Viel Spaß!


Kapitel 11

Wir holten Astrid im Wald ein. Ohnezahn packte sie mit seinen Vorderbeinen und dann flogen wir zur Spitze einer Fichte, wo Ohnezahn sie absetzte.

„Hicks! Hol mich sofort hier runter!", rief sie von unten, wo sie an einem Ast baumelte.

„Erst wenn du mir eine Chance gibst, alles zu erklären", versuchte ich sie zu beschwichtigen.

Astrid sträubte sich: „Ich denk gar nicht dran! Ich will nichts davon hören!"

Ich schlug einen Kompromiss vor: „Dann sag ich kein Wort. Ich will dir bloß was zeigen. Bitte Astrid."

Astrid schaute nach unten, als würde sie abwägen, was ungefährlicher wäre: Den Baum hinunterklettern und auf den Rücken eines Drachen zu steigen. Schließlich kletterte sie zögernd hinter mir in den Sattel.

„Und jetzt bring mich da runter!"

Ich wandte mich an meinen Drachen: „Ohnezahn? Runter. Vorsichtig."

Der Drache machte sich bereit zum Flug. Grinsend drehte ich mich zu Astrid um: „Siehst du? Kein Grund zur Panik."

Das hatte ich zu früh gesagt. Ohnezahn schoss in einem Tempo in die Höhe, dass ich froh war, meine Leinen zu haben. Astrid hatte weniger Glück. Mit jedem Flügelschlag rutschte sie auf Ohnezahns Rücken weiter hinunter. Verzweifelt griff sie in meine Richtung und bekam mich schließlich zu packen.

Astrid schlang mir die Arme um die Bauch, gerade noch rechtzeitig, denn Ohnezahn begann in einem Megatempo durch die Luft zu wirbeln.

Ohnezahn! Was hast du denn? Böser Drache!", schollt ich.

Der Nachtschatten hielt ganz plötzlich an. Diesen kurzen Moment nutzte ich und versuchte, Astrid zu beruhigen: „Der tut nichts. Der will nur spielen!"

Dann stellte ich fest, was Ohnezahn vorhatte.

„Oh nein ..."

Ohnezahn ließ sich im zur Seite fallen und schoss mit uns auf dem Rücken aufs Meer zu.

„Ohnezahn! Was soll das? Sie soll uns doch mögen!"

Meine letzten Worte wurden von einem Schwall Salzwasser ertränkt, als Ohnezahn ins Meer eintauchte. Kurz darauf schossen wir wieder hoch und Ohnezahn ging in einen Schraubflug.

„Und jetzt die Rolle … Schönen Dank auch, du nutzloses Reptil!"

Astrid drückte sich noch näher an mich.

„Na gut! Es tut mir Leid! Es tut mir Leid! Nur lass mich von diesem Vieh runter!"

Als hätte Ohnezahn auf diese Worte gewartet, verlangsamte er seinen Flug und flog gemächlich durch die Wolken. Wir durchbrachen die Wolkendecke und über uns erhellten die Nordlichter den Nachthimmel. Schließlich konnten wir Berk in der Ferne sehen, was uns beide zum Staunen brachte.

„Okay … Ich geb's zu: Das ziemlich cool. Das ist … der Wahnsinn … Er ist der Wahnsinn ..."

Astrid streichelte Ohnezahn, der ihr daraufhin ein zahnloses Grinsen zeigte.

„Und was jetzt? Hicks? Du hast morgen Abschlussprüfung! Du weißt: Dazu gehört die Tötung ..." Astrid beendete den Satz im Flüsterton, damit Ohnezahn sie nicht hörte „... eines Drachens."

„Erinner' mich nicht", gab ich zurück.

Ohnezahn brach plötzlich zur Seite aus.

„Ohnezahn? Was ist? Wa-Was ist denn?", fragte ich besorgt. Im nächsten Moment wurde meine Frage schon beantwortet.

Wir befanden uns plötzlich in einem ganzen Schwarm von Drachen, die mit Futter beladen alle in dieselbe Richtung flogen.

„Kopf runter!", wies ich Astrid an und duckte mich ebenfalls, damit wir nicht auffielen. Ein nebenfliegender Zipper schien uns trotzdem zu bemerken, was ich jedoch ignorierte.

„Was ist hier los?", fragte Astrid, die total angespannt war.

Wies sollte ich ihr antworten? Ich wusste es doch selbst nicht.

„Keine Ahnung." Dann wandte ich mich an meinen Drachen: „Ohnezahn. Du musst uns hier rausholen, mein Freund."

Ohnezahn schüttelte meine Hand ab und flog weiter mit dem Schwarm.

Mir fiel etwas bei den anderen Drachen auf.

„Sieht aus, als würden die ihre Beute nach Hause schleppen."

„Und was sind dann wir?" Astrid klang vor Angst fast hysterisch.

Der Schwarm flog abwärts und wir folgten dem Slalomparcours, der in das Innere eines Vulkans hinein führte. Am oberen Rand des Kraters versteckte sich Ohnezahn hinter einer Säule.

„Was gäbe mein Vater darum, das hier zu sehen ...", bemerkte ich staunend.

Wir hatten tatsächlich das Drachennest gefunden, nach dem die Wikinger seit dreihundert Jahren suchten.

Die anderen Drachen ließen ihre Beute in die Lava hinunterfallen.

„Schön zu wissen, dass unsere ganzen Lebensmittel in einem Loch landen", bemerkte ich sarkastisch.

„Die fressen davon gar nichts!"

Ich wandte den Blick zu einem Gronckel, der als letzter in die Höhle flog. Über dem Krater hielt er an und ließ einen kleinen Fisch hineinfallen. Von unten erklang ein schauderhaftes Brüllen und der Gronckel wimmerte ängstlich, während ein riesiger Schatten in dem Krater erschien.

„Was … ist das?", fragte Astrid, die wie ich total angespannt war.

Im nächsten Moment erhob sich monströser Drache aus dem Lavabecken und fraß den Gronckel bei lebendigem Leib. Um uns herum duckten sich die anderen Drachen aus Angst vor der riesigen Kreatur.

„Komm, mein Kleiner, lass uns verschwinden! Schnell!"

Ohnezahn flog los und alle anderen Drachen folgten. Hinter uns holte der Riesendrache nach Ohnezahn aus, erwischte stattdessen aber einen Zipper und gab sich scheinbar damit zufrieden.

Auf schnellstem Weg flogen wir zur Bucht zurück und landeten.

Astrid hatte bereits eine Theorie entwickelt: „Doch, doch, d-d-das leuchtet total ein! Das ist wie 'n riesiger Bienenstock. Die sind die Arbeiter und er ist ihre Königin! Er kontrolliert sie. Wir müssen zu deinem Vater!"

Astrid machte Anstalten, zum Dorf zu rennen, doch ich hielt sie zurück.

„Nein! Nein! Nein, noch nicht! Die … würden Ohnezahn töten … Nein, Astrid, wir müssen das erst mal gründlich überdenken!"

Astrid schien das nicht nachvollziehen zu können: „Ey Mann, wir haben gerade das Drachennest entdeckt, Hicks. Danach suchen die Wikinger, seit sie die Meere durchkreuzen! Und du willst das für dich behalten? Weil … weil du deinen Schmusedrachen schützen willst? Ist das dein Ernst?"

„Ja."

Astrids Blick änderte sich schlagartig zu Erstaunen.

„Okay … und was schlägst du vor?"

Keine Ahnung.

„Gib … Gib mir Zeit bis morgen … Ich überleg mir was ..."

Astrid schien zu verstehen.

„Alles klar ..." Sie gab mir einen Knuff auf die Schulter. „Das ist dafür, dass du mich entführt hast!" Dann strich sie sich die Haare aus der Stirn und gab mir einen Kuss auf die Wange „Und das … für alles andere ..."

Astrid rannte davon und ließ mich und Ohnezahn zurück. Als ich mich zu meinem Drachen umdrehte, schien er mir einen vielsagenden Blick zuzuwerfen.

„Eh … Wa-wa-was guckst du denn so?"


Als ich zu Hause ankam, ging ich sofort zu Hiljas Zimmer und klopfte. Meine Schwester war noch wach und sah mich völlig geschockt an, als ich eintrat.

„Ich dachte, du wärst weg?!", brachte sie schließlich mühsam heraus.

„Dachte ich auch, aber die Pläne haben sich etwas geändert." Ich erzählte ihr von Astrid und dem Drachennest.

„Also nur, um das noch mal klarzustellen. Astrid ist jetzt quasi auf unserer Seite und ihr habt rein zufällig das Drachennest gefunden? Und sie weiß nicht, dass ich auch Bescheid weiß?"

„Ich kann mir vorstellen, dass sie was ahnt, aber ich hab dich nicht explizit erwähnt."

Das musste sie erst einmal sacken lassen.

Schließlich fragte sie zögernd: „Und wie geht es jetzt weiter?"

„Ich denke mir einen Plan für morgen aus", gab ich schulterzuckend zurück.

„Ich helf dir!", bot Hilja an.

Ich nickte. „Danke."