Disclaimer: Harry Potter und das dazugehörige Imperium gehört nicht mir. Wenn es so wäre, wäre dies keine Fanfiction. ;-)

Warnung: In dieser Geschichte wird Harrys Welt gehörig auf den Kopf gestellt. Freunde werden zu Feinden, Feinde zu Verbündeten. Dumbledore ist nicht der gute Direktor, sondern hat seine eigenen, perfiden Pläne. Außerdem wird es Harry eine ganze Weile lang ziemlich schlecht gehen. Wer solche Geschichten nicht mag, sollte daher lieber Abstand nehmen.

Anmerkungen: Einen wunderschönen Abend wünsche ich euch. Es geht weiter mit dem 11. Kapitel - ich kann noch gar nicht fassen, dass es schon so viele sind, und es werden noch einige folgen. Vielen lieben Dank an euch, eure Kommentare/Vermutungen/Ideen bringen mich immer zum Lächeln. Auch, wenn ich selten zurückschreibe, weil mir die Zeit fehlt, freue ich mich über jede einzelne Reaktion von euch. :-)


Snape verlor nicht viele Worte, als er Harry zur Bank zurückführte. Der Kobold am Tresen schien nicht überrascht zu sein, Harry so schnell wiederzusehen. Ohne Fragen zu stellen sprang er von seinem hohen Stuhl und führte Harry und Snape in das Büro des Chefkobolds.

Harry kam es vor, als seien schon Tage oder sogar Wochen vergangen, seit er hier gewesen war, dabei war es kaum einen Tag her. Das Brechen dieser Magieblockade musste seinen Sinn für Zeit ordentlich durcheinandergebracht haben, anders konnte er sich seine Verwirrung nicht erklären.

Die Tür zum Büro öffnete sich diesmal schon, als Harry sie nur kurz berührt hatte. Snape schob ihn hinein. Mit einem ominösen Klicken schlossen sich hinter ihnen diverse Schlösser, was nicht gerade dazu beitrug, Harrys Nervosität zu lindern.

„Wie schön, dass Sie so schnell schon wieder auf den Beinen sind", begrüßte Gork die beiden Zauberer. Sein zerfurchtes Gesicht verzog sich leicht. „Nehmen Sie bitte Platz, es ist immer noch viel zu viel zu tun."

Snape schob Harry weiter in den Raum und bedeutete ihm, sich hinzusetzen. Heute standen nur zwei Besucherstühle vor Gorks Schreibtisch.

„Fangen wir gleich an. Mr. Potter, mir wurde von Mr. Malfoy und Mr. Snape erklärt, dass ich Ihre Zustimmung bräuchte, um Anzeige gegen Albus Dumbledore zu erstatten." Gork knurrte misslaunig. „Meine Kobolde haben hochgerechnet, was Dumbledore über die Jahre von Ihnen gestohlen hat. Mit der Summe könnte man das Ministerium für zwei Jahre komplett finanzieren."

Harry konnte sich gar nicht vorstellen, wie viel Gold das sein sollte, aber es musste eine gewaltige Summe sein, wenn sogar ein Kobold nervös wurde. Er nickte unsicher.

„Gemäß des englischen Strafrechts verdient eine solche Tat lebenslängliche Haft in Askaban und die Pfändung allen persönlichen Besitzes als Kompensation für das Unrecht, das begangen wurde", fuhr Gork fort. „Die Frage ist nun, ob Sie Dumbledore anzeigen wollen, oder ob Gringotts das tut, denn dass es geschehen wird, steht außer Frage. Gringotts hat einen sehr guten Ruf zu verlieren, das verstehen Sie sicher."

„Stimmt das, Professor?" fragte Harry dumpf. „Hat Dumbledore wirklich so viel Gold von mir gestohlen?" Mit einem Mal war seine gute Laune auf und davon. Traurigkeit machte sich breit. „Ich hab gestern kaum was verstanden, wenn ich ehrlich bin."

„Gringotts würde seine Kunden nie anlügen", gab Snape ruhig zurück. „Allein, dass er es konnte, zeigt doch an, wie durchtrieben er ist."

„Sie bekommen alles zurück", versicherte Gork ihm. Sein grimmiges Koboldlächeln ließ ihn noch fieser aussehen, aber komischerweise beruhigte Harry das mehr, als dass es ihn abstieß. „Sie haben das wichtigste Dokument dafür schon unterschrieben. Gestern Nacht haben wir dann eine komplette Prüfung Ihrer Finanzen vorgenommen und jede fremde Abbuchung aufgelistet. Das meiste Gold ging entweder an die Familie Weasley oder an Dumbledore persönlich. Wir haben nachgeprüft und festgestellt, dass eine Menge Gold gleich an andere Personen weitergeleitet wurde. Dumbledore hat auch mehrmals im Jahr große Summen in bar abgeholt."

„Das hab ich gestern noch mitgekriegt … Hat denn niemand nachgefragt, wofür er das braucht?" fragte Harry mit belegter Stimme.

„Natürlich, Mr. Potter. Seine Antwort war immer, dass es für Sie sei …" Gork schnaubte unfein. „Aber natürlich glaubt Gringotts niemandem, der im Jahr über hunderttausend Galleonen persönlich abholt und behauptet, alles sei für ein kleines Kind. Dumbledore musste einen Beleg unterschreiben, in dem er sich damit einverstanden erklärt, das Gold mehr oder weniger nur zu leihen, bis der eigentliche Erbeigentümer sich damit einverstanden erklärt."

„Ich wette, das hat ihm nicht gefallen", seufzte Harry.

Gork kicherte zischend. „Ganz und gar nicht, Mr. Potter. Ganz und gar nicht. Hat hübsch mit Engelszungen auf uns eingeredet, aber Gringotts hat seine eigenen Bestimmungen und lässt sich von keinem Zauberer bedrohen." Er kramte in seinem Schreibtisch und förderte ein Dokument zutage, das schon ziemlich alt aussah. „Das ist die Erklärung, die Dumbledore damals unterschrieben hat. Lesen Sie sie genau durch und lassen Sie sich anschließend erklären, was genau aus Ihren Verliesen abgeflossen ist. Das wird Ihnen sicher bei Ihrer Entscheidung helfen."

Harry nahm das Dokument mit leicht zitternden Fingern entgegen. Die Erklärung war denkbar kurz, die Unterschrift unverkennbar. Sie war mit Blut gemacht worden und somit bindend.

„Er kann sich nicht aus der Sache herauswinden, solltest du beschließen, all dein Gold zurückzufordern", erklärte Snape. „Gestern ging es nur um die Weasleys, heute geht es um alles, was er dir jemals gestohlen hat. Sollte er das Gold nicht mehr haben, müssen diejenigen zahlen, die von ihm etwas bekommen haben."

Etwas hilflos sah Harry vom Pergament in Snapes Gesicht. „Sie würden sofort alles in die Wege leiten, oder?" fragte er leise.

„Ja, wahrscheinlich", stimmte Snape zu. Ganz leicht strichen seine Finger über die Aura an Harrys Ellenbogen. Die Beinahe-Berührung war tröstlich und warm. „Du solltest dir aber vorher ansehen, was über die Jahre alles passiert ist. Glaub mir, hätte er seinen Willen durchgesetzt, wärst du heute so arm wie eine Kirchenmaus, Potter."

Gork fletschte die Zähne. „In den zwei Verliesen, auf die Dumbledore Zugriff hatte, befindet sich auch kaum mehr etwas. Das Verlies 812, das Ihnen bekannt ist, war schon vor Ihrem Schulantritt beinahe leergeräumt."

„Aber … da war doch so viel Gold drin!"

„Nein, Mr. Potter, das waren nur die kläglichen Reste. Mr. und Mrs. Potter haben zeitlebens gut verdient und noch besser investiert. Außerdem waren die Potters eine reiche, reinblütige Familie, die darauf geachtet hat, ihr Gold zusammenzuhalten. Das Verlies 658 hat Dumbledore während Ihrer Schulzeit immer wieder besucht, obwohl wir ihm zu verstehen gegeben haben, dass wir das nicht billigen." Gork zog eine große Pergamentrolle heran und rollte sie zu Harry gewandt auf. „So, hier können Sie genau sehen, wann wie viel wofür abgeholt wurde."

Mit einem flauen Gefühl im Magen zog Harry die Rolle noch etwas näher zu sich heran und überflog die endlos langen Reihen an Zahlen, Namen und Daten. Entweder hatte Dumbledore sich persönlich bedient, oder die Weasleys und noch viele andere Familien waren als nächste Empfänger, die von Dumbledore versorgt worden waren, angegeben.

„Ist überhaupt irgendwas von diesem Geld nachweislich für einen halbwegs guten Zweck genutzt worden?" fragte Harry am Ende aufgewühlt. „Ich blicke da nicht mehr durch."

Grunzend sah Gork in seinen Unterlagen nach. „Was ist für Sie ein guter Zweck, Mr. Potter?"

„Ich weiß nicht … ein Waisenhaus unterstützen, die Schule reparieren, sowas eben."

„Ich denke nicht", sagte Snape in die Stille. „Hogwarts ist immer noch so heruntergekommen wie an dem Tag, als du dort anfingst. Da hat sich nicht das Geringste geändert. Mit so viel Geld hätte man die Schule ganz neu ausstatten können, aber das ist offensichtlich nicht passiert. Was die anderen Personen auf der Liste angeht, weiß ich es nicht, aber ich bin sicher, dass Gringotts und Lucius Nachforschungen anstellen werden. Aber denk nach, wenn Dumbledore etwas Wohltätiges tut, wird sofort in den Zeitungen darüber berichtet. Es gab aber keine solchen Berichte."

„Dann will ich alles zurück und ich werde Anzeige erstatten", sagte Harry mit fester Stimme. „Sie sagten, dass die anderen beiden Verliese mit Blutschutz gesichert sind … so was will ich auch für die anderen beiden Verliese."

„Sehr wohl, Mr. Potter." Gork grinste breit. „Dann erledigen wir am Besten heute gleich alle restlichen Formalitäten. Wie stehen Sie denn zu einer Zusammenlegung Ihrer Verliese zu einem großen Familienverlies? Das macht die Verwaltung sehr viel einfacher und sicherer."

„Oh ja, gerne." Erleichtert nickte Harry. „Aber die Verliese von Sirius würde ich gern separat behalten. Fühlt sich besser an." Er zuckte verlegen mit den Schultern.

„Das ist gar kein Problem", versicherte Gork ihm. „Wie ich gestern schon sagte, wird Gringotts Ihnen eine Auflistung aller Besitztümer, Geschäfte und Finanzen der Blacks zukommen lassen. Mr. Malfoy hat sich schon als Berater zur Verfügung gestellt, falls Sie Hilfe brauchen. In Gringotts selbst steht Ihnen jederzeit Ihr Verliesverwalter zur Verfügung. Den stelle ich Ihnen vor, wenn mehr Zeit ist."

Gork sprang von seinem Stuhl und watschelte zur Tür. Dafür, dass er schon so alt war, bewegte er sich erstaunlich schnell.

„Kommen Sie, kommen Sie", grollte er ungeduldig. „Wir müssen wenigstens ein Verlies besuchen und die Schutzzauber anpassen. Außerdem brauche ich danach noch diverse Unterschriften."

Snape seufzte gedehnt. „Es bleibt uns wohl nichts erspart."

Doch Harry merkte hoffnungsvoll auf. „Fahren wir mit den Wagen?"

„Oh ja, Mr. Potter. Und es geht weit nach unten."

Harrys Laune besserte sich schlagartig, was ihn erleichterte. Für seine Begriffe hatte er sich schon viel zu lange nicht besonders gut gefühlt. Es wurde allmählich Zeit, dass sich das änderte!

Gork führte sie noch etwas tiefer ins Gängelabyrinth, bis sie ein Gleis erreichten. Der Chefkobold pfiff schrill auf zwei Fingern und prompt erschien ein Wagen, in den sie alle hineinkletterten. Snapes wenig begeistertes Gesicht brachte Harry zum Lächeln, und dann ging es auch schon los. Der Karren fuhr trügerisch langsam an, aber als es allmählich abwärts ging, gewann er schnell an Geschwindigkeit.

In halsbrecherischem Tempo rasten sie endlos lange Tunnel entlang. Es ging auf und ab, nach links und rechts, über Kreuzungen hinweg und neben anderen Gleisen entlang. Einmal fuhren sie ein beängstigend langes Stück an einer Klippe entlang. Es ging sehr tief nach unten, und unten war es finster wie die Nacht. Ab und zu hörten sie einen Drachen brüllen, dann war es wieder ruhig. Lediglich das Rattern der Räder war immer zu hören.

„Das macht Spaß!" rief Harry. Gork grinste ihn an und lockerte die Bremse noch etwas mehr, so dass er Karren noch schneller herabsauste.

„Potter, ich hoffe du weißt, wie du das hier wieder gutmachen kannst", grunzte Snape.

Harry errötete, als ihm durch den Kopf schoss, dass er ja für eine Weile Snapes Aura streicheln könnte. Das würde zumindest ihm selbst gefallen, aber vermutlich brauchte er seinem Lehrer diesen Vorschlag gar nicht erst zu machen. Glücklicherweise konnte Snape sein rotes Gesicht in der Dunkelheit nicht sehen, doch das war nur ein kleiner Trost.

„So, wir sind da", verkündete Gork, als sie einen letzten, steilen Hang runtergebrettert waren. Ruhig zuckelte der Karren vor eine große Verliestür und hielt mit einem sachten Quietschen an. „Alle aussteigen bitte."

Nacheinander verließen sie den Karren und traten an die Tür heran. Die Nummer 109 war groß darauf geschmiedet. Gork legte seine krallenbewehrte Hand auf das Metall.

„Dies ist eine besondere Tür", erklärte er. „Sie kann nicht mit einem gewöhnlichen Schlüssel geöffnet werden. Ihr Blut, Mr. Potter, ist der Schlüssel."

„Ähm, aber heißt das nicht, dass mir nur jemand Blut abzapfen müsste, um die Tür zu öffnen?" fragte Harry verwirrt.

„Ganz und gar nicht. Blut ist etwas ganz Besonderes, aber nur dann, wenn es lebt. Jemand müsste Sie schon entführen und es schaffen, Sie hier runterzuschmuggeln, damit Sie gegen Ihren Willen die Tür öffnen, und selbst dann haben wir starke Schutzmagie überall auf der ganzen Bank liegen, die verhindern, dass jemand damit durchkommt. In Anbetracht Ihrer besonderen Situation haben wir für Ihre Verliese außerdem einen besonderen Schutz bereitgestellt." Gork winkte Harry zu sich heran. „Versuchen Sie jetzt einmal, die Tür zu öffnen. Es ist ganz leicht."

„Okay …" Misstrauisch ging Harry zur Tür, die eigentlich schon mehr ein breites, extrem massives Tor war. „Was soll ich tun?"

„Legen Sie Ihre Hand in diese Mulde", Gork zeigte eine grob handförmige Vertiefung im Rahmen, „und warten Sie ab, bis Sie ein kleiner magischer Schlag trifft. Das ist alles. Danach sollte sich die Tür öffnen."

Harry folgte den Anweisung und zuckte kurz zusammen, als er den beschriebenen Schlag spürte. Es prickelte ein wenig in seiner Hand, aber es hatte nicht wirklich wehgetan.

Kaum war das Prickeln abgeklungen, rumpelte und grollte es. Das schwere Tor stemmte sich langsam auf und gab den Blick auf das Innere frei.

„Es war schon länger niemand hier", erklärte Gork, „deshalb ist alles etwas eingestaubt. Aber das wird sich ändern."

Beinahe berstend vor Neugier und Aufregung konnte Harry es kaum abwarten, bis sich das Tor vollständig geöffnet hatte. Als es soweit war, entzündeten sich im Verlies Dutzende von Fackeln und spendeten warmes Licht. Es roch zwar ziemlich abgestanden und staubig, aber im Moment war das Harrys letzte Sorge.

Der erste Schritt in dieses Verlies war etwas ganz Besonderes für ihn. Ein heißes Kribbeln raste durch seinen ganzen Körper, und etwas floss an ihm herab wie geschmolzenes Wachs. Für einen kleinen Augenblick fühlte er sich mehr als orientierungslos – es war, als wäre er wie neugeboren und müsste erst einmal ordnen, wo er war, wen er kannte und was er bis jetzt in seinem Leben gemacht hatte.

Doch der Augenblick verflog schnell und Harry spürte, wie seine Konzentration zurückkehrte. Er glaubte nicht, dass die Magie in diesem Verlies schädlich war. Sie fühlte sich eher an wie eine Umarmung von einem weit entfernten Verwandten, den man zwar nicht kannte, aber schon liebte, weil er gut zu einem gewesen war.

„Kommen Sie, Professor. Die Fahrt soll ja nicht umsonst gewesen sein." Snape einzuladen war eine Selbstverständlichkeit für ihn.

Gork musterte Harry scharf, doch sein Koboldgrinsen war so wohlwollend wie eh und je. „Bevor Sie sich umsehen, würde ich Sie bitten, die letzten Formalitäten zu erledigen, Mr. Potter. Es nimmt nicht viel Zeit in Anspruch."

Gork winkte Harry wieder an die Tür heran und deutete auf eine Art Lageplan an der Wand. Verzeichnet waren die vier Verliese, die Harry gehörten. „Wie Sie erkennen können, sind das Ihre Verliese in Gringotts. Da Sie alle Verliese zusammenlegen möchten, können wir das gleich hier unten in die Wege leiten. Wenn Sie das nächste Mal hier sind, wird alles erledigt sein."

„Oh, gut! Was muss ich tun?"

„Legen Sie Ihre Hand auf den Plan und denken Sie fest daran, dass Sie nur noch ein Verlies haben wollen. Dieses Verlies wird sich Ihren Bedürfnissen anpassen, Sie brauchen also keine Sorge haben, dass es zu groß oder zu klein ist."

Harry nickte und tat, was Gork ihm gesagt hatte. Er versuchte sich darauf zu konzentrieren, nur ein Verlies vor seinem geistigen Auge zu sehen. Nach wenigen Sekunden war Gork auch schon zufrieden.

„Sehr gut, Mr. Potter. Das Verlies 109 ist am Besten für Ihre Bedürfnisse geeignet, Sie werden also dieses hier behalten. Wollen Sie heute trotzdem noch Verlies 513 besuchen, oder reicht es Ihnen, beim nächsten Mal einen Überblick zu gewinnen?"

Harry warf einen Blick auf Snape, der düster zurückstarrte. Wohl nicht. Grinsend schüttelte Harry den Kopf. „Nein, lieber nicht. Ich möchte Professor Snapes Geduld nicht überstrapazieren."

„Sehr wohl." Gork watschelte in den Raum hinein. „Ach ja, und Sie sollten die Türen schließen, solange Sie hier drin sind. Man weiß ja nie, wer sich vielleicht einschleicht. Es schmerzt Gringotts noch immer, dass der dunkle Lord es vor ein paar Jahren geschafft hat, hier einzubrechen."

„In Ordnung." Wie von Geisterhand schloss sich die schwere Tür mit einem ominösen Krachen. Ganz aufgekratzt vor Neugier lief Harry dann Gork hinterher. Es gab einige Portraits an den Wänden, die ihm alle freundlich zuwinkten. Beklommen und etwas wehmütig winkte er zurück.

Auf den wenigen, richtig alt aussehenden Wandteppichen grasten in mittelalterlicher Manier gewebte Rehe und Pferde in einem Wald, der aussah wie aus einem Märchen. Weiter hinten zwischen den Bäumen wandelten hübsche Fräulein und edle Herren. Erst dann fiel ihm auf, dass überall an den Wänden alte Holzmöbel standen. Es gab Tische, Kommoden, Truhen und richtige Schränke. Alle Läden und Fächer öffneten sich von allein, als er näherkam und präsentierten ihren Inhalt.

Allein davon war Harry schon überwältigt. Es gab hier alte, edel aussehende Wäsche, Handtücher, Umhänge, Mäntel, Hüte, Schals und Stolen sowie Stiefel und Handschuhe. Ein riesiger Schrank in einer Ecke beinhaltete nur Bettwäsche und Laken sowie einige Kissen. Harry war sich nicht einmal sicher, ob man die Sachen überhaupt noch benutzen konnte, aber da sie jemand aufgehoben hatte, stellte er das nicht in Frage.

Der Chefkobold führte Harry und Snape zielsicher in die nächste Kammer. Diese war riesig und von oben bis unten vollgestopft mit Gold-, Silber- und Bronzemünzen. Ganz vorn allerdings stand ein kleiner Tisch in der Mitte, auf dem ein Kissen lag. Auf diesem purpurfarbenen Kissen thronte ein einzelner Ring.

„Das ist der Familienring der Potters", verkündete Gork feierlich. „Seit James Potters Tod hat niemand ihn mehr getragen. Es wird der Blutlinie gut tun, wenn Sie ihn annehmen."

Das ließ Harry sich nicht zwei Mal sagen. Ehrfürchtig nahm er den Ring von seinem Platz und betrachtete ihn. Wie viele Familienringe hatte er eine breite Stelle, auf der ein Relief eingraviert war. Dieses bestand bei den Potters aus einem runden Tontopf, aus dem sich ein Vogel erhob.

„Ist das … ein Phönix?" fragte Harry verwundert. Die feine Arbeit war sehr detailliert. Obwohl das Bild so klein war, meinte Harry, jede einzelne Feder erkennen zu können, und das Tier hatte wirklich eine erstaunliche Ähnlichkeit mit Fawkes, dem Phönix aus Dumbledores Büro.

„In der Tat, Mr. Potter. Der Phönix ist schon seit fast tausend Jahren das Wappentier der Potters." Gork verschränkte die Hände hinter seinem Rücken und wippte gewichtig auf seinen Fußballen vor und zurück. „Falls die Legende Sie interessiert, gibt es in einer weiteren Kammer eine große Bibliothek, wo Sie die Familienchroniken einsehen können."

„Wirklich?" Hoffnungsvoll sah Harry den Kobold an. „Das ist großartig."

„Nun steck ihn schon an, Potter. Damit ist auch die letzte Formalität erledigt", sagte Snape von seinem Platz in der Tür der Goldkammer.

Harry nickte und schob sich den Ring über den linken Zeigefinger. Er fühlte sich ganz warm an und passte perfekt. „Wow, er sieht … extrem unpassend an mir aus", murmelte er.

Snape schnaubte. „Das kann man wohl sagen. Du kannst davon ausgehen, dass Lucius darauf bestehen wird, dich neu einkleiden zu lassen."

„Ach, ich denke, ich werde es eine Weile lang genießen, rebellisch zu sein", gab Harry grinsend zurück.

Snapes Mundwinkel hoben sich. „Obwohl ich nicht weniger von dir erwartet hätte, dürfte es dir schwer fallen, gegen Lucius zu bestehen. Er besteht darauf, dass hochrangige Mitglieder der Gesellschaft sich auch entsprechend kleiden." Das leicht spöttische Lächeln wurde zu einem vielsagenden Grinsen. „Viel Glück, du wirst es brauchen."

„Wir werden sehen." Harry drehte sich einmal um sich selbst. „Vielleicht sollte ich gleich ein bisschen was mitnehmen? Wer weiß, ob man es noch braucht."

„Was immer du willst, es gehört schließlich dir", erwiderte Snape. Er schien angenehm überrascht zu sein, dass Harry etwas Gold mitnehmen wollte.

Also nahm sich Harry eine Handvoll Galleonen und ließ sie in seinen Allesträger fallen. Gork schürzte die Lippen, sagte aber nichts dazu.

„Und jetzt würde ich gerne noch die Bibliothek sehen", sagte Harry in die erwartungsschwangere Stille.

„Sehr wohl, Mr. Potter. Folgen Sie mir bitte." Gork drehte sich um und verließ die Kammer wieder.

Snape wartete, bis Harry an der Tür angekommen war, ehe er leise brummte: „Sie werden sehr viel mehr Gold als das brauchen, um Lucius' Ansprüchen zu genügen. Madam Malkins ist für ihn keine Option mehr." Er hob elegant seine Schultern. „Aber nun, da ich Sie gewarnt habe, werde ich mich zurücklehnen und das Spektakel genießen."

„Ich bin nun mal sparsam", sagte Harry unbehaglich. „Es gefällt mir nicht, Geld für nutzloses Zeug auszugeben." Er räusperte sich verlegen. „Zumindest nicht für Sachen, die ich auch günstiger haben kann."

„Das ehrt Sie Potter. Aber Sie sollten wissen, dass es Lucius sehr wohl gefällt."

Snapes Augen lachten, was ihm, wie Harry ergeben bemerkte, sehr gut stand. Auch sein Haar wirkte wesentlich weniger fettig als noch vor einigen Tagen. Wieso ihm das erst jetzt so richtig auffiel, wusste er nicht, aber es gefiel ihm.

„Diese Tür führt in die Bibliothek", verkündete Gork feierlich. „Das wichtigste Werk steht dort in dieser Vitrine, aber eine Gebrauchskopie liegt auf dem Lesetisch gleich hier vorn. Jede Generation hat ihre eigenen Seiten hinzugefügt."

Harry betrat die Kammer, die zu einer echten Bibliothek umgebaut worden war. Warmes Licht erhellte den Raum gut genug, um angenehm lesen zu können. Die Bücher standen säuberlich einsortiert in alten, edlen Regalen, und die ganz wertvollen Schätze waren in der Vitrine ausgestellt.

„Kommen Sie, Professor, das dürfte Sie doch interessieren, oder?" fragte Harry. „Vielleicht finden Sie ja ein Buch, das Sie gebrauchen können?"

Snape schien nur auf diese Einladung gewartet zu haben, denn er folgte Harry mit eleganten, langen Schritten und drückte sich dann beinahe die Nase am Glas platt.

„Dieses Buch dort", er deutete auf ein uraltes, in Leder gebundenes Exemplar, „ist einer der seltensten Texte der Welt. Der dunkle Lord würde so ziemlich alles dafür geben, um es in seine Hände zu bekommen. Sie sollten es niemals, und ich wiederhole, niemals aus der Hand geben. Die Geheimnisse, die darin zu finden sind, wären zu gefährlich und zu großartig für die heutige Zeit."

„Wenn Sie das sagen …" Harry öffnete den Schrank und holte das Buch heraus. „Chefkobold Gork, wie kann ich von diesem Buch eine Kopie erstellen? Sie kann ruhig billig aussehen."

Gork beäugte das Buch durch ein Monokel, dann schmatzte er überlegend mit den breiten Lippen. „Hmmm, wenn mich nicht alles täuscht, haben Sie sogar schon eine Kopie davon. Irgendwo hier müsste sie stehen."

„Oh, gut." Harry legte das Buch zurück und zog seinen Zauberstab. „Führe mich", befahl er. Gehorsam drehte sich der Zauberstab auf seiner Handfläche und zeigte auf ein Regal rechts im Raum.

Harry folgte seinem Zauberstab und fand das gesuchte Buch innerhalb weniger Minuten. Die Regale waren groß und vollgeräumt, und da die Kopie im Vergleich zum Original wirklich schäbig aussah, war sie nicht ganz so einfach zu entdecken.

„Das nenne ich mal gehaltvollen Lesestoff", grinste Harry, als er das Buch in den Händen hielt.

„Potter, du kannst doch nicht ernsthaft-"

„Und wie ich das kann, Professor." Harry wandte sich an Gork, der sie beide besorgt musterte. „Chefkobold, ich möchte bitte einen Blutschutz auf dieses Buch legen. Wie mache ich das?"

Snape brachte sich nur mühsam wieder unter Kontrolle. „Das kann ich dir erklären, aber das ist trotzdem kein hundertprozentiger Schutz." Er seufzte genervt. „Ich weiß wirklich nicht, wie du all die Magengeschwüre gutmachen sollst, die du mir im Laufe meines Lebens schon beschert hast."

„Ich auch nicht, aber irgendwas findet sich schon", entgegnete Harry gut gelaunt.

Gork räusperte sich. „Sie sollten den Blutschutz jetzt gleich sprechen. Hier unten wird Magie nach außen abgeschirmt, das ist eine Sicherungsmaßnahme. Ein Blutzauber erregt oben immer die Aufmerksamkeit des Ministeriums."

„Also, Professor? Was muss ich tun?"

„Du tust gar nichts. Leg einfach deine Hand auf das Buch." Snape zog seinen Zauberstab und richtete ihn auf Harrys Hand. „Die Zauberformel könntest du nie richtig aussprechen. Halt still, dann ist es schnell vorbei."

Harry rollte mit den Augen. Snape guckte böse zurück, dann begann er, eine lange, düster klingende Formel zu sprechen. Beinahe sofort stach es schrecklich auf Harrys gesamter Handfläche, und es wurde heiß auf dem Papier. Als er die Hand fortziehen wollte, legte sich Snapes freie Hand um sein Handgelenk und hielt ihn davon ab. Eine gefühlte Ewigkeit später war es endlich vorbei.

Erleichtert zog Harry die Hand vom Buch. „Aua", maulte er. „Sie hätten mich ruhig vorwarnen können." Verstimmt sah er zu, wie der blutrote Handabdruck auf dem Buch allmählich verblasste. „Damit sind wir wegen der Fahrt hier runter fast quitt."

„Jammer nicht, du wolltest das doch", entgegnete Snape gelassen. Seine dunklen Augen glänzten wie polierte Obsidiane im Lampenlicht. Rote Reflexe tanzten in ihnen. „Aber wenn es dir hilft, kann ich ja pusten."

„Jetzt veralbern Sie mich wirklich", murrte Harry.

„Mitnichten. Gib mir die Hand."

Grummelnd streckte Harry die wunde Hand aus. Snape nahm sie erstaunlich sanft in seine und drehte sie, so dass die Handfläche nach oben zeigte.

„Der erste Blutschutzzauber ist immer der schlimmste", sagte der Tränkemeister sanft. „Es wird mit jedem Mal einfacher." Er hob Harrys Hand an und blies dann tatsächlich auf das gereizte Fleisch. Sein Atem war kühl.

Erleichtert seufzte Harry auf, als das schlimmste Wundgefühl abklang. Ein Teil seines überforderten Gehirns wusste sehr wohl, dass kaum ein Lebewesen einen kühlen Atem hatte, aber es tat viel zu gut, um es in Frage zu stellen. Zumindest jetzt.

Snape blies noch einige Male über die gerötete Haut, dann ließ er Harrys Hand los. „Und, besser?" fragte er.

„Ja, danke." Überrascht sah er auf seine Handfläche und stellte fest, dass die Rötung beinahe vollständig weg war. Seit wann konnte Snape denn heilen? Normal war das jedenfalls nicht, nicht einmal für Zauberer.

„Brauchen Sie noch mehr, Mr. Potter?" fragte Gork. Als Harry den Kopf schüttelte, nickte Gork zufrieden. „Sehr gut. Dann schlage ich vor, dass wir in meinem Büro die restlichen Formalitäten erledigen. Für heute ist das wirklich genug, schließlich ist für Sie ein Feiertag, nicht wahr?"

Harry war mehr als einverstanden damit. Er packte die Chronik der Potters und das von Snape so hochgelobte Buch in seinen Allesträger.

Die ganze Fahrt über zurück zum Büro war er in sich gekehrt und grübelte darüber nach, was er heute erfahren hatte. Er wusste, dass Gork ihm nur geholfen hatte, das Schlimmste abzuwenden. Der wirkliche Ärger würde erst noch kommen.

Unbewusst griff er nach Snapes schwarzer Robe und hielt sich daran fest. Der Mann war für ihn zu einer Art Fels in der Brandung geworden. Und wer könnte es ihm verdenken? Nicht nur, dass er am Anfang des Schuljahres wahrscheinlich sein Leben gerettet hatte, nein, er erledigte auch noch alle möglichen und unmöglichen Dinge, die Harry eigentlich selbst hätte erledigen sollen. Wie er Snape danken sollte, wusste Harry nicht, aber er hoffte, dass ihm dazu etwas einfallen würde.

Die Fahrt war trotz ihrer Länge viel zu kurz. Harry fürchtete sich nicht nur vor Snapes Blick, sondern vor allem davor, wieder ans Tageslicht zu gehen und sich der Welt zu stellen. Jetzt, wo er wusste, dass sein Schuldirektor ihn all die Jahre betrogen hatte, sträubte sich alles in ihm dagegen, nach Hogwarts zurückzukehren.

Gork führte die zwei Zauberer in sein Büro zurück und schob Harry einen dicken Stapel Unterlagen zu, die in der Zwischenzeit auf seinem Schreibtisch aufgetaucht waren.

„Sie müssen das hier unterschreiben, und dann sind wir für heute wirklich fertig", erklärte der Kobold.

Harry nahm die Blutfeder und hielt sie tapfer an seine Fingerkuppe. Es tat nicht wirklich weh, und nach dem Blutschutzzauber vorhin bezweifelte er ohnehin, dass ihn heute noch viel erschrecken könnte. Seufzend unterschrieb er das erste Dokument. Snape assistierte ihm, indem er die unterschriebenen Pergamente wegnahm und ihm zeigte, wenn er eine Unterschrift vergessen hatte. Wenn Harry gar nicht verstand, was er da eigentlich unterschrieb, erklärte Gork ihm geduldig, was er wissen wollte.

„Da Ihre Familie seit Generationen ein treuer Kunde unserer Bank ist, schenkt Gringotts Ihnen ein sich selbst aktualisierendes Buch über alle Bankbestimmungen. Gringotts gibt sich große Mühe, für seine Kunden offen und verständlich zu handeln." Gorks schob ein mittelgroßes Buch über den Tisch. „Im letzten Kapitel können Sie immer Ihre aktuellen Verliesdaten einsehen. Nicht autorisierte Zugriffsversuche werden ebenfalls für Sie vermerkt."

„Wow, danke!" Harry nahm das Buch an sich und blätterte darin. „Sieht gut verständlich aus, das kapiere sogar ich." Er steckte das Buch ebenfalls ein. Für Lesestoff in einer ruhigen Minute war damit wirklich gesorgt.

„Ich möchte ja nicht drängeln, aber es wird allmählich spät", merkte Snape an. „Bist du soweit zufrieden?"

Harry lächelte ihn an. „Fürs erste schon, ja. Wenn ich kann, komme ich nach den Feiertagen wieder und lasse mir den ganzen Rest erklären."

Gork nickte wohlwollend. „Ausgezeichnet, Mr. Potter. Ich werde die Empfangskobolde anweisen, auf Ihren Besuch vorbereitet zu sein." Er kam von seinem Stuhl herunter und watschelte um den Tisch herum. „Vielen Dank, dass Sie Gringotts Ihr Vertrauen schenken, obwohl Ihnen viele Unannehmlichkeiten entstanden sind. Wir bemühen uns, das so schnell wie möglich in Ordnung zu bringen."

Er streckte seine Klauenhand aus. Harry nahm sie und schüttelte vorsichtig, obwohl er wusste, dass Kobolde viel zäher waren, als sie aussahen.

„Danke. Darauf zähle ich."

„Sie haben einen ordentlichen, festen Händedruck", entgegnete Gork. „Es ist Gringotts eine Freude, Ihr Vermögen zu betreuen."

Leicht amüsiert und um einiges mehr verwirrt sah Harry zu, wie auch Snape sich höflich verabschiedete. Auf dem Weg nach draußen lauschte er dem gleichmäßigen Atem des Tränkemeisters und fragte sich, um wie viel bizarrer dieser Tag noch werden konnte.

Sein Familienring glänzte golden im Lampenlicht. Er kam Harry ein wenig wie Last und Verheißung zugleich vor.


„Oh mein Gott, Harry, wo warst du denn so lange?" rief Hermine, als besagter Zauberer am Nachmittag seinen Fuß ins Stadthaus der Malfoys setzte. „Du warst so lange weg, und jetzt guck dir bitte an, was diese Hauselfen mir zum Anziehen gegeben haben!"

Harry lachte schallend, als er seine tobende Freundin genauer anschaute. Die Hauselfen, die es ohne Zweifel gewohnt waren, dass man anzog, was sie bereitlegten, hatten Hermine in ein weißes Hauskleid gesteckt, dass adrett mit Rüschen und dezenten Schleifen verziert war. Sie trug sogar weiße Seidenstrumpfhosen. Die einzigen Farbtupfer an ihr waren ein rosafarbenes Schleifchen am Kragen, rosa Haarbänder und rosafarbene Stiefelchen.

„Das ist nicht lustig!" schimpfte sie aufgebracht. „Das hat Malfoy mit Absicht gemacht!"

„Sicher?" gluckste Harry. Sogar Snape konnte sich ein belustigtes Grinsen nicht verkneifen. „Vielleicht hat Blaise sie auch bestochen."

„Weißt du was, es ist mir egal, wer es war! Ich werde euch einfach allen den Abend zur Hölle machen!" Sprachs und stampfte mit klackenden Absätzen davon.

„Hey, warum mir?" fragte Harry empört.

„Du hast gelacht, Potter", sagte Snape in einem Tonfall, der besagte, dass ihm das von Anfang an hätte klar sein müssen. Seine Stimme bebte leicht, so als wolle er verzweifelt das Gelächter nicht herauslassen, das in seiner Brust vibrierte. „Aber ich wage zu behaupten, dass es das wert war."

Mit den Augen rollend entgegnete Harry: „Für Sie vielleicht. Aber Sie haben ja auch nicht gelacht. Sie ahnen nicht, was es bedeutet, wenn Hermine richtig sauer ist."

Snape lächelte nur herablassend. „Ich werde es herausfinden, nicht wahr?"

„Sie haben echt die Ruhe weg", stellte Harry halb unwillig und halb bewundernd fest.

„Noch nicht, aber gleich." Er sah aus, als wollte er noch was sagen, aber letztendlich murmelte er nur: „Entschuldige mich, ich muss zu Lucius."

Solchermaßen allein gelassen ging Harry in den zweiten Stock hinauf und versuchte zu erraten, welches Gästezimmer seins war. Er fand es nach einem falschen Versuch, bei dem er Neville und Luna überraschte, die gerade knutschten.

Endlich für sich ließ er sich seufzend bäuchlings auf das große Bett fallen. In seinem Kopf wirbelten die Gedanken, aber gleichzeitig fühlte er sich seltsam ruhig. Ihm kam es so vor, als hätte die Auflösung der Blockaden eine Änderung in ihm bewirkt, die so profund war, dass er es noch gar nicht begreifen konnte. Er konnte nicht verstehen, wie er jemals so kindlich und naiv hatte sein können, wie unwissend und hilflos. Aber nun nicht mehr! Das würde sich ändern, und zwar sofort.

Beinahe wie von selbst fand die Chronik der Potters ihren Weg in seine Hände. Ein Blick auf die Uhr zeigte an, dass er nur noch eine halbe Stunde hatte, bis es fünf Uhr war. Das genügte immerhin, um wenigstens die ersten paar Seiten zu lesen.

Ehrfürchtig strich Harry über den Buchdeckel. Auch auf ihm war ein Bild von einem Tontopf, aus dem ein Phönix aufstieg zu sehen. Obwohl das Buch nur eine Kopie war, und dazu noch eine relativ schlecht gemachte, jagte es Harry einen Schauer über den Rücken. Er wusste, dass der Inhalt Geheimnisse barg, die ihn für den Rest seines Lebens verändern würden, egal, um was es sich handelte.

„Na dann mal los", murmelte er. Mit zittrigen Fingern klappte er das Buch auf und blätterte zur ersten Seite.

Ende Teil 11