Kapitel 11
Es gab keinen Schutz vor der Sonne. Die Hitze nahm ihnen ihre Energie und es dauerte nicht lange bevor der Junge sein Paddel hinlegte und sich, wie ein Baby zusammengerollt, auf den Boden des Bootes fallen ließ, die Arme zur Seite gestreckt.
Adam ruderte jetzt langsam, da die Insel nun nur ein kleiner Punkt am Horizont war. Er dachte daran die Insel zu umfahren um an einer anderen Stelle zu landen, so dass sie Wasser und Essen sammeln konnten, aber die Insel war klein in ihrer Peripherie und der Ärger der Eingeborenen beträchtlich. Er hatte keinen Zweifel daran das sie sich vor seiner Rückkehr schützen würden, besonders da es Zeit brauchte die Boote wieder zu reparieren.
Er schaute hinter sich und nach links und rechts von ihm. Wo war die Ainola geblieben? Er konnte den Gedanken nicht akzeptieren das sie ihn einfach im Stich gelassen hatten. Auch wenn es die Wahrheit war was er zu John gesagt hatte, die erste Pflicht eines Captains war gegenüber seiner Mannschaft und des Schiffs, es war trotzdem das richtige und Anständige die zu retten die Hilfe brauchten.
Er sah zu John und wusste der Junge war erschöpft. Es gab wenig Hoffnung das er im Moment zu etwas zu gebrauchen war und Adam wunderte sich ob es die richtige Entscheidung war die Insel zu verlassen. Der Junge wimmerte nun leise und es tat Adam im Herzen weh das zu hören. Entschlossen wusste er es gab nur eine Sache die er tun konnte, und das war zur Insel zurück zu kehren und Wasser und Essen zu finden.
Er ruderte langsam erst nach links und dann nach rechts, sparte seine Energie und erlaubte der Strömung sie zu der Unterströmung zu treiben die sie zu der Insel bringen würde. Als er ruderte dachte er zurück zu der Unterhaltung mit dem Jungen am vergangenen Abend. Er lächelte leicht als er sich erinnerte, dass der Junge eingeschlafen war während er seine Geschichte erzählte.
Er erinnerte sich daran das er erwähnt hatte das es Ereignisse gegeben hatte die ihn dazu brachten sein zu Hause zu verlassen. Als er das Paddel ins Wasser tauchte, sein Rücken gestreckt und die Augen wachsam, die Sonne durch sein Hemd brennend, versuchte Adam die Geschehnisse in Gedanken zurückzuholen die er vor kurzem erwähnt hatte.
Nun, da war die Situation mit Peter Kane. Selbst jetzt noch träumte er von diesem verdammten Kerl, nein, nicht träumen, das war nicht das richtige Wort, er hatte Albträume von der Mine, der Hitze, der Demütigung. Kane. Das war ein Name der...niemand schien verstanden zu haben warum das so eine Wirkung auf ihn hatte. Selbst jetzt, wo er hier darüber nachdachte, während er das Boot über das blaueste Wasser und die ruhigste See paddelte, selbst jetzt konnte er den Horror des Ganzen in Worte fassen.
Was war die andere Sache? Der Tag an dem er Joe anschoss. Er schloss die Augen und zitterte. Da war dieses Paar in dem Buggy dass ihnen geholfen hat. Mr Reardon und seine Tochter, Sheila. ´Wunderschöne Ausblicke und perfekte Sonnenuntergänge´. Er konnte nun die Stimme des Mädchens hören und die Art wie sie heftig sagte ´Ich hasse es hier´ und er konnte sich erinnern wie sein eigenes Herz kräftig schlug bei den Worten, denn in dem Moment wusste er wie sie sich fühlte.
Adam biss sich auf die Lippen und paddelte jetzt wie wild als ob er seinen eigenen Erinnerungen entkommen wollte. Eine Unmöglichkeit. Er hielt an, und wischte sich mit einer Hand den Schweiß von der Stirn. Nachdem die Reardons gegangen waren und er alleine mit seinem Vater war...er konnte sich so gut daran erinnern, so deutlich, wie er sich fühlte.
Es war eigenartig wie eine Hand auf einem Arm einen Moment eine Quelle von Trost und Ermutigung sein kann, und in einem anderen Moment von Furcht und Bestürzung. Als Ben eine Hand auf Adams Arm legte, fühlte der jüngere Mann wie ein Wurm aus Elend innerhalb seines Magens kroch. Er sah besorgt hinauf, seine dunklen Augen wurden noch dunkler als er die Gesichtszüge seines Vaters studierte.
„Willst du jetzt darüber sprechen, mein Sohn?"
Adam nahm einen tiefen Atemzug und als er ausatmete senkte er den Kopf und sah weg. Die Hand auf seinem Arm war warm und sanft doch sie fühlte sich an wie eine Tonne Gewicht. Er hatte das Verlangen sie abzuschütteln, aufzustehen und aus dem Zimmer zu rennen, doch sein eigener Stolz und der Respekt vor seinem Vater hielten ihn davon ab das zu tun.
„Es tut mir leid, Pa."
„Ich weiß, Adam." Ben nahm seine Hand weg und legte sie auf die Schulter seines Sohnes, ohne zu merken das er in seinem Sohn, als Ergebnis, noch mehr Irritation und Ärger verursachte.
„Ich habe ihn einfach nicht dort gesehen, Pa." Adam hatte eine Hand in einer Geste des Selbstekels erhoben „Ich bin die Sache in meinem Kopf immer wieder durchgegangen und ich kann ihn immer noch nicht sehen. Als ich feuerte, habe ich nur den Wolf gesehen, ich habe Joe nie gesehen. Ich habe ihn nie gesehen."
Er machte seinen Rücken gerade, mehr als Mittel die Hand auf seiner Schulter zu entfernen, die Hand die ihm nun so heiß wie ein Brandeisen vorkam. Es war unnötig denn Ben lies los und setzte sich in seinen Sessel und beobachtete seinen Sohn nachdenklich.
„Adam, Unfälle passieren. Du musst dich nicht weiter deswegen schuldig fühlen. Ich weiß von dem was die Reardons erzählt haben und von Hoss, das du dich unaufhörlich für diesen Unfall bestraft hast. Zur selben Zeit sieht es so aus als ob du vergessen hast das du deinem Bruder das Leben gerettet hast."
Er sah kurz zu seinem Vater und verzog dann das Gesicht. Dann schüttelte er den Kopf.
„Pa, nichts das passiert ist-" er stoppte als er den Blick seines Vaters sah, voll Ungeduld und er traf ihn unvorbereitet. „Du bist wütend auf mich? Natürlich bist du, du hast jeden Grund dafür. Ich habe mich wie ein Anfänger verhalten, bin einfach losgerannt und hab in alle Richtungen gefeuert. Das dumme ist das ich dachte ich würde Joe beschützen, als ich ihn dort am Boden sah und wusste das es meine Kugel war die ihn niedergestreckt hatte..."
Adam erinnerte sich an die Tränen die ihm in den Augen standen, wie er eine Hand vor den Mund hielt und die Zähne zusammenbiss um sie nicht fallen zu lassen.
„Sohn, Ich bin nicht wütend auf dich. Ich könnte nicht böse auf dich sein wegen dem was passiert ist. Ich möchte nur das du aufhörst dich selbst zu bestrafen. Ich möchte das du aufhörst zu denken das dieser Ort barbarisch und grausam ist. Ich möchte das du dich an die Dinge erinnerst die wir daran lieben..." er lehnte sich nach vorne, seine fast schwarzen Augen zwangen Adam ihm ins Gesicht zu sehen. „Erinnerst du dich wie wir die Ponderosa gefunden haben? Erinnerst du dich wie hart wir dafür gearbeitet etwas daraus zu machen? Du, Ich und Hoss?"
Adam erinnerte sich an den Moment nun deutlicher als je zuvor. Er realisierte das sein Vater von der Unterhaltung zwischen ihm und Hoss am vergangenen Abend erfahren hatte. Wie Hoss lyrisch über die Ponderosa gesprochen hatte und er hatte mit Thoreau gekontert. Dann hatte er sich den Reardons gegenüber aufgeregt was für ein heidnischer Ort hier doch war, keine Ärzte, keine Feinheiten. Sonnenuntergänge und weite Landschaften. Er erinnerte sich an die Worte, sie gingen ihm selbst jetzt noch durch den Kopf, immer wieder, wie Nägel die in einen Sarg gehämmert wurden.
„Das Land war seltsamer als es jetzt ist. Erinnerst du dich? Wir waren auf die Hilfe von anderen angewiesen. Als Joe geboren wurde, wer war da um uns zu helfen? Aber wir waren an der Schwelle für eine wunderbare Zukunft für dieses Land. Die Ponderosa ist..."
„Pa."
„Ich bin noch nicht fertig mitreden, Junge." die Stimme seines Vaters war härter geworden, der Mund eine feste Linie im braun gebrannten Gesicht. „Schau, ich will nicht das du den Unfall mit Joe als Ausrede dafür benutzt um wegzulaufen von, was es immer war, einer wundervollen Sache hier. Ich möchte das du bleibst, ich möchte das du..."
„Du willst? Was ist mit meinen Bedürfnissen?" die Worte platzten heraus, schnell, eilig.
„Ich habe immer gedacht die wären direkt hier, auf der Ponderosa?" Ben lehnte wieder nach vorne, seine dunklen Augen durchforschten das Gesicht seines Sohnes. „Ich erinnere mich daran wie es im Osten war. Die Feinheiten, die leichte Art zu leben, die Zugänglichkeit zu allem. Manchmal frage ich mich selbst warum ich gegangen bin?" er stand auf, und drehte sich zur Feuerstelle, beobachtete ihn einige Sekunden und lächelte, „Erinnerst du dich daran als wir diesen Kamin gebaut haben? Wie wir gejubelt haben als wir den letzten Stein gesetzt hatten? Nun, wir sind wie diese Steine. Jeder von uns ist ein Fels, unterstützt von den anderen, jeder an seinem richtigen Platz. Der Zement der sie verbindet ist die Liebe die wir füreinander empfinden."
Er legte eine Hand auf Adams Arm und lächelte. Es war seltsam, dachte Adam nun als er sich an die Zeit erinnerte, wie das berühren einer Hand auf einem Arm gleichzeitig der Grund für Irritation und Ärger und im nächsten Moment Trost spenden konnte.
Ein leichtes Seufzen kam von den Lippen des Jungen und Adam kam zurück in die Gegenwart. Er wisch sich mit der Hand den Schweiß vom Gesicht. Nun, sagte er sich selbst, war keine Zeit für Selbstmitleid und Schuldzuweisungen.
