Kapitel 11 - Hogsmeade Teil 1

Die Tage plätscherten vor sich hin und ehe Lily sich versah, waren die Herbstferien gekommen. Die ersten Schulwochen waren ohne weitere besondere Ereignisse verlaufen. Sie hatte an ihre Schulleistungen vom letzten Jahr angeknüpft und konnte bereits einige gute Noten aufweisen. Petunia hatte sie in die hinterste Ecke ihres Kopfes verbannt. Sie hatte den Entschluss gefasst, dieses Problem dann anzugehen, wenn sie das nächste Mal nach hause gehen würde. Das hatte also Zeit. Das nächste Problem war Severus. Seit ihrem Gespräch in der Nische hatten sie sich nicht mehr unter vier Augen gesprochen. Lily war aufgefallen, dass er sich noch mehr als sonst in sich zurückgezogen hatte. Er saß zwar weiterhin bei seinen 'Freunden', beteiligte sich aber nicht mehr an deren Gesprächen. Lily wusste, dieses Verhalten war ihr zu verdanken. Dass die Rumtreiber ihn immer noch regelmäßig ärgerten und schikanierten machte die Sache nicht besser. Sie wünschte sich, er würde sich vollkommen von der Slytherin-Clique entfernen, aber das war seine Entscheidung, sein Leben. Da er sich aber sichtbar bemühte, beschloss sie, die Tage noch einmal mit ihm zu sprechen. Noch eine weitere Sache bedrückte sie, ließ sie sich aber nicht anmerken und sprach mit keiner Menschenseele darüber.

Was sich dann in den Wochen seit den Sommerferien außerdem komplett verändert hatte, war ihre Einstellung zu den Rumtreibern. Nun, nicht nur ihre Einstellung, auch ihr Verhalten. Mit Remus verstand sie sich ja sowieso, und auch mit Sirius hatte sie sich zunehmend mehr angefreundet. Inzwischen zählte er zu ihren engsten Freunden – trotz seiner anzüglichen und meist echt nervigen Kommentaren. Peter mochte sie einfach nicht, egal wie viel Mühe sie sich gab. Er war ihr einfach unsympathisch. Sie nannte ihn zwar beim Vornamen, hielt aber so gut es ging Abstand.

Und dann war da eben noch James. Jedes Mal wenn sie sich im selben Raum aufhielten, richtete sie ihre Augen beinahe automatisch auf ihn. Sie konnte nichts dagegen machen! Zwischen ihnen war immer eine gewisse Spannung zu spüren. Mit ihm war es ihr auch nicht möglich so herum zu albern, wie sie es mit Sirius tat. Mit James waren die Themen, war der Umgang immer etwas ernster.

Sie hatte es sich endlich komplett eingestanden – sie hatte sich vollkommen ungeplant und ungewollt in James Potter verliebt! Lily wusste nicht wann oder weshalb, aber sie hatte die Tatsache notgedrungen akzeptiert.

Marlene, Molly und Alice hatten ihre veränderte Einstellung erst misstrauisch aufgenommen, inzwischen waren sie nur noch erleichtert, dass die ehemalige Rivalität sich endlich gelegt hatte. Abgesehen davon fühlten sie sich weniger zerrissen, denn Arthur, Edgar und Frank hatten sich schon immer gut mit den Rumtreibern verstanden und die Abneigung der Mädchen nicht verstanden. Jetzt gab es insgesamt weniger Stress.

Den Kopf voller Gedanken ging Lily summend die Treppen hinunter zur großen Halle. Sie hatten Pflege magischer Geschöpfe gehabt und während die anderen direkt zum Abendessen gegangen waren, hatte Lily ihre Schulsachen noch schnell in ihren Schlafsaal gebracht. Es nervte sie immer tierisch, wenn sie ihre Tasche stundenlang durch das Schloss spazieren tragen musste.

Sie erreichte die geöffneten Eingangstüren und steuerte ihren Platz am Gryffindortisch an. Die Anderen hatten bereits mit Essen begonnen. Sie lies sich auf ihren Platz neben Sirius und Marlene fallen, der inzwischen ihr Stammplatz geworden war und griff fast in der selben Sekunde noch nach der Lasagne. Die Hauselfen hatten in diesem Jahr angefangen, neben den altbekannten britischen Gerichten auch ausländische Speisen in ihr Repertoire aufzunehmen. Für Lily, die durch die Muggelwelt vor allem die italienische und asiatische Küche sehr gut kannte, eine Spitzenidee. Lasagne war ihr Lieblingsessen! Sie nahm sich ein Monsterstück und fing an sich Gabel um Gabel hungrig in den Mund zu stopfen. Der Rest um sie herum beobachteten sie lachend. Am Anfang hatten sie sich über ihren Heißhunger auf Lasagne noch lustig gemacht, inzwischen waren sie es gewöhnt.

Molly, Marlene, James und Sirius hatten sich gerade über die vielen Hausaufgaben in Verwandlung aufgeregt, wie Lily deren wieder aufgenommenen Gespräch entnehmen konnte. Remus, Frank und Alice redeten über einen neuen Gesetzesbeschluss und Peter versuchte einfach sich in eines der Gespräche einzuklinken, bevorzugt das von James und Sirius. Die Beiden waren schließlich seine Idole! Lily schüttelte ungläubig den Kopf und dachte daran, wie erbärmlich Peter aussah, wenn er James und Sirius seine übertrieben bewundernde Blicke schenkte. Diese merkten das noch nicht einmal.

Lily schnaubte leise verächtlich auf. James starrte sie darauf hin an und Lily tat als wäre nichts gewesen. Er hob eine Augenbraue und sie bemerkte wie es in ihr bei diesem Blick zu kribbeln begann. Oh Mann, wieso hatte sie sich nochmal in James POTTER verlieben müssen? Sie senkte rasch ihren Blick wieder auf ihre Lasagne. Ihre offenen Haare verbargen den leichten Rotschimmer, der sich auf ihre Backen geschlichen hatte. James zuckte mit den Schultern und drehte sich wieder zu Sirius.

Lily schloss entkräftet die Augen. Seit sie sich ihre Verliebtheit eingestanden hatte, hatte sie jede Sekunde darauf achten müssen was sie sagte. Zumindest wenn sie mit den Anderen zusammen war. Sie hatte es nicht mal Marlene erzählt! Aber sie wollte sich weder mit den Reaktionen von ihren Freundinnen herumschlagen, noch zu irgendetwas gedrängt werden. Molly zum Beispiel würde erst los kreischen und dann alles daran setzen, sie mit James zu verkuppeln. Wenn Lily schon nur daran dachte, wurde sie blass. Grauenhafte Vorstellung! Nein, ihr Entschluss zu Schweigen war der Richtige gewesen.

Langsam schob sie sich eine weitere Gabel Lasagne in den Mund. Sie beendete das Essen, nachdem sie mechanisch ihren Teller leer geschaufelt und ihren Becher ausgetrunken hatte. In Gespräche hatte sie sich auch nicht integriert. Stattdessen war sie zu einer weiteren wichtigen Erkenntnis gekommen: Sie brauchte Ferien! Eine Auszeit! Oder zumindest etwas Abwechslung! Am Samstag würde der erste Hogsmeade-Besuch dieses Jahres stattfinden – den musste sie auf jeden Fall wahrnehmen. Vielleicht würde sich ja auch eine Möglichkeit bieten, mit Severus zu sprechen... sie würde spontan sein müssen!

Am Samstagmorgen erwachte Lily als Erste in ihrem Schlafsaal. Das war auch schon die letzten Nächte so gewesen. Ihr Kopf konnte einfach nicht damit aufhören ihre Probleme hin und her zu wälzen und sie dadurch am Schlafen zu hindern. Ohne ihre Freundinnen zu wecken zog sie sich an und packte eine Tasche für Hogsmeade. Es war ein Geschenk von ihrer Mutter in den Sommerferien gewesen. Die beiden hatten sich in den Geschäften von Muggel-London ausgetobt und unter anderem diese dunkelbraune Handtasche ergattert. Lily schrieb einen Zettel für Marlene auf dem es hieß, dass sie schon losgegangen sei. Zuerst machte sie aber noch einen kurzen Zwischenstopp in der großen Halle zum frühstücken.

Sie griff nach einer Scheibe Toast und bestrich sie mit Erdbeermarmelade. Dann kippte sie ein Glas Orangensaft hinunter und verließ die Halle wieder. Außer ihr waren bereits einige Ravenclaws und vereinzelte Slytherins zu sehen. Der Rest der Schülerschaft lag wohl noch fröhlich schlummernd in ihren Himmelbetten. Sie verließ das Schloss durch das Portal und zeigte einem mürrischen Filch ihre Erlaubnis, nach Hogsmeade gehen zu dürfen.

Argus Filch! Er war seit ihrem zweiten Jahr Hausmeister. Davor war dieser Job von einem freundlichen älteren Herrn erledigt worden. Obwohl Filch noch nicht sonderlich alt für Zaubererverhältnisse aussah, schaute er immer griesgrämig durch die Gegend und liebte es Strafarbeiten zu verteilen. Ein durch und durch unsympathischer Mensch!

Lily entschied sich ausnahmsweise einmal nach Hogsmeade zu laufen, anstatt mit einer der Kutschen zu fahren. Der Weg führte erst am Rand des verbotenen Waldes entlang und dann über mehrere Felder. Dort wurde er zu beiden Seiten von niedrigen Steinmauern gesäumt. Summend spazierte Lily gen Hogsmeade und genoss die warmen Sonnenstrahlen, die ihr ins Gesicht fielen.

Auf einmal bemerkte sie eine Gestalt, komplett in schwarz gehüllt, die etwa hundert Meter vor ihr zügigen Schrittes vor ihr her ging. Sie beschleunigte ihren Gang etwas um zu erkennen um wen es sich handelte und erkannte den leicht schlurfenden Gang sofort. Severus! Sie legte noch einen Zahn zu bis sie fast rannte. Innerhalb kurzer Zeit hatte sie ihn eingeholt. Leicht außer Atem fasste sie ihn an der Schulter und bewirkte so, dass er sich umdrehte. Severus fuhr bei der Berührung sofort mit erhobenem Zauberstab herum und hielt ihn Lily an den Kopf, bis er bemerkte, wen er da vor sich hatte. Überrascht ließ er ihn wieder sinken. „Lily?"


Und mal wieder die obligatorische Frage nach ein wenig feedback :D:D Bittebittebitte? *Bettelblick*

LG EvannaLy