Für die lange Wartezeit bitte ich um Entschuldigung. Kleines Loch in meiner Ideen- und Übersetzungskiste. Hier kommt aber jetzt das neue Kapitel :-)

Vielen Dank für die Reviews - die tun immer gut und motivieren, kommentiert nur fleissig weiter!



Kapitel 12 – Eine Weasley-Hochzeit

Donnerstag, 6.5.1999 / Quintus

Addie zu unterrichten macht mir grosses Vergnügen. Sie ist neugierig und will lernen. Sie lernt leicht und scheint Spass dran zu haben. Ich arbeite vor allem mit ihr, damit sie ihr Englisch verbessert, lehre sie die Grundlagen und etwas darüber hinaus an Mathematik und Latein, und ausserdem auch etwas Geschichte. Natürlich nicht diesen völlig verdrehten Mist, den ihr ihr Vater erzählt hat. Wir haben einen Stundenplan aufgestellt, dem wir strikte folgen. Ich gebe ihr auch Hausaufgaben auf, damit sie sich schon daran gewöhnen kann, wenn sie im Herbst in die Primarschule in Hogsmeade geht.

Zwischen den Lektionen machen wir kurze Pausen. Wir erforschen den Lehrerflügel und den grossen, freundlichen Garten. Addie lernt zu spielen! Ich glaube, sie hat gar nie gespielt und entdeckt erst jetzt, was das eigentlich bedeutet. Bevor sie in die Schule kommt, sollten wir zusehen, dass sie einige Kinder ihres Alters kennenlernt.

Sie gehorcht fast zu gut. Sie muss dazu erzogen worden sein, jedem Befehl blind zu gehorchen. Ich will gar nicht erst wissen, wie das erreicht wurde. Ich fange an, ihr Gelegenheit zu eigener Auswahl zu geben. Nicht mehr als zwei Optionen, aber das wird ihr helfen zu lernen, wie man eigene Entscheidungen fällt. Immerhin hat sie es schon raus, ihre Kleidung sehr abwechslungsreich und kunterbunt gemischt zu tragen. Sie hat sich schon langsam einen guten Farbsinn, aber noch nicht wirklich einen eigenen Geschmack erarbeitet. Aber jetzt kommt sie schon manchmal daher und fragt, ob ihr dieses oder jenes gut stehe.


Freitag, 14.5.1999 / James

Heute ist eine ziemlich wichtige Versammlung des Zaubererrates angesagt. Es wird entschieden, ob das gesamte magische Gesetzeswerk, welches zurzeit gültig ist, neu überarbeitet werden soll oder nicht. Sirius kommt von Hogwarts her und wird den Sitz für die Blacks übernehmen. Bei der konservativen Reinblüterfraktion ist er natürlich nicht eben willkommen, denn die Typen wissen genau, dass damit ein weiterer wichtiger Sitz zur Lichten Seite überwechselt. Durch Voldemorts Dummheiten ist sie schon arg dezimiert worden. Dieses Mal haben wesentlich mehr Verfahren stattgefunden und Leute, die behauptet haben, dass sie unter dem Imperius-Fluch das Dunkle Mal angenommen haben, wurden unter hohen Dosen von Veritaserum befragt. Damit wurden sie ziemlich schnell beim Lügen erwischt und wurden härter bestraft als wenn sie ihre Verfehlung eingestanden hätten. Und der Zaubererrat hat doch tatsächlich einige seiner eigenen Leute abgestraft, zum Teil Leute, die seit Jahren im Zaubererrat sassen! Mehr als einer von denen verschwand lebenslänglich in Azkaban. Und von diesen Sitzen sind noch nicht alle adäquat wieder besetzt worden. Das bedeutet, dass einiger dieser Sitze jetzt entweder leer geblieben sind oder von Leuten besetzt werden, welche sich der Lichten Seite zugewandt haben. Die Reinblüterfraktion macht jetzt weniger als ein Viertel des Zaubererrates aus und die haben wir ziemlich gut im Griff. Das war der Hauptgrund dafür, dass ich es jetzt wage, einige legislative Vorstösse zu präsentieren, zum Beispiel jenen, dass man einen Drittel des Zaubererrates für Hexen und Zauberer vorsieht, die nicht den alten Familien angehören, und die gewählt werden sollten. Dieser Vorstoss ist erstaunlich leicht durchgekommen. Die Details müssen noch genau ausgearbeitet werden, aber die Sache ist jetzt in Arbeit, was eine gute Sache ist.

Der Zaubererrat ist nicht nur ein regierendes, er ist zur selben Zeit ein legislatives und zudem ein juristisches Organ. Das ist extrem ungerecht und auch ungesund, denn ausserhalb des Zaubererrates entstandene Ideen werden hier drin gar nicht erst diskutiert. Durch das Ausbluten der alten Familien, vor allem von denjenigen, die sich Voldemort zugewandt hatten, sind wir jetzt aber gezwungen, unsere Strukturen neu zu überdenken und neu zu organisieren. Persönlich wäre es mir am liebsten, wenn dem Zaubererrat die legislativen Aufgaben überlassen blieben, aber keine exekutiven oder juristischen. Die Muggel trennen diese Gewalten aus gutem Grund! Natürlich muss jede der drei Gewalten die anderen kontrollieren. Der Minister, welcher die Exekutivgewalt innehat kann ja nicht entscheiden, wie er oder sie es gerade will. Die Legislative hat eine Kontrolle über die Exekutive und die Jurisprudenz muss unabhängig von den beiden nach den durch die Legislative geschaffenen Gesetzen richten.

Als ersten Schritt in diese Richtung will ich vorschlagen, dass das gesamte Gesetzeswerk von einem Team aus Historikern, Juristen und Ministeriumsbeamten überarbeitet wird. Sie sollen sämtliche Gesetze zusammentragen, die noch gelten. Wenn diese Sammlung entstanden ist, sollen sie nach Doppelspurigkeiten suchen, danach die Punkte, die sich manchmal gegenseitig aufheben und alle diese Gesetze sind zu streichen und neu zu formulieren. Wo nötig, sollen alte, verschnörkelte und überholte Texte auf einen neuen, aktuellen Stand gebracht werden, um sie für die heutige Zeit verwendbar zu machen.

Heute Nachmittag wird also dafür oder dagegen gestimmt, ob diese Arbeit in Angriff genommen werden soll. Ich habe natürlich nach Kräften mit all denen gesprochen, bei denen ich vermute, dass sie für die Motion stimmen werden. Ich bin ziemlich sicher, die Mehrheit auf meiner Seite zu haben. Dies wird für einige Leute Arbeit auf einige Jahre hinaus bedeuten. Stück für Stück werden sie sich durch all die vielen Teile des Gesetzeswerkes arbeiten müssen, um diese Unstimmigkeiten aufzutreiben. Denn die Doppelspurigkeiten und Widersprüche haben so vielen Dunklen Magiern die Schlupflöcher geboten, mit denen sie einer Verurteilung entgehen konnten, dass einem fast übel wird. Wenn die Motion durchkommt, haben wir einige Jahre Zeit, um die anderen grossen Umstrukturierungen vorzunehmen, Ideen für den grossen Neuaufbau zu sammeln und unsere Legislative und Exekutive besser zu trennen. Da ich mit so vielen über dieses Thema gesprochen habe, kommen einige der anderen Zaubererräte mittlerweile auch schon mit eigenen Ideen dazu. Ich werde versuchen, den Rat dazu zu bringen, Kommissionen zu bilden, in denen einzelne Themen intensiver diskutiert und Vorschläge auszuarbeiten sein werden. Ich denke auch daran, den Zaubererrat wie bei vielen Muggelparlamenten in zwei Kammern zu teilen.

Trotzdem bin ich vor der Sitzung sehr nervös. Gleich der erste Punkt auf der Tagesordnung wird die Aufnahme von Sirius in den Zaubererrat sein. Der geht ohne Probleme durch, denn nicht nur hat Sirius ein Geburtsrecht auf diesen Sitz, schon allein aufgrund seiner Meriten als Professor in Hogwarts würde er aufgenommen. Alle Leute hier haben Familienangehörige mit Kindern in Hogwarts, und die meisten Schüler in Hogwarts bezeichnen Sirius in der Zwischenzeit als ihren Lieblingslehrer. Ich heisse ihn auf dem Platz neben mir willkommen, den ich ihm freigehalten habe.

„Der nächste Punkt auf der heutigen Tagesordnung ist die ist die Motion Überarbeitung Gesetzeswerk, eingebracht von James Potter. Sie haben alle genügend Zeit gehabt, die Unterlagen zu studieren, und ich weiss, dass es auch intensiv in kleineren Gruppen diskutiert worden ist. Ich glaube nicht, dass die Motion noch einmal näher erläutert werden muss, oder gibt es jemanden, der eine Erklärung noch einmal für nötig empfindet?"

Ein paar alte Schrullen, wollen, dass ich meine Motion noch einmal für alle ausbreite. Ich stehe also auf und gebe eine Erklärung ab. Ich beschreibe die Idee und den Grund dafür, dass diese Idee ausgeführt werden sollte: um den Zaubererrat mit einer modernen, klaren und schlanken Sammlung von Gesetzen auszustatten, auf deren Basis weitere nötige Korrekturen angebracht oder Gesetze geschrieben werden können. Ich erinnere daran, wie durch Redundanzen, Widersprüche und andere Unstimmigkeiten im Gesetzestext vielen Zauberern und Hexen eine legale Hintertür zur Straffreiheit gelassen wurde, denn gerissene Rechtsverdreher finden diese Schlupflöcher mit Sicherheit. Als prominentes Beispiel erwähne ich die Malfoys, welche nach dem ersten Krieg gegen die Todesser ungestraft geblieben waren. Wie dieses habe ich noch ein paar andere Beispiele, um dem Rat genügend Futter als Entscheidungshilfe zu geben. Schliesslich glaube ich, die Vorlage genügend erklärt zu haben und beende mein Referat.

Die Abstimmung geht durch und von den 80 oder so anwesenden Mitgliedern stimmen nur 16 gegen die Vorlage. Selbst einige der wirklich steinalten Käuze haben dafür gestimmt. Es ist wohl kaum eine Überraschung, dass die einzigen Gegenstimmen allesamt aus dem Lager derer kommen, die zumindest Voldemorts Vorstellungen, wenn auch nicht seinen Praktiken zugestimmt haben. Das heisst aber, dass auch eine ganze Menge traditioneller Slytherin-Familien zugestimmt haben und der Ansicht beistimmen, dass unser politisches System dringend aufgemöbelt werden muss.

„Gratuliere, James! Ich sehe, dass du dich zum ziemlich fähigen Politiker mauserst," bemerkt Sirius.

„Ich hoffe nicht! Ich möchte noch auf dem Boden bleiben, Padfoot!" wehre ich ab.

„Aber du bringst Dinge in Bewegung, Prongs! Du zwingst sie, über die Lage nachzudenken. Du bringst Ideen an, die für die Leute hier alle völlig fremd und noch unverständlich sind, und trotzdem nehmen sie diese Ideen an und geben ihnen eine Chance. Einige von ihnen kontaktieren dich und wollen mehr über diese Ideen wissen und bringen sogar eigene Ideen ein. Sie behandeln dich, als wärest du ihr Anführer. Das bedeutet, dass du ein Führer wirst und das, mein lieber Prongs, das ist in deinen Genen schon drin!"

„Danke sehr, Mr. Padfoot, ich bin ganz gerührt von so viel Lob und Preis!"

„Gern geschehen, Mr. Prongs, gern geschehen..."


Mittwoch, 19.5.1999 / Morag

Den ganzen Vormittag war ich jetzt ein braves Mädchen und habe gearbeitet, aber nach dem Essen habe ich genug davon. Da ich ja die ganze Woche und den ganzen Tag zur Verfügung habe, komme ich mit dem Lernen natürlich viel schneller vorwärts als die anderen Schüler, daher habe ich jetzt auch das Material in kürzeren Abständen als die anderen, die zugleich mit mir die Ausbildung begonnen haben, erhalten. Dadurch, dass ich die Unterlagen in kurzen Abständen nach dem Empfang meistens schon wieder zurückgesandt habe, haben die in der Schule erkannt, dass ich mehr Zeit zur Verfügung habe und daher schicken sie mir jetzt das Material alle drei Wochen zu und nicht erst nach vier Wochen wie den anderen. Das passt mir, denn dann bin ich auch schneller mit der Ausbildung fertig. Ich werde den Abschluss ein volles Jahr früher machen können.

Als Nicole anruft, frage ich sie:

„Bist du am studieren?"

„Nein, jetzt nicht mehr, warum?"

„Könntest du rüberkommen? Ich sehne mich nach dir."

„Na ja, wenn du hier herüber kommst und mich da hinüber zauberst, gerne! Zug dauert immer ein bisschen lange..."

„Bin gleich da!"

Ich lege auf und appariere direkt neben sie, greife sie mir und appariere uns zusammen zurück auf die Sunnegg. Sie lacht, weil noch nicht einmal eine Minute vergangen ist, seit ich den Hörer aufgelegt habe. Wir nehmen uns Zeit für einen kurzen, aber intensiven Kuss.

„Hallo, Liebste," sagt sie.

„Hallo. Magst du spazieren?"

Sie wirft einen prüfenden Blick aus dem Fenster und winkt ab:

„Sieht noch immer scheusslich aus da draussen..."

„Ja! Ich sehne mich so sehr nach ein paar Sonnenstrahlen. Sieh bloss den Garten an, wir mussten den fast völlig vernachlässigen, alles war so nass da drin. Grade mal ein paar Tulpen und Osterglocken sind da, und die erst noch sehr verspätet. Die haben als einzige dem scheusslichen Wetter Paroli geboten."

Wir setzen uns im kleinen Wohnzimmer hin, wo es warm und gemütlich ist und schmusen. In diesem Teil des Hauses hat sie bisher nicht viel Zeit verbracht.

„Was ist in dem Zimmer nebenan?" fragt sie.

„Das ist das Büro von Remus und Sirius," gebe ich zur Antwort.

„Ah! Verbotenes Terrain für dich, eh?"

„Nee, nicht mehr. Sie wissen, dass wir nicht in ihren Schreibtischen kramen. Die Bücher sind jetzt allen zugänglich, auch die Bücher der verbotenen Abteilung der Hogwarts-Bibliothek."

„Die verbotene Abteilung? Was ist denn da drin zu finden?"

„Alles, was für die jüngeren Schüler als noch nicht geeignet betrachtet wird. Im sechsten und siebten Schuljahr braucht man einige dieser Bücher für den Unterricht – Accio verbotene Abteilung," sage ich, während ich meinen Zauberstab in die Richtung der Schachteln halte, in denen die verkleinerten Bücher stecken.

Die drei grossen Boxen kommen auch sofort aus dem Büro geflogen. Als ich eine aufmache und Nicole die winzigen Dinger sieht, fragt sie:

„Du meine Güte, wie kann man die denn benutzen? Die sind ja winzig! Da brauchst du ja ein Mikroskop, um die zu lesen!"

Ich lache nur und erkläre ihr:

„Wir verwenden Such- und Vergrösserungszauber. Die Bücher sind alle zu dieser winzigen Grösse geschrumpft worden. Gib mir ein Thema und ich hole was raus..."

„Was für Themen würde ich denn hier drin finden?"

„Oh, grundsätzlich alles, was wir als Dunkle Magie bezeichnen. Die Muggel nennen das, weil sie's nicht besser wissen können, Schwarze Magie. Die magische Welt toleriert nicht jede Art von magischen Praktiken, weisst du, und etliche werden als dunkle Praktiken betrachtet und sind nicht nur zumeist verpönt, sondern auch illegal. Als lesen wir als Schüler darüber nach, dürfen diese Praktiken aber genauso wenig anwenden wie die voll ausgebildeten Zauberer und Hexen. Und die meisten tun das auch nicht."

„Zielt das auf Voldemort und seine Todesser?" fragt sie.

„Unter anderem. Natürlich gab's vor denen schon jede Menge anderer Dunkler Lords und natürlich gibt es viele, welche Dunkle Magie praktizieren und damit trotzdem niemandem Schaden beifügen. Die Todesser sind sicher die Schlimmsten unter ihnen, denn sie praktizieren diese Methoden ungeniert in der Absicht, damit andere zu schädigen und sich selber zu Herren aufzuschwingen. Dann gibt's noch diejenigen, welche sogenannte „Alte Magie" anwenden, auch darunter sind viele eigentlich illegale Dinge, aber die meisten dieser Leute bringen nie jemanden zu Schaden. Zum Beispiel beschäftigen sie sich mit der Nekromantik, oder mit Formen von Blutmagie oder Traummagie. Legilimentik ist eine weitere solche Form der Dunklen Magie, obwohl sie eher in eine graue Zone zwischen Letalität und Illegalität gehört."

„Ich könnte dir stundenlang zuhören, wenn du über Magie und ihre Theorie sprichst, weisst du das? Was ist Nekromantik? Dem Begriff nach, muss es etwas mit Toten zu tun haben..."

„Schuss ins Schwarze, meine Liebe. Grundsätzlich Praktiken, mit denen man Tote wieder zum Leben erweckt."

„Schluck! Du meinst, es gibt eine Möglichkeit, so was zu machen? Stell dir vor, einer versucht, den Hitler wieder auf die Welt loszulassen!!!" sagt sie, entsetzt.

Ich seufze.

„Persönlich glaube ich, dass es nach wie vor unmöglich ist. Trotzdem hat's seit Ewigkeiten Nekromantiker gegeben."

Ich entschliesse mich, Bücher zu diesem Thema aufzurufen und sie mit dem Suchzauber herbei zu holen. In wenigen Sekunden schweben etwa 50 Bücher vor uns, die alle auf das Stichwort Nekromantik reagiert haben. Nicole grinst.

„So möchte ich mal in der Bibliothek arbeiten können. Das würde mir bestimmt ziemlich helfen und mehr Quellen eröffnen."

Grinsend nicke ich.

„Oh ja! Das war ein guter Tag, als Remus uns diesen Zauber beigebracht hat. Nun, lass uns einfach mal eines rausgreifen. Engorgio!"

Ich berühre das Buch ganz zuoberst mit meinem Zauberstab, das sich sofort zu einem enormen Folianten aufbläht. Es ist eines dieser ganz alten Bücher, das wohl schon seit Jahrhunderten Staub angesammelt hat.

„Sieht nicht so aus, als ob dieses Buch erst vor kurzem geöffnet worden wäre. Ist das nicht lustig, dass Professor Dumbledore, als er das Buch vervielfältigte, gleich auch den Staub mitgeliefert hat? Hoffen wir, dass dieses nicht eines ist, welches kreischt oder sonst was... obwohl ich jetzt natürlich auch weiss, wie man das stoppt."

„Igitt! Das klingt Angst einflössend!"

„Soll es auch sein. Es soll Schüler davon abhalten, nachts die Bibliothek für ihre eigenen Zwecke zu benutzen. Funktioniert natürlich nicht immer. Es gibt hier jedoch Bücher drunter, die ganz speziell behandelt werden müssen, denn die könnten zum Beispiel versuchen, dich in die Hand zu beissen."

„Autsch! Dann sei bloss vorsichtig! Ich brauche deine Hand noch eine Weile!"

Ich muss lachen.

„Nee, keine Bange, wenn das hier ein beissendes Buch wäre, hätte es mich schon gebissen. Das Schlimmste, was jetzt noch passieren kann, ist Gekreische oder ein Strahl von irgendeiner stinkenden Flüssigkeit."

„Schlimm genug," findet Nicole.

Es passiert jedoch nichts von alledem, also mache ich das Buch ganz auf und überfliege den Inhalt. Nur ein Teil des Werks ist über Nekromantik. Der grösste Teil bespricht Anwendungen der Blutmagie. Immerhin sind sieben verschiedene Techniken aufgelistet und beschrieben, mit denen man angeblich Tote zum Leben erwecken kann. Keine davon klingt anmachend. Als ich einige der etwas grauenhafteren Details vorlese, zittert Nicole neben mir.

„Iiih! Das war aber scheusslich! Aber sag mal... jetzt frage ich mich wirklich... hast du mir nicht von all diesen Leuten erzählt, die von den Toten wiederauferstanden sind? Wie Lily und James und Quintus? Ist denn das nicht auch eine Art von Nekromantik?" fragt sie plötzlich.

„Ich glaube nicht, dass es als Nekromantik angesehen werden kann. Im Grunde genommen haben diese Menschen davon profitiert, dass jemand den Tötungsfluch wieder rückgängig gemacht hat. Da dies ja ein Unverzeihlicher Fluch ist, würde ich diese Form von Nekromantik, wenn man sie denn überhaupt als eine solche bezeichnen kann, für einen Segen und sicher kein Vergehen halten. Es verlangt ein sehr, sehr eigenartiges magisches Phänomen, um Opfer des Avada Kedavra Fluches zu retten. Das Phänomen an und für sich ist nicht einmal so rar; es geschieht dann, wenn zwei Bruderzauberstäbe, das sind zwei Zauberstäbe mit demselben magischen Herz, wie zum Beispiel zwei Haare vom selben Einhorn, gezwungen werden, gegeneinander zu duellieren. Das tun sie nicht. Um das Phänomen in Gang zu bringen, darf das Ritual, das sich abspielt, nicht unterbrochen werden. Es ist ein bisschen kompliziert, ich gebe dir daher nur eine abgekürzte Erklärung. Einer der Zauberstäbe wird den anderen dazu zwingen, sämtliche Zauber, die jemals damit gesprochen wurden, wieder ‚auszuspucken' – in einer umgekehrt chronologischen Folge. Natürlich kommt dann auch ein Avada Kedavra Fluch wieder raus und wird in diesem Moment die Seele des mit dem Fluch Getöteten freigeben. Diese Seele wird sich schnurstracks zum Körper begeben, den sie einst beseelt hat. Wir haben festgestellt, dass keine Avada Kedavra Opfer jemals zerfallen, ausser sie wurden nach dem Fluch verbrannt. Die einzigen Hinweise auf dieses Phänomen hat Professor Dumbledore in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt gefunden, einer davon verwies auf einen Fall im alten Ägypten. Ich vermute, dass die Tatsache, dass zwei Zauberstäbe mit demselben magischen Herzen nicht gegeneinander funktionieren bekannt war, aber vielleicht war in keinem der Fälle, die aufgetreten sind, ein Zauberstab beteiligt, mit welchem zuvor Avada Kedavra-Flüche angewandt worden waren. Ich bin sicher, dass etliche Hexen und Zauberer das in ihrem Leben schon mal erlebt haben. Das ganze Verfahren hat einen Namen, nämlich „Priori Incantatem", aber es hat auch einen interessanten anderen Aspekt, denn wir kennen einen Zauberspruch „Prior Incantatem", welcher Aufschluss über den letzten Zauberspruch gibt, der mit einem Zauberstab angewendet worden war."

„Du bist gut, wenn du diese Sachen erklärst, Morag! Warum willst du nicht magische Geschichte unterrichten? Du scheinst eine Menge zu wissen…"

„Na ja, wir hatten einen schrecklichen Lehrer in Hogwarts. Er war der einzige Geist unter den Lehrern und klang auch so. Leierte und leierte und machte aus Geschichte das langweiligste Fach in der Schule. Böse Zungen behaupten, er wäre eines Nachts gestorben und dann des Morgens aufgestanden und zum Unterricht gegangen, ohne zu bemerken, dass er seinen Körper im Zimmer zurückgelassen hatte. Trotzdem hat er es nicht geschafft, mein Interesse an dem Fach zu zerstören. Mein Grossvater ist ein Gelehrter und hat immer in diesem Bereich im Ministerium gearbeitet. Er hat wirklich gewusst, wie er mein Interesse an alten Geschichten wecken konnte. Und dann bekamen wir hier auf der Sunnegg Remus als Geschichtslehrer und alles änderte, denn Geschichte wurde fast zu meinem liebsten Fach. Allerdings möchte ich eigentlich lieber mit kleineren Kindern arbeiten. – Wollen wir was Spassigeres machen? Dann schaffen wir diese Scheusslichkeiten der Magie wieder dahin, wo sie hingehören und gehen in die Bibliothek hinüber. Dann schauen wir durch die Bücher mit Zaubersprüchen, da hat's allerhand Lustiges drin. Sehen wir, wer die ulkigsten und unsinnigsten Zaubersprüche findet. Es gibt noch eine Unzahl von Büchern, die wir nie aus den Schachteln herausgeholt haben. Du glaubst es nicht, was darin manchmal für Unsinn zu finden ist."

„Hört sich gut an."

Ich mache das Buch vor mir wieder klein und spediere es mit den anderen Büchern dahin, wo es hergekommen ist. Dann nehme ich meinen Zauberstab und Nicoles Hand und gemeinsam spazieren wir hinüber und hinauf in die Bibliothek. Nachdem wir einige Zauberbücher hervorgekramt haben, lassen wir uns auf einem der Sofas an der Balustrade nieder.

„Okay. Unsinnige Zaubersprüche…" sagt sie und schaut sich mal das Inhaltsverzeichnis des ersten Buches auf ihrem Stapel an.

„Hey, hier ist einer," sagt sie nach einer Weile. Sie liest vor: „Sitaro – Zauber, der jeden Gegenstand in eine selbststimmende und automatisch spielende indische Sitar verwandelt."

Wir kichern beide. Wer braucht denn so was? Sie bittet mich:

„Kannst du das demonstrieren?"

„Ich kann's versuchen. Steht da was von Zauberstabbewegungen oder bestimmten Bildern, die man sich zum Zauberspruch machen muss?"

„Nee – nur dieser eine Satz."

„Gut."

Ich deute mit meinem Zauberstab auf ein Sofakissen, lasse es auf den Boden schweben und spreche den Zauberspruch:

„Sitaro!"

Im nächsten Moment ist der Raum erfüllt von indischer Raga-Musik. Einige Zeit später kommen Lily und James herein, setzen ihre Kleinen ab und gesellen sich zu uns. Sie grinsen, als wir ihnen unser Spiel erklären.

„Wir suchen nach den unsinnigsten und ulkigsten Zaubersprüchen."

„Oh, das ist doch mein Hobby!" sagt James sofort.

„Er ist wahrscheinlich zu mehr Unsinn als zwanzig andere Hexen und Zauberer zusammengenommen fähig," meint Lily lakonisch.

„Worin deine einzige Konkurrenz wahrscheinlich Sirius darstellt, was?" frage ich.

„Wie hast du das denn rausgekriegt, Morag?" fragt er grinsend zurück.

„Indem ich euch beide vier Jahre lang zusammen gesehen habe?"

Bis zum Abend sind wir alle völlig erledigt vom Lachen. Ich glaube, Lily hat den Vogel abgeschossen, als sie einen Zauber gefunden hat, mittels dem man Unterhosen zum Singen bringt.

„Oh, der ist zu komisch. Das wäre ein guter Zauber gewesen, um ihn auf Snivellus anzuwenden. Könnte nicht viel geben, was noch peinlicher wäre," ruft James aus.

Lily verklemmt sich einen Kommentar. Ich weiss, wie sehr sie es gehasst hat, wenn James und Sirius auf Snape herumgehackt haben. Ehrlich gesagt, gehöre ich zu denen, die denken, dass Snape so gut wie alles, was sie ihm aufgebrummt haben, mehr als verdient hat.

Dafür hat Lily den Zauber auf James' Unterwäsche angewendet, die er noch anhat und das war zu komisch! Vor allem, als Lily beim Abendessen den Zauber heimlich nochmals auf James angewendet hat. Der ganze Tisch hat gebrüllt vor Lachen. Ausser James!

Trotzdem stimmt auch James zu, dass wir so viel Spass gehabt haben wie seit langem nicht mehr. Er fasst es zusammen, indem er bemerkt:

„Padfoot wird sich ja so was von ärgern, dass er nicht dabei gewesen ist!"


Freitag, 21.5.1999 / Bill

In unserer hübschen Wohnung in Paris wache ich neben Fleur auf. Der letzte Tag, bevor wir offiziell miteinander verbunden werden. Natürlich haben wir das schon vor einer ganzen Weile getan, aber für die lieben Verwandten und Freunde machen wir es jetzt auch noch in aller Form. Es wird sich einfach darstellen, und danach wollen wir viel Spass haben. Dad hat angeboten, den Zeremonienmeister zu machen. Das haben wir gerne angenommen und wir sind beide sicher, dass er es sehr gut machen wird.

Die letzten Tage waren von irrer Hektik erfüllt. Mum und Dad sind vor drei Tagen angekommen und wohnen bei meinen Schwiegereltern. Dort wird auch die Hochzeit stattfinden. Das Haus ist gross und luftig und liegt in der Nähe von Arles in Südfrankreich, wo es schon schön warm ist. Für diejenigen, die das Wochenende in Paris verbringen, haben wir offizielle Portschlüssel, falls sie dann nicht mehr in der Lage sein sollten zu apparieren. Auch für unsere werdenden Mamis, Angelina und Hermione, deren Schwangerschaft es für sie schwierig macht zu apparieren, stehen sie zur Verfügung. Von Ginny habe ich schon so einiges über Hermiones Schwangerschaft erfahren. Ginny war an einigen Wochenenden hier, um bei den Hochzeitsvorbereitungen zu helfen. Die Wettervorhersage für morgen ist gut. Hoffen wir, dass es dabei bleibt, denn wir werden draussen feiern.

Ich schaue auf meine zukünftige Ehefrau, die neben mir noch immer schläft. Seit wir ein Paar geworden sind, ist sie einfach umwerfend geworden. Warmherzig und glücklich und ich habe sehr bald gemerkt, wie hart es für sie gewesen sein muss, dass die meisten Menschen, vor allem die Männer, immer nur ihre sagenhafte Schönheit gesehen haben. Und sobald sie dann wussten, dass sie eine Teil-Veela ist, haben sich alle immer gleich zurückgezogen, weil sie dachten, nur auf ihren Veela-Charme hereingefallen zu sein. Ich weiss, dass ich beinahe dasselbe tat. Doch ich wollte zumindest ihre Freundschaft. Ich bin so froh, dass ich mich nicht ganz von ihr zurückgezogen habe, denn als wir einmal wirklich befreundet waren, lernte ich die wahre Fleur kennen. Die Fleur, die freundlich, warm und grosszügig ist. Die charmant ist und glänzt. Ja, der Veela-Charme ist natürlich da, aber ich nehme ihn jetzt anders wahr, denn er wird ja nicht mehr gebraucht, um jemanden in ihr Netz zu ziehen. Jetzt finde ich, dass mich dieser Charme unheimlich antörnt. Jedenfalls wird man mit einer wundervollen Person bekannt gemacht, wenn man das ganze Veela-Zeug mal hinter sich gelassen hat. Sie lässt mich diese Person täglich sehen, seit wir uns zur Heirat entschlossen haben.

Meine zukünftigen Schwiegereltern sind wunderbar und ich liebe sie jetzt schon. Sie sind so freundlich. Der Veela-Anteil kommt von der väterlichen Seite. Eine von Fleurs Grossmüttern war eine Veela. Die Familie ist ziemlich umfangreich. Neben ihren Eltern hat Fleur zwei Schwestern und einen Bruder. Mit ihren 22 Jahren ist sie die Älteste. Dann kommt ihr Bruder Yann, der ist 20 Jahre alt, gefolgt von ihren Schwestern Marcelline, die 17 Jahre alt ist und der 13-jährigen Gabrielle. Marcelline ist in ihrem letzten Jahr in Beauxbatons, Gabrielle im dritten. Daneben hat sie eine grosse Anzahl an Tanten und Onkeln und entsprechend viele Cousins und Cousinen. Zum Glück steht sie nicht mit allen sehr nahe, was uns der Pflicht enthebt, sie alle einzuladen. Zur Hochzeit kommen unsere unmittelbaren Familien, einige ihrer Freunde vom französischen Ministerium und aus ihrer Schulzeit in Beauxbatons, zumeist Freunde, die ich mittlerweile auch kenne, einige meiner Freunde aus Hogwarts und vom britischen Ministerium, die Freunde von der Sunnegg und sogar einige unserer Freunde, die wir noch nicht wirklich kennen gelernt haben. Fast alle Eingeladenen haben zugesagt. Alles in allem etwa 100 Gäste. Der grosse Garten in La Belle Solitude wird sie alle ohne Probleme fassen. Das Haus dort ist ein grosses dreistöckiges Gebäude im lokalen Stil, im 17. Jahrhundert erbaut und durch einen kleinen Flügel mal hier, mal da in den folgenden Jahrhunderten noch um einiges vergrössert. Das Meiste daran ist jedoch barock. Das bedeutet überall weiss und helle Pastellfarben, grosse Räume mit hohen Stuckdecken und grosse, vom Boden bis zur Decke reichenden, in viele kleine Glasvierecke geteilten Fenstern.

Als auch Fleur aufwacht, ziehen wir uns beide an und packen unsere Sachen für die paar Tage bei ihren Eltern. Unsere Hochzeitsgewänder sind bereits dort, bestimmt zur Perfektion von den Hauselfen gebügelt. Ich liebe diesen abgeschiedenen, ruhigen und friedlichen Ort immer und kehre gerne dem lärmenden Paris den Rücken, um dorthin zu gehen. Paris ist natürlich wunderbar, und es gibt auch hier viele kleine lauschige Ecken, aber zumeist ist es laut und ziemlich schmutzig wie jede Grossstadt. Eiskalt im Winter und brütend heiss im Sommer. Wobei ich brütend heiss jederzeit der Eiseskälte vorziehe! Die Jahre in Ägypten haben ihre Spuren hinterlassen und die Kälte vertrage ich seither nicht mehr so gut.


Vendredi, 21.5.1999 / Fleur

Je me demande comment cela va se développer maintenant. Nous étions ensemble pour quelques mois et nous avons vraiment passé la phase de la méfiance, que j'ai senti si fort de Bill. Il a toujours eu peur de mon part Veela, c'était tout clair pour moi. J'étais si heureuse quand il voulait quand-même être des amis ! Je savais tout de suite que lui, c'était l'homme pour moi. Dès que je l'ai vu la première fois, dans cette petite salle à Hogwarts, je savais, que c'était lui. Peu après j'ai déjà senti sa méfiance. C'était dur à le laisser partir après ça. Mais j'ai entendu qu'il n'avait jamais une amante depuis qu'on se rencontrait ! Cette découverte était immense ! Il a du sentir quelque chose alors.

Maintenant – plus de tout cela. Nous sommes heureux ensemble. Il aime bien aussi ma famille. Ma famille l'adore ! Il est habitué à une grande famille, aillant cinq frères et une sœur. Que j'adore déjà d'ailleurs ! Ginny est une jeune femme extraordinaire. Je me demande comment mon père va réagir en la connaissant, parce qu'elle me rappelle beaucoup à mon père. Son humour, sa brillance, son intelligence est de la même façon que la sienne.

Enfin – nous nous en allons pour apparaître à La Belle Solitude. En regardant Bill d'un coté je me demande si nous allons avoir des enfants, et comment ces enfants vont devenir. Moi, blonde, yeux bleu-gris, lui, cheveux rousses, yeux bleu-gris… de nouveau des enfants roux ou des enfants blondes ? On verra.

Il me sourit. Qu'est-ce qu'il est beau quand il sourit ! Il a appris le français presque parfaitement entre-temps. C'est à moi d'apprendre mieux l'anglais. C'est assez dur ! Je pense que mon vocabulaire est assez bon, mais ma prononciation !

Es nimmt mich wunder, wie die Dinge sich jetzt entwickeln werden. Wir sind jetzt seit einigen Monaten zusammen und die Phase des Misstrauens von Bills Seite, die ich deutlich von ihm gespürt habe, haben wir gänzlich hinter uns gelassen. Er hatte lange Zeit vor dem Teil in mir, der noch Veela ist, grosse Angst, das war mir von Anfang an klar. Ich war so glücklich, als er zumindest durchblicken liess, dass er gerne mein Freund wäre. Dass er der Einzige für mich ist, war mir in dem Moment klar, als ich ihn in diesem kleinen Zimmer in Hogwarts zum ersten Mal gesehen habe. Und fast gleich danach kam dieses Gefühl des Misstrauens seinerseits. Es war so schwer, ihn einfach gehen zu lassen. Immerhin habe ich gehört, dass er seither keine einzige Liebesbeziehung eingegangen ist. Das war natürlich eine gewaltige Entdeckung für mich. Er muss also doch gleich etwas für mich empfunden haben.

Jetzt ist davon gar nichts mehr übrig geblieben. Wir haben uns ausgesprochen und sind jetzt einfach glücklich miteinander. Er mag auch meine Familie. Und meine Familie betet ihn an! Natürlich ist er eine grosse Familie auch gewöhnt, er hat ja fünf Brüder und eine Schwester. Die ich übrigens schon sehr lieb habe. Ginny ist eine aussergewöhnliche junge Frau und ich freue mich, wie gut mein Vater sich mit ihr versteht, denn sie gleicht ihm in vielem. Sie erinnert mich oft an ihn, denn sie teilt seinen Humor, auch hat sie einen ähnlich scharfen Intellekt wie er.

Endlich. Wir apparieren nach La Belle Solitude. Während ich Bill von der Seite her anschaue frage ich mich, ob wir Kinder haben werden. Und wie diese Kinder wohl aussehen werden? Ich bin blond mit blaugrauen Augen, er ist rothaarig mit blaugrauen Augen. Werden sie eher blond oder eher zu Rotschöpfen? Wir werden sehen.

Er lächelt mich an. Wie schön er ist, wenn er lächelt. Er hat nahezu perfekt französisch gelernt, nun ist es an mir, mein Englisch noch viel zu verbessern. Doch das ist hart! Ich weiss, dass ich schon ein recht gutes Vokabular habe, aber meine Aussprache lässt immer noch viel zu wünschen übrig.


Friday, 21.5.1999 / Harry

Etwas – oder vielmehr jemand – weckt mich auf… als ich meine Augen öffne, sehe ich Licht, das durch die Ritzen der dichten Vorhänge, welche die riesigen Fenster unseres Hotelzimmer bedecken, fällt. Fast alle von uns wohnen im Hôtel du Louvre in Paris, ein wunderbares Hotel, welches an der Rue de Rivoli gleich gegenüber dem Louvre und der Seine liegt. Vor zwei Monaten sind wir hier gewesen und haben die Zimmer reserviert, je eins für Hermione und mich, Remus und Sirius, Mum und Dad, Draco und Parvati, Blaise und Padma sowie Ron und Justin. Die Kleinsten können bei ihren Eltern schlafen. Hermione und ich bezahlen einen guten Teil von Ron und Justins Zimmer, da sie es sich sonst nicht leisten könnten. Wir machen es ihnen als Geschenk zu ihrem bevorstehenden dritten Jahrestags ihres Zusammenseins. Ohne diese Ausrede hätten sie es nie angenommen!

Draco lädt die Zwillinge und Blaise ein.

Ginny und Ernie wohnen in La Belle Solitude, Fleur hat sie eingeladen, denn sie hat eindeutig eine Schwäche für ihre Schwägerin.

Sirius und Remus, ebenso wie Mum und Dad, haben zwei kleine Kinderbetten in ihrem Zimmer. Sie haben ebenfalls am Freitag und Montag frei genommen, also haben wir alle unseren kleinen Mini-Urlaub und können auch noch ein bisschen Paris besichtigen. Und morgen dann diese fabulöse Hochzeit auf einem hübschen französischen Landsitz mitfeiern. Sie haben Quintus gebeten, auf die kleine Adara aufzupassen, was er noch so gerne macht.

Morag und Nicole wohnen in einem kleinen Hotel auf dem Montmartre, gemeinsam mit Mandy und Jason. Neville und Hester sind auch mit von der Partie. Sie werden alle nicht an der Hochzeit teilnehmen, haben sich aber entschlossen, unseren Ausflug zu teilen.

Hermione erwacht neben mir, und noch bevor wir auch nur Zeit für einen Begrüssungskuss haben, ist sie auch schon aus dem Bett gesprungen und ins Badezimmer gelaufen. Ich folge ihr und kontrolliere, dass es ihr gut geht, halte ihr die Haare aus dem Weg und streichle sie sanft über den Rücken. Ihre Morgenübelkeit ist besser geworden, aber es wird ihr noch immer an jedem zweiten oder dritten Morgen schlecht. Sonst geht es ihr aber bestens, sie ist aktiver als ich es von ihr normalerweise gewöhnt bin, und sie meint, dass es auch dem Baby gut ginge. Ich kann es nicht erwarten, dass ihr Bauch sich zu runden beginnt. Bis jetzt hat sie zwar nur ein bisschen alles ausgefüllt, und ihr Gesicht ist weicher geworden, aber sonst merke ich noch nicht viel. Oh doch! Ihre Augen! Die leuchten mit einem neuen, mir bislang unbekannten Glanz. Das Baby erwarten wir im ersten Drittel des Dezembers. Das scheint noch weit weg zu sein, aber ich weiss, wenn es geschieht, dann werden wir uns sicher fragen, wo denn die Zeit geblieben ist. Das ist es zumindest, was uns die erfahrenen Eltern in unserem Umkreis wissen lassen.

Als sie sich wieder besser fühlt, kehren wir in dieses fantastische Bett zurück, das mit feinsten Bezügen aufwartet. Das Zimmer ist grossartig. Gross, aber nicht zu gross und genau die Menge an Plüsch und Luxus, die wir gesucht haben. Natürlich gefällt uns, dass wir nicht viel mehr als zehn Minuten laufen müssen, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten des 1. Arrondissements zu erreichen. Jetzt ist es gerade 7 Uhr morgens, es bleibt uns eine gute Stunde, bevor wir die anderen zum Frühstück treffen. Wir werden auf die anderen warten, die vom Montmartre herkommen, um zu entscheiden, was wir sehen wollen. Wir haben heute, Sonntag und Montag zur Verfügung.

Da sie es nun losgeworden ist, wird Hermione anhänglich. Wir erfreuen uns unseres regelmässigen Morgenrituals, auch Liebemachen genannt, bevor wir aufstehen und unter die Dusche gehen. Danach ziehen wir uns an und trocknen unsere Haare mit einem Zauber. Ich flechte Hermiones Haare zu einem hübschen Zopf. Wir greifen uns unsere Taschen und begeben uns nach unten zum Frühstück. Mum und Dad, Sirius und Remus sind schon da, die Kinder alle vier in Kinderstühlen um einen Tisch herum versammelt. Es macht Spass, den Erwachsenen dabei zuzusehen, wie sie die Kleinsten am Essen teilnehmen lassen. Wenn etwas auf den Toast geht, stecken alle den Kleinen die Stückchen in den Mund, sonst lassen sie sie einfach an einem blanken Stück Toast kauen. So vermeiden sie, dass die Kinder sich bekleckern. Sie sehen heute sehr süss aus, alle drei in niedlichen Baby-Jeans und bunten T-Shirts. Es ist schön warm draussen, also stecken sie alle zusammen mit blossen Füsschen in Sandalen.

Mir scheint, wir sehen alle sehr gut aus. Hermione trägt ein hübsches kurzes Sommerkleid mit kurzen Ärmeln. Sie hat einen kleinen schwarzen Lederrucksack, aus dem sie einen grossen Reiseführer zieht, kaum haben wir uns neben den älteren Herrschaften an einen Tisch gesetzt. Das Buch wiegt natürlich dank einem kleinen Zauber fast nichts, und ich bin sicher, dass ihre Tasche weit mehr Raum bietet, als ihre physische Grösse erlaubt. Wir entscheiden uns, was wir den anderen für ein Tagesprogramm vorschlagen wollen, sollten die keine eigenen Vorschläge anzubieten haben. Hermione denkt, dass es nett wäre, den Tag in den Tuileries zu beginnen, da die Kinder wach genug sind, darin herumzulaufen. Für die Drillinge gibt es Buggys, welche die diversen Elternteile in ihren Rucksäcken haben. Wenn wir in die Metro gehen, können die nämlich nicht mit, aber unterwegs werden sie eben schon sehr brauchbar sein.

„Wenn ich jetzt hier alleine unterwegs wäre, ginge ich direkt in den Père Lachaise Friedhof," bemerkt Remus, „das ist ein ganz spezieller Park und vor allem deshalb berühmt, weil hier eine ganze Menge sehr bekannter Leute begraben sind, wie Edith Piaf, Jim Morrison von den Doors, Oscar Wilde und Heinrich Heine, ein ganz bekannter deutscher Dichter."

„Klingt interessant," meint Hermione.

„Aber nicht gerade das Ideale für die Kleinsten," gibt Sirius zu bedenken, „die wollen ein bisschen Spass."

„Deshalb sagte ich auch, wenn ich alleine wäre, Liebster," entgegnet Remus.

„Und deshalb habe ich vorgeschlagen, in den Tuileries zu beginnen, dann könnten wir der Seine entlang bis zur Ile de la Cité spazieren, dort gibt's die Notre Dame Kathedrale, die Sainte Chapelle, den Vogelmarkt, die Place Dauphine und die Statue von Henri IV zu sehen. Ausserdem ist der Ausgangspunkt hier gleich um die Ecke, vielmehr gleich über die Strasse… dann gibt's da die Place de l'Hôtel de Ville und dessen Umgebung, sehr sehenswert," erklärt Hermione, die mit einem Finger über die Seite ihres Buches gleitet.

„Klingt gut in meinen Ohren. Das Innerste von Paris sozusagen. Entweder am Sonntag oder am Montag möchte ich aber noch ins Marais-Viertel. Das ist wirklich ein Spaziergang wert," sagt Remus.

„Ich bin mit dem allem einverstanden, ich war hier vorher noch nie. Na ja, Hermione und ich sind natürlich noch etwas herumspaziert, als wir zum Reservieren hier waren. Da gibt's einen Platz gleich um die Ecke von hier, wie heisst der noch mal, Hermione? Echt grossartig!"

„Place Vendôme. Wunderschöner achteckiger Platz," sagt sie sofort.

Während wir darauf warten, dass unsere Reisegefährten auftauchen, geniessen wir unser Frühstück. Um kurz nach neun sind sie da und schauen sich um.

„Wow! Grossartige Bleibe," bemerkt Mandy.

„Wir verwöhnen uns ein Bisschen," gebe ich zu. „Wie ist euer Hotel?"

„Nicht so chic wie dieses hier, aber sehr hübsch. Es ist gleich hinter Sacré Coeur, ein bisschen laut im Quartier, ist aber erträglich. Es war auch ein bisschen schwierig, einen guten Punkt zum Apparieren zu finden, aber wir sind schon fündig geworden. Die Metro Stationen bieten fast immer eine gute Ecke an," erzählt Jason.

„Na grossartig!"

Wir verbringen den Tag fast so, wie von Hermione vorgeschlagen. Es sind einige schöne Kirchen zu besichtigen, und zu Rons grossem Vergnügen fahren wir ziemlich viel in der Metro herum. Zum Mittagessen sind Ginny und Ernie zu uns gestossen.


Ron

Bei Merlin, es ist ein wunderbares Gefühl, in diesem Luxuszimmer aufzuwachen. Nicht, dass Justin und ich uns das hätten leisten können, aber Harry und Hermione haben darauf bestanden, uns einzuladen; wir durften nicht mehr als einen Drittel der Kosten übernehmen.

Justin springt mich an, kaum bin ich aufgewacht. Das Bett in unserem Zimmer ist riesig! Mindestens noch ein bisschen breiter als ein Kingsize-Bett. Wir haben herrlich geschlafen, da das Fenster im Raum lärmdämmend wirkt. Das muss es auch sein, denn genau unten dran verläuft die Rue de Rivoli, eine der verkehrsreichsten Strassen in ganz Paris. Auf der gegenüberliegenden Seite der Strasse ist der grossartige Louvre-Palast.

Da ist einer verdammt scharf, noch bevor wir aufstehen! Ich ziehe ihn zu einem langen, tiefen Kuss herunter und Justin fängt an, mich überall zu streicheln. Ich streiche über seinen Rücken.

„Guten Morgen, Liebster," murmle ich.

„Und ist es nicht ein prächtiger Morgen? Schau, die Sonne ist schon draussen. Das wird ein Spitzenwochenende, Ron. Ich bin so dankbar, dass Moody uns die zusätzlichen Tage frei gegeben hat."

„Wir haben Anspruch auf vier Wochen Urlaub pro Jahr. Bisher haben wir noch nicht viel davon genommen. Das war kaum zu viel verlangt."

„Du hast natürlich vollkommen recht. Und trotzdem… und dann dieses grossartige Hotel!"

„Es ist super, nicht wahr? Obwohl ich kaum weiss, wie ich mich unter all den grossartig gekleideten Leuten benehmen soll."

Es beängstigt und verunsichert mich ziemlich, wenn ich all die Eleganz hier sehe. Aber das schiebe ich jetzt weg und wende mich meinem Geliebten zu. Wir haben noch ein bisschen übrige Zeit, bevor wir uns mit den anderen zum Frühstück treffen.

Den ganzen Tag in den Strassen von Paris zu verbringen ist grossartig. Wir lachen viel, und bewundern überall die Schönheit der Architektur und der vielen schönen Ansichten. Draco ist in den letzten paar Monaten hier ein und ausgegangen, weil er viel mit dem französischen Ministerium zu tun hatte, und kennt sich nun schon ziemlich gut aus. Was mich am meisten erstaunt ist, dass er sich dabei mit guten Apparierungspunkten genauso gut auskennt, wie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln der Muggel.

Am Abend finden wir ein gutes Restaurant, in dem wir die französische Küche geniessen können und folgen danach einer Empfehlung, um zum Tanzen zu gehen. Sirius und Remus übernehmen es, die Kinder im Hotel unter ihre Obhut zu nehmen und kehren zurück. James und Lily erlauben sich, mit uns zum Tanzen zu gehen.

Morgen ist also Bills grosser Tag und Mum hat einen ihrer Söhne unter die Haube gesteckt. Ich hoffe, sie ist glücklich.


Samstag, 22.5.1999 / Sirius

„Daddy! – Papa!"

Unsere Beiden werden langsam sicher in der Artikulation unserer Namen, wenn sie uns rufen. Mit ihren 13 Monaten können sie noch nicht wirklich sprechen, aber Daddy und Papa haben sie jetzt definitiv drin. Die anderen Namen sind weit schwierigen. Mit Lily geht's noch, sie nennen sie ausserdem auch Mum. Dobby geht auch. Harry ist immer noch so etwas wie Ha'y. Hermiones Name ist natürlich am schwierigsten, sie akzeptiert im Moment noch ein ‚Monie'. Ginny und Ron klingt auch noch sehr rudimentär. James kommt auch noch nichts heraus.

Aber sie kennen alle Familienmitglieder sehr gut.

Um zwei Uhr nachmittags taucht Ginny mit unserem Portschlüssel auf. Die anderen apparieren, aber Hermione, James, Lily, Remus und ich brauchen den Portschlüssel mit unseren Kindern. Wir finden uns Augenblicke später im Garten eines wunderschönen Landhauses wieder. Sobald wir angekommen sind, können wir uns auf den im Garten aufgestellten Stühlen und Bänken hinsetzen. Der Garten ist sehr stilvoll dekoriert. Alles ist bereit, nur die Braut, der Bräutigam und der Zeremonienmeister sind noch nicht zur Stelle. Als sie auftauchen, beginnt die Hochzeitszeremonie. Arthur zelebriert eine sehr hübsche Hochzeit und einer von Fleurs Angehörigen übersetzt alles, was er sagt, laufend ins Französische. Remus und ich halten unsere Zwillinge auf unserem Schoss, da die beiden ihr Mittagsschläfchen leider schon beendet haben. Sie sind beide in ihre Geburtstagsroben gekleidet. Sie sind beide ein bisschen unruhig. Sie sind jedoch nicht die einzigen Kleinkinder, die anwesend sind, also halten wir sie nicht allzu sehr zurück. James, Lily, Remus und ich haben ausserdem Plätze in der hintersten Reihe belegt, wo wir die Hochzeit kaum sehr stören werden. Wenn die Kleinen zu laut werden sollten, werden wir uns mit ihnen einfach entfernen. Andere junge Eltern haben dasselbe getan.

Es gibt ein grossartiges Abendessen und danach einen wunderbaren Tanzabend. Wir unterhalten uns ausgezeichnet. Remus und ich halten uns zurück, was den Alkohol angeht. Wir begnügen uns mit ein paar Gläsern Rotwein. Wir bemerken, dass die Weasley-Zwillinge, Draco und ihre Damen bei Fleurs Bruder Yann sitzen. Später vernehmen wir, dass Yann beim Drachenlachen eingestiegen ist. Der Park hat jetzt, da er in Frankreich ist, einen französischen und einen englischen Namen erhalten: Dragon's Tales und Contes du Dragon.

Wir haben das Glück, dass wir trotz der Kinder immer wieder Gelegenheit zum Tanzen erhalten. Wie die anderen Kleinen, dürfen auch unsere drinnen schlafen gehen, geschützt durch Silenziumzauber, welche sie vor dem Lärm draussen bewahren. Wir sehen zweimal nach ihnen, sie schlafen jedoch ohne Probleme. Sie haben in der letzten Zeit vor dem Zahnen ziemlich Ruhe gehabt, und obwohl so langsam auch die Backenzähne herauskommen, haben sie jetzt keine so grossen Schmerzen mehr und schlafen nachts ziemlich gut durch.

Remus und ich freuen uns, dadurch zum Tanzen zu kommen. Keiner erhebt Forderungen an uns und so geniessen wir einander und vor allem jeden langsamen Tanz. Bill und Fleur sehen Spitze aus. Beide tragen silberfarbene Festroben. Die von Bill ist eine Schattierung dunkler als die von Fleur, aber sie sind praktisch identisch. Ich habe Fleur erst einmal getroffen, aber ich muss schon sagen, sie ist ein Traum von einer hübschen Frau. Wenn ihr Wesen ihrer Schönheit gleichkommt, dann ist sie ja wirklich eine Superfrau. Harry meint, dass sie sehr viel netter wird, wenn man sie besser kennt. Ihre Geschwister und ihre Eltern sind jedenfalls wunderbare Menschen, und ich hatte eine sehr spassige Unterhaltung mit ihrem Vater. Wenn man ihn ansieht, dann merkt man gleich, von welcher Seite der Familie ihre Anmut kommt. Der Mann ist eine echte Augenweide, selbst Remus hat das bemerkt. Aber alles in allem haben wir wie üblich nur Augen für uns selber. Remus trägt eine dunkelbraune, mit Gold bestickte Festrobe, während meine eigene nachtblau ist und auf dem Kragen, den Manschetten und den Säumen kleine Sterne eingestickt hat.


Ginny

Ich bin froh, dass der offizielle Teil der Hochzeit vorbei ist. Fleurs Brautjungfer zu sein ist nicht so unglaublich toll wie man meinen könnte. Natürlich hat sie einen unglaublich guten Geschmack. Alle Brautjungfern tragen eine Robe aus demselben silbergrauen Stoff wie sie, eine Farbe, die mir natürlich ausgezeichnet steht. Aber es war eine viel formellere Hochzeit als die von Harry und Hermione und daher auch weniger spannend. Auch war ich dieses Mal nicht im Zauberteam. Sie haben Dad, Mr. Delacour, Professor Dumbledore und Remus gebeten. Alles Männer, pah!

Bill sieht erstklassig aus. Die von Fleur gewählten Farben Silber und grau stehen wirklich allen Beteiligten sehr gut, jeder passt also hervorragend ins Dekor. Sie hat schon einen exquisiten Farbsinn. Sie ist hier in ihrem Familienkreis auch sehr viel lockerer, weit fröhlicher und weit weniger elegant. Jeder in ihrer Familie ist so schön wie sie, hier muss sie nicht darum betteln, dass man sie um ihrer selbst willen mag, nicht um ihres Veela-Charmes willen. Wenn man nur eines von vielen ist, dann ist der Wow-Faktor auch um ein Vielfaches geringer. Sie erzählt mir, dass sie hofft, bald Kinder zu bekommen. Kinder, nicht ein Kind. Wenn wir alle mehrere Kinder haben, dann wird diese Familie explodieren! Fred hat ja schon mal angefangen. Daddy wird glücklich sein, Mum auch, aber bei ihr ist es anders, sie hat in der letzten Zeit etliche ihrer Schrauben kräftig gelockert. Ich bin sicher, das kommt davon, dass wir jetzt den Fuchsbau alle endgültig verlassen haben. Ich dachte, dass sie sich jetzt vielleicht endlich mit was anderem beschäftigen wird, als den Fuchsbau alle zwei Stunden magisch von oben bis unten zu putzen. Aber bisher noch nichts davon zu bemerken.

Ernie und ich sitzen neben Fleur. Er plaudert mit ihr, und ich bin froh, dass er nicht wie Ron damals in Hogwarts auf sie reagiert. Ron, der jetzt mit Justin zusammen ist, reagiert allerdings auch nicht mehr so.

Ich beuge mich vor und frage Fleur:

„Fleur, darf ich dich was fragen?"

„Kommt drauf an. Frage und isch werde sehen, ob isch antworte…"

„Ich habe mich bloss gewundert… ich habe den Veela-Effekt gesehen, den du auf die Jungs ausübst, und jetzt scheint es, dass das komplett weg ist. Ich wollte nur wissen, ob es damit zusammenhängt, dass du mit Bill zusammen bist? Oder ist es, weil die betreffenden Jungs jetzt selber eine Beziehung haben? Oder hast du den Charme einfach abgeschaltet?"

Sie lacht laut los.

„Wohl ein bissschen von allem, was du aufgezählt hast, Ginny," schlägt sie vor.

„Aber es stimmt schon, wenn eine Veela, oder eine Teil-Veela, die Liebe gefunden 'at, dann vermindert sisch ihre Ausstrahlung auf andere schon ziemlisch. Isch bin nur ein Achtel Veela, isch habe etwas von dem Charme und die Schönheit, aber isch kann misch nischt in dieses Biest verwandeln, das in jeder Veela steckt. Also ist das wahrscheinlich alles abgeschwächt. Beantwortet dies deine Frage?"

„So ziemlich, Fleur, danke. Entschuldige meine Neugier."

„Das ist okay, Ginny, mir ist lieber, die Leute fragen misch, und geben sisch mit meiner Antwort zufrieden, als wenn sie sisch die eigenartigsten Theorien zusammenreimen. Viel ehrlischer!"

„Danke, Fleur."

Ernie unterbricht mich und bittet mich zum Tanzen. Er ist ein ziemlich guter Tänzer. Wir sind im Lauf des letzten Jahres viel zum Tanzen ausgegangen. Also geniessen wir einige Runden auf dem Parkett. Ich tanze auch mit anderen Leuten, wie mit Mr. Delacour, den ich anhimmle! Er gleicht meinem Dad in Manchem, ohne den Muggeltick natürlich, aber auch er wird im Allgemeinen gern unterschätzt. In seinem Fall kommt es davon, dass er ein so gut aussehender Mann ist. Seine Grossmutter mütterlicherseits war eine ganze Veela. Wie es scheint, vererbt sich die Schönheit über etliche Generationen hinweg, aber die Kräfte verlaufen sich schon sehr rasch. Er ist äusserst charmant, witzig und jovial. Am besten würde man ihn als ruhig und unauffällig elegant beschreiben, und wenn er nicht schon in festen Händen wäre – ich könnte mich sehr rasch breittreten lassen.

Als ich an einigen Wochenenden hier war, um bei den Hochzeitsvorbereitungen zu helfen, haben wir uns ziemlich oft unterhalten. Ich musste ihm alles über Hogwarts erzählen, über unser geschütztes Haus, den Krieg und irgendwann kamen wir dabei auch auf die Rumtreiber zu sprechen. Nachdem ich ihm einen ihrer Streiche beschrieben hatte, wollte er noch eine Menge mehr über sie hören. Da ich drei Jahre lang mit ihnen zusammen gelebt hatte, kannte ich natürlich auch einige davon. Jetzt will er wieder eine Geschichte hören, aber ich schlage ihm vor, sich doch lieber gleich mit den Rumtreibern selber darüber zu unterhalten.

„James, Sirius und Remus sind ja alle drei da – am besten sprichst du gleich selber mit ihnen. Sie erzählen ihre Geschichten noch so gerne. Professor McGonagall kommt jetzt noch das grosse Schaudern, wenn sie an ihre zwei Lehrer als Schüler in Hogwarts denkt."

„Oh, dann musst du mich ihnen aber einfach vorstellen, Ginny!"

„Gerne!"

Ich sehe mich um und finde Sirius, der mit Remus tanzt. Dorthin steuere ich Pascal, den ich ihnen vorstelle:

„Sirius, Remus, darf ich euch Pascal Delacour vorstellen? Pascal, dies ist Sirius Black und dies ist Remus Lupin."

Wir halten alle an, so dass sich die Herren die Hände schütteln können.

„Die liebe Ginny hat einen schweren Fehler begangen, als sie anfing, mir von euren Streichen zu erzählen," sagt Pascal mit schmunzelnder Miene. „Ich musste Sie einfach kennen lernen, als ich hörte, dass sie hier sind. Ich habe herzlich über ihre Geschichten gelacht."

Die zwei Rumtreiber lachen auch. Ich lasse sie miteinander weiter plaudern und gehe zurück an meinen Platz am Tisch, an dem ich nicht lange alleine sitze, bevor jemand anderes mich zum Tanzen auffordert. Es wird richtig anstrengend! Aber es ist eben wirklich eine schöne Art der Anstrengung.


Sirius

Gegen Mitternacht sind wir reif, nach Paris zurückzukehren. Wir vier mit kleinen Kindern und Buggys nehmen einen Portschlüssel. Zurück im Hotel bringen wir die Kleinen sofort zu Bett. Innert Minutenfrist sind unsere beiden eingeschlafen. Remus geht schon mal vor ins Bad, wo ich mich schon einen Moment später zu ihm geselle. Kurze Zeit später sind wir bereit, ins Bett zu gehen. Im Vorbeigehen sorgen wir dafür, dass die Kinder uns nicht hören können. Wir werden aber bei Bedarf unsere Kinder hören. Ich krieche neben Remus ins Bett. Er zieht mich sofort in seinen Arm. Dieses Riesenbett ist auch eine feine Spielwiese. Wir hatten schon ein bisschen was davon in den vergangenen zwei Nächten und haben nichts dagegen, auch noch eine dritte und vierte Nacht darin zu geniessen.

Ich ziehe ihn zu einem Kuss an mich. Wir schliessen beide unsere Augen und fühlen so intensiver. Es ist dunkel, aber durch eine Ritze in den Vorhängen dringt etwas vom Licht der vielen Strassenlampen draussen herein. Das ist grade richtig für mich, denn ich kann es nicht vertragen, wenn es im Schlafzimmer ganz dunkel ist. Das ist noch ein letzter Rest Azkaban-Horror, den ich wohl nie ganz wegbekomme. Dort gab es einfach zu viel Dunkelheit. Meine Augen zu schliessen, nur um Remus' Berührungen noch inniger zu empfinden, ist aber gute Dunkelheit. Er beginnt an meinem Ohrläppchen zu knabbern. Dieses Knabbern fühle ich bis in meinen Schwanz hinunter. Dann ein weiterer Kuss. Er will also heute die Führung übernehmen. Nehme ich aber schon sehr gerne entgegen! Das Knabbern geht weiter, dann verwandelt er sich in den Wolf und schleckt mich von oben bis hinunter zum Schwanz. Ich halte ihn ein wenig hoch und ziehe die Vorhaut zurück, so dass er meine nackte Eichel lecken kann. Ihn dort so zu spüren bringt mich beinahe schon jetzt zum Kommen! Ich kann mich jedoch beherrschen und konzentriere mich auf sein Lecken. Seine raue Wolfszunge fühlt sich noch besser an als sein Mund! Er kann mich auch mit der Wolfsschnauze saugen, aber nicht so gut, weil er die Schnauze nicht so richtig rund um meinen Schwanz schliessen kann. Also fährt er mit Lecken weiter, bis ich schon fünf Minuten später explodiere! Ich lehne mich zurück und warte darauf, dass Remus sich wieder verwandelt, was er erst tut, als er meine Öffnung weich geleckt hat, so dass er gleich eindringen kann, als er sich zurückverwandelt.

Ich ziehe meine Beine hoch, um ihm besseren Zugang zu gewähren, aber er steckt zusätzlich noch ein Kissen unter meinen Hintern. Ich falte meine Beine hinter seinem Kopf und er beginnt zu stossen. Sobald er zum ersten Mal meine Prostata trifft, raste ich aus. Ich hoffe, dass es nie aufhört! Er scheint seinen Schwanz mit jedem Stoss tiefer und tiefer in mich hineinzubohren. Ich halte ihm entgegen, gebe ihm allen Raum, den er braucht. Um unseren Orgasmus rascher aufzubauen, spanne ich alle meine Muskeln an, so kann ich auch immer mehr von ihm spüren.

Remus hört auf zu stossen, beugt sich dafür zu mir herunter und küsst mich. Oh, er weiss haargenau, wann er abbremsen muss, um die Sitzung zu verlängern. Nur ein kurzer Moment der Frustration, dann geniesse ich einfach das Gefühl dieses harten Muskels in meinem Innern, Remus' Gewicht auf mir und die Attacke seiner weichen Lippen auf meinen. Er greift nach meinem Schwanz und drückt ihn leicht. Seine Zähne graben sich in meine Schulter, was mir einen kleinen Schrei entlockt. Dann fängt er wieder an zu stossen, baut die Spannung wieder auf, bis wir wieder kurz vor unserem Orgasmus stehen. Und wieder unterbricht er den Koitus.

„Geht's dir noch gut?" fragt er immerhin.

„Bestens," versichere ich ihm.

„Nur so von wegen deiner Position," murmelt er und küsst mich wieder.

Meine Position ist mir überhaupt nicht unangenehm, Moony, fahr schon weiter, verflixt noch mal. Ich habe es nicht ausgesprochen, doch es ist, als ob er's laut und deutlich gehört hätte, denn er fährt diesmal fort, in mich hineinzustossen und diesmal lässt er uns beide kommen. Sein Name entgleitet meinen Lippen, grade als dieser unglaublich süsse Moment totalen Wohlbefindens mich überkommt.

„Siri…" stöhnt er.

Hitze erfüllt meinen Körper. Ich schliesse meine Augen und ziehe alles herein. Götter, das fühlt sich so gut an. Ich warte, bis er aufhört zu stossen, befreie meine Beine und lasse sie aufs Bett zurück fallen. Er bricht über mir zusammen. Dann vergräbt er sein Gesicht auf meiner Schulter und murmelt Zärtlichkeiten, während er mich streichelt. Ich lasse ihn machen, bis er einschläft.

Ich lasse ihn vorsichtig von mir gleiten und decke uns beide zu. Unter meinem Hintern ist immer noch das Kissen, das ziehe ich hervor und achte darauf, dass die Decke uns beide gut abdeckt, denn das Zimmer ist mit Kühlung versehen und wir kühlen beide rasch aus. Ich nehme ihn in meine Arme und bald…


Sonntag, 23.5.1999 / Sirius

… erwachen wir beide, weil wir unsere Kleinen in ihren Bettchen brabbeln hören. Ich hebe meinen Kopf und schaue mich um. Beide haben sich an den Holzgittern ihrer Bettchen hochgezogen und rufen nach Daddy und Papa. Remus öffnet seine Augen und sein Lächeln kann ich auf meinem Nacken fühlen.

„Nimmt mich wunder, wie lange es dauert, bis ihre Daddy und Papa-Rufe uns auf den Wecker fallen," bemerkt er grinsend.

Ich drehe mich zu ihm um und küsse ihn.

„Dir auch einen guten Morgen, Liebster…"

Er erwidert den Kuss mit einem sanften:

„Guten Morgen, Liebster. Lassen wir sie raus?"

Ich nicke, stehe auf und entferne den Silenziumzauber über den Kinderbettchen.

„Guten Morgen, meine kleinen Rumtreiber. Ihr wollt wohl aufstehen, was?"

Beide Kinder strecken mir als Antwort ihre Ärmchen entgegen. Ich befreie Seraina aus ihrem Schlafsack und setze sie auf den Boden, wo sie sofort zu unserem Bett hinüber zu krabbeln beginnt. Denny folgt ihr, sobald er den Boden unter sich spürt. Seraina zieht sich am Bettrand hoch und kann gerade noch über die Kante gucken und Remus sehen. Sie quietscht, damit er kommt und sie hochhebt. Remus rollt sich herum, küsst sie auf die Stirn und neckt sie:

„Hallo, mein Kleines. Soll ich dich hochheben? Was meinst du?"

Noch ein ungeduldiges Quietschen seitens seiner Tochter veranlasst Remus, klein beizugeben und sie aufs Bett zu ziehen, während ich mich um Denny kümmere. Wir nehmen sie zwischen uns in die Mitte dieses riesigen Bettes. Beide haben jetzt nur ihre Windelhöschen und ein warmes Top an. Die Schlafsäcke sind eher warm und sie brauchen nichts Zusätzliches. Wir decken sie zwar zu, aber sie halten sich nicht lange still. Remus rümpft seine Nase.

„Ihr riecht nicht eben nach Rosen, meine Süssen. Ab in die Badewanne mit euch! "

Remus steht auf und geht schon mal vor ins Bad, wo er für die Kinder Wasser in die Wanne laufen lässt und etwas Schaumbad dazugibt. Dann hören wir ihn die Toilette benutzen und während die Spülung läuft, kommt er, um eines der Kinder zu holen. Ich stehe auf und bringe das zweite. Ich bringe ausserdem ihr Badespielzeug.

Zunächst ziehen wir ihnen die Windeln aus und reinigen sie, dann setzen wir sie in das etwa zehn Zentimeter tiefe Wasser in der Wanne. Denny patscht mit seinen Händchen hinein, dass es spritzt. Er grinst seine Schwester an, die etwas von dem aufspritzenden Wasser erwischt hat und den Mund verzieht. Sie spuckt es ziemlich indigniert aus. Und wir haben natürlich schon eine Kamera herbeizitiert, um diese Momente in Bildern festzuhalten.

Wir machen dauernd Fotos von ihnen. Bestimmt haben wir schon Hunderte davon. Remus hat natürlich immer ein paar davon auf seinem Schreibtisch und mehr auf den verschiedenen Kaminsimsen. Es gibt sicher Leute, die uns für völlig spinnert halten, aber wir wollen uns später noch daran erinnern können, wie sie jetzt sind. Sie wachsen so schnell heran!

Wir lassen den Kindern etwa zehn Minuten Zeit, im Wasser herumzuplanschen, dann kommt das Waschen dran. Natürlich bekommen wir ihr übliches Schreikonzert zu hören, weil wir es wagen, ihre Härchen zu waschen. Aber als das vorbei ist, lassen wir ihnen zum Trost noch eine Weile Zeit zum Spielen. Remus überwacht sie, während ich rasch dusche, dann duscht Remus und ich überwache die Kinder.

Doch dann wird es wirklich Zeit, sie aus dem Wasser zu nehmen.

„Das war's, meine Damen und Herren, Zeit zum Anziehen!" kündige ich an. Ich hebe Seraina aus dem Wasser und packe sie in ein vorgewärmtes Tuch. Sie muss also nicht lange bibbern. Kaum ist sie eingewickelt, setze ich sie auf den dicken Teppich im Bad und rubble sie trocken. Remus macht dasselbe mit Denny, dann nehmen wir die beiden hinüber ins Schlafzimmer, um sie anzuziehen. Ich wähle ein leuchtend orangefarbenes Kleidchen für Seraina aus. Der Wetterbericht verspricht wieder schönes und warmes Frühsommerwetter für heute, also ist sie in etwas Leichtem am wohlsten, Kleidchen, Sandalen und ein Hütchen. Da es jetzt wieder warm wird, ist es ein Leichtes, die Kinder anzuziehen. Windelhöschen, Kleidchen, Sandalen, fertig ist die kleine Seraina. Windelhöschen, Shorts, dünnes T-Shirt und Sandalen, fertig ist Denny. Kein Herumfummeln mit Strumpfhosen, Unterwäsche und doppelter Kleidung...

Remus steckt Denny in ein Paar Shorts, ein dünnes T-Shirt und Sandalen. Wir schnappen uns ihre Tragsitze, checken, dass wir genügend Papiertaschentücher, Ersatzwindeln, ihre Schnuller und Wasserflaschen haben, und stecken die Sonnencreme in eine der Taschen. Ausserdem die verkleinerten Buggys. Wir bringen beide Kinder hinunter zum Frühstück. Ein hübscher, grosser Tisch am Fenster zum Innenhof des Hotels ist frei, also setzen wir uns dort hin. Die Kinder bekommen heisse Schokolade, Remus erhält Tee, ich meinen Kaffee und wir verteilen kleine Stückchen von den Croissants, die wir mit Butter und Konfitüre bestreichen. Wir nehmen uns Zeit dafür und beschäftigen die Kleinen, bis zuerst Lily und James mit ihren beiden Kindern auftauchen und dann so nach und nach die Bande der Jungen. Die sind erstaunlich früh auf, da wir abgemacht haben, bei schönem Wetter heute einen Ausflug nach Versailles zu machen. Wenn man auch nur den Anflug einer Chance haben will, ohne stundenlanges Warten in den Palast zu kommen, dann geht man besser früh. Ginny und Ernie haben sich schon im Hotel zu uns gesellt. Sie bringen das Picknick für heute Mittag mit. Wir nehmen den frühesten Zug, mit dem man vernünftigerweise fahren kann, um kurz vor neun Uhr morgens. Die Fahrt dauert etwa eine halbe Stunde. Die Drillinge krabbeln dabei auf allen Reiseteilnehmern herum und wechseln von einem Schoss zum nächsten. Draco kitzelt Denny so lange, dass Remus sicher ist, dass der Kleine eine frische Windel braucht, sobald wir den Zug verlassen.

Wir verbringen einen wundervollen, ausgelassenen Tag in den Anlagen. Die frühe Anfahrt hat uns tatsächlich ermöglicht, mit den ersten Besuchern in das Schloss gelassen zu werden. Wir bewundern ordnungsgemäss all die sensationell eleganten Räume und die Antiquitäten. Remus, Lily und Hermione füllen unsere Köpfe mit der relevanten Geschichte über den Palast und die Domäne. So mit neuem Wissen ausgestattet, machen wir uns ans Entdecken des riesigen Parks. Er ist fast noch schöner als der Palast! Leider hat eine Feuersbrunst vor einigen Jahren sehr viel von dem zum Park gehörenden Wald zerstört. Remus meint, dass die schönen Alleen jetzt sehr nackt aussehen, verglichen mit früher, als die Bäume so viel Schatten warfen, dass man auch am Mittag nie schwitzte. Wir finden aber doch noch ein intaktes Boskett, in dem es genügend Schatten und steinerne Sitzbänke gibt, auf denen wir alle Platz haben. Ginny und Ernie breiten die Herrlichkeiten vor, mit denen uns die Delacour'schen Hauselfen bedacht haben. Es gibt mehrere Flaschen exzellenten Weines und Mineralwasser zum Trinken, jede Menge Baguettes, Rohschinken und Salami, hartgekochte Eier, Pickles und Cornichons. Dazu gibt es Sellerie- und Karottenstreifen und einen leckeren Dip dafür. Wir nehmen uns alle ausgiebig Zeit für dieses wunderbare Essen. Die Kinder haben bald genug gefuttert und machen ihren Mittagsschlaf in den mitgebrachten Buggys, selbst Lizzie. Natürlich schlafen sie darin nicht so lange wie in ihren Betten, aber es wird reichen.

Wir erreichen abends Paris früh genug, um uns frisch zu machen, umzuziehen und ein Restaurant für ein elegantes Abendessen zu finden. Wir nehmen die Buggys wieder mit, diesmal gehen wir nämlich zu Fuss. Wir spazieren durch die Tuileries, überqueren die Seine auf der ersten Brücke, der wir begegnen, diesmal ist es der Pont Neuf, dann geht's weiter entlang des Flusses, bis wir genau gegenüber der Notre Dame Kathedrale ankommen. Remus führt uns dort zu einer Bar, die auch ein kleines Restaurant enthält. In einem etwas kleineren Raum im Untergeschoss bekommen wir ein ausgezeichnetes Essen zu einem für Pariser Verhältnisse wahrlich vernünftigen Preis. Draco erkundigt sich bei Remus, warum er uns gerade hierher geführt hat.

„Dies hier, mein lieber Junge, ist wahrscheinlich eines der ältesten Restaurants der Welt. Nachweislich hat es in diesem Gebäude immer Bars, Bratküchen oder Restaurants gegeben, und das seit rund 950 Jahren. Als die Kathedrale Notre Dame gebaut wurden, kamen hier nämlich die Bauleute und Handwerker zum Essen her. Es heisst Les Trois Mallets, Zu den drei Hämmern, um an diese Tatsache zu erinnern."

Ich pfeife leise. Ziemlich spezielle Bude in dem Fall. Nun, das Essen schmeckt sehr gut und es gibt reichlich davon. Die Kleinsten essen mit ziemlich viel Lust alles, was wir ihnen auf ihre Teller legen. Sie schlafen in ihren Buggys allerdings auch gleich nach dem Essen wieder ein, denn der Tag war lang und sie haben sich ziemlich viel bewegt. Wir Eltern halten uns deshalb nach dem Essen auch nicht lange auf, sondern kehren ins Hotel zurück. Die jüngere Gruppe entschliesst sich, noch durchs Quartier Latin zu schlendern und vielleicht später zum Tanzen zu gehen.


Montag, 24.5.1999 / Hermione

Ich erwache früh, denn mein Magen ist wieder mal ein Spielverderber. Zum Glück kann ich ihn heute beruhigen, bevor ich mich übergeben muss. Den Trick dafür habe ich von Madam Pomfrey. Nimmt mich wunder, wie sie all diese Tricks kennt, ihre Kundschaft sind ja Kinder und Teenager, ich glaube nicht, dass sie oft schwangere Frauen behandelt. Nichtsdestotrotz war ich sehr dankbar für die Information. In zwei von drei Fällen hat er nämlich gewirkt. Das Gefühl, mich übergeben zu müssen, geht vorbei. Sonst geht's mir ja sehr gut. Zehn Wochen vorbei, noch dreissig hin...

Als ich mich wieder in das Duvet einwickle, wacht Harry auf und fragt sofort:

„Wieder okay?"

„Ja, Harry, heute hat der Zauber gewirkt."

„Gut!"

Er zieht mich zu einem Kuss an sich. Es ist unglaublich, was diese Schwangerschaft mit mir macht! Ich muss eine Menge mehr Blut haben, das durch meine Adern kreist, denn auf einen simplen Kuss von Harry reagiere ich so start wie sonst nur auf richtige Stimulation meiner Geschlechtsorgane. Ich bin angetörnt und will ihn haben, jetzt gleich! Bisher hat er sich über meinen Hunger nach ihm noch nicht beschwert. Ich muss aber immer lächeln, denn er ist immer sehr vorsichtig, um nichts zu tun, was unser Baby in Gefahr bringen könnte. Ich versichere ihm immer wieder, dass es noch so klein ist, dass keine Gefahr besteht. Wenn das Baby den ersten Monat überlebt hat, ist es schon ziemlich sicher so gesund, dass es die übrigen acht Monate ebenfalls übersteht. Er ist ganz sentimental und denkt sich schon Namen aus. Das Einzige, was wir diesbezüglich bisher festgelegt haben ist, dass wir keine bereits in der Familie verwendeten Namen verwenden wollen, auch nicht als Zweitnamen.

Das erinnert mich daran, wie James und Lily auf die Nachricht reagiert haben. Natürlich freuen sie sich beide für uns und lustigerweise haben uns beide eingeschärft, unser Kind ja nicht etwa nach einem von ihnen zu benennen. Lily war so gerührt, dass sie ein paar Tränen in den Augen stehen hatte. Und James musste natürlich sofort seine eigene Rührung unter einem Witz verbergen, und meinte, es wäre ja lächerlich, dass sie wegen ihres ersten Enkelkindes so rührselig seien, wo sie doch als werdende Grosseltern eben mal 26 Jahre alt seien. Lily hat ihm diese Illusion gleich zerdeppert, indem sie ihn erinnerte, dass sie genau genommen schon 40 wären, auch wenn sie all die Jahre gar nicht gelebt hätten. Worauf er sofort konterte, dass er erst im kommenden März 40 wird.

Ich habe jetzt wirklich Hunger aufs Frühstück. Heute Vormittag werden wir die Zimmer räumen, können aber unser Gepäck noch im Hotel lassen, bis wir zum Bahnhof gehen. Den Tag verbringen wir im Marais-Viertel, im Cluny-Museum und nach dem Mittagsschlaf der Kinder gehen wir mit ihnen noch in den Parc Monceau. Dann holen wir unser Gepäck ab und lassen uns per Taxi zum Bahnhof chauffieren. In Bern haben wir die Autos im Bahnhofparking.


James

Ich erwache, als ich Andy in seinem Bettchen brabbeln höre. Bin froh, dass Lizzie dabei immer noch schläft. Ich hole das Baby herüber und bringe es in unser Bett hinüber. Dann lege ich einen kleinen Silenziumzauber über Lizzies Bettchen, damit die übrige Familie sie nicht aus Versehen weckt. Da Lily und ich beides Langschläfer sind, fehlt uns der Schlaf am frühen Morgen schon ziemlich. Lizzie fängt jetzt so langsam an, etwas länger auszuschlafen, aber Andy ist jeden Morgen um sechs Uhr wach. Andy akzeptiert eine Flasche mit Schokoladenmilch und spielt eine Weile auf dem Teppich. Lange wird das wohl nicht anhalten, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf und krieche neben meiner wunderschönen Frau wieder ins Bett. Sie zieht mich an sich und ich schnuffle in ihren Hals und ihre Brust.

„Mmmm," murmelt sie wohlig.

Ich vermisse auch den Sex am Morgen. Aber trotzdem hätten wir die Kinder nie zuhause gelassen, während wir auf diesen Ausflug gingen. Die Zeit des Ausschlafens und für den Sex am Morgen wird wiederkehren. Unsere kleinen Kinder sind uns beide wichtiger.

Ich bin immer noch baff darüber, dass ich schon Grossvater werde! Dad würde sich totlachen! Dieser Gedanke erinnert mich erneut daran, wie sehr ich meine Eltern vermisse. Sie waren so wunderbare Menschen. Siri vermisst sie auch. Aber er lacht sich natürlich auch krank darüber, dass ich demnächst bereits Grossvater sein werde. In meinem Alter war Dad noch nicht mal verheiratet. Er hat Mum kennengelernt, als er 43 und sie 39 war. Für viele Hexen und Zauberer ein ideales Heiratsalter. Doch sie mussten sechzehn Jahre warten, bis ich kam, davor hatte Mum eine Reihe von Fehlgeburten. Dabei hatten sie doch immer eine grosse Familie gewollt. Ich weiss, dass ich von ihnen sehr verwöhnt wurde, aber das war der Hauptgrund dafür. Als Sirius zu uns kam, wurde er ebenso verwöhnt, wenn auch noch mehr mit Liebe als mit irdischen Gütern. Da Mum eine gebürtige Black und Sirius' Grosstante war, machte es ihr keine grossen Schwierigkeiten, für die kurze Zeit bis zu seiner Volljährigkeit das Sorgerecht für Sirius zu erhalten. Ich fand es interessant, dass sie nie vom Familienstammbaum getilgt wurde, weil sie einen Potter geheiratet hat. Obwohl meine Familie sehr, sehr alt ist, hat es immer wieder mal muggelgeborene oder Halbbluthexen und -Zauberer darin gegeben. Das war einer der Gründe, warum Sirius meine Eltern so sehr mochte. Er war ebenso traurig wie ich, als wir sie durch eine grässlich schwere Grippe verloren. Sie starben kurz bevor wir Hogwarts verliessen. Daher waren wir gleich nach der Schule wirklich auf uns allein gestellt.

„Woran denkst du, Liebster?" will Lily wissen.

Ich lächle.

„An alles und nichts. Meine Eltern und daran, dass wir Grosseltern werden und wie wir meine Grosseltern verloren haben. Alles mögliche.

„Deine Grosseltern… die du in unserem ersten Jahr in Hogwarts verloren hast?"

„Ja. Ich habe meine Grosseltern mütterlicherseits nie kennen gelernt. Mum war eine Black, eine Tante von Sirius' Mutter. Du kennst ja die Obsession der Blacks über ihre Blutreinheit, aber Mum war das komplett egal. Sie hatte drei Geschwister, hat aber jeglichen Kontakt mit ihnen verloren, obwohl nicht alle von ihnen zu den Todessern überliefen. Am schlimmsten, für den Betroffenen, war, dass einer von ihnen ein Squib war. Mum war eine Ravenclaw und das hat sie entsprechend geprägt. Nicht sicher, ob ich das jemals Harry erzählen werde…"

„Das macht dich ja genau genommen zu einem Onkel von Sirius…"

„Ja, ist das nicht urkomisch? Sirius und ich sind uns immer noch näher als er es mit Regulus je war."

„Nach dem, was ich in Sirius' Erinnerungen gesehen habe, war Regulus einfach nicht in der Lage, sich gegen diese Eltern zu verteidigen. Ich hatte fast Mitleid mit ihm, James!"

„Stimmt. Ich denke, im Nachhinein sieht es auch Sirius so. Obwohl Reg am Ende ja noch gemerkt hat, dass er einen grossen Fehler gemacht hatte. Und dafür mit seinem Leben bezahlt hat."

„Schlimm genug."


Hermione

Der Teil des Morgens, den wir im Marais-Viertel verbringen, ist sehr eindrücklich. Dieser Teil der Stadt entwickelte sich vor allem zur Zeit der Regentschaft des grossen Bourbonen Louis XIV und seines Nachfolgers Louis XV. Alle Häuser, die wir sehen können, sind heute wieder gut im Schuss. Das Viertel war nahezu am Verfallen, als es wieder in Mode kam und die Häuser wieder renoviert wurden. Zwei Stadthäuser von stadtbekannten Familien sind zusammengelegt worden und darin entstand das Musée Carnavalet, das Museum der Geschichte der Stadt Paris. Hôtel de Carnavalet ist der Name des einen Hauses, das andere war das Stadthaus der Madame de Sévigné, die berühmte Dame vom Hofe Ludwigs XIV, dank der wir so viel über das Leben am Hof und vieles von dem Klatsch über dasselbe wissen. Sie kannte alles und jeden am Hofe des Sonnenkönigs und berichtete darüber in unzähligen Briefen an ihre in der Provence verheiratete Tochter. Über tausend davon sind erhalten geblieben. Nun sind in ihrem Haus viele Exponate zu sehen, welche die Entwicklung der Stadt Paris dokumentieren, von Bildern, über Möbel bis zu exklusiven Kleidern aus vielen Perioden.

Das zweite Museum, das wir besuchen, bringt uns ins Mittelalter zurück. Das Musée du Moyen Age findet sich im Quartier Latin, in den Mauern des alten Klosters, das die Mönche der Abtei von Cluny in Paris errichteten, sozusagen als Stadtabtei. Das kleine Kloster wurde auf den Mauern eines römischen Thermalbades errichtet, welches nach Ausgrabungen heute ein Bestandteil des Museums geworden ist. Dazu sind viele Gemälde, Statuen und Wandteppiche zu sehen, sowie eine grosse Zahl anderer Gegenstände aus allen Phasen des Mittelalters. Draussen kann man sich einen hübschen kleinen Klostergarten ansehen.

Als die Kinder von ihrem Mittagsschlaf erwachen, fahren wir per Taxi zunächst zurück ins Hotel, nehmen unser Gepäck in Empfang und lassen uns in den Parc Monceau fahren. Dort können sich die Kleinen noch etwas austoben, bis eine weitere Taxifahrt, diesmal ohne sichtbares Gepäck, uns wieder an den Bahnhof bringt. Wir verteilen uns auf unseren reservierten Plätzen. Remus und Sirius können die Kleinen auf je einen Sitz plazieren, wo die beiden einschlafen, sobald der Zug sich in Bewegung setzt. Lizzie geht natürlich nicht so einfach schlafen, aber die Aktivitäten des Nachmittags und das Toben im Park haben sie müde gemacht, so dass sie dann doch bald nach dem Abendessen einschläft. James klaubt sie vom Boden auf und bettet sie auf ihren Sitz.

Ich lese und Harry kuschelt sich zumeist an mich. Wir verschlafen den grössten Teil der Reise. Ron und Justin sitzen in der Reihe vor uns und schlafen ebenfalls beide. Die beiden Familien haben die zwei Viererabteile und wir übrigen sitzen in den Sitzreihen, die wie im Flugzeug gestuhlt sind.


Dienstag, 25.5.1999 / Remus

Wir müssen früh aufstehen. Sirius und ich teilen uns das Frühstück mit unseren Kleinen schon um 7.30 Uhr, damit wir genügend Zeit haben, um rechtzeitig wieder in Hogwarts zu erscheinen. Wir bringen die Kinder in unsere Wohnung, wo Winky sie wie immer übernimmt. Dann ziehen wir uns ordnungsgemäss an, nehmen unser Unterrichtsmaterial auf und gehen zur Arbeit.

Die Gryffindor und Slytherin Zweitklässler warten schon alle vor der Tür des Klassenzimmers. Ich schaue rasch auf die Uhr, aber sie sind einfach nur alle früh anwesend.

„Guten Morgen! Ich lasse euch auch gleich rein…"

Ich schliesse das Klassenzimmer auf und lasse die Kinder eintreten. Üblicherweise belegen sie immer die selben Plätze. Die Zweitklässler haben langsam angefangen, sich mehr zu vermischen, wenn auch noch immer zögerlich. Ich gebe ihnen viel Gelegenheit und ermutige sie, gemeinsam ihre Arbeiten zu erledigen. Die Gryffindors sind sicher offener als die Slytherins, aber in dieser Klasse sind Slytherins, welche die Schule begonnen haben, nachdem Voldemort aus dem Weg geräumt wurde, zudem hat es keine aus „einschlägigen" Familien. Die meisten dieser Kinder sind in der Stunde aufmerksam, haben ihre Hausaufgaben gewöhnlich gemacht und hinterlassen einen sehr guten Eindruck. Im Allgemeinen sind sie aber schon sehr viel steifer als die Gryffindors. Zumindest ernte ich nicht halb so viele Lacher wie von den Gryffindors. Wir gehen jetzt an die Theorie über einige dunkle Kreaturen, heute kommen Kobolde dran. Wenn man lernt, wie mit ihnen umzugehen ist, dann ist es nicht sehr schwierig und auch für Zweitklässler gut zu packen.

Der Vormittag ist bald vorüber und ich gehe in die Grosse Halle zum Mittagessen. Siri geht hinüber in unsere Wohnung. Die Hauselfen servieren ihm und den Kindern das Essen dort.

Die zwei Nachmittagsstunden mit den Ravenclaw/Hufflepuff Siebtklässlern sind immer ziemlich anstrengend. Zurzeit studieren sie die Nekromantik. Ich habe ihnen die Vorträge zum Thema gehalten, jetzt sammeln sie ihr Material für einen ausführlichen Aufsatz zusammen. Die Viertklässler, die danach ins Klassenzimmer kommen, erhalten einen Test zu den Unverzeihlichen Flüchen. Wir haben nochmals eine Runde des Imperius-Fluches gemacht und dieses Mal haben es viele meiner Schüler geschafft, den Fluch abzuwerfen. Ich habe jedoch den Fluch so oft gesprochen, dass es mich beinahe ängstigt. Immerhin, das Resultat ist sehr ermutigend. Jeder dieser Schüler wird wissen, wenn er oder sie von diesem Fluch erwischt wird. Nur wenige werden in solch einem Fall wirklich ein Opfer dieses Fluches werden. Es ist zwar eine schreckliche Sache, aber sie wissen nun, wie es sich anfühlt. Selbst Sixtus hatte letztendlich den Mut, sich von mir unter den Fluch nehmen zu lassen. Zuerst wollte er, dass ich das in meinem Büro mache, doch ich konnte ihn davon überzeugen, dass er viel sicherer ist, wenn ich ihn unter den aufmerksamen Augen seiner Mitschüler verfluche. Ich wollte und durfte es nicht ohne Zeugen tun! Es hat einiges an Überzeugungsarbeit benötigt, bis er begriff, dass er weniger gefährdet war, wenn viele andere dabei sind. Noch kann er den Fluch nicht abwerfen, aber Zeichen dafür hat es gegeben. Ich denke, die Viertklässler sind zu jung für diesen Teil des Unterrichts, ich werde ihn daher ab dem nächsten Jahr auf das fünfte Jahr verlegen, auch um es Kate zu ersparen, je unverzeihliche Flüche anwenden zu müssen. Das bedeutet, dass es im nächsten Jahr überhaupt nicht auf die Tagesordnung kommt, oder zweimal, denn die oberen Stufen haben die Ausbildung ja nicht erhalten.

Ich gehe durch die Klasse und beobachte, wie einige der Schüler ihre Federn niederlegen.

„Wie immer dürft ihr eure Tests abgeben und abdampfen, wenn ihr fertig seid," gebe ich bekannt.

Einige der Ravenclaws stehen sofort auf und legen ihre Pergamente auf meinen Schreibtisch, ein oder zwei Hufflepuffs folgen ihnen auf dem Fuss.

„Tschüss!" sagen sie beim Hinausgehen.

Als die Glocke läutet, legen die letzten ihre Federn ab und ich sammle die Pergamente ein.

„Einen schönen Abend wünsche ich euch!"

„Auf Wiedersehen, Professor Lupin!" verabschieden sich die verbleibenden Schüler, packen ihre Taschen ein und verlassen den Raum.

Ich sammle meine Unterlagen zusammen, die Testpergamente und schliesse die Klasse ab. Oben in unserem Büro lege ich die Pergamente auf meinen Tisch. Es war ein ziemlich einfacher Test mit Fragen, daher wird er auch rasch korrigiert und benotet sein. Sirius ist im Büro, die Zwillinge spielen in der Ecke vor dem Kamin als ich eintrete. Ich freue mich! Wie süss von meinem Liebsten. Er weiss, dass ich einen Test zu korrigieren haben werde, daher ist er mit den Zwillingen hochgekommen, damit sie bei uns sind, während wir noch letzte Hausaufgaben machen.

Ich beuge mich zu ihm und küsse ihn.

„Hallo, mein Liebster..."

„Hallo, Schatz! Hast du noch viel zu tun?"

„Nein, nicht sehr viel. Den Test der Viertklässler und ein kurzer Aufsatz der beiden dritten Klassen von heute Morgen. Und du?"

„Nur hier diesen Text der Sechstklässler von heute Vormittag. Die Drittklässler haben allerdings einen Aufsatz über die Schrumpflösung aufgebrummt gekriegt."

Ich setze mich an meinen Schreibtisch. Nach einer Weile kommt Denny angekrabbelt und zieht sich an meiner Robe hoch.

„Papa! Papa da!" quietscht er vergnügt.

Jetzt kommen jeden Tag neue Worte von ihnen. Ich stecke meine Feder ins Tintenfass und hebe meinen Sohn hoch, um ihn auf meinen Schoss zu setzen.

„Hallo, mein Kleiner! Tut mir leid, dass ich noch nicht mit dir spielen kann, ich habe hier noch ein paar Tests zu korrigieren."

Ich lese die Fragebogen durch und markiere die Fehler. Der Test ist rasch korrigiert, es sind ja nur sechzehn Schüler in dieser Klasse. Dann gehe ich an die Arbeit mit dem Aufsatz, der sehr kurz ist und schaffe alle Schüler noch vor dem Abendessen. Denny will nach einer Weile wieder runter. Ich lasse ihn gehen und schaue ihm nach, als er zu Siri hinüber krabbelt, der noch etwas für eine seiner nächsten Lektionen nachliest.


Freitag, 28.5.1999 / Minerva

Albus, Filius und ich spazieren zu unserem monatlichen Meeting des Ordens hinüber zum Raum, den wir dafür benutzen. Da die meisten Todesser mittlerweile dingfest gemacht wurden, brauchen wir uns nicht mehr so oft zu treffen. Normalerweise tauschen wir nur noch Informationen darüber aus, welche noch irgendwo herumstreunen. Die Meetings werden zunehmend eher zu Treffen unter Freunden. Ich habe jedoch den Eindruck, dass etliche der ganz jungen Mitglieder, die erst am Schluss zu uns gestossen sind, mehr und mehr wegbleiben. Die noch übrig sind, sind die alten Mitglieder der ersten Stunde und des ersten Kriegs, diejenigen, die noch übrig geblieben waren und diejenigen, welche zurückgekehrt sind. Ausserdem unsere jungen Freunde um Remus, Sirius, James und Lily.

Beim Erreichen des grossen Saales, der ziemlich in der Mitte unseres riesigen Schlosses liegt, weit weg von irgendwelchen von der Schule genutzten Räumlichkeiten, machen wir als erstes die Fenster zum Innenhof auf. Der Saal füllt sich mit frischer, kühler Luft. Die Hauselfen haben bereits ein sehr schönes Buffet bereitgestellt, auf dem sich allerlei Leckereien ein appetitliches Stelldichein geben. Severus ist bereits eingetroffen, er begrüsst uns in seiner kühlen Art und nimmt irgendwo Platz. Albus und Filius unterhalten sich über einen magischen Künstler, von dem ich noch nie etwas gehört habe und ich schaue zu den offenen Fenstern hinaus. Dieser Saal war einst der erste von den Gründern der Schule erbaute Empfangssaal von Hogwarts. Da schon hundert oder hundertfünfzig Jahre nach der Gründung die Grosse Halle angebaut wurde, geriet dieses schöne mittelalterliche Zimmer hier in Vergessenheit. Meiner Ansicht nach ist das sehr schade, denn es ist ein wunderschöner Raum. Er ist gross, mit sehr hoher Decke, hohen, schmalen mittelalterlichen Glasfenstern, die natürlich unzerstörbar verzaubert sind. Der Saal ist voll mit bronzefarbenen Holzpaneelen getäfelt. Die Tatsache, dass die Farben blau und Bronze vorherrschen, verrät die Handschrift von Rowena Ravenclaw. Ich gehe jede Wette ein, dass sie diesen Raum geschaffen hat. Eine kostbar geschnitzte Doppeltür öffnet sich ins Zimmer und eine ebenso kostbar geschnitzte Tür geht auf den Kreuzgang des Innenhofes hinaus. Dieser hier ist der grösste der etwa zehn Kreuzgänge des Schlosses. Für die eigentliche Schule nutzen wir nicht mehr als etwa ein Fünftel des ganzen Schlosses. Kaum ein Schüler gelangt je hierher. Ich denke, ich werde in Zukunft für die Siebtklässler eine Führung veranstalten. Es scheint mir mehr als schade, dass sie diesen Teil des Schlosses nie zu Gesicht bekommen.

Wieder einmal kann ich nur staunen, wie perfekt die Hauselfen das ganze Schloss pflegen. Natürlich hilft ihnen die dem Haus innewohnende Magie, aber die kleinen Elfen leisten erstklassige Arbeit. Ich wünschte, dass ich mehr für sie tun könnte als nur sie gut zu behandeln. Das würde Hermione bestimmt sehr freuen.

Ich mache nun auch noch die Tür zum Hof auf und drehe mich zum Raum zurück. Dabei kann ich gleich feststellen, dass meine drei schon anwesenden Freunde so gelassen aussehen wie ich mich fühle. Diese Treffen haben fast nur noch sozialen Charakter. Die Tatsache, dass Severus bei fast keinem je fehlt sagt mir, dass selbst er die Atmosphäre dabei schätzt. Bei den Todessern gehört man zwar zum Verein, aber das war's dann auch schon, der Rest besteht nur aus Kälte und Gehorchen. Hier ist das doch etwas ganz Anderes. Hier ist jeder Familie. Selbst Severus muss das fühlen. Ich werde die Meetings weiterhin mit grossem Vergnügen vorbereiten und organisieren. Nach dem ersten Krieg gegen Voldemort löste sich der Orden fast unmittelbar auf, alle noch verbliebenen Mitglieder gingen irgendwelcher Wege und man vergass sich beinahe. Wir litten alle daran, dass wir viel zu viele unserer Freunde hatten zu Grabe tragen müssen. Dieses Mal jedoch scheinen sich die alten und viele der neuen Mitglieder nicht aus den Augen verlieren zu wollen. Es ist schön und ich geniesse es jedes Mal.

Wenn ich mir die Sache so durch den Kopf gehen lasse, nehme ich an dass es nicht nur daran liegt, dass alle diese Leute aus dem Schattenreich ins Leben zurückgefunden haben, sondern, dass wir wissen, dass es diesmal mit Voldemort wirklich zu Ende ist. Diese widerliche Figur ist endgültig dahin, wir sind ihn los, wie wir auch die allermeisten Todesser los sind. Eigentlich kann es jetzt nur noch besser werden.

Unsere Kameraden von ausserhalb des Schlosses treffen nach und nach ein. Sie kommen allein, zu zweit oder in kleinen Gruppen. Ich bin stolz darauf, dass die gesamte Sunnegg-Bande eintrifft, junge und alte zusammen. Wie üblich sind auch Remus und Sirius bei ihnen. Der Raum füllt sich mit guten Freunden an. Es ist so schön zu sehen, dass Molly Weasley ihre aufgeweckten kleinen Brüder wiederhat. Es macht Spass zu sehen, wie Fred und George mit ihren Onkeln umgehen. Gideon und Fabian haben sich so gut wieder eingelebt, dass beide schon eine Freundin haben. Natürlich wäre es Molly lieber, wenn aus Freundinnen Ehefrauen würden, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die beiden sofort heiraten wollen.

Marlene und Peter, Quintus Lupin, Gideon und Fabian Prewett, Edgar Bones und viele andere zu sehen, macht mich ungeduldig. Ich weiss, dass Harry und Tonks sehr langsam durch die Zauber aus Voldemorts Zauberstab gehen, aber ich kann es kaum erwarten, endlich meinen Duncan wieder in die Arme schliessen zu können.

Damals hat sich alle Welt gewundert, wie ich einen Mann heiraten konnte, der sage und schreibe 47 Jahre älter war als ich. Duncan und ich waren eine ganz eigene Kategorie Paar, glaube ich. Ich kann es kaum ausdrücken, wie sehr ich ihn nach seiner Ermordung vermisst habe. Er fehlt mir auch heute noch. Er war so viel mehr als nur mein Liebhaber und Ehemann. Er war meine andere Hälfte. Es spielte einfach keine Rolle, wie viele Jahre zwischen uns lagen. Der einzige, der uns unvoreingenommen unterstützte, war Albus. Natürlich waren er und Duncan eng befreundet, aber das war nicht der einzige Grund. Meine Familie hielt mich für verrückt. Sie mochten duncan alle sehr gut, fanden aber, er passe mehr als Onkel denn als Gatte zu mir. Nun, genaugenommen, werde ich jetzt sogar ein paar zerquetschte Jährchen älter sein als er, aber wen kümmert das schon?

Meine Geduld geht mir jedenfalls langsam aus. Sehr Gryffindor, ich weiss es. Was immer die Leute über mich denken, ich war und bin eine Gryffindor und habe auch so ziemlich alle typischen Eigenschaften der Gryffindors.

Lily hat ihre Kinder mitgebracht, die Black-Lupin-Zwillinge sind auch da, ebenso wie diverse andere Kinder. Wir sprechen ja kaum mehr über geheime Dinge, das dürfen selbst die Kleinen hören. Zu Beginn des Meetings setzen wir uns alle um das Viereck der Tische im Raum. Dumbledore eröffnet die Sitzung wie jedesmal, indem er die Gäste und ihre Kinder begrüsst.

„Lasst uns das Geschäftliche rasch erledigen. Jeder, der etwas zu berichten hat, soll dies ungezwungen tun…"

Es ist üblich geworden, dass die Person, die links neben Albus sitzt und etwas zu berichten hat, die Runde eröffnet. Heute ist das Nymphadora Tonks, die zwischen Charlie und Bill Weasley sitzt, aber wie es scheint, weit näher bei Charlie als bei Bill. Fleur Weasley ist heute nicht da, aber Bill sagt, dass sie nur im Ministerium in Paris zurückgehalten worden ist und später nachkommen will.

„Nun, ich kann mal den Anfang mit einer guten Nachricht machen. Wir haben Hyacinth Quirrell gefasst, der letzte bekannte Todesser unter den Quirrells. Er war sehr gut verborgen, aber wir haben ihn in Cumbria aufgetrieben und festgesetzt. Sein Zauberstab wird auf Priori Incantatem getestet. Den Rapport darüber überlasse ich Harry und Lily, und so viel ich weiss, war Ron ein paarmal häufiger zu den Gräbern unterwegs als ich."

Sie setzt sich wieder. Hyacinth Quirrell. Da waren so viele in dieser Familie, die unter die Todesser gegangen sind und sich mit den Dunklen Künsten abgegeben haben. Der Vater unseres Viertklässlers Sixtus Quirrell ist der jüngste von sechs Brüdern und eine ganzen Reihe von Cousins. Die Quirrells sind eine ziemlich alte reinblütige und sehr fruchtbare Zaubererfamilie. Sie ist auch sehr zerrissen, denn Sixtus' Vater und noch einer seiner Brüder sind so ziemlich die einzigen, welche sich nicht mit den Dunklen Künsten abgaben und auch die Todesser nicht unterstützten. Sixtus selber hat vier Schwestern und zwei Brüder. Sie sind alle jünger als er, erste eine seiner Schwestern ist schon in Hogwarts, eine Ravenclaw-Erstklässlerin.

Ich erinnere mich an Hyacinth als Schüler als ich im Herbst 1970 an der Schule angefangen habe. Er war damals in der siebten Klasse. Einer von vielen seiner Generation, die ohne zu zögern Voldemorts Lügen und dünne Versprechen geglaubt hatten. Er war ein durchschnittlicher Schüler, der nicht auffiel. Nun, das ist ein Todesser weniger und vermutlich einige Leben, die demnächst weitergehen können.

Die nächste, die etwas zu berichten hat ist Lily. Sie erzählt von den Leuten, welche wieder ins Leben zurückgeholt werden konnten, seid wir uns das letzte Mal gesehen haben.

„Leider muss ich euch mitteilen, dass zwei weiter Muggel, die unter den geretteten Opfern waren, gleich nach ihrer Rückkehr starben. Sie waren so schlimm gefoltert worden, dass sie die Rettung nicht überlebten. Das Gute ist, dass sie diesmal mit ihren Seelen am richtigen Ort entschliefen. So haben sie hoffentlich Frieden gefunden."

„Dies ist bereits das dritte oder vierte Mal, dass du von so etwas berichtest, Lily, glaubst du, dass es einen Unterschied macht, ob ihr Muggel oder Zauberer und Hexen zurückholt? Bisher hast du noch von keinem einzigen Zauberer oder keinen einzigen Hexe berichtet, die verstorben wären," fragt Albus.

„Wir überprüfen das im Moment, denn uns ist das natürlich auch aufgefallen. Vermutlich ist es schon von Bedeutung, denn bisher sind uns ausser zweien alle Muggel, die wir gefunden haben, es waren übrigens nur sieben, die von Voldemort selber getötet worden sind, schwächer gewesen und sind nicht lange am Leben geblieben. Fünf von ihnen sind tatsächlich gestorben, nur die beiden, die Voldemort ganz am Schluss umgebracht hat, sind durchgekommen. Eine von den beiden wurde ohne Folterung gleich umgebracht, und er war noch immer sehr schwach, als er sie umgebracht hat. Es scheint tatsächlich so zu sein, dass die Muggel schwächer sind, wenn sie mit Magie konfrontiert werden," erklärt Lily.

Interessant. Der nächste Teil ist ebenfalls interessant.

„Wir sind jetzt schon ziemlich weit zurück mit den Zaubern aus Voldemorts Zauberstab. Ihr wisst ja bereits, wen wir zurückgeholt haben, da ihr die schriftlichen Berichte erhaltet. Anhand der Namen der Opfer können wir erkennen, dass wir uns jetzt im Jahr 1971 befinden. Offenbar war er in der letzten Dekade seines Lebens besonders aggressiv, wir haben mittlerweile eine Zahl von 128 Opfern erreicht. Es bleiben noch mindestens 30 Jahre abzuhaken. In diesem Zusammenhang habe ich eine Frage an dich, Albus. Kannst du sagen, wann er nach seinen diversen Transformationen wieder aufgetaucht ist?"

„Ich meine, dass alle Morde, die er vor 1968 begangen hat, unter seinem eigenen Namen laufen, danach dann als Lord Voldemort. In den drei, vier Jahren zuvor gab es wohl eine eher ruhige Zeit. Er war allerdings im Dienst von Grindelwald in der Mitte der 40er Jahre, gleich nachdem er Hogwarts verlassen hatte auch ziemlich aktiv. Nach dessen Niedergang habe ich fast 15 Jahre lang überhaupt nichts gehört. Kaum wurde ich anfangs 1970 Schulleiter, kam er angetanzt und wollte den Posten des Lehrers für Verteidigung gegen die Dunklen Künste. Das habe ich natürlich rundweg abgelehnt, worauf er den Posten verflucht hat und seine Kampagne gegen alles nicht Reinblütige in die Gänge brachte. Zu dieser Zeit hatte er schon einige Todesser um sich geschart, Leute, die er schon aus seiner Zeit mit Grindelwald gekannt hatte. Und er hat gleich angefangen, Schulabgänger aus Hogwarts, vor allem Slytherins und Ravenclaws, anzuwerben."

„Haben diese Leute eigentlich nie gemerkt, was der für Unsinn quatschte?" fragt Hermione.

„Vermutlich haben viele Leute das schon gemerkt, aber er begann auch sofort, seine jungen Todesser auf die Leute loszulassen und zu terrorisieren. Wer sich nicht unterwarf, wurde gefoltert und oft auch ermordet. Auf diese Weise beschaffte er sich die schweigende Mehrheit, die ihm freien Raum gab. Die meisten Leute mochten vermutlich seine Methoden und Ansichten genauso wenig wie du, fürchteten aber um ihr Leben, wenn sie aufmuckten. Seinen Anhängern versprach er Macht. Er lehrte sie, dass Gesetze für sie nicht galten, also trauten sie sich, alles zu tun, wonach sie gerade Lust hatten."

Hermione nickt.

„So wie Hitler seine SA in den zwanziger und frühen dreissiger Jahren und später die Gestapo für seine Politik der Denunziation benutzt hat?"

„Nahezu genauso, Hermione. Ich nehme an, dass er die Taktik durch Grindelwald genau kannte, der auch mit den Nationalsozialisten in Kontakt war. Er hat sie später auf seine eigene Art genutzt."

Ich sehe, dass hier einige junge und auch ältere Mitglieder ziemlich verwirrt um sich schauen. Im Gegensatz zur Sunnegg-Bande haben die halt nicht den Geschichtsunterricht von Remus Lupin genossen. Daher wissen sie wenig bis nichts über die Geschichte der Muggel im Allgemeinen und über die Zeitgeschichte schon gar nichts. Vieles, was die Muggel betrifft ist für sie weiter weg als der Mond. Wir müssen da endlich was unternehmen. Die Kinder können nicht nur über die Kobold-Aufstände von vor 1000 Jahren Bescheid wissen, die brauchen besseren Unterricht.

„Okay, das war nur, um meine eigene Neugier zu befriedigen. Wir müssen jedenfalls nach jeweilen etwa fünf Opfern, die auftauchen losgehen, um die aufzuspüren, möglichst bevor die auftauchen, herumgeistern und kaum wissen, wo sie sich befinden und was da passiert ist. Das macht die Prozedur etwas langsamer, aber es muss sein. Es gibt auch Fortschritte in der Identifizierung von Zauberstäben. Bislang haben wir nur drei Zauberstäbe, die keinen Bruderzauberstab aufweisen. Die Besitzer wurden kontaktiert und angefragt, ob sie ihren Zauberstab zur Verfügung stellen, und ob sie selber an dem Ritual teilnehmen wollen, oder ob sie es vorziehen, einen Auroren für sie das Ritual ausführen zu lassen."

„Wie war der Zuspruch dazu?" fragt Severus dazwischen.

Lily dreht sich direkt zu ihm und antwortet grinsend:

„Du glaubst nicht, wie viele ganz spontan gekommen sind und erklärt haben, dass sie sich das auf keinen Fall entgehen lassen wollen. Genau genommen hatte ich einige sehr nette Unterhaltungen in dieser Sache. Da war diese eine alte Dame, schon ordentlich über 100, die sagte, das wäre das Geringste, was sie tun könne, um ihren ermordeten Geschwistern zu gedenken, und dass sie froh wäre, dies selber tun zu können. Ich hoffe, dass ihre Geschwister vielleicht irgendwo noch mal auftauchen. Ein anderer gestand mir, dass ihm der Mut gefehlt habe, sich aktiv am Widerstand zu beteiligen, aber dass er nun eine gute Gelegenheit habe, wenigstens ein kleines Bisschen was zum Aufräumen beizutragen und seine Feigheit auszugleichen. Ich könnte noch eine ganze Reihe solcher Beispiele erzählen. Einige Leute wollten zuerst wissen, wie das abläuft und entschieden sich erst danach, ob sie das Ritual selber mitmachen wollten oder ob sie ihren Zauberstab einem Auroren übergeben wollten. Es wird also noch eine Weile was los sein im Ministerium."

Severus nickt nur.