Tausend Dank an meine Motivatoren, die sich die Zeit nehmen, um mir einen Kommentar zu meinen Kapiteln zuschreiben und mir damit den Tag retten! Echt Leute, ich wüsste nicht, was ich ohne euch tun würde.
atlufa: Hier kommt dann wohl die zweite Dosis für Harmoniesüchtige – zumindest in soweit, wie ein Severus Snape es zulässt: Immer auf der Hut vor Enttäuschungen, bleiben die Gefühle seiner Mitmenschen nun mal häufig auf der Strecke… Ach ja, und die M&Ms – über die Farben gewundert?
atCaroloveSeverus: Es freut mich, dass dir das Kapitel so gut gefallen hat: Liebe Grüße aus dem PARadIeS! Außerdem bin ich natürlich erleichtert, dass meine BL nicht total aus ihrer Rolle fällt. Die Krankheit musste übriges sein: Snape muss man zuerst außer Gefecht setzten, bevor man ihn zu seinem Glück zwingen kann.
atSamatha Snape: Schön, dass die Geschichte ankommt und ich dir ein Lächeln abringen konnte. Ich hatte befürchtet, dass es zu aufgesetzt wirkt: Aber ihr kennt das ja – Situationskomik und so… =) Naja, hier ‚schon' das nächste Kapitel.
atMarylein: Hach, der tolle Mann! Ja, langsam aber stetig ändern sich die Dinge und ich hoffe, es erscheint nicht zu radikal. Und zu den Fehlern – Ich probiere mich zu bessern, aber ich befürchte, auch dieses Mal wirst du wieder fündig werden SORRY. Aber bitte bleib mir trotzdem treu und werde nicht müde mich drauf hinzuweisen, mit dem roten Kopf wird ich schon fertig. Danke!!!
atMistmaus: Wie schon gesagt, bin ich froh, dass ich offensichtlich nicht total an BLs Charakter vorbeigeschrieben habe und sie in der Lage ist, Emotionen beim Leser zu wecken – so soll es sein! Sie hat noch einige Ideen… Ich hoffe nur, dass ich die auch so umgesetzt kriege, wie ich mir das vorstelle. Wenn man schreibt, schon mit einem gewissen Feeling im Kopf, weiß man ja noch lange nicht, wie das Ganze auf den objektiven Leser wirkt.
atAll: R&R&R – Read&Review&Rette meinen Tag!
Remember these walls I build?
Well baby, they are trembling down.
And they didn't even put up a fight,
They didn't even make up a sound.
Kapitel 10: Von Angesicht zu Angesicht
Ja, die Erinnerungen an Paris hielten ihn am Leben. Lichtjahre entfernt und in seinen Gedanken doch zum Greifen nah.
°~*~°
„Wenn ich dich so dort sitzen sehe, bestätigt sich jedes Klischee, dass ich je über Lehrer gehört habe", stichelte Hermione, als sie um ihn herum aufräumte, während er mit einer Zeitschrift auf der Couch saß. Er hasste dieses Reden ohne sich wirklich etwas zusagen. Auf Hermiones Smalltalk-Versuche reagierte er regelmäßig mit eisigem Schweigen und trotzdem verschonte sie ihn nur in den seltensten Fällen.
Auch heute wieder hatte er kein Glück: „Seit wir hier sind, habe ich nicht einmal erlebt, dass du die Wohnung aus einem anderen Grund verlassen hättest, als zur Uni zugehen", regte sie sich auf und Severus verrutschte zum zweiten Mal in der Zeile. „Wir sind hier schließlich in Paris!", fuhr sie energisch fort und hielt in ihrem Aufräumwahn einen Moment inne, um zu ihm aufzublicken. „Hast du überhaupt schon etwas von der Stadt gesehen?".
Severus schloss genervt die Augen. „Ich meine ‚Hallo'! Nachdem ich schockiert feststellen musste, dass mein Tränkemeister, neben seinen wallenden Roben und seinem akkurat sitzenden Gehrock, auch im Besitz von taillierten Oberhemden und sogar T-Shirts ist, war es wirklich so abwegig anzunehmen, du hättest ein Privatleben?". Merlin, ich sterbe! „Beweis mir das Gegenteil! Lass uns gemeinsam Paris erkunden!", forderte Hermione ihn heraus, als hätte er ihr widersprochen. „Du hörst mir ja überhaupt nicht zu!", empörte sie sich schließlich und riss ihm die neuste Ausgabe von ‚Potion&Poisen Today' aus den Fingern.
Damit hatte sie es geschafft, sie hatte seine ungeteilte Aufmerksamkeit: „Miss Granger, hatten sie als Kleinkind einen imaginären Freund. Kann ich ihn vielleicht irgendwo erreichen oder sollte ich mich besser direkt an Ihren Therapeuten wenden. Ich bezahle ihm liebend gerne das Flugticket. Ich glaube, damit wäre uns beiden sehr geholfen!".
„Ach, auf einmal ist es wieder Miss Granger?", fragte sie mit einem amüsierten Grinsen, als hätte sie gerade irgendeinen kranken Wettkampf gewonnen.
„Macht der Gewohnheit. Sozusagen Gesiezt im Affekt!", sagte er gefährlich freundlich, „Außerdem ist die vertraute Anrede mit dem Vornamen ein Privileg, das ich dir vielleicht wieder entziehen sollte, ging doch mit dem ‚Sie' nicht nur dein Intellekt sondern auch jeglicher Respekt für meine Person verloren!".
„Oh nein, Severus!", rief Hermione theatralisch, „Niemals in meinem Leben wäre ich meinen älteren Mitmenschen gegenüber unhöflich, geschweige denn respektlos!".
Schneller als sie blinzeln konnte, lag Hermione halb verrenkt auf dem Rücken, Severus über ihr. Er hielt ihre Handgelenke fest über ihrem Kopf verschränkt, seine prominente Nase nur einige Zentimeter über ihrer und sein Haar kitzelte leicht ihre Wangen. „Pass auf deine Zunge auf, kleine Hexe!", warnte er und spürte ihren beschleunigten Atem gegen seine Wange, „Sonst zeige ich dir, wozu der alte Mann noch fähig ist!". Dann griff er nach der Zeitschrift über ihrem Kopf und erhob sich unbeeindruckt, als wäre nichts geschehen.
„Ist das eine Warnung oder ein Versprechen?", rief ihm Hermione hinterher, doch die einzige Antwort, die sie erhielt, war die zuknallende Tür.
Geschafft ließ sich Severus auf sein Bett fallen und fuhr sich genervt durchs Haar. Gewöhnlich hätte er an dieser Stelle seiner Zimmerdecke verkündet, dass er langsam zu alt für den Kindergeburtstag war, aber heute ließ er es. Stattdessen entkam seinen Lippen ein gequältes Seufzen. Er würde es nie zugeben, aber ihr Kommentar über sein Alter hatte ihn doch getroffen. Entschlossen drehte er sich auf den Bauch und schlug die Zeitung auf. Er wollte sich nicht länger mit dem Gedanken beschäftigen, hieß es doch, dass ihm die Meinung seiner Mitbewohnerin und ehemaligen Schülerin nicht ganz egal war…
Bis zum nächsten Morgen und dem gemeinsamen Frühstück stand für ihn aber fest, dass er ihr in dieser Sache nicht das letzte Wort lassen würde. Er hatte einen Entschluss gefasste, den er ihr zwischen Baguette und Kaffee, über den Rand des Tagespropheten hinweg eröffnete: „Nun Hermione, wie hast du dir unseren gemeinsamen Tag in Paris denn vorgestellt?".
Diese sah verwirrt vom neusten Schundartikel von Rita Skeeter auf. „Wie bitte?", fragte sie verständnislos.
„Ja ich hoffe doch, dass du nach unserer kleinen Diskussion ein aufregendes und informatives Programm quer durch Paris ausgearbeitet hast", sagte er ruhig und verschwand wieder hinter der Zeitung, „Natürlich sollte es auf Senioren und ihre besonderen Bedürfnisse abgestimmt sein, in meinem Alter komme ich schließlich nicht mehr jede Treppe hoch!". Er unterdrückte nur schwer das Grinsen, als er hörte, wie sich Hermione bei seinem letzten Kommentar verschluckte.
Erst, als er seine Mimik wieder vollständig unter Kontrolle hatte, faltete er die Zeitung zusammen und erhob sich langsam. „Ich erwarte erstklassige Ausführungen, nicht den Standard, den ich mir früher von Ihnen gefallen lassen musste. Sie studieren jetzt an der Universität, benehmen Sie sich entsprechend", sagte er todernst. „Ich erwarte Sie in einer Stunde abmarschbereit im Wohnzimmer".
„Moment! Professor…!", rief ihm Hermione entsetzt hinterher, die völlig in Schülermodus verfallen war und die Realität um sich herum offensichtlich nicht mehr wahr nahm. Soviel zum Thema ‚Lehrer hätten kein Privatleben'! Wer war es denn, der hier kein Privatleben hatte? Das Mädchen ist krank!
Eine Stunde später trat Severus in bequemen Stoffhosen und einem schwarzen Poloshirt ins Wohnzimmer, wo ihn ein aufgelöstes Nervenwrack in Empfang nahm, das normalerweise auf den Namen Hermione Granger hörte. Er war eigentlich sicher gewesen, dass sie irgendwann im Laufe der letzten Stunde bemerkt haben würde, dass Paris' Touristenattraktionen kein Thema für Referat sein sollte. Offenbar nicht…
„Jetzt entspann dich und zieh dir schnell etwas Bequemes an, damit wir los können!", erlöste er sie schließlich. Leider ohne Erfolg. Sie sah ihn aus großen Augen verständnislos an. „Es war ein Scherz!", stellte er ungehalten klar, aber die einzige Reaktion darauf war, dass aus dem verständnislosen ein fassungsloser, fast erschrockener Ausdruck wurde.
„Du hast ihn nicht verstanden", stellte er fest und kam sich reichlich dämlich vor, ehe er sich nach einigen Momenten bemühte, die einseitige Konversation aufrecht zuhalten, indem er erklärte, „Zu viel Gehirn! Wir Beide haben einfach zu viel Gehirn. Wir sind nicht sozialkompetent. Deswegen verstehst du keine Witze und keiner meinen Humor".
„Bei allem Respekt", befreite sich Hermione endlich aus ihrem erstarrten Zustand, „Vielleicht liegt das auch daran, dass du keinen Humor hast". Dann schlug sie sich plötzlich die Hand vor den Mund, als ihr bewusst wurde, was sie gesagt hatte und fuhr stammelnd fort, „Also ich meinte damit nur, dass Keiner denkt, dass du Humor hast…".
„Schon gut", verdrehte Severus genervt die Augen und vermerkte gedanklich, nie wieder mit Hermione zu scherzen, zumindest nicht im Entferntesten über akademische Themen. Dieses Gespräch war ein Desaster. Spätestens, wenn man einen Scherz erklären musste, war der Gipfel der Peinlichkeit wohl erreicht. Er musste dieser Farce ein Ende bereiten, jetzt! „Abflug! Paris wartet, genau wie mein Beweis dafür, dass Lehrer sehr wohl ein Privatleben haben! Ich will ja hier keine Weltbilder zerstören…".
Es dauerte zwar eine ganze Weile, bis Hermione um ihn herum wieder locker wurde, aber als sie sich wieder von ihrem Schock beruhigt hatte, war der Tag sehr entspannt gewesen. Sie begannen ihre Route ‚Palais de Chaillot', genau dort, wo ihr ganzes Abenteuer Paris begonnen hatte und gingen von dort über die Seine zum ‚Tour Eiffel'. Dort appariete Severus sie trotz Hermiones Höhenangst auf eine der für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Plattform, noch weiter oben und raubte so Hermiones Atem gleich in mehrfacher Hinsicht.
Sie wich zwar keinen Millimeter von ihm ab, als sie den unbeschreiblichen Ausblick genossen, bestätigte Severus aber enthusiastisch ihre Begeisterung, nachdem sie wieder festen Boden unter den Füßen hatten. Feste Boden in Anführungsstrichen, denn sie fanden sich auf dem Dach des ‚Arc de Triomphe' wieder, wo Hermione von ihm auf die unendlich vielen Details im Relief aufmerksam gemacht wurde, die Teilweise auch Hinweise auf die Zauberwelt beinhielten. Überhaupt öffnete Severus ihr die Augen für die Magie, die in der ganzen Stadt verteilt zu sein schien, manchmal so offensichtlich, dass man es nur übersehen konnte.
Anschließend schlenderten sie die ‚Champs-Élysées' entlang, passierten den ‚Place de la Concorde' und kamen schließlich zum ‚Louvre'. „Gehen wir ins Museum?", wollte Hermione wissen, die vor Aufregung ganz rote Wangen hatte.
„Heute nicht", entgegnete Severus, versprach dann aber aus einer plötzlichen Eingebung heraus, „Ein anderes Mal". Er wusste nicht genau, warum er so gute Laune hatte, doch irgendwas sagte ihm, dass die Hexe neben ihm, die nun mit der Sonne um die Wetter strahlte, nicht ganz unschuldig daran war. Was war das bloß mit ihr? Sie hatte etwas an sich, dem er sich nicht entziehen wollte. Obwohl er ihr die Stadt erklärte, war sie es, die Leben in den Ausflug und ihre Unterhaltungen brachte – die ihn zum Leben brachte.
Warum versuchte sie das, woran schon ganz Andere gescheitet waren? Und viel wichtiger, warum schien es, als habe sie Erfolg mit ihren Bemühungen? Es war definitiv schwer sich einzugestehen, dass er ihre Gegenwart schätzte. Selbst als sie ihn am Abend zuvor zu Tode genervt hatte, war sie ihm doch nie egal gewesen, hielt immer etwas in sich, was ihn faszinierte. Und noch etwas war im aufgefallen und er konnte nicht sagen, woher dieser Gedanke kam. Er plötzlich da gewesen war und ließ sich nicht mehr verdrängen: Er liebte es, wenn sie ihre wilden Locken in einer unbewussten Geste hinter ihr Ohr strich.
„Was machen wir stattdessen?", riss Hermione ihn aus seinen Gedanken.
Er musterte sie einen Augenblick lang perplex, ehe er mit einer Gegenfrage antwortete, „Warst du schon in der ‚Avenue du Passe-passe', die Winkelgasse von Frankreich?".
„Noch nicht", seufzte Hermione und sah beschämt zu Boden, bevor sie kleinlaut gestand, „Ich hab den Eingang nicht gefunden".
Severus konnte nicht verhindern, dass er laut auflachte und damit die junge Frau vor sich noch mehr zum Erröten brachte. „Dabei hätte uns dieser Robert Langdon damals fast auffliegen lassen!", sagte er dann, was wiederum Hermione zum Grinsen brachte.
„Du meinst Dan Brown!".
„Ach die Beiden stecken doch ohnehin unter einer Decke!".
„Könnte natürlich dran liegen, das der Eine der Feder des Anderen entsprungen ist", gab sie lachen zu bedenken. „Außerdem wird das Buch in der Mugglewelt erst in drei Jahren veröffentlich. Wir wissen nur davon, weil das europäische Zauberministerium das Manuskript konfisziert hat, um nötige Änderungen vorzunehmen und es anschließend in der Zauberwelt veröffentlicht hat um Mr. Brown mit den Einnahmen zu besänftigen".
„Besänftigen?!?", fragte er höhnisch, „Ich nenne das Schweigegeld. Nichts, was nicht auch ein sauber ausgeführter Vergessenszauber erledigt hätte!", oder ein Auftragsmord.
„Sie wollten sich nun mal an die Regeln halten", suchte Hermione achselzuckend nach einer Erklärung, was Severus nur ein verächtliches Schnauben entlockte.
„Seit wann das?!?".
Währen ihrer kleinen Diskussion waren sie der Touristenmenge durch den Haupteingang, herab zu invertierten Pyramide gefolgt. Hermione hielt sich nah bei Severus, als dieser begann, das Gebilde dreimal zu umrunden, um einen riesigen, prachtvollen Torbogen für sie sichtbar zumachen, der sie zu der magischen Einkaufsstraße führte.
Sie sahen sich einige Zeit gemeinsam um und tätigten kleinere Besorgungen, aber schnell würde es ihnen an diesem Samstagnachmittag zu voll in der unterirdischen Straße und sie flüchteten sich wieder in die Freiheit. Heraus kamen sie im ‚Jardin des Tuileries', wo sie sich für eine kurze Pause im Schatten der Bäume nieder ließen. Severus beobachtet unauffällig aus den Augenwinkeln, wie Hermione sich zurücklehnte und sich mit geschlossenen Lidern im Gras räkelte. Sie sah so befreit aus, so glücklich… Und doch, um befreit zu sein, musste es zuvor etwas geben, aus dem man sich befreien konnte.
„Du siehst zufrieden aus", bemerkte er vorsichtig und legte sich, ihr zugewandt, neben sie.
Sanft lächelnd drehte sie sich seiner Stimme zu, öffnete langsam die Augen und sah tief in Seine, ehe sie leise antwortete, „Für mich symbolisiert Paris so viel mehr: Ruhe und Frieden. Immunität und Anonymität. Und die Chance auf einen ganz neuen Start".
Severus war der bedrückte Ton nicht entgangen, der ihre Stimme färbte und ihr Lächel plötzlich starr wirke ließ. „Hört sich weniger nach Auslandssemester, als viel mehr nach Flucht an. Oder täusche ich mich?", fragte er daher.
„Erklärt sich das nicht von selbst?".
„Nur teilweise, würde ich sagen. Langweil mich mit Einzelheiten".
„Es ist unwichtig!", wich sie aus.
„Und ich habe den ganzen Nachmittag Zeit", entgegnete Severus herausfordernd. „Komisch – immer wenn ich mich unterhalten möchte, wirst du plötzlich zögerlich!".
„Könnte daran liegen, dass man bei dir immer den Eindruck hat, dass du einem direkt auf die Seele schaust und es dich kein bisschen interessiert, was du dort siehst. Warum sollte ich für dich strippen, wenn ich keine menschliche Regung dafür bekomme. Du möchtest alles haben Severus, aber du bietest mir nichts, was dieses Wagnis rechtfertigen würde".
„Nur weil ich nicht reagiere, wie es die Menschen erwarten, heißt das nicht, dass es mich nicht interessiert und auch beschäftigt. Es ist mir nicht egal war du mir erzählst oder wie du dich fühlst und es freut mich, wenn du mir deine Gedanken anvertraust. Ich kann dir versichern, dein Vertrauen ist nicht fehlplatziert. Man kann mir vieles zu Recht nachsagen, aber meine Versprechen habe ich noch nie gebrochen".
Länger Zeit schwieg Hermione, ließ sich das Gehörte durch den Kopf gehen, dann nickte sie sachte, als wären seine Worte ihr Geheimnis wert. „Nun, Zuhause steht fest, wer ich bin. Manchmal frage ich mich, wie viel von dieser Person tatsächlich noch ich bin. Das soll nicht heißen, dass ich mich die ganze Zeit verstelle, so meine ich das nicht, aber es gibt Ansprüche an meine Person, denen ich genügen muss.
Ja, ich bin strebsam und liebe es, etwas Neues zu lernen, aber früher war das wegen meinem unstillbaren Wissensdurst, während es inzwischen nur noch wegen dem Druck von außen ist. Ich dachte, wenn ich aus der Schule raus wäre, würde es besser werden, dass ich dann endlich meinen eigenen Weg gehen kann. Tja, nun sitze ich in Paris, durch ein Stipendium, für das ich mich nie beworben habe, das mein ehemaliger Schulleiter ungefragt für mich organisiert hat und das ich vielleicht nie wollte. Es geht mir hier gut, sogar sehr, und ich will keinesfalls undankbar wirken, aber warum sollte ich mich für etwas bedanken, um das ich nie gebeten habe?
Das Ironische an der Sache ist die Tatsache, dass ich ausgerechnet hier, wo ich doch wieder nur ‚meine' Rolle in diesem großen Plan spiele, mehr ich selbst bin, als in den vergangenen sieben Jahren, denn hier kennt mich Keiner. Selbst du kennst mich kaum. Keine Ansprüche, es gibt kein tägliches Bestehen. Hier muss ich nur mir gerecht werden".
Lange dachte Severus über das Gehörte nach und erneut kam es ihm beunruhigend vertraut vor, was er hörte. „Warum hast du dann nie probiert, damit aufzuhören, aus diesem Korsett auszubrechen?", fragte er und kannte die Antwort eigentlich schon.
„Das ist nicht so einfach! Ich möchte ja genügen! Ich würde es nur gerne wieder aus eigenem Antrieb heraus tun. Das ist ein bisschen wie eine schlechte Angewohnheit, die kann man auch nicht so einfach ablegen… Verstehst du was ich meine?", fragte sie unsicher.
Nur zu gut, dachte Severus bedrückt, aber alles was er zustande brachte, war ein nachdenkliches Nicken. Ewig sahen sie sich gedankenversunken in die Augen und vergaßen Zeit und Raum um sich herum. Es gab nur noch sie Beide – verwandte Seelen. Wenn er auf Ihre blickte, konnte er nur eine hellere, reinere Version von seinen eigenen Ängsten und Wünschen finden.
Dann passierte es! Hermione lehnte sich leicht zu ihm und er bemerkte, dass auch er sich unterbewusst näher gebeugt hatte. Der Moment wurde zu einem dieser Momente, in denen die Zeit plötzlich langsamer zulaufen schien. Plötzlich verlor er die Kontrolle, fühlte sich, als würde er fallen – ihr verfallen… Er hatte schon von diesen Momenten gehört, aber erst jetzt wusste er, er hatte noch nie einen erlebt.
Während sie ihre Augenlieder senkte, tat er das Einzige, was ihm in diesem Moment sinnvoll erschien: Er sprang auf, räusperte sich und klopfte verlegen seine Hose ab, während er Raum zwischen sie brachte. Hermione sah ausdruckslos zu ihm, aber Severus wusste, wenn sie nicht so steil zu ihm hätte aufblicken müssen, sie hätte die Tränen nicht zurück halten können
„Das meine ich", flüsterte sie gerade so laut, dass er sie verstehen konnte und er hörte die tiefe Enttäuschung. „Man wagt sich so weit und ungeschützt heraus und du demütigst einen. Man frag sich, ob du es wert bist – ich glaube du bist es wert, aber du gibst dir die größte Mühe meine Meinung zu ändern…".
Damit stand sie auf und klopfte sich ebenfalls den Staub von der Kleidung. Dann wand sie sich wieder Severus zu, mit neuem Mut in der Stimmer – Merlin, wo nahm sie nur diese Kraft her? „Ich weiß was ich will, Severus. Du nicht".
„Ist das eine Frage oder eine Aussage?", fragte er schwach.
„Vielleicht ist es keines von Beidem. Vielleicht ist es die Aufforderung, sich diese Frage selbst zustellen", damit schritt sie langsam davon und er folgte ihr nachdenklich. Der Weg zurück zu ihrer Wohnung verlief schweigsam. Umso überraschter war Severus, als Hermione nicht in ihr Zimmer flüchtete, sonder im Gegenteil, sich geschafft auf das andere Sofa fallen ließ, nachdem er auf dem Einen Platz genommen hatte.
„Danke für den schönen Tag", murmelte sie und Severus' Kopf führ überrascht zu ihr herum. Hatte sie sich gerade tatsächlich bei ihm bedankt?!? Er suchte in ihren Zügen nach dem Spott, den er in ihrer Stimme vermisste, aber da war nichts. Sie lag einfach nur erschöpft auf der Couch, die Augen entspannt geschlossen, eine Hand schlaff kurz über dem Boden baumelnd. Ohne jegliche Deckung, weder gegen körperliche, noch verbale Angriffe seinerseits. Wie konnte man nur so blind vertrauen und dann noch ihm… Hatte sie denn überhaupt keinen überlebenstrieb?!?
Das Erstaunliche dabei war, dass sie ihn mit diesem Verhalten mehr aus der Fassung brachte, als sie es mit einem Angriff je gekonnt hätte. Erneut konnte er sich ihr nicht entziehen, sie faszinierte ihn und nach längerem nachdenken bemerkte er, dass er sie in gewisser Weise beneidete. Das, was jeder Außenstehende leichtfertig als Naivität abgetan hätte, war genau das Maß an Urvertrauen, das sie zu viel und er zu wenig hatte.
Warum konnte er sich nicht wie selbstverständlich entspannt auf die Couch legen, während ein Andere im Raum war, wie sie es tat? Weil sie an das gut im Menschen glaubte und er nur an das Schlechte, so einfach war das. Während sie sich so weit und ungeschützt herauswagte, um etwas Lohnenswertes zu finden, dachte er gar nicht erst daran, sich zu öffnen. Aber sie, ob sie es nun bewusst tat oder nicht, sie mit dieser seltsamen Art, war auf dem besten Wege, seine Schutzmauern einzureißen, ohne dass er sich dagegen wehren konnte oder wollte – sie war es wert!
Langsam legte er sich seinerseits hin und lauschte ihrem gleichmäßigen Atem, der ihn Atemzug um Atemzug ruhiger werden ließ. Sie war bereits eingeschlafen. Entspannt, schutzlos, aber voller Vertrauen. Voller Vertrauen in ihn.
°~*~°
Er war er an diesem Abend überraschenderweise tatsächlich in einen leichten Schlaft gefallen und noch überraschender war, dass er geträumt hatte – von ihr… Er träumte normalerweise selten. Es war eine angenehme und zugleich surreale Abwechslung:
Er stand an einer Klippe an der Küste. Vor ihm ging es steil in die Tiefe und er hörte, wie die Wellen in regelmäßigen Abständen gegen die Felsen schlugen. Er schloss die Augen und atmete tief die salzige Meerbrise ein, die ihm durchs Haar wehte und fühlte sich einfach nur gut.
Irgendwann schob sich eine zierliche Hand in seine. Es fühlte sich richtig an, als ob sie genau dort hin gehörte. Wie ein Puzzlestück, das an der richtigen Stelle eingesetzt worden war. Klick und richtig. So, als ob sich die ganze Welt um ihn herum verschoben hätte, nur um dann zum ersten Mal seit ihrer Entstehung richtig einzurasten. Langsam öffnete er die Augen und sah zur Seite. Neben ihm stand Hermione. Oder…?!? Sie war so groß wie sie, hatte dieselbe Aura und die gleichen wilden Locken, aber ihr Haar hatte eine volle, rote Farbe.
Die Frau wand den Kopf und sah versonnen, schräg zu ihm auf. Sie lachte ihn ehrlich an und er hatte irgendwie das Bedürfnis zurückzulachen. Sie hatte die Augen wegen des hellen Lichts nur halb geöffnet, aber dennoch sah er, dass ihre Iris von einem wunderschönen Grün gefärbt war. „Unser Refugium, Severus", sagte sie freundlich in Hermiones Stimme und ihm lief beim Klang seines Namens aus ihrem Munde, ein kaltes Prickeln den Rücken herab. Klick und richtig.
„Komm!", sagte sie und zog ihn zum Abgrund, „Lass uns frei sein, lass uns endlich Leben!". Severus sah sie fragend an und beobachtete fasziniert, wie das Grün ihrer Augen immer dunkler wurde. Was meinte sie? „Manche Menschen werden uralt, ohne einen einzigen Tag gelebt zuhaben – wenn wir jetzt springen, sind wir nicht wie sie", fuhr sie fort, als habe sie seine Gedanken gelesen. Er hatte es nie ganz verstanden, aber im Traum hatte er die Kraft, zutun, was er sonst nie gekonnt hätte: Er vertraute ihr blind. Gemeinsam sprangen sie und plötzlich spürte er das Leben in seinen Adern pulsieren. Ja, er lebte! Er war frei!
Als er erwachte, war er immer noch in diese Ahnung von Glück gehüllt gewesen, die er empfunden hatte, als er gesprungen war. Er hatte den Traum schnell als bedeutungslos abgetan, aber vergessen konnte er ihn nie und einem Impuls folgend, hatte er nach der Hand der schlafenden Hermione gegriffen und er hatte das Gefühl gehabt, als hätte es Klick gemacht…
