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Secrets Are Walls That Keep Us Alone

Kapitel elf

Der restliche September verlief ähnlich und ging dann langsam in Oktober über. James, der wild entschlossen war den Quidditch-Pokal zu gewinnen, erhöhte die Anzahl der Trainingseinheiten auf drei Mal pro Woche. Außerdem brachte der Oktober eine Regenfront, die Sirius davon überzeugte, dass er nie wieder richtig warm oder trocken werden würde.

Als der Tag des ersten Quidditch-Spiels kam, wurden James und Sirius beide sehr nervös, obwohl Peter und Remus ihnen immer wieder versichert hatten, dass sie wunderbar spielten. Am Tag vor dem Spiel hatten sie bei dem Gedanken nervös zu werden noch beide verächtlich geschnaubt.

„Ich bitte euch. Ich bin nicht nervös. Ich werde den Schnatz fangen, bevor die Hufflepuffs den Quaffel auch nur in die Hand bekommen," hatte James getönt. Trotzdem war sich Sirius sicher, dass er sich Sorgen machte.

In der Nacht vor dem Spiel saßen sie in tiefes Schweigen versunken im Gemeinschaftsraum. Remus war damit beschäftigt einen Aufsatz für Zaubertränke zu schreiben, während Peter ihm leise Fragen dazu stellte und versuchte James, der unruhig im Kreis lief und Spielzüge vor sich hinmurmelte, nicht zu einem Schreikrampf zu veranlassen.

Sirius hingegen, saß auf dem Boden vor dem Feuer und starrte gedankenverloren in die knisternden, orangeroten Flammen.

Die Manschaft war stabil, alle arbeiteten gut zusammen. Die Jäger hatten sich eindeutig aneinander gewöhnt und schienen die Gedanken des anderen erraten zu können. James war wie immer ein spektakulärer Sucher. Longbottom und Rolphen hatten als Treiber absolut kein Problem.

Nein, über was sich Sirius am meisten Sorgen machte, war seine eigene Position. James hatte darauf bestanden, dass Sirius der perfekte Hüter war, aber Sirius wusste, dass er nur nett sein wollte. Seine Fehler waren zu offensichtlich.

Er wünschte sich, so schnell zu fliegen wie Geoffrey Benson, so gut den Quaffel fangen zu können wie er. Dann hätte er keinerlei Schwierigkeiten.

„Wir sollten ins Bett gehen," sagte James plötzlich und blieb stehen um Sirius anzusehen. „Eine gute Nacht Schlaf

und so."

„Ja," sagte Sirius, erhob sich langsam und wendete sich zum Schlafsaal, bereute den Entschluss jedoch sofort, als ihn die Wärme des Feuers verließ.

Im Bett, zog Sirius die Vorhänge zu und lag ganz still. Er schloß seine Augen und zwang sich einzuschlafen, doch sein Magen war zu einem Knoten zusammengezogen, und das Herz steckte ihm im Hals.

Worüber machst du dir Sorgen? Fragte er sich. Du warst nie zuvor so nervös. Das stimmte. Er war zwar ehrgeizig, aber Quidditch hatte immer nur Spaß gemacht. Es hatte ihm nie Sorgen bereitet.

Keine große Sache. Das wird schon. Mit diesem Gedanken schlief er ein.

Der Regen prasselte vom Himmel, machte den Quaffel glitschig und spritzte in die dicke Schlammschicht auf dem Quidditch-Feld. Er fiel in so dichten Schauern, dass Sirius nicht einmal drei Meter weit sehen konnte.

Sein durchnässtes Haar klebte an seinem Kopf, einige Strähnen fielen in seine Augen, und er musste sie immer wieder zurückschieben, während er sich mit einer Hand verzweifelt am rutschigen Griff seines Besens festklammerte.

Der Himmel war pechschwarz. Die einzigen Momente in denen Sirius etwas sehen konnte, waren die, wenn ein Blitz zwischen den dunklen Wolken hervorzuckte.

Hufflepuff führt mit einhundert und siebzig zu zehn," rief der Kommentartor, bis ein Donnergrollen den Rest seiner Worte verschlang.

Ein Blitz erleuchtete das Feld und Sirius sah, wie die breite Gestalt eines Jägers auf ihn zuflog, den Quaffel fest umklammert. Er starrte in den Sturm, blinzelte sich das Wasser aus den Augen und versuchte etwas zu erkennen.

Ein leises Zischen, und der Quaffel flog auf ihn zu, an ihm vorbei, seine Fingerspitzen schafften es nur ihn zu streifen, bevor er durch den Torring schoss.

Ein weiterer Lichtblitz zeigte, dass der Jäger immer noch näher kam, in den Torbereich flog und Sirius schnappte nach Luft, als er die Gesichtszüge seines Vaters erkannte.

Orion krachte in Sirius hinein und packte ihn an der Schulter, bevor er von seinem Besen fallen konnte. Sirius schlug um sich und sein Besen fiel dabei zurück zu Boden, so dass sein Vater das letzte war, das ihn in der Luft hielt.

Du hast versagt, Sirius," zischte Orion. „Sie alle kennen dein Geheimnis."

Nein," sagte Sirius, und Orions Faust traf sein Kinn.

Schau sie dir an," spuckte Orion aus und zwang Sirius auf die Menge zu blicken. „Sie lachen dich aus. Sie wissen, dass du nichts bist als ein schwacher, dreckiger, fetter Verräter. Sie kennen die Wahrheit."

Die Menge brach in schallendes Gelächter aus, als Orions Worte durch das Stadium hallten und das Grollen des Gewitters übertönten. Geoffrey Benson hielt sich nach Luft schnappend sie Seiten, als er so heftig lachte, dass er fast von seinem Besen fiel. James warf ihm einen Blick zu, schüttelte den Kopf und wendete sich ab...

Nein," sagte Sirius wieder. „Nein, bitte..."

Dann fiel er, fiel immer weiter und weiter, die Gestalt seines Vaters schwand, als sich der Abstand zwischen ihnen immer weiter vergrößerte, die lachenden Gesichter der Menge verschwammen als er mit wahnsinniger Geschwimdigkeit auf den Boden zuraste.

Ein Kloß aus Angst saß in seinem Hals, schnürte ihm die Luft ab und machte es unmöglich auch nur ein Wort hervorzubringen. „Helft mir!"

Dann wusste er nichts mehr.

„Helft mir!" Die Worte brachen aus seiner Kehle hervor als er sich ruckartig aufsetzte und nach Luft schnappte.

„Nur ein Traum. Nur ein Traum," murmelte er und versuchte seine Atmung zu verlangsamen. Seine Brust und sein Bauch schmerzten fürchterlich.

Er stand unsicher auf und suchte an einem Bettpfosten Halt, als der Raum um ihn bedrohlich schwankte. Immer noch nach Luft schnappend, stolperte er ins Badezimmer und übergab sich ein paar Minuten, obwohl er am Tag zuvor kaum etwas gegessen hatte.

Als er fertig war, ging er zum Waschbecken um sich den Mund auszuspülen. Er musste sich am Waschbeckenrand festklammern um nicht zusammenzubrechen. Sein Gesicht im Spiegel zog seine Aufmerksamkeit auf sich, blaß, erschöpft, dunkle Ringe unter den Augen. Er sah schrecklich aus, dachte er, und schüttelte den Kopf. Sonst was neues?

Er ging zurück in den Schlafssal und musterte seine Freunde durch die Dunkelheit. So weit er sehen konnte, hatte er sie nicht aufgeweckt.

Leise zog er sich an und schlich aus dem Schlafsaal hinunter in den Gemeinschaftsraum, wo er sich abermals auf dem Boden vor dem Kaminfeuer niederließ.

Das Feuer war fast erloschen, da um zwei Uhr morgens eigentlich keiner hier unten sein sollte. Ein Schwung von Sirius' Zauberstab, ließ es wieder auflodern und er starrte gedankenverloren in die leuchtenden Flammen.

Er zitterte trotz des warmen Feuers. Sein Vater hatte sein Träume in letzter Zeit immer öfter heimgesucht und zu vielen schlaflosen Nächten geführt. Er war sich nicht sicher warum das passierte, obwohl er doch wusste, dass er seinen Vater bis zum nächsten Sommer nicht wiedersehen würde.

Im letzten Sommer hatte sein Vater nichts ungewöhnliches gemacht, zumindest nicht wirklich. Er hatte sich schon seit Jahren so verhalten. Also warum zog sich der Knoten in Sirius' Magen bei dem bloßen Gedanken an Orion jetzt plötzlich zusammen?

Ich hasse ihn. Ich hasse diesen Bastard. Er hat alles kaputt gemacht. An seinem Elternhaus hatte sich nichts geändert, das wusste Sirius. Aber etwas an ihm selbst hatte sich verändert.

Sirius war für viele Dinge bekannt. Der selbstbewusste, lustige Sirius Black: brillianter Zauberer, Hüter von Gryffindor, genialer Streichemacher, wundervoller Freund. So fühlte er sich im Moment überhaupt nicht. Er hatte Schwierigkeiten dem Unterricht zu folgen, ließ im Training einfache Bälle durchgehen, hatte seit Monaten keinen Streich mehr gespielt und war in letzter Zeit ein ziemlich miserabler Freund gewesen. Und er war ganz bestimmt nicht selbstsicher.

Der alte Sirius Black hing an einem seidenen Faden, hing vor Sirius wie ein Patronus, schützte ihn vor der Welt und zeigte allen nur das, was sie erwarteten, anstatt das, was er wirklich war.

„Sirius?" Beim Klang seines Names wirbelte er herum und erblickte Remus.

„Moony! Du hast mich fast zu Tode erschreckt!" Sirius grinste, obwohl sein Herz immer noch raste.

„'Tschuldigung." Remus kam herüber und setzte sich auf einen Stuhl in seiner Nähe. „Was machst du?"

„Nichts besonderes. Warum bist du wach?"

„Es ist fast acht," antwortete Remus. Sirius warf einen Blick auf seine Uhr und war überrascht, wie schnell die Zeit vergangen war. „Geht's dir gut?"

„'Türlich. Warum sollte es das nicht?" Sirius zwang sich zu einem weiteren Lächeln.

„Ich hab gehört, wie du dich vorhin übergeben hast." Remus betrachtete ihn aufmerksam und wartete auf eine Antwort.

„Das-das hast du gehört?" stotterte Sirius.

„Ja. Du hast im Schlaf geredet, davon bin ich aufgewacht."

„Oh. Ja, ich hatte einen wirklich merkwürdigen Traum," sagte Sirius, damit log er nicht einmal.

„Um was ging es?"

„Nur Quidditch. Ich glaube ich bin ein bisschen nervös, wegen dem ersten Spiel." Sirius lachte ein bisschen und hoffte so die in der Luft liegende Spannung zu lösen.

Remus schüttelte den Kopf. „Ich mache mir Sorgen, Sirius."

Sirius runzelte die Stirn. „Das solltest du nicht."

„Du hast abgenommen," sagte Remus und Sirius spürte ein Gefühl von Glück. Hatte er? Wirklich?

„Nicht wirklich," sagte er und versteckte seine Freude.

„Doch, hast du. Du isst kaum etwas."

„Ich esse genug," murmelte Sirius und drehte sich zurück um wieder ins Feuer zu starren.

„Du hast Alpträume."

„Die hat jeder mal," sagte Sirius und schaute wieder zu seinem Freund. „Mir geht's gut Remus, wirklich. Du machst dir Gedanken wegen nichts."

„Bist du dir sicher?" fragte Remus vorsichtig.

„Ja, ich bin mir sicher. Alles ist in Ordnung," sagte Sirius und warf ihm ein kleines Lächeln zu, das Remus, immer noch nicht ganz überzeugt, erwiderte.

„Wenn du meinst," sagte er.

„Über was habt ihr geredet?" fragte James, der grade gefolgt von Peter, die Wendeltreppe herunterkam.

„Es ist hoffentlich Quidditch gewesen."

„Was sollte es sonst sein Krone?" fragte Sirius und erhob sich. „Wo heute unser unglaublich wichtiges Spiel ist."

„Das wollte ich hören," sagte James, klopfte ihm auf die Schulter und scheuchte sie alle durch das Portraitloch.