So hier nun also das 10. Kapitel. Ist wieder etwas kürzer aber das nächste wird wieder länger versprochen


Kapitel 10

Vorzeichen


Langsam verschwand die Sonne vom Firmament, um den Sternen den Himmel zu überlassen.

Ein leichter Wind zog über das Land und erinnerte an den nahenden Wintereinbruch, während blaue Augen teilnahmslos in den Himmel starrten und scharfe Ohren dem Geflüster der Bäume lauschten.

Ja, Eryn Lasgalen hatte sich gewandelt. Das gefährliche Raubgetier sowie die gefräßigen Riesenspinnen waren verschwunden, keine Orks oder Wargs streiften mehr durch das Gestrüpp, die Bäume trugen nun grüne saftige Blätter und sie sprachen wieder.
Lange hatten die Bäume des Düsterwaldes geschwiegen, doch nun konnte Legolas wieder ihren Geschichten lauschen.

Hier fühlte sich der Elbenprinz sich frei, konnte seinen eigenen Gedanken nachhängen, die Streitereien mit seinem Vater vergessen und seine Sorgen baumeln lassen.

Es war nicht so als ob Legolas nicht König werden wollte, immerhin war es sein Geburtsrecht und von klein auf wurde er auf diesen Tag vorbereitet, doch er empfand es als zu früh. Thranduil hatte keinen Grund die Krone abzugeben und Legolas wollte noch so viel entdecken.
Als König würde er seine Freiheit verlieren, wie er es bereits bei seinem alten Freund Aragorn, nun König von Gondor, beobachtet hatte.

Mit Estel dem Waldläufer, Ziehsohn von Lord Elrond, hatte er einige Abenteuer durchschritten, doch mit dem Ringkrieg hatte sich vieles gewandelt. Als König Elessar von Gondor standen sein Land und die Bewohner im Vordergrund.
Natürlich verstand der Prinz diesen Wandel, dass machte einen guten König aus, dennoch war die gemeinsame Zeit mit dem Waldläufer beendet.

Jahre lag ihre letzte Begegnung nun zurück. Veränderungen in Gondor oder dem Königshaus waren ihm trotz allem nicht entgangen, dennoch vermisste er seinen alten Freund.

Und die Sehnsucht in seinem Herzen Mittelerde zu verlassen und den großen Strom hinab zu segeln wurde immer größer.
Einst versprach Legolas Estel er würde an seiner Seite stehen, immer, solange Estel auf dieser Erde atmete. Aber die Hohe Frau Lady Galadriel hatte, wie so immer, Recht behalten.

Legolas Grünblatt, Ihr lebtet bisher

Im Wald voller Freude. Meidet das Meer!

Habt Ihr einmal das Schreien der Möwen gehört,

Ist der Friede der Bäume für Euch zerstört

Legolas seufzte leise.

Ja, jedes Wort das sie ihm mitteilen ließ war wahr. Die Bäume und Wälder die er so liebte gaben ihm nicht länger das Heimatgefühl wie es früher war. Noch waren Tage davon wenige, aber es wurden mit jedem Jahr mehr.

Er konnte dieses Gefühl nur schwer beschreiben. Am intensivsten spürte er es, wenn er das Meer vor sich sah oder das Schreien der Möwen vernahm, dann schien alles um ihn herum wertlos und unwichtig und sein Herz verkrampfte sich.
Wie ein Schwerthieb in seiner Brust. Das Kreischen der Möwen, das Rauschen des Meeres, alles hallte in seinem Kopf wider und schrie ihn förmlich an Mittelerde zu verlasen, denn die Zeit der Elben sei vorüber.

Der blonde Elb seufzte leise und setzte sich auf. Niemanden hatte er bisher davon berichtet, nicht Aragorn, Gimli – noch nicht einmal seinem Vater. Es war eine Sache mit der er glaubte alleine fertig werden zu müssen. Wie könnte auch jemand anderer seine Gefühle verstehen wenn er es selber kaum konnte.

Legolas schüttelte seinen Kopf um seine Gedanken neu zu ordnen. Er hatte wichtigeres zu tun als vom Waldboden aus die Sterne zu beobachten, so schön sie auch sein mochten.
Mit einem kurzen Blick zu seiner linken lokalisierte er sein Pferd, welches dösend bei einer Baumgruppe stand.

Der Elb erhob sich, klopfte einige Blätter von seiner Tunika die dort hängen geblieben waren und schritt hinüber zu seinem Hengst. Das Tier hob interessiert seinen Kopf als er die Schritte hörte und spitzte seine weißen Ohren.

Legolas trat an den Schimmel heran, streichelte über das samtne Fell auf seiner Stirn und entfernte das Reisegepäck von Celebgaers Rücken.
In der Dunkelheit würden sie nicht mehr weit kommen, also beschloss er hier sein Lager aufzuschlagen. Mit der frühen Morgendämmerung wollte er die Reise wieder aufnehmen.
Entgegen seines Vaters Vorstellungen ritt Legolas nicht unbegründet und ohne Ziel durch Eryn Lasgalen. In letzter Zeit bemerkte er eine unangenehme Veränderung im Grünwald.

Bei einem seiner Ausritte hatte er ein bewohntes Spinnennest ausgemacht und auch waren ihm vereinzelt Riesenfledermäuse, die zwischen den Bäumen flogen, aufgefallen. Möglicherweise waren dies einfach nur Überbleibsel des Düsterwaldes und würden mit der Zeit verschwinden, doch Legolas wollte ganz sicher sein.
Für Reisende durch den Wald der grünen Blätter könnten diese dunklen Kreaturen den Tod bedeuten und der Elbenprinz sorgte sich um die Sicherheit der Waldelben.

Die Ruinen von Dol Guldur waren sein erstes Ziel der Untersuchung geworden um festzustellen ob nicht doch noch eine dunkle Macht in den Trümmern Unterschlupf gefunden hatte. Nichts außer den eingefallenen Mauern hatte er vorgefunden und doch mieden selbst die Pflanzen die Erde um Dol Guldur.

Schließlich hatte er die eingestürzten Mauern hinter sich gelassen und ritt nun zu dem entdeckten Spinnennest um sich davon zu überzeugen, dass die Spinnen sich nicht weiter ausbreiteten.
Hätte er nicht so viel Zeit mit seiner Träumerei verschwendet befände sich der Prinz auch bereits auf dem Weg zum heimischen Palast. So würde es noch einen Tag länger dauern bis Legolas wieder zu Hause eintraf.
Vermutlich käme er sogar zu spät um seine Freunde beim Eintreffen im Palast begrüßen zu können.
„Ada wird außer sich sein." Murmelte er vor sich hin, während er sich entspannt auf der Decke niederlegte um ein wenig zu ruhen.

Ein lautes Klopfen an der großen Eisentür riss ihn unsanft auf seinen Gedanken. Mürrisch wendete er sich vom Fenster ab, aus dem er bis eben auf die kleine Stadt hinabgeblickt hatte.
Er hasste solche Störungen und hoffte für den Störenfried dass er wichtige Nachrichten zu überbringen hatte.

„Herein!" murmelte er und die Tür wurde unverzüglich aufgestoßen.
Eine Frau mit langen schwarzem Haar, dunklen Gewändern und ebensolchen Augen betrat den Raum, schritt zielstrebig bis zur Mitte des Zimmers und sank auf die Knie, den Kopf ehrfürchtig gesenkt.

„Mein Lord." Sprach sie leise aber mit klarer Stimme.
Der grauhaarige Mann starrte sie schweigend an. Schließlich trat er einige Schritte auf die Frau zu.
„Was hast du zu berichten?"

Den Blick immer noch gen Boden gerichtet begann sie zu erzählen.
„Die Späher die ich aussandte sind zurückgekehrt, mein Lord."

Erstmals sah die schwarzhaarige Frau auf, doch ihr Herrscher starrte sie nur weiterhin mit kalten Augen an. Somit fuhr sie etwas zögerlich mit ihrem Bericht fort.

„Wie ihr vermutet habt entdeckten sie ein Spinnennest. Etwa 30 Spinnen verstecken sich im tiefen Teil des Waldes in den Bäumen. Sie sind hungrig und werden bald auf die Jagd gehen."
„Dumme Kreaturen." Zischte der alte Mann. „Sie werden ihr Versteck verraten und vernichtet werden."

Er drehte sich um und ging wieder an sein Fenster. Sein blauer Umhang flatterte hinter ihm her.
„Du wirst dich unverzüglich auf den Weg dorthin machen. Die Spinnen sollen sich sammeln und neue Nester in der Nähe des Palastes anlegen. Unbemerkt! Ihre Zeit wird kommen. Sorge dafür das sie sich unauffällig verhalten."

Die Frau nickte und erhob sich um ihren Auftrag zu erledigen, als sie die Tür schon fast erreicht hatte vernahm sie abermals die Stimme ihres Herrschers und drehte sich um.

„Und Turingwethil, ich dulde keine Fehlschläge."
Seine Stimme klang hart und die Frau verstand, dass sie ein Fehlschlag teuer zu stehen kommen würde.
„Ich verstehe, mein Lord." Dann verließ sie den Raum.

Der alte Mann stützte sich auf das Fenstersims und ließ seinen Blick über die Stadt unter ihm schweifen. Die Häuser wirkten dunkel und trist, genau wie die Bewohnter welche still durch die Straßen schritten.

„Bald...bald wird unser Land wieder zu seinem Recht kommen. Die Völker Mittelerdes werden wieder in Ehrfurcht den Namen von Angmar aussprechen und das Volk der Erstgeborenen wird endlich verschwinden."

Ein Gefühl von Zufriedenheit machte sich in seiner Brust breit.
Jahrelang hatte er sich auf diesen Moment vorbereitet. Sein Plan war unfehlbar, schon bald würde er der neue Herrscher über das Hexerreich sein.
„Schon bald."

TBC


Übersetzungen:

Ada Vater


Tja, leider gab es diesmal keine Reviews die ich beantworten kann schnief

Vielleicht schreibt ihr ja zu diesem Kapitel wieder ein paar fleh