Kapitel 11

Das Draco nun klar zu Harry stand, bedeutete aber nicht, das jetzt alles gut war. Denn da gab es ja auch noch Blaise, der weiterhin von Harry Geld für seinen aufwendigen Lebensstiel forderte.

Schon am übernächsten Morgen zogen dunkle Wolken auf. Wie immer waren alle zum Frühstück um den Gryffindortisch versammelt. Blaise hatte sich neben Harry platziert und versuchte ihn mit allen Mitteln zu überzeugen, dass er ein bestimmtes Halsband bräuchte. Harry fühlte sich sichtlich unwohl, immer wieder schaute er zu Draco, der vor Wut zu kochen schien, dann wieder zu Hermine, die traurig auf ihr Müsli starrte. Sie verstand nicht, warum Blaise wegen seinen Wünschen immer noch zu Harry ging, sie war doch jetzt seine Freundin.

Die anderen Gryffindors sahen dem Schauspiel mit Interesse zu. Wenn Zabini seinen Kopf durchsetzen konnte, würde ihr Goldjunge bestimmt wieder einen Einkaufstag anberaumen.
Draco glaubte vor Wut gleich zu platzen. Wie konnten die beiden es wagen ihn so bloßzustellen, indem sie so öffentlich rummachen! Und jetzt fingerte sein angeblich bester Freund auch noch an Harrys Harren rum. Er hatte genug! Er warf das Frühstücksmesser, das er in der Hand hielt nach Blaise und erhob sich schnaubend vom Tisch. Blaise kreischte auf. Das Messer hatte sich fachgerecht in den Tisch genau zwischen seine Finger gebohrt. Wütend starrte er den Blonden an, der ebenso wütend zurückstarrte. Draco wandte sich ab und stürmte aus der Halle, die Rufe Harrys ignorierend.

So ging es den ganzen Tag, Harry versuchte mit Malfoy zu reden, dieser ignorierte ihn jedoch weiterhin. Nach der letzten Stunde, in der sie Verwandlung gehabt hatten, schloss er sich sogar Hermine an und redete mit ihr über Verwandlungstränke, nur um dem Schwarzhaarigen aus dem Weg zu gehen. Dabei trug er aber eine so böse Miene zur Schau, dass ihn Hermine endlich auf das Problem Harry Blaise ansprach.

„Weist du, auch ich hasse den Gedanken, dass Blaise noch irgendwas von Harry will. Einerseits verstehe ich nicht, warum er nicht mich um Geld bittet, ich bin doch seine Freundin, andererseits verstehe ich nicht, warum Harry ihn nicht abblitzen lässt."

Draco knurrte: „Von Blaise erwarte ich nichts anderes, als dass er sich nicht so viele Gedanken um seine Umwelt macht, aber ich dachte Potter… ich dachte er würde nicht... er würde mich nicht auf diese Art verletzten."

Hermine sah ihn erstaunt an, ein Malfoy gab zu, das er verletzbar war!
„Ich glaube auch Harry weiß manchmal nicht, was er anderen Leuten mit seinem Verhalten antut. Er war einfach zu lange mit Blaise zusammen. Doch glaub mir, du bist ihm wichtig. Hast du nicht gemerkt, er hat gezögert, Blaise seinen Wunsch zu erfüllen."

„Vielleicht müssen wir einfach besser auf die beiden aufpassen, dass sie nicht mehr allein sind und so", stellte Draco fest.

Hermine schaute sich um, eigentlich hatte sie erwartet, die beiden würden ihnen folgen, doch der Gang hinter ihnen war leer. Eine ungute Ahnung beschlich sie.
„Wo sind sie überhaupt?"

Auch Draco fuhr herum. Mit dem gleichen Gedanken schauten sie einander in die Augen: Potter und Zabini in einem Raum, alleine!
Sie machten auf der Stelle kehrt und rannten zum Verwandlungsklassenzimmer zurück.

~*~*~

Harry sammelte sein Schreibzeug zusammen und beobachtet seufzend, wie Hermine und Draco den Raum verließen. Er hatte es den ganzen Tag nicht geschafft mit dem Blonden zu reden, dabei wusste er einfach nicht, wie er aus dem Schlamassel wieder rauskommen sollte.

Blaise lehnte am Eingang an der Wand und beobachtet den Goldjungen. Wie konnte es sein, das er ihn immer noch wollte, obwohl er mit Hermine zusammen war. Vielleicht sollte man dem Abhilfe schaffen.

Langsam ging er zu dem Schwarzhaarigen, der mit leerem Blick aus dem Fenster starrte.
„Sag mir Potter, wie kann es sein, das ich dich immer noch will, aber gleichzeitig auch Hermine begehre?"

Harry fuhr herum.
„Hör auf damit Blaise, wir sind nicht mehr zusammen. Du hast selbst auf mich verzichtet. Wir verletzten mit unserem Verhalten nur Draco und Hermine!"

Blaise lächelte nur. „Du willst mich doch auch, gib es zu!"

Harry starrte den Anderen, der langsam auf ihn zukam mit undeutbarem Blick an.
„Natürlich will ich dich, das hat aber nur was mit Lust zu tun. Ich werde dafür nicht dieses wunderbare Gefühl aufgeben, das ich mit Draco habe."

Blaise schnaubte. „Du hörst dich an, als wärst du verliebt! Potter verliebt in einen Malfoy!" Er lachte leicht irre. „Nun gut ich lasse dich in Ruhe, nur ich will diese Kette", forderte er.

„Frag Hermine, sie ist deine Freundin."

„Das kann ich nicht, verstehst du, damit würden wir uns auf das Niveau begeben, das ich als ihr Toy Boy innehätte.

„Und dafür opferst du lieber mich und meine Freundschaft zu Draco? Kommt da der wahre Slytherin zu tage? Ist dir Hermine wichtiger als ich?"

Endlich, als Harry es so auf den Punkt brachte, fiel Blaise Maske herunter. „Nein, das will ich nicht, du bist mir auch wichtig!" Verzweifelt vergrub er seine Hände in seinen blauschwarzen langen Haaren. „Sag mir Harry, wie soll ich das alles auf die Reihe kriegen? Um Dracos Willen mich zu beherrschen, die Finger von dir zu lassen, um Hermines Willen sie nicht um Geld anzuflehen und dann auch noch zu versuchen dich nicht zu verletzten. Sag mir, wie soll ich das schaffen?"

Harry trat auf Blaise zu und nahm ihn in den Arm. „Pssst ist ja gut, aber ist dir auch mal der Gedanke gekommen, dass du nicht unbedingt so eine Kette brauchst?"

Irritiert schaute Blaise hoch in Harrys Augen, dieser Gedanke war ihm noch nicht gekommen.
„Und was ist damit, dass ich dich will?"

„Hab endlich mit Hermine Sex und hör auf an mir rumzufummeln!", sagte Harry ernst, er hatte gemerkt, wie Blaise ihre Nähe ausnutzte und seine Robe geöffnet hatte.

„Vielleicht hilft es ja, wenn du mich noch einmal küsst!", meinte der hoffnungsvoll. Dabei schaute er so treuherzig mit seinen gletscherblauen Augen, dass ihm niemand einen Hintergedanken attestiert hätte.

Harry, der natürlich immer noch nicht ganz immun gegen den Slytherin war, zögerte.
„Nein, das werde ich Draco nicht mehr antun!"

Blaise schlang seine Arme fester um seinen Hals. „Im Moment würde ich alles dafür aufgeben, wenn du ihn vergisst. Tu es noch einmal!", schnurrte er und nährte sich mit seinem Mund dem Harrys, der ihn nur wie gelähmt anstarrte. Diese merkwürdige Anziehungskraft zwischen ihnen war wieder aktiv und wie bei Merlin konnte er sich dagegen wehren?

„Verzeih Draco….", dachte er nur noch und wartet, als er schon den warmen Atem des Slytherins spürte, das sich ihre Lippen berührten.

Da wurde er plötzlich weggerissen und fand sich einem sehr wütendem Malfoy gegenüber. Seine Augen hatten die Farbe der stürmischen See und seine Fäuste waren geballt um den Anderen nicht zu schlagen.

Damit hielt sich Hermine, die Blaise am Arm gepackt hatte, nicht zurück. Mit aller Kraft scheuerte sie Blaise eine, sodass dieser rückwärts taumelte. Sie fauchte. „Wir unterhalten uns jetzt „Mister ich bin zu läufig um wahr zu sein"."
Sie riss Blaise, der sich betreten die Wange rieb, mit sich aus dem Zimmer.

Harry und Draco blieben zurück. Der Goldjunge hatte sich auf einen Stuhl sinken lassen und sah jämmerlich aus. Er lies den Kopf hängen und wagte nicht, Draco, der unruhig vor ihm auf und abschritt, anzusehen.

„Man kann dich nicht eine Minute alleine lassen, Potter", tobte er. „Was hast du an Zabini? Mir hängt das so zum Hals raus. Ich darf nicht mal mit anderen Typen reden und du vögelst in der Weltgeschichte herum. Du bist so ein Arschloch."

Harry schaute noch immer nicht auf.

„Vielleicht sollten wir uns trennen. Ich suche mir einen Job... "

Erschrocken blickte Harry endlich auf und Draco sah zu seinem Erstaunen, das dem Goldjungen Tränen über das Gesicht liefen. „Nein Draco, bitte nicht. Verlass mich nicht!", brachte er mit tränenerstickter Stimme hervor.

„Und warum nicht, du hast doch noch Blaise!" Draco war stehen geblieben und schaute auf das Häufchen Elend vor sich. „Ich gebe dir alles und du... du weist das nicht mal zu schätzten. Wie viel meinst du hat es mich gekosten, ganz zu dir zu stehen? Weist du wie sehr es mich erniedrigt zu deinem Vergnügen für dich da zu sein? Du hast mir alles genommen, meine Würde... meinen Stolz!"

Harry schluckte, er hatte gewusst, wie viel es einem Malfoy kosten musste von anderen Abhängig zu sein, aber er hatte ihn nie auf diese Art zerstören wollen.

„Hasst du mich so sehr Potter? Wolltest du das, mich brechen? Das ich dich immer noch will, obwohl du mich wie der letzte Dreck behandelst?"

„Nein, nein das wollte ich nie... ich... " Harry fand keine Worte.

Draco fuhr erbost fort: „Dann hast du es nämlich erreicht. Ich gehöre ganz dir! Erzähl es ruhig allen in der Schule, ich Draco Malfoy bin finanziell, wie auch physisch von meinem größten Feind abhängig." Er ertrug es nicht mehr, der anderen anzusehen und drehte sich weg.

Harry starrte auf den Rücken des Blonden, er hatte nicht gewusst, dass er ihn fast gebrochen hatte mit seinem Verhalten. Aber ein Glücksgefühl breitet sich in seinem Magen aus, als ihm gewahr wurde, wie viel er dem Slytherin bedeuten musste. Hoffentlich konnte er alles wieder ins Reine bringen.

Entschlossen stand er auf und Draco der dies hörte glaubte schon, er wolle das Zimmer verlassen, stattdessen trat er ganz dicht an Malfoy heran und umarmte den gleichgroßen von hinten. Dieser wehrte sich erstmal, gab dann aber nach einigem Ringen auf und lehnte sich mit einem Aufseufzen an den starken Körper hinter sich.

„Verzeih mir noch einmal Draco, bitte. Du bist mir so unwahrscheinlich wichtig geworden und ich will dich nicht verlieren. Das könnte ich nicht ertragen. Ich habe mich wieder einmal falsch verhalten." Er sprach rasch weiter, als Draco schwieg: „Ich hatte Blaise einmal versprochen ihm immer finanziell zu helfen, aber nur wenn er in einer Notlage ist. Anscheinend betrachtet er den Wunsch nach einer Kette als eine Notlage."

Draco schnaubte nur. „Und wieso sah es dann so aus, als wolltet ihr euch gerade küssen, als wir rein kamen?"

„Na ja... das war wieder die alte Anziehungskraft." Als er spürte wie sich der Körper vor ihm verspannte, sprach er schnell weiter: „Ich nehme das nicht als Ausrede, ich weis es war alleine unsere Schuld, das wir uns nicht beherrschen können. Aber bitte Drache, verlass mich nicht... du könntest ja auf mich aufpassen... dass so was nicht noch mal passiert!"

Draco war erstmal sprachlos, er sollte ständig seinem Freund hinterherlaufen, damit dieser nicht mit seinem Freund rum machte? Wer war er denn?

Entschlossen drehte er sich um, silbergrauen Augen fixierten grüne hinter Brillengläsern.
„Ich habe eine viel bessere Idee: Ich werde Blaise noch einmal ernstlich drohen, damit er dir nie mehr zu nahe kommt… und mit dir..." Harry schaute hoffnungsvoll. „…ich werde dich wohl einmal so richtig durchnehmen müssen, damit du nie mehr an einen Anderen denkst!" Dabei grinste er schmutzig.

Harry schaute erst ungläubig, dann breitete sich ein Strahlen auf seinem Gesicht aus. Er fiel dem Blonden um den Hals. „Oh danke Drache, ich danke dir so sehr. Und ich verspreche dir, dich nie mehr so zu verletzen", wisperte er.

Draco streichelte ihm über den Rücken, dieses Gefühl, Harry Potter in seinen Armen, war einfach einmalig. Er löste sich ein wenig und nahm Harrys Gesicht in die Hände. Zart wischte er die Tränen weg, die dem Schwarzhaarigen schon wieder über die Wangen liefen. „Ich glaube dir, Jay. Aber lass mich dich ganz fühlen, bitte."

Ein Malfoy bat um etwas.

Harry nickte. „Ja, das will ich auch."

Ganz leicht küsste er den Blonden auf den Mund, dann auf die Wange, fuhr mit seinen Lippen den Hals entlang, bis zu den Kragen des Hemdes. Draco bekam glasige Augen, oh wie sehr begehrte er den Gryffindor. Vergessen war der Schmach den er ihm immer wieder zufügte, wenn er ihn zu dem seinen machte.

„Oh Harry... bitte..."

Harry verstand um was er bat, zog sich aber ein wenig zurück. Er lächelte leicht. Wie er es liebte seinen Drachen in so einem aufgelösten Zustand zu sehen.

„Nicht hier... unser erstes Mal soll doch etwas besonders sein. Heute Abend... am besten im Raum der Wünsche."

Draco nickte. Endlich würde ihm Harry gewähren, was er schon so lange wollte, endlich könnte er sich ganz in ihm verlieren.

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Anmerkung Brirdy: Hmh... das Glück der beiden Liebenden ist wohl noch immer nicht ganz vollkommen... Fällt irgendjemandem auf, was unbedingt noch geschehen muss, bevor diese Geschichte enden kann? Etwas, was in jeder richtigen Beziehung mindestens einmal geschehen muss?

Viel Spaß beim Überlegen... *g*