Hallo ihr Lieben! Das neue Kapitel ist bereit für euch und es wird endlich wieder ein bisschen düsterer. Es ist eines meiner Lieblingskapitel und das letzte, das sich schön ausführlich mit einem Date befasst. Ich hoffe, ihr könnt es genießen, denn danach geht es wieder brav abwärts. Vielen Dank für das neue Review. Ich freue mich immer über Rückmeldungen! Eure Mary


11. Von hilfreichen Hinweisen

Marcus war sich nicht sicher, was er von der Situation, die sich ihm gerade bot, halten sollte. Er saß neben Miles auf dem Fußboden seines Schlafsaals, den Rücken an sein Bettgestell gelehnt, und sah Cedric dabei zu, wie er den Kleiderschrank durchsuchte. Miles, der die Beine weit von sich gestreckt hatte, überblickte die Lage mit einem leicht abwesenden Grinsen, während er sich von Marcus seine Haargummis eins nach dem anderen reparieren ließ. Die beiden tranken schon seit einiger Zeit Miles' Butterbiervorrat auf, doch Marcus enthielt sich, denn er hatte heute Abend noch ein Date mit Katie, auf das die beiden ihn unbedingt vorbereiten wollten. Besonders hilfreich waren sie aber bisher nicht gewesen.

„Du hast meine vollste Bewunderung, Marcus", gestand Miles gerade grinsend. „Ich hatte noch nie was mit einer Löwin. Und Bell..." Er pfiff bewundernd durch die Zähne. „Wie hast du das nur gemacht?"

Marcus rieb sich verlegen mit der Hand über den Nacken. „Keine Ahnung. Katie hat das entschieden, der Rest lief von alleine. Ich musste gar nicht viel machen."

Miles kicherte. „Die stille, schweigsame Nummer zieht wohl bei den Mädels." Marcus wollte ihm eine Kopfnuss geben, doch er tauchte weg und bewarf stattdessen Cedric mit einem Papierkügelchen aus seinem Etikett. „Hattest du mal was mit einer Gryffindor?"

Cedric tauchte mit zwei Pullovern aus Marcus' Kleiderschrank auf, musterte sie, dann warf er sie wieder zurück in den Schrank. „Klar." Er drehte sich zu Miles herum und schenkte ihm ein strahlendes Lächeln. „Mir konnten die Frauen aus allen Häusern nicht widerstehen." Er zwinkerte Miles mit einer großen Geste zu, die Marcus unangenehm an Lockhart erinnerte. „Ich hatte letztes Jahr was mit der Vane..."

„Die zählt nicht", unterbrach Miles ihn sofort. „Mit der hatten wir alle was."

Cedric dachte nach. „Naja... nichts, das länger als ein paar Wochen gehalten hat." Er grinste breit. „Ich hab' mal mit Angelina Johnson rumgeknutscht", gab er zu und hob die Hand zum Highfive.

Miles schlug sofort ein. „Boah, Alter, Respekt!", entfuhr es ihm. „Die ist so scharf."

Marcus runzelte die Stirn. „Wie läuft's denn mit Cho Chang?", wechselte er das Thema. Cedric musste Nerven aus Stahl haben. Er dagegen war schon mit Katie überfordert.

„Gut, gut." Cedric zuckte nonchalant mit den Schultern. „Sie ist ganz niedlich und man kann sich gut mit ihr unterhalten. Es wird langsam ernst, aber ich mach' mir da keinen Stress." Munter zuckte er mit den Achseln. „Die Frauen kommen und gehen. Am meisten Spaß macht eh das Versteckspiel vor Roger."

Marcus seufzte leise. Cedric sah das Leben total entspannt, davon sollte er sich eine Scheibe abschneiden. „Wenn der dich erwischt, macht er dich einen Kopf kürzer", warnte er trotzdem.

„Das macht den Reiz aus, Kumpel", warf Miles grinsend ein. „Außerdem solltest du lieber an Wood denken, der hat nämlich Ähnliches vor, wenn deine Kleine nicht auf dich aufpasst."

Marcus nickte ernst. „Ich hoffe, der macht keinen Stress. Wenn ich mich schlage und Snape bekommt das mit, macht er mir die Hölle heiß. Das darf auf keinen Fall passieren."

„Ach", machte Cedric und winkte großspurig ab. „Wir passen schon aufeinander auf. Was ist mit dir, Miles? Wem gehört dein Herz?" Erneut zog er ein paar T-Shirts aus dem Kleiderschrank, warf sie aber sofort umstandslos wieder hinein.

Marcus stöhnte auf und Miles tat so, als würde er sich übergeben. Die Wortwahl war unglaublich schmalzig. „Das ist meine Freundin", erklärte Miles trocken, während er seine rechte Hand präsentierte. Marcus verzog das Gesicht, aber Cedric lachte sich tot. „Es ist eben nicht jeder ein Quidditchkapitän, auf den die Mädels fliegen", erklärte Miles noch amüsiert. „Außerdem habe ich genug Probleme ohne irgendein aufgedrehtes Huhn in meinem Leben", nuschelte er beiläufig.

Alarmiert schaute Marcus auf, doch Cedric hatte sich längst wieder in den Kleiderschrank vertieft. „Bist du sicher, dass du nicht doch ein Shirt von mir anziehen möchtest?", fragte er hoffnungsvoll und hielt Marcus erneut seinen Rucksack hin.

Marcus schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht, was mit meinen Klamotten nicht stimmt", sagte er nachdrücklich, dann zupfte er verlegen an seinem schwarzen, enganliegenden Shirt.

Miles und Cedric tauschten bedeutungsschwere Blicke aus, die sich Marcus nicht erklären konnte. Schließlich streckte Miles seine Butterbierflasche aus und Cedric stieß seufzend mit ihm an.

„Was will er mir mitteilen?", fragte Marcus seinen Mitbewohner düster, nachdem sich Cedric den beiden im Schneidersitz gegenüber gesetzt hatte.

Miles grinste breit. „Ced versucht dich davon abzubringen, Kleidung zu tragen, die genauso farbenfroh ist wie dein sonniges Gemüt." Cedric fing sofort an zu lachen.

Marcus gab Miles, der dieses Mal nicht besonders reaktionsschnell war, eine Kopfnuss und funkelte den lachenden Cedric böse an. „Ich fühle mich in schwarz eben am wohlsten. Außerdem hat Katie sich noch nicht darüber beschwert."

Cedric lachte weiter und Miles ergänzte schmunzelnd: „Vielleicht traut sie sich ja nicht."

Marcus stöhnte auf. Er war unglaublich nervös. Die beiden machten es wirklich nicht besser. „Mir ist schlecht", murmelte er abwesend.

„Kein Wunder, du hast ja auch kaum etwas gegessen", warf Miles ein. Er erhob sich schwankend, um seinen Koffer zu durchsuchen. Nach einigem Rumoren wurde er anscheinend fündig, denn er förderte zufrieden einige Kesselkuchen zutage. Er warf einen Marcus zu, der ihn mit seinen geübten Jägerreflexen krümelfrei aus der Luft pflückte und misstrauisch beäugte. Hoffentlich blieb er unten. Zögernd biss er hinein, dann kaute er bedächtig. „Du auch, Ced? Ich glaub' ich hab' auch noch irgendwo Chips", sagte Miles. Cedric nickte begeistert. Sofort flog die Tüte ebenfalls durch den Raum und Miles ließ sich mit einem Seufzer wieder neben Marcus fallen.

„Von Miley würde ich nichts Essbares annehmen." Die Temperatur im Raum fiel sofort um mehrere Grade. Sogar der unbekümmerte Cedric erstarrte mit der Hand in der Chipstüte. Adrian und Terrence betraten den Schlafsaal.

Marcus schenkte Adrian einen bitterbösen Blick. „Spar' dir dein Gift, Pucey. Du bist hier unerwünscht." Seit gestern war der vermaledeite Monat um und er musste endlich nicht mehr nett sein. Nebenbei bemerkt tratschten eh schon einige seiner Mitschüler über Katie und ihn.

Wenn Adrian erstaunt über die Feindseligkeit war, ließ er es sich nicht anmerken. „Ach", machte er listig. „Doch noch Freunde gefunden, Sonnenschein?" Wieder schenkte er Miles einen heimtückischen Blick. „Was die kleine Bell wohl von Flint halten wird, wenn sie weiß, was du für eine Art Freund bist, Miley?" Wütend hielt Miles den Blick stand. Oh nein, dachte Marcus genervt. Die alte Leier wieder.

„Was soll das denn heißen?", rief Cedric, als er loyal wie ein Hufflepuff empört zwischen Miles und Adrian hin- und herschaute.

„Lass deine dreckigen Finger von Bell!", zischte Miles, der anscheinend ziemlich genau wusste, womit Adrian da drohte. „Weder sie noch Marcus haben irgendwas mit uns zu tun, Schwanzlutscher." Marcus runzelte die Stirn. Das wurde ja immer merkwürdiger.

„Das hatte Daphne auch nicht, Bletchey", kommentierte Adrian, während er betont gelassen seine Fingernägel inspizierte.

Marcus baute sich drohend vor den beiden auf. „Deine dämlichen Intrigen gehen mir am Arsch vorbei", knurrte er finster, die Hände zu Fäusten geballt. „Von mir aus kannst du dir deine Drohungen dahin stecken, wo die Sonne nicht scheint. Du und Higgs seid nichts als kleine, um Aufmerksamkeit bettelnde Flubberwürmer." Er gab Adrian einen groben Stoß vor die Brust, sodass er gegen Terrence prallte. „Mimimi, beachte mich", machte Marcus sarkastisch. Er reckte sich, um noch ein Stück größer zu wirken, auch wenn es vermutlich nicht notwendig war.

„Sarkastisches Arschloch", fluchte Terrence böse. Aufgebracht griff er nach Adrians Hand. „Komm', wir gehen. Hier stinkt's nach Hausverräter." Die beiden verschwanden so schnell, wie sie gekommen waren. Schwer atmend ließ sich Marcus wieder auf seinen Platz fallen und griff nach dem Kesselkuchen.

„Danke, Mann", murmelte Miles mit gesenktem Blick.

„Dafür nicht", grummelte Marcus. Finster steckte er sich ein Stück Kuchen in den Mund. „Das war mir seit einem verdammten Monat schon ein Bedürfnis", nuschelte er. Auf einmal blitzte Verstehen in Miles' Augen auf, doch er sagte nichts.

Cedric lachte nervös. „Du kannst echt gruselig sein, Marcus."

Marcus schnaubte, aber Miles lachte auf. „Du solltest ihn als Kapitän erleben", erzählte er freimütig. „Bei jedem zweiten Training heult der kleine Malfoy wie ein Wasserspeier."

„Dafür fliegt er danach aber auch wieder anständig", knurrte Marcus ein wenig beleidigt.

Miles wurde wieder ernst. „Du solltest deine Katie vor Pucey warnen, Kumpel." Er war einen Blick auf die Uhr. „Außerdem musst du los."

Marcus nickte und wischte sich unbeholfen durch das Gesicht, um alle Krümel vom Kesselkuchen im Schlafsaal zu lassen. Dann überließ er die beiden ihrem spontanen Männerabend. Mit mulmigem Gefühl machte er sich auf dem Weg in die Eingangshalle, wo er sich mit Katie treffen wollte. Seine Hände waren schon wieder schweißnass. Unruhig rieb er sie an der Hose trocken, obwohl es eh nichts brachte. Wenn es um Kate ging, war er immer noch total aufgeregt. Diese unbestimmte Sorge, dass sie nicht am Treffpunkt sein würde, begleitete ihn schon den ganzen Tag, auch wenn sie es ihm unaufgefordert fest versprochen hatte. Irgendwie konnte er es immer noch nicht glauben, dass gerade er so viel Glück hatte, eine so schöne Frau daten zu dürfen. Er erwartete jederzeit jemanden, der mit einem großen „Verarscht"-Schild auf ihn zusprang.

Vorsichtshalber hielt sich Marcus im Schatten einer großen Säule. Lässiger als er sich fühlte, lehnte er sich gegen den kalten Stein. Er hatte eben gern Rückendeckung, wenn er sich in unbekannte Situationen begab. Außerdem wurde er nicht gern beobachtet und in der Halle waren noch einige Schüler unterwegs.

„Hallo Mr. Flint. Erwarten Sie Ärger?"

Professor Snapes ölige Stimme erschreckte Marcus so sehr, dass er fast rückwärts die Säule hochgerutscht wäre. So viel zum Thema Rückendeckung. „N-nein, Sir", antwortete er hastig. „Ich bin bloß verabredet. Mit einem... Mädchen." Das war so ziemlich das unangenehmste Gespräch, das er jemals mit seinem Hauslehrer geführt hatte. Der wiederum schien sich köstlich zu amüsieren, auch wenn er es gut zu verstecken wusste.

„Soso", sagte Professor Snape und hob eine Augenbraue. „Wer ist denn die Glückliche, wenn ich fragen darf?", fragte er mit einem kleinen Schmunzeln.

„Ugh", machte Marcus überfordert, denn er wusste nicht, was er sagen sollte. Diese Sorte Gespräch sollte niemand mit seinem Hauslehrer führen müssen. Gerade betrat Katie die Eingangshalle und sah sich suchend um. Sie wirkte abgehetzt, sogar ihre eh schon unordentlichen Haare standen wirr ab. Zögernd winkte er ihr zu, worauf sich sofort ein Lächeln auf ihrem Gesicht breitmachte.

„Ach, Miss Bell", kommentierte Professor Snape weniger überrascht, als er sein sollte. Marcus beschlich das ungute Gefühl, dass Madam Pomfrey wohl gepetzt hatte. „Na sowas. Eine Gryffindor. Und ich dachte, Sie mögen sich nicht." Er ließ ein wenig Sarkasmus durchblicken, dann fügte er gelassen hinzu: „Die Jugend von heute..."

Verlegen rieb sich Marcus über den Nacken und murmelte: „Hmhm." Sie trug einen dicken Pullover mit Löchern an den Ellenbogen zu der üblichen zerschlissenen Leggins. Gegen die Kälte hatte sie sich einen dicken rotgoldenen Schal mehrfach um den Hals geschlungen. In Marcus' Augen konnte sie nicht hübscher sein.

„Haben Sie Ihrer Familie davon erzählt?", fragte Professor Snape mit unbewegter Miene nach, den Blick suchend auf Marcus' Gesicht gerichtet.

Erschrocken schüttelte Marcus den Kopf. Sofort überrollte ihn eine Woge der Übelkeit. Merlin, hoffentlich war er nicht blass. Sein Vater durfte auf keinen Fall von Katie erfahren. „Lieber nicht", murmelte er, während er um eine indifferente Miene kämpfte. „Ich glaube nicht, dass... dass sie Katie mögen würden." Er knirschte mit den Zähnen und rang nach Worten. „Sie ist nicht reinblütig oder... sowas."

Professor Snape musterte ihn immer noch durchdringend. „Ist Ihnen das denn wichtig?" Marcus schüttelte mit gesenktem Blick den Kopf. „Vielleicht sollten Sie einfach nichts davon erzählen", riet ihm Professor Snape mit neutraler Miene. „Dann muss sich auch niemand... aufregen."

Marcus atmete tief durch und ballte für einen Moment die Hände zu Fäusten. „Ja, Professor", antwortete er indifferent. Sein Herz pochte unangenehm fest in seiner Brust. Er musste sich daran hindern, möglichst schnell das Weite zu suchen. Wenn sein Vater jemals von Katie erfuhr, würde er wahrscheinlich höchstpersönlich in Hogwarts anrücken, um ihn zu bestrafen. Merlin, hoffentlich behielt Professor Snape das alles für sich.

Professor Snape musterte ihn immer noch genau. „Mein Angebot gilt noch, Mr. Flint", sagte er schließlich. „Wenn Sie über Ihr Privatleben oder über die Schule reden wollen, steht Ihnen meine Tür jederzeit offen."

„Danke, Sir", antwortete Marcus ausdruckslos. Was erwartete Professor Snape von ihm? Er konnte nicht wissen, wie sein Vater... sein konnte oder was er so sagte. Er würde ihm wohl kaum helfen können. Außerdem hatte sein Vater ja auch ein Stückweit recht. Er war ein Versager, Wiederholer, Halbsquib und überhaupt eine Zeitverschwendung. Da konnte auch kein Gespräch etwas dagegen ausrichten. Seine ganze Persönlichkeit war falsch, mit seinem Vater war doch alles in Ordnung.

„Guten Abend, Professor!", grüßte Katie. Sie glättete vergeblich ihre Haare mit den Fingern, während sie auf Marcus schielte. Er erwiderte ihren Blick nicht, stattdessen versuchte er, irgendwie das Chaos in seinem Magen zu bewältigen. Ihre ganze Mimik zeigte gryffindorschen Mut und er fragte sich unwillkürlich, welche Reaktion sie wohl von Professor Snape erwartete.

„Hallo Miss Bell", erwiderte Professor Snape mit öliger Stimme. „Ich hoffe, ihr nächster Aufsatz wird besser. Der aktuelle strotzt nur so vor Ungereimtheiten. Haben Sie sich etwa wieder von Mr. Wood bei den Hausaufgaben helfen lassen?"

Katies Augen blitzten, als sie den Blick des Lehrers standhaft erwiderte. „Tut mir leid, Professor", antwortete sie mit schlecht verhohlenem Zorn. Sie zeigte dem Rücken des Professors, der endlich ging, den gestreckten Mittelfinger. „Was für ein blöder, alter Sack", fluchte sie leise vor sich hin. „Unfairer mieser Sabberarsch! Hnngh... Ich reg' mich auf."

„Wenn Woody dir bei den Hausaufgaben hilft, muss es ja gut werden", erwiderte Marcus sarkastisch, fing sich aber sofort einen Schlag vor die Brust ein. „Uff", entfuhr es ihm überrascht.

„Ich schaffe es sogar allein, meine Hausaufgaben in den Sand zu setzen", entgegnete Katie erbost, dann nuschelte sie etwas Undeutliches.

„Hm?", machte Marcus ermutigend und hob eine Augenbraue.

„Ich sagte, ich rede zur Zeit nicht mit Oliver", murmelte Katie und wurde unter Marcus' forschendem Blick zunehmend rot. „Gehen wir uns jetzt die Sterne anschauen oder warten wir, bis Snape wiederkommt, um noch ein bisschen Gift zu versprühen?", fügte sie noch fordernd hinzu und zog ungeduldig an seinem Ellenbogen.

Gehorsam setzte Marcus sich in Bewegung. Das waren ja interessante Neuigkeiten, dachte er zufrieden, während er sich von ihr widerstandslos aus der Eingangshalle zerren ließ. Oliver schien alles daranzusetzen, sich bei Katie aus dem Rennen zu nehmen. Dieser Idiot vermasselte es gerade ohne Fremdeinwirkung. Wie konnte man bloß so blöd sein?

„Guck' nicht so glücklich", murrte Katie immer noch verstimmt. „Geh' ihm einfach in den nächsten Tagen aus dem Weg." Marcus runzelte die Stirn. Schade. Oliver war zur Zeit das perfekte Opfer. „Mir zuliebe", fügte Katie noch hinzu, als sie nach seiner Hand griff. Ohne mit der Wimper zu zucken, zog sie ihn durch eine solide aussehende Steinwand in einen Geheimgang und beschleunigte ihre Schritte.

Widerstrebend nickte Marcus. „Was hat Woody denn angestellt?", fragte er nach. „Soll ich ihm nicht doch eins auf die Nase geben?", bot er mit Unschuldsmiene an. „Verdient hat er's ja." Hoffentlich war es etwas richtig Blödes. Irritiert folgte er ihr eine gusseiserne, leicht schwankende Wendeltreppe hinauf, die er noch nie in seinem Leben gesehen hatte.

„Er hält sich selbst für ein Geschenk an die Menschheit." Katie seufzte. „Außerdem verprügel' ich meine Probleme immer noch selbst", fügte sie hinzu. Im Lichtschein der Fackeln sah Marcus, wie sich ein kleines Lächeln auf ihre Lippen schlich. Erleichtert stellte er fest, dass er inzwischen die Treppe zum Astronomieturm wiedererkannte.

Ihre Worte amüsierten Marcus. „Daraus schließe ich, dass er immer noch mit dir ausgehen will?", hakte er vorsichtig nach und verstärkte den Griff um ihre Hand besitzergreifend.

Wieder seufzte Katie, doch sie erwiderte den Druck seiner Hand sanft. „Ich will ihn nicht", erklärte sie genervt. „Er ist selbstverliebt, verantwortungslos, sprunghaft..."

„Das klingt nach einem echten Gryffindor", neckte Marcus sie, während er ihr, ganz seiner reinblütigen Erziehung gemäß, die Tür zum Astronomieturm aufhielt.

Spielerisch boxte Katie ihm gegen den Arm, jedoch war er dieses Mal gewappnet und zuckte nicht zurück. „Vielleicht. Aber wenigstens sieht er gut aus." Mit müheloser Leichtigkeit zog sie ihn auf eine Plattform zwischen zwei Teleskope. Die Nacht war sternenklar, ein strahlender Halbmond beleuchtete die Ländereien von Hogwarts.

Marcus Laune sank sofort und er bemühte sich um einen indifferenten Gesichtsausdruck. Sie fand ihn also doch attraktiv. Kein Wunder, denn Oliver war, ähnlich wie Cedric, ein Mädchenschwarm. Rein optisch hatte er alles, was Marcus' Äußeres nicht bot: eine lässige Art, eine dieser schrecklichen modernen Frisuren mit Pony, ein ansehnliches Gesicht und vor allem bunte T-Shirts. Unzufrieden dachte Marcus an seine schiefen Zähne, seine breite Stirn und seine bullige Figur. Im Grunde hatte er doch keine Chance bei Katie, wenn sein Gegner Oliver hieß.

„Der Witz kam wohl nicht so gut an", bekannte Katie freimütig und verdrehte die Augen. Ohne seine Hand loszulassen, führte sie Marcus zur Brüstung. „Schau', der Große Wagen", erklärte sie, während sie in die Sterne zeigte. „Und dort ist Cassiopeia." Ihr Gesichtsausdruck wurde immer verklärter, bis sie sich schließlich an ihn lehnte.

Marcus legte einen Arm um sie und folgte ihrem Blick in die sternenklare Nacht. Diese Sternenbilder fand selbst er am Himmel wieder, stellte er erleichtert fest. Astronomie hatte er mit Ach und Krach zwar bestanden, aber anschließend schnell abgewählt. Das Gewusel am Himmel war ihm zu unübersichtlich. Als sie ihm noch weitere Sternenbilder zeigte, die er nun wieder nicht erkannte, ging er dazu über, heimlich ihr Gesicht zu betrachten. Das Licht der Sterne spiegelte sich in ihren Augen und gaben ihr einen übernatürlichen Glanz. Wie hatte er sie nur dazu bringen können, mit ihm auf ein Date zu gehen? Das Mädchen war ihm ein einziges großes Rätsel.

„In Astronomie bin ich übrigens eine Niete", gestand Katie schließlich mit einem Grinsen, als sie sich ihm zuwandte. „Die Namen der Sternbilder hat mir als Kind mein... äh... Nachbar beigebracht." Sie zögerte einen Moment und schien zu überlegen. „Darf ich dich was fragen?"

„Nur zu", antwortete Marcus, ohne zu zögern. Verwundert stellte er fest, dass er ihr vertraute.

Was folgte, was das merkwürdigste Gespräch aller Zeiten. Katie fragte ihn nach tausend und mehr Kleinigkeiten aus seinem Leben: nach seiner Lieblingsfarbe, seinem Zuhause, seinen Haustieren, Lieblingsbuch, Musik, um nur ein paar Themen zu nennen. Marcus antwortete möglichst wahrheitsgemäß und tat alles, um ihr ebenfalls ein paar Antworten zu entlocken. Interessanterweise gestaltete sich das schwieriger als gedacht, da Katie lieber Fragen stellte als zu antworten. Am Ende wusste er Einiges mehr über sie. Sie mochte am liebsten Schokolade mit Zitronenlimonade, hatte im ersten Schuljahr Percy formvollendet verflucht - seitdem waren sie lose befreundet, schaffte keinen Monat ohne nachzusitzen, ihre Lieblingsfarbe war rot (sehr patriotisch), sie fand Lee Jordan und die Weasley-Zwillinge urkomisch, auch wenn die drei meist der Grund für das Nachsitzen waren, las in ihrer Freizeit gerne alles, was sie so in die Finger bekam, besuchte regelmäßig Hagrid, bekam nicht gern Geschenke und war chronisch pleite. Marcus strengte sich an, sich alles zu merken, während beim Reden Stunde um Stunde verging. Als das Gespräch sich jedoch seinen Freunden zuwandte, versuchte er sofort, ihre Fragen abzublocken. Sie sollte nicht wissen, dass er keine Freunde hatte.

„Hüte dich vor Pucey und Higgs", erklärte Marcus schließlich ergeben.

„Jaja, aber wen magst du am liebsten?", hakte Katie nach.

Marcus zermarterte sich sein Hirn nach einer passenden Antwort. Dann nannte er einfach die Namen, die am ehesten ihrer Vorstellung von Freundschaft entsprach. „Miles Bletchey und Cedric Diggory", murrte er unwillig. „Aber wir sind jetzt nicht so dicke. Es ist eher oberflächlich."

Katie lächelte verschmitzt. „Du hast nicht so den Draht zu deinen Mitmenschen, kann das sein?", neckte sie ihn. Mit einem Satz saß sie auf der Brüstung und ließ ihre Beine über dem Abgrund baumeln. Professor Sinistra würde sie einen Kopf kürzer machen, wenn sie das sähe.

„Vorsicht, Katie", entfuhr es Marcus, bevor er sich davon abhalten konnte.

Katie grinste breit. „Schisser", nannte sie ihn und ließ ihre Beine noch wilder baumeln. Jetzt nahm sie sogar die Hände von der Brüstung. In ihrem Blick erkannte er pure Abenteuerlust.

Unruhig trat Marcus einen Schritt an sie heran, ohne sie aus den Augen zu lassen. „Komm' lieber da runter", forderte er mit schlecht verhohlener Nervosität. Merlin, wie konnte man bloß so unvorsichtig sein? Er biss die Zähne zusammen und wischte sich seine schweißnassen Hände an der Hose trocken.

Mit antrainierter Quidditchleichtigkeit sprang Katie auf. Nun balancierte sie sogar auf der Brüstung. Marcus schloss für einen Moment hilflos die Augen. Die Frau machte ihn fertig. „Komm' du doch hoch", forderte sie mit funkelnden Augen.

Als Marcus vehement mit dem Kopf schüttelte, lachte sie übermütig, dann sprang sie mit einem Satz von der Brüstung. Marcus streckte reflexartig die Arme aus und fing sie auf. Katie kicherte verschmitzt. Sie gab ihm einen kleinen Kuss auf die Wange. „Danke für die Rettung, mein Held", spottete sie.

Marcus stellte sie behutsam am Boden ab. „Leichtsinniges Mädchen", murrte er und schloss sie vorsichtshalber fest in seine Arme, damit sie nicht noch einmal auf die Idee kam, einen Absturz in den Abgrund zu riskieren.

Katie schmiegte ihre Wange an seine Brust. „Du kannst mich wieder loslassen", forderte sie immer noch grinsend, fuhr aber im Widerspruch zu ihren Worten mit beiden Händen unter sein Shirt. Sofort machte sich eine wohlige Gänsehaut auf seinen Armen breit.

„Nein", knurrte Marcus finster. Noch traute er ihrer geistigen Zurechnungsfähigkeit nicht vollkommen. Ein bisschen abgelenkt von ihren Streicheleinheiten drückte er sie fester an sich. Sie roch so gut, außerdem fühlte sich ihre Haut schön weich an.

Katie machte ein merkwürdiges Geräusch. „Lass mich los, Marcus", forderte sie bestimmt. Sie nahm sogar ihre Hände von ihm. Erschrocken machte Marcus einen Schritt zurück und wandte unsicher seinen Blick ab. „Muskelkater im oberen Rücken", erklärte sie, während sie mit schmerzverzerrter Miene die Schultern nach unten drückte. „Guck' nicht so, das konntest du ja nicht wissen", fügte sie noch hinzu. „Ich werde gern von dir umarmt."

Erleichtert erwiderte Marcus ihren Blick. „Merlin, ich dachte schon, ich hätte dir wehgetan." Verlegen rieb er sich mit der Hand über den Nacken.

Kopfschüttelnd zog Katie ihren Zauberstab und sprach mit einer bewundernswerten Mühelosigkeit einen voll funktionsfähigen Wärmezauber auf die Steine. Dann ließ sie sich ächzend im Schneidersitz auf den Fußboden fallen. Marcus, der immer noch heimlich ihre Fähigkeiten bewunderte, tat es ihr nach. „Ab und zu massiert mir Oliver so ein Sportöl ein, was den Muskelkater lindert", erklärte sie beiläufig. „Aber da ich zur Zeit nicht mit ihm rede, muss ich wohl mit dem Schmerz leben."

Nun schlug die Eifersucht mit eiserner Faust zu. In Marcus' Kopf entstand das Bild einer halbnackten Katie, die sich von Oliver auf einer Liege massieren ließ. Das Leben war nicht fair. „Ich kann das auch", brummte er grimmig und verschränkte die Arme.

„Klasse!", entfuhr es Katie, die sein Unwohlsein gekonnt ignorierte. Sie schenkte ihm ein entwaffnendes Lächeln, während sie sich aus ihrem riesigen Schal wickelte. Als sie dann noch ihren Pullover über den Kopf zog, den sie umstandslos beiseite warf, wurde Marcus ein wenig unruhig. Sie saß nur noch in einem dünnen Tank-Top vor ihm und grinste unverschämt. „Du darfst jetzt anfangen!", forderte sie. Umstandslos drängte sie sich zwischen seine Beine und wandte ihm den Rücken zu. Sie trug einen gryffindorroten BH.

Mühsam verdrängte Marcus die unanständigen Gedanken. Unauffällig atmete er tief durch, bevor er nach ihren Schultern griff. Mit mäßigem Druck fuhr er an ihrer Schultermuskulatur entlang nach außen, um unter seinen Daumen die Stellen mit der Verspannung zu finden. Das saß nicht besonders tief und war auch nicht sehr hart. Vorsichtig erhöhte er den Druck. Er begann, in kleinen Kreisen die Muskeln zu lockern. Unwillkürlich glitt sein Blick über ihre Figur zu den Trägern ihres BHs und ein paar Mal auch zu ihrem Dekolleté. Merlin, sie war verdammt heiß. Ein paar Sommersprossen waren über ihre Schultern verstreut, ihre weiche Haut war noch sonnengebräunt vom Sommer. Komischerweise bedeckten ein paar blaue Flecken ihren Oberarm. Es sah fast so aus, als hätte da jemand ziemlich fest zugegriffen.

„Das fühlt sich gut an." Ein wohliger Seufzer entfuhr Katie, als sie ihren Kopf nach vorn sinken ließ. „Wo hast du das gelernt? Auch im Quidditch-Camp wie Ollie?"

Unwillkommene Bilder schossen durch Marcus Kopf und für einen kurzen Moment erstarrte er mitten im Tun. Er hatte Schmerzen gehabt, doch er traute sich nicht, nach einem Heiltrank zu fragen. Schließlich war er doch eine Zeitverschwendung. Vorsichtig hatte er seine Muskeln gelockert, wie er es aus dem Buch gelernt hatte. Stück für Stück, Zone für Zone, bis der Schmerz nachließ. Zurück blieben nur die Erinnerungen an das wutverzerrte Gesicht seines Vaters und die blauen Flecken.

„Alles cool da hinten?", kommentierte Katie sein Zögern vorsichtig. Marcus setzte die Massage sogleich fort.

„Hab's mir selbst beigebracht", brummte Marcus unwillig. „Alles cool."

Katie wand sich unter seinem Griff, um ihm in die Augen sehen zu können. Aus Versehen streifte Marcus dabei einen ihrer BH-Träger von der Schulter. Sie saß nun halb auf seinem Schoß und schlang ihre Arme locker um ihn. „Flint?", hakte sie unsicher nach. Sie legte eine Hand auf seine Wange, wobei der Träger unbemerkt noch ein Stückchen tiefer rutschte.

„Hmpf", machte Marcus und gab sich alle Mühe, nicht allzu tief in ihren Ausschnitt zu sehen. Die trüben Gedanken an seinen Vater hatte er schon längst verbannt. Nur machte sich stattdessen jetzt ein ganz anderes Gefühl in ihm breit. Merlin, er sollte seinen Hormonhaushalt ganz dringend in den Griff bekommen.

Katie folgte seinem Blick und versuchte erst gar nicht, ihr breites Grinsen zu unterdrücken. „Dich kann man ja leicht trösten", spottete sie. Mit einem verschmitzten Lächeln rutschte sie noch ein bisschen näher an ihn heran und schlang auf seinem Schoß ihre Beine um ihn. „Na, wie ist das?", neckte sie ihn. Sie zappelte sogar ein wenig, was ihn zunehmend nervöser machte.

Marcus griff nach ihrer Hüfte, ohne zu wissen, ob er sie näher heranziehen oder wegschieben wollte. Vorerst hielt er sie erst einmal ruhig und dachte angestrengt an Snape im Badeanzug. „Miststück", schimpfte er nicht ganz ernst, „Hör' auf, mich zu foppen." Das gewohnte Kribbeln machte sich in seinem Bauch breit. Er hatte große Lust, sie zu küssen.

Katie beugte sich vor, bis Marcus ihren Atem an seinen Lippen spüren konnte. „Ganz wie du wünschst, o großer Slytherin", hauchte sie, dann hielt es Marcus nicht mehr aus. Er lehnte sich ihr entgegen und küsste sie hungrig. Mit geschlossenen Augen spürte er ihre Lippen, ihre Zunge und die weiche Haut, die sich an seine schmiegte. Das alles fühlte sich so unglaublich gut an. Sanft fuhr er mit den Fingerspitzen über ihren Hals und ihren Nacken, dann schob er auch den anderen BH-Träger nach unten, während sie ihre Finger unter sein Shirt gleiten ließ. Ein kleines atemloses Keuchen entfuhr ihr, als Marcus sich aus dem Kuss löste und stattdessen ihre rechte Schulter und das Schlüsselbein küsste. Sie schmeckte unglaublich gut. Er griff nach dem Saum ihres Tops, um es noch ein Stück nach unten zu ziehen. Ihre Haut wurde immer weicher, je tiefer er sie küsste.

Plötzlich erstarrte Katie unter seinen Berührungen. Rabiat schob sie seine Hände weg. „Filch!", zischte sie warnend. Benebelt sah Marcus ihr dabei zu, wie sie sich in Windeseile wieder anzog und ihm dann auf die Beine half. „Schnell, wir müssen weg hier", flüsterte sie.

Nun hörte auch Marcus Schritte näher kommen. Er griff nach ihrem Handgelenk und zog sie auf die Rückseite der Plattform. Dort tippte er auf einen verborgenen Stein, der beim Zurseitegleiten den Zugang zu einer Rutsche freilegte. Ohne zu zögern, stürzte Katie sich hinein. Marcus folgte ihr sofort, während sich der Geheimgang hinter ihnen mit einem leisen Knirschen schloss. Am Ende der Rutschpartie lag ein Korridor in der Nähe des Gryffindor-Turms. Katie hielt darauf zu und zerrte ihn schließlich kichernd hinter die äußerst hässliche Statue irgendeines alten Zauberers.

„Das war eindeutig zu knapp für meinen Geschmack", bekannte Marcus mit einem Stirnrunzeln. Angestrengt versuchte er, seine Atmung wieder zu beruhigen.

Katie dagegen kicherte. „Das hat viel Spaß gemacht." In ihren Augen erkannte Marcus die pure Abenteuerlust. Sie gab ihm einen schnellen Kuss auf den Mund. „Danke für den schönen Abend." Dann huschte sie in die Dunkelheit davon und ließ einen verwirrten Marcus zurück. Gerade fand er Filch verdammt scheiße.


Und wieder geht ein Kapitel zuende. Die Freundschaft der drei baut sich aus, aber auch Katie und Marcus lernen sich näher kennen. Zu positiv und kitschig?