So, es geht schon wieder weiter. Wieder ein ganz herzliches Danke an Alle, die dabei sind

Nachdem Hotch Jack am nächsten Tag in die Schule gefahren hatte, klingelte er bei Jess. Dave´s Worte gingen Hotch nicht aus dem Kopf, warum wollte sie nicht glücklich werden mit Dave?

"Aaron? Ist was mit Callie?"

"Nein, es alles ok mit Callie. Aber Du machst mir Sorgen. Warum sagst Du mir denn nicht, daß David Dich heiraten will?"

"Das mit Dave und mir ist lange her, Aaron." versuchte Jess auszuweichen.

"Das stimmt doch nicht, Jess. Dave liebt Dich, das hat er mir gesagt."

"Hat er Dir auch gesagt, daß ich seinen Antrag abgelehnt habe? Haley war meine Schwester, ich kann mein Versprechen ihr gegenüber nicht brechen, das geht nicht."

"Aber sie würde doch nicht wollen, daß Du alleine bleibst, Jess." Hotch legte den Arm um sie, "Daß Du mit Dave zusammen bist, heisst doch nicht, daß Du Dich nicht mehr um Jack kümmern kannst oder sollst. Vielleicht kannst Du Dich ein bisschen weniger um ihn kümmern, aber auch dafür werden wir eine Lösung finden. Jess, Du musst Dich für Jack und mich nicht aufopfern. Du hast so viel für uns getan, tue jetzt etwas für Dich."

"Ich weiß nicht, Aaron."

"Was weißt Du nicht, Jessica? Ob Du glücklich werden kannst, mit Dave?" Hotch packte Jess an den Oberarmen, "Ganz sicher wirst Du unglücklich, ohne ihn. Ich würde alles geben, Jess, dafür, daß ich mit Callie alt werden dürfte. Wenn ich unsere Tochter zum Altar führen könnte oder wenn wir zusammen auf Jack´s Kinder aufpassen könnten. Aber ich werde das nicht können, Jess. Also bitte, wirf Du Dein Glück nicht weg." sagte Hotch eindringlich. "Sorge Du dafür, daß Foyet nicht gewinnt, Jess. Er hat so viel zerstört, irgendwann muss Schluss sein."

Jess schmiegte sich an Hotch, "Weißt Du, wenn ich Dave nicht lieben würde, wärst Du der Mann meiner Wahl, Aaron. Ich bete jeden Abend für Callie und Dich, man hat doch schon von solchen Wundern gehört, oder gibt es denn gar nichts, was man noch tun kann?" Hotch schüttelte den Kopf, "ich kann es ihr nur leichter machen, Jess." sagte Hotch verzweifelt.

Ike Malone saß vor Callie´s CT Aufnahmen, in der Hoffnung, doch irgend eine Möglichkeit zu finden, der jungen Frau zu helfen.

"Malone", grummelte er in seinen Apparat, als es klingelte.

"Hoppla, Grandpa. Was für eine Laus ist Dir denn über die Leber gelaufen?" fragte Renee Malone überrascht, das war so gar nicht ihr Großvater.

"Hallo Fröschchen, ich hab nicht mit Dir gerechnet. Ist bei Euch in Berlin nicht mitten in der Nacht?"

Renee lachte fröhlich, "Irgendwie hab ich das Gefühl, es ist immer mitten in der Nacht. Die lassen uns Anfänger gerne die Nachtschicht schieben, weißt Du? Warum bist Du so muffig?"

"Wie gut sind Eure Neurologen, Renee?"

"Puh, Prof. Dietrich ist einer unserer Besten, allerdings ist er ziemlich Eigen, wenn ich das mal so sagen darf. Aber er ist wirklich sehr gut. Warum fragst Du? Bist Du etwa mit Deinem Latein am Ende? Kann ich mir nicht vorstellen, Grandpa."

"Du musst mir da einen Gefallen tun, Fröschchen", sagte Ike Malone entschlossen.

Eine gute halbe Stunde später klopfte Renee an die Tür von Prof. Dietrich.

"Was?!"

Renee rollte mit den Augen, das ging ja schon wieder gut los. Dietrich war bekannt für seine etwas bärbeissige Art und dafür, daß er Studenten und Assistenzärzte gerne rund machte. Sie hoffte, daß sich Dietrich nicht daran erinnern würde, daß sie der kleinen Schussel war, der ihn im Kühlraum der Autopsie eingesperrt hatte. Ich hab ihn wirklich nicht gesehen, sagte sich Renee halblaut und straffte die Schultern.

"Kommen Sie rein, oder wollen Sie da draussen Wurzeln schlagen?"

"Natürlich nicht, Professor." Renee betrat sein Büro und Dietrich stöhnte.

"Malone? Treiben Sie noch immer hier Ihr Unwesen? Noch nicht genug Kollegen eingeschossen, was? Ich dachte, sie sind längst wieder in Washington?"

So viel zum Thema vergessen, dachte Renee frustriert. "Äh, ja. Ich meine natürlich, nein. Prof. Kleinschmidt hat mir angeboten noch eine Weile zu bleiben. Ich fühle mich sehr wohl in seinem Team."

Kann ich mir denken, daß er das angeboten hat, dachte Dietrich. Der alte Casanova Kleinschmidt war hinter ihrem sehr entzückenden Hintern her, wie so viele der Assistenzärzte, die sich Samt und Sonders bereits Körbe von der üppigen und immer fröhlichen Amerikanerin eingehandelt hatten. Dietrich hätte Malone auch sehr gerne in seinem Team, der Neuro-Chirurgie, begrüßt. Er hielt sie für sehr talentiert, allerdings gab es ein Manko, Malone war einfach ungeschickt. Es verging kein Tag, an dem ihr nicht irgendein Malheur passierte, gestern Mittag war sie in der Cafeteria über ihre eigenen Füsse gestolpert und hatte ihren Oberarzt mit Kartoffelsuppe getauft. Um nichts in der Welt hätte sie Dietrich in seinem OP haben wollen, aber sie war eine ausgezeichnete Diagnostikerin und die Patienten liebten sie. Vor Allem die in der Kinderpsychiatrie, da war Malone im Moment tätig.

"Was wollen Sie, Malone? Sie haben keinen Kaffee bei sich, also wollen Sie mir nichts überschütten."

"Ich tue das nicht absichtlich, Herr Professor" merkte Renee ein bisschen verschnupft an, reichte ihm den USB Stick und streifte mit dem Ärmel den Kaktus, der auf dem Tisch stand und fegte ihn zu Boden.

"Nicht anfassen" sagte Dietrich besorgt, nicht auszudenken, was das Mädchen mit einem Kaktus anstellen würde. "Was ist da drauf?"

"Eine Patientin meines Großvaters, Professor. Er würde gerne eine weitere Meinung hören."

Dietrich stöpselte den Stick ein, "haben Sie sich die Aufnahmen schon angesehen?"

Renee nickte. "36-Jährige Frau, Glioblastom, WHO Grad IV. Vor etwas über zwei Jahren das erste Mal aufgetreten und wurde operativ entfernt. Anschliessend Chemo und Bestrahlung. Vor sieben Monaten ist es wieder zurückgekehrt. Die Aufnahmen rechts sind vier Wochen alt, die links sind vom Donnerstag."

Dietrich schwieg ein Weile und studierte die Aufnahmen aufmerksam. "Wie alt, sagten Sie?"

"36, Professor."

"Schöne Scheisse", sagte Dietrich brutal. "Sehen Sie das und das?" Dietrich deutete auf zwei dunkle Punkte.

"Metastasen" kam es prompt von Renee.

Dietrich nickte. "Ich hasse es, das zu sagen, aber die junge Frau sollte ihre Angelegenheiten regeln und sie sollte sich nicht mehr allzu viel Zeit dafür nehmen. Eine Angehörige?"

"Nein, Professor, aber meinem Großvater geht der Fall sehr nahe. Callie Aimes ist gerade frisch verliebt und ihr Freund hat schon eine Frau verloren, es gibt auch eine kleinen Jungen und..."

"Es ist einfach unfair?" vervollständigte Dietrich ihren Satz.

"Ja, das ist es", bestätigte Renee.

"Setzen Sie sich, Dr. Malone." sagte Dietrich ungewohnt weich. Er konnte nichts dafür, er mochte die junge Frau einfach, auch wenn er das sehr gut versteckte. "Ich denke nicht mehr darüber nach, ob etwas unfair ist, oder nicht. Mein einziges Kriterium ist, kann ich dem Patienten helfen, oder nicht. Das muss mein einziges Kriterium sein, verstehen Sie, was ich Ihnen damit sagen will, ?"

"Man sollte seine persönlichen Gefühle im Spind hängen lassen?"

Dietrich lächelte kurz, "genau das wollte ich Ihnen sagen. Sie sind ein sehr mitfühlender Mensch, Renee. Passen Sie auf, daß Ihnen das irgendwann nicht einmal zum Verhängnis wird."

Jess drehte sich vor dem Spiegel, Aarons Standpauke hatte Wirkung gezeigt. Sie wollte zu Dave. Jess hatte sich so lange verboten, eine Zukunft mit ihm ins Auge zu fassen, geschweige denn, an ihn zu denken. Aber die Wahrheit war, sie liebte ihn. Aaron hatte so recht, sie konnte mit Dave haben, was ihm und Callie verwehrt sein würde. Kinder, eine Zukunft, eine Liebe die andauern würde. Jess zog das Kleid aus und warf sich einfach in Jeans und Shirt, alles andere war vollkommen unwichtig. "Ich liebe Dich, David Rossi", sagte Jess laut und setzte sich in ihr Auto.

"Und Du bist Dir wirklich sicher, daß Du das tun willst?"

Hotch machte Callie den Reissverschluss ihres Overalls noch einmal zu. Callie hatte auf ihn eingeredet, wie auf einen kranken Gaul, Hotch wollte sich nicht überzeugen lassen, daß es ihr gut genug ging, um zu springen. Callie wollte aber ausnutzen, daß sie sich im Moment ganz gut fühlte und bestand sehr energisch auf dem Sprung. Hotch befand dann, wenn Callie schon unbedingt springen wollte, dann nicht alleine.

"Daß wir das tun wollen", berichtigte Callie und stieg in das Flugzeug. "Ich kann es nicht mehr aufschieben, Aaron. Mir läuft die Zeit davon, Du weißt das."

Hotch krabbelte hinterher und der Tandemmaster schmunzelte. Es kam immer wieder vor, daß die Frauen beim Springen mehr Mumm in den Knochen hatten, als die Männer. Es dauerte ein wenig, bis die Absprunghöhe von 3500 m erreicht war.

"Ok, Ihr Zwei! Denkt daran, was wir erklärt haben, es kann hier nichts passieren. Der freie Fall dauert ungefähr 30-60 Sekunden, wir öffnen den Schirm auf ca. 1500 m, die ganze Aktion dauert ungefähr 10 bis 15 Minuten."

Callie und Hotch wurden an ihrem jeweiligen Partnern eingeklinkt und reckten den Daumen nach oben. Einen Augenblick später kippten sie aus dem Flugzeug. Hotch´s Herz raste wie verrückt, sein Adrenalinspiegel ging durch die Decke und er brüllte aus Leibeskräften. Viel zu schnell öffnete Pete den Fallschirm, Hotch war völlig hin und weg, das Gefühl ins Bodenlose zu stürzen, war für Hotch eine völlig neue Erfahrung, die sein gesamtes Sicherheitsdenken völlig auf den Kopf stellte. Er sah sich nach Callie um, sie schwebte einige Meter weiter genau so sachte zur Erde, wie er selbst. Er konnte Callie lachen hören als sie gelandet waren. Sie stürzte sich in seine Arme, Callie strahlte über das ganze Gesicht, ihre Wangen waren leicht gerötet und ihre Augen leuchteten. Hotch wünschte, dieser Augenblick würde ewig dauern.

Rossi stellte sein Auto in der Auffahrt ab. Saß da jemand auf seiner Treppe? Dave fragte sich, ob er wohl eine Verabredung vergessen hatte, aber eigentlich stand für heute nichts mehr auf der Agenda, ausser vielleicht ein oder zwei Cognac´s auf seiner Couch. Jess? Dachte Dave überrascht, das war Jess, sie winkte jetzt sogar und Rossi wurde schnell.

"Jess? Alles in Ordnung? Ist etwas passiert?"

Jess lachte und sagte nur ein einziges Wort, "ja"

"Ja?" wiederholte Dave irritiert.

"Das wäre meine Antwort, wenn Du mich noch einmal fragen würdest, David." "Ganz sicher?" Jess lachte wieder, "ganz sicher, Dave." Er nahm Jess einfach in die Arme, unfähig die entscheidende Frage zu stellen, aber Jess verstand ihn auch so. Danke Aaron, dachte Rossi. Ich hoffe, auch für Dich wendet sich alles zum Guten.

Hotch erzählte Callie auf dem Heimweg von Dave und Jess.

"Genau so habe ich sie auch eingeschätzt", erklärte Callie, "stellt ihr eigenes Leben zurück, weil sie ein Versprechen gegeben hat. Ich denke, sie und Rossi würden sehr glücklich miteinander werden, glaubst Du, Jess geht zu Ihm?" fragte sie.

"Ich denke schon, ich bin sehr überzeugend, mein Schatz."

Callie lächelte, "wem sagst Du das." Sie küsste ihn schnell an einer roten Ampel. "Ich sollte mir ein passendes Kleid für die Hochzeit aussuchen, fahren wir in die Mall?"

Wir haben hier schon einmal einen ganz kurzen Blick auf jemanden geworfen, der für Hotch in fernerer Zukunft einmal sehr wichtig werden wird, Renee Malone...