Mein zweiter Beitrag zum 500-Wörter-Kalender des Rudels.
Altersfreigabe: ab 12
Spoiler: keine
Inhalt: Es sind nicht immer zwangsweise die Freunde, die einem weiterhelfen.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Luna, Severus
Warnings: none
Black and Blue
Sie sind wie Nachtschwarz und Himmelblau.
Er in seinen dunklen Roben, seinem dunklen Kerker, mit den dunklen Haaren und den schwarzen Augen.
Sie mit ihrer blassen Haut, ihrer Tierliebe, ihren bunten T-Shirts und den blonden Haaren. Ihre Augen sind wie Aquamarine.
Als Assistentin von Hagrid hatte Luna von Anfang an die besten Chancen, im Mittelpunkt von Snapes Spott zu landen. Das war sogar ihr erster Gedanke gewesen, nachdem sie die Zusage von Direktorin McGonagall gelesen hatte.
Severus Snape, unfreiwillig als Romantiker bloßgestellt, widerwillig nach Hogwarts zurückgekehrt, bereitwillig zur sarkastischen Hochform aufgelaufen. In ihrem Kopf ist er wie eine Tierart, die es zu erforschen gilt. Die Metamorphose des Spions, der sich nach dem Abschluss des Jungen-der-lebt ein neues Opfer suchen muss.
Luna hat nicht direkt 'Hier!' geschrien, aber der Platz in seiner unmittelbaren Nähe am Lehrertisch hatte in etwa denselben Effekt.
Jedes Mal, wenn sie an ihm vorbei nach dem Kaffe, der Marmelade oder dem von ihm verhassten Orangensaft greift, sagt er Dinge wie 'Ich halte nichts davon, Ihre verdreckte Robe im Gesicht zu haben, Miss Lovegood!'.
Meistens schaut sie ihn dann auf diese verklärte Weise an, die ihm vielleicht unheimlich ist, und entgegnet etwas wie 'Ein Glück, dass meine Robe frisch gewaschen ist, nicht wahr?'. Es ist leicht, sich am voll besetzten Frühstückstisch nicht von ihm einschüchtern zu lassen.
Eine Herausforderung ist es dagegen, wenn er mit bedrohlicher Eleganz über die Ländereien schreitet, während die Sonne gerade aufgeht und Luna alleine ist mit dem Feuer und dem Flohpulver, aus dem sie eine Ashwinderin für die erste Stunde züchten soll. Gerade als er an ihr vorbeigeht und vielleicht auf dem Weg ist in den Verbotenen Wald, kriecht die aschgraue Schlange aus den Flammen. Snape weicht zurück und in das Nachtschwarz mischt sich das Glitzern der Angst, seine Hand zuckt in Richtung der Narbe an seinem Hals. Erst spät findet er seine Fassung wieder, zückt den Ebenholzzauberstab und friert die Schlange ein, die daraufhin sofort zu Staub zerfällt.
Er sieht Luna an. Sein Zauberstab zittert. Eine Windböe zerzaust ihre blonden Haare. Für einen Moment ist es absolut still zwischen ihnen.
„Es wird besser", sagt sie schließlich.
„Sagt wer?", fragt er nur, anstatt sie zu maßregeln.
Sie öffnet ihren Umhang und zieht den knallroten Pullover hoch, bis er die verzweigte, wulstige Narbe auf ihrem Bauch sehen kann. „Ich war acht, als ich von einer Runespoor gebissen wurde. Der kritisierende ihrer drei Köpfe war überzeugt, dass es keine Klapperschlichtlinge gibt."
Snape schnaubt, als glaube er, sie würde ihm eine Lüge auftischen. Doch Lunas Blick bleibt ernst und dann schluckt er. „Wie lange?"
Sie zuckt mit den Schultern und zieht sich wieder an. „Ein paar Jahre. Mittlerweile macht es mir nichts mehr aus."
Der Tränkemeister nickt ihr so etwas wie einen Dank zu, dann setzt er seinen Weg fort. Und Luna beginnt von Neuem, eine Ashwinderin zu züchten.
Man hatte ihr beigebracht, dass Nachtschwarz und Himmelblau nicht viel gemeinsam haben. Aber sie hatte ja noch nie viel von den Wahrheiten anderer gehalten.
