11. Kapitel - Weihnachtsgeschenke
Im Schlafsaal von Hermine und Narcissa
„Narcissa, das kannst du unmöglich so meinen!" Hermine sah ihre Freundin an, während diese ihr einen äußerst eleganten und teuren Ring auf ihren rechten Ringfinger darbot.
Im Raum der Wünsche
„Narcissa hat mir heute erzählt, dass sie mit Lucius verlobt ist." erzählte Hermine während sie vor dem sitzenden Severus im Raum der Wünsche auf und ab ging. „Ich weiß, Lucius hat es mir bei dem letzten Treffen mitgeteilt." Die junge Frau hielt inne, lachte sarkastisch auf. „Natürlich wo denn sonst. Weißt du Severus, andere Männer treffen ihre sogenannten besten Freunde in einen Pub oder im Kino. Aber ihr trefft euch bei dem Treffen der anonymen Schwarzmagier." Severus begann zu lachen bevor er aufgrund ihres verletzten Ausdrucks wieder verstummte. „Ich weiß, ich weiß du magst es nicht wegen deiner Vergangenheit. Aber du musst zugeben, dass deine Aussage witzig war."
Lächelnd schüttelte Hermine den Kopf. „Warum gibt sie sich mit Lucius ab? Warum gerade er?" „Er ist ein Malfoy, eine Familie mit hohen Ansehen in der Zauberwelt. Ich glaube du kennst mittlerweile aus Andromedas Erzählungen die Eltern von Narcissa, Bellatrix und ihr selbst gut genug. Du kennst die Antwort." Sie bejahte, nur zu gut waren ihr die schlimmen Worte in Erinnerung geblieben. „Severus, wirst du irgendwann aussteigen?"
Er sah sie seufzend an, denn er konnte ihr keine Antwort auf ihre Frage geben. „Ich wünschte, ich könnte es ungeschehen machen. Ich wünschte…" Aufgebracht hielt sie inne, sollte sie es wagen? Es wäre zumindest einen Versuch wert. „Severus, ich muss dir etwas sagen." begann sie, doch ein plötzlich verzog sich sein Gesichtsausdruck schmerzvoll. „Was ist los Severus?" fragte Hermine besorgt und war zu ihm herangetreten. „Ich muss gehen." Die Worte kamen nur stockend aus seinen Mund während er sich seinen Unterarm hielt und an ihr vorbeieilte.
Im Wohnzimmer der Tonks
Hermine betrachtete nachdenklich den fest geschmückten Christbaum vor sich. Eigentlich liebte sie die vorweihnachtliche Adventszeit. Doch dieses Jahr war einfach alles anders. Es war das erste Mal, dass sie nicht gemeinsam mit Harry und Ron in Hogsmeade Geschenke füreinander besorgte sondern dieses Mal war sie zusammen mit Narcissa in dem kleinen Dorf, nahe Hogwarts, gewesen.
Am Abend vor ihrer Abreise, am Abend vor den Weihnachtsferien war ihr letztes Zusammentreffen im Raum der Wünsche gewesen. Lächelnd wanderte ihr Blick zu einem kleinen dunkelgrünen Päckchen, wo eine schwarze Schleife daran befestigt war.
„Ist das von ihm?" ertönte hinter ihr Andromedas Stimme sprechen. Lächelnd nahm sie es von der Kommode und zeigte ihr ein kleines Kärtchen wo schlicht stand: „Von Severus." „Weißt du was drinnen ist?" Hermine schüttelte den Kopf. „Nein, wir haben vereinbart dass wir bis Heiligabend damit warten wollen." „Es ist faszinierend, das zwischen euch Beiden." meinte sie und überreichte ihre eine Tasse mit heiß dampfenden Tee. „Danke Dromeda."
Vorsichtig nahmen sie am runden Esstisch Platz und tranken von ihren heißen Getränken. „Wo ist Ted?" „Er ist mit seinen Eltern in die Kirche gefahren. Ich selbst eigne mich nicht für solche Kirchgänge. Hättet du sie begleiten wollen?" Hermine verneinte und begann plötzlich zu weinen. Andromeda streckte mitfühlend ihre Hand nach ihrer Freundin aus. „Es tut mir leid Dromeda, ich weiß nicht was mit mir los ist." „Ich weiß was das Problem ist." Fragend blickte Hermine über den Rand ihrer Teetasse.
„Es ist Severus." „Ist er es nicht immer?" „Du bist verliebt in ihm." „Ich weiß es nicht Dromeda. Als ich ihnen zugesagt habe, hätte ich nie im Leben gedacht das ausgerechnet mir dies bei ihm passieren würde. Doch dann als ich ihn näher kennengelernt habe und mein Wissen um seine Zukunft, das alles zusammen. Irgendwann habe ich nicht mehr das Scheusal in ihm gesehen sondern dieser besondere junge Mann der er jetzt ist."
Stirnrunzelnd ließ Andromeda ihre Teetasse sinken. „Wovon in der aller Welt sprichst du Hermine?" „Davon das ich nicht auf die Beaubaxtons gegangen bin." „Sondern?" „Ich habe wie du sieben Jahre lang Hogwarts besucht. Jedoch nicht jetzt, sondern von neunzehnhundertdreiundneunzig bis neunzehnhundertsiebenundneunzig. Mein Name ist auch nicht Hermine Coleman, sondern Hermine Granger und ich wurde vom sprechenden Hut nicht nach Slytherin einsortiert sondern nach Gryffindor."
Unsicher blickte Hermine zu Andromeda die sie ungläubig anstarrte. „Du kommst also aus der Zukunft?" „Ja." „Gibt's da auch noch immer so guten Tee zu Weihnachten?" Hermine lachte kurz auf, nickte ihr aber dann zu. „Gut, wenigstens etwas. Aber nun in Ernst Hermine, du kommst tatsächlich aus der Zukunft?" „Ja." „Aber wie und vor allem warum?" „Ich habe einen Zeitumkehrer benutzt um in die Vergangenheit zu gelangen. Zum Grund meiner Reise…" Sie hielt inne und warf einen erneuten Blick auf das kleine grüne Geschenk. „Oh nein, was hat er in der Zukunft angestellt?" Hermine seufzte. „Hast du Zeit?" „Für dich habe ich alle Zeit der Welt Hermine."
Nachdem die junge Zeitreisende geendet hatte, atmete Andromeda tief durch und blickte zu Ted, der ihre Hand fest drückte. Sie hatte ihrer jungen Freundin und dessen Verlobten in groben Zügen die beiden Kriege rund um Voldemort geschildert. „Das ist heftig. Und Lily wird tatsächlich James heiraten?" „Ja, ihr gemeinsamer Sohn Harry, der mein bester Freund ist, wird der Auserwählte sein. Er wird derjenige sein denn Voldemort versuchen wird als kleinen Jungen zu töten." „Und Severus wird einer dieser Todesser sein?" „In Prinzip ist er es jetzt schon, seit dem Tag an den er das dunkle Mal angenommen hat." „Eine Tatsache die du eigentlich verhindern wolltest."
Niedergeschlagen nickte Hermine. „Warum bist du dann noch hier?" „Weil ich versuchen will zu verhindern dass Severus sich an Lilys Tod mitschuldig macht." „Inwiefern? Du hast doch gerade erzählt, dass es dieser Voldemort ist, der sie tötet." „Das ist richtig. Aber Voldemort kommt erst auf die Spur von Lily und James nachdem er von der Prophezeiung erfährt." „Von wem erfährt er sie denn?"
Wortlos blickte Hermine sie an. „Oh nein." „Oh doch." „Mist." „Oh ja." „Verdammt Hermine, du musst ihn von diesen dunklen Zauberern wegbringen. Egal was du dafür tun musst, mache es! Ich möchte mir einen grimmigen alten Severus als bitterbösen Zaubertrankprofessor nicht vorstellen müssen." meinte Andromeda wobei es sie durchschüttelte, eine körperliche Reaktion die Ted und Hermine zum Lachen brachte. „Was ist eigentlich mit uns?" wollte Ted nun von ihr wissen. Stumm blickte sie zu Andromeda, die sie behaglich anblickte. „Ihr habt keine Gründe euch zu fürchten." Sichtlich erleichtert berührten die Liebenden ihre Köpfe zueinander.
Aufgrund des schlechten Gewissens, dass Hermine nun gegenüber den beiden jungen Liebenden empfand, so wusste sie dennoch dass sie nicht alles verhindern könnte, was in der Zukunft noch passieren sollte. „Ich kann euch nicht alles verraten, aber ihr werdet eines Tages eine wunderbare Tochter haben." sagte sie mit leiser Stimme, sodass Andromeda überrascht von Hermine zu Ted blickte, der ihr einen sanften Kuss gab. „Eine Tochter, wirklich?" „Sie wird sehr besonders sein, mehr kann ich euch aber auch nicht sagen." „Nein ist schon in Ordnung Hermine. Das ist mehr als wir uns je erwarten dürfen. Du ahnst gar nicht wie glücklich du uns damit gemacht hast." erwiderte Ted ihr beruhigend. „Egal, was in der Zukunft passieren wird. Du kannst dir meiner Unterstützung immer sicher sein." sagte Andromeda mit ernster Miene. „Danke Dromeda!"
Im Gästezimmer der Tonks
Nach der wunderschönen Weihnachtsfeier hatte sich Hermine in ihr kleines Schlafzimmer, das eigentlich ein Gästezimmer war, zurückgezogen. Seit mehreren Minuten starrte sie mit festen Blick auf das kleine Paket, das mit dem dunkelgrünen Geschenkpapier umwickelt war. Unten, in der Anwesenheit der anderen wollte sie es nicht öffnen. Andromeda verstand dies gut und hatte ihr vorgeschlagen, damit zu warten bis sie alleine war. Nun war dieser Moment gekommen.
Seufzend nahm Hermine das Geschenk, das auf der Tagesdecke lag an sich und öffnete es vorsichtig. Es kam ein kleiner goldener Kompass zum Vorschein sowie ein kleines Stück Pergament." Stirnrunzelnd legte sie den Wegweiser neben sich und begutachtete das Pergament. „Ostende te!" beschwor sie das Stück altes Papier vor ihr mithilfe ihres Zauberstabs. Plötzlich erhob es sich aus der Innenseite ihrer linken, vergrößerte sich augenblicklich und ein kleiner Brief kam zum Vorschein.
„Teuerste Hermine, ich wünsche dir ein schönes Weihnachtsfest. Wie du weißt, empfinde ich für diese Zeit nicht sonderlich viel Sympathie. Da mir aber sehr wohl bekannt ist, wie du darüber denkst habe ich dir dieses Geschenk zukommen lassen. Andromeda war so nett, mein Geschenk für ich in Empfang zu nehmen als wir uns kurz in der Winkelgasse begegnet sind. Aufgrund der Begebenheiten war ich gezwungen dir meine Zuneigung auf diese versteckte Art zukommen zu lassen. Der Kompass ist kein gewöhnlicher wie du dir denken kannst. Er zeigt dir immer den aktuellen Zustands deines Innersten Kerns an. Er soll dir als Wegweiser deines Herzens dienen, welchen Weg du auch immer in der Zukunft einschlagen wirst, der Kompass soll dir stets dabei eine Unterstützung sein. Falls du dich für diese Zuwendung bedanken möchtest, brauchst du nur dieses Stück Pergament zu beschwören und mittels Telepathie beschreiben. Hierzu benutze den Zauberspruch Magus Atramenti. Nach Beendigung der Korrespondenz, sprich einfach frater meus und die Nachricht wird für alle verschwunden sein. Einen Empfänger benennen und das Pergament wird verschwunden sein.
Ich wünsche dir das Beste, wir sehen uns im neuen Jahr.
Severus."
Kaum hatte sie seine Nachricht fertig gelesen, verschwand diese wie von Zauberhand. Hermine war im Stillen für ihre Gabe, der schnellen Auffassung in diesen Moment mehr dankbar als jemals zuvor. Seufzend griff sie blind nach ihren Zauberstab, der neben ihr auf den Nachtkästchen lag. Mit einen Zauberschwenk und den Worten Magus Atramenti begannen sich ihre Gedanken auf dem Pergament zu manifestieren.
„Werter Severus,
ich danke dir für dieses außergewöhnliche Geschenk. Nun haben wir abseits unseres geheimen Raumes eine weitere Möglichkeit gefunden miteinander zu kommunizieren. Der Kompass ist ein wunderbares Geschenk, das ich immer stets bei mir tragen werde. Ich verbringe die Weihnachtsfeiertage, wie du bereits richtig vermutest hast bei Dromeda. Sie ist mir eine enge Freundin geworden und genießt mein vollstes Vertrauen. Ich frage mich, ob ich auch bei dir eines Tages Vertrauen finden werde. Ich hoffe es geht dir gut und du verbringst die restlichen Feiertage in Ruhe und ohne Zwischenfälle.
Ich freue mich wieder auf unsere Gespräche.
Bis dahin, verbleibe ich als deine Freundin
Hermine."
„Membranis, et in avem!" sagte sie mit einen Schwenk ihres Zauberstabes bevor das Pergament sich selbst begann zu falten und sich anschließend in einen kleinen Vogel verwandelte. „Frater meus." Flüsterte sie und beobachtete wie das von ihr verzauberte Pergament in Form eines Vogels sich erhob, zum Flug abhob und wenige Sekunden später verschwand.
