10. Kapitel – Schlechtes Karma?
Dieses Gefühl in ihrem Bauch war fast unerträglich. Jedes Mal, wenn Alex Ryan ihr so nah war, erwachte es zum Leben und Claire wünschte sich, dass sie es einfach abschalten könnte, doch so leicht war das nicht. Für Gefühle gab es keinen an und aus Schalter. Leider Gottes. Gefühle waren eben, wie sie waren. Entweder gut, oder schlecht. Oder beides zusammen. Bei Alex und ihr war es so. Zum einen waren diese Gefühle etwas schönes und sehr angenehmes, doch auf der anderen Seite waren sie vollkommen Fehl am Platz und sie verwünschte sie! Dumm nur, dass sie nun schon wieder an so einem Punkt war, wo sie keine Wahl mehr hatte...
Der Abstand zwischen ihnen wurde mit jeder Sekunde geringer und selbst Claire konnte nun nicht mehr denken. Es war wie vor einigen Stunden, als Alex und sie sich auf der Feier geküsst hatten. Es war fantastisch gewesen. Einfach nur fabelhaft und doch so falsch. Was, wenn sie sich nun nicht Stoppen konnte und mit ihm schlafen würde? Alex würde nicht der erste Mann in ihrem Leben sein. Claire McLeod hatte zuvor auch ein Leben gehabt und einen Freund. Mit diesem hatte sie vor fast einem Jahr geschlafen und danach war alles bescheuert gewesen. Er hatte sie nicht mehr wirklich gewollt, weil er das bekommen hatte was er von Anfang gewollt hatte: Sex mit ihr.
Heute war sie klüger. Hatte verstanden, dass nicht jeder Mann nach der richtigen suchte und von einer Hochzeit träumte. Natürlich war sie auch nicht die Frau, die sich heimlich ihre Hochzeit vorstellte! Claire war nie so gewesen und das würde auch nicht so werden. Sie war bodenständig und realistisch, arbeitete hart und viel, doch niemals würde sie eine Frau werden, die von nichts anderem mehr redete, als von ihrer Hochzeit. Das wäre der absolute Alptraum für die McLeod! Auch diese Gefühle jagten ihr Angst ein. Ob es nun falsche Angst war, oder nicht. Diese Gefühle waren da und sie machten ihr Angst.
Sie war nicht einmal mehr fähig sich von der Stelle zu bewegen. So gefesselt war sie von der ganzen Situation. Alex machte noch einen Schritt auf sie zu und schon war seine Hand wieder auf ihrer Wange. Sanft fuhr sie dort auf und ab und der andere Daumen fuhr ihren Kiefer nach. Claire öffnete den Mund, aber kein Laut kaum heraus. Magisch...ja, das war dieser Augenblick. Er war vollkommen magisch und sie war berauscht davon. „Claire...ich...", sagte Alex leise und sah in ihre Augen. Doch er sagte nichts weiter. Stattdessen wanderte sein Daumen von ihrem Kiefer zu Claires Lippen.
Er strich über sie und lächelte. Möglicherweise war er wirklich in Claire verliebt...es war möglich. Bisher war er sich nicht ganz darüber im Klaren, was er für sie empfand. Sie kannten sich eigentlich sehr gut. Früher war es so gewesen, doch viel hatte sich verändert. Die beiden hatten sich verändert, waren inzwischen fast erwachsen und vielleicht kannten sie sich nun nicht einmal mehr. Wer waren sie? Klar war, dass sie nicht mehr die Kinder waren, die sie vor 8 Jahren gewesen waren. Die Frage war wirklich schwer zu beantworten.
Wahrscheinlich sollte Alex das genau hier beenden. Heute waren sie schon mal an diesem Punkt gewesen und Claire hatte ihn nachher wieder wie immer behandelt. Sie hatte sonst was von ihm gedacht, sogar, dass er sie nur flachlegen wollte. Nein, das war nicht seine Absicht. Wenn es passieren würde, dann würde es eben passieren. So dachte er darüber. Alex wollte Claire nicht einfach nur ins Bett zerren. Es mochte sein, dass er sehr viele Freundinnen, oder eher Bettgeschichten gehabt hatte, aber deswegen wollte er nicht jede Frau auf diese Weise haben!
Alex' Hände ließen von Claire ab und er sah sie nur an. Nun würde er keinen weiteren Schritt mehr machen. Sie waren sich so Nah und doch waren sie soweit voneinander entfernt. Er wusste nicht was Claire für ihn empfand. Ob sie ihn hasste, oder doch mochte. In den letzten Jahren hatten sie sich immer sehr schlecht behandelt und bei praktisch jeder Begegnung hatte es Streit gegeben! Okay, einige Male hatte er sie provoziert und Anspielungen in Richtung Sex gegeben. Und er hatte dumme Sachen gemacht. Da war z. B. die Sache mit der Leiter...
Claires Körper vibrierte. Dieses Gefühl war gut. Ja, das war es! Gut, gut gut! Sie sagte es sich immer wieder. Es war gut und es konnte nicht falsch sein. Entweder sie ließ es nun zu, genau in diesem Augenblick, oder sie wurde wieder zu der scheinbar gefühlskalten Claire. Nun, was wollte sie also? Wer wollte sie sein. In diesem Moment...in diesem Moment wollte sie nicht die Claire sein, die hart und kalt war. Und so handelte sie auch. Claire stellte sich auf die Zehenspitzen, legte ihre Hände um Alex' Hals und küsste ihn. Einfach so...
Damit hatte Alex nicht gerechnet. Er hatte gedacht, dass Claire wieder den Schritt nach hinten machen würde und ihn rauswerfen würde. Doch sie tat es nicht. Stattdessen küsste Claire McLeod ihn! Die Überraschung verflog schnell und Alex erwiderte den Kuss. Er legte eine Hand um ihre Hüfte und zog sie näher zu sich. Die andere fuhr über ihren Rücken und streichelte sie dort auf und ab...ganz sanft. Diesmal hatte Claire den ersten Schritt getan und falls sie sich nachher beschweren würde, dann war es nicht seine Schuld. Doch das war ihm im Moment ziemlich egal. Claire und er standen hier in ihrem Zimmer und küssten sich. Wer wusste was nun passieren würde. Sicher, der Wunsch war da und falls sie es wollte, dann würde Alex keine Sekunde zögern. Doch Claire war sprunghaft, zumindest wenn es darum ging ihn zu küssen. Jetzt zählte nur das hier. Und die Folgen interessierten Alex im Moment nicht. Claires Hände strichen über seinen Nacken und wanderten über seinen Rücken. Ja, sie wollte es. Sie wollte es wirklich.
Claire McLeod sehnte sich nach Alex Ryan. Das war so verrückt und irgendwie...irgendwie war es sogar richtig gut. Nun würde sie bis aufs ganze gehen. Im Moment wollte sie nur ihn und das um jeden Preis. Sie waren immer noch allein. Ihr Vater und Meg waren auf Killarney bei dem Fest und die Arbeiter würden nicht ins Haus kommen. Sie konnten nun also machen was sie wollten. Und Claire würde es auch zulassen. Nun zupfte die braunhaarige an Alex' Shirt und der Kuss wurde unterbrochen. „Du musst aus den nassen Sachen raus.", flüsterte sie. „Sonst erkältest du dich noch und das wäre gar nicht gut.", sagte sie und ein kleines Lächeln stahl sich auf ihre Lippen.
Alex brummte leise, als die Lippen der beiden sich trennten. Es war doch so schön gewesen. Eine Sekunde lang hatte er schon Angst gehabt, dass Claire nun einen Schlussstrich ziehen würde, doch sie tat etwas ganz anderes. Er sollte also seine nassen Sachen ausziehen? Ja, das hörte sich ja fast schmutzig an und solche Worte aus ihrem Mund. Doch es wunderte ihn nicht. Claire war eine starke Frau, die wusste, was sie wollte und vermutlich war es auch im Schlafzimmer so. Nicht, dass er etwas dagegen hatte...Er zog eine Augenbraue nach oben und grinste etwas. „Wie My Lady wünscht...".
Alex gab Claire noch einen kleinen Kuss und dann flog sein T-Shirt auf den Boden. Bevor er mehr tat, warf er einen kurzen Blick auf Claire. Sie schien keine Widerworte zu haben und das war gut. Er öffnete die Gürtelschnalle und wenig später lag die Hose ebenfalls auf dem Boden. Nun hatte er nur noch seine Boxershorts an. Alex ging wieder auf Claire zu und küsste sie. Der Kuss wurde schnell intensiver und leidenschaftlicher. Die Gefühle, die im Moment durch seinen Körper rauschten waren unglaublich.
So etwas hatte Alex zuvor noch nie gefühlt, doch nun war es soweit und er konnte sie nicht definieren. War es Liebe, die er für Claire empfand, oder etwas viel stärkeres? Ihre sanften Hände fuhren über seine Brust und Gänsehaut erwachte an den Stellen, die ihre Hände berührt hatten. Alex hatte es nicht für möglich gehalten, dass ihre Hände so zart und zerbrechlich sein konnten. Doch so war es. Claire war viel mehr als eine angehende Farmerin. Sie war eine tolle, berauschende Frau und jeder Mann würde sich die Finger nach ihr ablecken. Dessen war es sich nun sicher. Aber Claire würde es keinem so leicht machen, dass hatte er schon am eigenen Leib erfahren.
Seine Hände fuhren durch ihre Haare, massierten die Kopfhaut und strichen dann über ihren Nacken. Claire hatte immer noch den gelben Bademantel an und das konnte er schnell ändern. Doch er wollte dies noch nicht. Prickelnd...so konnte man das hier bezeichnen. Es war aufregend und sehr verführerisch. Alex sehnte sich so sehr nach dieser Frau, dass es schon wieder weh tat und endlich schien es eine Veränderung zu geben.
Die Angst war Claire nun egal. Nur der Augenblick zählte und das war einfach toll. Claire wusste nicht ob sie Alex liebte, oder irgendwelche Gefühle in dieser Richtung für ihn hatte, aber sie wollte das. Ihre Hände fuhren wieder zu seinem Rücken und ihre Zunge fuhr fast schüchtern über seine Lippen und bat um Einlass. Alex gewehrte ihr dies und die Zungen der beiden lernten sich kennen. Ihre massierte Alex' sanft und während ihre Zungen sich duellierten, öffnete Claire ihren Bademantel und schob ihn auseinander.
Alex bemerkte das nicht sofort. Er war auf das konzentriert, was er gerade machte. Das Claire irgendetwas machte, entging ihm aber nicht. Der Zungenkuss endete und die beiden blickten sich schwer atmend an. Claire lächelte und mit einer kleinen Bewegung lag der gelbe Bademantel auf dem Boden. Da stand Claire also, so wie Gott sie geschaffen hatte. Alex blieb die Sprache weg. Er zog scharf die Luft ein und konnte nicht anders, als sie anzusehen. Das war es auf jeden Fall wert. Claire sah einfach fantastisch aus. Einfach toll.
„Alex?", hörte er seinen Namen, der von sehr weit herkam und er sah, dass Claire etwas verwundert wirkte. „Ssscht, sag kein Wort, Claire.", hauchte er und küsste sie wieder. Nun konnte man ihn nicht mehr aufhalten. Er war sie ein Hai, der von Blut angelockt worden war. Claire schien es absolut und ganz zu wollen. Sonst würde sie nun nicht so unglaublich weit gehen, oder wollte sie ihn vielleicht bis an den letzten Punkt treiben und dann von ihm lassen? Nein, das traute er ihr nicht zu. Es gab Frauen, die das tun würden, doch Claire war nicht so berechnend.
Alex legte seine Hände wieder auf ihren Rücken und mit einem Mal waren die beiden schon in Claires Bett. Wer von ihnen dafür verantwortlich war, war schwer zu sagen. Beide hatten gehandelt und die Küsse der beiden wurden leidenschaftlich und unglaublich zärtlich zugleich. Claire lag unter Alex und an ihrem Bein nahm sie etwas Hartes wahr. Und ihr war sofort klar, was das war. Der Beweis, dass Alex sie wollte. Claires Hände fuhren über seinen Körper und wanderten immer weiter nach unten. Kurz vor seinen Boxershorts wurde sie von Alex aufgehalten. Er sah Claire an und suchte nach etwas in ihren Augen. „Claire...wenn du das machst, dann gibt es kein zurück mehr.", sagte er sanft.
„Alex, ich will das...und nun hör auf zu reden und küss mich.", ihre Stimme klang ernst und sie lächelte dabei. Wieder sanken die Lippen der beiden aufeinander und es gab kein Zurück mehr für die beiden. Claires Hände schoben seine Boxershorts nach unten und ein kleines Keuchen kam über Alex' Lippen. Dieses wurde jedoch von ihrem Mund gedämpft und sie unterbrachen die küsse nicht. Eine Hand von Alex fuhr durch Claires Haare und dann stützte er sich mit beiden Armen neben ihr ab. Jeden Moment würde es soweit sein...Alex küsste Claires Hals und gleichzeitig drang er in sie ein. Claire stöhnte auf und ihre Finger krallten sich an seinem Rücken fest.
Einen Moment lang verharrten die beiden in dieser Position, dann drückte Alex Claire wieder einen Kuss auf die Lippen und fing an sich in ihr zu bewegen. Erst langsam und dann wurde er schneller. Keuchen und stöhnen erfüllte den Raum und Alex war sich sicher, dass dies hier das Beste war, was er jemals erlebt hatte. Alex hatte schon mit ein paar Frauen geschlafen, aber das mit Claire war neu und anders. Schöner. Ja, es war viel schöner als alles was er bisher mit einer Frau erlebt hatte. Ihre Hände krallten sich fast unsanft an ihm fest, doch es verlieh dem ganzem seine eigene Note. Die Küsse zwischen den beiden schienen sogar noch intensiver zu werden und Alex musste inzwischen um seine Beherrschung kämpfen. Er wollte das hier noch einige Sekunden lang genießen und nicht sofort kommen und das ganze beenden.
Leicht war es nicht. Alex stieß so tief in sie wie er konnte. Entfernte sich fast vollständig aus und ihr drang erneut ein. Es war vollkommen berauschend und seine Bewegungen wurden fahriger. Die Kontrolle ging verloren und Claires keuchen machte es nur schlimmer. Sie krallte sich an ihm fest und die Bettdecke unter den beiden war vollkommen zerwühlt. Eine von Claires Händen entfernte sich von Alex' Rücken und krallte sich nun ins Bettlacken. Ihre Augen waren geschlossen und ihr Mund geöffnet. Kleine Schweißperlen waren auf ihrer Stirn und auf ihren Brüsten.
Das trieb Alex fast in den Wahnsinn. Die Kontrolle ging just in dem Moment verloren und der Orgasmus überrollte ihn zeitgleich mit Claire. Sie krallte sich wieder an ihm fest und stöhnte laut auf. Etwas in ihr zog sich zusammen und Alex verteilte sich in ihr. Keuchend brach er über ihr zusammen und legte sich neben sie. Er wollte sie ja nicht erdrücken. Neben ihm versuchte Claire irgendwie wieder normal atmen zu können, doch es gelang ihr einfach nicht. Ihre Augen waren immer noch geschlossen und ihr ganzer Körper zitterte vor Lust. Eine Hand strich über ihre Stirn und ein paar Haare wurden nach hinten gestrichen.
Nach ein paar Minuten hatte sich Claires Atem wieder beruhigt und neben sich nahm sie dasselbe wahr. Als sie einen vorsichtigen Blick auf Alex warf, sah sie, dass er schlief. Und irgendwie kehrte die Angst zurück. Sie hatte gerade mit Alex geschlafen. Oh mein Gott, sie hatte wirklich mit Alex Ryan geschlafen! Claires Mund zitterte etwas und sie legte den Kopf schief, als sie ihn ansah. Was wollte sie eigentlich? Wollte sie das hier wirklich, oder...was wollte Alex? Claire wusste nicht einmal was sie wirklich für ihn empfand und dann schlief sie mit ihm.
War das nicht falsch? Leise stieg sie über Alex und zog sich dann ihren Bademantel wieder an. Wie spät war es? Mit einem Blick auf die Uhr, stellte sie fest, dass es inzwischen Mitternacht war. Punkt Mitternacht. Unten hörte sie eine Tür die zugeschlagen wurde und sofort kam Panik in ihr hoch. Claire richtete ihre Haare und zog den Bademantel zu. Dann trat sie in den Flur und sah wie Jack die Treppe hochkam. „Claire! Da bist du ja!", sagte ihr Vater und schien erleichtert zu sein.
„Ah tut mir Leid...Alex...Alex hat mich nach Hause gebracht.", sagte sie leise und sah ihren Vater an. Mist, wo hatte Alex sein Motorrad eigentlich stehen gelassen? Es fiel ihr einfach nicht mehr ein! Sie konnte nur hoffen, das Jack keine weiteren Fragen stellen würde und das einfach so hinnehmen würde. Und Alex musste verschwinden, bevor die anderen wieder aufstanden. Jack nickte, wünschte Claire eine gute Nacht und verschwand in seinem Zimmer. Claire seufzte und ging ins Badezimmer. Dort sah sie sich im Spiegel an und ihre Hände klammerten sich am Waschbecken fest. Das schlechte Gefühl kehrte zurück und es war alles andere als toll. Sie hatte gerade mit Alex geschlafen und nun kehrten die verdammten Zweifel zurück.
Was tat sie nur? Die Tränen rollten über ihre Wange, bevor sie es wirklich realisieren konnte und eine der Tränen tropfte ins Waschbecken. Ihre braunen Haare fielen ihr ins Gesicht als Claire den Kopf senkte und ein leises Schluchzen ertönte im Badezimmer. Claire fühlte sich unendlich schlecht und zu Weinen tat nun sogar gut.
Fast eine halbe Stunde lang stand sie vor dem Spiegel und weinte. Ja, Claire McLeod weinte und es tat sehr gut. Befreiend. Das war es...sie hätte niemals geglaubt, dass so eine einfache Sache einem so sehr helfen konnte. Der Spiegel war etwas beschlagen und Claires Hand wischte diese Stelle frei. Sie sah sich, doch sie wusste nicht wer sie eigentlich war. Bisher hatte sie immer geglaubt zu wissen, wer sie war, doch nun...nun war sie sich da nicht mehr so sicher.
Die Tränen verschwanden langsam und Claire wusch sich das Gesicht. Sie fühlte sich schon etwas besser. Leise machte sie sich wieder auf den Weg in ihr Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Claire wusste nicht, wie es nun weiter gehen würde, was sie nun eigentlich machen wollte. Der Morgen danach würde nicht besonders lustig werden und sie hatte wirklich Angst davor. Selbst wenn Alex das hier ernst gemeint hatte, so würde die Angst nicht sofort verschwinden. Immerhin war diese kein Hirngespinst, sondern real.
Sie ging zum Fenster und sah hinaus. Es war dunkel und nur der Mond beleuchtete Drovers Run. Sie liebte diese Farm über alles und sie konnte sich keinen schöneren Ort auf Erden vorstellen. Hier war sie geboren worden und hier würde sie vermutlich sterben. Alles sah so schön aus. Nachts und genauso wenn morgens die Sonne über die Hügel stieg und alles in ein Goldenes Licht tauchte. Im Moment war sie melancholisch. Anders konnte sie das nicht beschreiben. Wenige Meter weiter schlief Alex. In wenigen Stunden schon würde sie sich der Wahrheit stellen müssen. Im Moment schlief er noch und die Sorgen waren zuerst zur Seite geschoben worden. Verschwunden waren sie aber nicht. Seufzend drehte sie sich wieder um und der Klos in ihrem Hals war zurück. Alex war wach! Er saß aufrecht im Bett und sah sie an. Wann zum Teufel hatte er sich aufgesetzt? Gerade hatte er doch noch geschlafen und sie hatte nichts mitbekommen. Claire schluckte und wusste nicht was sie nun tun sollte. Was erwartete Alex? Das sie nun wieder zu ihm ins Bett kommen würde, oder...was sollte sie tun?
Alex sagte nichts. Er sah sie nur an und das beunruhigte Claire noch mehr. Sie stand etwas verloren am Fenster und lehnte sich gegen dieses um Halt zu finden. Scheinbar sollte sie irgendetwas sagen. Zumindest deutete sie Alex' Blick so, aber sie wusste beim besten Willen nicht was sie nun sagen sollte. Nein, ihr Verstand hatte aufgehört zu arbeiten und ihr Herz schlug wie wild. „Claire?", Alex brach das Schweigen und erneut musste Claire schwer schlucken.
