10. Wonderwodka
„Boah, das is voll schwer, mit vier Türmen zu spielen." beklagte sich Abraxas etwas benommen. Wir sind zurück auf der Abschlussparty in der siebten Klasse.
„Du hast nur vier? Ich hab sechs." Tom grinste ihn an und machte seinen Zug auf dem Schachbrett. Er musste zweimal zugreifen, das erste Mal fasste er ins Leere.
„Das is voll un-", Abraxas rülpste. „Voll unfair!"
Tom schnappte sich die Tüte mit dem Zaubergras und hielt sie ihm hin. „Dann nimm halt nochn Zug."
„Ja, jenau! DAS mach ich!" rief Abraxas. Er inhalierte tief, hustete, aber meinte mit tränenden Augen triumphierend. „HA! Acht Türme!"
Die Party ging langsam zu Ende. Viele Slytherins hatten sich auf den Sofas oder auf dem Boden zusammengerollt und einige schliefen schon. Irgendwann in den frühen Morgenstunden räumten Abraxas und Tom das Schachbrett beiseite und nickten auch ein.
Am nächsten Morgen um Neun wurde ein paar Mal an der Tür geklopft. Verschreckt fuhren die Slytherins hoch. Einige unternahmen den halbherzigen Versuch, das Zaubergras und die Flaschen unter die Sofas zu schieben.
Es war dann doch nur eine Hauselfe, die aufräumen wollte, allerdings erlaubt die Situation einen Ausblick in die Zukunft, wenn man sie für einen kurzen Moment anhält.
Der verschlafene Junge auf dem Sofa nahe der Tür, der sich mit verquollenen Augen den katrigen, schmerzenden Kopf hält, ist Magnus Lestrange und würde einmal führender Leiter von Gringotts, stolzer Vater zweier Söhne und Mörder in mehr als einem Fall werden.
Der Junge auf dem Boden neben ihn, der immer noch vollkommen zugedröhnt etwas dümmlich zur Tür schaut, ist Zachary Mulciber und er würde es einmal zum stellvertretenden Leiter der Abteilung für Magische Unfälle und Katastrophen im Ministerium bringen. Auch er wird töten.
Foltern wird ihm allerdings besser gefallen.
Aaron Nott, der gerade lange und ausgiebig gähnt und sich den Bauch kratzt, wird sich im Gegensatz zu ihm jedoch nicht mit dem Stellvertreterposten zufrieden geben und nach dem Tod seines Chefs bei einem Drachenunglück zum Leiter der Abteilung für internationale magischer Zusammenarbeit werden. Der schwarze Orden würde dank ihm gute Kontakte zum Ausland haben.
Helena Fawley, die sich mit Emilia, einer zukünftigen Politikergattin, das Sofa teilt, und ein wenig benommen hochschaut, wird einen anderen Weg einschlagen, als von ihr erwartet: Heilerin und die am meisten kontrovers diskutierte Hexe der damaligen Zeit, schon vor ihrem Tod.
Schließlich Abraxas Malfoy, der sich nahe des Kamins zusammengerollt hat und der jetzt mit blonden, unordentlichen Haaren (er trug sie schon damals lang) etwas verwirrt aus seiner Decke hervorguckt. Ein Diplomat im auswärtigen Dienst in Frankreich und ständiger Gast beim Internationalen Zauberergamot. Er würde bei ihren Treffen immer viele Informationen zur aktuellen Politik beisteuern können.
Neben ihm der etwas verschlafene Tom. Zu ihm muss man nichts sagen.
Als die Hauselfe entschuldigt hatte und gegangen war, standen alle gähnend auf, sortierten ihre Klamotten und grinsten sich an. Abraxas wand sich aus seiner Decke, neben ihm hatte Tom nach der Schachdame gegriffen und hielt sie neben sein Ohr. Sie flüsterte ihm alle Spielzüge des letzten Spiels zu.
Tom runzelte die Stirn. „Das war das schlechteste Schachspiel, das ich je gespielt habe.", meinte er. „Du hast gewonnen.", grummelte Abraxas. „Ich weiß." Tom grinste, sprang auf und schaute auf ihn herunter. „Gehen wir frühstücken? Ich hab Hunger."
„Moment." Abraxas hatte sich endlich aus der Decke herausgekämpft und stand verschlafen vor ihm. Er blinzelte und lächelte dann sonderbar.
„Bist du eigentlich gestern aus dem Fenster gefallen?"
„Nein." wehrte Tom ab. „Das musst du geträumt haben."
Er wollte sich gerade umdrehen, als Magnus sich einmischte und neben Abraxas trat. „Ich hab das aber auch geträumt..."
Tom räusperte sich. „Vielleicht hat Abraxas das geträumt, ist aufgewacht, hat`s dir erzählt, ist dann wieder eingeschlafen und ihr beide habt es vergessen?"
Magnus beugte sich zu Abraxas neben ihm. „Glauben wir ihm das?"
„Nee." sagte Abraxas mit einem Grinsen. Beide Jungen schauten Tom schmunzelnd an. Der verzog den Mund und wandte sich zur Tür. „Also ich geh jetzt Frühstücken!"
Tom strich sich gerade Orangenmarmelade auf seinen Toast, als Abraxas sich vor ihm auf die Sitzbank fallen ließ. „Mit wem gehst du eigentlich auf den Abschlussball? Ich meine, Emilia fällt ja weg. Hätte echt nicht gedacht, dass sie dich betrügen würde, aber gut- Alkohol hat eben manchmal blöde Nebenwirkungen" Emilia hatte auf einer Party unter dem Einfluss von jeder Menge Butterbier Tom mit dem Quidditchkapitän der Gryffindors verwechselt. „Rosemarie geht. glaub ich mit Magnus und mein Schatz Xenia geht natürlich mit mir. Du hast nur noch die Wahl zwischen Lucy, Helena und Beth." stellte Abraxas schließlich fest. „Und Beth würde ich nicht nehmen, die ist hässlich."
„Und Lucy kichert zuviel." Tom nahm einen Bissen von seinen Toast. „Ich werde wohl Helena fragen."
„Vergiss nicht, das Geschenk zu besorgen. Ich glaub, ich werde Xenia Ohrringe schenken. " meinte Abraxas nachdenklich und griff dem Kürbissaft. Es war Tradition, dass die Tanzpartner sich beim Abschlussball eine Kleinigkeit schenkten, als Erinnerung an die schöne Zeit in Hogwarts.
Meistens war das Geschenk für die Mädchen ein Schmuckstück und die Jungen bekamen etwas Nützliches.
