Jack, bist Du ok?", fragte er leise und Jack nickte.
Ennis blickte in die Runde der Eltern, die nun unruhig auf ihren Stühlen hin und her rutschten und er wusste, dass er die Konzentration und Bereitwilligkeit aktiv und konstruktiv mitzuarbeiten, nur noch ein paar Minuten würde halten können. Sie alle kannten die Winterstürme in Wyoming; dass einer Anfang November kam war ungewöhnlich und brachte sie aus der Ruhe.
„Herrschaften, ein paar Minuten Konzentration und dann sind Sie entlassen", sagte er. „Ich schlage vor, dass wir aufgrund der Kürze der Zeit einfach Mr. Blacks Vorschlag aufgreifen und auf seine Erfahrung vertrauen. Wir stellen das Kuchenbuffet und ich werde mit Tess Cunningham sprechen, das ist die Lehrerin der anderen ersten Klasse. Vielleicht beteiligt sich ihre Klasse auch, so dass wir ein ordentliches Angebot haben. Wenn es Ihnen recht ist", fuhr er mit plötzlich brüchiger Stimme fort, „würde ich gern den Erlös unserer Klasse an das örtliche Krankenhaus spenden, speziell für die Neugeborenen-Station, sind Sie damit einverstanden?"
Er wagte nicht, Jack anzuschauen, als er in die Runde blickte und leise Zustimmung für seinen Vorschlag erntete.
Nachdem diese Entscheidung und die Form der Beteiligung an dem Weihnachtsbasar geklärt war, fanden sich sehr schnell Einigungen dahingehend, wer was zu dem großen Fressen beisteuerte und zwanzig Minuten später löste sich die Runde auf.
Mittlerweile heulte der Wind unheilvoll und wirbelte Milliarden dicker Schneeflocken vor sich her. Blitze erhellte den Himmel und das Donnergrollen rückte näher und näher. Die Eltern verabschiedeten sich von Ennis und eilten besorgt zu ihren Wagen, um nach Hause zu fahren. Joe Aguirre war der letzte der ging. Er warf Jack noch einmal einen hasserfüllten Blick zu und wandte sich dann an Ennis. Er nahm ihn beiseite und mit leiser Stimme zischte er ihm zu:
„Del Mar, Sie haben hier heute eine gute Performance hingelegt. Respekt. Aber wenn Sie meinen, dass Ihnen das die nötige Rückendeckung gibt, haben Sie sich geschnitten. Ich habe gesehen, was ich sehen musste und es gefällt mir gar nicht. Seien Sie vorsichtig, del Mar, seien Sie sehr vorsichtig..."
Mit diesen Worten wandte er sich ab und ging mit schweren Schritten in den Sturm hinaus.
Ennis blickte ihm Zähne knirschend, mit zusammengepresstem Mund und geballten Fäusten hinterher. An diesem Tag hatte er sich einen gefährlichen Feind gemacht, das war ihm klar. Unsicher war er über die möglichen Konsequenzen für ihn und Jack – und das beunruhigte ihn zutiefst.
Jack beobachtete Ennis aus der Entfernung. Er hatte keine Ahnung, was Aguirre Ennis ins Ohr geflüstert hatte, aber er kannte Ennis mittlerweile gut genug, um anhand seiner Körpersprache zu erkennen, dass das Gespräch ihn nicht nur aufgewühlt, sondern auch sehr wütend gemacht hatte. Als Ennis sich umdrehte und mit gerunzelter Stirn auf ihn zukam, sah Jack in Ennis Gesicht eine Emotion, die ihm gar nicht gefiel. Angst.
„Ennis, was war das eben?", fragte Jack besorgt.
„Nichts", murmelte Ennis und fing an, seine Sachen einzupacken.
„Ennis, ich seh doch, dass Du wa..."
„Jack ! Ich habe gesagt, es ist nichts, ok? Ich will nicht weiter darüber sprechen." Ennis Tonfall ließ keinerlei Widerspruch zu und Jack sah ihn irritiert an. So aggressiv und hitzig hatte er Ennis noch nicht erlebt und er schluckte, ob dieser neuen Erfahrung.
Schweigend räumten beide den Klassenraum auf, Ennis nahm seine Tasche und sie verließen das Klassenzimmer, gingen immer noch wortlos durch das leere und verlassene Schulgebäude und erreichten die Tür, die ins Freie führte. Beide blieben stehen und blickten hinaus.
„Verdammter Mist", murmelte Jack mit zusammen gebissenen Zähnen und Ennis brummte zustimmend. Draußen tobte ein Inferno, wie sie es noch nie zuvor gesehen hatten. Der Sturm peitschte den Schnee, der in solchen Massen fiel, dass die Sicht nicht mehr als wenige Meter betrug. Er lag bereits zentimeterhoch auf den Straßen und brachte den Verkehr zum Erliegen. Heulend fuhr der Wind durch Häuserschluchten und trieb Äste, Zweige vor sich her, beugte Strommasten und Bäume, hub Wellblechdächer an und deckte die Häuser ab. Und von Minute zu Minute wurde es schlimmer.
„Was machen wir denn jetzt?", fragte Jack kläglich.
„Mit dem Auto können wir nicht mehr fahren", sagte Ennis. „Viel zu gefährlich. Die Straßen sind vermutlich eine einzige Eisbahn. Von hier zu mir nach Hause sind es fünfzehn Minuten Fußweg. Sollen wir es wagen?"
Jack zog den Reißverschluss seiner Jacke hoch, wickelte sich den Schal bis unter die Nasenspitze und nickte. „Bereit, wenn Du es bist", nuschelte er undeutlich durch die dicke Wolle und Ennis lächelte gequält. „Auf in den Kampf", sagte er und stemmte sich gegen die Schultür, die der Sturm in seiner eisigen Zange hielt.
Der Windstoß, der ihnen entgegenpfiff, nahm ihnen die Luft und beide wandten sich mit dem Rücken gegen das tobende Unwetter. Dicht aneinander gedrängt strauchelten sie in die Kälte. Die Schneeflocken peitschten ihnen ins Gesicht und nahmen ihnen die Sicht. Wie Nadeln stachen sie auf ihre Haut und bereits nach wenigen Metern spürten beide den Frost, der durch ihre Kleidung drang und Finger und Füße in Eis verwandelte.
„Jack. Beeil Dich. Ich erfriere hier draußen bei vollem Bewusstsein", keuchte Ennis, als er sich gegen den Wind stemmte und Jack mitzog.
„Ennis, ich tu, was ich kann, aber der verdammte Wind ... uh ...". In diesem Moment traf sie der Sturm mit voller Gewalt, ließ sie straucheln und Jack knickten die Beine weg. „Scheiße", fluchte er und mühsam kämpfte er sich gegen die tobenden Böen wieder in die Senkrechte.
Ennis schlang einen Arm um Jack's Schultern, klemmte seine Tasche unter den anderen drängte sie weiter. Die Straßen waren mittlerweile ausgestorben, Schneewehen türmten sich an den Leitplanken und die Wege und Fahrbahnen waren komplett vereist.
Wind und Schnee hatten die Natur in ihren Bann geschlagen und die Stadt innerhalb weniger Minuten in eine feindliche Landschaft verwandelt.
Jack und Ennis brauchten über eine halbe Stunde, bis sie an Ennis Wohnung angelangt waren. Durchgefroren, mit blauen Lippen und eiskalten Händen und Füßen standen sie schließlich zitternd im Wohnungsflur und zogen ihre durchnässten Jacken und Stiefel aus.
„Ennis", presste Jack mühsam zwischen klappernden Zähnen hervor. „Ich m...muss meine Ma anrufen. Ich k...k...kann heute nicht mehr nach Hause. Ich will nicht, dass sie sich Sorgen macht."
„Kein Problem, Jack. Du weißt, wo das Telefon ist. Ich hoffe, die Leitungen funktionieren noch."
Jack ging zum Telefon und wählte die Durchwahl nach Lightning Flat. Ein Knistern und Rauschen störte die Leitung und Jack befürchtete Schlimmstes, doch seine Mutter nahm das Gespräch an.
„H...h...halllo M...m...ma", zitterte Jack.
„Jack, um Himmels Willen ! Wo bist Du? Ist alles in Ordnung?"
„J..j...ja. Bin b...b...bei Ennis. Sind g...g...gerade durch den Sturm nach Hause gekommen."
„Du meine Güte. Seid Ihr verrückt, bei dem Wetter vor die Tür zu gehen? Du kommst heute nicht mehr nach Hause, Junge. Du bleibst so lange bei Ennis, bis die Straßen wieder befahrbar sind."
„Ja. Ich versuche, morgen früh zu k...k...kommen. Tiere füttern und nach dem Rechten sehen."
„Nein, Jack. Ich will nicht, dass Du ein Risiko eingehst. Wenn die Straßen morgen früh noch nicht frei sind, bleib in der Stadt. Hier draußen dauert es viel länger, bis die Räumungsarbeiten beginnen, das weiß ich aus Erfahrung. Ich rufe gleich Onkel Harold an. Er kann vorbei schauen. Wir haben uns jahrelang bei solchem Wetter ausgeholfen, als Du in Texas warst, Jack. Wir kommen schon klar."
„In O...Ordnung Ma. Grüß B...Bobby und Alma von uns. Ich ruf morgen früh wieder an. Gute Nacht."
„Gute Nacht, Jack – und trink einen heißen Tee. Kranke Männer sind was furchtbares."
Mit diesen Worten legte
Roberta auf und Jack gluckste leise in sich hinein. „Was ist los,
Rodeo?", fragte Ennis und kam mit zwei dampfenden Tassen ins
Wohnzimmer und reichte eine davon Jack, der dankbar annahm.
„Meine
Ma hat mir gerade mehr oder weniger Ausgehverbot erteilt, Ennis",
sagte Jack und ließ sich bequem auf das Sofa plumpsen und
lächelte Ennis an.
„Uh. Was ... was heißt das?"
„Das
heißt, Ennis, dass ich die Nacht über bei Dir bleiben
kann. ... Wenn Du mich willst ..." Herausfordernd grinsend pustete
Jack in das heiße Getränk und nippte vorsichtig an der
warmen Flüssigkeit, als er Ennis ansah.
„Ob ich Dich
will?", fragte Ennis mit heiserer Stimme und beugte sich zu Jack.
„Die Frage ist so rhetorisch, dass ich darauf gar nicht antworten
werde."
„Nein?", flüsterte Jack, lehnte seinen Kopf
zurück um Ennis besser in die Augen sehen zu können. Und
wie immer in den stillen Momenten ihrer Zweisamkeit sprang der Funke
der Leidenschaft über, entfacht durch einen winzigen Moment des
Blickkontaktes.
„Nein", erwiderte Ennis atemlos, nahm Jack
die Tasse aus der Hand, zog ihn vom Sofa hoch, umarmte ihn, umfasste
seinen Hintern mit beiden Händen und presste ihn an sich.
„Ich
lasse lieber Taten sprechen", wisperte Ennis mit belegter Stimme
und ließ Jack seine harte Beule in der Hose spüren. Jack
seufzte leise auf und rieb sich an Ennis, der seine Nase in Jacks
Halsbeuge vergrub, an der empfindlichen, weichen Haut saugte und dort
brennend heiße Spuren hinterließ. Wieder stöhnte
Jack auf und drängte sich ihm entgegen.
„Gott, Jack, ich
kann auf der Stelle kommen, wenn ich nur Dein leises Atmen höre",
murmelte Ennis und die Aussage entfachte Jacks Feuer. Laut stöhnend
grapschte er nach Ennis, zog ihn an seinem Hemdkragen näher zu
sich heran, riss an seinen Knöpfen und hastig entledigte er
Ennis seiner Oberbekleidung, während dieser Jack nicht minder
fieberhaft aus seinem Pullover half.
„Ennis", keuchte Jack
begierig, hob seine Hände und umfasste Ennis Hüfte, um ihn
enger zu sich heran zu ziehen, als Ennis scharf die Luft einzog.
„Was
ist los?" fragte Jack erschrocken und trat einen Schritt
zurück.
„D..Deine Hände, Jack. Sie ... sie sind
verdammt kalt."
Jack lachte leise auf. „Das tut mir leid,
Ennis. Schätze, dann musst ich sie vorher wärmen, bevor ich
Dich noch einmal anfasse."
Mit diesen Worten öffnete er
seine Hose, lies sie an sich herabgleiten, zog seine Boxershorts aus
und stand nackt vor Ennis, der ihn mit hungrigen Augen schwer atmend
ansah.
Jack nahm seinen harten Schwanz in seine Hände,
zuckte kurz zusammen, nuschelte ein „Du hast Recht Ennis, sie sind
wirklich kalt" und fing an, ihn mit ruhigen, harten Bewegungen zu
massieren.
Ennis schaute ihm zu, Erregung verschleierte seinen
Blick und sein Brustkorb hob und senkte sich immer schwerer.
„Gefällt
Dir, was ich mache, Ennis?", fragte Jack mit gutturaler Stimme und
starrte ihm tief in die Augen. „Ich könnte mir vorstellen,
meine Hände sind jetzt wärmer. Willst Du es
austesten?"
Ennis blickte auf sein Gesicht, sah die tiefblauen
Augen, sah die Erregung und das Verlangen, die daraus zu ihm
sprachen, sah die feuchten, leicht geöffneten, weichen Lippen,
den muskulösen Oberkörper mit den harten, kräftigen
Armen und sein Blick wanderte zu Jack's Händen und dem Teil
seiner Begierde, der ihn nach Luft schnappen ließ.
Jack's
Körper sprach eine deutliche Sprache. Ennis ächzte auf,
riss Jack an sich, presste seine heißen Lippen auf Jacks Mund,
während er gleichzeitig versuchte, seine Hose auszuziehen, um
den Mann in seinen Armen vollständig spüren zu können.
„Du
machst mich verrückt, Jack", nuschelte Ennis nach einiger Zeit
mit unterdrückter Stimme als seine Zunge den Hals hinabwanderte
und heiße, feuchte Streifen des Verlangens auf Jacks Haut
hinterließ. Stöhnend ließ sich Jack in Ennis
Berührungen fallen, die von Minute zu Minute drängender und
fordernder wurden.
Ihre Körper standen in Flammen. Jack
fasste Ennis Gesicht, zog ihn zu sich heran und küsste ihn
brutal auf den Mund, presste seine Lippen auseinander, drang tief in
ihn ein, und seine Zunge forderte Ennis' zum Zweikampf heraus.
„Heute Nacht gehörst Du mir, Ennis", keuchte Jack
zwischen zwei Küssen und zwang Ennis zu Boden. „Den ganzen
verdammten Tag hatte ich einen Ständer, weil ich an Dich gedacht
habe. Eine elende Tortur. Ich hab's kaum ausgehalten."
Jack
küsste Ennis noch einmal auf den Mund, hart, verlangend und
Freuden versprechend bevor seine Zunge ihre Reise aufnahm und zuckend
über Ennis Oberkörper wanderte, mit Ennis Brustwarzen
spielte und ein teuflisches Grinsen überzog Jacks Gesicht, als
Ennis sich hilflos unter dieser süßen Tortur wand.
„Ich
will Dich leiden sehen, Babe", flüsterte Jack heiser, saugte
an Ennis Nippel und zog mit der Zunge heiße Streifen der
Begierde über den erhitzten Oberkörper seines Liebhabers
während seine Hände das nackte Fleisch unter ihm kneteten
und massierten. Ennis griff in Jack's Haare und hielt sich fest,
während sein Körper kurz darauf war, sich in Wohlgefallen
aufzulösen.
„Jack ..."
„Was?"
„Bitte
..."
„Bitte was?"
Ein tiefer, kehliger Laut
entwich Ennis Mund als Jacks Mund feurige Spuren auf seinem Bauch
hinterließ, seine Zunge in seinen Bauchnabel eintauchte und ihn
ausfüllte und massierte. „JAAACK ...", keuchte Ennis. „Ich
kann nicht ... mehr ..."
„Ich hab noch nicht mal angefangen,
Ennis", murmelte Jack. „Und ich bin noch lange nicht mit Dir
fertig."
Seine Hände gruben sich in Ennis Muskeln am
Hintern. „Gott, Ennis, Du bis so heiß ... wenn Du wüsstest,
wie gut Du Dich anfühlst ..." murmelte Jack und seine
erhitzter Mund senkte sich auf Ennis Glied. Sanft leckte er an der
seidigen Spitze, schmeckte Ennis und eine Welle der Erregung
durchfuhr seinen Körper, die ihn erzittern ließ.
Jack
stöhnte auf, saugte sich an Ennis Glied fest, bevor er mit den
Zähnen leicht die Vorhaut zurück schob, was einen gequälten
Aufschrei von Ennis zur Folge hatte, um dann Ennis Schwanz mit seinen
Lippen ganz zu umschließen. Aus halbgeschlossenen Augen blickte
er auf Ennis, der seinen Kopf hob und ihn schwer atmend ansah. „Das
... wirst Du mir ... büßen ... Rodeo", keuchte er und
krallte sich, nunmehr wehrlos, in Jacks Haaren fest als Jack leise
summte und Vibrationen durch Ennis Glied jagte, die ihn fast um den
Verstand brachten.
Seufzend wand er sich unter den lutschenden
Bewegungen von Jacks Mund, sein Körper spannte sich und die Gier
und das Verlangen wurden übermächtig. Und gerade, als er
dachte, er könne es nicht länger aushalten, ließ Jack
von ihm ab, schob sich zu Ennis Kopf und küsste ihn
leidenschaftlich. Ihre Zungen tanzten einen erotischen Tanz, der sie
beide schwindeln ließ.
Schließlich hob Jack den Kopf.
Mühsam fokussierte er seine Augen auf Ennis. „Bist Du
bereit?", flüsterte er außer Atem.
Ennis nickte nur
und Jack nahm Ennis Schwanz wieder zwischen seine Lippen und
versenkte ihn tief in seinen Mund. Seine Lippen umschlossen die
weiche, heiße Haut fest, seine Hände massierten Ennis
Hoden und die hart saugenden Bewegungen von Jacks Mund brachen Ennis
Beherrschung. Wimmernd erst, dann schreiend erlangte Ennis seinen
Höhepunkt und schoss sein Sperma weit in Jacks Rachen.
Schwer atmend kam Jack hoch, wischte sich den Mund ab und senkte ihn auf Ennis Mund, der sich selbst in dem Kuss schmeckte. Das Verlangen peitschte erneut durch seinen Körper und wild grub er seine Zunge in Jacks Mundhöhle, nur von einem Wunsch besessen. „Ich ... ich will Dich Jack ..." presste er mit harscher Stimme hervor, packte Jacks Hüfte und drängte ihn an sich, Jacks heißen, harten Schwanz in seinem Unterleib spürend.
„Du kannst mich
haben, Ennis", keuchte Jack und seine Finger glitten in Ennis Mund.
„Mach sie mir nass, Babe" verlangte er von Ennis und stöhnte
laut auf, als Ennis fest an Zeige- und Mittelfinger seiner Hand
lutschte, sie mit seiner Zunge umspielte und mit seinen Zähnen
leicht an den Fingerkuppen knabberte.
„Das reicht", japste
Jack nach einiger Zeit und streichelnd fanden seine feuchten Finger
ihren Weg nach unten und benetzten sein Glied, das nach Erfüllung
schrie.
„Komm, Rodeo, reite mich", feuerte Ennis Jack mit
heiserer Stimme an und legte seine Beine auf Jacks Schulter. Jacks
Finger suchten den Weg in Ennis heiße geheimste Tiefen, dehnten
den Eingang um schließlich Einlass zu gewähren.
Und wie
jedes Mal war die Sensation grenzenlos. Das Begehren wuchs ins
Unendliche, die Gewissheit der nahenden körperlichen Vereinigung
grenzte ans Unerträgliche und wie jedes Mal hielten beide Männer
einen Moment inne, um das überwältigende Gefühl der
Nähe verarbeiten und den Moment der vollkommenen Vereinigung
hinauszögern zu können.
Schwer atmend verharrten
ihre schweißnassen Körper in einem Moment der Starre,
bevor Jack sich langsam beugte, sich beide in die Augen sahen und
ertranken in dem Anblick ihres Liebhabers.
Jack umschloss Ennis
Mund mit einem Kuss, sanft erst aber tiefer und leidenschaftlicher
werdend mit jeder Bewegung, die sein Becken vollführte.
„Ennis
... Ennis", wisperte Jack fast unhörbar. „Wenn Du wüsstest,
wie gut Du dich anfühlst, so eng, so heiß ... oh mein
Gott, oh mein Gott ..."
Ennis lautes Stöhnen hetzte kleine
Schocks durch Jacks Körper und wieder hielt er inne. „Rodeo,
was machst Du ... hör nicht auf ... hör nicht auf ...",
bettelte Ennis mit belegter Stimme und seine Beine umschlangen Jacks
Hüfte und hielten ihn gefangen, zwangen ihn zu weiteren
Bewegungen.
„Fester, Jack ... komm, Rodeo ...", feuerte Ennis
Jack mit heiserer Stimme an. Jack stöhnte auf und wie Dolchstöße
kamen seine Bewegungen nun, schneller, immer schneller und er
peitschte ihre Erregung an, trieb sie vor ihnen her, ungestüm,
fieberhaft, bis schließlich beide mit lauten Schreien ihren
Höhepunkt herbeisehnten.
Schwer atmend fiel Jack auf Ennis Oberkörper, unfähig sich zu rühren, unfähig einen zusammen hängenden Satz herauszubringen.
Nach einer Zeit, die beiden wie eine Ewigkeit vorkam, rührte sich Ennis, zog eine Wolldecke vom Sofa, deckte den wärmenden Vlies über sie beide und kuschelte sich in Jacks Umarmung zurück. Zufrieden für den Moment, in der schützenden Liebkosung des Mannes neben ihm.
Es war Jack, der wie immer als erster die Sprache wieder fand.
„Es könnte immer so sein", sagte er leise und schmiegte sich an Ennis.
„Hu, Jack, wie stellst Du Dir das vor?", fragte Ennis und sein Magen zog sich zusammen. Die Richtung in die das Gespräch ging, hatte er seit einiger Zeit vorausgesehen und es behagte ihm gar nicht.
„Wir könnten zusammen wohnen, Ennis. Jeden Abend gemeinsam einschlafen und morgens zusammen aufwachen. Gemeinsam die Kinder versorgen. Den Alltag teilen, Ennis. Das wäre ein schönes Leben, denkst Du nicht auch?"
Ennis schüttelte den Kopf, wand sich aus Jacks Umarmung und setze sich auf. Stockend, ohne Jack anzuschauen, sagte er: „Jack, es gab da diesen Jungen, damals. Toby, hieß er. Er ging in meine Klasse in der High School. Wir waren nicht direkt befreundet, aber wir kannten uns, haben uns ab und zu mal unterhalten. Es stellte sich heraus, dass er ... nun ja ... er hatte einen Freund – also einen richtigen Freund, verstehst Du? Irgendwann kam es durch einen dummen Zufall raus. Er wurde von einem Mob übler Schläger krankenhausreif geschlagen, konnte danach nie wieder richtig laufen. Sie haben ihn noch dazu von der Schule verwiesen."
„Hast Du das alles mitbekommen, Ennis?" fragte Jack bestürzt.
„Am Rande, ja. Ich hab ihn ein paar Mal im Krankenhaus besucht. Nachdem er von der Schule geflogen ist, sind seine Eltern mit ihm weg gezogen. Seit dem habe ich nie wieder von ihm gehört."
„Wie lange ist das her, Ennis?"
„Fünfzehn Jahre."
„Fünfzehn Jahre ! Ennis, aber in der Zwischenzeit hat sich so viel geändert, Die Menschen sind offener geworden."
„Jack, das denke ich nicht", sagte Ennis und blickte Jack ernst an. Jack schluckte.
„Was ... was meinst Du damit?"
Ennis seufzte. „Jack, Du wolltest vorhin wissen, was mir Aguirre gesagt hat." Jack nickte.
„Aguirre hat mich ziemlich offensichtlich bedroht, Jack."
„Was?"
„Er sagte zu mir, ich hätte heute eine gute Performance hingelegt, ich solle mich aber nicht zu sicher fühlen, er hätte gesehen, was er sehen musste."
„Scheiße", flüsterte Jack und starrte Ennis mit bestürzten Augen an.
„Jupp", nickte Ennis und fügte düster hinzu: „Jack, bitte versteh mich. Ich bin in der Stadt Lehrer. Wenn sie einen Jungen von der Schule verweisen, der nicht der Norm eines amerikanischen Durchschnittsbürgers entspricht, dann werden sie das bei einem Lehrer erst recht tun. Und ich muss auch an meine Tochter denken, Rodeo. Sie hat nur noch mich." Ennis biss sich auf die Lippen und sah Jack flehend an.
Jacks erschrockener Blick brach und er kroch zu Ennis und nahm ihn in die Arme. „Shh, Ennis, ist ok, es ist ok", murmelte er leise in sein Ohr. „Wie lange, denkst Du, müssen wir so weiter leben, Babe?", fragte Jack nach einiger Zeit mit unterdrückter Stimme.
„So lange wir können, Jack. So lange wir können. Und es gibt nichts, woran wir uns halten können", wisperte Ennis verzweifelt und klammerte sich an Jack, als ihm die Tragweite seiner Worte klar wurde.
Er sah keine Lösung und er wusste, dass er immer in dem Zwiespalt gefangen sein würde, der zwischen dem tiefen Wunsch geboren wurde, Jack zu sehen, mit ihm zusammen zu sein und mit ihm zu leben und zwischen der Angst vor der Entdeckung, der Angst vor dem Verlust seines Berufs als Lehrer. Das Ansehen, das der Beruf mit sich brachte, war ihm dabei nicht wichtig. Ennis legte keinen Wert auf die Meinung anderer Leute, das hatte er noch nie getan. Aber er brauchte seinen Job. Er brauchte ihn, um sich aus der immer wieder kehrenden Melancholie zu befreien und vor allem brauchte er ihn, um ein zu Hause für Junior schaffen zu können.
Unabhängig seiner Gefühle zu Jack, stand seine Tochter an erster Stelle und er musste, nein er wollte alles tun, um ihr ein fröhliches und zufriedenes Leben zu ermöglichen.
Müde seufzte er auf.
Jack sah Ennis an und nahm sein Gesicht in seine Hände.
„Ennis", flüsterte er eindringlich. „Diese Endgültigkeit Deiner Worte kann ich nicht akzeptieren. Ich verstehe Deinen Punkt und ich werde nichts riskieren, was Dich in Schwierigkeiten bringt. Du bist ein guter Lehrer, ein verdammt guter, Honey und die Schüler brauchen Dich. Und Du brauchst Deinen Job. Aber, Ennis, ich will und ich kann nicht immer auf Abruf leben. Es macht mich fertig, jeden Morgen vor dem Morgengrauen aus dem Bett zu klettern und nach Hause zu fahren, ohne von Dir Abschied nehmen und Dir einen schönen Tag wünschen zu können."
„Aber ..."
„Lass mich ausreden, Ennis, ich bin noch nicht fertig", unterbrach ihn Jack. „Ich möchte, dass wir Kompromisse finden, dass wir Wege finden, uns sehen zu können. Könntest ... könntest Du damit leben, Ennis?" fragt Jack und sah den Mann in seinen Armen ängstlich an.
Er hatte sich gerade in einer Form offenbart, die ihn verletzbar machten. Er hatte den unausgesprochenen Glauben auf beiden Seiten, dass es sich bei ihrer Affäre um eine einmalige Sache handelt, soeben durchbrochen. Er hatte ihre Beziehung auf eine höhere, ernstere Ebene katapultiert, ihr eine Zukunft gewiesen und dabei alle Vorsicht und alle Hemmnisse über Bord geworfen. Er hatte sein Herz sprechen lassen und obwohl er wusste, dass Ennis ihn nie absichtlich verletzen würde, so hatte er doch Angst davor, dass Ennis sich seinen Gefühlen verweigern würde, dass sie ihm zu viel wurden, dass sie ihm Angst machten, dass Jacks Vorstoß vielleicht zu früh kam.
Ennis schwieg eine Zeit und sah Jack an. Er sah die Angst und den Zweifel in Jacks Augen. Jack, der Mann, sein Mann, in dessen Gesicht er lesen konnte wie in einem offenen Buch. Der Mann, der ihm sein Lachen und die Freude am Leben zurück gegeben hatte, der ihn hielt, wenn er traurig war, der sich freute, wenn er einen guten Tag gehabt hatte. Jack, der das Herz seiner Tochter im Sturm erobert hatte, dessen Sohn ihm fast wie ein eigener vorkam in der kurzen Zeit, in der sie sich kannten. Jack, sein Freund, sein Seelenverwandter – Jack sein Liebhaber.
So sicher, wie er im Augenblick keine Lösung für die Probleme hatte, die sich wie ein riesiger, unüberwindlicher Berg vor ihm auftaten, so sicher wusste er, dass es für ihn ein Leben ohne Jack nicht mehr geben konnte.
Sanft küsste Ennis Jack auf den Mund. „Rodeo", flüsterte er. „Mir fehlt im Augenblick jegliche Fantasie für Kompromisse. Aber ich ... wenn wir welche finden, ich werde sie akzeptieren."
Jack lächelte Ennis an. „Mehr will ich nicht, Babe. Mehr will ich nicht. Ich verspreche Dir, dass wir welche finden. Wir müssen sie finden, Ennis, wir müssen einfach."
Wieder küssten sie sich, langsam, zärtlich, ohne die drängende Leidenschaft, die sie sonst erfasste, aber mit einem Versprechen für die Zukunft, einem Versprechen für ein gemeinsames, ein geteiltes Leben.
In dieser Nacht hielten sie sich noch lange in den Armen und lauschten dem Abklingen des Sturmes. Als die Natur Luft holte und die Gewalten des Sturmes gebannt waren, schliefen sie ein. Umschlungen, vereint und in der Hoffnung auf einen Morgen danach.
