Teil 11

Cameron hatte offensichtlich inzwischen geduscht und sich umgezogen. Aber ihre Augen waren immer noch gerötet und sie hatte erfolglos versucht sich neue Tränen aus dem Gesicht zu wischen. Cameron sagte nichts, sondern sah House nur erwartungsvoll an.

"Lassen sie mich rein, oder wollen sie lieber auf dem Flur reden?" fragte House sarkastisch. Seine Zettel-Botschaften waren ihm peinlich und er würde lieber ein Jahr lang klaglos alle seine Klinikstunden absolvieren als Cameron von Angesicht zu Angesicht sein Herz aus zuschütten. Aber er musste widerwillig zugeben, dass Wilson Recht hatte. Alles oder nichts, sagte er sich. Entweder du springst über deinen Schatten oder du verlierst sie für immer.

Cameron trat beiseite, damit House eintreten konnte. House setzte sich unaufgefordert auf den bequemen Sessel und wartete, bis Cameron ihm gegenüber auf der Couch Platz genommen hatte.

Nach einem Moment des Schweigens gab House sich einen Ruck und sah Cameron direkt ins Gesicht.

"Cameron ... Allison, das was ich zu ihnen gesagt habe, habe ich gesagt, weil ich sie wütend machen wollte."

Cameron sah ihn überrascht und verärgert an. "Nun, das ist ihnen gelungen," antwortete sie bitter.

"Lassen sie mich ausreden, bitte." Zum zweiten Mal "bitte" innerhalb von 5 Minuten, dachte House. Cameron hat einen verheerenden Einfluss auf mich. "Ich wollte sie verärgern, damit sie sich den Gedanken aus dem Kopf schlagen, dass es zwischen uns beiden jemals eine Beziehung geben könnte. Aber ich wollte sie nicht so sehr verletzen, wie ich es offensichtlich getan habe. Ich habe ihre Gefühle für mich falsch eingeschätzt. Allison, sie sind jung, intelligent und sehr schön und sie könnten jeden Mann haben, den sie wollen. Ich dachte ich wäre für sie einfach ein Jugendschwarm. Der kaputte, alte Mann, der nur deswegen interessant für sie ist weil er kaputt ist. Eine Herausforderung. Aber ich habe mich geirrt, nicht wahr? Sie meinen es wirklich ernst, oder?"

Cameron blinzelte ein paar Mal. Sie wollte nicht vor House in Tränen ausbrechen. Sie wollte wenigstens das letzte bisschen Stolz bewahren, das sie noch besaß.

"Es war mir ernst. Sie waren nie einfach ein Schwarm für mich. Ich bin erwachsen, House. Ich kann Schwärmerei von Liebe unterscheiden. Aber das spielt jetzt keine Rolle mehr. Sie haben gewonnen. Ich habe akzeptiert, dass sie mich nicht wollen."
House seufzte. Jetzt oder nie, sagte er sich. "Sie irren sich."

Cameron sah ihn verständnislos an.

"Sie irren sich, damit, dass ich sie nicht will. Ich habe sie von mir weg gestoßen weil ich sie viel zu sehr will. Mehr als für einen von uns beiden gut ist. Nach ihrem Gespräch mit Angela bin ich in Panik geraten, weil ich befürchtet habe, dass sie das erkannt haben. Ich hatte nur zwei Möglichkeiten: Ihnen ins Gesicht zu sagen, was ich nicht mal mir selbst gegenüber eingestehen wollte, oder sie so sehr zu verärgern, dass sie sich mich endgültig aus dem Kopf schlagen."

Cameron war einen Moment sprachlos. Was auch immer sie erwartet hatte zu hören, das war es nicht.

"Sie sind hergekommen, um mir zu sagen, dass sie mich wollen?" brachte sie schließlich heraus.

"Ja." antwortete House schlicht.

"Was wollen sie, House? Wollen sie, dass ich weiter für sie arbeite? Wollen sie Sex mit mir? Oder etwa eine Beziehung?"

"Alles drei," antwortete er, bevor er es sich anders überlegen konnte.

Cameron starrte House mit offenem Mund an, unfähig auf diese plötzliche Offenheit zu reagieren.

"Ich will sie nicht verlieren. Kündigen sie nicht. Ich weiß, dass ich es verbockt habe. Geben sie mir eine Chance es wieder gut zu machen."

"Wie?" fragte Cameron.

"Wie wär's wenn wir klein anfangen? Ein Date, Freitagabend. Ich werde alles daran setzen, dass es nicht so läuft wie beim letzten Mal."

Cameron starrte auf den Boden. Es verging über eine Minute, bis sie antwortete.

"Okay."

House atmete erleichtert aus, dann grinste er, um seine Nervosität zu überspielen.

"Gut, ich hole sie um 6 ab," verkündete er und stand auf.

"Warten sie!" hielt Cameron ihn auf, als er sich zum gehen wandte.

House drehte sich um und sah sie an. "Wo gehen wir hin?"

House grinste wieder, diesmal verschwörerisch. "Lassen sie sich überraschen."

"Aber ich weiß doch gar nicht, was ich anziehen soll, wenn sie mir nicht sagen, wohin wir gehen," protestierte sie.

House überlegte einen Moment. "Ziehen sie sich hübsch an, aber nicht wie für einen Staatsempfang. Suchen sie etwas aus worin sie sich wohl fühlen. Also keine Schuhe, in denen ihnen nach 10 Minuten die Füße qualmen oder was Frauen sonst noch so an Folterinstrumenten kennen."

Cameron nickte und begleitete ihn zur Tür. Als sie dicht nebeneinander vor der Tür standen fühlte House sich plötzlich wieder unsicher. Er fühlte den starken Impuls sie an sich zu ziehen und zu küssen. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass sie ihm vor wenigen Stunden noch mit der Polizei gedroht hatte schien das keine so gute Idee zu sein. Also wünschte er ihr nur eine gute Nacht und entschloss sich ihre Wohnung zu verlassen, bevor er noch irgendetwas tat, dass sie dazu veranlasste ihre Zustimmung zu dem Date zurück zu nehmen.