Schwarz... Wieso ist es schwarz...? Ich fühle mich so schwer... Was ist nur passiert? Ich war auf dem Schulfest und dann... Dann bin ich zu den Toiletten gerannt. Ich hab mich verwandelt!
Abrupt öffnete Kei ihre Augen und wollte Aufstehen, doch die Schwere auf ihrer Brust zog sie wieder runter. Ein schmerzhaftes Stöhnen entwich ihr. Eine Figur neben ihr bewegte sich daraufhin, legte sich jedoch gleich wieder hin als sie ihren Arm als Kopfkissen verwendete.
„Wie geht es dir Kei?", fragte sie eine ruhige Stimme.
„Kuroko?", erkundigte sich die Blondine mit heiserer Stimme. „Was ist passiert?"
Leise näherte sich der unscheinbare Junge und nahm ein Glas vom Nachtisch neben dem Bett auf dem Kei lag.
„Du solltest erst mal etwas trinken. Ich werde dir anschließend alles erklären."
Kuroko führte das Glas mit Wasser gefüllt an Keis Lippen und lies sie in ihrem eigenen Tempo alles austrinken. Sie hatte gar nicht gemerkt, wie durstig sie eigentlich war, aber in diesem Moment fühlte sie sich als könnte sie ein ganzes Meer verschlingen. Überrascht erkannte sie am Rande, dass die Figur neben ihr Kise gewesen war, der aus irgendeinem Grund halb auf dem Bett und halb auf einem Stuhl eingeschlafen war.
Hastig leerte sie das Glas und beobachtete durstig, wie es Kuroko wieder auffüllte. Nachdem sie vier volle Gläser getrunken hatte und sich den Mund mit einer griffbereiten Serviette abwischte, blickte sie verwirrt in den Raum hinein. Verdutzt bemerkte sie, wie Hide zusammengekauert im viel zu großen Bettende schlief.
„Wir haben dich gestern bewusstlos im Wald gefunden. Du und Aomine hattet eine unerwartete Verwandlung durchgemacht und seid verschwunden. Zum Glück ist nichts ernstes passiert und ihr wurdet in Akashis Villa gebracht um euch auszuruhen. Kise hat die ganze Nacht all deine Verletzungen geheilt und Hide hat sich nicht vom Fleck gerührt und darauf gewartet, dass du wieder aufwachst."
„Was? Aomine ist auch ein Wandler? Kise und Hide haben... Die ganze Nacht hier verbracht?"
„Ja, sie haben sich wirklich große Sorgen um dich gemacht, doch das ist jetzt nebensächlich. Ruh dich lieber noch weiter aus Kei."
Die Blondine wollte protestieren, jedoch hörte sie genau in diesen Moment, wie Hide leise ihren Namen von sich gab. Sie musste allen wirklich Probleme eingehandelt haben. Vielleicht sollte sie ihnen lieber ihre Pause gönnen und sich selbst auch Schlafen legen?
Erschöpft machte es sich Kei wieder im Bett gemütlich. Zusammen mit dem Atmen der anderen schlief sie in wenigen Minuten ein.
Geduldig wartete Kuroko bis das Mädchen eingeschlafen war um einen Seufzer frei zu lassen. Kei schien es gut zu gehen, dass heißt niemand hatte ernste Folgen vom gestrigen Tag davon tragen müssen. Trotzdem bereitete sich ein unwohles Gefühl in Kuroko aus, wenn er an seine Freunde in den Nebenzimmern denken musste. Seit die anderen gestern Abend mit Aomine zurückkamen, herrschte eine bedrückte Stimmung. Es hat einige Stunden gedauert bis sich der Wandler wieder in einen Menschen verwandelt hat und auch Kei steckte bis 4 Uhr morgens in ihrer Halbform fest. Bei bester Gesundheit sollte ein Kiseki immer in seiner Menschenform sein, der Körper greift nur in Notsituationen zu den Tierformen zu, das bedeutet das selbst Aomine der keine ernsthafte Verletzung erlitten hatte, in keinem guten Gesundheitszustand steckte.
In Gedanken vertieft, verließ der Junge den Raum und machte sich auf den Weg zu Akashi. An seinem Zimmer angekommen, klopfte er drei mal an, bevor er leise hereintrat. Das Zimmer war groß, so wie so ziemlich jedes Zimmer in dieser Villa und luxuriös eingerichtet. In der Mitte stand das Bett und im Bett ein schlafender Akashi in den Klamotten vom Vortag. Emotionslos schaute Kuroko seine eigene Kleidung an und seufzte abermals. Er hatte noch das Host-Outfit von gestern an. Kuroko fühlte sich schmutzig und würde sich gerne umziehen, aber er hatte keine Wechselklamotten mit. Er musterte die Uhr, die an seinem rechten Handgelenk hing. Es war halb neun Uhr früh. Akashi hatte elf Stunden durchgeschlafen, nachdem er wohl gestern in seinem Zimmer zusammen gebrochen war. Kein Wunder, dachte sich Kuroko, während er die Tür hinter sich wieder zu schloss. Akashi-kun ist der einzige, den ich kenne, der seine Kiseki-Kräfte stundenlang aufrecht erhalten kann und trotzdem erst zusammenbricht, wenn er sein eigenes Bett sieht. Wie müde muss er dafür gewesen sein?
Mit wachsender Sorge verdrängte Kuroko die Gedanken an Akashi und begab sich auf den Weg in den Raum, wo die anderen die Nacht verbracht hatten. Ob Kagami-kun noch schläft? Bedrückt erinnerte er sich, was am Abend noch passiert war: Midorima hatte sich zum Ausruhen auf die Couch ins Zimmer mit Aomine gelegt. Er hatte ihn in seiner Pantherform den ganzen Weg bis zu Akashi nach Hause mit Hilfe seiner telekinetischen Fähigkeiten befördert. So eine Leistung verbraucht eine Menge Energie, vor allem da ein Panther mit Leichtigkeit ein Gewicht von 100 Kilogramm erreichen kann.
Murasakibara und Takao hatten auf deren Ankunft gewartet und wollten fragen, wie es gelaufen ist, doch sie wurden von Akashi zurückgewiesen, der sich mit Kagami zurückgezogen hatte, um ihm alle seine Fragen zu beantworten. Das Gespräch zwischen den Beiden dauerte nicht sehr lange als plötzlich Kagami laut wurde. Murasakibara stürzte daraufhin in das Zimmer, dicht gefolgt von Takao, doch alles was sie erblickten, war ein am Boden liegender Kagami. Als sie fragten, was passiert war, wurde Akashi wütend und sagte ihnen, dass sie Kagami wegbringen sollten. Der Kiseki selber, verschwand mit den Worten, dass sie ihn in Ruhe lassen sollten.
Wenn Kuroko jetzt daran zurückdachte, war das der Moment in dem die Stimmung wirklich den Bach runter ging.
Murasakibara litt den ganzen restlichen Abend an Stimmungsschwankungen. Er bot Kuroko drei Mal an etwas von seinem Pocky zu nehmen, bevor Kuroko nach dem dritten Versuch ablehnte, da der Riese sich jedes mal in der letzten Sekunde dagegen entschied und dem blauhaarigen Jungen die Pockystange wieder aus der Hand nahm.
Takao hatte sich in der Zwischenzeit ein nasses Handtuch besorgt, unter der Anleitung von Murasakibara in einer seiner glücklichen Phasen, um es sich über die Augen zu legen. Anscheinend beanspruchte Takaos Omnilingualismus seine Augen auf Dauer zu sehr, wenn er sie so wie an diesem Tag stundenlang verwenden muss. Kuroko besorgte diese Entdeckung sehr, denn als er genau hinsah, konnte er die roten Bluttropfen durch das Handtuch weichen sehen.
Sogar Takao hat sein Bestes gegeben um Kei und Aomine zu finden und was habe ich getan...?
Kuroko blinzelte und drückte die Klinke nach unten um in den Raum zu treten.
Aomine lag weit ausgebreitet auf dem Kingsize Bett. Ein weißes Lacken bedeckte seinen Unterkörper, worüber Kuroko heimlich sehr froh war, den er wussten, dass Aomine darunter nackt schlief. Verwirrt bemerkte er, wie die eigentliche Decke Takao umhüllte, welcher zusammen mit Midorima auf der Couch Platz genommen hatte. Murasakibara umklammerte eines der Kissen, dass wohl vom Bett herunter gefallen war und ruhte mit offenen Mund auf dem Boden.
Selbst Kagami, der die andere Couch im Raum beanspruchte, schien noch tief und fest in seiner Traumwelt zu sein.
Eigentlich wollte ich ihnen Bescheid geben, dass Kei aufgewacht war, aber sie sind alle zu erschöpft...
Überrascht sah Kuroko einen Tropfen auf dem Teppich fallen. Wie versteinert konnte er sich für einige Sekunden nicht bewegen, bevor er seine Hand zu seinem Gesicht führte und Tränen spürte. Beschämt biss sich Kuroko auf die Lippen und wischte sich mit seinem Ärmel übers Gesicht. Er hatte keinen Grund zu weinen. Er hatte nicht so, wie Kise die ganze Nacht damit verbracht jemanden zu heilen, nicht so wie Hide sich die ganze Nacht um ein Familienmitglied Sorgen gemacht, er ist nicht so wie Akashi vor Erschöpfung zusammengebrochen oder ist bis aufs Ganze gegangen bis er blutet wie Takao. Nein, ich hab es nicht verdient zu weinen...
