Danke an TiniSnape, Chocavy und Kate Snape! Ich freu mich sehr über die vielen Likes und Follower. :)
Rabastan schrak nassgeschwitzt und schweratmend aus einem Traum hoch. Ein Klopfen ertönte an der Tür.
„Rabastan, geht es dir gut?", fragte die gedämpfte Stimme von Narcissa.
Rabastan atmete einmal tief durch und bedeckte das Gesicht mit den Händen. Sein Herz raste, als wäre er eine lange Strecke gerannt. Es war halb vier Uhr morgens. Nur etwas Mondlicht fiel durch einen Schlitz im Vorhang.
„Rabastan?"
Er schlug die Decke zurück und stand auf.
Narcissa hatte ihren Morgenmantel eng um ihren Körper geschlungen und bedachte Rabastan mit einem besorgten Blick. Lucius stand hinter ihr mit einer Lampe.
„Ihr beide seid wach?", fragte Rabastan schnell, ehe einer der beiden etwas sagen konnte.
„Ist alles in Ordnung mit dir?", fragte Narcissa einfühlsam. „Wir haben… dich schreien hören…"
Rabastan wehrte schnell ab. „Ist schon gut. Ich hab nur schlecht geschlafen. Ein Alptraum, alles OK."
Lucius trat nach vorne. „Rabastan, wir machen uns Gedanken um dich. Du warst seit drei Wochen nicht mehr bei dem Mädchen und seit eurem letzten Gespräch bist du… merkwürdig. Ist etwas vorgefallen? Hast du mit dem Dunklen Lord gesprochen?"
„Nein", sagte Rabastan ernst. „Es ist schon gut. Ich hab nur… schlecht geträumt, das ist alles."
Er wollte schon die Zimmertür wieder schließen, als Lucius dazwischen trat.
„Rabastan, auch wenn du uns nichts sagst, wir können uns ausrechnen, dass dir der Dunkle Lord irgendeinen Auftrag gegeben hat, der mit Hermine Granger zu tun hat. Sonst würde sie nicht seit Wochen da oben in diesem Zimmer sitzen und es würde nichts passieren. Narcissa hat gesagt, dass du… nichts sagen darfst, aber…"
„Und daran halte ich mich, Lucius", sagte Rabastan und sah seinen Schwager eindringlich an.
Lucius schien mit sich zu ringen. „Wir würden dir nur gerne helfen. Wir sehen, dass dich das sehr beschäftigt und seit Wochen bist du… Man merkt einfach, dass es dir an die Nieren geht. Was besprecht ihr, wenn du bei ihr bist? Und warum hast du seit Wochen nicht mit ihr geredet?"
Rabastan atmete tief durch. „Wir reden… über bestimmte Dinge. Bei unserem letzten Gespräch… ist alles leider… ein bisschen aus dem Ruder gelaufen."
„Will der Lord, dass du… etwas über den Jungen aus ihr rausbringst?"
„Könnte man sagen, ja", sagte Rabastan abwehrend. „Lucius, überlasst das mir. Ich weiß schon, was ich tue. Ich bekomme, was wir brauchen. Aber es wird ein bisschen dauern. Wenn du nichts dagegen hast, dann würde ich gerne wieder ins Bett gehen. Ich bin nämlich müde."
Die beiden Malfoys sahen so aus, als wollten sie widersprechen, aber sie kannten die Sturheit ihres Schwagers nur zu gut und wussten, dass sich auf keine Diskussion einlassen brauchten. „Ja, gut", sagte Lucius schließlich resignierend. „Schlaf dich aus. Reden wir morgen weiter."
Es tat Rabastan Leid, dass er seine Familie so rüde abweisen musste, aber er hatte das Bedürfnis allein zu sein. Er schloss die Tür und lehnte sich erschöpft dagegen.
Niemand konnte ihm helfen. Der Lord hatte ihm den Auftrag gegeben und es war an ihm, ihn auszuführen, wie auch immer er das bewerkstelligte, war seine Sache. Und mit dem, was er seit drei Wochen in seinen Träumen sah, konnte ihm erst Recht niemand helfen.
Das Gespräch mit Hermine, das so viele Erinnerungen zurück an die Oberfläche gebracht hatte, raubte ihm nachts den Schlaf. Er sah die Bilder aus Askaban wieder. Er hörte die Schreie der Longbottoms und er durchlebte immer und immer wieder den Tag, an dem er als Kind beinahe ertrunken wäre.
Er verfluchte seine eigene Dummheit. Er hätte auf die Frage des Mädchens niemals eingehen dürfen. Im Gespräch hatte er sich über die möglichen Folgen keine Gedanken gemacht. Er hatte nicht daran gedacht, wem er gegenübersaß. Andererseits musste er widerwillig zugeben, dass er in Gegenwart von Hermine Granger zum ersten Mal das Bedürfnis verspürte hatte, über seine Erlebnisse zu sprechen. Sie gab ihm ein Gefühl, dass er darüber sprechen konnte und durfte. Das hatte er nicht mal bei seiner Familie empfunden, obwohl Narcissa eine einfühlsame und gute Zuhörerin war.
War der Grund dafür vielleicht, dass das Mädchen so unbehelligt von allem war? Sie empfand kein Mitleid, zumindest glaubte er das, und Mitleid war das letzte, was Rabastan wollte. Für seine Taten gab es keine Entschuldigung und Mitleid war nicht angebracht. Wieso hatte sie diese Wirkung auf ihn? Es gefiel ihm nicht, dass er ihr derart private Geheimnisse anvertraut hatte.
Er nahm sich vor, in Zukunft vorsichtiger in ihrer Gegenwart zu sein. Er durfte nicht mehr so gedankenlos in etwas hineinlaufen, was er später bereuen konnte. Irgendwie hatte es gut getan, nach all den Jahren darüber zu sprechen, aber ihm gefiel nicht, was es in ihm auslöste. Die Erinnerungen machten ihn schwach und zerbrechlich und Schwäche war im Moment das letzte, was er gebrauchen konnte. Er hatte einen Auftrag zu erfüllen und der Dunkle Lord würde bald nicht mehr so viel Geduld mit ihm walten lassen, wenn er keine Ergebnisse lieferte. Das ständige Drängen seiner Familie und die Geheimniskrämerei taten ihr Übriges.
Das Gefühl von Überforderung überkam ihn. Er fühlte sich so hilflos wie am Anfang.
Er konnte nicht mehr schlafen, weil er innerlich viel zu aufgewühlt war. Er nahm das Buch „Leben und Lügen des Albus Dumbledore" zur Hand und begann zu lesen.
Hermine sah Rabastan mehrere Wochen nicht.
Sie fühlte sich in ihrem kleinen Zimmer isoliert und allein gelassen. Sie weinte viel und die Sehnsucht nach ihrem Zuhause und ihren Freunden wurde unerträglich.
Manchmal überkam sie schrecklicher Zorn und sie hätte am liebsten alles um sie herum kurz und klein geschlagen. Sie konnte nicht aus ihrer Haut und fühlte sich unwohl. Sie tigerte in ihrem Zimmer umher und verspürte den starken Drang, nach draußen gehen zu wollen und frische Luft einatmen zu können. Sie hatte nur ein bloßes Fenster. Sie wollte frei sein und dorthin gehen, wohin sie wollte. Sie wollte ihre Freunde wiedersehen. Sie wollte, dass alles wieder normal wurde. Aber nichts davon war möglich. Sie war gefangen. Gefangen in ihrem Kopf mit ihren Gedanken und dem, was sich in ihr angestaut hatte.
Sie begann allmählich das zu begreifen, was Rabastan aus Askaban beschrieben hatte.
Jedes Mal, wenn sie an ihn und ihr letztes Gespräch dachte, hatte sie einen regelrechten Knoten im Magen und ein schlechtes Gewissen überkam sie. Sie wusste, dass sie zu weit gegangen war. Sie hätte die Longbottoms nicht erwähnen sollen, sie hätte erst gar nicht nach Askaban fragen sollen.
Rabastan war mit Sicherheit wütend auf sie und wenn er sie nicht bräuchte, hätte er ihr gezeigt, wo ihr Platz war und dass sie so nicht mit ihm zu reden hatte.
Er war so nett zu ihr gewesen und ihn so außer sich zu sehen, hatte sie tief verschreckt und verängstigt. Aber war das nicht seine wahre Gestalt? Er war ein Todesser, der nicht davor zurückschreckte, andere zu töten und zu quälen. Was hatte sich Hermine vorgemacht? War sie wirklich so dumm und naiv gewesen, zu glauben, dass er in Wirklichkeit nicht so schlecht war, wie sein Ruf vermuten ließ? Konnte jemand, der so böses tat, gleichzeitig so nett und charmant zu jemandem sein? Man konnte fast den Eindruck gewinnen, es gäbe zwei Rabastan Lestrange: den einen, den sie langsam aber sicher zu mögen begann, der nett zu ihr war und sie respektvoll behandelte, und den anderen, der sich daran ergötzte, Unschuldige zu foltern und der Lord Voldemort diente.
Hermine hatte diese beiden Personen als etwas nicht Zusammengehöriges empfunden, aber sie musste einsehen, dass das ihre naive Einbildung gewesen war. Rabastan war vielleicht tatsächlich nett zu ihr, aber er war auch der Todesser, der für seinen Namen und seine Verbrechen gefürchtet wurde. Es gab diese zwei Seiten in ihm und leider hatte sie nur zu bereitwillig die unbequeme beiseitegeschoben und ignoriert.
Sie weinte oft, weil sie sich schämte und ein schlechtes Gewissen hatte. Wie konnte sie nur so leichtfertig sein? Wie konnte sie so leichtfertig dem Feind vertrauen? Wie konnte sie gegenüber einem solchen Menschen nur die Zuneigung empfinden, die sie empfand?
Er war der einzige Mensch gewesen, der sich in den letzten Wochen mit ihr beschäftigt hatte, er hatte mit ihr geredet, er hatte für sie herausgefunden, was das Symbol bedeutete, er hatte sie vor Bellatrix Lestrange und ihrem Wahnsinn beschützt, ihm hatte sie es zu verdanken, dass sie nicht mehr in den kalten, zugigen Kerkern festsaß, dank ihm hatte sie ein weiches Bett und bekam anständiges Essen.
Wenn er bei ihr war und mit ihr redete, dann vergaß sie für kurze Zeit völlig, wo sie war und in welcher Lage sie war. Sie freute sich jedes Mal, wenn er zu ihr kam. Sie mochte und schätzte seine Art sehr, vor allem, weil sie nicht damit gerechnet hatte, dass er so freundlich, zuvorkommend und sanft sein konnte. Sie erinnerte sich, wie er ihre Hand genommen und ihr versichert hatte, dass er ihr das Buch zurückgeben würde. Sie hatte keine Sekunde daran gezweifelt, dass er die Wahrheit sagte. Seine Berührung hatte ihr ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen gegeben.
Wenn sie an Harry und Ron dachte überkamen sie schrecklich nagende Gewissensbisse. Was würden die beiden denken, wenn sie wüssten, dass sich Hermine mit dem Feind einließ?
Der November neigte sich dem Ende zu. Der Himmel war tagein tagaus mit grauen Wolkenbergen verhangen. Die Bäume hatten den Großteil ihres Laubs abgeworfen. Kalt war es geworden und regnerisch. Manchmal peitschte nachts ein Sturm gegen die Fenster.
Rabastan wusste, dass er nicht länger vor Hermine und einer weiteren Begegnung davonlaufen konnte. Er musste endlich handeln. Er konnte sich nicht länger verstecken. Er hatte Ritas Buch, besser gesagt die relevanten Passagen, schon mehrfach gelesen, aber so richtig schlau war er immer noch nicht. Dolohow hatte Recht behalten, dass Rita einen Skandal ausgegraben hatte.
Dumbledore und Grindelwald verbandelt, um die Herrschaft über die Muggel anzustreben. Rabastan hatte Dumbledore zwar als Zauberer geschätzt, aber ihn für seine Politik der Toleranz immer verachtet. Dass der Muggelfreund und Befürworter von Rechten für die Schwachen selbst eine dunkle Vergangenheit hatte, hatte ihn jedoch sehr überrascht. Irgendwann musste es im Leben des alten Mannes eine Kehrtwende gegeben haben, die ihn mit seinem einstigen Bruder im Geiste entzweit haben musste.
Doch was hatte all dies mit dem Symbol zu tun? Dumbledores und Grindelwalds enger Kontakt erklärten natürlich, warum er das Zeichen kannte und es in sein Buch hineingezeichnet hatte, aber Rabastan begriff den Zusammenhang zu dem Märchen der drei Brüder immer noch nicht.
Sollte er Hermine einweihen? Er war sich unsicher. Vermutlich sollte er erst einmal die Wogen vom letzten Mal glätten, bevor sie weitergingen. Er entschloss sich, es erstmal beiseite zu schieben und sich stattdessen darauf zu konzentrieren, dass er den Kontakt zu Hermine vertiefte.
Als er dieses Mal durch ihre Tür trat, kam das Mädchen gerade aus dem Bad. Sie erstarrte, als sie Rabastan in ihrem Zimmer stehen sah.
„Ich wollte Sie nicht erschrecken", sagte er leise und charmant.
Sie wich wie so oft seinem Blick aus und ein Hauch von Rosa zog sich über ihre Wangen. Er spürte, dass sie in seiner Gegenwart oft verlegen wurde und es amüsierte ihn. Er konnte sie nicht richtig deuten. Einerseits schien sie kaum Angst vor ihm zu haben, andererseits war sie scheu und verschüchtert, wenn er in ihrer Nähe war.
Er war überaus belustigt über die Tatsache, dass seine Blicke und die Berührungen so einen Eindruck auf sie machten und sie durcheinander brachten.
„Was… was machen Sie denn hier?", fragte sie vorsichtig.
Rabastan überlegte, was er sagen sollte und sein Anliegen richtig in Worte konnte. Er entschied sich für eine ungewöhnliche Methode.
„Vergessen wir, was gewesen ist und fangen wir neu an. Wie wäre es, wenn wir genau dort weitermachen, wo wir aufgehört haben? Auf der Hochzeit?"
Sie sah ihn fragend an. Rabastan schritt zum Schreibtisch und schaltete das magische Radio an. Leise Musik ertönte. Es war ein langsames Stück, ähnlich dem, zu dem sie auf der Hochzeitsfeuer getanzt hatten.
„Haben Sie Lust zu tanzen?", raunte er.
Sie zögerte und er spürte sofort ihre Unsicherheit. Er lächelte sie an und trat auf sie zu. Er streckte einladend seine Hand aus.
„Kommen Sie", sagte Rabastan.
Widerwillig ging sie auf seine Forderung ein und ergriff seine Hand. Ihm entging nicht, dass sie seinem Blick auswich und versuchte, Abstand zu ihm zu wahren. Sie ließ sich von ihm zur Musik führen, aber an ihrem Gesichtsausdruck war zu erkennen, dass ihr seine Nähe unangenehm war. Sie konnte sich nicht auf ihn oder ihre Bewegungen einlassen. Für einige Zeit war nur die Musik im Raum zu hören. Rabastan wollte schon etwas sagen, doch überraschend kam ihm das Mädchen zuvor.
„Sind Sie jetzt böse auf mich, weil ich das gesagt habe? Muss ich jetzt wieder in den Kerker?"
Zuerst wusste er nicht, was sie meinte, doch dann erinnerte er sich an ihre letzten Worte bei ihrem letzten Gespräch, als sie von den Eltern des jungen Longbottom gesprochen hatte.
„Nein, bin ich nicht", antwortete er ruhig. „Und nein, Sie müssen nicht in die Kerker. Ich bin weitaus weniger nachtragend als meine Schwägerin."
Sie sah ihn verwundert, aber auch erleichtert an. „Im Übrigen muss ich mich entschuldigen", fuhr Rabastan fort. „Ich hätte dieses Thema nicht aufgreifen dürfen. Es wäre besser gewesen, wenn gewisse Dinge in der Vergangenheit geblieben wären."
„Dann bin ich eigentlich schuld, weil ich gefragt habe", sagte Hermine.
„Neugierde ist kein Verbrechen, Ms. Granger. Ich hätte nicht darauf eingehen dürfen. Ich muss zugeben, dass ich in diesem Moment nicht nachgedacht hatte. Das wird mir nicht nochmal passieren. Da mir aber etwas daran gelegen ist, dass wir uns auch weiterhin gut verstehen, möchte ich gerne, dass wir noch mal von vorne anfangen."
„Wissen Sie, ich… habe über das nachgedacht, was Sie gesagt haben und ich finde sogar, dass Sie damit Recht hatten. Es macht keinen Unterschied, ob Sie etwas bereuen oder nicht, denn es ändert nichts an der Tatsache, dass es passiert ist. So hart das auch klingen mag."
Das Musikstück endete und es folgte eine Rede des Radiomoderators. Rabastan löste sich von Hermine und schaltete das Radio aus.
„Sie tanzen ganz gut, finde ich", bemerkte er und warf ihr einen vielsagenden Blick zu. Hermine lief rot an. „Ein bisschen unerfahren sind Sie, aber…"
„Mussten Sie tanzen lernen?", fragte sie vorsichtig.
„Ja. Ich hab schon auf mehr als einer Hochzeit und auf mehr als einem Ball getanzt und wenn man seine Familie nicht komplett entehren will, muss man gewisse Gepflogenheiten einfach drauf haben. Tanzen gehört dazu. Und es beeindruckt die Frauen jedes Mal, das ist das Gute daran."
„Ich hab bisher nur einmal getanzt, wenn man von der Hochzeit absieht. Vor ein paar Jahren wurde in Hogwarts das Trimagische Turnier ausgerichtet und ich war auf dem Weihnachtsball mit Victor Krum."
„Victor Krum?!", fragte Rabastan ungläubig. „Ist das Ihr Ernst?"
„Ja, er hat mich gefragt."
„Der gute Krum hat augenscheinlich… Geschmack", sagte Rabastan schmeichelnd. „Er war auf der Hochzeit wenn ich mich nicht irre."
„Ja. Die Braut und er haben damals am Turnier teilgenommen. Fleur hat ihn eingeladen."
„Nicht von schlechten Eltern", bemerkte Rabastan. „Ach ja, ich erinnere mich, das ich ihn kurz gesehen habe. Er sah sehr… aufgebracht aus und… irgendwie wütend. Sei es drum."
Er setzte sich auf die Bettkante, doch auf einmal fuhr ein Schmerz durch seinen Rücken.
„Ist… alles in Ordnung?"
„Ja, ja", wehrte Rabastan ab. „Ich habe wohl… meinen Trank vergessen. Ich werde es später nachholen. Meine Knochen sind halt schon ein bisschen älter."
„Haben Sie Schmerzen?"
„Ja, manchmal, aber die Tränke, die mir die Heilerin gegeben, helfen sehr gut. Wenn ich sie nicht gerade vergesse, einzunehmen."
Hermine nahm zaghaft neben Rabastan Platz. Sie war immer noch angespannt. Rabastan vermutete, dass sie nicht verstand, wieso er so leicht über ihre Auseinandersetzung hinwegsehen konnte.
„Ich fand es sehr schade, dass unser Gespräch auf der Hochzeit so abrupt beendet wurde, dabei war es gerade dabei interessant zu werden. Erzählen Sie mir etwas über sich", verlangte Rabastan. „Ich möchte mehr über ihre Person wissen, was Sie für ein Mensch sind."
„Wieso interessiert Sie das denn?", fragte Hermine. „Ich… Seien Sie mir nicht böse, aber… Sie sind doch nur so nett zu mir, weil Sie wissen wollen, was Harry, Ron und ich gemacht haben. Sie wollen doch in Wirklichkeit gar nichts von mir wissen. Ich bin doch nur… Ich bin doch in Ihren Augen gar nichts wert, weil ich aus der Muggelwelt stamme."
Vor ein paar Wochen hätte Rabastan diese Frage vermutlich ohne zu überlegen mit Ja beantwortet. Anfangs hatte er ihre Treffen nur als Mittel zum Zweck gesehen, um den Auftrag des Lords zu erfüllen und an die Informationen zu kommen, die er liefern sollte. Mittlerweile jedoch musste er seinen Standpunkt überdenken.
Hatte er das Mädchen zuerst nur als ein Schlammblut betrachtet, das es nicht wert war, einen Zauberstab zu tragen, musste er jetzt sagen, dass von ihr angetan war. Sie war jung und intelligent und hübsch, eine seltene Kombination. Sie hatte Geist und ein gewisses Etwas. Er schätzte ihre Gespräche, weil sie anregend waren.
Er hatte seinen Auftrag nicht vergessen, doch er konnte heute nicht mehr vorgeben, dass ihn Hermine Granger nicht interessierte.
„Vor einiger Zeit wäre das mit Sicherheit so gewesen, jetzt aber muss ich sagen, dass ich unsere Treffen sehr schätze. Es ist unterhaltsam, mit Ihnen zu sprechen und sich über alles Mögliche auszutauschen. Es ist lange her, dass ich so… anregende Unterhaltungen geführt habe. Ich möchte es wirklich gerne wissen und wenn ich Sie an unseren Deal erinnern darf, bekommen Sie ja auch etwas von mir."
Sie überlegte kurz, dann gab sie schließlich nach.
„Ich fürchte nur, dass meine Welt sehr anders ist, als die Ihre", sagte sie. „Und dass Sie das nicht mögen werden."
„Stellen Sie mich doch mal auf die Probe", meinte Rabastan grinsend.
Hermine seufzte und holte tief Luft.
„Sie wissen ja, dass ich bei Muggeln aufgewachsen bin?"
Rabastan nickte.
„Ich bin Hermine Jean Granger. Ich bin am 19. September 1979 in London geboren worden, was mich 18 Jahre alt macht." Sie hielt inne.
„Und? Ist das alles?", fragte Rabastan. „Erzählen Sie mir von Ihrer Welt, ich kenne sie ja schließlich nicht."
„Ich bin in London aufgewachsen und meine Eltern sind Zahnärzte. Sie haben….hatten eine eigene Praxis."
„Hatten? Ihre Eltern sind doch nicht… verstorben?"
„Nein…" Sie knetete nervös ihre Hände.
„Verstehe, ja. Als Yaxley und ich uns ihr Haus angesehen haben, war es leer. Sie haben Ihre Eltern fortgeschickt, nicht wahr? Im Übrigen sehr beeindruckend. Ein Gedächtniszauber, nehme ich an?"
Sie strich sich verlegen ihre Haare hinters Ohr und nickte. „Offensichtlich war das gut, kleiner Scherz. Ich wollte sie… einfach aus der Schusslinie halten. Ich hatte schon geahnt, dass Sie und Ihre Freunde uns einen Besuch abstatten wollten."
„Dass sie geschützt sind, während Sie und Ihre Freunde auf Ihre kleine Mission gehen?", hakte Rabastan nach.
„Ja, sozusagen."
„Verstehe.
„Also, eigentlich haben Sie eine Zahnarztpraxis."
„Tja, da sehen Sie es. Es ist schon das erste Mal, dass ich mich blamiere, denn ich weiß nicht, was Zahnärzte sind. Klären Sie mich bitte auf."
„Ärzte sind einfach die Heiler der Muggel", erklärte Hermine. „Und Zahnärzte kümmern sich eben um die Zähne."
„OK, verstehe. Klingt… einleuchtend."
„Meine Eltern haben immer sehr viel gearbeitet", fuhr sie fort. „Deshalb musste ich früh in den Kindergarten oder war auch viel allein. Schon von Anfang an habe ich immer gemerkt, dass ich ein bisschen anders bin, als die anderen Kinder. Ich war immer eine Außenseiterin in der Grundschule. Und weil meine Eltern ebenfalls nicht viel Zeit für mich hatten, waren Bücher immer meine besten Freunde. Ich habe alles gelesen, was ich lesen konnte. Deshalb war ich schon bald der vorlaute, besserwisserische Bücherwurm. Ich wurde immer ausgeschlossen und weil ich immer die Klassenbeste war, mochte mich niemand. Ich nehme mal an, Sie kennen meinen Ruf, oder?"
„Besserwisserischer Bücherwurm trifft es ziemlich gut", sagte Rabastan lachend, der sich nur zu gut daran erinnern konnte, was Draco ihm über Hermine erzählt hatte. „Aber viel zu wissen ist keine Schande."
„Als ich ein Kind war, hab ich oft mal komische Sachen um mich herum passieren lassen. Vor allem wenn ich traurig oder wütend war. Da sind schon mal Gegenstände durch den Raum geflogen. Mit Elf hab ich dann den Brief aus Hogwarts bekommen und ich hab mich ziemlich gefreut. Es war aufregend und dann hatte ich auf einmal den Beweis, dass ich tatsächlich anders bin als die anderen."
„Was haben Ihre Eltern gesagt?", wollte Rabastan wissen.
„Am Anfang hat es sie ganz schön umgehauen. Eine Hexe in der Familie hat ja nicht jeder. Aber sie waren stolz auf mich und haben sich gefreut. Dann sind wir zusammen in die Winkelgasse und haben die Sachen gekauft. Ich habe mich so gefreut, nach Hogwarts fahren zu dürfen, aber ich… hatte auch ziemlich Angst. Und am Anfang war es nicht so schön."
„Inwiefern?"
„Ich hatte mir so gewünscht, dass es in Hogwarts anders wird, aber erst war alles beim Alten. Ich war die Außenseiterin und jeder hat Witze über mich gemacht, dass ich so vorlaut und aufdringlich war. Und die anderen haben mich ausgeschlossen, weil ich ein Schlammblut war. Aufdringlich und vorlaut war ich auch, zugegeben. Naja, und dann hätte mich am Halloween- Fest beinah ein Bergtroll mit seiner Keule erschlagen, so sind Harry, Ron und ich Freunde geworden."
„Ich sehe schon, Ihre Schulzeit war sehr aufregend", sagte Rabastan, der beschloss, dass es besser war, nicht näher nachzufragen.
„Ach, wir haben alles mögliche erlebt. Im zweiten Schuljahr hat Harry…"
„Es gibt nicht um Harry Potter, sondern um Sie, Ms. Granger. Stellen Sie sich nicht in Potters Schatten. Er ist nicht hier. Was er tut oder nicht tut ist nebensächlich. Was zählt ist, was Sie tun."
„OK. Tja, es ist nur so, dass… ohne Harry es schwierig ist, über mich zu reden."
Rabastan zog die Augenbrauen zusammen. „Das glaube ich nicht. Erzählen Sie mir doch mehr über die Muggelwelt, wie Sie aufgewachsen sind."
„Halt, bevor ich das mache, erzählen Sie mir erst etwas über Sie. Ich will wissen, wie Ihre Schulzeit war."
„Also gut. Mein Name ist Rabastan Lestrange. Meinen zweiten Namen werde ich Ihnen nicht verraten, denn der ist… grausam. Ich bin am 19. April 1951 geboren. Mein Altern können Sie sich damit selbst ausrechnen." Sie musste lachen. „Ich wurde ebenfalls in London geboren. Ich habe einen Bruder, der zwei Jahre älter ist als ich. Ich wurde in eine reinblütige Familie mit langer Tradition und hohem Ansehen hineingeboren und von Anfang an hat das in meiner Erziehung eine große Rolle gespielt."
„Wie ist es, in einer solchen Familie aufzuwachsen?", wollte das Mädchen wissen.
„Es gibt klare Regeln, an die man sich halten muss. Und von Beginn an haben wir die natürlich die reinblütige Sichtweise auf Muggelgeborene vermitteln bekommen."
„Dass wir minderwertig sind?"
„Das würde ich nicht sagen, Ms. Granger. Ich halte sie für eine sehr intelligente, junge Frau. Ich werte Sie nicht als Mensch per se ab. Die Zauberer unserer Gesellschaft sind nur der Ansicht, dass die Magie unter uns bleiben soll und dass… Menschen aus der Muggelwelt kein Recht darauf haben sollten, Magie zu erlernen. Dieser Streit schwelt seit Jahrhunderten. Er hat sogar Hogwarts´ Gründer entzweit. Eine abschließende Antwort gibt es darauf nicht. Es ist unsere Position, dass wir die magische Welt von Einflüssen von außen schützen wollen. Außerdem wollen wir magisches Blut nicht verdünnen."
„Menschen können sich aber die Familie, in die sie hineingeboren werden und die Startvoraussetzungen, die sie dabei mitbekommen, nicht aussuchen, Rabastan."
„Ja, das ist wahr. Nur wenn jemand in keinster Weise jemals in seiner Familie Kontakt zu Magie hatte, warum sollte er nach Hogwarts kommen und Magie erlernen? Die Menschen sind zerrissen in zwei Welten. Und wir halten das nicht für gut. Denken Sie an sich. Sie sind in der Muggelwelt eine Ausgeschlossene, in der Zaubererwelt aber auch und Sie werden nie irgendwo wirklich dazugehören. Deshalb wollen wir eben keine Muggel in unserer Welt. Es stiftet Unruhe und es verwässert unsere Werte."
Auf ihr Gesicht hin, fügte er hinzu: „Ich weiß, was Sie sagen wollen, zumal es Sie ja betrifft."
„Das glaube ich nicht, was Sie sagen. Ich mache mal ein Gedankenspiel. Wissen Sie, ich verstehe nämlich eines nicht. Ich… Rein hypothetisch gesprochen, ich verstehe, dass sich die Zauberer von den Muggel bedroht fühlen und wütend sind, dass sie im Verborgenen leben müssen, anders gesagt, dass die Muggel ein gewisses Feindbild sind, nur was haben Sie davon, wenn Sie sich gegenseitig untereinander bekämpfen? Damit schwächen Sie sich nach außen hin. Sie sind damit beschäftigt, Muggelgeborenen ihre Zauberstäbe wegzunehmen und damit die magische Gesellschaft auseinanderzureißen, anstatt, dass sich alle Magier zusammentun und gemeinsam gegen dein „Feind" vorgehen."
Rabastan sah Hermine von der Seite an. „Wissen Sie, Sie argumentieren wie einer der schwärzesten Magier, die die Welt je gesehen hat."
Sie blickte ihn fragend an. „Gellert Grindelwald", antwortete Rabastan. „Das hätte aus seinem Mund kommen können."
„Ähm, ich verstehe nicht…"
„Ihre Argumentation ist gut ,aber das heben wir uns für das nächste Mal auf. Sie wollten doch über meine Schulzeit etwas wissen. Also ich hatte Arithmantik und Alte Runen, ach ja und Wahrsagen, allerdings bin ich da in den ZAGs durchgefallen. Genauso wie in Geschichte. Das war einfach nie meins. Mein Bruder hatte einen ZAG mehr als ich. Er war halt immer eher der stille und brave Typ, ich war eher der… nicht so brave."
„Das heißt?"
„Naja, ab einem gewissen Alter waren die Mädchen mal wichtiger als alles andere. Und der ein oder andere Streich war auch dabei."
„Verstehe."
„Aber ich hatte einen guten Abschluss. Danach habe ich ein Praktikum im Ministerium gemacht und hab auch dort gearbeitet. Nach dem Tod meines Vaters allerdings mussten mein Bruder und ich uns um die Familiengeschäfte kümmern."
„Lebt Ihre Mutter noch?"
„Nein, auch sie ist mittlerweile verstorben. Ich… das klingt jetzt vermutlich zynisch, aber… sie starben, bevor sie mit mir dasselbe machen konnten, wie mit meinem Bruder. Und darüber bin ich froh."
„Was haben die mit Ihrem Bruder gemacht?", fragte Hermine, die an etwas Schlimmes zu denken schien.
„Sie haben ihn verheiratet."
„Ich habe davon schon öfter gehört. Ist das… denn üblich in der reinblütigen Gesellschaft?", fragte sie zaghaft.
„Sie müssen wissen, Hermine, wenn Sie in so einer Familie aufwachsen, wie wir, dann haben Sie von Anfang an klar festgelegte Rollen und Aufgaben, die Sie erfüllen müssen. Die Frauen leiden zugegeben etwas mehr darunter als die Männer, aber wir sind alle betroffen. Du musst die Familienehre hochhalten und keine Schande bringen und natürlich musst du einen angemessenen, also ebenso reinblütigen Ehepartner finden, um die Familie fortzusetzen. Desöfteren kommt es leider vor, dass sich nicht die Kinder aus freien Stücken entscheiden, sondern die Eltern."
„Das ist grausam", meinte Hermine. „Das funktioniert doch nicht, oder? Wenn man sich nicht liebt…"
„Der einzelne muss manchmal seinen Egoismus zurückstellen zum Wohl der Familie", sagte Rabastan und einen Augenblick später bereute er es.
„Wie meinen Sie das denn?"
„Ach, es ist… Sie wissen bestimmt, dass es drei Black- Schwestern gibt, nicht zwei."
„Ja. Ist Andromeda nicht verstoßen worden?", fragte Hermine.
„Ja. Sie ist die mittlere Schwester. Sie war in Hogwarts zwei Jahre unter mir. Wir waren zwei Jahre zusammen und es stand in Aussicht, dass wir später heiraten, bevor sie schließlich Schluss gemacht und… mit diesem muggelgeborenen Ted Tonks verschwunden ist. Dafür ist sie verstoßen worden. Sie können sich nicht vorstellen, wie frustrierend das für mich war."
„Sie waren mit Andromeda zusammen? Wow, das tut mir sehr Leid, was passiert ist."
„Das ist Vergangenheit. Wir hatten alles. Wir waren glücklich, es war eine gute Partie für sie, unsere Familien hätten das jederzeit unterstützt, aber offensichtlich hatte ich nicht das, was sie gesucht hat."
„Sie… ist ihrem Herzen gefolgt. Sie hat eben Ted Tonks geliebt und die Liebe war ihr wichtiger als Blut."
„Das sagt sich so leicht dahin. Sie war egoistisch", sagte Rabastan härter als er beabsichtigt hatte. Er hätte nicht gedacht, dass die Sache selbst ihn nach so langer Zeit noch derart mitnahm. „Sie hat nicht darüber nachgedacht, was sie damit anrichtet."
„Sie wurde verstoßen! Sie hat ihre Familie verlassen, ihre beiden Schwestern! Das war bestimmt schwer genug für sie!"
„Das habe ich nie so gesehen, ich habe immer nur die Scherben gesehen, die ihr Verrat hinterlassen hat. Aus Angst vor einem neuerlichen Verrat drängten unsere Eltern darauf, dass Bellatrix heiratet. Sie wollten sie nur noch kontrollieren und einsperren. Narcissa hatte Glück, dass sie und Lucius schon in der Schule zusammengekommen sind und auch bald darauf geheiratet haben, denn sonst hätte ihr dasselbe Schicksal geblüht. Bellatrix war wütend und es war sehr gut, dass Andromeda sich nie wieder hat blicken lassen. Bellatrix hat ihr Schicksal natürlich hingenommen und nach außen hin war sie die glückliche Madame Lestrange. Sie hat aber ihren Eltern nie verziehen. Und Andromeda ohnehin nicht."
„Heißt das, Ihr Bruder und Bellatrix mussten eine arrangierte Ehe eingehen?", fragte Hermine.
„Ja. Unsere Eltern haben die Vereinbarung getroffen. Wir kannten uns alle aus unserer Schulzeit. Bellatrix und mein Bruder waren in der Schule sogar mal kurz zusammen, danach jedoch haben wir uns für Jahre aus den Augen verloren. Die Nachricht von der Verlobung kam überraschend."
„Wie hat Ihr Bruder das gesehen?"
„Er hat es hingenommen, was hätte er tun sollen? Wenn er Nein gesagt hätte, hätte er eine andere Frau finden müssen, was schwierig war, selbst zu unserer Zeit schon. Die Auswahl war nicht groß und die meisten reinblütigen Frauen waren… nur von außen hübsch anzusehen und… hatten einfach nicht das, was Bellatrix hatte. Die beiden haben ihr Schicksal angenommen, was blieb ihnen anderes übrig? Mein Bruder allerdings hat Bella geliebt, das weiß ich. Für ihn war es nicht schlimm, sie zu heiraten."
„Für Bellatrix schon?"
„Ich denke, es ging weniger um meinen Bruder als Person, als vielmehr um die Tatsache, dass es über ihren Kopf entschieden wurde. Sie ist einfach sehr freiheitsliebend und sie so in Ketten zu legen…"
„Hätten Sie auch heiraten müssen?"
„Früher oder später mit Sicherheit, weil ich ja nur zwei Jahre jünger war als mein Bruder. Und ich hätte vermutlich nach Frankreich heiraten müssen."
„Nach Frankreich? Ist die Familie Lestrange denn aus Frankreich?"
„Wir leben schon seit ungefähr drei Jahrhunderten in England, aber ursprünglich kommen wir aus Frankreich. Unsere Familie hat die Beziehungen immer aufrechterhalten. Wenn ich geheiratet hätte, wäre es eine französische Frau gewesen, damit diese Seite der Familie erhalten geblieben wäre. Ich kann von Glück sprechen, dass meine Eltern davor verstorben sind, sodass das zumindest mir erspart blieb. Als zweitgeborener hat man das Privileg, bei gewissen Dingen schon mal übergangen zu werden. Allerdings hat es sich dann so ergeben, dass ich nie wieder eine Frau gefunden habe. Was ist mit Ihnen, wollen Sie auch mal heiraten?"
Hermine lief rot an. „Ich weiß nicht…"
„Haben Sie eigentlich einen Freund, Ms. Granger? Das will ich irgendwie schon die ganze Zeit wissen", fragte Rabastan interessiert.
Hermine druckste ein wenig herum und er stieß sie mit dem Ellbogen in die Seite. „Na kommen Sie schon! Also, haben Sie jemanden? Um so ein hübsches Mädchen werden sich doch die Jungs in Hogwarts gerissen haben. Wenn sogar Victor Krum…"
„Ich weiß nicht", sagte Hermine und plötzlich klang sie seltsam bedrückt. „Es gibt jemanden. Wir waren bisher nur Freunde, aber… Irgendwie ist da schon was, aber… keiner macht irgendwie den nächsten Schritt und… Ich glaube, wir sehen uns nach wie vor eher als gute Freunde oder als Bruder und Schwester. Das ist nichts ernstes, vielleicht nur eine Teenager- Verliebtheit."
„Wer ist der glückliche? Doch nicht Mr. Potter?"
„Nein, es ist Ron."
„Der Weasley- Junge?!", fragte Rabastan nicht minder entsetzt. „Ms. Granger, Hermine, ich denke, dass das keine gute Wahl wäre. Sie verdienen jemand anderen, jemand, der mit Ihnen ebenbürtig ist."
„Sie kennen Ron überhaupt nicht!"
„Ich kenne die Weasleys gut genug", sagte Rabastan ernst. „Sie brauchen jemanden, der sie fordert. Sie sind intelligent und eine sehr begabte Hexe."
„So jemanden wie Sie vielleicht? Wenn ich das richtige Blut hätte?"
„Vielleicht", sagte Rabastan leise, amüsiert von ihrer frechen Antwort.
„Haben Sie meinen Zauberstab eigentlich kaputt gemacht?"
„Nein, ich bewahre ihn sicher auf. Er ist nicht zerstört. Wenn Sie ihn wiederhaben wollen, müssen Sie etwas dafür tun. Sie und Ihre Freunde sind auf der Suche nach Etwas, das konnte ich mir bereits selbst ausrechnen. Ich frage mich nur, was könnte so wichtig sein? Und nachdem Sie Ms. Umbridge bestohlen haben, waren Sie ja auch erfolgreich. Was war an dieser Halskette so besonders?"
Sie sah ihn an und an ihren Augen war zu erkennen, wie sie innerlich mit sich rang. Rabastan wusste genau, dass er sie bereits zu einem entscheidenden Punkt gebracht hatte, wo sie keine andere Möglichkeit mehr hatte, als irgendetwas zu sagen.
„Also gut", sagte sie resignierend. „Kann ich Ihnen vertrauen?"
„Ich breite hier meine Lebensgeschichte vor Ihnen aus. Natürlich, können Sie mir vertrauen, ich vertraue ja auch schließlich Ihnen."
„OK, gut zu wissen. Harry, Ron und ich haben von Dumbledore eine Aufgabe bekommen. Niemand sonst weiß darüber Bescheid. Nicht unsere Familien und auch nicht der Orden des Phönix. Ich… kann ihnen leider nichts Genaueres sagen, weil…", sie rang nach Worten, „ich würde Sie sonst damit in Gefahr bringen und das möchte ich nicht. Außerdem hatte in Ihrer Familie schon mal jemand ziemlichen Ärger weil er… weil er damit zu tun hatte."
„Daraus werde ich nicht wirklich schlau", sagte Rabastan, der mit diesem Satz überhaupt nichts anfangen konnte.
„Tut mir Leid, mehr geht wirklich nicht."
„Ich verstehe." Er stand auf und entschied, dass es für heute genug war. „Ich werde Sie jetzt wieder öfter besuchen. Stellen Sie sich darauf ein." Er wünschte ihr eine gute Nacht und schritt zur Tür.
