Kapitel 11
An undesirable farewell and the clarity of feelings
Ganz langsam bewegte ich meine Finger, weil sie sich so anfühlten als würden sie schlafen. Stechender Schmerz ließ mich keuchen. Ich war heute Nacht schon einmal ganz kurz wach gewesen, doch die Schmerzen waren diesmal viel schlimmer. Der Schmerz schlug auf meinen Mangen und ließ mich unglaublich schlecht fühlen. Am liebsten hätte ich mich aufgesetzt, doch das ging nicht.
„Bella?" Eine sanfte Hand, griff nach meinen Fingern und massierte meine Glieder.
Langsam öffnete ich die Augen und blickte in das besorgte Gesicht meiner Mutter „Mom?", hauchte ich mit trockenem Mund. Verwirrt kniff ich die Augen zusammen, als beim Atmen unglaubliche Schmerzen entstanden.
„Ganz ruhig. Die Schwester hat dir gerade etwas in den Tropf gegeben, es wird dir gleich besser gehen."
„Hmhm", gab ich zufrieden von mir und sah sie wieder an. „Du bist hier", hauchte ich nur.
„Natürlich." Sie tätschelte meine Hand. „Und jetzt sei ruhig, du muss dich ausruhen", fährt sie mir über den Mund, doch ich konnte nichts erwidern, weil die Schmerzmittel wieder anschlugen. Sie ließ meine Hand los und strich sich eine Strähne ihres Haares hinters Ohr. Meine Mutter war schon immer eine recht schöne Frau gewesen, doch wenn ich sie jetzt durch die Schmerzmittel hindurch anblickte, sah sie furchtbar aus. Und das, was ich sah, war nicht ihr Äußeres, sondern ihr Inneres und das erschreckte mich. Ich war froh sie zu sehen, weil ich verwirrt war, weil ich wissen wollte was hier vor sich ging. Ich war so verwirrt wie schon lange nicht mehr.
„Ist sie wach?", erkundigte sich eine tiefe Stimme, als mir die Augen zu fielen.
„Sie ist gerade wieder eingeschlafen", seufzte meine Mutter. Das musste wohl Harry sein.
„Endlich", murmelte er. „Die Umzugsleute sind verärgert."
„Ich weiß." Meine Mutter seufzte tief, als würde sie etwas belasten.
„Ich werde ihnen absagen. Wir müssen das verschieben."
„Nein, nein", sagte meine Mutter schnell. „Bella wird es in ein paar Tagen besser gehen, dann wird sie nach Forks verlegt. Wenn nicht reisen wir vor, sie wird wohl alleine hier auskommen können."
„Das kannst du nicht machen Renee, das ist deine Tochter", beschwerte sich Harry.
„Ich weiß, aber wir verlieren tausende von Dollar, wenn wir jetzt absagen." Meine Mutter schien ein wenig hysterisch.
„Lass uns das nicht hier besprechen", murmelte Harry.
Zaghaft klopfte es und unterbrach ihre Unterhaltung. „Herein. Oh ihr seid es. Ihr kommt gelegen. Harry und ich haben noch etwas zu klären, wir sind in der Cafeteria." Es entstand Gemurmel, bevor die Tür geschlossen wurde und die Stimmen verbebbten.
„Ob sie wach ist?"
„Sieht eher so aus, als würde sie schlafen."
„Sind wohl die Medikamente."
„Ihr redet so laut!", beschwerte ich mich ärgerlich und öffnete langsam die Augen.
„Hey", hörte ich es mehrmals flüstern.
„Ihr seid ja alle da." Abwesend sah ich mich im Raum um. Solche beschissenen Medikamente.
„Sicher", lächelte Cat und nahm meine Hand. „Wir sind alle hier.
„Das ist schön", grinste ich dämlich.
Josh und B-man grinsten sich an. „Doch die Medikamente."
„Mach dir keine Sorgen. Ruh dich aus, wir warten, bis du wieder bei dir bist", lächelte Eli und die anderen machten es sich bequem.
„Sicher?"
„Sehr sicher."
Erleichtert schloss ich die Augen und ließ mich eine Weile wegtragen. Wie lang, war mir schleierhaft, doch als ich meine Augen öffnete fluchte ich. Ich war eindeutig zu lang weggetreten gewesen.
„Die Medikamente wirken eindeutig zu wenig. So eine verdammte Scheiße!" Keuchend fasste ich mir an die Rippen, doch diese beschissene Decke hinderte mich daran. Ich war wohl wirklich eingeschlafen, denn als ich meine Augen öffnete, war es draußen dunkel und ich fühlte mich fast so benebelt, als hätte ich diese Medikamente zu mir genommen. Es war so schlimm, dass ich keinen klaren Gedanken fassen konnte.
„Geht's dir gut?" Nick beugte sich über das Bett.
„Auch wieder wach?", lächelte Eli. Ich blinzelte um meine Freunde anzublicken und fühlte mich überfordert.
„Ja alles ok… zumindest bin ich nicht wieder so benebelt.", brummte ich. „Wie lange habe ich geschlafen?" Mir war bewusst, dass ich nicht wirklich geschlafen hatte, dass ich eher in einem komatösen Zustand war, aber wie schon gesagt, ich konnte keinen klaren Gedanken fassen und so wie es aussah, wollten meine Freunde nicht wirklich darüber reden und mich darauf aufmerksam machen, was wirklich passiert war.
„Vier Stunden, vielleicht auch ein wenig länger. Mensch, ich hab gar nicht gewusst, dass du so schnarchen kannst… Au!" B-man rieb sich die Rippen.
„Ich kann mich nicht aufsetzten", brummte ich genervt und sah zur Seite.
„Warte, ich lass das Kopfteil des Bettes hochfahren."
„Nein! Nicht!", warnte ich Nick. „Ich kann… kaum atmen und anders hinlegen wäre jetzt schlecht", keuchte ich und schloss die Augen.
„Du sollst sie nicht aufregen", brummte Emmett und schubste ihn an der Schulter weg.
Eli setzte sich neben mich und nahm meine Hand. „Jetzt erzähl, wie geht es dir wirklich?"
„Beschissen", hauchte ich und meine Stimme zitterte dabei. „Ich kann mich nicht bewegen. Mein Körper schmerzt und mir ist schlecht… schon die ganze Zeit. Eli… was ist passiert?", hauchte ich betroffen, weil irgendein Puzzleteil fehlte, um alles zusammenzufügen.
Die anderen standen im Hintergrund, während Emmett Eli fest um die Schulter griff, um sie zu stützen. „Wir haben den Ausflug gemacht… du bist gestürzt und an der steilen Felswand hinunter geschlittert. Mein Gott, ich hatte so eine Angst!" Ihre Stimme wirkte schwach und unendlich traurig.
Ich schloss die Augen und stellte mir das Szenario vor, sah auch den Moment, als ich ausrutschte, als es den einen Moment der Schwerelosigkeit gab. „Mach dieses beschissene Piepen aus", beschwerte ich mich, als sich mein Herzschlag erhöhte und sah auf den Monitor neben mir.
„Sorry", murmelte Eli. „Das können wir nicht, dass ist nur zu deiner Sicherheit." Genervt fasste ich mir an die Nase, an der ein Schlauch hing. „Nicht", warnte mich Eli und griff nach meiner Hand. „Lass es."
„Das alles ist so übel", hauchte ich und sah meine Freunde aufmerksam an, die immer noch im Zimmer standen.
„Du lagst fünf Tage auf der Intensivstation und bist nicht aufgewacht", murmelte Eli. Betroffen sah ich sie an und musste schlucken. „Sie mussten dich operieren, deine Rippe ist durch die Lunge…" Sie hielt inne und schluckte, als sie mein Gesicht sah „Jetzt ist alles okay.", versicherte sie mir.
„Ich bin immer noch…."
„Immer noch im Krankenhaus, aber sie haben dich verlegt, als du heute Nacht das erste Mal aufgewacht bist. Sie mussten das Zimmer frei machen und haben dich hier her gebracht." Nickend starrte ich auf meine weiße Hand. „Jetzt kann alles nur noch besser werden", lächelte Eli mich an.
„Kopf hoch, Rabbit", lächelte Nick. „Mach jetzt nicht schlapp. Immerhin schlafen wir seit fünf Tagen in diesem beschissenen, teuren Hotel", beschwerte er sich. „Nur für dich."
„Echt?" Erstaunt sah ich ihn an. „Und was ist mit diesem… Ausflug… die anderen?" Mir war klar, dass das alles nur die Ruhe vor dem Sturm war. Dass das Geplänkel zwischen uns allen war, bis ich wieder auf den Beinen stehen würde und ich mich den Konsequenzen stellen musste. Meine Freunde waren fast schon zu friedlich. So friedlich, dass mir die Tatsache, immer wieder vor Augen geführt wurde.
„Nachdem der Rektor gehört hat, was passiert ist, mussten sie alle abreisen." Josh schüttelte den Kopf „Diese Mrs. Smith wird Ärger bekommen, weil sie ihm nicht gleich Bescheid gesagt hat."
„Danke", lächelte ich und verzog das Gesicht, ließ es jedoch schnell wieder bleiben, weil es schmerzte. „Danke, dass ihr hier seit …nach allem", hauchte ich und hätte am liebsten geweint, wenn es nicht so wehgetan hätte.
„Das tut jetzt nichts zur Sache", schüttelte Cat den Kopf „Wir werden darüber reden… oh versprochen, aber jetzt nicht. Jetzt zählst nur du." Wie ich vermutet hatte, die Ruhe vor dem Sturm. Ein Sturm, den ich verdient hatte. Sachte lächelte ich, als mir bewusst wurde, was für gute Freunde ich nur hatte. Eli beugte sich nach vorne und strich mir über das Haar.
„Oh Verzeihung, ich habe angeklopft." Ein älterer Arzt trat lächelnd hinein. „Wie ich sehe, haben Sie reichlich Besuch."
„Ja", krächzte ich und räusperte mich. Eli reichte mir schnell ein Glas Wasser und entschuldigte sich, dass sie nicht gleich dran gedacht hatte.
„Ich glaube, wir gehen mal raus", nickte Josh in Richtung Tür. „Wir kommen nachher wieder." Und so schnell wie sie gekommen waren, waren sie auch schon wieder verschwunden.
„Wie geht es Ihnen Ms. Swan?" Der Arzt holte sein Klemmbrett heraus und zückte einen Kuli, als er mich ansah.
„Scheiße", gab ich gelassen preis. „Alles tut weh, ich kann kaum atmen und bewegen kann ich mich auch nicht", beschwerte ich mich und verzog gleich wieder das Gesicht, weil ich zu stark Luft geholt hatte.
„Machen Sie langsam Ms. Swan. Sie sind erst heute Nacht zum ersten Mal aufgewacht. Auch wenn Sie dort schon recht munter wirkten. Sie beschimpften unsere Krankenschwestern. Aber was tut man nicht alles, wenn man Medikamente in sich hat, nicht?" Er schrieb etwas auf sein Klemmbrett und lächelte breit. Beinahe wäre ich rot geworden. „So, wir kommen erst einmal zu Ihren Verletzungen." Langsam kam er um das Bett herum und setzte sich neben mich auf einen Suhl.
„Ich fühle mich, als hätte mich ein Laster überfahren, scheiße!", keuchte ich und verzog das Gesicht.
„Nun, zu Beginn…" Der Arzt schlug am Fußende die Decke auf. „Ihr Bein ist gebrochen, es steckt in einem Gips, was Ihre Unbeweglichkeit erklären sollte. Ihr Arm war ausgekugelt und Sie haben sich etliche Schürfwunden, Prellungen und Schnitte eingefangen. Sie hatten reichlich Glück Ms. Swan." Und dann hörte ich nur noch seinen Worten zu, wie er mir erklärte, was mit mir passiert war, warum die Operation nötig war und was die Folgen des Unfalles sein würden.
„Danke Doc", murmelte ich betreten.
„Sie sollten langsam machen." Er sah mich streng an. „Ihre Mutter hat schon nach einer Verlegung gefragt", klärte er mich auf. „Aber zum einen ist es noch viel zu früh und zum anderen sind Sie bereits alt genug, dies selbst zu entscheiden."
„Danke, Sie haben wohl recht", seufzte ich ergeben.
„Machen Sie sich keine Sorgen. Das wird schneller wieder, als Ihnen vielleicht lieb ist", zwinkerte er. „Wenn in dieser Nacht keine weiteren Komplikationen auftauchen, können wir Sie auf ein normales Zimmer verlegen."
„Danke", lächelte ich.
„Denken Sie dran: Keine Anstrengung! Eine Schwester wird vorbei kommen, Ihre Werte checken und wenn Sie lieb sind, wird Ihnen auch eine Wäsche verpasst. Wir sehen uns morgen." Und schon war er verschwunden. Kopfschüttelnd legte ich mich zurück und versuchte mich auf das Atmen zu konzentrieren. Die Schwester sollte eher mehr Schmerzmittel bringen. Benommen sah ich auf meine nackten Arme herunter und fluchte innerlich. Blaue Flecke zierten meinen Arm, wie viele riesige Schürfwunden, die schrecklich brannten.
„Ich wollte dich nicht stören." Erschrocken sah ich auf und schluckte schwer. Edward trat leise in den Raum und schloss die Tür. Er sah müde und niedergeschlagen aus. Sein Hemd steckte unordentlich in der Hose.
„Ich habe geklopft", erklärte er leise und ich sah, dass es ihm schwer fiel. Ich schwieg und betrachtete einfach nur seine Gestalt. Langsam trat er näher und ließ mich keinen Moment aus den Augen.
„Warum bist du hier?", krächzte ich mit zittriger Lippe. Stöhnend schloss ich die Augen, weil mich der Schmerz überrannte.
Schmerzhaft lächelte er und seufzte tief. „Ich musste warten, bis du aufwachst", erklärte er einfach nur und setzte sich in den Stuhl neben mich. „Ich wollte reden", meinte er kurz und bündig und studierte mein Gesicht.
„Da gibt es nichts zu reden, es ist alles gesagt", quälte ich mich zu sagen.
„An dem Abend wollte ich nicht so grob sein."
„Ich will es nicht hören", erklärte ich ihm energischer.
„Ich war verletzt und es war mein Recht."
„So wie es jetzt mein Recht ist dir zu sagen, dass du verschwinden sollst."
„Ich hätte nicht so reagieren dürfen", hauchte er und ließ mich stocken.
„Es war aus, schon vorher", hauchte ich bestürzt. „Ich wollte nicht, dass etwas Schlimmes passiert und du hast alles zu Nichte gemacht… Nick wird…"
„Das ist jetzt auch egal, aber du hast Recht." Fest sah er mir in die Augen, als er nervös seine Finger an seiner Jeans rieb.
„Was?", fragte ich verständnislos.
„Es ist vorbei", sagte er schlicht.
„Was ist vorbei?", fragte ich verständnislos, weil ich nicht glaubte, was er sagte. Ich war es nicht gewohnt, dass er nachgab, dass er sagte, dass es zu Ende war… ich war doch immer diejenige. Es warf mich ein wenig aus der Bahn und ich sah ihn blinzelnd an.
„Es ist okay, Bella", schüttelte er den Kopf. „Ich habe deine Worte jetzt begriffen." Verwirrt sah ich ihn an und runzelte die Stirn. „Ich werde es akzeptieren." Er schnaufte schwer, bevor er mich intensiv ansah. „Du hattest Recht mit einigen Worten, die du in dieser einen Nacht gesagt hast, als ich dich mit Nick erwischt habe, aber ich bereue es nicht, in keinster Weise." Er räusperte sich.
Ich sah ihn einfach nur an, gelähmt von den Schmerzen und seinen Worten, die ich versuchte, aufzufangen.
„Und jetzt?", platzte es aus mir heraus. „Was willst du jetzt tun? Einfach gehen?" Ich schloss die Augen und atmete einen Moment ruhig ein und aus, weil das schneller werdende piepende Geräusch neben mir echt lästig wurde.
„Es tut mir leid, dass das alles passiert ist", hauchte er. „Das hätte nie passieren dürfen. Ich hätte niemals in dieser Nacht..." Er schluckte. „Ich hatte kein Recht das alles zu sagen." Er atmete tief durch
„Und ich hab endlich verstanden. Ich will nicht, dass so etwas noch einmal passiert." Langsam erhob er sich. „Wir haben Scheiße gebaut, so sieht es aus." Er ballte seine Hände zu Fäusten als er mich ansah.
Ich starrte ihn an, konnte einfach nicht glauben, was er da von sich gab. „Das heißt?", krächzte ich und musste heftig blinzeln.
„Dass wir jetzt getrennte Wege gehen. Hörst du?", flüsterte er.
„Ich weiß, dass du das die ganze Zeit wolltest und ich habe es ignoriert. Ich habe endlich kapiert, dass es hier um weit mehr geht, deswegen…" Als er sich plötzlich vorbeugte, wurde mir ganz schummrig. Ich bewegte mich nicht, ließ zu, dass er sich herunter beugte.
Meine Lippen öffneten sich zu einem Keuchen, als seine Lippen meine Wange trafen, meinen Mund nur Millimeter verfehlten. Ich spürte seine warmen Lippen, die sich sachte auf meine verletzte Haut drückten.
„Mir gefällt die Schule… Das heißt, ich weiß nicht, ob ich eine neue Stelle suchen werde." Edward schluckte hart, als er die Worte an meinem Gesicht murmelte und zart mit seinen Fingern meinen Hals empor strich.
„Das ist das letzte Mal." Verzweifelt beugte er sich vor und drückte seine Lippen dann doch kurzerhand auf meine. Überrascht griff ich nach vorne und umfing seine Schulter. Doch bevor ich meine Lippen öffnen konnte, zog er sich zurück. Seine Finger glitten von meinem Körper, als er sich aufrichtete. Er betrachtete mich mit einem verzerrten Blick, als er sich dann einfach abwandte und aus der Tür schritt.
Ohne Worte lag ich da, starrte auf diese beschissene weiße Tür und hätte am liebsten irgendetwas dagegen geworfen. Mich überraschte die plötzliche Leere so sehr, dass ich mir eine Hand auf den Mund legte und schlucken musste. Doch was konnte man denn bitte bei aufsteigenden Tränen unternehmen?
Das hatte ich doch immer gewollt? Das war es doch worauf ich hinaus wollte. Doch als ein Schluchzen meine Kehle entrang, hielt ich mir erschrocken die Hand vor den Mund. Ungläubig riss ich die Augen auf.
Ich war es gewohnt, dass Edward hartnäckig war. Ich war es gewohnt, dass er trotzdem klammerte und ich war es jedes Mal, der ihn abservierte, weil er mehr wollte. Und jetzt war es anders. Er hatte losgelassen und ich kam nicht damit klar, nicht nachdem was alles passiert war.
Müde sah ich aus dem Fenster und fragte mich, was noch alles passieren würde. Was die Zeit bringen würde, was das alles zu bedeuten hatte. Die letzte Träne war versiegt. Genau im richtigen Moment, denn die Tür ging auf.
Leise trat Eli herein. „Hey", war ihre leise Stimme zu hören.
„Es ist nicht so, als hätte ich eine OP am Ohr gehabt, rede verdammt noch mal lauter." Meine Stimme war zart und rau.
Eli sagte dazu nichts, sondern setzte sich zu mir. „Alles okay?"
Langsam blickte ich sie an. „Ich weiß nicht", gestand ich offen. „Ich weiß es wirklich nicht."
Sie runzelte die Stirn und griff nach meiner Hand. Es fühlte sich verdammt beschissen an, so schwach zu sein, ich wollte das nicht.
Eli senkte plötzlich ihren Blick. „Ich weiß nicht, ob ich dir das sagen sollte. Aber die anderen hätten es bestimmt nicht getan."
Was?", fragte ich irritiert.
„Mr. Cullen war hier." Ihre Stimme war leise.
Ich blinzelte schwach und senkte meine Lieder. „Ich weiß", sagte ich traurig. „Ich weiß, er war vorhin bei mir und hat mir das Ende verkündet."
„Was?" Eli blinzelte ungläubig.
„Er hat nur das gemacht, was ich die ganze Zeit wollte, oder?" Jetzt war das Schluchzen nicht mehr aufzuhalten.
„Was?" Eli blinzelte verwirrt.
„Er ist gekommen und hat gesagt, dass es zu Ende ist." Traurig lächelte ich sie an „Das wollte ich doch immer, oder? Ich wollte es doch. Wieso weine ich dann?" Überrannt von meinen Gefühlen legte ich mir meinen Arm über die Augen.
„Das kann nicht sein", murmelte Eli nachdenklich.
„Was ist daran unverständlich? Er hat doch Recht, er hat vollkommen Recht!"
Langsam nahm Eli meinen Arm herunter und blickte mich intensiv an. „Das kann nicht sein, Bella", hauchte sie. „Er war vor ein paar Tagen hier, als wir alle darauf gewartet haben, zu erfahren, was mit dir los ist… Er war hier und sagte vor uns allen, dass er dich liebt."
Diese Worte trafen mich. Sie trafen mich so sehr, dass ich meinen Kopf abwandte und schluchzte. Es war ein neues Gefühl und es war gefährlich, das wusste ich. Und ich wusste auch, dass er es deswegen beenden wollte. Er war fast Lehrer, ich war Schüler, was hatte das schon zu bedeuten außer Gefahr. Was könnte ich ihm schon bieten außer Sex?
„Nein hat er nicht."
Eli strich mir über den Kopf. „Doch Bella, hat er und ich habe ihm jedes Wort geglaubt."
„Willkommen daheim, Ms. Swan." Der Doktor lächelte mich an. Forks… als ob es hier besser wäre, hier im Krankenhaus zu liegen. Von einem Kaff zum anderen.
„Ja, von mir aus", murmelte ich abwesend, als er meine Werte untersuchte. Eine Woche nach Abreise meiner Mutter wurde ich nach Forks verlegt und ich war erleichtert, denn meine Freunde mussten nach zwei weiteren Tagen wieder nach Hause abreisen und ich vergammelte in diesem Kaff.
„Ich bin schon seit zwei Tagen hier", informierte ich den Arzt, der weiter auf ein Klemmbrett blickte.
„Nun, dann tut es mir leid, dass ich Sie erst jetzt begrüße." Er wirkte gelassen und schrieb etwas auf. „Wissen Sie, ein Arzt hat viel zu tun."
„Es ist immer schön, wenn ein Arzt sich so sehr um seine Patienten bemüht." Meine Laune war kaum zu toppen, doch der Arzt ignorierte dies.
„Haben Sie zu Mittag gegessen?"
„So viel, wie ein Hund seine eigene Scheiße fressen würde!"
„Sehr schön, ich denke, dass diese Wortwahl keine Nebenwirkung des Aufprall auf dem Kopf sein wird, oder? Vielleicht haben die Kollegen etwas übersehen."
„Ich esse dieses Krankenhauszeug nicht!"
„Sie haben fünf Kilo in zwei Wochen abgenommen, denken Sie, das ist gut? So ein starker Gewichtsverlust in so kurzer Zeit ist mehr als schädlich! Sie sind nur noch Haut und Knochen." Ich schwieg und sah aus dem Fenster. „Und am Krankenhausessen kann es nicht liegen. Das versichere ich Ihnen. Eine Krankenschwester wird nachher nach Ihnen sehen."
Vielleicht war es auch einfach der Kummer, der meinen Appetit verschlang, doch das war okay. Es war ja nicht so, als würde ich etwas essen wollen. Es war scheiß egal.
Als es klopfte, ging die Tür auf. „Jasper?", fragte ich ungläubig und sah ihn mit großen Augen an.
„Hey. Sorry nächstes Mal verkleide ich mich nicht", grinste er mich mysteriös an und trat ein. In seinem Anzug sah er ganz anders aus.
„Was machst du denn hier?"
„Ich war gestern bei Nick und hab erfahren, warum du dich so lange nicht mehr hast blicken lassen. Alles okay?"
„Es ging mir schon besser." Er setzte sich und starrte mich an.
„Es ist irgendetwas passiert, oder?" Seine Worte überraschten mich.
„Was?"
„Man merkt es euch allen an. Es herrscht eine verdammte scheiß Stimmung bei deinen Freunden und dann komm ich zu dir und du siehst nicht besser aus." Ich presste die Lippen zusammen und ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich mochte ihn, ich vertraute ihm und ich war froh, dass er vorbei gekommen war.
„Ich erzähle dir zuerst, was bei mir los ist und dann bist du an der Reihe", schlug er den Kompromiss vor. Ich nickte kaum merklich, als er Luft holte. „Ich bin verlobt."
„Was?!" Erschrocken sah ich ihn an.
„Ich bin schon eine ganze Weile verlobt."
„Und ich hab mit dir geschlafen?", rief ich aufgebracht. „Was… wie kannst du nur?"
„Halt, mach mal langsam", grinste er breit. „Es ist eine arrangierte Hochzeit." Erleichtert atmete ich aus. „Ich hab die Frau noch nie gesehen, weil ich nicht wollte."
„Und was ist passiert?"
„Naja… meine Eltern haben sich gemeldet und mir gesagt, dass es bald an der Zeit ist."
„Du hast dich gewehrt, oder?"
„Nun…", begann er zögerlich und verzog das Gesicht. „Ich wollte eigentlich nicht, doch dann hab ich es mir durch den Kopf gehen lassen und… wir haben uns zum ersten Mal getroffen."
Erstaunt sah ich ihn an „Wirklich?" Skeptisch runzelte ich die Stirn.
„Ja", lächelte er. „Ich mag sie. Sie wollte auch die ganzen Jahre nicht heiraten. Wir haben uns vorgenommen, uns mehrere Male zu treffen und dann zu schauen, was daraus wird."
Ich lächelte milde. „Das freut mich, ehrlich." Es stimmte mich ein wenig traurig. Nicht wegen Jasper persönlich, sondern weil er sein Glück finden würde. „Wie heißt sie?"
„Alice", sagte er ohne zu zögern. „Sie ist groß, schlank, hat kurze schwarze Haare und ist wirklich süß."
„Das klingt so, als würde sie zu dir passen."
„Findest du? Nach all dem Dreck, den ich angestellt habe?"
„Sie wird damit klar kommen müssen. Wer weiß, vielleicht ist sie auch so eine versaute Maus." Ich konnte nicht anders und zwinkerte.
„Das wäre gar nicht Mal so schlecht", lächelte er breit. „Aber ich bin ja wegen dir gekommen."
„Ich weiß", murmelte ich leise und sah zur Seite.
„Bella", sprach er vorsichtig. „Es ist wegen Edward, oder? Irgendetwas ist passiert und wenn ich mir so deine Freunde anschaue…" Er schüttelte den Kopf. „Das alles hätte nicht passieren sollen, das alles ist echt…"
„Was?" Ungläubig sah ich ihn an. „Bist du deswegen hier her gekommen? Wolltest du mir das sagen? Denn es ist mir Scheiß egal, was du gerade davon hältst!"
„Nein, deswegen bin ich nicht hier. Es liegt eher an Edward. Er hat sich unbegrenzten Urlaub genommen und ich hab noch nicht mal eine Ahnung, ob es in seiner Position möglich ist." Jasper räusperte sich und murmelte den letzten Teil leise vor sich her. „Auch wenn sich das jetzt idiotisch anhört, aber ich fühle, dass irgendetwas nicht stimmt. Er wirkt so in sich zusammengesunken."
„Und was geht mich das an?", zischte ich.
„Weil ich Idiot sehen kann, dass er dich liebt." Dieser Satz brachte mich zum Schweigen. „Ich hab ein Gespür dafür. Als er mehrere Male bei mir war, hat er immer von jemandem erzählt, wenn ich ihn fragte, wie es mit den Frauen lief. Glaub mir, man hat in seinen Augen gesehen was er empfand und das war alles, bevor ich von euch beiden wusste."
„Wieso hab ich nichts mitbekommen?"
„Natürlich hast du es mitbekommen, Bella", verdrehte Jasper die Augen und ich senkte den Blick. „Aber ist doch klar, dass du es nicht wahrgenommen hast. Das hast du nie, bei keinem Mann und deswegen fällt dir so etwas schwer. Ich meine, es ist deine ganz normale Art das zu ignorieren, es war nie von Bedeutung für dich." Ich kniff die Augen zusammen und wünschte mir, ich könnte weglaufen.
„Ich hatte eine lange Unterhaltung mit deinen Freunden." Intensiv sah er mich an „Ich mag dich sehr und deswegen fühle ich mich berechtigt, so etwas zu sagen. Du bist jung, da macht man Fehler, man darf das."
„Ich hab keine Fehler gemacht", sprach ich fest. „Ich hab mit einem Referendar geschlafen. Als ich es beenden wollte, hat er geklammert. Ich wollte es nie richtig!"
„Bella, wenn du das gewollt hättest, wärst du in der Lage gewesen, dich zu wehren. Du hättest es geschafft, wie du es bei jedem Jungen geschafft hast."
„Jetzt redest du nicht mehr von Sex."
„Nein", lächelte Jasper „Ich rede von deinen Gefühlen. Hier geht es nicht nur um Sex, denn der ist Nebensache. In diesem ganzen Theater waren es eure Gefühle, die diesen Kampf austrugen, nicht? Denn mit wem du Sex hast, ist dir egal, selbst ein Lehrer macht dir keine Angst. Doch Gefühle sind wieder eine andere Sache, oder? Selbst bemerkt hast du es nicht. Nur deswegen hast du versucht dich aus der Umklammerung von Edward zu befreien, als er immer mehr wollte. Du hattest Angst und langsam fingst du an, es zu ahnen. Vielleicht hast du auch etwas gefühlt, wer weiß das schon."
„Was redest du denn da?", zischte ich und stöhnte bei den Schmerzen. Ich würde gleich nach der Vase greifen, ich hielt es nicht aus.
„Du kennst solche Gefühle nicht und deswegen hast du es als Angst abgestempelt. Angst erwischt zu werden, mit einem Lehrer."
„Nein."
„Aber in Wirklichkeit waren es deine Gefühle wovor du Angst hattest."
„Du kennst mich nicht!"
„Ich kenne dich."
„Nicht gut genug!"
„Ich hab auch mit Edward geredet."Und das brachte mich zum Schweigen. „Ich wollte es dir eigentlich nicht sagen, doch als ich gesehen habe, wie beschissen es ihm geht, bin ich rüber und er hat es mir erzählt." Ich schluckte bei diesem Verrat und sah weg. „Er ist mein Freund, genauso wie du und ich ergreife für niemanden Partei. Ich schütze dich nur davor, dir selbst wehzutun."
„Ah und was schlägst du vor?"
„Dass du zu ihm gehst. Das du ihm sagst was Sache ist, Bella. Denn nicht nur er hat es verdient die Wahrheit zu erfahren, sondern du selbst auch."
„Welche Wahrheit denn?!", schrie ich ihn an „Welche Wahrheit?"
Langsam stand Jasper auf und ging zur Tür. „Die Wahrheit über deine Gefühle."
Und dann war er weg. Er hörte nicht mehr, wie ich schluchzte, wie ich aufschrie und die Vase zu Boden warf. Sie zersplitterte in mehrere Teile und machte einen ohrenbetäubenden Lärm. Heftig schrie ich verzweifelt, als nichts mehr dalag, was ich gegen die Wand werfen konnte.
„Ms. Swan!", rief eine Krankenschwester und griff nach meiner Schulter. Doch ich schlug ihre Hand weg und schluchzte auf. „Beruhigen Sie sich!" Ich wollte gerade nach der Infusion in meinem Arm greifen, als meine Hand zurück aufs Bett gedrückt wurde. „Das müsste reichen. Sie werden gleich wieder ruhig."
Und das wurde ich wirklich. Sie hielten mich fest, während etwas in den Tropf gefügt wurde. Schluchzend lehnte ich mich zurück und fragte mich wann diese Schmerzen endlich aufhören würden. Nicht die körperlichen Schmerzen, sondern die tief in meinem Inneren, die sich anfühlten als würden sie mich verbrennen.
Na da hat aber Jasper Gefühle aufgewühlt und das auch noch, nachdem Edward Schluss gemacht hat und Eli ihren Senf dagelassen hat! Mal sehen, ob das Bella die Augen geöffnet hat!
Bella ist total verwirrt und ihr wird langsam klar, was Sache ist und wir kommen unserem Ziel langsam immer näher Leute! Was das Wohl heißt? ;D
Das nächste Mal…Bella ist daheim angekommen, doch gut geht es ihr nicht. Nicht nur ihre körperlichen Schmerzen schlagen ihr auf den Magen sondern und vor allem ihre Gefühle machen ihr zu schaffen. Sie ist sichtlich verwirrt und da können Eli und Nick nicht wirklich viel helfen. Doch was ist, wenn sie die Krücken in die Hand nimmt und dann erst bei Jasper und dann unbeabsichtigt bei Edward landet?
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