A/N: Und hier ist auch schon Kapitel 11. Ich wünsch euch viel Spaß damit und lasst wieder den ein oder anderen Kommentar da. ;-)
Kapitel 11:
Als Skyla am nächsten Morgen aufwachte, fühlte sie sich immer noch nicht besser. Der gestrige Tag war die Hölle. Zuerst dieser Wutausbruch ihrerseits, den sie sich nicht erklären konnte, und dann hatte Emily sie auch noch so sträflich im Stich gelassen.
Sie zog sich an. Warum beim Barte Merlins war sie so ausgerastet? Sie wollte doch, dass sich Fred entschuldigte. Warum hatte sie ihn dann so angegriffen? Sie wollte doch, dass alles wieder gut wurde und sich alle wieder vertrugen. Skyla verstand sich selbst nicht mehr und vor allem konnte sie sich wegen dieses Ausrutschers nicht mehr leiden. Was hatte sie ihren drei besten Freunden nur damit angetan? Sie hatte den Schmerz in den Augen der Zwillinge gesehen und es tat ihr auch sofort leid, aber sie konnte sich einfach nicht entschuldigen. Ihr Mund wollte ihr nicht gehorchen.
Gestern Abend wollte sie sich bei Emily entschuldigen, aber diese war plötzlich verschwunden. Emily kam erst wieder als Skyla, die die Nacht vorher kaum geschlafen hatte, bereits im Bett lag. Sie hatte also keine Chance noch einmal mit ihr zu reden. Und so bekam sie auch nicht mit, dass Emily gut drauf war.
Sie seufzte. Sie hatte Angst vor diesem Tag. Heute würde sie Unterricht mit Fred und George haben und das gleich zweimal.
Betrübt ging Skyla zum Frühstück. Emily saß bereits am Hufflepufftisch.
„Morgen.", sagte Skyla.
„Morgen.", antwortete Emily und Skyla setzte sich neben ihr. Schweigend frühstückten die Mädchen, denn beiden steckte nicht nur der Streit von gestern in den Knochen, sondern sie waren auch noch zwei Morgenmuffel, die morgens nicht viel redeten.
„Hör mal, wegen gestern...", fing Skyla an, als beide etwas im Magen hatten.
„Entschuldige dich nicht bei mir, sondern bei Fred und George.", ging Emily dazwischen.
Das braunhaarige Mädchen sah auf ihren Teller. „Ich will ja, aber ich kann es nicht. Wenn ich Fred sehe, dann hab ich wieder dieses Bild von vorgestern Abend im Kopf. Und ich hab Angst, was zu sagen, weil dann bestimmt wieder nur Müll herauskommt wie gestern."
„Wenigstens siehst du ein, dass du Müll geredet hast.", meinte Emily versöhnlich.
Sie aßen ihr Toast auf ohne weiter über den gestrigen Tag zu sprechen.
„Guten Morgen!", kam eine Stimme von hinten. Überrascht sah sich Skyla um und blickte in das Gesicht von George Weasley.
„Morgen George. Morgen Fred.", begrüßte Emily die Zwillinge und stand auf. „Komm, Skyla, wir sollten los zu Kräuterkunde."
Die Angesprochene starrte von George zu Emily und wieder zurück. Doch die beiden kümmerten sich nicht um sie oder Fred, der die beiden ebenfalls mit großen Augen anstarrte und gingen lachend aus der Halle.
Skyla sah Fred fragend an, doch der drehte sich nur um und ging zu Lee, der gerade die Halle verlassen wollte.
Sie seufzte schwer und folgte ihren ehemaligen besten Freunden.
„Hey Skyla! So ganz allein?" Cedric Diggory kam angelaufen. „Wo ist denn dein Anhang?"
Sie sah ihn an. Machte er sich etwa über sie lustig? Doch sie konnte nicht die geringsten Anzeichen von Spott in seinen grauen Augen erkennen. Sie zuckte mit den Schultern. „Schon vorgegangen.", meinte sie leise.
„Alles in Ordnung?" Er klang besorgt.
„Wir haben uns gestritten, aber das wird schon wieder. Hoffe ist jedenfalls.", fügte sie ganz leise hinzu.
„Ich weiß zwar nicht worum es geht, aber ihr seid doch schon so lange befreundet, dass renkt sich bestimmt wieder ein. Du wirst sehen, in ein paar Tagen lacht ihr darüber."
Sie lächelte ihn an. „Danke." Was war denn mit dem los? Skyla hatte Cedric immer für einen eingebildeten Kerl gehalten, der weder sie noch Emily und die Zwillinge mochte. Da hatte sie sich wohl getäuscht. Es war doch nicht alles schlecht in Hogwarts. Es gab auch angenehme Überraschungen.
„Kein Problem. Ich kenn euch doch." Cedric sah sie verschmitzt an. „Früher konnte euch nichts auseinander bringen."
„Ja, du hast Recht. Danke! Du hast mir echt geholfen!" Die beiden gingen über die Ländereien zu den Gewächshäusern.
„Wirklich? Das freut mich zwar, aber ich hab doch gar nichts gemacht.", meinte Cedric erstaunt.
„Doch, du hast genau das richtige gesagt." Skyla hatte einen Entschluss gefasst. Sie wollte sich so schnell wie möglich bei Fred und George entschuldigen.
Cedric lachte. „Schön, dass das mal jemand erkennt."
Skyla musste ebenfalls lachen und die beiden kamen lachend an den Gewächshäusern an.
Sie merkte nicht, wie besorgt sich George und Emily anguckten.
Das Mädchen holte tief Luft und wollte gerade auf Fred zugehen, als ihre Hauslehrerin Professor Sprout kam und sie in eines der Gewächshäuser scheuchte.
Sie stellten sich um die ganzen Pflanzen in der Mitte. Fred stand neben Skyla. Sie wollte gerade den Mund aufmachen, aber er warf ihr nur einen vernichtenden Blick zu und gesellte sich zu Lee, der ein bisschen weiter entfernt stand.
Wieder warfen sich George und Emily besorgte Blicke zu. Auch diesmal bekam sie das nicht mit, weil sie auf den Boden starrte. Das würde schwieriger werden, als sie gedacht hatte. Sie seufzte leise. Plötzlich spürte sie eine Hand auf ihrer Schulter. Skyla sah hoch, direkt in das Gesicht von Cedric.
„Das wird schon.", meinte er leise und lächelte sie zuversichtlich an. Sie nickte nur und versuchte sich dann auf den Unterricht zu konzentrieren.
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Mit rauchenden Köpfen verließen sie zwei Stunden später das Gewächshaus. Professor Sprout hatte sie mit allerlei Pflanzen bombardiert und ihnen erzählt, was sie die nächsten fünf bis sieben Jahren lernen würden.
Als sie wieder im Schloss waren, fasste sich Skyla ein Herz. Jetzt oder nie!
„Ich bin gleich wieder da.", sagte sie zu Cedric und lief Fred hinterher, der gerade auf den Schulhof ging.
„Fred!" Er drehte sich um und funkelte sie böse an. Erschrocken trat sie einen Schritt zurück. Ihr sackte das Herz in die Hose.
„Was willst du? Will dein neuer Freund nichts mehr mit dir zu tun haben?", fragte er aggressiv. „Hat er herausgefunden, was für eine egoistische und selbstsüchtige Kuh du bist? Da war er ja klüger als wir."
„Du mieses Schwein!" Skyla drehte sich auf dem Absatz um und rannte weg, damit niemand ihre Tränen sah. Vor einem Klassenzimmer kam sie zum Stehen. Sie ging hinein. Es sah aus, als sei es seit Jahren nicht mehr benutzt worden. Sie versteckte sich dort und ließ ihren Tränen freien Lauf.
Auf einmal merkte Skyla, dass sich jemand neben sie setzte und sie in den Arm nahm. Am blumigen Geruch erkannte sie, dass es Emily war.
„Ich wollte mich doch entschuldigen.", heulte Skyla. „Warum war er so gemein zu mir? Er wollte doch, dass ich mich entschuldige."
„Ich glaube, er dachte, du würdest dir lieber neue Freunde suchen, als dich mit ihm zu vertragen." Emily streichelte ihr über das Haar.
„Was denn für neue Freunde?"
„Cedric. Es war ein Schock für ihn, als er sah, wie du und Cedric lachend zum Unterricht kamen."
„Aber Cedric hat mich doch dazu gebracht, dass ich mich entschuldigen wollte." Sie erzählte ihrer besten Freundin alles. „Mir ist klar geworden, dass Fred zu stur ist und ich den ersten Schritt machen muss. Der Klügere gibt nach, sagt meine Mum immer.", endete sie.
„Da hat sie Recht."
„Aber er denkt, ich sei eine egoistische und selbstsichere Kuh." Sie fing wieder an zu weinen.
„Das glaub ich nicht. Er ist einfach nur verletzt und wollte dir genauso wehtun. Du musst noch mal mit ihm reden und ihm alles erklären."
„Nein! Fred rastet bestimmt wieder aus und beschimpft mich. Das brauch ich nicht noch einmal.", sagte Skyla und sah Emily ängstlich an.
„Das glaub ich auch nicht." Die beiden Mädchen saßen noch einige Zeit in dem Klassenzimmer. „Los, komm wir sollten zum Unterricht. Er fängt gleich an."
Skyla wischte sich die Tränen weg und Emily half ihr auf. Gemeinsam gingen sie zum Zauberkunst-Klassenzimmer.
Professor Flitwick hatte bereits mit dem Unterricht begonnen, als sie ins Klassenzimmer kamen.
„Entschuldigen Sie, Professor, aber wir haben uns ein bisschen verlaufen.", sagte Emily.
„Schon gut. Das kann ja immer mal passieren. Setzen sie sich schnell.", quiekte Professor Flitwick. Das ließen sich die beiden nicht zweimal sagen und Professor Flitwick fuhr mit dem Unterricht fort. Er erzählte ihnen, was für das Fach wichtig war und gegen Ende der Stunde übten sie bereits den ersten Zauberspruch.
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Nach der Stunde hatten sie Mittagspause und aßen in der Großen Halle. Irgendwann kam George zu ihnen.
„Hey.", sagte er und setzte sich neben Emily, die gegenüber von Skyla saß.
„Was ist mit Fred?", fragte seine Sitznachbarin.
„Frag nicht.", schüttelte er den Kopf.
„Ich wollte mich bei dir entschuldigen wegen gestern.", flüsterte Skyla und starrte auf ihren Teller. „Ich hätte nicht so ausrasten dürfen. Es tut mir leid."
„Ist schon gut. Ich nehm die Entschuldigung an.", erwiderte er und lächelte sie an.
„Danke.", meinte sie und blickte weiter den Teller mit ihrem Essen an. Sie hatte noch nicht viel davon gegessen. Ihr war der Appetit vergangen. Sie schob den Teller weg. „Mir ist schlecht.", sagte Skyla und ging aus der Halle.
George und Emily sahen sich ratlos an.
„Das ist ja wohl gründlich in die Hose gegangen.", meinte George.
„Ja. Wir müssen uns was anderes überlegen.", antwortete Emily und seufzte.
„Was ist mit den Briefen?", fragte er ungläubig.
„Nein. Das würde die ganze Sache nur noch schlimmer machen, weil sie ja dahinter kommen werden."
„Was dann?"
Emily zuckte mit den Schultern und die beiden seufzten. Einige Minuten saßen sie schweigend nebeneinander und grübelten.
„Ich habs!", rief Emily plötzlich.
„Erzähl!", sagte George aufgeregt. Flüsternd erklärte Emily ihrem besten Freund ihren Plan.
„Klingt gut. Und wann wollen wir das machen?"
„Morgen ist Samstag. Da haben wir genug Zeit und keiner wird sie vermissen.", grinste Emily verschwörerisch.
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„Skyla? Können wir gleich zusammen Hausaufgaben machen?", fragte Emily am nächsten Morgen beim Frühstück.
„Klar, das wollte ich dich auch gerade fragen."
„Danke. Aber lass uns das nicht im Gemeinschaftsraum machen, da ist es so laut und ich kann mich nicht konzentrieren."
„Okay, dann in der Bibliothek.", meinte Skyla.
„Nee, lass uns lieber ein leeres Klassenzimmer suchen, wo uns keiner stören kann, wir aber trotzdem laut miteinander reden können, ohne das wir gleich angeschnauzt werden."
„Du meinst Madam Pince?"
Emily nickte.
„Na gut, und woran hast du gedacht?"
„Wie wärs mit dem Klassenzimmer, wo ich dich gestern gefunden hab."
„Weißt du noch wo das ist?", fragte Skyla skeptisch.
„Ja."
„Okay, dann meinetwegen. Ich hol schon mal meine Tasche. Soll ich deine mitbringen?"
„Das wär echt lieb." Emily biss in ihr Toast.
„Gut, bis gleich." Skyla stand auf und ging in ihren Gemeinschaftsraum. Sie suchte nach ihren Schultaschen. Im Schlafsaal fand sie sie schließlich.
Vielleicht hatte sie heute mehr Glück, sich auf ihre Hausaufgaben zu konzentrieren. Gestern Abend hatte das nicht so geklappt. Immer wieder hörte sie Fred in ihrem Kopf, wie er sie beschimpfte. Irgendwann hatte sie das Ganze dann aufgegeben.
Emily wartete an der Großen Treppe auf sie und gemeinsam marschierten sie los. Skyla war gestern gar nicht aufgefallen, wie weit sie durch das Schloss gelaufen war. Es kam ihr gar nicht so lange vor, aber heute brauchten sie fast eine halbe Stunde, um zu dem Klassenzimmer zu gelangen. Wie groß das Schloss doch war.
„Geh schon mal rein. Ich muss noch mal kurz wohin." Emily zeigte auf eine Tür etwas weiter den Gang hinunter, an der ein Schild mit einer Frauenfigur hing.
„Okay. Viel Spaß!", grinste Skyla und ging in das Zimmer. Sie betrachtete es, gestern hatte sie nicht die Zeit dazu gehabt. Es war nicht sehr groß und an den Wänden waren Tische und kaputte Regale gestapelt. Die Tafel war ebenfalls kaputt, der linke Flügel hing nur noch an einer Halterung. Mitten im Raum standen zwei sehr große Schränke, die fast die ganze Fläche ausfüllten.
Skyla hörte wie jemand den Raum betrat. „Irgendwie komisch hier. Ich hätte nicht geda-" Sie kam um die Regale herum und starrte in das Gesicht von Fred Weasley. In diesem Moment hörte sie, wie die Tür hinter ihm ins Schloss fiel.
Fred drehte sich um und drückte die Klinke hinunter. „George, was soll der Mist? Lass mich hier raus!", rief er durch die verschlossene Tür.
„Erst wenn ihr miteinander geredet habt.", antwortete Emily. „Wir kommen in etwa zwei Stunden wieder, um zu sehen, ob ihr euch vertragen habt." Skyla hörte, wie zwei Menschen den Korridor hinuntergingen.
Fred drehte sich wieder zu ihr. „Du hast davon gewusst, oder? War wahrscheinlich auch deine Idee, oder?" Er wurde wütend.
„Nein.", sagte Skyla nur und setzte sich auf einen der Tische.
„Was fällt den beiden eigentlich ein? Als ob ich nichts besseres zu tun hätte."
Das traf Skyla hart. „Du willst dich also nicht mit mir vertragen?", fragte sie leise. „Hatte ich also doch Recht."
„Womit?" Fred versuchte die Tür auf zu bekommen. Er hielt inne, als er ihre Stimme hörte.
„Das du nichts mehr mit uns zu tun haben willst. Der mutige und starke Held gibt sich halt nicht mit den Losern ab. Das wäre ja schlecht für sein Image." Sie wurde laut.
„Dafür hast du ja schon neue Freunde in dem Loserhaus gefunden. Da brauchst du mich ja gar nicht mehr." Auch Fred wurde lauter.
„Darf man also nicht mal mehr mit anderen Leuten reden?"
„Das war doch mehr als reden. Er hat dir die Hand auf deine Schulter gelegt."
„Ja und? Nur zu deiner Information, Weasley! Cedric war es, der mich davon überzeugt hat, dass ich mich bei die entschuldigen wollte."
„Interessant zu wissen, dass du erst die Hilfe von fremden Jungs brauchst, die dir sagen, was du zu tun hast."
„Er hat mir nicht gesagt, dass ich mich entschuldigen soll. Cedric hat mir nur gezeigt, wie viel mir die Freundschaft zu dir und den beiden anderen bedeutet. Und außerdem was ist mit diesem Lee? Du hängst doch auch die ganze Zeit mit dem rum? Hast du mich deswegen jammern hören? Du bist so ein Heuchler, Fred Weasley!" Skyla hatte gar nicht gemerkt, dass sie aufgestanden war. Sie stand plötzlich mit funkelnden Augen vor Fred. „Aber dir liegt ja nichts an unserer Freundschaft, was rege ich mich also so auf."
„Mir liegt wohl etwas an dieser Freundschaft."
„Ach, da merke ich aber nicht viel von. Sonst hättest du mich gestern ja ausreden lassen."
„Das musst ausgerechnet du sagen! Du warst es doch, die mich nicht hat ausreden lassen und mich stattdessen lieber angeschrien hat."
„Lieber ganz bestimmt nicht. Ich weiß auch nicht, was da in mich gefahren ist. Eigentlich wollte ich dir zuhören, aber immer wieder spukte dein Gesicht vom Auswahlabend mit deinem Grinsen vor Augen, das mit jedem Mal fieser und gemeiner wurde. Ich war einfach so enttäuscht, dass du dich nicht sofort dafür entschuldigt hast." Sie setzte sich wieder auf den Tisch und starrte zu Boden.
„Das wollte ich ja, aber du hast mich ja gar nicht mehr zu Wort kommen lassen."
„Ja, das tut mir leid. Aber das willst du sicher nicht von einer selbstsüchtigen und egoistischen Kuh wie mir hören."
„Ich halte dich nicht für eine selbstsüchtigen und egoistischen Kuh. Es tut mir leid, dass ich das gesagt hab, aber ich war total geschockt, als ich dich mit Cedric lachen gesehen hab. Der konnte uns doch gar nicht leiden. Mir tut auch die Sache mit dem Grinsen leid. Ich weiß einfach nicht, was mich da geritten hat. Aber Charlie und Percy kamen auf mich zu und gratulierten mir freudestrahlend, da hab ich mich anstecken lassen. Du bist keine Kuh."
„Wirklich nicht?" Sie sah vorsichtig hoch. Fred stand direkt vor ihr und sah sie mit seinen dunkelblauen Augen an.
Er schüttelte den Kopf. „Hätte ich mich sonst beinah geprügelt?"
„Du hast dich geprügelt? Mit wem? Und warum?" Skyla starrte ihn überrascht und auch ein bisschen besorgt an.
„Fast. Und mit Simon aus unserer alten Klasse. Es war am Mittwochabend, als wir nach dem Essen unsere Schlafsäle bezogen haben. Ich hab mir solche Vorwürfe gemacht, dass ich gesagt hab, dass in Hufflepuff nur Loser wären. Simon meinte nur, dass ich doch damit Recht hätte. Ich war echt wütend. Ich hab ihn gegen die Wand gedrückt und hätten George und Lee mich nicht abgehalten, dann hätte ich ihm eine reingeschlagen, als er gesagt hat, dass ihr Loser seid."
„Das hast du wirklich gemacht?" Skyla strahlte ihn an. „Du bist der beste!" Sie fiel ihm um den Hals. „Es hat sich noch nie jemand für mich geprügelt, auch nicht fast."
Fred grinste verlegen. „Hab ich gern getan. So was kann ich doch nicht auf euch sitzen lassen, schon gar nicht von diesem Ekel Simon."
Sie strahlte ihn immer noch an.
„Heißt das, du verzeihst mir?", fragte er leise.
Sie nickte aufgeregt. „Aber nur, wenn -" Fred hielt die Luft an. „- wenn du mir auch verzeihst."
Er atmete erleichtert aus und nickte energisch. Skyla umarmte ihn ein weiteres Mal.
„Wir sind schon zwei Hornochsen.", lachte sie. „So was passiert uns nie wieder! Versprochen?"
„Versprochen!"
„Super und jetzt? Die zwei Stunden sind noch lange nicht um."
Fred nahm ihren Arm und schaute auf ihre Uhr. „Hmm... stimmt." Sie sahen sich an. Dann blickten beide zu ihren Schultaschen und wieder zurück. Sie grinsten, nickten und setzten sich dann auf den Boden.
„Womit fangen wir an?"
„Aufsatz für Snape.", meinte Fred und holte sein Zaubertrankbuch aus seiner Tasche. „Sag mal, sollten wir George und Emily nicht einen Denkzettel verpassen?"
„Du meinst dafür, dass sie uns hier eingesperrt haben?", fragte Skyla und Fred nickte. „Und an was hast du da so gedacht?"
Endlich sah sie wieder dieses verschwörerische Grinsen auf seinem Gesicht.
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„Meinst du, wir sollten mal so langsam nach ihnen schauen?", fragte Emily und setzte sich auf. Sie und George hatten es sich am See gemütlich gemacht.
„Du meinst, bevor die beiden sich die Köpfe einschlagen?", grinste George.
„Könnte ja sein." Emily stand auf und half ihrem besten Freund hoch. Sie gingen wieder ins Schloss und hoch zu dem Klassenzimmer, in dem sie Fred und Skyla eingeschlossen hatten.
Leise traten sie an die Tür und horchten. Sie konnten nichts hören.
„Skyla? Fred?" Sie bekamen keine Antwort.
Emily und George sahen sich fragend an. „Sollen wir rein gehen?" Emily nickte. George holte seinen Zauberstab hervor und nahm den Zauberspruch von der Tür.
Die beiden stürmten in das Zimmer und sahen sich um. Nirgends konnten sie ihre beiden besten Freunde entdecken.
„Skyla?"
„Fred?"
Emily sah George entsetzt an. „Wo sind die beiden?"
„Ich weiß es nicht. Vielleicht haben sie die Tür auf bekommen? Lass sie uns im Schloss suchen.", meinte George und ging wieder zur Tür. Sie war verschlossen. „Ich krieg die Tür nicht auf."
Emily lief zu ihm und gemeinsam versuchten sie, die Tür auf zu brechen.
„Na, gefällt es euch?", hörten sie plötzlich eine Stimme von der anderen Seite der Tür.
„Fred?", fragte George. „Fred, lass uns hier raus."
„Warum? Ihr habt uns ja auch nicht herausgelassen." Es war eine andere Stimme.
„Skyla? Aber wir wollten doch nur, dass ihr euch vertragt. Wir konnten eure ewigen Streitereien nicht mehr ertragen.", flehte Emily. „Lasst uns heraus."
„Ihr könnt ja mal darüber nachdenken, was ihr uns damit angetan habt. Wir kommen in etwa zwei Stunden wieder." Sie konnten hören, wie Fred und Skyla den Korridor hinunter gingen.
„Die sind jetzt nicht gerade wirklich gegangen und lassen uns hier drin?", fragte Emily ungläubig.
„Doch.", meinte George und setzte sich auf den Boden. „Wenigstens etwas Gutes hatte das ganze."
„Was Gutes?", fragte Emily mit hoher Stimme.
„Ja, die beiden haben sich anscheinend vertragen."
„Oh, wunderbar." Das Mädchen wirkte sehr hysterisch.
„Emily, ist alles in Ordnung mit dir?" George sah sie besorgt an. Was war los mit ihr?
„In Ordnung? Natürlich ist alles in Ordnung mit mir." Sie lief unruhig hin und her. Sie war ganz bleich und sie atmete nicht mehr normal. George stand auf. Er stellte sich vor ihr und sah sie an. In ihren braunen Augen konnte er ihre Angst sehen.
„Emily?", sagte er ganz leise und vorsichtig. Sie sah ihn an. „Warum hast du solche Angst?" Er nahm ihre zitternden Hände in seine.
Er half ihr sich hinzu setzen. „Ich kriege immer Panik, wenn ich in einem geschlossenem Raum bin, aus dem ich nicht heraus komme, weil die Tür abgeschlossen ist, oder ähnliches. Je kleiner der Raum, desto schlimmer."
„Und warum hast du solche Angst?", fragte George besorgt.
„Erinnerst du dich noch an den Tag mit dem Juckpulver in unserem ersten Schuljahr?"
George nickte schuldbewusst.
„Skyla und ich haben uns an dem Tag vertragen und seitdem waren wir ja die besten Freunde. Mein Vater war zu dem Zeitpunkt jemand, der Muggelgeborene verabscheut hat. Als er dahinter gekommen ist, dass ich mich mit Skyla angefreundet hab, da hat er getobt und mich zur Strafe in meinem kleinen Zimmer eingesperrt. Ich konnte nicht hinaus, auch nicht durch das Fenster. Und mein Zimmer war noch kleiner als dieses Zimmer. Und seit dem habe ich Angst vor abgeschlossenen Räumen. Mir macht es nichts aus, wenn nur die Tür zu ist und ich hinaus kann, wenn ich will.", erzählte Emily mit brüchiger Stimme.
„WAS?" George war geschockt.
„Ja, mein Dad war so enttäuscht von mir. Aber als ich mich durch seine Strafen nicht davon abhalten ließ, da hat er das ganze dann aufgegeben und mich nicht mehr eingesperrt."
„Aber warum hast du nie was gesagt?", fragte George.
„Warum? Damit ihr mich mitleidig anseht? Was hättet ihr denn machen können?" Emily stand wieder auf und lief hibbelig durch den Raum. „Ich will hier raus. Ich will hier raus."
Er stand auf und ging zur Tür. „FRED! SKYLA! Kommt sofort her!", schrie er durch die Tür. „Ihr müsst uns hier sofort wieder heraus lassen. Emily geht es nicht gut."
Emily fing wieder an zu zittern. George bekam auch Panik. Er wusste nicht was er machen sollte. Was geschah, wenn Emily ohnmächtig werden sollte? Hilfesuchend sah er sich im Raum um. Vielleicht konnte er etwas finden, mit dem er die Tür aufmachen konnte.
George trat mit dem Fuss gegen die Tür, doch sie war zu stabil und gab nicht nach. Er versuchte alle Zaubersprüche, die er kannte, mit denen man etwas öffnen konnte, aber er bekam die Tür nicht auf. Er ließ sich auf die Knie fallen und dachte nach. Womit kann man eine Tür aufmachen? Er sah auf das Schloss. Er lehnte sich vor und begutachtete es genauer. Es war ein ganz normales Türschloss. Er stand wieder auf.
„Emily, hast du etwas kleines dünnes, das man verbiegen kann?"
Sie sah ihn irritiert an. „Ich hab eine Haarklammer." Emily zog etwas aus ihrem Haar und hielt George eine schwarze Klammer hin.
„Danke." Er nahm sie und ging wieder zur Tür. Der rothaarige Junge verbog die Haarklammer und versuchte damit die Tür zu öffnen.
Er brauchte einige Zeit, aber dann hatte er es geschafft. „Komm, Emily!" Er nahm sie bei der Hand und zog sie schnell aus dem Zimmer. Sie liefen den Korridor hinunter und erst als sie in belebtere Teile des Schlosses kamen, wurden sie langsamer.
Emily beruhigte sich und ihre Atmung ging wieder normaler. „Danke.", sagte sie leise.
„Ist doch selbstverständlich."
„Ich will nach draußen.", meinte sie und ging in Richtung Hauptportal.
„Wo sind die beiden. Die bekommen gleich noch ihr Fett weg."
„NEIN! Bitte nicht, George."
„Warum nicht?"
„Ich möchte nicht, dass du ihnen davon erzählst. Das muss unser Geheimnis bleiben, bitte." Sie flehte ihn an.
„Okay, aber warum willst du ihnen das nicht sagen?"
„Eigentlich hatte ich nicht vor, dass jemals jemand dahinter kommt. Ich will nicht, dass sie mich mitleidig ansehen. Das kann ich noch weniger haben."
George seufzte. „Okay, wenn du es nicht möchtest. Von mir erfährt keiner etwas."
„Danke." Emily setzte sich auf eine der großen Wiesen und atmete einige Male tief durch. „Das tut gut."
„Sieh mal, wer da drüben sitzt.", meinte George plötzlich und zeigte auf zwei Personen, die mit dem Rücken zu ihnen am See saßen. „Komm, wir gehen rüber." Er half Emily hoch und gemeinsam gingen sie zum See. Leise schlichen sie sich von hinten an die zwei Schüler an.
„Jetzt müssen wir nur noch alle in ein Haus.", sagte Skyla.
„Wir sollten mal mit Dumbledore reden. Der kann uns sicher helfen.", antwortete Fred.
„Das könnt ihr euch sparen.", meinte Emily.
Erschrocken fuhren Skyla und Fred herum und blickten in die Gesichter ihrer besten Freunde.
„Was macht ihr denn hier?"
„Und wie seid ihr da rausgekommen?"
„Was wir hier machen? Frische Luft schnappen und die warme Sonne genießen.", antwortete Emily.
„Und wie wir entkommen sind?", erwiderte George und hielt die verbogene Haarklammer von Emily hoch.
„Echt cool. Du musst mir das beibringen. Das könnte sicher noch mal wichtig werden.", meinte sein Zwillingsbruder aufgeregt und sah sich die Haarklammer genauer an.
„Was meinst du mit, dass wir uns das sparen können?"
„Weil Emily und ich schon bei Dumbledore waren." George erzählte ihnen von ihrem Besuch beim Schulleiter.
„Och, Mensch. Das ist ja echt blöd.", meinte Skyla.
„Aber davon lassen wir uns nicht unterkriegen, oder?", fragte Fred sie.
„Nein. Natürlich nicht! Einer für alle und alle für einen." Skyla streckte ihre Hand aus und die anderen drei legten ihre Hände auf Skylas. Dann warfen sie ihre Arme nach oben.
George und Emily setzen sich zu den beiden. Sie legten sich alle ins Gras und sahen in den strahlenden Himmel.
„Das war der beste Tag in Hogwarts, den ich hatte.", meinte Fred und die anderen stimmten ihm zu.
