Nach langer Zeit hier nun mal wieder ein neues Kapitel.

Es tut mir schrecklich Leid das es so lange gedauert hat, doch wegen meines Studiums habe ich nicht viel Zeit.

Doch ich versuche dieses Projekt weiterzuführen.

Viel Spaß damit :)


Kapitel 11 `Sansa´

Alle Träume und Hoffnungen, die Sansa Stark je hatte, wurden in den letzten Wochen komplett zerstört. Manchmal dachte sie, ihr Herz würde durch die Schmerzen, die sie erfahren hatte, in zwei Teile zerbrechen. Ihr Vater wurde beschuldigt, ein Verräter zu sein und wurde gezwungen, seine Verbrechen vor dem gesamten Reich zu gestehen. Nachdem die Steine, die die Menge warf, sie gezwungen hatte, sich in die Septe von Baelor zurückzuziehen, hatte sie kaum eine Chance gehabt ihn kurz zu umarmen und ihm zu sagen, dass sie ihn liebte. Die Wachen der Lannisters hatten sie sofort getrennt und ihren Vater weggebracht. Er sollte sich der Nachtwache anschließen, doch sie wusste nicht, ob es der Wahrheit entsprach oder ob es nur eine andere Lannister-Lüge war. Alles war eine einzige Lüge gewesen und das alles nachdem, was sie für sie getan hatte. Was sie alles für Joffrey getan hatte. Aber auch seine Liebe zu ihr war eine Lüge gewesen. Er war ein Monster und nun hatte sie überall am ganzen Körper Blutergüsse.

An diesem Morgen saß Sansa am Ankleidetisch in ihrem Zimmer im Turm der Hand. Sie hatte nichts außer ihrer Unterwäsche an. Wenn sie in das Myr'sche Glas, das vor ihr war, schaute, konnte sie sich ihre Blutergüsse besehen. Einer war oberhalb ihrer rechten Brust und ein anderer auf ihrer linken Schulter. Sie schaute an sich hinunter und sah zwei weitere auf ihren Oberschenkeln, die langsam eine ekelige lilane Farbe annahmen. Sie alle kamen von Joffreys Königsgarde, die er angewiesen hatte, sie zu schlagen, während er sich zurücklehnte und lachte. Er sagte, es wäre die Bestrafung für die Verbrechen, die ihre Mutter, ihr Vater und ihr Bruder begangen hatten.

Am Tag zuvor war Joffreys Namenstag gewesen. Es gab eine Feier sowie ein Festessen am Abend, doch sie waren deutlich kleiner als die Feste, die gefeiert wurden, als König Robert noch gelebt hatte. Das Schlimmste jedoch war der Tjost Wettkampf, welcher an diesem Tag abgehalten wurde. Er wurde im Bergfried abgehalten, da die Königin fürchtete, ihr Sohn könnte draußen vor der Stadt, wo das letzte Turnier für ihren Vater abgehalten worden war, nicht sicher sein. Außerhalb der Stadtmauern wurde die Menge der Menschen, die aus den Riverlands geflohen waren, immer großer. Sie waren verängstigt und hatten Hunger und das wenige Essen, was sie sich mitgebracht hatten, war auch bald aufgebraucht. Mit der Zeit wurde die Menge immer unruhiger und es war jeder in Gefahr, der die Stadt verlassen wollte. Es traf auch wenig Nahrung in der Stadt ein, da die Roseroad von den Truppen Highgardens gesperrt war, die Riverlands brannten und die Blackwater Bay durch die Kriegsschiffe von Stannis Kriegsschiffen verschlossen geblieben. All das erfuhr sie von Ser Ayrs Oakheart, einem Mann der Königsgarde, der es mochte, sich mit ihr zu unterhalten, wenn er sich sicher war, dass niemand ihnen zuhören konnte.

Das Teilnehmerfeld für das Turnier war nicht sehr gut besetzt, da nur Heckenritter, alte Männer und junge Knappen dran teilnahmen. Somit wurde Joffrey mit fortgeschrittenem Turnierverlauf über die Darbietungen immer wütender. Dann kam ein Ritter, Ser Dontos, halb bekleidet und offenbar Sturz betrunken auf die Fläche. Joffrey orderte sofort an, er solle in einem Fass Wein ertränkt werden. Sansa überlegte, ob sie etwas sagen sollte, um ihm zu helfen, doch ihre Zunge bewegte sich nicht, während sie den um Gnade flehenden Mann wegbrachten. Sie wusste nicht, was aus ihm geworden war.

In der Nacht nach der Feier war sie in Joffreys Quartier gerufen worden. Er war während des Festes sehr mürrisch gewesen und hatte daher zu viel Wein getrunken. Mittendrin kam plötzlich Großmaester Pycelle in die Halle und sprach mit Königin Cersei. Sie sagte sofort, dass sie und der König sich zurückziehen würden, doch die versammelten Gäste könnten so lange bleiben könnten, wie sie wollten. Sie priesen Joffreys Gesundheit, während dieser ihnen zuprostete und einen Schluck nahm und anschließend mit einem verwirrten Gesichtsausdruck gemeinsam mit seiner Mutter und Pycelle die Halle verließ. Ihnen folgten die Lords Baelish und Varys, sowie der Hund und die anderen Mitglieder der Königsgarde.

Eine Stunde später, sie war gerade dabei, die Halle zu verlassen, um zurück zu ihrem Quartier zu gehen, kam der Hund auf sie zu und befahl ihr, ihm zu folgen. Der König wollte sie sofort sehen. In seinem Quartier befand sich Ser Meryn Trant und auch der Hund blieb dort. Sie dachte, Joffrey hätte sie zu sich gerufen, um ihr zu vergeben für das, was ihre Familie getan hatte, dass er sie immer noch liebte und dass sie beide bald heiraten würden. Er jedoch war betrunken und hatten rumgebrüllt, was ihre Familie ihm alles angetan hatte. Dann hatte er Ser Meryn befohlen, sie zu schlagen, jedoch nicht ins Gesicht. Ser Meryn befolgte diesen Befehl, ohne mit der Wimper zu zucken, und Sansa war zu geschockt, um sich in irgendeiner Weise zu verteidigen. Vier Mal hatte er sie geschlagen, die ersten beiden Schläge auf die Brust und Schulter, während sie danach auf dem Teppich zusammengesunken war und gewimmert hatte. Die anderen beiden Male hatte er sie mit voller Kraft gegen die Beine getreten, so dass sie aufgeschrien hatte.

Der Hund stand daneben und tat nichts, um es zu beenden, doch nach dem vierten Schlag knurrte er laut: „Es reich!" Ser Meryn stoppte und Joffrey starrte den Hund für ein paar Sekunden verwundert an und Sansa dachte sich gleich würde Blut fließen.

„Bring dich und deine weinende Schlampe aus meinem Sichtfeld, Hund!", sagte Joffrey schließlich, seine betrunkene Stimme voller Hass.

Der Hund sagte nichts mehr, half ihr hoch und brachte sie zu ihrem Quartier. Während sie zurückliefen, konnte sie nicht anders und musste weinen.

„Bald wirst du keine Tränen mehr vergießen, kleiner Vogel", sagte er mit seiner rauen Stimme, während sie weiterliefen. „Bald wird der kleine Vogel aus seinem Käfig befreit. Du wirst King's Landing verlassen. Macht dich das glücklich?"

War das eine Falle, dachte sie. „Ich werde Joffreys Frau werden. Ich muss hier bleiben."

„Der kleine Vogel singt immer noch das gleiche Lied", knurrte der Hund. Dann hielt er plötzlich an und funkelte sie in der Dunkelheit böse an. „Du wirst niemals seine Braut sein."

Sansa wusste nicht, was sie darauf antworten sollte, als immer das gleiche Lied zu singen. „Ich bin mit meinem geliebten Joffrey verlobt."

Er grunzte. „Nicht mehr, junger Vogel. Du wirst bald nach Harrenhal aufbrechen. Die Raben fliegen und die Königin weint. Aber du bald nicht mehr, da bin ich mir sicher."

Er spielt bestimmt ein grauenvolles Spiel mit mir, dachte Sansa. Eins, welches Joffrey ihm befohlen hat, um zu sehen, wem meine Loyalität gilt. „Ich möchte nicht nach Harrenhal. Ich möchte hierbleiben und meinen…"

Dieses Mal lachte er laut und sein Lachen war bösartig. „Sie haben dich verdammt gut trainiert. Es ist mir egal, ob du mir glaubst oder nicht. Du wirst es bald erfahren."

„Woher wollt Ihr das wissen?"

„Diese ganzen Lords und Ladies. Sie reden und reden und reden, aber niemand bemerkt den Hund, wie er zuhört. Er bedeutet ihnen nichts und sie sehen ihn nicht. Er ist nur dazu gut, um ihr Zuhause und den König zu bewachen."

Danach hatte er nichts mehr zu ihr gesagt und sie einfach nur zurück in ihr Quartier gebracht. Wie immer standen die beiden Wachen der Lannisters vor ihrer Tür.

Jetzt war der Morgen danach. Während Sansa vor ihrem Spiegel saß und ihre Blutergüsse betrachtete sowie den Schmerz in ihren Beinen spürte, klopfte es laut an der Tür. „Ich habe nichts an", sagte sie schnell und laut. „Kommt nicht herein."

„Beeilt Euch und werft Euch in Eure besten Federn", drang die knurrende Stimme des Hundes durch die Tür. „Die Königin will Euch sehen."

„Einen Moment", sagte sie noch, bevor sie sich fertig anzog. Ihr Gesicht hatte sie bereits gewaschen und ihr Haar war auch bereits gekämmt. Sansa hatte einige schöne Kleider und wählte für heute ein Lavendelfarbenes Kleid mit einer pinken Schleife und einem Blumenmuster, dazu ein paar pinke Schuhe. Sie kämmte sich erneut kurz das Haar und öffnete dann die Tür.

Der Hund hatte wie immer seine schwarze Rüstung an, den weißen Mantel darüber und seine Waffen am Gürtel. Sie hatte ihn noch nie in anderer Kleidung gesehen. Er starrte sie für einen Moment an, sagte jedoch nichts. Sansa jedoch konnte diesen Moment nicht ertragen und schaute woanders hin. Sie fühlte sich schlecht, dass sie ihm nicht ins Gesicht schauen konnte, nachdem er ihr letzte Nacht geholfen hatte und sie vor Ser Meryn und Joffrey gerettet hatte. Langsam drehte sie den Kopf wieder zu ihm. Seine Augen waren immer noch auf sie gerichtet, doch es war schwer, zu erkennen, wonach sie aussahen. Es waren nicht die anzüglichen Blicke, die ihr Kleinfinger zuwarf, auch nicht die bemitleidenden Blicke Varys' und erst recht nicht der verärgerte Blick Joffreys. Seine Augen hatten keinen Ausdruck. Sie waren wie tot.

„Ich bin fertig", sagte sie.

„Kommt", war alles was er sagte. Sie folgte ihm die Treppen hinunter, hinaus auf den Hof und dann in Richtung des Roten Bergfrieds. Die beiden Wachen vor ihrer Tür folgten ihr für eine Weile, doch bogen sie dann in andere Richtungen ab. Sansa glaubte zuerst, sie würden in Richtung der privaten Räume der Königin gehen, doch bald darauf stellte sie fest, dass sie in Richtung Thronsaal gingen. Zwei Goldröcke öffneten die Tür und Sansa verkrampfte etwas. Sie glaubte, dass Joffrey ebenfalls dort sein würde, doch der Thronsaal war leer. Sie durchquerten den Raum schnell und Sansa schaute nach dem Eisernen Thron, wo sie hoffte, dass Joffrey sich irgendwann an ihm schneiden würde. Nachdem was letzte Nacht geschehen war, war sie sich sicher, dass er sie nicht mehr liebte. Sie wusste für sich, dass sie ihn nie wieder würde lieben können.

Der Hund stoppte vor einer anderen Tür, die zur Kammer des kleinen Rates führte. Ser Boros Blount wartete davor und öffnete sie für sie, damit sie eintreten konnten. Cersei, Lord Baelish, Lord Varys und Großmaester Pycelle waren alle anwesend und saßen an einem Tisch, eine Karte und einige Pergamente lagen vor ihnen auf dem Tisch. Ein Mann, den sie nicht kannte, unverkennbar aber ein Lannister, da er ihre Farbe und Rüstung trug, aber ohne Waffen, stand in der Nähe und wartete auf Befehle. Sie schickte ein Stoßgebet zu den Göttern, dass Joffrey nicht anwesend war.

„Das Stark Mädchen ist hier, Euer Gnaden", kündigte der Hund an.

„Ich danke Euch, Clegane", sagte die Königin. Sansa hatte sich gefragt, wie die Königin ihn nennen würde. Sie konnte ihn nicht `Ser` nennen, da er kein Ritter war. Er war auch kein Lord und es würde nicht passen, dass sie ihn wie ihr Sohn `Hund` nannte oder `Der Bluthund` wie ihn alle anderen nannten. Clegane war sein Familienname und so rief sie ihn auch. Er begann sich zu entfernen, als die Königin in stoppte. „Bleibt. Es ist auch für Euch bestimmt."

„Ja, Euer Gnaden", sagte der Bluthund und nun wunderte sich Sansa tatsächlich, was sie von ihr wollten.

„Wie geht's es dir, kleines Täubchen?", fragte Cersei sie freundlich.

„Es geht mir ganz gut, Euer Gnaden." Es war eine Lüge, das wusste sie, aber sie konnte der Königin ja schlecht sagen, dass ihr Sohn ein Monster war und er seinen Männern befohlen hatte, sie zu schlagen.

„Gut. Komm näher. Wir haben viel zu besprechen."

Sansa näherte sich dem Tisch, der Hund blieb direkt hinter ihr. Als Sansa das Gesicht der Königin nun genau betrachten konnte, fiel ihr auf, dass sie sehr müde wirkte und aufgebracht, wahrscheinlich jedoch beides.

Sansa setzte sich nicht, da es ihr keiner gesagt hatte. Sie grüßte freundlich die anderen und sie fühlte einen Würgereiz, als Kleinfinger sie mit seinem üblichen lüsternen Blick betrachtete. Wie konnte ihre Mutter nur jemals mit ihm befreundet gewesen sein, fragte sich Sansa. Sie hatte gehört, dass ihm die Hälfte der Bordelle in King's Landing gehörte. Ihre Freundin Jeyne Pool wurde zu ihm geschickt, damit er sich um sie kümmerte, doch sie hatte von ihr seit zwei Wochen nichts mehr gehört. Auch wusste sie nicht, was mit dem Rest der Männer ihres Vaters passiert war und erst recht nichts von Arya. Niemand erzählte ihr etwas. Sie fürchtete, dass sie alle tot waren. Außer Arya wahrscheinlich. Yoren hatte gesagt, dass sie verschwunden war. Dies konnte aber auch bedeuten, dass sie tot war.

Cersei nickte Lord Varys zu, der an Sansa gewandt zu sprechen begann. „Sansa, meine Liebe, Ihr werdet bald King's Landing verlassen."

Dies überraschte sie. Hatte der Bluthund ihr tatsächlich die Wahrheit gesagt? Sie musste so tun, als wüsste sie von nichts. „Wohin werde ich gehen, Milord?"

„Nach Harrenhal", antwortete Varys. „Damit Ihr zu Eurem Vater und Eurer Schwester kommt."

Sansa fühlte, wie ein Blitz durch sie hindurchfuhr. „Mein Vater und… meine Schwester? Arya ist in Harrenhal?"

„Ja", sagte Lord Baelish. „Es sieht so aus, als wäre sie aus der Stadt entkommen, ohne dass es jemand bemerkt hatte." Als er dies sagte, grinste er Lord Varys breit an.

„Eure Schwester war einfallsreich", sagte Pycell mit einem Grummeln. „Sie hat die Stadt mit der Gruppe der Rekruten der Nachtwache verlassen, in der auch Euer Vater war."

Cersei begann weiter zu sprechen. „Die exakten Details kennen wir jedoch nicht. Die Straße in Richtung Norden war gefährlich, doch so wie es aussieht, hat mein Bruder Tyrion sie gefunden, bevor ihnen etwas geschehen konnte und hat sie nach Harrenhal zu meinem Vater gebracht, der dort nun das Kommando hat. Du wirst nun zu ihnen stoßen."

Sansa fühlte sich glücklich und wollte einfach nur lächeln, konnte es sich jedoch verkneifen. „Aber ich soll doch den König heiraten, Euer Gnaden."

Cersei schaute sie ganz genau an. „Würdest du das wollen?"

„Aus vollem Herzen, Euer Gnaden."

„Dann tut es mir leid, dass ich dein Herz brechen musst", sagte Cersei ihr emotionslos. „Die Verlobung wurde vom Hohen Septon außer Kraft gesetzt."

Sansa durchströmten eine Reihe von Gefühlen, doch sie konnte nur eine Frage stellen. „Warum?"

„Dein Vater ist ein Verräter", sagte Cersei stumpf. „Der Kontrakt wurde zwischen seinem Vater und deinem Vater gemacht, wo noch jeder dachte, dein Vater wäre ein ehrbarer Mann. Aber das ist er nicht oder?"

Sie wusste, was sie zu sagen hatte. „Nein, Euer Gnaden. Er ist ein Verräter."

„Sehr gut. Wir können den König nicht die Tochter eines gestandenen Verräters heiraten lassen. Joffrey wäre bereit gewesen, dich zu heiraten, doch er hat im Sinne des Reiches davon Abstand genommen. Du, deine Schwester und dein Vater werdet nach Riverrun gebracht, wo die Armee deines Bruders sich befindet. Seine Armee wird sich dann nach Norden zurückziehen und es wird wieder Frieden herrschen zwischen unseren Familien.

„Das kling gut, Euer Gnaden", war alles was Sansa sagen konnte. Sie wollte vor Freunde in die Luft springen, doch konnte sie sich zügeln.

Nun jedoch wurden Cerseis Gesichtszüge ernst. „Du wirst aber jemanden haben, der dich auf deine Reise begleitet. Prinzessin Myrcella wird dich auf der Reise nach Harrenhal begleiten und dann auch nach Winterfell."

Das überraschte sie. „Das… das wäre wundervoll, Euer Gnaden."

Cersei schnaubte. „Ja, zumindest für dich und deinen Vater." Sansa wusste nicht, was sie damit meinte und blieb deswegen ruhig. „Myrcella hat mir erzählt, dass sie dich mag. Als ich ihr alles erzählt habe, hat sie zuerst geweint, doch jetzt freut sie sich schon auf die Reise. Sie mochte Winterfell, als wir zuletzt dort waren. „Ihrem Stande nach steht ihr eine royale Wache zu." Cersei drehte sich zu dem Mann in den Farben der Lannisters. „Dies ist Ser Robyn Serrett. Er und fünfzig Männer werden euch auf dem Weg nach Harrenhal begleiten."

„Ich danke Euch dafür, dass Ihr dies tut, Ser Robyn", sagte Sansa zu ihm. Er war größer und älter als ihr Vater, schätzte sie. Er hatte schwarzes Haar, welches aber schon ins Grau überging, einen breiten Bauch und einen getrimmten Bart, der auch schon leicht grau wurde.

Der Mann lächelte leicht. „Ich werde dafür sorgen, dass Euch und der Prinzessin nichts passiert, Lady Stark."

Cersei sprach anschließend weiter. „Da eine Prinzessin wie Myrcella auch einen royalen Bewacher in Winterfell braucht…", sie schaute dabei an Sansa vorbei und den Bluthund an, „wird Clegane euch ebenfalls begleiten und als ihr Bewacher mit nach Winterfell reisen, solange Myrcella ihn braucht."

Sansa wusste nicht, was sie davon halten sollte. Der Bluthund auf Winterfell? Er war so mürrisch und voller Zorn. Aber besser er als einer der anderen, die sie geschlagen hatten.

Der Hund sagte für einen Moment lang nichts und begann dann zu sprechen. „Wie Eurer Gnaden befiehlt", sagt er schließlich.

Lord Baelish lächelte. „Macht Euch keine Sorgen, Clegane, der König wird gut bewacht sein, solange Ihr nicht da seid. Tatsächlich sagte er, als ihm die Neuigkeit heute Morgen mitgeteilt wurde, es wäre ihm egal, wohin Ihr gehen würdet. Hat der Hund des Königs ihm seine Feder zerzaust?"

Der Hund knurrte in Richtung Kleinfinger. „Wie würde es Euch gefallen, wenn ich das bei euch tun würde, Hurenmeister?"

„Das reicht!", sagte Cersei bestimmend. „Der König hat gesagt, dass Sandor Clegane seine loyalste und seine vertrauenswürdigste Wache sei und er sich besser fühlen würde, wenn er seine Schwester auf der Reise beschützen würde."

„Eine weise Entscheidung", sagte Pycelle.

Der Bluthund sagte nichts und Sansa wagte in diesem Moment, eine Frage zu stellen. „Wann werden wir aufbrechen, Euer Gnaden?"

„Bald. Spätestens in ein paar Tagen. Es sind noch einige Details, die erledigt werden müssen. Aber nichts, worüber du dich sorgen müsstest. Nun könnt ihr…"

„Euer Ganden, vergebt mir, doch ich mache mir Sorgen um meine Freundin Jeyne Poole."

Cersei war überrascht. „Ich kann mich nicht an sie erinnern."

„Ihr habt sie mir überlassen, um sie zu beschützen", sagte Baelish mit einem schleimigen Lächeln und drehte sich dann zu Sansa. „Sie hat sich dazu entschieden in King's Landing zu bleiben."

Sansa wusste, dass dies nicht stimmte. „Aber ihr Vater will sicher, dass sie zurück nach Winterfell kommt."

„Ihr Vater ist tot", sagte Lord Varys und schüttelte traurig den Kopf.

„Tot?", keuchte Sansa.

Cersei schaute kurz von ihr weg und sie dann wieder an. „Ja, meine Liebe. Es tut mir leid, Euch dies zu erzählen, doch die Mitglieder Eures Hauses haben sie gewehrt, als sie verhaftet werden sollten. Sie sind alle tot."

„Alle?" Sie wusste, dass es einen Kampf gegeben hatte, doch sie hatte gehofft, dass ein paar überlebt hatten. Sie konnte es nicht glauben, dass alle bis auf sie und Jeyne tot waren. Sie kannte schließlich alle ihr Leben lang.

Lord Baelish sprach als nächstes. „Jeyne hat mir erzählt, dass sie im Norden nichts mehr hält. Sie hat beschlossen, dass sie hier bleibt und als meine Assistentin arbeitet. Sie hat Ahnung von Anlagen und Geld, da ihr Vater ja der Verwalter von Winterfell war. Ich werde ihr alles beibringen und sie wird hier ein gutes Leben haben."

Sansa wusste sofort, dass dies eine Lüge war. Jeyne hatte genauso viel Ahnung von Anlagen und Geld wie Sansa, nämlich gar keine. Arya war diejenige gewesen, die wusste, wie viele Scheffel Korn von einem Hektar Land kam und wie viele Krüge Bier zehn Barrel waren. All das hatte Sansa und Jeyne immer Kopfschmerzen bereitet.

„Das ist sehr großzügig von Euch, Lord Baelish", flüsterte Sansa und sie fühlte sich, als würde sie jede Sekunde anfangen zu weinen. „Dürfte ich, bevor ich die Stadt verlasse, sie noch einmal besuchen?"

Lord Baelish lächelte. „Selbstverständlich. Ich werde heute Nachmittag jemanden zu Euch schicken, der euch abholt."

„Ich danke Euch, Milord."

„Das war alles, meine kleine Taube", sagte Cersei zärtlich. „Ich weiß nicht genau, an welchem Tag ihr aufbrechen werdet, doch es wird recht bald sein und ich werde dich vorher noch einmal aufsuchen. Clegane, bringt Lady Stark bitte zurück in ihr Quartier."

„Ja, Euer Gnaden", sagte der Bluthund und wandte sich dann ohne weitere Worte von ihr ab. Sansa verneigte sich und folgte ihm hinaus. Sie wagte nicht, sich umzublicken, wo in ihrem Kopf ein ganzes Feuerwerk an Gefühlen explodierte. Einerseits traurig, da all die Männer ihres Vaters tot waren, aber doch glücklich darüber, dass sie bald diesen verfluchten Ort würde verlassen können. Sie würde nie wieder hierher zurückkehren, das wusste sie und Winterfell würde bald wieder ihr Zuhause sein. Später würde ihr Vater ihr dann einen geeigneten Mann suchen… nein, nicht ihr Vater. Robb war nun der Lord von Winterfell. Er würde ihr einen geeigneten Ehemann suchen, einen guten Mann, der nett zu ihr sein würde, sie lieben und niemals schlagen würde. Sansa war es egal, ob er ein Lord oder ein Ritter war. Hauptsache er war groß, nett und ein guter Mensch, der sie niemals schlug.

Als sie zum Turm der Hand liefen, fluchte der Bluthund plötzlich. „Verdammtes Winterfell!"

„Bitte?"

„Es ist dort so verdammt kalt", war alles, was er sagte. „Was sind noch gleich die Worte Eures Vaters?"

„Der Winter naht", sagte sie.

„Und das wohl sehr bald, kleiner Vogel. Der lange Sommer wird bald enden, wie das Volk zu sagen pflegt. Ich hoffe, Euer Vater hat einiges an Wein gehortet?"

Sie wusste nicht, wie viel Wein in den Lagern war, doch wie wusste genau, was er wollte. „Ihr solltet nicht so viel trinken."

Er lachte leicht. „Alle Männer sollten nicht so viel trinken, doch wir machen es."

„Warum?"

„Um zu feiern, zu entspannen und der Gemeinsamkeit wegen. Doch meistens geht es darum, etwas zu vergessen oder um den Schmerz wegzuspülen."

Sie wusste, wovon er sprach. In der Nacht beim Fest nach dem Turnier ihres Vaters war der Bluthund betrunken gewesen und hatte ihr erzählt, wie er zu seinen Narben gekommen war. Anschließend hatte er ihr gedroht, sie zu töten, würde sie jemandem davon erzählen. Seit dieser Nacht hatte sie Angst vor ihm. Nun kam er mit ihr für eine lange Zeit nach Winterfell. Nun konnte sie immerhin mit ihm sprechen, ohne Angst haben zu müssen, er würde sie schlagen. Letzte Nacht hatte dies zumindest gezeigt. Vielleicht. Wahrscheinlich hätte sie einige Narben davon getragen, wenn er nicht eingeschritten wäre. Vielleicht hatte Joffrey ihn tatsächlich frei gegeben, um seine Schwester zu beschützen, aber es war sehr wahrscheinlich, dass dies nicht der wirkliche Grund war.

„Joffrey ist über Euch verärgert, oder? Weil Ihr mir letzte Nacht geholfen habt?"

„Verfluchter Joffrey", knurrte er leise. Dies schockte sie so sehr, dass sie nichts erwiderte. Bald darauf waren sie am Turm der Hand angekommen und zwei andere Wachen der Lannisters waren dort, um sie auf ihr Zimmer zu bringen.

Endlich allein, konnte sie letztlich etwas grinsen und lachen, da sie bald frei sein würde. Dann wanderten ihre Gedanken zu jenen, die gestorben waren, und sie fühlte sich schlecht. Lange Zeit lag sie auf ihrem Bett und bewegte sich nicht. Das Mittagessen kam, doch sie knabberte nur etwas an dem Käse herum und löffelte langsam ihre Suppe. Kurze Zeit später kam der Bluthund zurück.

„Kommt, kleiner Vogel. Lord Kleinfinger hat gesagt, Ihr könnt nun Eure Freundin besuchen."

„Warum hat Lord Baelish Euch geschickt?", fragte sie, während sie den Turm der Hand verließen und die beiden Lannisterwachen ihnen folgten. „Ich meine, Ihr arbeitet nicht für ihn, oder?"

Er knurrte. „Ganz sicher nicht für den Zuhälter. Er hat mich nicht geschickt, aber die Königin hat mir befohlen, Euch zu bewachen und das mache ich. Ich gehe dorthin, wo ihr hingeht."

Sie verließen den Roten Bergfried und waren bald in die Straßen King's Landings eingetaucht. Der Hund rückte etwas näher an sie heran und die beiden Lannistermänner taten das Gleiche hinter ihr. Viele Menschen waren auf den Straßen unterwegs und gingen ihren Geschäften nach, doch Sansa fühlte ihre Augen auf sich und die Wut, die sie in sich trugen. War sie schuld daran, dass sie hochgeboren war und alles hatte, was sie nicht hatten? Nein, doch sie verstand, warum sie wütend waren. Die Welt war zwischen dem gemeinen Volk und den Adeligen gespalten und es war sehr schwierig, von unten nach oben zu kommen. Ein Mann konnte vielleicht ein Ritter werden, wenn er es sich auf dem Schlachtfeld verdiente, doch sein Familienname konnte auf ihm lasten und auch seine Vergangenheit. Nur wenn er, wie die Helden in den Büchern, die sie so sehr liebte, es schaffte seine Vergangenheit zu ändern und eine Maid zu retten, dann konnte er seinen Status deutlich verbessern.

Während sie die Straße entlang gingen, reagierten die Menschen unterschiedlich auf sie. Einige Händler riefen ihr zu, sie solle sich ihre Waren anschauen, andere Menschen spuckten vor ihr auf den Boden, wieder andere streckten ihre Hände aus und baten um Münzen oder Essen. Der Bluthund knurrte alle an und sagte ihnen, sie sollten sie in Ruhe lassen oder er würde ihnen die Hände abschlagen.

„Verflucht sei dieser Zuhälter!", sagte er, als sie um eine Ecke bogen. „Warum konnte er das Mädchen nicht in die Burg bringen, um sich von Euch zu verabschieden!"

Kurze Zeit später erreichten sie einen Torbogen und gingen unter ihm hindurch. Sie betraten einen kleinen Innenhof, in dem fünf junge Frauen standen, alle leicht bekleidet, oder sie saßen um einen Brunnen herum auf Bänken. Sie beendeten ihr Gespräch, als Sansa, der Bluthund und die beiden Wachen näher kamen.

Eine vollbusige Blondine stand auf, schaute den Bluthund an, war aber nicht verängstigt von seinen Narben, bemerkte Sansa. „Ihr seid aber ein großer Mann. Seid Ihr überall groß?"

„Setz dich wieder hin und halt deine Klappe, Hure, bevor ich sie dir blutig schlage", knurrte der Bluthund. Doch das brachte die Frau nur zum Lachen. „Sehr temperamentvoll. Das mag ich", sagte sie, setzte sich jedoch wieder hin.

„Wo ist euer Zuhälter?", knurrte der Hund sie an.

„Hier", antwortete Baelish und trat aus einer der Türen. „Sansa, kommt doch herein. Euer Hund und die beiden Welpen können hier draußen auf Euch warten."

„Das werde ich sicherlich nicht. Wo sie hingeht, gehe ich hin", antwortete der Bluthund.

Lord Baelish grinste leicht. „Wie Ihr wünscht. Doch die anderen beiden bleiben hier."

Der Bluthund befahl den anderen beiden, hier draußen zu warten, doch sollten sie die Finger von der Ware lassen, was auch immer er damit meinte. Danach traten Sansa und er in das Haus und folgten Lord Baelish eine Treppe hinauf in die oberen Etagen. Hier befanden sich noch mehr Frauen und auch einige Männer, die ihnen in die Zimmer folgten und Sansa wusste nun mich großer Sicherheit, das sie in einem Bordell war.

„Ich finde es eine bodenlose Frechheit von Euch, Kleindinger, dass ich das Mädchen in eines Eurer Bordelle bringe", sagte der Bluthund mit seiner rauen Stimme.

„Sandor, mein Freund", sagte Lord Baelish in einer erheiternden Art. „Was habe ich Euch getan?"

„Ich kann Euch nicht leiden. Das ist alles, habe es nie gekonnt", sagte der Bluthund.

„Aber Ihr mögt meine Huren umso mehr."

„Haltet Euer verdammtes Maul."

Sansa wusste sofort, was er meinte. Der Bluthund musste ein Kunde von Lord Baelish sein. Sansa war kein Kind mehr. Sie wusste, was Männer und Frauen im Bett zusammen trieben. Sie wusste auch, wofür Huren waren. Der Bluthund war auch ein Mann. Alle Männer brauchten Frauen, hatte Jeyne einmal gesagt und sie hatten sich darüber köstlich amüsiert. Anschließen hatten sie überlegt, welche Jungs in Winterfell sie mochten, doch Sansa wusste, dass sie niemals einen von ihnen heiraten würde. Sie wusste, dass ihr Vater sie mit dem Sohn eines anderen Lords würde verheiraten wollen. Sie hatte sich nie zu träumen gewagt, dass es der Sohn des Königs sein würde. Doch alles hatte sich zum Schlechten gewandelt und sie war in der bitteren und harten Realität aufgewacht.

„Nun, ich denke, es ist nun nicht mehr zu ändern", sagte Lord Baelish zum Bluthund. „Ihr werdet bald auf dem Weg nach Winterfell sein und ich bin mir sicher, dass wir uns kaum sehen werden. Ah, da sind wir."

Er öffnete eine Tür und drinnen war etwas wie ein Solar. Es gab einen großen Tisch mit mehreren Stühlen. Jeyne saß an eben jenem, mit vielen Papieren und Rollen vor sich, sowie ein paar Tintenfässern und Federn. Sie sah gut aus, dachte Sansa und trug ein schönes dunkelgrünes Kleid. Jeyne schaute auf, ihre Augen weiteten sich und ihr entfuhr ein kleiner Schrei.

„Sansa", rief sie und rannte auf sie zu und die beiden umarmten sich herzlich und weinten leicht.

„Setzt Euch", sagte Lord Baelish, während er und der Bluthund in der Nähe standen und kein Wort sagten. Sansa setzte sich neben Jeyne und sie sprachen über alles, was bisher geschehen war, sowie darüber, dass Sansa bald in Richtung Winterfell aufbrechen würde.

„Möchtest du mit uns kommen?", fragte sie Jeyne.

Jeyne schluckte merklich und spähte in Richtung Lord Baelish und dann zurück zu Sansa. „Mein Vater ist tot. Ich habe nichts mehr, was mich in Winterfell noch hält. Lord Baelish hat mir Arbeit gegeben und wird mir helfen, einen Mann zu finden. Er ist sehr freundlich zu mir und ich bin ihm dankbar.

Sansa nickte. „Ich verstehe." Ich verstehe, dass du hier gefangen bist wie ich, dachte sie. „Lord Baelish sagt, dass du gut mit Finanzen umgehen kannst."

Sie lächelte leicht. „War ich doch schon immer. Erinnerst du dich nicht?"

„Aber natürlich", sagte Sansa und spielte mit. „Es waren Arya und ich, die nie gut darin waren."

„Ja. Geht es Arya gut?", fragte sie.

„Ich denke ja. Man hat mir gesagt, sie ist mit meinem Vater zusammen in Harrenhal."

Jeyne nickte. „Wenn du sie siehst, sag ihr, dass es mir leidtut, dass ich mich all die Jahre über sie lustig gemacht habe. Ich hätte das niemals tun sollen."

„Ich werde es ihr sagen." Sie sprachen für ein paar weitere Minuten miteinander, über die Menschen, die gestorben waren, und Sansa fragte sie, ob sie ihr für das, was ihr Vater getan hatte, vergeben würde und natürlich tat sie es. Sansa wusste natürlich, dass sie auch Schuld daran trug, doch sie konnte Jeyne nicht erzählen, dass ihr Vater tot war, während Sansas noch lebte.

„Es wird Zeit zu gehen, kleiner Vogel", sagte der Bluthund plötzlich und unter tränenden Augen und einer letzten Umarmung verabschiedeten sie sich voneinander, vielleicht für immer.

Lord Baelish brachte sie zurück in den ersten Stock. Als sie die Treppe verließen, kam eine seiner Frauen auf sie zu, halb angezogen wie alle anderen. Sie hatte rotes Haar, welches sie nach oben gesteckt hatte, sie war etwas pummelig und Sansa konnte ihre großen Brüste durch ihr durchsichtiges Oberteil sehen.

„Milord, Ihr habt gar nicht erzählt, dass wir ein neues Mädchen haben? Sie ist hübsch. Willkommen, meine Liebe."

Zu Sansas Überraschung umarmte die Frau sie und hielt danach ihre Hand. Während sie das tat, merkte sie, dass die Frau ihr vorsichtig ein Stück Papier in die Hand legte und dann zudrückte.

„Verschwinde, du Hure", knurrte der Bluthund, während er einen Schritt auf sie zutrat und sie ließ von Sansa ab.

„Kein neues Mädchen", sagte Lord Baelish mit einem strengen Blick. „Sie hat nur ihre Freundin besucht."

Die Frau lächelte und schaute Sansa mit einem Blick an, der ihr lächerlich vorkam. „Wirklich? Eine Schande. Ich hätte es geliebt, ein oder zwei Stücke mit ihr und einem Lord zu spielen. Wenn sie trainiert wäre natürlich."

Sansa stutze. Was meinte sie?

Der Bluthund schaute die Frau böse an. „Sie ist keine Schlampe wie du. Nun verschwinde endlich."

Die Frau kicherte vor sich hin, während sie aus dem Raum durch eine andere Tür verschwand. Kleinfinger schaute ihr nachdenklich nach. Er drehte sich zu Sansa und wollte gerade etwas sagen, als ein Tumult auf dem Platz vor dem Gebäude ausbrach. Draußen schrie jemand und kurze Zeit später hörten sie schwere Schritte und plötzlich trat eine Reihe von Goldröcken in das Gebäude. Ein etwas älterer Mann mit schweren Wangen führte sie an und ging direkt in Richtung von Lord Baelish. Der Hund stellte sich vorsichtshalber vor Sansa.

„Was wollt Ihr hier, Slynt?", fragte Lord Baelish verärgert. „Wollt Ihr noch mehr Babys töten? Ich befürchte, sie verstecken sich alle vor Euch."

„Für Euch Lord Slynt, Verräter!", knurrte der Mann namens Slynt. „Ich bin nicht wegen der Babys hier. Ich habe hier einen Haftbefehl für Euch wegen Hochverrats." Er gab Lord Baelish die versiegelte Rolle.

„Das ist ein Skandal!", schrie Baelish, während er die Rolle öffnete und nach dem Lesen laut seufzte. „Nun dies scheint wohl zu stimmen. Ich werde mich sofort mit dem König und der Königin treffen und das Missverständnis beenden."

Slynt grinste. „Ich habe den Befehl, Euch direkt in die Schwarzen Zellen zu bringen."

Lord Baelish sträubte sich. „Seht, ich bin ein Lord des Reiches, der Meister der Münzen. Ich verlange sofort die Königin zu sprechen!"

„Oh, sie wird mit Euch reden. Allerdings nicht jetzt, sondern irgendwann, wenn Ihr bereit seid, Eure Verbrechen zu gestehen. Bringt ihn weg!"

Zwei der Männer packten Lord Baelish unter den Armen, einer von ihnen entfernte sein Messer von Lord Baelishs Hüfte. „Das ist noch nicht vorbei, Slynt!", schrie er. „Ich werde Euch alle hängen sehen!"

„Ihr jedoch zuerst", sagte Slynt mit einem Lächeln, als Lord Baelish schreiend fortgeführt wurde. Slynt warf dann seinen Leuten Befehle zu. „Sammelt alle Papiere und Bücher ein. Dann sammelt alle Huren ein und befragt sie. Schmeißt alle Gäste raus, doch tut niemandem etwas." Erst jetzt bemerkte er den Bluthund. „Was tut Ihr hier? Einen Mittagsfick?"

Der Bluthund packte Slynt vorne an seinem Kettenhemd. „Halt die Schnauze, Schwein. Was ich hier mache, geht nur mich und die Königin etwas an."

Während sie sprachen, schaute Sansa auf den Fetzen Papier, den die Frau ihr gegeben hatte. In kleinen Worte stand darauf Rette mich! Bring mich nach Hause! Jeyne.

Sansa hatte keine Zeit darüber nachzudenken, wie die Frau die Nachricht bekommen hatte, geschweige denn, warum sie sie ihr gegeben hatte. Vielleicht wusste Jeyne, dass Sansa sie würde besuchen kommen. Vielleicht hatte Lord Baelish ihr gesagt, dass sie käme, um sich zu verabschieden. Sie zerknüllte schnell die Nachricht in ihrer Hand, als zwei der Goldröcke ihre Speere auf den Bluthund richteten.

„Lass mich gehen oder meine Männer werden Euch töten", schrie Slynt.

Der Bluthund lachte. „Sie können es verdammt noch mal versuchen. Ich habe schon seit Wochen niemanden mehr getötet. Mein Schwert lechzt sich nach frischen Blut."

Sie musste dies alles stoppen. Sansa reichte an die Rüstung seinen Armes. „Sandor? Bitte hört auf", sagte sie und benutzte seinen Vornamen zum ersten Mal.

Er zuckte zusammen und ließ Slynt mit einem Seufzen los. „Ja, Milady", sagte er.

„Wir sollten gehen", sagte sie. Doch dann wusste sie, was sie zu tun hatte. „Nachdem wir meine Freundin geholt haben und sie mit uns genommen haben."

Der Bluthund drehte sich zu ihr und schaute sie an. Für ein paar Sekunden sagte er nichts, doch dann nickte er. „Wie recht Ihr habt, kleiner Vogel."

„Wer ist das… Lady Stark?", sagte Slynt überrascht, als er sie endlich bemerkte, wie sie hinter dem Bluthund stand. Er drehte sich zu seinen Männern und schüttelte mit dem Kopf. Daraufhin senkten sie ihre Speere.

„Ja… Lord Slynt richtig?", fragte sie und wartete nicht auf eine Antwort. „Sandor Clegane wurde von der Königin beauftragt, mich hierher zu bringen, damit ich eine Freundin besuchen konnte, die in den Diensten Lord Baelishs steht als Kontenprüfer. Ich wollte sie dazu einladen, mich zum Abendessen zu begleiten. Kann sie dies tun oder nicht?"

„Sie passt auf seine Konten auf?", fragte Slynt. „Sie weiß vielleicht einige Sachen…"

„Sie weiß gar nichts.", grummelte der Bluthund. „Kleinfinger hat Lady Stark angelogen. Ihre Freundin ist niemand, der seine Konten betreut, sondern sie ist eine Hure in der Ausbildung wie die anderen. Sie wird hier gegen ihren Willen festgehalten. Lady Stark hat auch gelogen. Sie hat mich gefragt, ob wir ihre Freundin retten können."

Sansa war von seinen Worten schockiert. Sie hatte vermutet, dass es so war, doch nun wusste sie, dass es tatsächlich so war. Arme Jeyne! „Bitte Lord Slynt, helft uns. Sie ist meine Freundin aus Winterfell. Ich gehe bald nach Hause und sie möchte mit mir kommen."

Slynt wartete, dann nickte er. „Ja, ich weiß, dass Ihr uns bald verlasst. In Ordnung. Baelish ist ein Verräter und der Königin wird es egal sein, was mit einer seiner Huren passiert. Nehmt das Mädchen und verschwindet."

Sansa wartete keine weitere Sekunde. Sie rannte die Treppen hinauf, hörte den Bluthund noch hinter sich her rufen, sie solle warten und dann konnte sie ihn hinter sich die Treppe hochrennen hören. Oben herrschte das reinste Chaos. Goldröcke zerrten nackte Männer und Frauen aus den Zimmern, Menschen schrien und fluchten. Als sie zu dem Raum kam ,in dem Jeyne war, stand Jeyne weinend in einer Ecke, während drei Goldröcke alle Papiere, Rollen und Bücher einsammelten.

„Sansa", schrie sie und rannte zu ihr. Einer der Goldröcke versuchte, sie aufzuhalten, doch der Bluthund war da und schubste den Mann weg, so dass er auf dem Boden landete.

„Hände weg!", knurrte er, während die anderen beiden mit dem, was sie taten, aufhörten und den anderen dabei beobachteten, wie er wieder versuchte auf seine Füße zu kommen. Sie zogen ihre Schwerter, doch der Bluthund lächelte nur und zog seines ebenfalls. Dann stand Slynt plötzlich im Raum und schrie seine Männer an.

„Steckt eure Schwerter weg!"

Seine Männer erstarrten, doch taten, was er von ihnen verlangte, während Slynt sich zu Sansa, Jeyne und dem Bluthund drehte. „Verschwindet, bevor ich es mir anders überlege!"

Der Bluthund grunzte und steckte sein Schwert zurück in die Scheide. „Kommt, kleiner Vögel. Es wird Zeit davon zu fliegen."

Kurz darauf betraten sie wieder den kleinen Innenhof und sahen die beiden Wachen der Lannisters, wie sie von den Goldröcken mit ihren Speeren in Schach gehalten wurden. Der Bluthund setzte an, um etwas zu sagen, doch Sansa war schneller. „Sie gehören zu mir und sind keine Angestellten von Lord Baelish", sagte sie kommandierend. Sie wusste nicht, woher sie den Mut nahm, da sie die Männer eigentlich nicht mochte, doch sie wollte nicht noch mehr Blutvergießen. „Könnt ihr nicht erkennen, dass sie die Farben der Lannisters tragen? Die Königin wird davon hören, wenn ihr sie nicht gehen lasst."

Langsam senkten sie die Speere und die beiden Männer reihten sich hinter Sansa, Jeyne und dem Bluthund ein, während sie durch den Torbogen gingen.

„Ich danke Euch, Milady", sagte einer der Wachen, während sie sich von dem Bordell entfernten.

„Was ist passiert?", fragte der andere.

„Der Hurenmeister wurde wegen Hochverrats verhaftet", erzählte der Bluthund.

„Hochverrat? Baelish?"

„Ja. Wir wissen nicht warum. Los, lasst uns zurück zur Burg gehen", sagte Sansa.

„Wie Ihr befehlt, Milady", sagte der Bluthund und Sansa fühlte sich wie beflügelt, als sie Jeynes Hand nahm und sie dem großen Mann vor ihnen durch die Straßen folgten.


Da wars schon wieder bis zum nächsten Kapitel.

Viele Grüße