Leute, ist euch schonmal aufgefallen: Das letzte Mal hatten wir ja Jubiläum! 10 CHAPTERS!!! *celebration*

Und nach einer "kleinen" Verögerung (unverschuldet!!!!!!!!!) geht es jetzt weiter!

Viel Spaß damit...und weil wir's schon so lange nicht mehr gesagt habe: schön reviewen, gell! (Steffi ist jetzt in Urlaub, also her mit der Unterhaltung! *please*)

Chapter 11: Brilliant Sunlight And Deep Shadows

Ihr Kopf lag auf seiner Brust. Sie hörte seinen Herzschlag, der sich langsam beruhigte. Sie musste lächeln, als sie an seine Leidenschaft dachte. Jedes Mal aufs neue war das, das dann zwischen ihnen geschah, für Michelle aufregend und spannend. Jedes Mal griff die Leidenschaft sofort auf sie über. Jedes Mal war sie wieder überrascht, wie er trotz des verzehrend lodernden Feuers, das sie dann in seinen Augen sah, doch immer wieder so zärtlich und vorsichtig mit ihr war...

Eine angenehme Mattigkeit hatte sich auf sie gelegt. In Edwards Armen fühlte sie den frischen Luftzug vom etwas geöffneten Fenster nicht. Sie war noch immer erhitzt, und das Unterkleid aus Seide, das sie trug, war angenehm frisch auf ihrer Haut. Sanft strich sie über Edwards nackte Brust, betrachtete sein Gesicht...so friedlich, sorglos und glücklich. Die Augen hielt er geschlossen, doch sie wusste, dass er nicht schlief; er spielte mit einer Strähne ihres Haares, wie sie auf ihrem Rücken kitzelnd fühlte.

"An was denken Mylord?" hauchte sie sanft, und beobachtete, wie er bei ihren Worten lächelte ohne die Augen zu öffnen.

"An meine Königin...und dass ich für immer so mit ihr sein möchte." Nun sah er zu ihr, und die Schmetterlinge in ihrem Bauch begannen wieder sich zu bewegen. Leicht errötend umfing sie ihn noch fester.

"Das wäre eine Vorstellung, die auch für mich einen gewissen Reiz hätte..." Ein verspieltes Lächeln lag um ihren Mund, während sie mit einem Finger seine Seite entlang fuhr.

"Nur einen gewissen ...? Ich fürchte, ich muss mich das nächste Mal mehr anstrengen." Er grinste sie an, wusste, dass sich nun ein rötlicher Schimmer auf ihren Wangen ausbreiten würde, wenn er so redete.

"Du weißt, was ich meine!" Sie stupste ihn und bedachte ihn mit einem rügenden Blick, doch dann brach sie in leises, zufriedenes Lachen aus.

"Oh, wenn du nur wüsstest...." Er zog sie an sich, so dass ihr Kopf wieder auf seiner Brust ruhte. Sanft streichelte er über ihre Haare. "...wie sehr ich dich liebe." Er küsste ihren Scheitel, woraufhin sie wohlig seufzte.

Eine Weile lagen sie still, rührten sich nicht, dachten an die geliebte Person oder genossen einfach nur die Stille, die sich über sie und das gesamte Schloss gelegt hatte. Beide hatten die Augen geschlossen und träumten. Die Sonne warf ein warmes Licht in das Zimmer und der September schickte eine milde Brise, die die Vorhänge bauschte und sanft über ihre Körper strich. Nicht kalt, sondern angenehm.

Erst Edwards leise Worte rissen beide in die Wirklichkeit zurück, die nicht minder schön war, als ihre Tagträume.

"Sag mir eines, meine Königin, was sollte das bedeuten vorhin?" Er hatte das Streicheln wieder aufgenommen, seine Hand lag auf ihrem Arm. "Warum war es so wichtig, dass ich Kate ein Kompliment mache?"

Michelle richtete sich auf. "Du hast es doch ehrlich gemeint?" Leicht besorgt blickte sie ihn an.

"Natürlich, sie ist sehr schön..." Hatte er diese Worte noch ernst und ehrlich gesagt, so sagte er die nächsten mit abwägender Miene, die Michelle zum Lachen brachte. "Naja, vielleicht nicht ganz mein Typ, aber..."

"Nun, es ist so, dass..." Ihre Miene war wieder ernst, und er bemerkte ihre Unsicherheit darüber, ob sie das Geheimnis ihrer Freundin verraten durfte. Als er ihren hadernden Blick sah, entschied er sich das Problem für sie zu lösen.

"Kate liebt Will, und meint sie kann ihn niemals bekommen..." Als er ihre überraschten Augen sah, strich er ihr grinsend das Haar hinter ihr Ohr und meinte erklärend. "Ich bin der König! Ich muss wissen, was in meinem Schloss vorgeht...außerdem bin ich nicht blind."

Sie lächelte, und meinte dann leise:

"Ja, sie liebt ihn und denkt sie kann mit Jocelyn nicht konkurrieren...dabei...sie passt viel besser zu ihm als diese...diese..." Verzweifelt suchte sie nach einem Wort, dass ihr für Jocelyn gerechtfertigt erschien. "...ach, du weiss was ich meine!" Edward sah das Funkeln in ihren Augen, als Michelle ihre Freundin verteidigte. "Kate passt viel besser zu Will! Sie ist ehrlich, warmherzig, schön und...sie liebt ihn wirklich." Erwartungsvoll sah sie Edward an.

"Ich verstehe, was du meinst." Mitfühlend sah er seine Gemahlin an. Ihre Freundin so unglücklich zu sehen, nahm sie sehr mit. Und er sah selbst, dass Kate von ihren Gefühlen gequält wurde. "Du weißt, dass ich ebenso wenig wie du der Meinung bin, Jocelyn würde zu Will passen. Es tut mir jedes Mal weh, wenn ich ihn mit ihr sehe. Zwar bezweifle ich, dass die Liebe der beiden lange anhalten würde, irgendwann wird sie abkühlen und beide werden realisieren, dass es nur Leidenschaft für dem anderen war, bedingt durch die unterschiedlichen Stände und dem, was Will auf sich genommen hat um sie für sich zu gewinnen. Momentan kann ich jedoch nichts daran ändern, wenn Will gedenkt sie zur Frau zu nehmen." Bedauernd blickte er sie an.

"Ich finde es nicht gerecht..." murmelte sie traurig. "Jocelyn verdient ihn nicht. Sie braucht ihn doch nur um sich zu bestätigen und um sich neben ihm zu präsentieren. Schließlich ist er der erste Ritter des Königs, auch wenn er erst geadelt wurde." Leise sprach sie ihre Gedanken aus, die sie schon lange beschäftigten. "Ihr geht es doch inzwischen nur noch um die Prestige, die Gemahlin des ersten Ritters zu sein. Will ist der begehrteste unter deinen Rittern und sie weiß, dass jede andere Hofdame sie darum beneiden würde..." Schweigend starrte sie auf die blütenweiße Decke, dann hob sie den Kopf wieder und sah ihrem Mann in das Gesicht. "Jocelyn verdient ihn nicht." wiederholte sie. "Niemand verdient ihn, wenn nicht Kate." Entschlossenheit glänzte in ihren Augen und fast meinte er Zorn darin zu sehen.

Einen Augenblick sah er sie nur an, dachte über die Möglichkeiten nach, die sie hatten, doch er kam nur auf ein Ergebnis.

"Michelle, wir können und dürfen uns da nicht einmischen."

"Aber Will ist dein Freund!" Die Worte waren zu schnell und zu laut gewesen, und ihr wurde sofort klar, dass er recht hatte.

"Ja, ich weiss, und doch: Die Entscheidung liegt allein bei ihm." Bei Edwards Worten senkte sie den Kopf und legte ihn schließlich resigniert wieder auf seine Brust.

"Ja...du hast ja recht, aber darf man jemanden einfach in sein Unglück laufen lassen?" Einen Augenblick herrschte Stille, dann meinte sie leise und zaghaft:

"Und wenn du nur mal mit ihm redest? Ich meine nicht so direkt...eher mit Andeutungen?"

"Mit Andeutungen...?" Er seufzte. Sah schmunzelnd auf sie hinab. "Weißt du, was du von mir verlangst?"

Sie nickte, noch immer lag ihr Kopf auf seiner Brust, sie blickte nicht auf.

"Du verlangst von mir, dass ich zu meinem ersten Ritter und besten Freund gehe und ihm sage, dass das, was er tut, falsch ist. Oh, Michelle." Noch ein Seufzer. Doch nur ein gespielter, denn er war überredet. Nicht, weil seine Michelle ihn darum bat, sondern, weil er selbst spürte, dass es so für Will das Beste wäre. Auch wenn dieser das jetzt noch nicht erkannte. Er fühlte eine Bewegung an seiner Brust und wusste: sie lächelte.

Mit einem strahlenden Lachen hob sie den Kopf.

"Danke!" Sie küsste seine Nasenspitze.

"Damit eines klar ist: das tue ich nicht für dich, sondern für Will und weil ich nicht will, dass er und Kate unglücklich sind." Trotz seiner Worten musste er lachen.

"Ich weiß. Dennoch bin ich froh darüber." Sich ganz aufsetzend, blickte sie auf ihn hinab und kicherte. "Also, ich werde dir erklären, wie du es am besten anstellst, ohne dass er Verdacht schöpft." Obwohl sie sich bemühte ernst zu bleiben, gelang es ihr nicht, beim Anblick Edwards, der sie mit gespielter Kränkung ansah.

"Du traust mir wohl gar nichts zu?" Mit einem Ruck zog er sie wieder nach unten, hielt sie sanft aber unnachgiebig fest, so dass sie sich nicht wieder aufsetzen konnte. "Ich glaube, solche Zweifel an seiner Majestät gehören bestraft..." Lachend küsste er sie.

Sie erwiderte den Kuss gerne, und als sie nach Atem rang meinte sie theatralisch:

"Oh Mylord, ich ergebe mich in eure Strafe. Mir fehlt die Kraft um nach Gnade zu flehen."

Mit einer schnellen, doch vorsichtig sanften Bewegung setzte er sich auf, und drückte sie in die Kissen, so dass sie nun auf dem Rücken lag und zu ihm aufsehen musste.

"Gut, das hätte nämlich ohnehin keinen Zweck..." Stürmisch senkte er die Lippen auf ihre und sie zog ihn "schicksalsergeben" zu sich. Sie strich ihm sanft über die Wange, nachdem er sich auf den Ellenbogen gestützt hatte, ihr durch ihr Haar strich und lächelnd auf sie hinab sah. Einen Moment sagten sie nichts, blickten sich nur an, bis Michelle leise meinte:

"Edward...ich danke dir dafür, dass du Adhemar erlaubt hast mir beim Treueschwur diese Worte zu sagen." Sie musste es einfach loswerden. Sie war ihrem Gemahl so dankbar dafür...manchmal dachte sie, dass zu ihrem absoluten Glück nur noch eines fehlte: Dass Edward und Adhemar sich verstehen. Sie wusste, dass es schwer war...für beide Seiten. Ihr war auch klar, dass Edward die Erlaubnis nicht gegeben hatte, um einen Schritt auf Adhemar zuzumachen, diese Hoffnung war verflogen nachdem sie die eisigen Blicke zwischen den beiden gesehen hatte. Edward hatte es ihr zuliebe getan, um sie glücklich zu sehen, und doch hatte sie das Gefühl, dass es ein erster Schritt zur Verständigung zwischen den beiden gewesen sein könnte.

"Du hoffst immer noch, dass ich eines Tages mit ihm reden und mich mit ihm verstehen könnte?" Sein skeptischer Tonfall ließ keinen Zweifel daran, dass er nicht so dachte.

Doch sie nickte zögernd und blickte unglücklich zu ihm auf. "Es ist eine kindische Hoffnung. Ich weiß es selbst. Aber immer wieder frage ich mich, ob es denn etwas geben kann, das euch aussöhnen kann. Ich glaube einfach nicht, dass es etwas geben kann, über das sich nicht sprechen lässt...etwas, das so schlimm ist, dem anderen nicht zu verzeihen." Ihr Kopf sank zur Seite, sie sah in Richtung des Fensters. "Warum denn nicht?"

"Michelle...?" jetzt klang er leicht verzweifelt, aber auch beinahe genervt. Oder täuschte sie sich?

"Du willst nicht darüber reden, verstehe."

"Ich finde, es ist nicht der richtige Zeitpunkt." Seine Stimme klang wieder zärtlich, wollte sie beruhigen und überzeugen. Sanft streichelte er ihr Haar zurück, küsste sie auf die Wange.

"Wann...wann ist der richtige Zeitpunkt...?" flüsterte sie leise.

Er seufzte. Das einzige, was ihn mit Adhemar verband, war Michelle. Die Zuneigung, ja Liebe, die sie beide für sie empfanden, schien ihm das einzige zu sein, das er mit dem schwarzen Ritter gemeinsam hatte. Doch es war auch gleichzeitig wieder etwas, das ihn störte...ihn schmerzte. Eigentlich musste er Adhemar dankbar sein, dass er sich Michelle so angenommen hatte, doch jedesmal wenn er die beiden so vertraut miteinander sah, gab es ihm einen Stich...regte sich die Eifersucht, die er dann mit aller Macht zu unterdrücken versuchte.

"Weißt du, manchmal glaube ich dir sogar, dass er anders sein kann, dass es da einen anderen Adhemar gibt..." Er blickte zur Decke. Seine Stimme war leise, als würde er seine Gedanken nun laut weiterdenken, und sie setzte sich auf, sah ihn forschend an, wartete mit pochendem Herzen darauf, dass er fortfuhr. Fast ängstlich vor dem, was er ihr nun gestehen würde. "Doch den sehe ich immer nur, wenn er mit dir zusammen ist, mit dir spricht..." Plötzlich blickte er sie wieder an. "Dann wird sein Blick jedesmal weich und warm...und...liebevoll..."

"Mylord..." Es war ein heiseres Hauchen, mehr bekam sie aufgrund des offenen Geständnisses nicht heraus. Sie hatte vermutet...befürchtet, dass es so sein könnte, doch als sie jetzt Edwards Worte hörte, seine fragenden, fast bittenden Augen, da wurde ihr bewusst, dass es wirklich so war. "Ich...Edward..." Sie versuchte verzweifelt die richtigen Worte zu finden, die ihm klar machen sollten, dass zwischen Adhemar und ihr niemals etwas gewesen war, noch, dass jemals etwas sein könnte. Tränen traten ihr in die Augen; eine unglaubliche Welle von Liebe durchströmte sie, als sie auf ihren Geliebten blickte, der sie ausdruckslos wartend ansah.

Still rückte sie näher zu ihm, versuchte seinen Blick aufzuwärmen. Sie wollte, dass er sah, was in ihr vorging, welche Liebe in ihr war, die nur ihm je gehören würde. Mit leisen Worten begann sie zu sprechen.

"Adhemar war der Ritter meines Vaters, der Ritter, zu dem ich immer aufsah. Er war der Ritter, der das Herz der kleinen Prinzessin höher schlagen ließ. Er war ihr Held, der Mann, den sie später heiraten wollte. Stark war er und stolz. Und wie jedes Mädchen träumte die kleine Prinzessin von einem solchen Mann. Als sie größer wurde und sie für ihre Aufgabe vorbereitet wurde, war er immer noch für sie da, konnte sie aufmuntern. Während jeder nur noch von ihren Pflichten sprach, so hatte er noch andere Worte für sie. Worte, die nicht von der Zukunft und der Realität handelten, sondern von Freude und von Träumen. Während jeder Erwartungen in die Prinzessin setzte, tat er nichts dergleichen; er war einfach da und verstand sie. Er war nicht mehr der Held aus den kindlichen Träumen, sondern jemand, der für sie da war und ihr half, indem er sie verstand, jemand, dem sie vertraute, wo sie sonst niemandem mehr so vertrauen konnte." Sie senkte den Blick, um ihn gleich darauf wieder zu heben. "Das war Adhemar. Aber es gibt noch einen anderen Mann im Leben der Prinzessin..." hier lächelte sie. "... ein Mann, den sie heiraten musste, den sie lieben musste, so wie es ihr Vater wollte, zum Wohl ihres Landes. Die Prinzessin war anfangs sehr unglücklich. Doch der fremde König war ein Mann von solcher Ehre und von großer Güte und Freundlichkeit, dass sie ihn mögen lernte. Er öffnete die Tür zu ihrem Herzen, ohne dass sie es bemerkte. Als die Prinzessin es bemerkte, besaß er bereits einen Platz darin, den kein anderer je besessen, ein Platz von dem ihn keiner je vertreiben könnte. Und noch während sie über diese Wendung des Schicksals nachdachte und darüber erstaunte, wuchs die Liebe zu diesem Mann mehr. Er war längst kein Fremder mehr, sondern jemand, der nicht nur sie kannte und sie verstand, sondern auch jemand, den sie kannte und sie verstand. Inzwischen ist die Liebe größer, als sie in Worte zu kleiden vermag, deshalb muss er es in ihren Augen ablesen, er muss es ihr glauben, denn sie ist machtlos, weiß keinen Weg es ihm zu zeigen..."

Ihre blauen Augen blickten ihn an, die Tränen waren getrocknet und er konnte sie sehen, die Liebe in ihrem Blick. Er konnte sie immer sehen, wenn sie ihn ansah. Sie war immer da, sie war der Grund für die Wärme in ihren Augen, der Grund für das Gefühl, das ihr Blick in ihm auslöste. Er wusste es. Es war das, was ihm stets fehlte, wenn er von ihr getrennt war, war das, was ihn alles andere vergessen liess, es war das, was alles in ihm ausmachte. Und als er seine Stirn an die ihre lehnte, ihr Gesicht dabei umfasste, da hoffte er, dass er es niemals vergessen würd, dass er niemals vergessen würde, dass ihr Herz ihm gehörte und nur für ihn schlug, für keinen anderen Menschen. Er zog sie in seine Arme, hielt sie ganz fest, fühlte, wie sie ihn sanft streichelte.

"Ich sollte ihm dankbar sein...dankbar dafür, dass er für das Wichtigste in meinem Leben da war, bevor ich es sein konnte." Er fühlte ihr Lächeln an seiner Wange, und langsam ließ er sich zurücksinken, so dass sie in seine Halsbeuge geschmiegt dalag. Als er in ihr Gesicht blickte sah er die tiefe Zufriedenheit darin, und die Unsicherheit, die aus ihm herausgebrochen war, beruhigte sich in ihm. Sie ließ auch ihn die Augen schließen und den kostbaren Moment mit Michelle genießen...langsam geleitete ihn ihr Herzschlag, den er an seiner Brust spürte, in den Schlaf.

***

"Oh, diese Kate...wie kann sie nur so mit dem Kleid umgehen. Natürlich ist es gut, wenn sie Euch heraushilft, damit Ihr euch besser ausruhen könnt, aber wenn man es nicht aufhängt, sondern nur über einen Stuhl wirft, wird es bis heute Abend zerknittert sein...Sie ist eben nur eine Schmiedin...als Hofdame, also nein...ich meine..." Ein verständnisloses Kopfschütteln, während Mathilda das prachtvolle Kleid ordnete.

Michelle öffnete langsam die Augen, erwacht von den Worten ihrer Amme. Sie rieb sich den Schlaf aus dem Gesicht und streckte sich wohlig, bis ihr auffiel, dass sie allein im Bett lag. Sie war sorgsam zugedeckt worden, doch Edward war fort. Er konnte doch nicht einfach so gegangen sein! Sie setzte sich etwas auf, doch bevor sie ihn noch entdeckte, hörte sie seine Stimme.

"Tut mir leid, Mathilda, aber es ist nicht Kates Schuld. Nicht sie, sondern ich habe meiner Gemahlin aus dem Kleid geholfen." Edward stand, eine Schriftrolle in der Hand auf den er gerade das Siegel gedrückt hatte, neben dem Schreibtisch, und sah betont freundlich lächelnd zu der Amme, die vollkommen bleich vor Schreck herumgewirbelt war. Offensichtlich hatte sie erst bemerkt, dass er im Zimmer war, als er gesprochen hatte. Er hatte diese Aussage so betont üblich gemacht, als wäre es die normalste Sache der Welt, dass Mathilda schwer mit der Fassung rang. Die Vorstellungen, was dies bedeuten konnte, wirbelten in ihrem Kopf durcheinander...

Erschrocken sprang sie zurück. "Majestät!" keuchte sie.

"Sie wünschen?" In seinen Augen blitzte es amüsiert. Man konnte ihm ansehen, dass es ihm gefiel, die Amme zu schockieren.

"Majestät, ich bitte sie! Sie ... sie können doch nicht... doch nicht... Sie wissen schon, was ich meine! Doch nicht, während Michelle in anderen Umständen ist!!"

"Wenn sie damit sagen wollen, dass ich nicht mit Michelle Beischlaf halten ( bei diesen Worten errötete diese heftig) sollte, während sie ein Kind erwartet, dann kann ich sie beruhigen, da ich das nicht getan habe und ich es nicht zu tun gedenke." Erklärte Edward in sachlichem Ton und lächelte seine Gemahlin an.

Mathilda rang aufgrund solcher Offenheit nach Atem und griff nach der Lehne von Michelles Stuhl. Etwas von "Worten des Teufels" und "Schande" murmelnd, ging sie schnell zum Fenster und schloss es.

Edward zwinkerte Michelle zu, und kam dann zu ihr um sich bei ihr auf der Bettkante niederzulassen. Seine Frau konnte sich beim Anblick ihrer sichtlich entrüsteten Amme ein Kichern nicht verkneifen und lehnte sich an Edward.

"Hier ist die Einladung. Ich denke es ist besser, wenn wir es wirklich offiziell machen. Gegen das Siegel des Königs ist jeder Einwand so gut wie machtlos." Er gab ihr die Rolle. Dankbar blickte sie zu ihm auf, wollte etwas sagen, doch dann sah sie an ihm vorbei, wandte sie sich an Mathilda und meinte mit freundlich liebevoller Stimme, während sie ihre Hand auf Edwards legte:

"Mathilda, würdet Ihr bitte Kate zu mir schicken. Es ist dringend." Sie lächelte bittend zu der Amme. Als sie bemerkte, dass ihr Gemahl beim Anblick ihres Engelsblickes zu grinsen begann, stieß sie ihn, selbst einem Kichern nahe, an. Sie versuchte hier schließlich nur den von ihm angerichteten Schaden zu begrenzen.

***

Nachdem sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, raffte Kate hastig ihre Röcke hoch und versuchte nicht zu stolpern, während sie durch den langen Gang in Richtung Treppenhaus rannte. Sie konnte es noch gar nicht glauben, dass Edward das bewilligt hatte. Sie war so froh, konnte es nicht erwarten in die Schmiede zu kommen und es ihr zu erzählen. Sich mit einer Hand am Geländer festhaltend, nahm sie immer zwei Stufen auf einmal. ‚Was wird sie nur sagen?' Kate versuchte sich Vickys Gesicht vorzustellen und sie freute sich noch mehr, es ihr zu sagen. In der Halle kam ihr Will entgegen. Überrascht starrte er sie an, wie sie die Stufen hinabstürmte. Sofort machte sie langsamer, bemühte sich nicht allzu aufgeregt zu erscheinen.

"Hier!" Sie streckte ihm freudestrahlend die Schriftrolle entgegen. "Weißt du, was das ist? Das errätst du nie!" Etwas außer Atem vom Laufen stand sie vor ihm und blickte zu ihm auf. In ihren blitzenden Augen konnte er ablesen, wie glücklich sie gerade war.

"Es ist eine Einladung zum Ball! Für Vicky!!" Sie wollte ihm wohl um den Hals fallen, hatte schon die Arme nach ihm ausgestreckt, doch dann ließ sie sie wieder sinken und sah ihn nur erwartungsvoll an. ‚Was hat sie gesagt?' Er musste sich eingestehen, dass er ihre Worte nicht mitbekommen hatte.

Das Funkeln in ihren Augen, die aufgeregte Röte auf ihren Wangen machten sie so lebendig, und nachdem er sie vorhin noch so niedergeschlagen gesehen hatte, war dieser Anblick Balsam für ihn. Seit dem Treffen im Park hatte er an nichts anderes denken können, als daran, wie verletzt sie sein musste.

"Ehm...schön..." Den Bruchteil einer Sekunde hatte er sich überlegt, ob er nachfragen sollte, was sie gesagt hatte, doch er hatte sich dagegen entschieden. ‚Ich habe deine Worte leider nicht gehört, weil ich so in dein lachendes Gesicht vertieft war...'

"Schön???"

Ihre enttäuschten Augen zeigten ihm, dass sie die Neuigkeit wohl etwas besser als nur "schön" fand.

"Weißt du denn nicht, was es Vicky bedeutet heute Abend zum Ball kommen zu dürfen?" Fast entrüstet stemmte sie die Hände in die Hüften, was in diesem feinen Kleid seltsam aussah, und er musste lächeln. Auch wenn sie jetzt die Freundin der Königin war, feine Kleider trug und an den höchsten Anlässen an deren Seite war, so versuchte sie gar nicht etwas anderes zu sein, als sie wirklich war.

"Ja, klar doch! Das ist super! Wow..." Er zeigte ablenkend auf die Schriftrolle und machte eine beeindruckte Miene. "Sogar mit königlichem Siegel!"

Erleichtert sah er ihr eifriges Nicken.

"Ich muss jetzt schnell Vicky die frohe Botschaft bringen! Michelle erwartet uns sobald wie möglich in ihrem Ankleidezimmer!" Sie sah verträumt gen Himmel, während sie die Rolle mit beiden Händen an ihre Brust drückte. "Meine Kleine wird so glücklich sein...die schönen Kleider, das Essen, der Tanz..."

Will beobachtete Kates Verzückung gebannt. Es tat ihm so gut sie so zu sehen. Er wollte die Hand ausstrecken um ihr lachendes Gesicht zu berühren...ihre ehrliche Freude, die Wärme, die sie ausströmte, und er erwischte sich dabei, wie er sie mit Jocelyn verglich. Hatte er seine Verlobte jemals so offen und ehrlich vor Freude strahlend lachen sehen? Ihre Augen leuchten sehen, weil sie jemandem eine Freude machen durfte? Er konnte sich beim besten Willen nicht erinnern...

"Naja...dann...ich muss dann mal..." Sie bemerkte seinen Blick und vollbrachte, ohne Anstalten zu machen zu gehen, eine Geste in Richtung des Ausgangs hinter Will.

Mit ihren Worten riss sie ihn aus seinen Gedanken. Erst jetzt bemerkte er, dass er sie angestarrt hatte.

Warum starrte er sie so an? Sie war wohl doch ziemlich aufgefallen durch ihr Benehmen. Wie konnte sie nur im Schloss rennen und sich aufführen wie ein Kind? Verlegen legte sie die Schriftrolle an ihren Mund. Verlegen nicht nur, wegen ihres Verhaltens, sondern auch, weil er bis jetzt noch fast kein Wort gesagt hatte und sie diejenige war, die die Unterhaltung führte.

"Ich benehme mich wohl äußerst unschicklich..." murmelte sie.

"Wieso solltest du dich unschicklich benehmen?" Er ließ die Hand sinken, die er noch immer erhoben hatte, um sie zu berühren. Fast mit Gewalt musste er sich ins Gedächtnis rufen, dass es Kate war. Seine Freundin. "Nur weil du dich freust?"

"Weil ich meiner Freude so Ausdruck verleihe. Das gehört sich meiner Meinung nach nicht. Nicht, wenn man sich im Schloss befindet."

"Ach, deshalb..." Er machte eine abwertende Handbewegung. "Mach dir wegen diesen Adligen keine Sorgen, die sind es nicht wert."

"Ähm, Will...?" sie kicherte. "Du bist selber adlig."

"Oh...stimmt ja."

Sie gab ihm einen Knuff mit der Schriftrolle.

"Ich sollte gehen." Sie lachte ihn noch einmal zu und lief dann, etwas gemäßigteren Schrittes, auf das Tor zu.

Er stand da und sah ihr nach. Jede Bewegung von ihr beobachtete er. Das Wippen ihres Kleides, wie sie die Schriftrolle hielt, eine Locke, die sich aus ihrer Frisur gelöst hatte und nun lebhaft auf und absprang. Erst als sie die Halle verlassen hatte und er alleine zurückblieb, drehte er sich gedankenverloren um und ging langsam die Treppe hinauf.

***

Sie hatte schon fast den Ausgang der Burg erreicht, als sie hinter sich eine Stimme hörte, die sie erschauern ließ.

"Wohin des Weges? Muss die erste Hofdame der Königin mittlerweile schon Botengänge in die Stadt unternehmen?"

Kate drehte sich um, und sah in einiger Entfernung Adhemar. Er saß auf seiner schwarzen Stute, die auf grund der straffen Zügelhaltung seines Herrn nervös tänzelte. Kates Herz begann schneller zu schlagen, als er nun auch noch einen herablassenden Blick auf die Schriftrolle warf. Sie schluckte, als er langsam auf sie zuritt. Gerade von seinem Ausritt zurückgekommen, ganz in seiner schwarzen Reitkleidung, mit zerzausten Locken und etwas außer Atem machte er einen verwegenen, fast wilden Eindruck. Seine dunklen Augen funkelten sie herausfordernd an.

Sie schluckte, trat jedoch einige Schritte auf ihn zu. Natürlich war ihr die Ironie in seinen Worten nicht entgangen.

"Nein." entgegnete sie ruhig. "Wichtige Botengänge in die Stadt werden von der Freundin der Königin erledigt. Der ersten Hofdame werden solche Aufträge nicht erteilt." Sie glaubte, in seinen Augen ein wissendes Glitzern zu entdecken, das ihr zeigte, dass er nicht nur verstand, sondern auch zustimmte. Auf gut Glück sprach sie weiter. Etwas in ihr sagte ihr, dass es von großer Wichtigkeit war, mit ihm in ein Gespräch zu kommen, ihn näher kennenzulernen. Die kalte Fassade wie immer undurchdringlich, musste es doch einen Weg geben an ihn heranzukommen. Sie wusste, dass es dahinter noch ein anderer Adhemar gab. Würde sonst Michelle ihn derart mögen, wenn es nicht so wäre? Es war von großer Wichtigkeit zu wissen, wo dieser andere Adhemar war. Wenn nicht für sich, dann für Vicky... Der Gedanke, dass die erste Liebe ihrer Kleinen unglücklich sein sollte, wollte sie nicht hinnehmen. Nie sollte sie den Schmerz fühlen müssen, den sie selbst immer fühlte. Es musste einen Weg geben vorbei an der Mauer aus Arroganz und Kälte, die er um sich errichtet hatte. Michelle hatte es geschafft, vielleicht war es möglich, dass es Vicky ebenso gelang...dass Vicky ebenso an sein Herz rührte, wie es die kleine Michelle einst getan hatte. Sie hatte gesehen, wie tief er für sie empfand und dieses Bild ging ihr nicht mehr aus dem Sinn, genauso wenig, wie das Bild einer vollkommen niedergeschlagenen Vicky, die mit hängenden Schultern davonging. Aber es war auch dieses Bild eines gefühlvollen Adhemars, dass ihr Hoffnung machte. Ihr Herz klopfte wild bei ihren nächsten Worten, sie wusste, was sie sagte, könnte in das Gegenteil umschlagen und auf sie zurückfallen.

"Ich denke die erste Hofdame würde sich im Dorf auch nicht sonderlich zurechtfinden..."

"Jedenfalls nicht so gut wie eine Schmiedin, die dort hingehört." Vollendete er ihren Satz. Doch so verletzend diese Worte auch gemeint sein konnten, so erstaunt war sie, dass sie es nicht waren. Obwohl sein Blick weiterhin kalt und überheblich war, hörte sie eine Bestätigung ihrer Worte heraus, und erstaunt stellte sie fest, dass er offensichtlich auf eine Erwiderung ihrerseits wartete. Er griff die Zügel noch etwas kürzer, als das Pferd wieder unruhig wurde und Kate zu nahe kam. Er tätschelte es kraftvoll auf den starken Hals ohne sie aus den Augen zu lassen.

"Ganz recht, besser als jemand, der nur das Leben in einem Schloss kennt, und die andere Seite der Welt niemals erblickte, geschweige denn versucht hat sie zu verstehen." Allen Mut zusammen nehmend griff sie nach dem Zaumzeug seines Pferdes und streichelte dessen Nüstern, während sie gespannt zu ihm aufsah.

Seine Augen wurden schmaler. Dennoch erwiderte er ruhig ihren Blick. "Kann man jemandem einen Vorwurf machen, keine Versuche unternommen zu haben, die andere Welt kennenzulernen, wenn er gar nichts von ihrer Existenz wusste."

Einen Moment herrschte Stille. Der Wind blies dunkle Wolken heran, die die Sonne verbargen, doch über ihnen war der Himmel noch blau. Eine Strähne dunklen Haares war ihm ins Gesicht geweht und sie fühlte wie der Wind mit dem Saum ihres Kleides spielte. Kleine Böen wirbelten Sand auf, der ihnen in das Gesicht wehte. Es würde regnen oder ein Gewitter geben. Die Ruhe vor dem Sturm. Sie waren mittlerweile alleine im Innenhof.

Keiner sprach.

Er saß vollkommen ruhig auf seinem Pferd und dachte an nichts. Er dachte weder daran, dass er gerade etwas von sich preisgegeben hatte, das ihr Einblick in seine Seele gab noch, dass er diese Frau verachten sollte. Er dachte weder an das, was war, noch an das was sein würde. Sie hielt das Zaumzeug des Pferdes fest. Keine Angst mehr, als sie in seine Augen blickte.

Sie schwieg, nicht, weil sie nicht wusste, was sie sagen sollte, sondern weil sie es ungehörig fand, in diesem Moment zu sprechen. Alles hatte sich bestätigt, alles. Eine Klammer legte sich um ihr Herz, die Bedeutung seiner Worte wog schwer. Wieder war da dieses Gefühl ihn vollkommen zu verstehen und gleichzeitig nicht. Sie dachte über seine Worte nach, nicht über das, was sie bedeuteten, sondern über das, was sie einst bedeutete hatten, für ihn. Ohne den Blickkontakt zu unterbrechen, schüttelte sie sachte den Kopf.

"Nein, man kann niemandem einen Vorwurf machen, der nicht wusste, wie groß die Welt wirklich ist."

"Oh, die Welt war ungeheuer groß."

"Aber die Person, die sie sah, war zu klein..." sinnierte sie nachdenklich. Die dunklen Wolken kamen näher, der Wind wurde stärker. Innerlich sagte eine Stimme, sie müsse vorsichtiger sein. Wenn sie nun zuviel riskierte, würde sie alles verlieren. Gleich würde er sich an seine Mauer erinnern und dann wäre ihr jede Möglichkeit verwehrt je wieder mit Adhemar zu reden und nicht mit dem schwarzen Ritter. Doch er tat nichts außer sie weiterhin mit unergründlichem Blick anzusehen.

"Vielleicht waren auch die Menschen, die ihm die Welt zeigten, zu klein..." bot er eine andere Möglichkeit an und wieder nickte sie.

Sein Pferd war jetzt vollkommen ruhig, sie streichelte weiter das dunkle Fell, doch war ihm klar, dass sie es nicht bemerkte. Noch immer meldete sich keine Stimme in ihm, die ihm sagte, dass das, was er gerade tat, falsch war. Er war so ruhig, dass es ihn überraschte und er fühlte weder die Verachtung für die Frau, noch das Gefühl, dass er hat, sobald er Menschen etwas über sich offenbarte. Darauf wartend, dass sie etwas erwiderte, fühlte er wie der kühle Wind den Schweiß auf seiner Haut trocknete.

"Ich bezweifle, dass es Menschen gab, die das taten. Wahrscheinlich war er oft alleine...?"

"Und wenn es diese Menschen gab, sie ihm aber einfach das falsche zeigten."

"Dann sind diese Menschen dumm." Er sah, wie in ihren Augen kurz die Wut aufblitzte.

"Dumm?"

War sie zu weit gegangen? Es war zu spät. Sie sprach weiter. "Vielleicht sind sie einfach nur zu blind zu sehen, dass es noch andere gibt. Die Welt nicht nur in Mauern eingesperrt ist, wie sie."

"Dann ist also derjenige Schuld, der die Mauern aufgebaut hat?"

"Wer hat sie denn aufgebaut? Nur diejenigen, die nicht über sie hinweg sehen."

"Sind sie nun dumm oder sind sie nur zu klein?"

"Sie sind beides, dumm, weil sie sie errichtet haben und zu klein, weil sie es danach nicht mehr schaffen, die von ihnen selbst errichteten Grenzen zu überschreiten. Weil sie nicht merken, dass sie sich damit selbst ein Gefängnis schaffen."

"Es war ein Gefängnis, in dem sie besser lebten als diejenigen, die in "Freiheit" lebten."

"Ja, und doch ein Gefängnis, in das sie jeden steckten, ob er wollte oder nicht. Er hatte keine Wahl."

"Dann ist es Mitleid, das sie mit einem solchen Menschen haben?"

"Nein, mir tut lediglich der Mensch leid, der nie beide Seiten sah und sie aus Verblendung, Unwissenheit und Angst nie kennenzulernen wagte." Vorsichtig lehnte sie sich vor. Ihr Herz war unsicher, ob sie die Grenze von dem, was sie ungefährdet sagen durfte, jetzt überschritten hatte. Den Blick zu senken wagte sie nicht. Sie wollte wissen, was er fühlte und das war die einzige Möglichkeit es herauszufinden. Es war auch der einzige Weg zu zeigen, dass sie es ehrlich meinte und es keine leeren Worte waren. Zögernd legte sie die Hand auf den schweißnassen Hals des Pferdes. Ein Zeichen, dass sie verstand und ein Zeichen der Verbündung. In der Ferne grollte der Donner. Wetterleuchten. Der Wind hatte an Stärke gewonnen, wirbelte nicht nur Sand, sondern auch Blätter auf und spielte mit ihnen. Über ihnen war der Himmel schwarz, während sie auf ein Wort oder eine Geste von ihm wartete.

"Dann arbeitet alles gegen ihn. Kein Ausweg. Es muss so sein."

Langsam schüttelte sie den Kopf

"Vielleicht braucht er nur einen Grund, der ihn über die Mauer sehen lässt..." Als er nicht reagierte, fuhr sie hoffnungsvoll fort. "...jemanden, der ihm einen Ausweg zeigt." Sie sah ihm tief in die Augen und er erwiderte ihren Blick.

~ Stille.

Tiefe Ruhe.

Äußerlich, wie innerlich.

Regen.

Dicke Tropfen.

Unaufhaltsames Fallen.

Unbewegt.

Trotz des Windes.

Stille...tiefe Stille. ~

Sie fühlten den Regen nicht, ihre Blicke hatten sich ineinander verfangen. Die Spannung zwischen ihnen war nicht unangenehm, weil jeder versuchte den anderen zu verstehen.

Dann ein Nicken von ihm. Mit versteinerter Miene, hochmütigen Augen, jedoch ohne das abgrundtief Dunkle darin.

Wie selbstverständlich ließ sie das Pferd los, nickte leicht zurück, als er an ihr vorbei ritt...durch den Regen...in Richtung Stallungen.

Kurz sah sie ihm nach, starrte auf den dunklen Rücken, wandte sich dann ab und setzte langsam ihren Weg fort.

Keiner der beiden dachte nach über das Gespräch. Es war passiert. Ein Ereignis eingeschlossen in weitere, die es begrenzten. Jetzt war das nächste an der Reihe.

Und während sie durch die leeren Gassen ging, selbst vergessen durch den stetig fallenden Regen, war der letzte Gedanke, den sie dem schwarzen Ritter schenkte, dass sie es ihrer Kleinen nicht erzählen würde. Nicht nur, weil es ihre Hoffnung vielleicht unnötig schüren würde, sondern auch, weil diese Augenblicke nur ihnen beiden gehört hatten. Sie spürte, dass auch der schwarze Ritter mit niemandem darüber sprechen würde. Dann war er aus ihren Gedanken verbannt und sie hörte das Strömen des Regens und fühlte wie angenehm kühl er auf ihren heißen Wangen lag. Die Schriftrolle hatte sie in die weiten Ärmel ihres Kleides geschoben, damit die Schrift nicht verlief und sie die Hände frei hatte, um ihren Rock nach oben zu raffen. Ihre Gedanken waren bei Vicky...wie sie sich auf ihr glückliches Gesicht und freudiges Lachen freute.

***

"W-wie bitte?" Ungläubig starrte das Mädchen auf die Schriftrolle, die Kate ihr entgegen streckte. Vicky sah von ihr zum königlichen Siegel und wieder zurück. Im erwartungsvollen Blick ihrer Freundin zeigte sich plötzlich ein Schatten. Sie musste etwas sagen...doch sie wusste nicht was. "Ich...soll..." Sie schluckte. "...auf den Ball? So richtig als Gast? Nicht als Diebin?"

"Auf den Wunsch des Königs und der Königin." Bestätigend nickend streckte Kate ihr die Rolle noch etwas mehr entgegen.

"Ja, aber...ich hab doch nichts anzuziehen...und weiss nicht, wie ich mich zu benehmen habe und..." Ihre verzweifelten Worte, gepaart mit dem ausladenden Fuchteln ihrer Arme wurden durch Kates Lachen unterbrochen.

"Sonst schleichst du dich als Diebin ein und jetzt, wo du geladen bist, machst du es von solchen Nichtigkeiten abhängig ob du hingehst?" Kate ließ die Rolle sinken und hatte Mühe sich zu beruhigen. Vicky sah so goldig aus, wie sie mit ihren zerzausten Locken dastand und einfach nicht glauben konnte, was sie ihr klar zu machen versuchte.

"Nein, das glaube ich nicht!" Sie schüttelte den Kopf, die roten Locken wirbelten. Trotzdem begann sich jetzt ein Lächeln auf ihren Zügen auszubreiten. Ungläubig, hoffnungsvoll sah sie ihre Freundin an.

"Doch! So glaube es doch!" Kate hielt ihre Freundin fest und blickte ihr fest in die Augen. Bemerkte, wie allmählich das Erstaunen der Freude wich. "Sieh mich an, Vicky. Sie mir in die Augen. Denkst du wirklich, ich würde dich so an der Nase herumführen?"

Wieder schüttelte sie den Kopf. Sie beruhigte sich, blickte Kate stumm an. Dann plötzlich fiel sie ihr um den Hals und begann mit ihr zu hüpfen.

"Oh, mein Gott! Ich geh auf den Ball des Königs, ich geh auf den Ball des Königs!!" schrie sie. "Oh Kate, das ist so phantastisch!" Sie drückte ihre ältere Freundin an sich.

"Ja, ich weiß." Lachend löste sie sich aus ihrer Umarmung. "Aber wenn wir uns nicht beeilen, müssen wir so," sie blickte an sich und Vicky herunter, "gehen. Wir sollen zuvor noch zu Michelle." Sie zog die Kleine mit sich. "Komm!"

"Halt!!!" Sie wartete, bis sich Kate fragend umblickte, dann meinte sie zaghaft. "Michelle. Die Königin?"

"Ja, kennst du eine andere?"

Kopfschütteln.

"Sie freut sich darauf dich ankleiden zu lassen." Kate grinste verheißend, doch Vickys Blick blieb unsicher.

"Ja, aber...ich dachte nach gestern Abend..."

"Ach Vicky!" Kate musste wieder lachen. "Michelle mag dich! Gestern Abend hat sie, denke ich, ganz gut überstanden. Sie hat sich sehr für dich stark gemacht, und freut sich unglaublich auf dich."

"Echt?"

Nicken.

"Na gut. Dann lass uns Michelle besuchen!" Freudig lachend war nun Vicky diejenige, die ihre Freundin fort zog.

...to be continued!