Sorry das es so lang gedauert hat mit nem Update, ich habe es total verschwitzt muss ich gestehen. Zum Trost ist das Kapitel hier dann besonders lang. Reviews wären klasse und helfen mich auch eher dran zu erinnern, das da ja noch was zu updaten ist. :)

Kapitel 11 – Wahrheit oder Lüge?

Remus apparierte in die kleine Seitenstraße neben seiner Wohnung. Es war zwar hier weitaus ungefährlicher auch mitten unter den Muggeln, die hier lebten, aufzutauchen, immerhin war das hier eine der etwas heruntergekommenen Gegenden von London, aber Remus hatte nun wirklich kein Interesse daran, einem Muggel, der wie ein wandelnder Kleiderschrank aussah, zeigen zu müssen, dass er, obwohl er kleiner und schmächtiger war, mehr Kraft hatte. Das würde nur unnötiges Aufsehen erregen und das könnte wiederum die Todesser auf ihn aufmerksam machen und dazu verleiten hinter sein Geheimnis zu kommen, was niemand aber auch wirklich niemand wusste. Nicht mal seinen Freunden hatte er das anvertraut. Für alle galt die Geschichte, dass er im Alter von sechs Jahren von einem Werwolf angefallen worden war.

In Gedanken an Celine und dem, worum er Sirius gebeten hatte, versunken stieg er die schmutzigen Treppen hoch, in den vierten Stock, wo seine Wohnung lag. Er wollte grade die Tür aufschließen, als er es sah. Das schwache Leuchten der Tür. Beinahe wäre es ihm und seinen müden Augen gar nicht aufgefallen. Shit! Das war der Alarmzauber. Irgendwer war in seine Wohnung eingebrochen. Die Frage war nur, war das irgendein Dieb, der vermutet hatte, hier etwas zu finden? Moony, spinn nicht rum. Hier hat keiner mehr als ein paar Pfund. Damit rief er sich selbst zur Raison, aber gleichzeitig hieß das auch nur eines. Es war ein Zauberer gewesen oder war vielleicht sogar noch, vorausgesetzt er befand sich noch in der Wohnung. Vom Orden konnte es eigentlich keiner sein, es sei denn, es war irgendein Anfänger gewesen.

Remus atmete einmal tief durch und legte seine nassen Sachen auf den Boden. Die würden ihn in einem Duell nur behindern. Ganz vorsichtig, all seine Sinne geschärft, drückte er die Tür auf, bereit alles zu tun, um sich zu schützen. Doch der erste Raum war leer. Weit und breit war niemand zu sehen.

Mit einem schnellen Blick in die Runde hatte er die Lage sondiert. Ein paar Bücher waren von dem Regal neben dem Schrank gefallen, lagen verstreut auf dem Boden und auch ein Foto der Rumtreiber auf dem Schrank daneben war herunter gefallen. Dann fiel sein Blick auf die Badezimmertür. Sie war geschlossen. Dabei war er sich sicher, dass er sie nur angelehnt hatte. Er hatte heute Morgen heiß geduscht und so den Dampf abziehen lassen wollen, ließ sich das Fenster im Bad doch nicht mehr öffnen.

Und dann nahm er auch noch etwas anderes war. Ein süßlicher Geruch stieg ihm in die Nase und erregte ihn auf eine seltsame Art und Weise. Es weckte ein Verlangen in ihm. Einen Durst. Scheiße. Blut. Das ist Blut!, schoss es ihm durch den Kopf. Der Wolf in ihm reagierte darauf. Remus konnte praktisch spüren, wie sich seine Instinkte bei diesem Geruch, der eindeutig aus dem Badezimmer kam, noch weiter verstärkten.

Langsam näherte Remus sich der Tür. Ganz vorsichtig. Man konnte ja nie wissen, wer sich dahinter verbarg und welche Zauber dieser über die Tür gelegt hatte. Sein eigenes Herz schlug ihm bis zum Hals. Er war zwar stärker als Muggel, und auch etwas schneller als Muggel und Zauberer, aber das hatte keinen Einfluss auf seine magische Begabung. Jeder seiner Flüche war so stark wie die von James oder Sirius. Da änderte auch sein Werwolf nichts daran.

Doch je näher er der Tür kam, umso deutlicher wurden die Geräusche daraus. Atemzüge. Unregelmäßig. Stoßweise. Für einen Angreifer untypisch. Die waren immer beherrscht und ruhig. Selbst wenn er es hier mit einem Anfänger zu tun hatte, der nervös war, das passte nicht zusammen. Es klang eher danach, als sei jemand verletzt. Dazu passte auch der immer stärker werdende Geruch von Blut. Frischem Blut, das sich mit bereits geronnenem vermischte und seine Sinne so sehr reizte, dass der Werwolf sich fast wünschte, diese nicht zu besitzen oder sie zumindest ausschalten zu können.

Remus stand nun genau neben der Tür und schloss die Augen, um sich zu konzentrieren und zumindest für einen Moment den Blutgeruch aus der Nase zu bekommen. Aber sonst war da nichts. Nichts Ungewöhnliches. Seine Hand ruhte auf der Tür und so hätte er die Schwingungen von Zaubern, die einen Gegner durch die Tür hätten sehen lassen können, wahrnehmen müssen. Verdammt. Warum hab ich diese Fähigkeit nicht etwas ausgeprägter? Wäre sicher besser, als dieser verdammte Geruchssinn, fluchte er stumm über sich selbst und Dinge, die er ja doch nicht beeinflussen konnte.

Hinter der Tür stehen konnte auch keiner, denn Schweiß und andere Körpergerüche hätte er bemerkt. Doch die waren nicht da, nur ein Hauch war davon zu riechen, aber viel zu schwach, als dass eine Person direkt hinter der Tür stehen konnte. Also Augen zu und durch. Mit einem heftigen Schwung riss er die Tür auf und dreht sich so, dass er die rechte Seite im Blick hatte. Links konnte er alles getrost außer acht lassen. Dort war nur das Waschbecken und wenn er es nicht grade mit einem Zwerg zu tun hatte, konnte sich dort niemand verstecken.

Das erste, was er sah, war Blut. Unmengen von Blut. Er brauchte nicht hinzusehen, um zu wissen, dass eine Menge davon im Waschbecken war. Er roch es. Auch die Wände waren damit beschmiert und in der Ecke, neben der Duschwanne direkt unter dem defekten Fenster lag jemand oder etwas. Von seiner Position aus sah es nach einem Haufen zusammengeknüllter Kleider aus. Was wohl in erster Line daran lag, dass es dunkel war. Wenn der Mond doch nur zwei Tage näher wäre, schimpfte er lautlos vor sich hin. Das hätte ihm dann einiges erleichtert. Das Licht war nämlich ebenfalls defekt, und seine Augen noch nicht scharf genug, um auch in völliger Dunkelheit sehen zu können. Das einzige, was für ihn ersichtlich machte, dass dort ein Lebewesen, ein Mensch lag, waren die unregelmäßigen Atemzüge und der Herzschlag, den er jetzt wahrnahm. Schwach aber regelmäßig.

Die gegen die Wand knallende Türe weckte sie aus der Benommenheit, die sie eingefangen hatte, der in ihren Gliedern ruhenden Schwäche und zwang sie dazu, ihre Aufmerksamkeit von dem aus ihr heraus rinnenden Leben auf etwas zu lenken, das sie so nicht erwartet hatte. Noch nicht zumindest. Sie war zu langsam gewesen – oder er zu schnell. Sie war zu schwach geworden, den einfachen Alarmzauber zu überwinden, oder ‚etwas' in ihr, in ihrem Unterbewussten, hatte ihn nicht wirklich überlisten wollen.

Sei es wie es sei – Er war hier. Sie war hier – noch zumindest.
Das war Inakzeptabel.
So war das nicht vorgesehen – nicht geplant gewesen. Doch wann in den letzten Monaten hatten ihre Pläne schon funktioniert? Schon lange nicht mehr, musste sie sich eingestehen.

Schwach schlossen sich ihre Finger um das glatte Holz ihres zwischen den Falten des zerrissenen Kleides verborgenen Zauberstabs.

Sie musste es tun – ehe er begriff.
Sie musste ihn zum handeln zwingen – ehe er verstand.

Konzentriere dich!, schalt sie sich selbst, du hast es auch schon früher getan…, versuchte sie sich klar zu machen,‚doch nicht an ihm – niemals an ihm!, wisperte eine kleine, hämische Stimme im hintersten Winkel ihres noch vorhandenen Denkens.

Sie war so müde – so unendlich müde. Warum konnte er nicht einfach später gekommen sein? Nur eine halbe Stunde, vielleicht nur Minuten … dann wäre es vorbei. Hätte sie es überstanden und wäre in dem Wissen gegangen, von einem Freund – oder dem was er dann noch gewesen wäre – gefunden geworden zu sein.

Doch so blieb ihr keine andere Wahl. Er war früher als erwartet gekommen und zwang sie nun dazu, zu handeln. Ihn zu zwingen, was sie nicht geschafft hatte.

Ihre tauben Finger schlossen sich krampfartig um den Zauberstab, hoben ihn hoch, seltsamerweise mit ruhiger Hand, hielten ihn auf den in der Tür stehenden Mann gerichtet.

Ihre zersprungenen, zerbissenen Lippen teilten sich und sie sprach den Fluch aus, der ihn zum handeln zwingen würde, der ihn dazu veranlassen würde, sich zu verteidigen, wollte er überleben und sich nicht vor Schmerzen in den Wahnsinn winden: "Cru.."

Remus erahnte die Bewegungen des Körpers dieses Fremden. Spürte förmlich, das auf ihn ein Zauberstab gerichtet wurde und schon bei der ersten Silbe des Fluchs, der gegen ihn gerichtet werden sollte, der ihn zu einer noch größeren Hölle verdammt hätte, als es der Vollmond in einigen Tagen tun würde, hatte er sich entschieden. "Expelliarmus!", donnerte er, seinen Zauberstab auf die Person gerichtet in der Hoffnung, dass diese nicht in der Lage sein würde, zu schwach sein würde ihren Stab festzuhalten. Denn dass all das Blut hier von ihr stammte, daran bestand keinen Zweifel.

Sie war zu langsam – wieder einmal.
Mit sich leicht weitenden Augen sah sie, kaum dass sie den zweiten der Unverzeihlichen fertig ausgesprochen hatte, wie er reagierte.
Ein kleiner Teil in ihr war zufrieden – mit ihm – mit seiner schnellen und korrekten Handlungsweise.
Der andere Teil, der weitaus größere, verfluchte ihn dafür.

Sie versuchte in festzuhalten – versuchte es wirklich. Doch war sie zu schwach – zu schwach, um es zu beenden und noch zu lebendig, wissend, dass es für sie zu spät war.

Er würde sie sehen – er würde erkennen – er würde begreifen – und hassen.

So wie auch sie gesehen, erkannt, begriffen und gehasst hatte – ja es immer noch tat.

Das konnte, das durfte sie nicht zulassen.

Eine letzte Möglichkeit, eine die alles in ihr das noch zu freundschaftlichen Empfindungen fähig war, laut aufschreien ließ.

Dennoch – es musste getan werden. Er musste gezwungen werden, es für sie zu beenden. Denn sie selbst war dazu nicht mehr in der Lage.

Die Hand, die den nun aus ihren Fingern gerissenen Zauberstab gehalten hatte, senkte sich erneut in die Falten ihres Kleides, oder dessen, was noch davon übrig war, suchte kurz, fand schließlich und schloss sich um den fein gearbeiteten Griff.

Schnell zog sie das kleine Messer hervor, nicht wirklich als Waffe geeignet, viel mehr um bestimmte Kräuter zu schneiden und Wurzeln zu ernten – dennoch, es war nicht die Größe der Klinge, die von Bedeutung war, sondern das Material, aus welcher sie bestand.

Ein leichtes silbernes Schimmern, ein letzter Rest von dem, was sie einst verbunden hatte, ließ ihre Hand zögern, dann warf sie das silberne Messer auf den Werwolf, der bereits ihren Zauberstab erobert hatte.

Remus spürte es, bevor er es gesehen hatte. Silber. Wer auch immer diese Gestalt war, wusste genau, mit wem sie es zu tun hatte. Verdammt genau. Silber. Auf lange Sicht ganz sicher tödlich sollte er auch nur einen Kratzer durch diese Waffe davon tragen. Und jetzt überließ er es seinem Instinkt zu handeln. Ein Zauber war gegen ein Wurfgeschoss wertlos und er nicht schnell und gut genug in Beschwörungen, um irgendetwas aus dem Nichts erscheinen zu lassen, das es hätte aufhalten können. Und er reagierte tatsächlich.

In einer fließenden Bewegung drehte er sich einmal um sich selbst aus der Wurfbahn hinaus weiter ins Bad rein, entging damit knapp dem kleinen Messer, das nach ihm geworfen worden war. Und weiter zögerte er nicht. Er hätte es eigentlich gleich tun sollen. Kaum dass er seinen Gegner wieder im Blickfeld hatte rief er: "Impedimenta!" Immerhin wollte er wissen, wer ihn da versuchte umzubringen. Und ein Schocker in dem Zustand, in dem sich der Gegner befand, könnte tödlich enden. Ein Lähmfluch dagegen war unbedenklich. Und Remus drängte sich die Frage auf, warum ausgerechnet jemand, der so schwer verletzt war, sich hier mit ihm anlegte. Das Ministerium war nicht so bescheuert. Vor allem nicht, wenn sie ihn für gefährlich hielten und Voldemort wusste auch genau, dass man ihn nicht mit einem einzelnen Todesser fangen konnte. Schon gar nicht mit einem verletzten.

Sie sah es – sah, dass sie versagt hatte, als er sich zur Seite und herum drehte und noch aus der Bewegung heraus, einen Fluch auf sie warf.

Einen Fluch, den sie, wäre sie bei Kräften, leicht hätte abblocken können – doch so wie sie jetzt war, in dem Zustand, in dem sie sich nun befand, war selbst ein einfacher Lähmzauber zu viel für sie und sie hatte dem nichts, überhaupt nichts, entgegenzusetzen.

Zur Bewegungsunfähigkeit erstarrt lag sie da – nur noch hoffend, dass sie genügend Zeit gewonnen hatte, um eine Heilung auf Muggelbasis zu verhindern. Denn da sie auf magischem Wege zumindest die nächsten sechs Stunden nicht geheilt werden konnte, dafür hatte sie mit einem kleinen Trank bereits zuvor gesorgt.

Hätte sie an eine höhere Macht geglaubt, dann hätte sie nun gewiss gebetet. So blieb ihr nur die Hoffnung, dass es bereits zu spät war – dass sie bereits gegangen war, ehe er ‚Es' entdeckte.

Der Fluch hatte getroffen und gewirkt. Für ihn bestand nun vorerst keine Gefahr mehr. Zumindest augenscheinlich. Doch war Remus Lupin ein viel zu vorsichtiger Mensch, um jetzt den Zauberstab wegzustecken. Deshalb behielt er ihn auch fest in der Hand, als er nun zu seinem Angreifer ging, instinktiv nach weiteren Waffen suchte, jedoch keine fand. Dann kniete er sich zu der Gestalt und murmelte "Lumos", um endlich zu erkennen, wer dort lag. Und als er es erkannte, hatte er das Gefühl sein Herz würde aussetzen. Vor ihm lag in einem zerschlissenen Kleid… Celine. Ihre sonst so schönen Haare waren verfilzt, das schöne Gesicht blass wie das einer Leiche.

Sie wollte ihre Augen schließen – wollte sein Gesicht nicht sehen, wenn er erkennen würde, wer da in seinem Badezimmer lag. Blutend und wund und ihm nach dem Leben trachtend.

Doch sie konnte es nicht – war der auf sie geworfene Fluch doch so lange aktiv, bis er sich dazu entschloss, ihn von ihr zu nehmen.

Weiter spürte sie ihr Blut fließen – aus sich heraus – in pulsartigen Intervallen. Abermals griff tiefe Müdigkeit, die immer vorhanden, nur von dem kurzfristig durch ihre Adern laufendem Adrenalin ersetzt worden war.

So war es nur ihr Blick, der langsam glasiger, entrückter wurde und ihren Zustand weiter verrieten. Nicht einmal die Augen konnte sie schließen, um nicht mehr sehen zu müssen. Nichts und Niemanden mehr – doch schien ihr diese letzte Gnade nicht vergönnt zu sein.

"Celine", flüsterte Remus heiser und entsetzt von dem, was er sah. Sein Blick wanderte über die schmutzigen Kleider und blieb auf ihrem linken Arm liegen. Das, was er dort sah, ließ ihn Würgen. Blut. Blut das langsam aus einem Riss quoll, der sich über den ganzen Unterarm zog, teilweise wohl bis auf die Knochen ging. Für einen Moment sah er noch mal in das Gesicht der Frau, die ihm eine gute Freundin geworden war, ehe er aufsprang und alles, was er an Verbandszeug finden konnte, aus dem Schrank über dem Waschbecken riss. Die Panik um Celine, die Angst, dass sie wegen dem hohen Blutverlust sterben würde, ließ ihn nicht los. Er wollte sie nicht verlieren. Er konnte sie nicht verlieren. Das wäre noch unerträglicher, als mit dem Wissen leben zu müssen, dass sie einfach nur vermisst war. Straff, aber nicht zu fest, legte er ihr einen Druckverband an. Es war schon gut, wenn man Lily hier und da mal genauer auf die Finger sah und auch zuhörte, wenn sie einem erklärte, warum sie etwas tat.

Sicher hatte sie ihm auch die Heilzauber erklärt, mit denen sie seine Wunden immer versorgte. Doch zu denen fühlte er sich nicht im Stande. Dazu brauchte man Konzentration. Konzentration, die er jetzt nicht aufbringen konnte. Aber Celine brauchte Hilfe. Professionelle Hilfe.

Nur… einen Heiler rufen konnte er nicht. Ihm würde keiner glauben, dass er das hier nicht getan hatte und wenn er einen Krankenwagen rief, ganz zu schweigen davon, dass der ewig brauchen würde, bis er hier war, hatte er damit die Muggelpolizei am Hals.

Mit einem Blick, der immer leerer wurde, war sie dazu gezwungen zu beobachten. Zu beobachten, wie er sich sorgte, wie er nach etwas suchte, es wohl auch fand und wohl die richtigen Schlüsse ziehend, statt mit Magie, oder einem Heiltrank, einen einfachen, aber zu ihrem Leidwesen die Blutung zwar nicht stoppenden, aber zumindest verlangsamenden Verband anlegte.

Wieso quälst du mich so?, schrie sie ihn in Gedanken an.

Legte all ihren schwindenden Willen in ihren Blick, in das Bitten, sie doch einfach nur gehen zu lassen. Sie ihrem selbst gewählten Schicksal zu überlassen und sich nicht weiter einzumischen.

Remus' Herz hämmerte heftig gegen seine Brust. Er sah sehr wohl den Blick, den die Frau ihm zuwarf. Diese Verzweifelung, das Flehen in ihren Augen, sie gehen zu lassen. Und der Schatten, der allgegenwärtig war und den sie vor Fremden so gut verbarg, war größer geworden. Größer und dunkler. Celine musste einiges durchgemacht haben in den letzten drei Monaten. Und das hier schien so was wie ein Schlussstrich gewesen zu sein. Doch er würde nicht aufgeben. Er würde kämpfen. Er kämpfte schon sein Leben lang um seine eigene Existenz und er war auch bereit, für die seiner Freunde zu kämpfen.

"Ich werde dich ganz sicher nicht sterben lassen, Celine. Niemals. Und du hast verdammt noch mal auch nicht aufzugeben. Hörst du? Egal, was passiert ist, du wirst damit fertig werden. Wir werden damit fertig werden. Ich werde dir helfen. Wir sind doch Freunde.", sagte er fest, aber dennoch unfähig seine eigene Verzweiflung zu unterdrücken, während er noch eine zweite Schicht der Verbände um ihren Arm wickelte, der nun die Blutung eindämmen sollte.

Dann hob er vorsichtig ihren Körper hoch und schloss die Augen, um sich zu konzentrieren. Er hatte nur eine Wahl. Es gab nur eine einzige Person, an die er sich jetzt wenden konnte. Lily. Sie war die einzige, die wusste, dass er harmlos war, dass er nie einen Menschen mutwillig verletzen würde. Und er vertraute ihr. Er würde ihr sein Leben in die Hände legen.

Er hörte sie nicht. Er wollte sie nicht hören – auch wenn sie wusste, dass die Bitte, die Verzweiflung, die sie in ihren Blick gelegt hatte, ihn erreicht hatte.

Er würde sie nicht gehen lassen. Nicht so – nicht, wo er noch nicht ‚davon' wusste. Davon, was sie getan hatte. Was sie hatte tun müssen.

So blieb ihr nichts – nichts außer weiter zu hoffen, dass die Hilfe, welche er offenbar suchte, nicht anzutreffen war, oder noch besser, nicht zu helfen wusste.

Ohne zu zögern, betrat Remus das etwas abgelegene Grundstück nahe Goderic's Hollow. James hatte das alte verkommene Landhäuschen im vergangenen Jahr gekauft und sie alle hatten es gemeinsam renoviert. Mit ein wenig Magie selbstverständlich. Lily hatte zwar erst resolut darauf bestanden, es ohne zu machen, aber nachdem sie sich dann eine Woche lang mit angesehen hatte, wie ungeschickt James und Sirius darin waren, auch nur eine Tapete an die Wand zu bringen oder streichen ohne selbst dabei mehr Farbe abzubekommen als die Zimmerdecke, hatte sie aufgegeben und aus reiner Verzweiflung selbst den Zauberstab gezogen.

Und jetzt stand er hier. In nahezu völliger Dunkelheit. Er sah das im Wohnzimmer noch Licht brannte. Muggellampen. Das Haus hatte sowohl Strom als auch Gasanschluss und James hatte Lily zu Liebe auf die für ihn eigentlich bekanntere und normalere Beleuchtung durch Öllampen verzichtet. Dafür hatte er sich im Keller einen Fluchtrainingsraum einrichten dürfen.

Remus verlor keine Zeit in der Betrachtung des aus roten Ziegelsteinen bestehenden Hauses, obwohl es unter dem Licht des fast vollen Mondes ein sehr idyllischer Anblick war. Die Nachbarn waren alle weit entfernt, vor dem Haus befand sich ein, von Lily in Handarbeit liebevoll gepflegter Garten mit Blumen und Sträuchern. Der Mond tauchte grade hinter dem, in schwarz eingedecktem Dach auf.

In Ermangelung freier Hände stieß er heftig mit dem Fuß gegen die Tür, um auf sich aufmerksam zu machen und es dauerte keine Minute, bis die Stimme einer Frau frage: "Wer ist da?" In solchen Momenten hasste Remus diesen dämlichen Code, den Lily sich hatte einfallen lassen. "Der Böse Wolf braucht Hilfe. Der Jäger will ihn töten", knurrte er, da ihm grade nichts besseren einfiel. Sofort wurde die Tür aufgemacht und Lily sah ihn besorgt an, ebenso James der mit gezogenem Stab hinter ihr stand.

Sie hatte nicht gewusst, wo er Hilfe suchen würde, auch wenn sie es sich eigentlich hätte denken können sollen. Doch waren ihre Gedanken schon lange nicht mehr so klar und zielgerichtet, wie zu einer anderen Zeit, einem anderen Leben, das sie gehabt hatte. So erkannte sie erst, bei wem sie sich befand, als es schon längst zu spät war.

Sie hatte geglaubt, es könnte nicht noch schlimmer werden.
Sie hatte sich getäuscht.

Hätte sie schreien können, so hätte sie es jetzt getan. So blieb ihr nur der Ausdruck absoluten Entsetzens, der in ihrem immer noch geöffneten Augen lag.

"Großer Gott", flüsterte Lily Evans, ehe sie den besten Freund ihres zukünftigen Mannes ins Haus zog, als sie sah, was oder besser wen er dort auf dem Arm trug. Celine Dumont. Und sie sah furchtbar aus. Lily kannte die junge Frau zwar nur vom Sehen Mungos her und wusste auch, dass sie im Orden war, aber viel miteinander gesprochen hatten sie noch nicht, da sie auf verschiedenen Stationen arbeiteten und sich meist nur in der Pause sahen. Ohne zu zögern, schob Lily den Mann ins Wohnzimmer und bedeutete ihm, seine Last auf das Sofa zu legen.

"Verdammte Scheiße, Moony. Was ist passiert?", fragte James Potter entsetzt bei dem Anblick, der sich ihm bot. Zuerst hatte er noch gedacht, Remus' Code sei gleichzeitig die Warnung, dass er in Schwierigkeiten war und ihm ein Werwolfsjäger auf den Fersen war. Doch mit Celine hatte er nicht gerechnet. Niemals. Immerhin galt sie als vermisst und sie hatten doch grade heute erst beschlossen, die direkte Suche einzustellen. Und nun war sie hier. Schwer verletzt wie man durch all das Blut auch nur mit der beschränkten Heilerausbildung eines Auroren feststellen konnte. Und eben dieses ganze Blut machte James ernsthaft Sorgen.

Sicher wusste er, dass sein Freund keiner Fliege was zu leide tat, solang er die Kontrolle über sein Handeln hatte und für das, was außerhalb dieser Kontrolle lag, machte er sich trotzdem verantwortlich. Egal, ob es nun ein Biss war oder nur ein paar Kratzer, die er seinen Freunden bei ihren nächtlichen Vollmondausflügen im Verbotenen Wald zugefügt hatte. James kümmerten die feinen Narben nicht. Es war ihm egal. Er war sich schon immer bewusst gewesen, was es hieß, mit einem Werwolf zu spielen. Aber dass auch Remus voller Blut war, irritierte ihn.

Remus legte Celine behutsam auf dem Sofa im Wohnzimmer ab, zu dem Lily ihn gezogen hatte, und sah dann seine Freunde an. "Ich hab sie so in meiner Wohnung im Bad gefunden. Überall war Blut… jemand war eingebrochen… ihr Arm… ein langer Riss. Ich konnte nichts anderes tun, als es zu verbinden.", flüsterte Remus leise und völlig fertig mit der Welt. Hier, im Kreise seiner Freunde und mit der Gewissheit, Hilfe zu haben, fiel seine gesamte Anspannung von ihm ab. Es war, als hätte irgendwer mit einem mal das gesamte Adrenalin, das bis vor zwei Minuten noch durch seinen Körper gepumpt wurde, neutralisiert.

"Warum hast du sie mit dem Lähmfluch belegt?", fragte Lily besorgt, die die junge Frau jetzt genauestens untersuchte. Sie hatte etliche gebrochene Rippen, Blutergüsse am ganzen Körper und Narben verschiedenster Schwarzer Flüche und auch dem Cruciatus war sie einige Male unterworfen worden. Ganz zu schweigen von dem lebensbedrohlich hohen Blutverlust.

Remus sah Lily verstört an und sagte dann tonlos. "Sie wollte mich umbringen." Sein Kopf fühlte sich, während er dies sagte an, als versank alles um ihn im Nebel. Nur eines blieb. Das Bild von Celine wie sie das Silbermesser nach ihm warf. Das war eindeutig ein Mordversuch gewesen. Den Cruciatus hätte man als Notwehr abgetan. Aber kein Auror warf mit Messern aus Silber um sich, wenn er nicht genau wusste, was er damit anrichten konnte.

James spürte, dass sein Freund am Ende seiner Kräfte war. Er wusste, dass Celine und er sich mochten. Er selbst hatte dafür gesorgt, dass es Celine war, die Remus in den Orden einführte, weil er gespürt hatte, dass die junge Frau Remus nicht ablehnen würde für das, was er war. Sie würde es akzeptieren. Und vielleicht auch weil er gehofft hatte, dass aus ihnen beiden etwas wurde, denn James wusste, dass Remus sich durch sein kleines pelziges Problem nur selten traute Frauen anzusprechen oder gar eine Beziehung einzugehen. Selbstschutz.
"Komm, Moony. Ich mach uns einen Tee.", sagte er und zog seinen Freund mit in die Küche, weg von seiner Geliebten, von der er wusste, sie würde allein mit Celine fertig werden.

Lily sah den beiden noch kurz nach. Auch sie hatte erkannt, dass Remus kurz vor einem totalen Zusammenbruch stand. Remus und Celine mussten sich sehr nahe stehen, wenn er sich so um sie sorgte. Sie erinnerte sich nur gut daran, wie besorgt Remus um James gewesen waren, als dieser in einem Kampf schwer verletzt worden war. Aber nicht nur Remus. Auch Sirius. Alle vier Rumtreiber waren wie Brüder füreinander. Und sie wusste auch, wenn sie einen heiratete, sie würde im Grunde alle vier heiraten. Einen allein gab es nicht und wenn sie ehrlich war, wollte sie es auch nicht. James seine Freundschaft zu verbieten war, als wenn man einem Vampir ein Glas Blut vor die Nase setzte, ihn aber nicht nah genug ran ließ, um zu trinken. Es wäre Mord. Seelischer Mord. "So, meine Liebe. Ich werde jetzt diesen Fluch aufheben.", sagte sie dann, sich wieder auf Celine und die Aufgabe konzentrierend, Remus davor zu bewahren, eine gute Freundin zu verlieren. "Aber wenn du auch nur versuchst, dich zu wehren, belege ich dich selbst damit. Mir wäre es aber lieber, wenn wir zusammenarbeiten würden."

Celine schwieg – konnte nichts antworten – nicht einmal blinzeln.

Sollte sie die Chance, die sich ihr bot, nutzen und es erneut versuchen? Hatte sie denn überhaupt noch eine Wahlmöglichkeit?

Nein – in dem Zustand, in dem sie sich befand, wohl kaum.

Remus war aus ihrem Blickfeld verschwunden. Sie hoffte, dass es dabei blieb, denn so war die Chance, dass ‚es' nicht entdeckt wurde, mehr als gut. Denn sie zweifelte daran, zu Recht wie sie sich absolut sicher war, dass Lily oder James es erkennen würden. Selbst wenn der Arm nicht so gründlich verletzt worden wäre, würde es diesen Beiden gewiss nicht auffallen.

Der Einzige, der dies innerhalb des Ordens möglicherweise könnte, wäre Remus Lupin. Der Mann, auf den sie ihre Hoffnungen gesetzt hatte – dass er sie von der Last, die sie trug, dem Schwur, den sie geleistet hatte, befreien konnte. Doch hatte er es nicht getan – hatte ihre Hoffnung zerstört und sie am Leben gelassen.

Teilnahmslos beobachtete sie Lily. Wie diese ihren Zauberstab zog und auf sie richtete. Nein – sie würde sich nicht widersetzten. Nicht jetzt, wo sie eh keine Chance auf Erfolg hatte.

Doch vielleicht würde das, was ihr angetan wurde und was sie sich selbst noch zusätzlich angetan hatte, ja dennoch genügen.

Lily verschwand schnell in den Keller des Hauses, wo sie einige Heiltränke gelagert hatte. Für den Orden und auch für Remus, damit sie ihm nach einer Vollmondnacht helfen konnte. Ja. Sie wusste, was der Freund ihres Mannes war und war schockiert darüber, dass sie das nie bemerkt hatte. Immerhin hatte sie sieben Jahre lang mit ihm zusammengelebt, irgendwie zumindest. Nie war ihr aufgefallen, dass er immer an Vollmond verschwand, oder dass seine Ausreden Lügen waren. Erst als James sie in dieses kleine Geheimnis eingeweiht hatte und auch in das Geheimnis was ihr Mann, Sirius Black und Peter Pettigrew für Remus getan hatten.

Remus hatte sich danach eine ganze Zeit von ihr fern gehalten und kaum mit ihr gesprochen, bis ihr der Kragen geplatzt war und sie ihm die Meinung gesagt hatte. Aber nicht im negativen Sinn. Sie hatte ihm unmissverständlich klar gemacht, dass sie ihn nicht verabscheute, fürchtete oder sonst irgendwie abstoßend fand. Er war ein hilfsbereiter, zuvorkommender und liebenswerter Mann auf den Verlass war. Und sie würde eher den Teufel heiraten, als ihn zu verabscheuen. Remus hatte zwar noch etwas gebraucht, sich daran zu gewöhnen, aber mittlerweile waren sie genau so gute Freunde, wie ihr Mann und der Werwolf auch.

Zurück zu Celine mit einem Arm voller Tränke, Pasten und Verbänden hob sie den Fluch auf und machte sich daran, die junge Frau aus den Kleidern zu schälen. Ihr war bei der Untersuchung nicht entgangen, dass sich die Todesser auch an ihr vergriffen haben mussten. Ein Punkt mehr, warum sie erleichtert war, dass Remus und James den Raum verlassen hatten. So war das für Celine weitaus angenehmer. Vorsichtig entfernte Lily dann den Verband, den Remus ihr sorgfältig angelegt hatte. Wenn er etwas macht dann richtig., schmunzelte sie leicht. "Es würde helfen, wenn du mir sagst, was passiert ist, Celine.", bat Lily leise, noch nicht das wahre Ausmaß der Verletzung entdeckend.

Sie schwieg.

Presste fest ihre Lippen zusammen, um auch wirklich nichts zu sagen, was sie hinterher vielleicht, oder nein, wohl eher ganz sicher, bedauert hätte. In mehrfacher Weise. Da war sie sich sicher.

Mit starr geradeaus gerichtetem Blick ließ sie zu, was Lily Evans auch immer machte. Eine Frau, die sie schon lange ob ihrer Fähigkeiten zu schätzen gelernt hatte und die der Orden, so war sie früher davon überzeugt, viel zu wenig beachtete. Fähigkeiten, die sie ihr nun am liebsten wieder abgesprochen hätte.

Teilnahmslos ließ sie die Blicke der anderen Frau über sich ergehen. Sie würde sich nicht wehren, nicht mehr. Nicht jetzt zumindest. Doch helfen würde sie ihr gewiss auch nicht.

Lily seufzte lautlos. Sie kannte diesen Blick. Einen Blick, der deutlich zeigte, dass kein Wort aus Celine herauszubekommen sein würde. Sie würde nicht helfen, nicht sagen, was die Todesser, oder wer auch immer sonst, mit ihr gemacht hatten. Oft hatte sie diesen Blick schon bei Patienten gesehen, die sichtlich gefoltert worden waren, sich aber viel zu sehr fürchteten, ihre Peiniger anzuzeigen, aus Angst noch mehr Probleme zu bekommen, noch mehr Ärger. Und… wahrscheinlich waren die Hälfte dieser Patienten auch selbst Todesser, die ihre Aufgabe nicht erfüllt hatten. Und auch wenn Lily diese Bastarde hasste, gegen die ihr Verlobter als Auror und auch im Orden kämpfte, im Krankenhaus zählte das nicht. Sie hatte einen Eid geleistet. Sie würde jedem helfen, der dort zu ihr kam und darum bat. Ohne an Gesinnung oder Rasse zu denken. Man konnte es mit dem Eid der Muggelmediziner vergleichen, wenn auch hier in der magischen Welt eine Missachtung dieses Eides garantiert nicht unentdeckt bleiben würde, war ihr Eid doch mit Magie untermauert.

Lily stockte der Atem, als sie nun das Ausmaß der Wunde erkannte von der Remus gesprochen hatte. Sie war tief. Sehr tief. Sehnen waren mit Sicherheit verletzt, doch die größten Blutgefäße waren knapp verfehlt worden. Sonst wäre sie wohl auch schon tot gewesen. Aber auch so war diese Verletzung schwer genug und Lily nicht im Stande zu sagen, ob Celine das überleben würde und wenn ja, wie weit es ihr Leben beeinträchtigen würde. Schnell griff sie nach ihrem Zauberstab und murmelte: "Mederi." Doch nichts tat sich. "Seltsam", meinte Lily und runzelte kurz die Stirn.

Ein kleines Lächeln, nur kurz, aber zufrieden, huschte über Celines Gesicht, ehe sie sich beherrschen konnte und ihren Blick wieder ins Leere gleiten ließ. Es hatte also funktioniert. Der Trank wirkte tatsächlich. Er hatte es ihr gesagt. Doch hatte sie es nicht geglaubt. Nicht wirklich zumindest – bis jetzt.

Lily war in diesem Moment wirklich ratlos. Hier stimmte etwas nicht. Ganz und gar stimmte hier etwas nicht. So was war unmöglich. Doch als auch nach dem zweiten mal der Zauber absolut keine Wirkung zeigte, war sie sich zumindest sicher, dass es nicht an ihr lag. Irgendwas anderes verhinderte, dass die Wunde sich schloss. Doch der Bannzauber- Aufspürzauber brachte keine Ergebnisse. Celine stand also unter keinem Zauber. Nichts zu finden. Rein gar nichts.

Die einzige andere Möglichkeit, die blieb, war ein Trank. Aber keiner der Tränke, der ihr bekannt war, hatte so eine Wirkung. Lily sah Celine einen Moment lang nachdenklich an. "Sagst du mir, was du genommen hast? Sonst wird es schwer, dir zu helfen. Oder zumindest wie lang es noch wirkt?"

Zuerst überlegte Celine ihren Kopf zu schütteln, entschied sich dann jedoch dafür, der Medi Hexe nicht einmal soweit entgegen zu kommen. Nein. Sie würde ihr gewiss nicht auch noch helfen, ihr Leben zu retten. Mit ausdruckslosem Gesicht, es nur hie und da leicht unter den Schmerzen verziehend, blickte sie starr weiter geradeaus.

Wie hätte es auch anders sein sollen?, schoss es Lily durch den Kopf, den Blick, den Celine ins Nirwana gerichtet hatte, bemerkend.

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Remus folgte seinem Freund, ohne wirklich zu wissen wohin. Warum wollte Celine mich umbringen? Ich hab ihr doch nie etwas getan und sie weiß doch, dass ich ihr nie etwas antun würde. Ich würde eher sterben als ihr, als einem meiner Freunde etwas anzutun. Remus verstand einfach nicht, was in der jungen Frau vor sich ging. Was das zu bedeuten hatte.

James schob den anderen zum Tisch in der Küche und drückte ihn auf einen Stuhl. Er wusste, dass Remus Lupin eine sehr sensible Seele war, kein Wunder wenn man bedachte, was er war und wie Seinesgleichen und auch er von der Welt behandelt wurde. Sicher, viele Werwölfe trieb es in Voldemorts Arme, aber für Remus würde er seine Hand ins Feuer legen. Niemals würde der überlaufen, zu einem Feind werden.

Ohne den Mann aus den Augen zu lassen, zauberte James etwas Tee herbei. Zwar schmeckte der nicht ganz so gut, wie frisch zubereiteter, aber er würde im Moment seinen Zweck, Remus Nerven etwas zu beruhigen, erfüllen. "Erzähl mir bitte, was passiert ist. Vielleicht kommen wir so dahinter, was los ist.", bat der älteste der Rumtreiber und drückte Remus einen Becher in die Hand.

Dieser sah kurz zu seinem Freund auf, ohne dass sein Blick sich wirklich fokussierte und richtete ihn dann wieder auf den goldgelben Inhalt in dem Becher, den er in den Händen hielt. Sicher hatte er James verstanden. Jedes Wort hatte er gehört und die dazu passenden Bilder tauchten aus seinem Geist auf, als würde es gerade wieder, in diesem Moment, geschehen. Aber er war nicht im Stande, es in Worte zu fassen. Sein Mund wollte ihm nicht gehorchen, wollte kein Wort hinaus lassen.

James beobachtete seinen Freund. Der sichtlich unter Schock stand. Was auch kein Wunder war. Ein Mordversuch in den eigenen vier Wänden von einem Menschen, dem man vertraute, war ein ziemlicher Hammer. Remus schlief besser ein paar Stunden. "Warte hier, Moony. Ich bin gleich zurück", sagte er zu seinem Freund und eilte ins Wohnzimmer zu seiner Verlobten, um sie um einen Trank für Remus zu bitten, damit der auch wirklich zur Ruhe kam. Und dann würde er Albus bescheid geben.

"Das sieht aber böse aus", stellte er fest, als er leise ins Wohnzimmer getreten war und nun die Wunde auf dem Arm von Celine sah. Wie sieht wohl Remus' Wohnung aus? Am besten ich treffe mich mit Albus gleich dort. Dann kann ich da aufräumen, ehe es jemand mitbekommt., beschloss der Auror, wandte sich aber zunächst an seine Frau.

Lily hatte nicht die Zeit, sich nach James umzusehen. Sie zauberte Celine eine Decke über und probierte dann eine Reihe anderer Zauber aus, um die Blutung zu lindern. Einige davon wirkten zu ihrer Erleichterung, wenn auch nur minimal.

"Hast du hier irgendwo einen Beruhigungstrank? Moony ist vollkommen fertig. Schock. Ich würde ihn gern ins Bett packen, ehe er uns hier noch ganz zusammenklappt. Das dürfte ihm vor dem Vollmond ganz und gar nicht bekommen.", bat er leise.

Lily nickte nur. Sie hatte so was schon vermutet. "Das Blaue auf dem Tisch. Aber nur einen Löffel voll. Und bring ihn danach gleich ins Gästezimmer, das wird ihn nämlich bis Morgen umhauen.", erklärte sie.

James nahm den Trank, den die Heilerin gemeint hatte, und ging damit zurück in die Küche. Remus hatte sich tatsächlich kein Stück bewegt, nicht mal etwas getrunken. Deutliche Anzeichen für einen Schock. "Komm mit, Moony. Wir gehen mal nach oben.", sagte James leise und führte den anderen nach oben ins Gästezimmer.

Remus hörte zwar, wie James etwas zu ihm sagte, verstand es aber nicht. Die Worte hatten für ihn einfach keine Bedeutung mehr. In seinem Kopf existierte nur noch eine Frage. Wieso will Celine mich umbringen? Er bemerkte auch nicht, wie er auf die Beine gezogen wurde, oder wohin man ihn führte. Erst als ihm etwas bitter schmeckendes in den Mund geschoben wurde und er reflexartig schluckte, kam er wieder etwas zu sich. Aber nur kurz. Es dauerte nur Sekunden, bis er erneut in einem Nebel gefangen wurde. Einem Nebel, der diesmal alles verdeckte. Nur am Rande bekam er noch mit, was James sagte.

Es erschreckte den Auroren ein wenig, dass sein Freund sich so willenlos führen ließ. Es machte ihm Sorgen. Ernsthaft Sorgen. Aber er hoffte, dass es nach einer Nacht Schlaf besser sein würde. Also schob er Remus aufs Bett, erst jetzt wirklich realisierend, dass es Sachen von Sirius waren, die sein Freund trug, und flößte ihm etwas von dem Trank ein.
"Schlaf eine Weile. Der Trank wird dir dabei helfen. Und Morgen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus.", sagte James und beobachtete, wie sich Remus' Blick für einige Sekunden klärte, ehe ihm die Augen zufielen.

Der Rumtreiber wartete noch einen Moment, ehe er wieder nach unten und in sein Büro ging.

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Als James gegangen war, wandte Lily sich dann an Celine. "Bist du nun zufrieden? Remus ist am Boden wegen dir und dem, was du gemacht hast. Hast du denn wirklich keine Ahnung, was du ihm bedeutest?", fragte Lily.

Den ersten Instinkt, als Celine die Stimme von James Potter hörte, war ‚Flucht' , doch gelang es ihr erfolgreich, ihn zu bekämpfen und wieder in die Ecke zurückzudrängen, aus der er gekommen war. Sie konnte jedoch nicht verhindern, dass sie sich tiefer in die Couch, auf welcher sie lag, hinein sinken ließ.

So bekam Celine von dem Gespräch zwischen den Beiden kaum etwas mit, erst als Lily sie anfuhr, änderte sich das. Kurz zuckte sie zusammen, als sie daran dachte, dass sie ihn auch wirklich hätte töten können. Doch hatte er ihr keine andere Wahl gelassen. Sah er das denn nicht?

Wieder stieg Verzweiflung in ihr auf und war auch in ihren stark geweiteten Augen zu sehen.

Lily entging die Reaktion keinesfalls. Celine hatte sie deutlich verstanden nur dieser Ausdruck. Verzweiflung? Hatte sie etwa Angst, dass Remus ihr nicht verzeihen würde, was sie getan hatte? "Also wenn ich eines über Remus weiß, dann dass er ein großes Herz hat. Und ich bin mir sicher, wenn du es ihm erklärst, wird er dich verstehen. Er ist sehr viel toleranter als so manch anderer." Es war ein Versuch. Ein Versuch, Celine aus der Reserve zu locken. Vielleicht würde sie ja doch noch sagen, was für einen Trank sie genommen hatte, oder zumindest etwas, das Lily einen Hinweis darauf geben konnte, welchen Trank man ihr eingeflösst hatte. Denn es bestand ja auch noch die Möglichkeit, dass sie gezwungen worden war, ihn zu nehmen.

Im Hintergrund hörte sie, wie James Remus nach oben brachte, und während sie Celine erst mal wieder einen neuen Verband anlegte, der die Blutung noch weiter abdämpfen sollte, registrierte sie auch, dass er anschließend in sein Büro ging. Er würde wahrscheinlich dem Ordensleiter Bescheid sagen.

Dann nahm Lily einige Tränke vom Tisch. Hauptsächlich einen Bluterneuerungstrank. Sie musste irgendwas gegen den Blutverlust tun. Unbedingt. Sie konnte nur hoffen, dass dieser Trank half. Gefährlich konnte er nicht werden. Er regte lediglich die Bildung neuer roter Blutköperchen an und unterstütze den Körper dabei. Einen Schlaf- oder Beruhigungstrank, würde Celine aber nicht bekommen. Ihr Körper war zu schwach, um damit fertig zu werden.
"Hier. Trink das. Ein Bluterneuerungstrank. Warum, muss ich dir ja sicher nicht erklären, oder?"

Ihren Blick wieder ins Nichts richtend, versuchte sie nicht zuzuhören. Sie wollte nicht – wollte nicht diese Sorge in der Stimme der anderen Frau hören. Wollte einfach nur in Ruhe gelassen werden, auf dass man sie das beenden ließ, was sie bis jetzt immer noch nicht erreicht hatte.

Ihre Gedanken wanderten jedoch immer wieder zurück zu Remus. Über das was James und auch Lily über ihn gesagt hatten. Das es ihm nicht gut ging. Das er kurz vorm Zusammenbruch stünde.

Was wenn es ihm tatsächlich so schlecht ging, wie die Beiden meinten?

Was – wenn es ihm sogar noch schlechter ging? Was wenn sie ihn doch getroffen hatte? Sie war sich zwar sicher gewesen, dass er ausweichen würde, aber so langsam begann sie an dem zu zweifeln, was sie gesehen zu haben glaubte.

Was wenn sie ihn verletzt hatte?

Sie spürte, wie ihr alle noch verbliebene Farbe auf einen Schlag entwich. Wie sich ihre Augen unnatürlich weiteten und sie die, mit einer Phiole vor ihr stehende Medi Hexe verständnislos anstarrte. Was hatte diese eben gesagt?, fragte sie sich. Doch spielte es nicht wirklich eine Rolle.

Sie musste es wissen. Musste wissen, ob Remus unverletzt war. Der Teil ihres Verstandes, der ihr sagte, dass sie kaum selbst laufen konnte und dem Tod näher war, als dem Leben, hatte sich in den letzten Momenten einfach verabschiedet.

Mit einer Bewegung, die jeden anderen vor Schmerz laut hätte aufschreien lassen, ihr jedoch dank ihres Aurorentrainings und der Erfahrungen der letzten Monate nicht mehr als ein etwas zu laut geratenes Stöhnen, gepaart mit einem hastigen, zischenden Einatmen entlockte, kämpfte die junge Frau gegen den Schmerz, gegen die Übelkeit und den sie ergreifen wollenden Schwindel an.

Hoch jetzt!, trieb sie sich selbst an, im nächsten Moment das Training und die schiere Automatisierung preisend, welche sie in den drei Jahren härtester Ausbildung genossen hatte, als sie spürte, wie ihr Körper sich verselbstständigte, nach vorne und leicht zur Seite kippte, aber am Ende dennoch stand. Irgendwie – aber sie stand.

Doch würde sie nicht lange stehen bleiben – sie würde fallen – und wenn sie schon fiel, konnte sie dies auch gleich in einen ihr eher nützlichen Bewegungsablauf umwandeln, als es ein bloßes Zusammenklappen gewesen wäre.

So tat sie den ersten Schritt.

Lily beobachtete mit Staunen, aber auch größer werdendem Entsetzen wie Celine aufstand. Sie erhob sich tatsächlich. Sichtlich unter Schmerzen, aber sie stand auf. Nicht das Lily Evans nicht wusste, was ein Auror, der Celine nun mal von der Ausbildung her gewesen war, alles ertragen musste. Hatte ihr James das doch auch durchmachen müssen und auch ihn hatte sie schon ans Bett fesseln müssen, damit er nicht, obwohl schwer verletzt, in den Kampf zog.

Celine aber schien sich doch selbst überschätzt zu haben, denn ihre Knie gaben schon bei dem ersten Schritt nach und Lily konnte gerade noch rechtzeitig zupacken, um ein zu Boden gehen der jungen Frau zu verhindern. "Was auch immer du vorhast, es kann warten.", wies sie die Frau an, drückte sie ins Sofa, und ehe Celine widersprach, flößte Lily ihr auch den Trank ein. Das war so die beste Gelegenheit, um nicht gemein werden zu müssen. Die junge Frau, die so viel erlebt hatte, mit einem Zauber dazu zwingen zu müssen.

Sich gegen das wieder zurück gedrückt werden wehrend, versuchte sie erneut aufzustehen, doch ehe sie auch nur mehr als ihren Oberkörper wieder aufgerichtet hatte und sie ihr Schweigen das erste Mal brechen wollte, wurde ihr – kaum dass sie den Mund geöffnet hatte – auch schon ein Trank eingeflößt.

Ein ihr Tränen in die Augen treibendes Husten nur mühsam unterdrückend, schluckte sie die Flüssigkeit herunter, wohl wissend, dass Lily Evans sie sonst niemals in Ruhe lassen würde und startete anschließend einen weiteren Versuch.

Sie musste zu Remus – musste sichergehen! Verzweifelt gegen die Schmerzen anatmend, kämpfte sie sich erneut hoch. Diesmal würde sie sich nicht erneut zurückdrängen lassen. Nicht ehe sie wusste, ob sie den Werwolf nicht doch getroffen und damit zum Tode verdammt hatte.

Lily baute sich vor die wieder aufstehende Celine auf. "Sag mir zumindest, was du vorhast. Vielleicht lass ich dich dann ja, wenn auch wieder besseren Wissens gehen." Absichtlich hatte sie ihrer Stimme einen strengen Ton verliehen. Widerspenstige Patienten bedurften nun mal harter Maßnahmen. Aber Lily war auch nicht dumm. Celine schien irgendetwas für wichtiger zu befinden als ihre Genesung und vielleicht half das ja auch zu verstehen, was los war und wie sie der Frau helfen konnte Denn eine Blutanalyse würde Stunden dauern.

Sie wollte ihren Kopf schütteln, hielt dann jedoch sofort in der Bewegung inne und zwang sich dazu, wenigstens einigermaßen ruhig zu atmen. Auch wenn es ihr nicht wirklich gelingen wollte.

Was sollte sie, was konnte sie überhaupt tun? Sie wusste ja nicht einmal genau, wo im Haus sich Remus befand. Und wenn sie ihn verletzt hatte, dann konnte Lily ihm so oder so besser helfen, als sie selbst es jemals könnte.

So stieß sie zwischen fest zusammengepressten Zähnen und gegen die Schmerzen ankämpfend schließlich hervor: "Remus… Silber… verletzt…"

Als hätten ihr diese Worte alle Kraft geraubt, spürte sie nicht einmal mehr, wie sie anschließend einfach in sich zusammenfiel.

Lily reagierte sofort und überprüfte Celines Vitalfunktionen. Aber alles war normal. Ihr Herz schlug langsam aber stetig und auch kräftig, ihre Atmung war zwar flach aber ruhig. Mit zwei gekonnten Zaubersprüchen lag die Frau wieder auf dem Sofa unter der Decke und war mit einem Überwachungszauber versehen, der es Lily erlaubte, die Patientin aus den Augen zu lassen. Denn das musste sie jetzt tun. Wenn Celine Remus wirklich verletzt hatte, noch dazu mit Silber, war er in Lebensgefahr.

Deswegen eilte sie auch erst in den Keller und schnappte sich das Fläschchen mit dem Silber Neutralisierungstrank. Der wirkte zwar nur bei kleineren Wunden und Vergiftungen, aber viel mehr konnte es nicht sein, sonst wäre Remus schon vorher umgekippt, oder hätte es gar nicht mehr bis hier her geschafft.

Leise betrat sie das Zimmer, in dem ihr Mann seinen Freund untergebracht hatte und stellte das Fläschchen auf den Nachttisch. Sie brauchte Remus nur anzusehen, um zu wissen, dass er tatsächlich verletzt war. Er war leichenblass, atmete nur stoßweise und seine Stirn war schweißnass. Er hatte ganz sicher eine Verletzung durch Silber davon getragen.

Die Ursache des Übels war schnell gefunden. Es sah aus wie eine Brandwunde, die aber im Gegensatz zu echten Brandwunden, langsam und stetig größer wurde. Ursprünglich war wohl nur eine kleine Berührung gewesen, mittlerweile war sie aber so groß wie eine Galeone.

"Ach, Moony", seufzte Lily und zog den jungen Mann, der völlig durchgeschwitzt war, ein Stück im Bett hoch, um ihm dann etwas von dem Trank einzuflößen. Zu ihrer Erleichterung reagierte der Schluckreflex noch. Das war ein gutes Zeichen. Gut, dass er schläft. Die Schmerzen würden ihn wohl sonst wahnsinnig machen, dachte sie und tropfte dann etwas von dem Neutralisierungstrank auf ein Tuch, um es auf die Wunde zu drücken. Es würde das Silber heraussaugen und mit ein wenig Glück war er Morgen schon wieder einigermaßen auf den Beinen.

Dann legte sie ihm einen Verband um die verletzte Hand, darunter eine Kompresse, die das Silber in sich aufnehmen würde und verhinderte, dass es zurück in die Wunde floss. Anschließend untersuchte sie ihn noch mal gründlich.

Sie wusste nur zu gut, dass Remus, wenn es irgendwie ging, Heiler mied. Er hasste die Blicke, die sie ihm schenkten. Dieses in seinen Augen gespielte Mitleid und die geheuchelte Fürsorge. Und vor ihr schämte Remus sich einfach. Schämte sich seiner Narben, die er sich selbst beibrachte, wenn man ihn in irgendeine Zelle einsperrte, um Andere zu schützen. Und Lily hatte ehrliches Mitleid mit ihm.

Schon oft hatte sie versucht, James davon zu überzeugen, sich mit Remus und Sirius in die Wälder hinter dem Haus zurück zu ziehen, wusste sie doch, dass Remus sich dann weitaus weniger antat. Aber Remus hatte das bisher immer strickt abgelehnt. Er wusste, dass er in diesen Nächten seine Freunde durchaus verletzte, wenn auch nur leicht im spielerischen Kampf, gehörten doch die beiden und auch Peter längst du Remus' Rudel. Und genau das machte ihm Sorgen. Er hatte zu große Angst davor, einen der drei tödlich zu verwunden, um zu viele Vollmondnächte mit ihnen zu verbringen.

Lily lächelte leicht, als sie die Daten ablas, die nun über ihm in Form der Arithmantik – Zahlen schwebten. Das Fieber, das er hatte, lag bei 39°C und das war bei der Vergiftung nicht verwunderlich. Im Grunde war es sogar noch niedrig. Auch die erhöhte Atem- und Herzfrequenz lag daran und würde sich im Laufe der nächsten Stunden wieder regulieren. Im Grunde war er ansonsten bei bester Gesundheit. Vielleicht etwas unterernährt für seine Größe und er litt an einem leichten Vitaminmangel. Aber sie wusste auch, dass Remus bei nahendem Vollmond unter Appetitlosigkeit litt und dann einfach keinen Bissen runter brachte. Ihm wurde sogar richtig schlecht, aß er trotzdem. Der Vitaminmangel würde sich also nach dem Vollmond von allein wieder regulieren und die Unterernährung..., soweit Lily wusste, warf ihm das sogar Madam Pomfrey seit der ersten Klasse vor.

Nachdenklich warf sie einen letzen Blick auf Remus und zauberte ihm noch ein nasses Tuch auf die Stirn. Dann legte sie auch über ihn einen Überwachungszauber und ging wieder nach unten zu Celine. Sie wollte jetzt auch die anderen Verletzungen der jungen Frau versorgen. Und vielleicht fand sie doch noch heraus, was diese getan hatte, um zu verhindern, dass die Heilzauber wirkten.

Doch egal, was Lily versuchte, nichts wirkte. Weder die Knochenheilzauber noch die Tränke. Einfach nichts wollte helfen. Und so langsam keimte in ihr der Verdacht auf, dass es etwas ziemlich dunkles sein musste, mit dem sie es hier zu tun hatte. Sie hatte mal was gehört. Slughorn hatte irgendwann in der Siebten mal was von einem Trank gesagt der jeden Heilzauber und- trank daran hinderte zu wirken. Das Adversus-Sandare-Elixir. Es war schwarzmagischer Natur und ein Gegenmittel gab es nicht, aber der Trank wirkte dafür nicht dauerhaft sondern nur eine begrenzte Zeit. Acht Stunden um genau zu sein.

Celine wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, als sie wieder zu sich kam. Die Schmerzen hatten sich zwar nicht verflüchtigt, eher im Gegenteil fühlte sie sich noch angegriffener als zuvor, als hätte sie versucht, mit ihrem ohnehin schon zerschundenem Körper einem Duell beizuwohnen, doch war zumindest die zum Schluss hin immer stärker gewordene Müdigkeit, die sie wie etwas Großes und Finsteres aufzusaugen begonnen hatte, einem angenehm warmen Gefühl gewichen.

Langsam öffneten sich ihre Augen.

Lily hatte sich gerade gesetzt, ein schweres Buch auf dem Schoss, um ihren Verdacht zu erhärten und sich noch mal genau darüber kundig zu machen, als sie die Regung seitens Celine wahrnahm. Sofort legte sie das Buch beiseite und gesellte sich zu ihrer Patientin.

Als sich ihre Augen wieder an das Licht gewöhnt hatten und ihr durchs Zimmer irrender Blick niemand anderen Anwesenden als Lily Evans festgestellt hatte, ließ sie ihre bei Tag dunkelblau und bei Nacht, oder wenn sie emotional aufgeregt war, fast schon schwarz wirkenden Augen auf der Medi Hexe zu ruhen kommen: "Remus?", fragte sie leise und mit schwacher Stimme, bereits das schlimmste fürchtend.

Lily musterte die Frau einen Moment und zog dann einen Stuhl zum Sofa ran. "Es geht ihm ganz gut. Er hatte tatsächlich eine Silbervergiftung. Aber die kommt nicht von einer Verletzung, es sei denn du hast ihm etwas aus Silber in die Hand gedrückt. Er wird auf jeden Fall durchkommen, so viel kann ich dir sagen. Aber wenn du es nicht erwähnt hättest... die ganze Nacht hätte er nicht durchgestanden. Nicht so kurz vor Vollmond. Er verdankt dir also sein Leben.", klärte Lily die junge Frau auf.

TBC