Kapitel 10 - Vorbreitung für die Hochzeit

Die Tage bis zur Hochzeit von Elladan und seiner Geliebten vergingen wie im Fluge und ich hatte Fionn nicht mehr gesehen seit der Begegnung in Bruchtals Gärten.
Aragorn und Legolas hatte ich wie vermutet auf dem Trainingsplatz gefunden. Die beiden schienen sich gut zu amüsieren und der Streit schien vergessen.
Gemeinsam hatten wir uns auf den Weg gemacht, um zu Mittag zu essen. Heute war es nun so weit, die Hochzeit stand an.
Ich war schon früh auf den Beinen um hier und da ein wenig zu helfen. Doch keiner brauchte meine Hilfe, so stand ich nun in meinen Gemächern und veränderte schon zum siebten Mal das Kleid, welches sie später zur Feier tragen wollte.
Nach dem ich hier und da noch einige Kleinigkeiten verändert hatte, war ich mit meinem Werk zufrieden. Ich legte das Kleid auf mein Bett und griff stattdessen nach einem Kamm.
Vorsichtig begann ich ihn durch mein Haar zu ziehen, bis es mir schließlich in sanften Wellen den Rücken bis zu meiner Taille hinab floss.
Als ich einen schmalen Streifen abgetrennt hatte und ihn nach hinten zu flechten begann klopfte es an der Tür. „Ja", rief ich und hielt in der Bewegung inne.
„Ich bin es Aragorn, kann ich rein kommen?", höret ich Aragorns Stimme.
„Ja, sie Tür ist offen", erwiderte ich. Aragorn schloss die Tür hinter sich und trat dann an mich heran. „Oh, störe ich?", fragte er. „Nein, du störst nicht. Du kommst sogar wie gerufen, du kannst mir helfen", meinte ich.
„Wie denn?", wollte er wissen und trat an mich heran. „Wenn du mir die Strähne mal eben halten könntest", sagte ich und er nahm mir die nach hinten geflochtene Strähne aus der Hand.
Auf der anderen Seite teilte ich auch eine Strähne ab und flocht sie nach hinten.
„So, du kannst sie mir wieder geben." Er reichte mir die Strähne zurück und ich band sie mit der anderen zusammen.
Dann trat ich an meinen Spiegel heran, flocht noch einige Strähnen und begann meine ebenholzfarbenen Haare mit kleinen silbernen Spängchen hochzustecken.
Ich erkannte wie Aragorn hinter mir stand und mein Tun gespannt beobachtete.
„So wie du dich zurecht machst könnte man meinen es wäre deine Vermählung, zumindest wenn es die Vermählung zweier Menschen wäre. Bei den Elben ist es ja Sitte, dass die geladenen Frauen beziehungsweise Elbinen ihre Haare schick zurecht machen und nur die, die heiratet ihre Haare offen trägt", meinte er und bestaunte meine Frisur.
„Warte ab bis du mich in meinem Kleid siehst", erwiderte ich und deute auf mein Bett. Aragorn trat an das auf dem Bett liegende Kleid heran und bestaunte es.
„Darf ich?", wollte er wissen und ich nickte lächelnd. Vorsichtig strich er über das Kleid. „Wo hast du das nur her", hauchte er, „das muss ja ein Vermögen wert sein."
Ich lachte kurz auf und betrachtete dann auch das Kleid. Und ja, er hatte Recht, es war wunderschön. Es war ozeanblau, die Ärmel waren halbdurchsichtig, unter der Brust verlief eine silberne Verzierung und der Stoffe reichte bis auf den Boden, war sogar so lange, dass das Kleid eine kurze Schleppe hatte.
„Hat es einen bestimmten Grund, warum du bei mir vorbei schaust?", wand ich mich schließlich an Aragorn.
„Ja, ich wollte dir Bescheid geben, dass Legolas, Gimli, Merry, Pippin und ich gemeinsam mit dir erscheinen sollen. Wir sollen zu den letzten gehören, die die Kapelle betreten", meinte er, „wir holen dich dann hier ab und gehen zusammen mit dir zu Kapelle. Nicht, dass wir uns verpassen."
„Gut, ich werde auf euch warten, aber ich wie ich sehe dauert es nicht mehr lange", erwiderte ich und trat auf den Balkon. Eine große Schar an Elben und auch einige wenige Menschen, ausnahmslos alle festlich gekleidet waren schon auf dem Weg zur Kapelle.
„Dann sollte ich mich beeilen, ich muss mich noch umkleiden", sagte Aragorn. Ich nickte und er verschwand. Eine Weile beobachtete ich noch die Schar an Gästen und die wunderschönen Kleider, die die Elbinen trugen.
Die meisten in den Farben des Waldes, doch einige rote, blaue und gelbe Kleider vielen mir auch auf. Einige der Gäste schienen eine hohe Position inne zu haben, denn ihr Haupt wurde von einer Tiara geziert. Schließlich wand ich mich ab, zog mir mein Kleid aus und stieg in das andere. Ich drehte mich so, dass ich meinen Rücken sehen konnte und zog die Schnüre fest, mit denen es auf dem Rücken verschlossen und zusammengehalten wurde.

Fertig, ich lächelte mein Spiegelbild zu und bewunderte mich. Ja, so konnte ich mich unter die Gäste trauen und würde selbst noch neben den Elben eine gute Figur machen.
Nachdem ich noch einmal meine Frisur überprüft hatte, klopfte es an der Tür. Ich eilte zur Tür herüber und bei jedem meiner Schritte raschelte mein Kleid leise. Noch nie war ich bei einem solch großen Erlebnis dabei, noch nie in den zwanzig Jahre, in denen ich nun in dieser Gestalt durch Mittelerde wandelte.
Meine Hand zitterte leicht als ich dir Tür öffnete. Wie erwartet standen davor Merry, Pippin, Gimli, Aragorn und Legolas. Merry und Pippin hatten mehr schlecht als recht versucht ihre Locken ein wenig zu bändigen. Beide trugen sie zwar sehr schlichte, jedoch für den Anlass angemessene Kleidung. Gimli hatte seinen Bart ordentlich geflochten und trug ausnahmsweise nicht die schwere Rüstung die er sonst trug.
Aragorn hatte die Kleidung die er noch vor kurzem getragen hatte gegen eine schwarze Tunika auf der das Zeichen Gondors abgebildet war, der weiße Baum umgeben von sieben Sternen und über der Baumkrone eine Krone, dazu eine ebenfalls schwarze Hose und Stiefel auch in schwarz. Auf seinem Kopf die Krone, die ihn als König des wiedervereinten Königreichs auswies. Legolas trug eine silberne Tunika, die ihn bis zur Hälfte seines Oberschenkels reichte, dazu eine schwarze Hose und dunkelbraune Stiefel. Sein Haupt wurde von einem silbernen Stirnreif geziert.

Das Bild was die fünf vor meiner Tür abgaben war unglaublich, sie sahen für mich so fremd aus in der Kleidung für die Feier und dennoch hatte ich mir das Bild genauso vorgestellt. Genauso wie ich die fünf gerade einer genauen Betrachtung unterzogen hatten, unterzogen sie mich einer. Merry und Pippin starrten mich unverhohlen an.
Gimli musterte mich von oben bis unten. Aragorn, der meine Frisur ja schon gesehen hatte und das Kleid auch, lächelte mir leicht zu.
Und Legolas, nun ja, aus Legolas Gesichtsausdruck wurde ich nicht so richtig schlau. Aber ich beschloss einfach mal, dass er sprachlos war.
„Nun dann los, nicht das wir noch zu spät kommen", meinte Aragorn schließlich. Ich schloss die Tür zu meinen Gemächern hinter mir und gemeinsam mit den anderen machte ich mich, wie viele schon vor uns, auf den Weg zu der Kapelle in der die Vermählung stattfinden würde.
In einiger Entfernung konnte ich die Kapelle schon erkennen und die meisten Gäste waren schon darin verschwunden.
Als wir kurz darauf das Eingangsprotal erreichten war keiner der Gäste mehr davor, alle hatten schon in der Kapelle Platz genommen. Ein Elb in einem schlichten, jedoch festlichen Gewand trat an uns heran.
„Herrin und Herren, sie sind als Ehrengäste geladen die Gäste werden sich bei ihrem Eintreten erheben, ich darf sie bitte bis nach ganz vorne zu laufen, dann wenden sie sich bitte an die Gemeinde und diese wird sich dann vor ihnen verneigen. Sie werden in der ersten Reihe Platz nehmen", erklärte er uns. Dann verschwand er im Innern der Kapelle und auf ein Handzeichen veränderte sich die Musik.
Die Gemeinde erhob sich, den Blick auf den Altar, wohler das Wasserbecken gerichtet und wir liefen den Mittelgang herunter. Dann drehten wir uns um.
Wie der Elb gesagt hatte verneigte sich die Gemeinde. Anschließend gingen wir zu der Freien Bank in der ersten Reihe und nahmen Platz, ebenso die Gemeinde.
Kurz darauf veränderte sich die Musik wieder, die Gemeinde erhob sich und wand sich zum Portal um. Dort erschien der Bräutigam, gefolgt von seinem Bruder. Beide schritten bis vorne zum Wasserbecken und verneigten sich kurz.
Elladan blieb mit dem Rück zum Portal stehen, Elrohir drehte sich herum und blickte gebannt auf das Portal. Die anwesenden Gäste taten es ihm gleich.
Ich konnte es kaum erwarten, das wäre die erste elbische Trauung der ich beiwohnen würde. Der Elb, der uns vor der Kapelle erwartet hatte erschien erneut in der Kapelle und reihte sich in eine der Bänke ein. Die Melodie änderte sich erneut und die Gäste begannen zu meinem Verwundern zu singen, auf elbsich natürlich.
Aufgeregt strich ich mein Kleid glatt und dann erschien die Braut im Eingangsportal.