Wieso?

Bellas Sicht:

Ich stand immer noch vor unserer Wohnungstür.
Was sollte ich nur machen?
Ich kramte in meiner Handtasche nach meinem Wohnungsschlüssel. Wie immer fand ich ihn nicht.
Plötzlich öffnete sich die Tür.
"Schatz. Du bist ja wieder da" sagte Jake begeistert und schloß mich in seine Arme.
Ich merkte sofort, dass es nicht so wie sonst war. Es war anders.
Doch wieso war denn auf einmal alles anders?
Was hatte sich in den letzten Tagen verändert?
Eigentlich nichts. Ich war, wie so oft, beruflich unterwegs gewesen. Hatte, wie immer, meinen Job professionel erledigt. Und ich hatte, wie immer, viele Menschen getroffen.
Naja viele Menschen war übertrieben. Ich hatte einen besonderen Menschen getroffen. Aber wieso war er so besonders?
Wieso warf mich dieser Junge so aus der Bahn?
Wieso fühlte ich mich von ihm nur so angezogen?
Ich kannte ihn doch gar nicht. Aber mein Gefühl sagte mir was anderes.
"Bella, träumst du?" holte mich Jake aus meinen Gedanken zurück.
"Ohhh, entschuldige. Ich bin müde. Es waren anstrengende Tage gewesen" log ich und ging rein.
"Du solltest dich ein bisschen erholen mein Schatz. Ich wollt eigentlich nach Seth. Wir wollten uns ein Baseballspiel anschaun." erklärte er mir.
"Viel Spaß und grüß Seth von mir" wünschte ich ihm und versuchte zu Lächeln.
Es muss wohl sehr gequält ausgesehen haben, denn es fühlte sich so an.
Ich brachte meine Koffer ins Schlafzimmer.
"Tschüß Schatz" rief Jake und ich hörte, wie die Wohnungstür sich schloss.
Nun war ich wieder allein.
Meine Gedanken wollten wieder zu diesem Jungen abschweifen, aber ich versuchte krampfhaft an was anderes zu denken.
Also beschloß ich erstmal duschen zu gehen.
Das heiße Wasser entspannte meine Muskeln und ich fühlte mich wieder ein Stückchen besser.
Ich wickelte mir ein Handtuch um meinen nassen Körper und ging ins Schlafzimmer, wo ich mich aufs Bett fallen ließ.
Automatisch musste ich wieder an diesen Jungen von den Klippen denken. Wie oft hatte ich heute schon an ihn gedacht?
Eigentlich die ganze Zeit.
Immer wieder fragte ich mich, wieso ich an ihn denken musste.
Aber ich fand keine Antwort.
Und wieso waren meine Gefühle für Jake auf einmal anders?
Ich liebte ihn doch. Oder hatte sich das in den letzten Tagen geändert?
Ich hatte Jake so viel zu verdanken.
Er hatte mich damals quasie gerettet, wieder aufgebaut, mir geholfen damit fertig zu werden.
Ich war Jake dafür unendlich dankbar. Aber war ich nur aus Dankbarkeit mit ihm zusammen?
War ich denn nie glücklich gewesen?
Ich wusste immer, dass mir irgendwas fehlte, aber ich konnte mir einfach nicht erklären, was mir fehlte.
Doch wo ich diesen Jungen mit seinem bronzefarbenen Haar und diesen wunderschönen grünen Augen gesehen hatte, wusste ich, dass ich irgendwie glücklich war.
Doch wieso war ich in diesem kurzen Moment glücklich?
Was hatte das alles mit diesem Jungen zu tun?
Immer wieder, wiederholten sich die Fragen, aber wie sollte ich heraus finden, was das alles mit diesem Jungen zu tun hatte?
Wie?
Ich wusste es nicht. Und dieses Gefühl machte mich traurig.
Doch was sollte ich denn verdammt noch mal jetzt machen?
Einfach so tun, als wäre nichts passiert? Konnte ich das denn überhaupt?
Ich musste es wenigstens versuchen, sonst würde ich es nie erfahren.
Langsam wurde ich müde und glitt in einen traumlosen Schlaf.

"Schatz aufstehen" flüsterte eine vertraute Stimme. Es war Jake.
Er strich mit seiner Hand sanft über meinen Arm. Doch es fühlte sich nicht wie immer an. Ich spürte nicht dieses Gefühl, wie ich es sonst gespürt hatte.
Dieses Kribbeln war einfach weg, war es denn jemals schonmal da?
Ich zweifelte an mir und meinen Gefühlen.
Ich öffnete meine Augen nicht. Denn ich wollte nicht, dass Jake sieht, wie ich mich fühle.
Doch was wollte ich denn überhaupt?
Allein sein, ich musste erstmal allein sein und über meine Gefühle im Klaren werden. Eine andere Wahl hatte ich nicht.
"Schatz?" fragte Jake wieder und holte mich wieder aus meinen Gedanken.
"Morgen" murmelte ich, denn länger konnte ich ihn einfach nicht warten lassen.
"Na Schlafmütze, gut geschlafen?" fragte er mich.
"Ja wunderbar" antwortete ich ihm. Doch wie hatte ich eigentlich geschlafen? Ich wusste es nicht.
Dann stand ich auf und ging ins Badezimmer. Ich sprang schnell unter die Dusche und zog mich anschließend an.
"Frühstück ist fertig" rief Jake aus der Küche.
In der ganzen Wohnung roch es schon nach Kaffee. Ja Kaffee brauchte ich jetzt auf jeden fall.
Ich schlenderte in die Küche. Jake hatte den Frühstückstisch gedeckt. Doch ich hatte kein Hunger.
Heute musste ich nicht arbeiten, da ich ja gestern erst nach Hause gekommen war.
"Ich muss jetzt los Schatz. Wollen wir heute Abend essen gehen?" lächelte mich Jake an.
"Ja mal schaun, was ich noch alles zu tun hab" log ich. Hoffnung konnte ich ihm jetzt nicht machen, weil ich mir einfach so unsicher war.
Jake gab mir noch einen zärtlichen Kuss und war dann auch schon weg.
Wieder spürte ich nichts und wieder fragte ich mich, wieso?
Ich trank meinen Kaffee und schaute mir die Wohnung an. Wieso fühlte ich mich denn jetzt auf einmal nicht mehr wohl hier?
Bella, wieso stellst du wegen diesem Jungen alles in Frage? schallte es in mir.
Verzweiflung machte sich in mir breit.
Jetzt musste ich handeln. Wie gut, dass ich meinen Koffer noch nicht aus gepackt hatte, denn ich musste hier weg. Ich brauchte einfach den Abstand.
Ich rief meinen Chef auf der Arbeit an und nahm mir ein paar Tage frei. Wie immer hatte er nichts dagegen, besonders, weil ich einen guten Job in Forks gemacht hatte.
Ich schrieb Jake einen Brief, damit er sich keine Sorgen machen musste.

Lieber Jake,

wenn du nach Hause kommst, bin ich nicht mehr da.
Ich brauche ein paar Tage für mich.
Ich muss über einiges nachdenken.
Wo ich sein werde, weiß ich noch nicht.
Aber ich werde wiederkommen.

Bella

*Ich liebe dich* konnte ich ihm nicht schreiben, da ich einfach nicht wusste, ob es noch passen würde.
Ob es noch meinen Gefühlen für Jake entsprechen würde.
Ich fuhr zum Flughafen und ging in ein Reisebüro.
Nun brauchte ich einen Last - Minute - Flug.
Doch wohin wollte ich denn?
Die Berge? Nein, ich hatte genug von der Kälte.
Ans Meer? Nein das spiegelte eindeutig nicht meine Gefühlslage wieder.
Ahhh eine Mischung aus beidem brauchte ich jetzt.
Und was wäre dafür perfekter geeignet, als die Schweiz?
"Wo wollen sie denn hin Miss?" fragte mich die Beraterin.
"In die Schweiz" antwortete ich ihr.
"Ein bestimmtes Ziel?" bohrte sie weiter.
"Ja ich möchte gerne zum Lago Maggiore" beantwortete ich ihr, ihre weitere Frage. (A/N früher war ich jedes Jahr dort und es ist einfach traumhaft schön da)
"Welches Hotel Miss?" fragte sie weiter.
"Ich werd mir da was suchen" beantwortete ich ihr wieder.
Ich kam mir vor, wie in einem Kreuzverhör, dabei wollte ich doch einfach nur weg aus Paris.
"Hier haben sie die Buchungsbestätigung. Ihre Ticket können sie am Schalter abholen. Ihre Maschine startet in einer halben Stunde. Ich wünsche ihnen einen schönen Urlaub." sagte sie und ich bedankte mich und holte mein Ticket ab. Dann checkte ich ein.
Der Flug dauerte nicht lange und schnell war ich auch schon in der Schweiz angekommen.
"Zum Lago Maggiore" sagte ich dem Taxifahrer, nachdem ich eine halbe Stunde nach einem Taxi am Flughafen gesucht hatte.
"Genauer Ort?" fragte dieser mich.
Ja wo wollte ich denn hin?
"Nach Locarno" sagte ich schnell. Ja das war ein schöner Ort.
Dort hatte ich schon mal ein paar Tage verbracht, als ich mal wieder einen Auftrag hatte und mich um die Werbung und alles drum und dran kümmern musste.
Ich hoffte sehr, dass ich wieder die nette Ferienwohnung bekommen würde, in der ich damals schon war.
Sie war sehr schön und gemütlich. Den ganzen Luxus brauchte ich nicht. Ich wollte ja nur nachdenken und über meine Gefühle im Klaren werden.
Man hatte einfach einen fantastischen Ausblick auf den Lago Maggiore. Ja dort würde ich wohl gut nachdenken können.
"Wir sind da Miss" holte mich der Taxifahrer in die Realität zurück.
Ich gab ihm sein Geld und machte mich auf den Weg zu der Vermieterin der Ferienwohnungen.
Ich hatte Glück gehabt, die Wohnung war gerade frei geworden und ich konnte sie haben. Ich bedankte mich vielmals bei der Vermieterin und ging zu meiner kleinen Wohnung.
Vorher machte ich noch einen Zwischenstop am Supermarkt und besorgte mir was zu trinken und zu essen.
Ich öffnete die Tür und stellte mein Gepäck ab und brachte die Lebensmittel in die Küche.
Dann öffnete ich die Flasche Wein, die ich mir geholt hatte und ging auf den Balkon.
Es war mittlerweile schon Abend geworden und der Mond spiegelte sich auf dem Wasser wieder.
Eine sehr romantische Atmosphäre eigentlich, wenn man nicht gerade allein war.
Was Jake wohl machte?
Ob er schon zuhause war und den Brief gefunden hatte?
Wie würde er reagieren?
In diesem Moment klingelte mein Handy. Ich ging erst gar nicht ran, weil ich genau wusste, dass es Jake war.
Wer sollte es denn auch sonst sein?
Mein Handy klingelte noch gefühlte zehn mal als ich endlich mal nachschaute, wer mich angerufen hatte.
Jake. Wusste ich es doch. Doch ich konnte einfach nicht mit ihm reden. Was hätte ich ihm denn sagen sollen?
Das ich dich nicht mehr liebe oder das ich nicht weiß, was ich noch fühle?
Zumal ich das alles einfach nicht begründen konnte.
Und er hatte doch eine Begründung für mein Handeln verdient.
Das war ich ihm einfach schuldig.
Immerhin hatte er doch so viel für mich getan und mir geholfen und mich immer wieder unterstützt, das konnte ich doch nicht einfach so vergessen.
Müdigkeit machte sich in mir breit und ich beschloss ins Bettchen zu gehen und erstmal zu schlafen. Ich war wirklich fertig und K.O.

Die Tage vergingen viel zu schnell. Jeden Tag verbrachte ich am Lago Maggiore und betrachtete das Wasser.
Ich dachte viel über Jake und unsere Beziehung nach.
Allerdings musste ich feststellen, dass mir einfach was fehlte um wirklich richtig glücklich zu sein.
Was mir fehlte, dass wusste ich noch nicht.
Die Frage nach dem Wieso hatte ich schon lange aufgegeben, denn ich fand einfach keine Antwort drauf.
Doch ich musste mich einfach von Jake trennen. Ich konnte ihn auch nicht glücklich machen und wollte ihm auch nicht länger etwas vorspielen.
Das hatte er auf keinen Fall verdient.
Dieser Junge schlich sich auch immer wieder in meinen Gedanken ein. Sein Anblick, wie er da so traurig an den Klippen saß.
Die vertraute Stimme, sein Aussehen, wie er mich magisch anzog, dass alles hatte sich einfach in meinen Gedanken festgesetzt.
Sollte ich wieder nach Forks gehen und diesen Jungen suchen?
Doch was hatte ich dann davon?
Was würde mir das alles bringen?
Vielleicht war es einfach nur Schicksal und irgendjemand wollte mir damit die Augen öffnen, aber wer?
Sollte mir durch diesen Jungen klar werden, dass ich Jake nicht liebte und das ich nicht glücklich war?
War dieser Junge vielleicht ein Engel?
Bella, was denkst du da nur wieder?
Diese Fragen bringen mich irgendwann noch um den Verstand, soviel stand schonmal fest.
Ich musste jetzt unbedingt mit Jake reden. Länger wollte ich ihn nicht mehr belügen.
Also packte ich schnell meine Koffer, checkte aus, fuhr zum Flughafen, buchte einen Rückflug und dann saß ich wieder in der Maschine Richtung Paris.
Nervosität und Angst machte sich in mir breit.
Wie würde er reagieren?
Ist er überhaupt zuhause?
Wo sollte ich nach diesem Gespräch hin?
Wie sollte es generell in meinem Leben weiter gehen?
Wieder von vorne anfangen?
Ich blendete die Fragen aus und versuchte mich anderweitig abzulenken. Doch es gelang mir nicht. Wenn ich diese Fragen nicht in meinem Kopf hatte, schwirrte mir immer wieder diese Junge in meinem Kopf herum. Das war doch alles zum verrückt werden.
Der Kapitän kündigte die Landung an. Meine Angst stieg immer mehr an. War es das Richtige, was ich jetzt tun würde?
Ja, du bist nicht glücklich und du kannst ihn nicht anlügen, redetet ich mir immer wieder ein.
Es beruhigte mich nicht wirklich, aber einen Versuch war es Wert.

Nun stand ich wieder einmal vor unserer Wohnungstür und traute mich nicht hinein.
Sei nicht feige, sagte mein Innerstes. Nein feige durfte ich jetzt auf keinen Fall sein.
Ich steckte den Schlüssel in das Schloß und drehte ihn um. Dann öffnete ich die Tür.
Ich wagte einen vorsichtigen Blick in die Wohnung, aber es schien niemand da zu sein.
Irgendwie war ich erleichtert, dass ich noch Zeit hatte, aber ich wollte es eigentlich auch lieber hinter mir bringen und endlich Jake die Wahrheit sagen.
Das musste anscheinend noch warten.
Ich betrat die Wohnung und setzte mich auf die Couch. Hier war alles wie immer. Es war aufgeräumt und sauber. Keine Anzeichen von irgendwelchen Partys oder sonstiges.
Die Wohnungstür öffnete sich, ich erschrack und drehte mich schnell in die Richtung der Tür.
Jake stand dort und schien nicht zu glauben, dass ich wieder da bin. Zögerlich betrat er die Wohnung.
"Wo warst du? Was ist los?" schoss es aus ihm raus.
Ja wo sollte ich da nur anfangen?
Wie sollte ich es ihm versuchen bei zu bringen?
"Ich... ich war in der Schweiz" stotterte ich.
"In der Schweiz?" hakte er nach.
"Ja" sagte ich.
"Was hast du da gemacht?" fragte er mich interessiert.
Nun musste ich es ihm sagen, denn ich konnte es nicht einfach weiter aufschieben.
"Jake, setz dich bitte" begann ich. Doch er blieb einfach stehen und verschränkte die Arme. Sein Blick verfinsterte sich. Oh Gott, wieso musste das so schwer sein?
"Ich hab nachgedacht Jake. Ich brauchte einfach Abstand. Als ich in Forks war, hab ich gemerkt, dass ich nicht glücklich bin. Das mir irgendwas wichtiges in meinem Leben fehlt. Allerdings weiß ich noch nicht, was mir fehlt. Ich kann dich nicht glücklich machen. Meine Gefühle sind nicht mehr so, wie sie es einmal waren. Es tut mir leid Jake, aber es reicht nicht mehr für eine Beziehung." meine Stimme brach und die Tränen bahnten sich ihren Weg nach unten. Ich hasste mich für diesen Schritt. Ich hasste mich dafür, dass ich Jake weh tun musste. Aber damit er glücklich sein konnte, musste ich es einfach machen.
"Was" stotterte er.
"Jake. Ich liebe dich nicht mehr. Ich mag dich nur noch als Freund" versuchte ich ihm unter Tränen zu erklären.
Seine Miene verfinsterte sich immer mehr und seine Augen funkelten.
"Aber... aber..." begann er und die ersten Tränen kullerten über seine Wange.
"Wer ist er?" fragte er wütend weiter.
"Niemand" log ich.
Wie sollte ich ihm denn erklären, was in Forks passiert war. Eigentlich war ja nichts passiert. Es gab ja nur eine Begegnung, aber wie sollte ich ihm das denn erklären?
"Das kannst du mir nicht erzählen Isabella. Ich kenn dich. Ich hab dir geholfen, als dieser Spinner dich... allein der Gedanke an diesen Spinner macht mich rasend. Ich hab soviel für dich getan. Und dann bist du in Forks und auf einmal ist alles anders. Also Isabella lüg mich nicht an und sag mir einfach was passiert ist" sagte er wütend und ich merkte, dass er versuchte sich zu beherrschen.
"Jake ich bin dir für alles, was du für mich getan hast dankbar. Ich weiß gar nicht, wie ich dir danken soll. Aber ich kann einfach nicht mehr mit dir zusammen sein. Ich kann dir nicht vorspielen, dass alles gut sei und ich kann dich auch nicht glücklich machen. Bitte versuch es doch wenigstens ein bisschen zu verstehen" flehte ich.
"Raus! Verschwinde. Ich will dich nicht mehr sehen." brüllte er mich an.
Er kam auf mich zu. Angst in mir stieg. Auf einmal hatte ich Angst vor ihm. Alles kam wieder hoch. Besonders das Erlebte mit Mike.
Sollte das hier alles wieder so enden?
"Du kannst mich nicht einfach so rausschmeißen Jacob" schrie ich ihn an. Wenn er meinen vollen Namen aussprach, konnte ich das auch.
Dabei wollte ich doch nicht, dass es so endet. Das wir uns so trennen würden. Als Freund, wollte ich ihn doch nicht verlieren, auch wenn es ziemlich viel verlangt war. Aber einen Krieg wollte ich nicht.
Doch ich hatte mich gelernt zu wehren und wenn es mir im Moment nicht leicht fiel, hatte sich alles in mir aufgestaut und musste raus.
"Oh doch Isabella. Und wie ich kann! Du machst einfach so mit mir Schluß, nach allem, was ich für dich getan hab. Und dann verlangst du auch noch von mir, dass ich dich verstehen soll? Was glaubst du eigentlich wer du bist?" brüllte er mich an und machte einen Schritt weiter auf mich zu.
"Bleib wo du bist!" befahl ich ihm.
"Sonst?" fragte er nach.
Ja was sonst? Das würde ich auch gern mal wissen.
Ich suchte nach irgendeinem Gegenstand, aber ich fand irgendwie nichts.
"Sonst?" wiederholte er sich.
Lass dir was einfallen, sagte mir meine innere Stimme.
Ja du bist lustig, helf mir doch mal, entgegnete ich ihr. Jetzt begann ich mich auch noch mit mir selbst zu streiten. Ganz große Klasse Bella, dachte ich mir.
"Ich höre. Oder sind das alles wieder einmal nur leere Worte?" fragte er höhnisch.
"Jake, du weißt, dass ich dich nie verletzen würde oder wollte?" stellte ich ihm ängstlich eine Gegenfrage.
"Ohhh Isabella. Das hast du gerade eben getan." stellte er fest.
Er hatte ja recht. Ich hatte ihn verletzt, aber wollte ich nicht nur das Beste für ihn?
"Jake, es tut mir ja leid, aber ich kann einfach nicht anders. Es hat keinen Sinn mehr. Ich liebe dich nicht, versteh das doch bitte." flehte ich wieder.
"Ja immer geht es nur um dich. All die Jahre hab ich Rücksicht auf dich genommen und was ist der Dank? Ich werde verlassen. Und wieso? Ja das sagst du mir noch nicht einmal. Also ich wiederhole mich nicht ein weiteres Mal. Verschwinde. Ich will dich hier nie wieder sehen!" schrie er noch lauter als zuvor und kam wieder einen Schritt näher, seine Hand hatte er immer noch ausgestreckt und ehe ich begriff, was er vorhatte, hatte ich auch schon eine hängen.
Hatte er das gerade eben wirklich gemacht? Oder hatte ich das nur geträumt?
"Jake" wimmerte ich.
"Nichts Jake. Ich lasse mich nicht verarschen und von dir schonmal gar nicht." brüllte er mich an und zack hatte ich schon die nächste hängen. Ich flog durch die Wohnung und knallte gegen den Küchenschrank. Ich merkte, wie mein Kopf schmerzte. Automatisch griff ich nach meinem Kopf unf merkte, dass es feucht wurde. Oh mein Gott, da roch ich es auch schon. BLUT.
Ich bemühte mich sehr, damit mir nicht schwindelig wurde. Nun musste ich aber wirklich hier raus. Sowas kannte ich gar nicht von Jake. Er hatte mich noch nie geschlagen oder mich gegen meinen Willen angerührt. Wieso ausgerechnet jetzt?
Langsam erhob ich mich.
"Raus!" schrie Jake wieder.
Ich zitterte am ganzen Körper. Raus, Verschwinde, diese Wörter hallten immer wieder in meinem Kopf.
Ich griff nach meinem Koffer und nach meiner Handtasche und rannte aus der Wohnung. Wohin ich rannte, wusste ich nicht. Hauptsache weg von hier.
Weg von Jake und weg aus Paris.

All meine schlimmen Erlebnisse holten mich wieder ein. Erst das mit Mike und dann jetzt auch noch das mit Jake.
Ich wusste nicht mehr weiter. Ich war am Ende meiner Kräfte.

Wieso musste es so enden?
Hätte ich es ihm nicht schonender beibringen können?
Sollte ich nach diesem Jungen suchen?
Wo sollte ich denn jetzt nur hin?