A

11. Unerwartet, doch ersehnt

Terra Nova, Kolonie, Taylors Haus

~Jaliyah~

„Hey, Happy Birthday, Darling." Er stand plötzlich hinter ihr, legte die Arme um ihre Hüfte und verschränkte sie, so das sie zwangsläufig eng an ihn gelehnt stehen blieb. Sie lächelte. „Hi, Morgen dir auch," flüsterte sie und schnappte überrascht nach Luft als er an ihr Ohrläppchen zog und sie im Nacken küsste. „Gut geschlafen," erkundigte er sich bei ihr. Sie grinste und legte ihren Kopf in den Nacken, damit er neben seinem lag, der noch auf ihrer Schulter ruhte. „Du hast daneben gelegen, was denkst du?" Fragte sie zurück. Er lächelte. „Ich denke...bis auf meine Störung ganz gut."

„Jap." Sie nickte und drückte gegen seine Arme, erfolglos. „Nathaniel, bitte. Ich will mich fertig machen und in die Klinik, ich habe genug vom Nichts- Tuen. Shannons soll mich wieder gesund schreiben."

„In dem Fall...nein."

„Nathaniel, bitte. Ich..."

„Nope," sagte er ruhig und hielt sie weiter im Arm. „Das geht nicht, weil ich dich schon verplant habe, genauer... uns beide," flüsterte er das Satzende. Sie spürte wie ihr ganz warm wurde. Sie liebte es, wenn er von uns sprach. Auch nach all den Wochen erweckte dieses eine Wort eine Unmengen an Gefühlen. Und seit dem Angriff bedeutete ihr dieses Wort ungemein mehr. Sie hatte fast zwei volle Wochen gebraucht, um nicht hinter jedem Geräusch, allen Schritten hinter sich einen Angreifer zu suchen. Allein in seiner Gegenwart hatte ihr Geist derlei Geräusche sogar gänzlich verdrängt. Bei ihm fühlte sie sich so unglaublich sicher und zuversichtlich. Sie schloss die Augen. „Verdammt," hauchte sie leise, „weißt du eigentlich wie sehr du mich im Griff hast?"

Er drehte sie zu sich herum und sie sah hinein in seine tiefblauen Augen. Er nickte langsam. „Weil du alles von mir bekommen würdest, ja." Seine Lippen legten sich auf ihre und sie schlang die Arme um seinen Hals. „Was willst du machen? Du weißt, ich will nicht feiern." Er nickte. „Registriert und verstanden, aber gegen ein Picknick hast du doch nichts, oder?"

Sie starrte ihn an und wich zurück. „OTG?"

„Nein, es gibt auch hier schöne Plätze, für meinen Plan ausreichend und im Moment blüht dort alles. Kommst du also mit?"

Sie nickte und küsste ihn. „Klar, tue ich das."

X

Das Picknick war wunderbar. Nathaniel, hatte Kartoffelbrot mit Paprika-, so wie Avocado- Aufstrich dabei und dazu gab es Fisch, Melone, gegrillte Paprika und Saft, oder Wasser. Die Getränke waren sogar gekühlt und sie saßen mitten auf Wiese zwischen Blumen und Apfelbäumen. Es war herrlich. „Das..." sie beugte sich vor und stützte sich auf der Decke ab. „...war eine wirklich gute Idee."

„Das dachte ich mir," sagte er.

Sie küssten sich lange und leidenschaftlich, ohne das einer von ihnen die zufälligen Zuschauer bemerkte.

xXx

Terra Nova, Siedlung, Haus der Shannons

~Jim und Elisabeth~

„Ich sag dir, da ist mehr, sie war doch bei dir, wie alt ist sie? Dreißig? Und er? Wie alt ist er, fünfzig?! Er könnte ihr Vater sein!"

„Jim! Leiser, die Kinder kommen gleich heim," mahnte sie ihn und machte eine eindeutige Geste mit der Hand, damit er sich wieder beruhigte. Sie ließ alles am Herd stehen und ging zu ihm rüber, nahm seine Hand und sah ihn ernst an. „Jim, sie sind erwachsen, das... geht uns nichts an, außerdem... sie kennen sich schon ewig."

Woher weißt du das?" Fuhr er herum. Sie seufzte und sah ihn mit einer Mischung aus Ärger und Frustration an. Er hob die Brauen, blickte prüfend zurück. Sie wandte ihm den Rücken zu und seufzte resigniert, dennoch antwortete sie ihm, sie wollte nicht, das er andere fragte und die Pferde scheu machte. „Er und ihr Bruder waren die besten Freunde, aber ihr älterer Bruder und die gemeinsame kleine Schwester starben vor ein paar Jahren, kurz hintereinander. Taylor... ist alles was sie hat, ich bin sicher du interpretierst zu viel da hinein." Demonstrativ stellte sie das Kochgeschirr auf die Platten. „Ich meine... würdest du nicht auch jemanden wie ihn, für Maddy wollen, wenn sie sonst niemanden hätte?"

„Nein." Antwortete er knapp und verdrossen.

„Nein? Hättest du lieber Malcolm, der alles liegen lassen würde bei einem Geistesblitz? Oder jemanden wie deinen Freund Haven?"

Er dachte kurz an seinen ehemals besten Freund und schüttelte den Kopf. „Das kannst du nicht vergleichen, sie sind..."

„Kindisch? Arbeitswütig? Auf sich bezogen? Unreif?" Fragte sie und nickte dann, „Genau, er ist all das nicht."

„Er wäre zu alt für sie."

„Und ich sage es nochmal Taylor ist nicht mehr als eine Art Beschützer und Freund für sie. Sie hat sonst niemanden mehr. Da ist nichts romantisches und nichts... Josh! Maddy, Zoé!" Rief sie aus, putzte sich die Hände ab und begrüßte ihre Kids. „Zoè du darfst gleich zu Hanna und Haily wenn du willst."

„Jetzt? Alleine? Coool!" Sie lächelte und strich ihrer jüngsten durchs Haar. „Ja, alleine, deine Schlafsachen sind schon da. Geh!" Sie stand auf und sah mahnend zu Jim. Besser er schwieg nun erst mal.

„Mum, Taylor und diese Soldatin...die, welche du operiert hast. Die haben was laufen, das ist...voll abartig, die...könnte seine Tochter sein!"

„Josh! Das ist nichts was wir diskutieren werden, es geht uns nichts an. Ist das klar?"

„Ja-a," er seufzte und setzte sich an den Tisch. Sie nickte und tauschte einen Blick mit ihrem Mann. „Er könnte im übrigen nicht ihr Vater sein, dann wäre er so alt gewesen wie du," sagte jetzt Maddy und stieß ihren Bruder grinsend an. „Das wäre dann allerdings eine interessante Vorstellung. Du und jetzt Vater." sie lachte und Josh stand entnervt auf. „Boah, ey! Meldet euch wenn die Girls erwachsen sind!" Rief er aus und verschwand in seinem Zimmer, nachdem er sich Obst aus der Schale vom Küchentresen genommen hatte.

Maddy!" Riefen sie zugleich. Die Jugendliche blickte sie beide unschuldig an. „Was, stimmt doch! Als wenn Taylor mit siebzehn Vater geworden wäre. Der doch nicht! Ehrlich mal."

Sie ging nun auch, nahm sich Obst und setzte sich damit nach draußen. Sie tauschten einen langen Blick miteinander. „Siebzehn?" Fragte er schließlich. Wie alt ist sie, sag schon!"

„Dreißig," antwortete sie und holte die Schüssel mit dem Eintopf an den Tisch. „Wehe du gehst jetzt auch einfach!" Mahnte sie und setzte sich, nahm sich vom Essen. Er nahm sich auch, schüttelte aber den Kopf und sah sie ungläubig an. „Siebenundvierzig?! Denkst du das stimmt? Ich nicht."

„Bärte machen einen älter," warf sie ein, „ er hat einen Vollbart."

Er nickte und tauchte den Löffel in seinen Teller. „Schon aber... unter fünfzig?"

„Jim, was stört dich eigentlich wirklich? Das er womöglich jünger ist, als wir dachten, oder dass er ihr Vater sein könnte?"

„Das sie ein Paar sind, sein könnten, ich meine..." er tippte sich an die Stirn, „er hat hier Vorbildfunktion, willst du wirklich, das jemand der soviel älter ist mit deine Tochter was anfängt?"

„Nein, aber vergisst du dabei nicht jemanden?"

„Was? Wen?" Fragte er verwirrt. Sie grinste. „Deine Tochter, erstens, wird sie das nicht wollen und zweitens, sie ist ja schon vergeben."

WAS?!"

xXx

Terra Nova, Kolonie

~Nathaniel Taylor~

Es dämmerte bereits als er sie an seinem Hause absetzte und versprach selbst auch gleich zu kommen. Er gab ihr seine Schlüsselkarte und fuhr weiter. Bei Andrea Parker hielt er an, lief zu ihrem zweiten Hauseingang und ging durch die geöffnete Tür. Die Mitvierzigerin kam lächelnd auf ihn zu. „Taylor, ich hab schon auf dich gewartet, ich denke... du wirst zufrieden sein," die Elektro-Mechanikerin, welche in ihrer Jugend auch mal Goldschmiedin gelernt hatte lächelte breit. Sie winkte ihn herüber zu ihrem Arbeitstisch, wo sie nun Schmuck herstellte und er folgte ihr.

Sie zog eine kleine Schublade auf und nahm ein kleines Stoffbeutelchen heraus. „Hier, sie schüttete den Inhalt auf ihre Hand und streckte ihm das Schmuckstück entgegen. „Zufrieden?" Fragte sie hoffend.

Er nahm den schmaleren der beiden Ringe hoch und hob ihn ins Licht, er hatte je zwei winzige Glassteinen in rot und grün, so wie eine schräg verlaufende Reihe von vier weißen Diamanten. Er nickte und lächelte. „Den kannst du aber auch noch ändern."

„Kleinste Übung."

Er hielt den Ring ins Licht und schaute sich die Steine an, wenn Licht darauf fiel. Sie funkelten wie kleine Rubine. Während die Diamanten leuchtend strahlten. Er nickte. „Perfekt," er reichte ihr die Ringe zurück. „Und die Ketten?"

„Hier," sie holte zwei schmale Holzschatullen heraus und reichte sie ihm. Er schaute hinein, dort lagen eine größere und eine schmalere Kette und an jeder hing ein Edelstahlring. Er nickte wieder. „Danke."

„Erfahre ich denn nun, für welche Dame du diese Stücke sind?"

„Nur du," sagte er leise und nickte. Er kam um den Tresen herum und legte ihr das abgesprochene Geld auf den Tisch. „Chris's Schwester." Flüsterte er und sah sie ruhig an. Sie klatschte in die Hände und nickte strahlend. „Oh... Nathaniel! Das freut mich aber, sie ist ein gutes Mädchen." Ganz offensichtlich hatte Andrea kein Problem damit, dass sie beide nicht unbedingt ein Alter hatten. Er lächelte und nickte, nahm die Schatullen an sich und das Säckchen, dann ging er.

X

Sie saß auf seinem kleinen Sofa, im Gegensatz zu den meisten anderen Häusern hatte seines eine. Er hatte den Baum selbst gefällt und Tomas einer der Schreiner hatte ihm das einfache viereckige Gestell gemacht und auch die Platte, auf der nun die Polsterkissen lagen. Er lächelte ihr zu und legte seine Tasche, sowie den Picknickkorb ab, ging zu ihr. Später als draußen der Mond und die Sterne am Himmel standen, nahm er sie mit raus auf die Bank, hinterm Haus. Er wusste sie mochte den Sternenhimmel, sie liebte dieses Gefühl der Weite, die es für sie bedeutete.

„Richtig schön sternenklar," sagte sie und lehnte sich seitlich bei ihm an. Er legte einen Arm um sie und strich ihr über die Wange, über den Kopf. „Könnte es dir wohl gefallen, hier richtig einzuziehen?" Fragte er leise. Sie hob den Kopf, setzte sich aufrecht hin und schaute ihn neugierig an. „Bist du dir sicher?"

Er grinste und ließ seine Hand über ihre Wange in ihren Nacken gleiten. „Nun, genau genommen, hast du die letzten drei Wochen schon hier gewohnt, oder? Ich dachte nur... wir machen es... offiziell?"

Jetzt grinste sie, schmunzelte und tippte ihm auf die Brust. „So offiziell, wie wir es allen immer noch nicht gesagt haben, das es ein wir gibt?" Fragte sie belustigt. Er schüttelte den Kopf. „Ganz richtig," antwortete er. „Ich liebe dich und zweimal in den letzten Monaten habe ich dich fast verloren, ich will, dass es alle wissen. Du gehörst hier hin, zu mir."

Sie lächelte ihn an, doch jetzt war sie ernst, gerührt, wie ihm schien. Er stand auf, küsste ihre Stirn. „Warte hier." bat er und ging zurück ins Haus. Er hatte vorgehabt zu warten, auf einen passenden Tag, in nächster Zeit, Aber welcher Moment ist der passende?Welcher ist besser?

Sie sah ihm erwartungsvoll entgegen. Er sah genau ihre Neugier und Erwartung, mit der sie ihn betrachtete. Er ging zu ihr setzte sich neben sie und nahm ihre Hand. „Ohne... das ich es erwartet, oder daran geglaubt hätte, habe ich an dich mein Herz verloren, in dir meinen besseren Gegenpart gefunden. Ich..."

„Nathaniel? Was..."

Er legte ihr zwei Finger auf die Lippen und schaute sie bittend an. Sie nickte und schaute ihm ruhig und abwartend entgegen, sie schien plötzlich aber auch aufgeregt. Kaum weniger, als er es selbst wohl war. „Ich liebe dich," fuhr er nun fort, drückte kurz ihre Hand, ehe er sich von ihr löste, um sich vor sie auf ein Knie zu Knien, „...und gleich was irgendwer sagt, ich weiß du bist es, die ich will und brauche, an meiner Seite, in meinem Herzen, in meinem Leben. Jaliyah Avana Sinclair, wirst du mir die Freude machen und bei mir, in meinem Haus bleiben und...wirst du mir die Bitte erfüllen, meine Frau zu werden?" Er zog die zwei Ringe aus seiner Hosentasche, schüttete sie auf seine Handfläche und streckte sie ihr entgegen.

„Nathaniel!" Rief sie aus und er wusste er hatte sie nicht nur einfach überrascht, noch ehe er aufsah, wusste er sie weinte. Er hatte es an ihrer Stimme genau gehört.

„Nathaniel, du..." Sie legte ihre Hand über die beiden Ringe, rutschte von der Bank zu ihm in den Sand und legte ihre zweite Hand an seine Wange. „Nichts... nichts wird mich daran hindern," sagte sie leise und beugte sich vor und küsste ihn.

„Warte," bat er und schob sie nach dem Kuss ein wenig auf Abstand. Er nahm ihre rechte Hand, schob den kleinen Ring darauf. „Wie passt der?"

„Prima," sagte sie und er nahm den zweiten, schob ihn auf seinen Finger. Dann zog er sie mit sich in eine stehende Position und blickte sie überglücklich an. „Mrs. Taylor, wie klingt das?"

„Könnte mich daran gewöhnen?" Fragte sie ihn zurück und schlang die Arme um ihn.

Nach einer Weile sah sie wieder an ihm hoch. „Wann sagen wir es unseren Freunden und wann dem Rest?" Fragte sie leise.

„Morgen, unseren Freunden?" Fragte er zurück und sie nickte. „Und den anderen beim Harvest Fest?" Fragte sie, schaute ihm entgegen, „...ihr wolltet es doch ohnehin vorziehen, wegen der Regenzeit."

Er nickte. „Einverstanden," antwortete er und zog sie an sich. „Ich liebe dich," flüsterte sie. „Ich dich noch mehr."

„Glaub ich nicht," erwiderte sie und schaute hinauf in den Himmel. „Eine Sternschnuppe," sagte sie und löste sich etwas. „Und sieh mal, da sind noch mehr."

Er löste sich von ihr, drehte sich herum und schaute ebenfalls hinauf. Wie war das noch? Siehst du eine Sternschnuppe und wünsche dir was? Ich habe noch nie an so was geglaubt, aber was schadet es schon. Er blickte in den Sternenschauer und schloss für einen ganz kurzen Moment die Augen. Ich wünsche mir nur eines, das ich länger, viel länger mit ihr haben werde, als mit Ionie.

Ihr Körper an seinem riss ihn aus den Gedanken, sie war an ihm vorbei getreten und stand jetzt bereits knapp hinter seinem Garten. Er folgte ihr und legte locker die Arme um sie. Sie sah nach hinten zu ihm, lächelte und rückte näher. Wieder sah sie zu ihm herum, sie blickten sich einen kurzen Moment lang an, dann beugte er sich zu ihr runter und sie küssten sich.

Zehn Minuten später fanden sie sich eng umschlungen in seinem Bett wieder und trieben sich gegenseitig mit einem Spiel aus Necken und Zugeständnissen in den Wahnsinn, ehe sie beide des Spiels überdrüssig wurden und sich körperlich vereinigten.