Severus starrte Hermine immer noch unentwegt an und wartete auf die Antwort, die entweder sein ganzes Glück zerschmetterte oder ihm neue Hoffnung gab. Hermine brach den Blickkontakt ab und starrte auf ihre Hände welche nervös mit der Serviette des Gedecks spielten. Schließlich atmete sie tief ein und brach das angespannte Schweigen.
„Ron und ich, wir sind einfach nicht für einander bestimmt. Verstehst du?" Hermine sah ihn mit forschenden Augen an. Die Hoffnung, dass er verstehen konnte was sie sagte, beziehungsweise nicht aussprach, glitzerte in ihrem Blick und sie atmete erleichtert auf als er langsam nickte.
Sie konnte spüren, dass Severus nach mehr Informationen suchte, doch gleichzeitig fühlte sie die bekannte Traurigkeit die jedes mal in ihr aufwallte sobald sie an die Zeit mit ihrem rothaarigen Freund dachte.
Severus bemerkte den Stimmungswechsel und griff über den Tisch zu ihrer Hand. Er umfasste ihre zierlichen Finger mit seinen gröberen und drückte sie liebevoll zusammen. Hermine lächelte ihn an und hoffte, er würde verstehen, dass sie im Moment dieses Thema lieber meiden würde. Schließlich wurde jedoch auch ihre Neugier geweckt und sie fand den Mut um ihm die Frage zu stellen, die ihr seit Monaten auf der Zunge brannte.
„Und du? Empfindest du noch etwas für Lily?"
Severus Hand stoppte in ihren Bewegungen und er sah sie mit großen Augen an. Er hatte sichtlich nicht mit der Frage gerechnet und brauchte einige Sekunden um sich zu sammeln. Es war nur all zu verständlich warum sie diese Frage stellte, schließlich wollte sie genau wie er sicher gehen, dass diese Liebe nicht von Beginn an zum Scheitern verurteilt war. Severus atmete durch seine Nase tief ein und aus und fasste sich mit der Hand, die zuvor noch den ersehnten Kontakt mit Hermine hergestellt hatte, an den Kopf. Er raufte sich durch seine langen schwarzen Haare und wandte seinen Blick verlegen ab.
„Es hat viele Jahre gebraucht um zu erkennen, was du bereits nach wenigen Monaten festgestellt hast. Wie du vorher sagtest, wir waren einfach nicht für einander bestimmt. Sie war einige Jahre lang der einzige Mensch in meinem Leben der sich für mich interessierte und überhaupt mit mir sprach. Und für diese Freundschaft liebe ich sie bis heute. Doch im Endeffekt war sie nicht genug."
Als er sah wie sich Hermines Blick niedergeschlagen senkte, nahm er seinen Mut zusammen und stellte das richtig, was ihn seit der ersten Nacht mit ihr beschäftigte.
„Ich fühlte mich schuldig, verantwortlich für ihren Tod. Vor allem fühlte ich mich schuldig weil es ihr Ende gebraucht hatte um mich erkennen zu lassen, welch falschen Weg ich eingeschlagen hatte. Diese Liebe und auch Dankbarkeit ist anders, sie ist nicht mit dem zu vergleichen was ich für... nun ja für dich empfinde."
Severus Stimme krächzte bei den letzten Worten und er starrte verlegen auf Hermines Hände. Er wagte es nicht seine Verletzlichkeit auch noch mit einem Blick zu bestätigen. Nun war es an Hermine die über den Tisch seine Hand ergriff. Sie drückte seine leicht zusammen.
„Während der Flucht und des Krieges, war Ron mein Anker, mein Fels in der Brandung wie man so schön sagt. Ich habe mich so nach dieser Sicherheit gesehnt, dass ich mir eingeredet hatte, dass es Liebe sein müsste. Doch schon kurz nach dem Krieg erkannte ich, dass egal wie sehr wir uns bemühten, egal wie sehr wir es versuchten, wir blieben wer wir sind. Ron wird nie genug für mich sein, genauso wenig wie ich jemals genug für ihn sein könnte. Irgendwann wir er das auch erkennen. Im Moment jedoch.. stehen die Dinge nicht wirklich.. gut."
Severus nickte und er hörte den schmerzlichen Verlust eines Freundes in ihrer Stimme. Er fühlte sich ein wenig schuldig dieses Thema angesprochen zu haben, doch gleichzeitig war er unendlich erleichtert. Der Weasley spukte schon viel zu lange in seinem Kopf herum und endlich war das Rätsel gelöst.
Er sah sie mit einem unlesbaren Blick an und bewegte seinen Oberkörper in ihre Richtung. Ehe sie es begreifen konnte, umfasste seine Hand ihren Hinterkopf und sie spürte seine Lippen auf den ihren. Ihre Lider schlossen automatisch und sie vertiefte den Kuss, der soviel mehr bedeutete. Sie steckte all ihre Gefühle für ihn in diesen Kuss und spürte ein tiefes Knurren welches in Severus vibrierte. Als sie sich lösten, schaute Severus verlegen umher und schließlich auf die Uhr. Es war nicht schwer zu erkennen, dass er nicht recht wusste wie er mit dieser für ihn neuen Situation umgehen sollte. Schließlich erbarmte sich Hermine und rettete ihn.
„Hat das Altersheim schon geschlossen oder haben wir noch ein paar Minuten?"
Severus schaute überrascht hoch und sein Mund verzog sich langsam zu einem schiefen Grinsen. Seine Augen funkelten mit etwas, was Hermine nicht benennen konnte.
„Nun, ich hätte noch ein wenig Zeit aber wir wissen beide wie unausstehlich du sein kannst wenn du nach deiner Bettzeit schlafen gehst."
Hermine lachte auf und schüttelte leicht den Kopf.
„Tja, dann sollten wir wohl deinen Rollator holen."
Wie immer danke fürs Lesen ! Wenn ihr paar Sekunden Zeit habt, seid so gut und hinterlasst mir paar Wörter! Bitte bitte, Danke danke !
