Ich war noch nie gut im dichten, sorry ;-)


11. Kapitel

Als die Schüler ankamen, erwachte Hogwarts endgültig wieder zum Leben. Von ihrem Platz am Lehrertisch konnte Hermine alles sehr gut überblicken. Mit leisem, nostalgischem Gefühl lehnte sie sich zurück und beobachtete die Schüler, die sie in Zukunft unterrichten sollte.
Zuerst füllte sich der Tisch von Ravenclaw. Die Hufflepuffs schienen gleich im Anschluss ihre Plätze einzunehmen. Auf einmal spürte sie eine Spannung, die die Große Halle erfüllte, und lächelte vor sich hin, als sie bemerkte, dass die Spannung von den beiden Tischen der Gryffindors und der Slytherins ausging.
Nichts hatte sich wirklich verändert. Die gleiche Rivalität, wie noch vor ein paar Jahren. Das gleiche Ritual. Minerva hatte allerdings die Tradition unterbrochen. Als kommissarische Direktorin hätte sie am Platz sitzen müssen, dennoch ließ sie es sich nicht nehmen, die Erstklässler höchstpersönlich reinzuführen und den Sprechenden Hut auf einem Stuhl vor sich herzutragen.

Alle waren auf die Zuordnung der Erstklässler in die Häuser gespannt. Andächtig starrte jedes Augenpaar auf den alten, zerschlissenen Hut. Bis auf die Neuen hatte jeder der Schüler schon auf dem Stuhl gesessen, den Hut über die Ohren gezogen und mit Spannung, teils auch mit Angst, darauf gewartet, in welches Haus er oder sie eingeteilt werden würde.

Hermine konnte sich noch sehr gut daran erinnern, wie sie zu diesem Stuhl hingegangen war. Sie war bemüht gewesen, sich ihre Unsicherheit nicht anmerken zu lassen. Also hatte sie sich gesagt 'Augen zu und durch'. Nur Sekunden später war klar, dass sie eine Gryffindor wurde.

Ein Raunen ging durch die Reihen, als sich der Hut bewegte und sein Lied anzustimmen begann.

Und heute am Abend sind Neue wohl hier,
um Wissen zu finden, sich lehren zu lassen.
Ich werde das Ziel nun in Worten verfassen.
Es gab von den Gründern mal vier.

Sie hatten das Ziel, junge Menschen zu formen,
das Wissen der Welt zu bündeln in Taten.
Ich werde erzählen, ihr müsst also warten.
Ich heiße euch von den Gründern willkommen.

Die vier waren verschieden in Wesen und Ansicht.
Ein jeder fand etwas anderes wichtig.
Nun werd ich entscheiden, wenn's recht is',
euch teilen und ordnen, richten in deren Absicht.

Der erste, der große, das war der Gryffindor,
Godric sein Name, das Schwert war sein Zeichen.
Sein' Mut sollte jedem im Hause nur gleichen.
So gehet nun tapfer den Turm hier empor.

Die zweite im Bunde, die große Hufflepuff,
ein warmes Herz war ihr eigen.
Trinkt den Kelch, um Treue zu zeigen.
Ein jeder von euch, vermeidet den Zoff

Rawenclaw war die Schöne, die Kluge.
Ein Diadem für den Kopf, der mehr als begabt,
Der die Bildung hier will und da gar nicht verzagt.
Nun macht mit dem Wissen den nächsten Zuge.

Der schlaue Slytherin, ein Reinblut mal acht.
Sein Tier war die Schlange, die Seele das Blut.
Besonders listig und schlau, das nannte er gut.
Nun lernet im Kerker das Wissen der Macht

Jetzt kennt ihr das Wesen der größten der Welt,
Drum müht euch zu lernen, und Freundschaft zu finden,
Weil über die Häuser müsst ihr euch binden,
Damit ein jeder sein Glück hier behält

Hermine kicherte leise und beugte sich zu Professor Sprout hinüber. "Der war aber auch schon mal besser in seiner Dichtkunst."

Diese erwiderte das Kichern. "Nun er bemüht sich wenigstens." Dann wurde sie ernst. Als Voldemort den Sprechenden Hut bei der finalen Schlacht verbrannt hatte, war nicht mehr viel übrig geblieben. Wir Lehrer konnten ihn gerade noch retten. Wahrscheinlich hat er die eine oder andere Schwachstelle. Aber das ist ok, Solange er nur Defizite in der Dichtkunst, und nicht bei der Auswahl aufweist, können wir ihn weiter verwenden."

Hermine betrachtete den Hut eingehend und diesmal fiel ihr auf, dass er wirklich sehr ramponiert aussah. Alt war er schon immer gewesen, aber diesmal war er auch zusätzlich noch kaputt.

Nach dem die Direktorin den Hut weggebracht hatte, kam sie wieder, lächelte in die Runde und wünschte allen einen guten Appetit. Die berühmte Willkommensrede wurde traditionell nach dem Essen gehalten. Die Schüler wurden, wie immer, vor dem Verbotenen Wald gewarnt und Hermine stellte sich kurz als neue Lehrerin vor. Da ihre Bemühungen, den Dunklen Lord zu vernichten, allseits bekannt waren, und viele sie noch als Vertrauensschülerin kannten, brannte ein enormer Applaus auf, der gar nicht mehr zu enden schien.

Doch jeder Abend ging zu ende, so auch dieser.

Als Hermine am nächsten Morgen aufwachte und auf ihren Stundenplan guckte, sah sie, dass sie als erstes eine dritte Klasse unterrichten würde. Lächelnd legte sie sich noch einmal hin und erinnerte sich an ihr drittes Jahr, als Professor Lupin ihr Verteidigungslehrer war.

Sie erinnerte sich gern an Remus Lupin, der erst ein Lehrer und dann ein wichtiger Freund für sie geworden war, obwohl sie nie sonderlich viel miteinander zu tun hatten. Sie hatte den Werwolf sehr geschätzt und bedauerte aufrichtig seinen Tod im Endkampf.

Seitdem sie sich dazu entschlossen hatte, die Professur anzunehmen, war sie bemüht, sich intensiv auf den Unterricht vorzubereiten. Sie wollte die Schüler zum Lernen animieren. Sie wolle Disziplin und Respekt, aber sie wollte nicht gefürchtet werden. Sie wollte wie Professor Lupin unterrichten, und erinnerte sich, dass dieser Neville sehr geholfen hatte. Beim dem Gedanken den Irrwicht, der als Snape in der Kleidung von Nevilles Groъmutter auftauchte, musste sie Lachen.
Auch Hermine hatte sich für die allererste Stunde Irrwichter ausgesucht. Der Spaß an der Stunde, den sie alle damals hatten, war ihr noch genau präsent, und sie hoffte, dass ihre Schüler ebenfalls Spaß an der Sache hätten.

Die Kollegen hatten ihr ausnahmslos viel Erfolg bei der ersten Stunde gewünscht. Lucius war sogar weit gegangen, ihr anzubieten, sie im auf Fall der aus den Klauen der Schüler zu erretten. Spöttisch hatte sie gefragt, ob er das in einer Limousine mit einer roten Rose im Mund machen würde, nur um anschließend die Feuerleiter hochzuklettern und sie aus ihrem Turm zu befreien.
Leider wusste er weder was eine Limousine noch eine Feuerleiter ist. Auch in Mugglefilmen war er nicht bewandert, sie bezweifelte, dass er die Funktion eines Fernsehers kannte.

Nun stand sie in einer langen dunkelblauen Robe vor dem Klassenzimmer, atmete tief durch und öffnete die Tür schwungvoll. Sie wusste, sie hatte eine Feuerprobe vor sich und hoffte, diese exzellent meistern zu können.

"Guten Morgen", rief sie gut gelaunt in den Raum und ging zu ihrem Pult, um sich schwungvoll und elegant darauf zu setzen.

"Guten Morgen", kam es vereinzelt wieder.

"Na, na, das könnt ihr doch besser", stellte sie mit einem Zwinkern klar.

"Guten Morgen, Professor Granger." Die Klasse war unsicher, ob Hermine nun eine sehr strenge oder eher lasche Lehrerin war.

"Perfekt. Ich hab euch heute zum Einstand ein paar Geschöpfe mitgebracht, denen ich selbst schon das ein oder andere Mal begegnet bin." Sie deutete auf einen Schrank, der klapperte und hin und her wackelte. "Weiß jemand, was das für Geschöpfe sein könnten?"

"Irrwichter?", fragte ein Schüler, der ein wenig Ähnlichkeit mit Ron hatte.

"In der Tat, es sind Irrwichter, dennoch wäre es schön, wenn Sie sich vorher gemeldet hätten, Mr...?"

"Barnaby, Professor Granger."

"Gut, Mr. Barnaby, können Sie mir auch erklären, was Irrwichter sind?"

"Irrwichter sind Geschöpfe, deren wahre Gestalt niemand kennt. Sie leben in der Dunkelheit, wie hier z.B. in einem Schrank. Wird er aus diesem Schrank befreit, nimmt er umgehend die Gestalt oder Form von dem an, vor dem der Befreier am meisten Angst hat."

"Sehr gut, Mr. Barnaby, 10 Punkte für Ravenclaw."
Hermine schmunzelte, weil Mr. Barnaby sie sehr an sich erinnerte, als sie in dem Alter war. Da er aber Ähnlichkeiten mit Ron aufwies, war die Situation noch komischer.

Sie übte mit der Klasse den Zauber "Riddikulus" ein, der nötig war, um einen Irrwicht zu vertreiben. Anschließend ließ sie sie alle gegen das Geschöpf antreten und gab jedem 10 Punkte. Eine Glocke kündigte das Ende der Stunde an.

"Zum Abschluss möchte ich, dass ihr auf zwei Rollen Pergament schreibt, wie sich ein Irrwicht verhält, wenn ihm mehrere Personen gegenüber stehen, und wie eine fiktive Situation aussehen könnte. Noch Fragen? Keine? Na, dann wünsche ich euch einen guten Appetit. Ich glaube, es gibt Zitronenkuchen als Nachtisch."

Lärmend rannten die Schüler zum Mittag und Hermine lehnte sich erschöpft, aber zufrieden in ihrem Stuhl zurück.
Die Stunde war sogar sehr gut verlaufen.