Kapitel 10: falsche Hoffnung

Frank hatte mit gemischten Gefühlen das Büro von Jude verlassen. Er war verärgert, allerdings weniger auf sie als auf sich selbst. Er hatte sich etwas anderes erhofft und seine Hoffnung wurde von ihr geradezu zerschmettert. Sie war so kalt, als sie mit ihm sprach und sein Herz zog sich zusammen, als er daran dachte. Doch neben der Kälte in ihrer Stimme, vernahm er noch etwas anderes….Traurigkeit und Furcht. Er würde so gerne hinter die Fassade blicken, wieder das sehen, was er einst in ihr sah. Sie war nicht die harte und unerbittliche Frau, die sie allen hier zeigte. Doch was versuchte sie zu verstecken? Heute wie damals….

Während er sich zu den anderen Angestellten begab, die bereits mit dem neuen Insassen beschäftigt waren, spürte Frank wie Müde er war. Es war nicht weil er bereits seit der letzten Nachschicht hier war, es war weil sein Geist völlig übermüdet war. Das Gespräch mit Jude, hatte an seinen Nerven gezerrt und er überlegte, ob es nicht besser wäre, diesen Ort für heute den Rücken zu kehren.

Doch könnte er jetzt einfach gehen? Einer der gefährlichsten Männer des Landes war nun hier in der Obhut und er wusste, dass Jude ihn heute noch sehen würde. Wie könnte er jetzt nach Hause gehen und schlafen, in dem Wissen, dass sie diesen Monster gegenüber treten würde und das vielleicht allein. Briarcliff war hoffnungslos unterbesetzt und niemand würde freiwillig länger bleiben als nötig…niemand außer er selbst. Nein, er konnte nicht gehen. Er war zwar verletzt aber dennoch würde er sie in solch einer Situation nicht allein lassen. Niemals.

Frank setzte sich für einen Moment in eine stille Ecke und lehnte seinen Kopf an die kühle Wand. Seitdem er hier war, verging keine einzige Nacht in der er nicht einschlief ohne an Jude zu denken. Sie war in seinem Kopf und er hatte sich so oft ausgemalt, wie es sein könnte, wenn sie sich wieder an ihn erinnern würde. Das waren natürlich nur Wunschvorstellungen aber sie gaben ihn Hoffnung. Eine Hoffnung, die es nun nicht mehr gab.

Vielleicht war sie auch einfach nur überfordert mit der Situation. Gib ihr Zeit'

Seine innere Stimme war steht's optimistisch und Frank seufzte. Vielleicht war es ja wirklich so und sie musste alles erst einmal verarbeiten. Aber was wenn nicht? Was wenn er auf etwas hoffte, was es niemals geben würde? Sie war jetzt immerhin eine Nonne. Schwester Jude und nicht mehr Judy Martin.

Judy Martin! Frank sah sie noch genau vor sich. Diese unglaublich schöne Frau mit der er die wundervollste Nacht seines Lebens verbracht hatte. Er konnte sich noch genau an den Duft ihrer Haare erinnern, an den Geschmack auf ihren Lippen und an das Gefühl ihrer weichen Haut unter seinen Fingern. Auch wenn Jude sagte, dass Judy Martin seit mehr als 10 Jahren nicht mehr existierte…..in seinen Gedanken lebte sie weiter und das würde sich nie ändern.

„Frank? Hey, du solltest wirklich nach Hause gehen."

Frank hatte nicht mitbekommen, dass Carl plötzlich neben ihm stand. Frank rieb sich kurz die Augen und stand dann auf.

„Nein ist schon ok, ich brauche nur noch einen Kaffee. Wie weit seit ihr mit Emerson?" fragte Frank und sah den anderen Mann an.

„Du hängst dich ganz schön rein in deine Arbeit hier. Ich kenne keinen, der freiwillig hier Überstunden macht." Carl schüttelte den Kopf „Emerson ist soweit fertig, er wird gerade fixiert. Wenn es nach mir ginge, sollte man ihn auch so lassen. Als hätten wir hier nicht genug mit den normalen Irren zutun, schicken die uns einen Killer im Santa Kostüm hierher, der dazu noch total pervers ist. Ich bin auch kein Goldkind aber was dieses Ekel von sich gibt….widerlich. Dieser kranke Bastard hat die ganze Zeit nur gelacht und gesagt er freut sich hier zu sein um….naja…..ach lassen wir es."

Frank wurde hellhörig und blickte Carl fragend an „Was hat er gesagt? Warum freut er sich hier zu sein?"

Carl blickte sich kurz um und sprach dann leise weiter „Er freut sich auf die ganzen jungfräulichen Nonnen Pussys hier, die er alle nach und nach ficken will."

Mit einem Mal, war Frank wieder hellwach. Warum zur Hölle musste dieser Bastard ausgerechnet hierher verlegt werden? Eines stand für Frank fest, er würde Jude nicht alleine zu Emerson gehen lassen.

„Mir reicht es jedenfalls für heute, ich gehe nach Hause und du solltest das auch tun."

Carl klopfte Frank zweimal auf die Schulter und verließ dann Briarcliff.

Langsam begab sich Frank zu den Raum, in dem Emerson untergebracht war und seufzte laut. Er war sich sicher, der Tag würde noch schlimmer werden, als er es ohnehin schon war.