„Das war's! Wir werden hier sterben!" Sie verließen das Hotel. Ein Glück für Sie, dass der Ausgang auf der anderen Seite lag. Dort konnte der Fremde sie niemals schnell genug erreichen. Irum hatte keine Zeit verloren und sofort ein Taxi gerufen. Besser sie verschwanden aus dieser Gegend so schnell sie konnten. Erleichtert ließ er sich in den Sitz zurücksinken. Es dauerte auch nicht lange, bis sich Ella regte. Ein wenig verwirrt sah sie sich um, ehe sie Irum erblickte. Sie rieb sich die Stelle, an der er sie geschlagen hatte. Nach dem Treffen mit Andro war es besser keine weitere Zeit zu verlieren, weshalb sich die Crew auf dem Landedeck der Little Miss einfand. Reek begutachtete das Schiff mit großen Augen.
„Halten Sie die Klappe!"
Ella versuchte sich zu konzentrieren. Das Licht auszuschalten hatte ihr nur einen kleinen Vorteil verschafft. Sicher war dieser unbekannte Angreifer auch dagegen gewappnet. Profis konnten mit den flexibelsten Situationen umgehen. Dieser hier war fest entschlossen den Muun zu bekommen. Dabei kümmerte es ihn nicht, ob er sie dafür töten musste. Solche Individuen machten keinerlei Ausnahmen, wenn es um ihre Beute ging. Einen Augenblick lang dachte sie darüber nach, ob sie Baudo nicht einfach zurücklassen und fliehen sollten. Sie und Irum hatten mit diesem Söldner keinerlei Schwierigkeiten. Wenn sie gingen, dann war die Geschichte für sie vorbei. Leider verstrich damit aber auch die einzige Chance Reva näher zu kommen. Andro würde sich mit einer gescheiterten Mission sicher nicht anfreunden. Alles wäre umsonst. Aufgeben stand also nicht zur Debatte.
„Was willst du jetzt tun Ella? Wir haben nicht die Ausrüstung, um es mit diesem Typen aufzunehmen. Wir sind im Nachteil. Ich will nicht, dass du dein Leben hierfür riskierst. Es gefällt mir zwar nicht, aber es gibt andere Möglichkeiten als diese hier."
Sie schüttelte den Kopf. Diese Worte wollte sie nicht hören.
„Nein! Wir sind so weit gekommen. Wir können doch jetzt keinen Rückzieher machen! Sky ist unsere einzige Möglichkeit! Wann glaubst du finden wir wieder jemanden, der uns einen Deal vorschlägt? Du kannst das unmöglich in Erwägung ziehen!"
„Doch. Ich tue es. Es geht hierbei nicht nur um Reva Ella, sondern auch um dich. Du siehst nicht mehr klar. Wir können nicht gewinnen! Ich werde nicht tatenlos zusehen, wie du dein Leben einfach wegwirfst!"
Sie wollte protestieren, doch mit einem einfachen Faustschlag seinerseits verlor Ella das Bewusstsein. Irum seufzte. Er hasste es, solche Dinge zu tun. Dennoch war es wichtig. Elrassa hatte sich nicht mehr unter Kontrolle und das letzte was er wollte, war sie hier sterben zu sehen. So griff er nach dem Kommunikator.
„Sind sie noch da?"
„Ja. Mit wem habe ich das Vergnügen? Ihr Dialekt ist ziemlich außergewöhnlich. Ich habe selten einen Sluissi gesehen, der so gut Basic spricht."
Irum presste die Lippen aneinander. Wer auch immer diese Person war – Es handelte sich um keinen Anfänger. Der Sluissi schloss die Augen und ließ die Situation Revue passieren, ehe er das Wort ergriff:
„Ich werde ihr Angebot annehmen. Wir werden gehen und ihnen den Muun überlassen. Wie sie sagten: Wir haben mit ihren Geschäften nichts zu tun!"
Das war das erste mal, dass sich Baudo wieder zu Wort meldete.
„Nein! Das können sie doch nicht machen! Bitte. Überlassen sie mich nicht diesem Monster!"
Der Muun flehte um sein Leben. Für eine Sekunde hätte Irum sogar schwören können, dass er anfing zu weinen. Darauf achtete er nicht, sondern wartete die Antwort des Fremden ab.
„Endlich jemand mit ein wenig Vernunft. Tut mir leid für Sie, dass sie ihre Freundin so ruppig überzeugen mussten, aber manchmal verlangt es nach einer harten Hand. Sie sind ein intelligenter Mann. Gehen Sie. Nehmen sie das Mädchen mit."
Der Sluissi nickte. Damit war alles erledigt. Er nahm Ella auf den Arm und erhob sich. Sein Herz schlug schnell in seiner Brust. Irgendwo da draußen war dieser Angreifer und lauerte. Irums Augen hatten sich inzwischen an die Dunkelheit gewöhnt. Er konnte den Muun sehen. Er war nicht weit von ihm entfernt.
„Bitte!"
„Shht."
Kaum merklich griff er in seine Gürteltasche. Jetzt musste alles schnell gehen. Es würde nicht lange dauern, bis diese Scharade auffiel. Mit einem schnellen Griff hatte der Sluissi sein Schweißgerät gezündet und Teile der Deckendekoration in Brand gesteckt. Die Flammen breiteten sich sehr schnell aus und griffen auf andere Teile des Zimmers über. Das würde den Fremden ablenken und ihnen genügend Zeit verschaffen.
„Kommen Sie!", zischte er und öffnete die Tür. Im Korridor wartete bereits Reek auf sie.
„Was ist passiert? Reek hatte große Angst! Ja das hatte er!"
Der Sluissi achtete nicht auf ihn, sondern eilte mit dem Muun den Korridor hinab. Der Ryn folgte ihnen.
„Entschuldige. Mir war keine andere Lösung eingefallen. Es musste echt aussehen. Wir dürfen keine Zeit verlieren. Wir haben Baudo. Wir liefern ihn ab, holen uns die Information und dann verlassen wir den Planeten. Wer auch immer dieser Kerl war, er wird nicht erfreut darüber sein, dass wir ihm ein Schnippchen geschlagen haben."
Elrassa setzte sich auf. Ihr Blick fiel auf den Muun, der gerade von Reek vollgebrabbelt wurde. Sie hatten es wirklich geschafft. Sie konnten ihn an Andro übergeben und diese Geschichte abschließen. Sie kamen Reva ein Stück näher. Endlich. Sicher. Das hier war nur der erste Schritt, aber diesen Triumph konnte ihr niemand nehmen. So lehnte sie sich an die Schulter des Sluissi und seufzte.
„Hauptsache ist, dass wir diesen Planeten so schnell wie möglich verlassen. Wir haben lange genug auf Coruscant zugebracht. Dieser Ort bereitet mir Alpträume!"
Letztendlich erreichten sie Andros Versteck. Wie immer war er in einer Sabbac-Partie mit seinen Freunden vertieft. Als sie hereinkamen erhob er sich sofort. Sein Blick fiel auf Baudo. Er klatschte zufrieden in die Hände.
„Nicht schlecht. Das haben sie wirklich gut gemacht!"
Ella schritt auf ihn zu und griff ihm an den Kragen. Sofort reagierten der Defel und der Squib. Andro hob die Hand und deutete ihnen, dass kein Grund zur Gefahr bestand. Die Vahla sah ihn finster an.
„Sie haben uns einiges verschwiegen Andro! Wir waren nicht die einzigen die hinter Baudo her waren. Das hätte uns unser Leben kosten können. Hätten sie das erwähnt, hätten wir uns besser vorbereiten können!"
Der Unterhändler lächelte unschuldig.
„Nun. Baudo ist eben ein gefragter Mann. Ich kann nichts dafür, wenn er noch mit anderen Leuten eine Rechnung offen hat. Wichtig ist nur, dass ihr ihn zuerst erwischt habt. Und jetzt könnt ihr mich wieder loslassen. Die Jacke ist neu!"
Sie ließ von ihm ab und schnaubte, ehe sie sich auf einem freien Platz niederließ. Mit einem Fingerzeig deutete er seinen Freunden sich um den Muun zu kümmern. Sogleich führten sie ihn in ein Hinterzimmer. Ella wollte gar nicht wissen, was sie nun mit ihm anstellen würden. Es war nicht mehr ihre Angelegenheit. Sie hatten ihren Teil der Abmachung erfüllt.
„Also. Wir haben ihnen Baudo gebracht. Jetzt sind sie dran Andro!"
Er rieb sich die Hände.
„Natürlich. Trotzdem dürfen sie eins nicht vergessen: Reek wird sie begleiten. Er ist ihre Sicherheit. Ich hoffe das ist ihnen bewusst."
Sie nickte. Der Ryn war wohl im Augenblick das kleinste Übel.
„Dann sind wir uns ja einig. Kommen wir zum Geschäft: Es gibt einen Treffpunkt auf Denbo. Das ist die einzige Information die ich ihnen geben kann. Ein paar von Vydics Männern haben dort ihren Unterschlupf. Wenn sie mit den richtigen Leuten sprechen, werden sie ihn finden. Und natürlich ihre Freundin."
„Das ist sehr vage!", erklärte Ella. Sie war unzufrieden.
„Das ist alles, was ich ihnen anbieten kann. Fragen sie nach Sirous. Er ist ein guter Freund von mir. Er wird ihnen helfen."
Damit war das Gespräch beendet. Es war zwar weniger als erwartet, aber zumindest hatten sie jetzt einen kleinen Hoffnungsschimmer.
„Zeig ein wenig mehr Respekt. Das ist unser zu Hause!", erklärte Ella. Sie war sich noch nicht sicher darüber, in wieweit der Ryn für sie nützlich sein sollte. Bisher hatte er nicht wirklich aufgetrumpft. Allerdings hatte er sie zu Sky geführt. Das war etwas, dass man ihm anrechnen musste. Wären sie nicht auf ihn gestoßen, würden sie wahrscheinlich immer noch auf dem Planeten umherwandern und nach irgendwelchen Informationen suchen. Insofern konnten sie dankbar dafür sein, Reek gefunden zu haben.
„Euer zu Hause ist jetzt auch Reeks zu Hause! Er wird es mit viel Respekt behandeln. Ja das wird er!"
Damit schritt der Ryn die Rampe hinauf. Elrassa blieb alleine mit Irum zurück. Sie legte ihm eine Hand auf die Schulter.
„Was du da drinnen getan hast...ich...es tut mir leid. Ich habe mich von meinen Gefühlen leiten lassen und uns in Gefahr gebracht. Du hast Recht. Wenn es um Reva geht, bin ich einfach nicht objektiv genug. Ich habe mir einfach nur zu sehr gewünscht, dass das hier etwas bringt und wollte mir allen mitteln einen Erfolg erreichen!"
Er erwiderte ihre Berührung.
„Es ist in Ordnung Ella. Mach dir keine Vorwürfe. Auch ich sorge mich sehr um Reva. Doch nun haben wir eine Spur. Sie mag nicht die beste sein, aber wir sind auf dem richtigen Weg. Wir werden sie finden. Da bin ich mir sicher. Es ist nur noch eine Frage der Zeit."
Ella nickte. Er hatte Recht. Sie waren auf dem richtigen Weg. Bald. Bald würden sie Reva finden. Dann würden sie wieder eine Familie sein.
„Du schummelst doch Andro. Wie kannst du fünf mal hintereinander gewinnen?"
Der Defel knurrte böse und kratzte sich sein Fell. Der Angesprochene grinste nur und sammelte die Credit-Chips ein, die auf dem Tisch verstreut lagen. Nach der Abreise von Ella und Irum hatte er sich mit Baudo auseinandergesetzt. Sie hatten sich darauf geeinigt, dass er nun für den Unterhändler arbeitete. Das würde ihm zwar die Schulden nicht zurückzahlen, aber so hatte er diesen schmierigen Kerl an sich gebunden. Jetzt saß der Muun auf einem der Sitzplätze und sah ihnen beim Spielen Braunhaarige nickte ihm zu.
„Willst du nicht mitspielen? Keine Sorge. Ich kann dir etwas Geld leihen!"
Baudo schüttelte nur den Kopf. Die Spieler lachten. Andro war zufrieden. Das ganze hatte sich am Ende für sie alle gelohnt. Schade, dass die beiden so schnell wieder abgereist waren. Er hätte ihre Dienste gerne noch etwas länger in Anspruch genommen, aber es ließ sich nicht ändern. Vielleicht würden sich ihre Wege ja in Zukunft wieder kreuzen.
„Hast du das gehört?", fragte der Squib plötzlich und regte seinen Kopf in Richtung Tür, die mit einem Tritt aufgestoßen wurde. Das nächste war ein kleines metallisches Objekt, das über den Boden rollte und damit begann Rauch zu verströmen. Die Männer erhoben sich. Andro hielt die Hand vor den Mund und hustete. Mit der anderen griff er an seinen Gürtel, wo sein Blaster ruhte. Auch der Defel und der Squib waren in Stellung gegangen.
„Was ist das Sky?", fragte der Defel knurrend. Aus dem Rauch ging ein Schuss hervor, der das Alien zu Boden brachte. Reglos blieb er dort liegen. Nun begann der Squib in den Rauch zu feuern, doch auch er wurde von einem einzigen Schuss zur Strecke gebracht. Andro ging hinter den Möbeln in Deckung. Auch Baudo hatte sich Zuflucht gesucht.„Wer ist da?"
Ein Lachen ertönte. Es klang gedämpft. Vermutlich trug der Angreifer eine Maske, um den Rauch nicht selber einzuatmen. Andro verharrte in seiner Position. Ihm wurde ein wenig schwummrig. Das Gas.
„Nett hast du es hier, 'Sky'. Witzig. Wusstest du, dass es ganz übel ist, sich mit den Lorbeeren eines anderen zu schmücken? Der Sky den ich kenne, hält sich im Hintergrund. Er würde sich niemals dazu herablassen, mit jemandem Sabbac zu spielen. Du bist nur ein Strohmann der für ihn den Dreck erledigt. Nichts weiter."
Andro konnte sich nicht mehr rühren. Der Rauch hatte seine Sinne komplett betäubt. Sogar den Blaster hatte er fallen lassen. Nun zeichnete sich im Qualm eine Silhouette ab. Eine zierliche Gestalt tauchte vor ihm auf. Komplett in schwarz gekleidet. Das Gesicht war hinter einer Maske verborgen. Rotes langes Haar lugte dahinter hervor, dass der Person bis zu den Schultern hinabhing. Langsam beugte sich die Fremde zu Andro herunter.
„Außerdem hast du bei deiner Scharade den wichtigsten Punkt vergessen: Sky ist kein Mensch!"
Er bemühte sich um Fassung. Auch Baudo rührte sich nicht Gift schien bei ihm dieselbe Wirkung zu haben. Andro konzentrierte sich wieder auf die Fremde.
„Warte...wir können uns einigen."
Sie schüttelte den Kopf und hob tadelnd den Zeigefinger.
„Nein. Das können wir nicht. Allerdings muss ich dir danken. So leicht wäre ich niemals an Baudo herangekommen. Du hast mir eine Menge Arbeit erspart. Trotzdem. Es wird Zeit dass wir uns ein wenig unterhalten. Wer waren die beiden, die du zum Hotel geschickt hast?"
Er sah sie kalt an.
„Fahr zur Hölle!"
Ein Schuss löste sich, der direkt durch seine Schulter ging. Er schrie laut auf. Mit einem Griff drückte sie ihn zu Boden. Übte dabei Druck auf die Wunde aus, so dass es noch mehr schmerzte.
„Ich habe dir eine simple Frage gestellt. Wer waren diese Leute? Wichtiger noch: Wo hast du sie hingeschickt?"
Er antwortete nicht. Sie legte den Kopf schief, ehe sie zu seiner Hand griff. Ein knackendes Geräusch war zu hören. Gefolgt von einem Schrei, der wie ein Schwert durch die Luft schnitt. Andro wimmerte vor Schmerzen. Die Fremde hockte über ihm und sah auf ihn herunter. Der Rauch verzog sich langsam. Sie nahm die Maske ab. Glatte Gesichtszüge waren das erste, das ihm auffiel. Die Haut war weiß-rosa. Ein Mischling. Das deutlichste allerdings waren die roten Augen, die ihm entgegen leuchteten. Andro erbleichte. Eigentlich hätte er sie an der Stimme erkennen müssen.
„Shenra...", presste er hervor. Sie legte ihm einen Finger auf die Lippen.
„Ganz ruhig. Wir wollen doch nicht zu persönlich werden. Und jetzt. Jetzt unterhalten wir uns über deine kleinen Freunde!"
