Date: 11. Dezember
Author: Cygna
Category: Short Story
Characters/Pairings: Harry/Draco
Genre: Romance
Rating: PG
Disclaimer: Ihrs! *zur Folterkammer zeig* (hey, sie hats verdient!)
N/A: Von mir [Lügnerin *hust*] *ignorier* mühevoll über 3 Wochen inner Schule geschrieben.
Frohe Weihnachten! *mit Mistelzweig wink* [*rennt vorm Zweig weg*]
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Es war ein doofer Streit gewesen.
Harry stand in der Küche des kleinen Appartements irgendwo in der Mitte Londons und wusch Geschirr, das mindestens genauso schmutzig war wie der Himmel, zu dem Harry durch das Fenster ohne Vorhänge hoch schaute.
Langsam wand er den Blick ab und schaute zur Uhr mit den vier Zeigern, auf denen auf zweien einmal Draco und einmal Harry stand. Sein eigener Zeiger stand auf "Zuhause", während der von Draco mit der Spitze auf "Draußen" stand. Der zusätzliche Minutenzeiger rückte wieder einen Schritt weiter, seinen Erfolg mit einem hohlen "Tick" verkündend. Sein großer Freund verspottete ihn und blieb stur auf der Fünf, sich nicht auch nur um einen Millimeter bewegend. Harry seufzte und schaute wieder raus. Zwei Stunden war Draco jetzt weg, seit ihrem dummen Streit beim Mittagessen. Der Himmel war grau und drohte jedem, der nach oben schaute, mit Regen. Regen zu Weihnachten. Toll. Und Draco war ohne Mantel raus. Nur in seinem dünnen Pullover und der schwarzen Cordhose, die beide nicht wirklich Wärme spendeten, wenn man sich draußen in der Kälte aufhielt. Wieso ausgerechnet Regen an Weihnachten und wieso heute so ein dummer Streit über so eine Kleinigkeit. So eine Lappalie, dass Harry nun lachen musste und der letzte Teller scheppernd in die Spüle fiel und ein Splitter raus sprang.
Harry zuckte die Schultern, ließ den Teller dort liegen wo er war und ging aus der Küche, das leise "Tick" noch vernehmend.
Er schlängelte sich durch die Kartons im Wohnzimmer, stolperte über einen Stapel von Dracos Büchern, der achtlos im Weg stand, und konnte sich erst wieder am Zwei-Mann-Sofa fangen, das auch noch nicht an seinen rechten Platz geschoben worden war. Sie hatten noch keine richtige Zeit gehabt sich richtig auszubreiten in ihrer neuen Wohnung. Hauptsache war, dass sie möglichst schnell zusammen gezogen waren und Weihnachten zusammen feiern konnten. Hätten sie das bloß nicht gemacht, dann hätten sie auch nicht so einen dummen Streit gehabt.
Harrys Blick schweifte über das kleine Chaos, das sich vor ihm ausbreitete, und mit einem bestimmten Nicken nahm er seinen Mantel vom Kleiderdiener.
Er würde Draco jetzt suchen und nachgeben, es konnte ja nicht angehen, dass der Abend so beginnen würde, mit Streit, am Fest der Liebe. Er nahm noch den zweiten Mantel, der an der Garderobe hing, auch noch und hielt ihn in einem Arm fest, als er die Tür aufmachte und sie hinter sich abschloss. Er hastete die Stufen runter, geriet nach dem zweiten Absatz in Versuchung, das Geländer runter zu rutschen, entschied sich jedoch dagegen, da er es in dieser Situation für unangebracht hielt. Stattdessen lief Harry die Treppen runter und gab sich selbst die Schuld, falls Draco sich dort draußen schon den Tod geholt hatte. Ganz allein seine Schuld, weil er ihm etwas aufzwingen wollte, was er nicht wollte.
Er öffnete die Tür des Mehrfamilienhauses in der Treetstreet 5 und trat hinaus in die Kälte. Sogleich pfiff ihm eisiger Wind um die Ohren und färbte sie rot. Harry hoffte, dass Draco nicht schon erfroren war. Der Wind fegte die letzten braunen, zertretenen Blätter über den Gehsteig und ließ die kahlen Bäume traurig hin- und herwippen. Harry zog seinen Mantel enger und versuchte sich auch mit dem Zweiten zu wärmen. Sein Blick glitt über den großen Vorgarten und dem anliegenden Spielplatz. Seine Sicht wurde von einigen Regentropfen getrübt.
Er schaute verwundert nach oben, als der Regen in einem Sturzbach herunterpladderte. Er musste schon ein paar Minuten geregnet haben, denn der Boden war schon ganz aufgeweicht, was hieß, dass er hier die ganze Zeit gestanden hatte ohne sich zu bewegen oder nach Draco zu suchen – zumindest nicht bewusst.
Ein Quietschen von links riss ihn aus seinen Gedanken und Harry sah zum Spielplatz, wo die Schaukel sachte schwang, angetrieben von einer Person, die zusammengekauert auf der angeknacksten Holzplatte saß. Eine Person mit einem eindeutig aus dem Grau des Tages heraus stechenden, platinblonden Schopf, der mittlerweile schon ins Weiße ging. Wie sein Vater, dachte Harry grimmig. Doch zum Glück konnte dieser Mistkerl ihnen nichts mehr anhaben. Harry ging langsam auf die Schaukel zu, und als er angekommen war, legte er sanft den Mantel in seinen Armen um Draco.
"Ich hab mich schon gewundert, wo du bleibst." Die Worte wurden von Zähneklappern und Zittern unterbrochen.
"Tut mir leid." Harry schlang von hinten die Arme um Draco um ihn zu wärmen. "Aber ich kann mindestens genauso stur sein wie du."
Draco lächelte.
"Aber bitte komm jetzt mit rein, ich will nicht, dass du krank wirst." Er ließ ihn los und ging um die Schaukel herum, um ihm aufzuhelfen. Er zog Draco an den Händen hoch und dieser fiel halb in seine Arme, seine Lippen gegen Harrys drückend.
Harry strich mit einer Hand über Dracos Wange. "Deine Lippen sind ganz kalt und blau. Und du bist ganz nass." Er schaute ihn besorgt an.
Draco verdrehte die Augen. "Ja, Mama, ist gut Mama, ich komme doch schon mit." Er wand sich Richtung Eingang und hielt dann doch inne. "Eine Sache noch... unser Streit..."
Harry lächelte und schlang einen Arm um Draco. "Wieso geben wir nicht beide nach? Weder grün…"
"…noch rot. Was dann?"
"Ganz traditionelles Weiß."
"Weiß für die Vorhänge? Einverstanden." Draco küsste Harry kurz und sie gingen zusammen zurück ins Haus. Kaum hatten sie die Tür geschlossen, wurde der Regen schwächer und kristallisierte. Kleine weiße Flocken fielen sanft auf den Boden.
Es sollte doch noch eine weiße Weihnacht werden.
Ende
