/ „Glauben Sie eigentlich wirklich, dass wir die Mission der Destiny erfüllen können?
Ich meine, wir ... hier ... noch in diesem Leben.
Wie wahrscheinlich ist das?
Das Schiff ist seit Jahrtausenden unterwegs, wäre es da nicht ein riesen Zufall, wenn es ausgerechnet jetzt sein Ziel erreichen würde?
Und mal ehrlich, was glauben Sie, erwartet uns da, an diesem Ziel? Die Antiker hatten keine Ahnung, was das Signal verursachen könnte, deshalb haben sie die Destiny ja überhaupt losgeschickt, doch wir sind kein Stück näher daran, diese Frage zu beantworten.
Wenn wir es wären, würde es all die verlorenen Leben rechtfertigen?
Sie weichen der Frage immer aus. Aber was erwarten Sie zu finden? Ist es nicht wahrscheinlich, dass das Signal nach all der Zeit nichts als ein Echo ist, das wir niemals entschlüsseln werden? Wer oder was auch immer das Signal verursacht hat, wird doch schon längst zu Sternenstaub zerfallen sein. Genauso wie die Hintergrundstrahlung lediglich ein Echo eines enormen Ereignisses ist, das Milliarden von Jahren in der Vergangenheit liegt.
Was erwarten Sie also?" /
Nick schaltete die Aufnahme aus und stellte den Laptop weg. Frustriert drückte er die Handballen gegen seine Augen. Er sollte sich diese Aufnahmen wirklich nicht mehr anschauen. Als es darum ging, herauszufinden, was passiert war, hatte er das meiste nur im Schnelldurchlauf überflogen. Doch jetzt hatte er genug Zeit, sich auch die scheinbar belanglosen Selbstgespräche anzusehen und er konnte es einfach nicht lassen, obwohl er wusste, dass sie ihn nicht weiterbrachten. Es waren zumeist nur sentimentale Gedankengänge.
Eli würde sauer werden, wenn er herausfand, dass er die Aufnahmen noch immer hatte.
Sobald er zurückkam.
Nick ließ sich mit ausgestreckten Armen auf seinem Bett nach hinten fallen und starrte an die Decke. Endlich bewegte sich das Schiff wieder im FTL-Modus. Ihr nächster planmäßiger Halt für Material würde erst in einigen Tagen kommen. Bis dahin konnte etwas Ruhe auf dem Schiff einkehren. Das war Youngs Aussage gewesen.
Ruhe war das letzte was Nick brauchte. Sie gab ihm nur Zeit, nachzudenken und das führte momentan zu gar nichts. Er würde noch einige Minuten hier liegen bleiben, Energie sammeln und dann wieder an die Arbeit gehen. Wenn er sich darauf konzentrierte, blieb für alles andere kein Raum mehr.
o
Lieutenant Vanessa James trat durch das Sternentor, dicht gefolgt von ihrem Team. Sie sah sich aufmerksam um. So gut die Aufnahmen und Analysen des fliegenden Auges auch waren, sie konnten nie das ganze Spektrum eines neuen Planeten übermitteln.
Es hatte eine Zeit gegeben, da war es aufregend gewesen, der erste Mensch zu sein, der einen Fuß auf diese fremden Welten setzte. Doch das aufregende Gefühl und die Neugier waren der Routine und dem jeweiligen Missionsziel gewichen. Jetzt arbeiteten sie sich nur noch stumpf von Planet zu Planet um Nahrung und Ressourcen zu sammeln, in der Hoffnung, irgendwie einen Weg nach Hause zu finden. Und da war immer die Gefahr des Unbekannten, die jenseits des Tores lauerte. Egal ob es Naturgewalten waren oder außerirdisches Leben.
Vanessa verlor jeden Tag ein wenig mehr die Hoffnung, dass sie ihren Weg zurück zur Erde finden würden. Es hatte so oft geheißen, es geht nach Hause, und dann war doch wieder irgendetwas dazwischen gekommen, hatte irgendetwas nicht funktioniert. Manchmal fragte sie sich, ob die Crew, die bei einem der Versuche zweitausend Jahre in die Vergangenheit gereist war, nicht besser dran gewesen war. Die Aufzeichnungen hatten gezeigt, dass sie es nicht einfach gehabt hatten, doch wenigstens hatten sie eine Heimat gefunden, einen Ort zum Leben, der kein begrenzter Raum im Nirgendwo des Weltalls war.
Den Gedanken hatte sie in den letzten Wochen schon einige Male verfolgt, jetzt war jedoch nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Sie musste sich auf ihre Aufgabe konzentrieren.
Die Luft war trocken und warm und es ging kein Wind. Auf Dauer nicht das angenehmste Klima, aber sie hatten schon schlimmere Bedingungen gehabt.
Drei Monde standen am dunkelblauen Himmel über dem felsigen Gelände, zu zweidritteln voll. Einer von ihnen war beeindruckend groß und ließ die anderen beiden winzig wirken. Der Rest des Himmels war mit einer überwältigenden Anzahl von Sternen übersät, wie man es auf der Erde mit bloßem Auge kaum zu sehen bekam.
In der direkten Umgebung schien es nichts als Geröll zu geben. Ein häufiger Anblick, wenn sie durch das Tor traten. Es war schwer zu sagen, ob dies für den ganzen Planeten galt oder ob es hinter der nächsten Bergkuppe schon anders aussah. Aber zumindest war es ein guter Anfang für ihre Suche nach diesem Mineral, dessen Name sie sich nicht gemerkt hatte. Steine gab es jedenfalls genug, sodass sich Morrison und sein Kollege hier austoben konnten, sobald sie das Okay gaben.
„Rennie, Sie kommen mit mir Richtung Süden." Sie deutete geradeaus vom Tor weg, sodass die Monde links von ihr standen. Nicht weit von ihnen entfernt bildete das Gelände einen sanften Hang, der einen besseren Ausblick versprach. „Reynolds und Graham Richtung Felsformation im Norden. Bleiben sie in Funkkontakt."
„Ja, Ma'am", kam die automatische Antwort im Chor. Sie hätte es nicht einmal aussprechen müssen. Die Vorgehensweise war auf jedem Planeten die gleiche.
Die Männer verteilten sich und Vanessa lief auf den vor ihr liegenden Hang zu. Von hier unten war es schwer mehr zu erkennen. Der Boden unter ihren Schuhen war lose und scharfkantig. Mehrmals spürte sie das Geröll unter ihren Füßen nachgeben, doch sie konnte sich immer wieder fangen. Mit einer kurzen Geste deutete sie Rennie an, sich links von ihr einen Weg zu suchen, damit sie mehr Fläche abdecken konnten. Bald schon war er zwischen einigen Felsen aus ihrer Sicht verschwunden. Es war schwer zu glauben, dass es auf diesem Planeten irgendwelches Leben geben sollte, doch ausschließen konnten sie es auch nicht. Sie mussten achtsam bleiben.
Als Vanessa den Hang fast überwunden hatte, spürte sie ein leichtes Beben unter ihren Füßen, doch es war gleich wieder vorbei. Sie sah sich misstrauisch um, während weitere kleine Beben ihre Balance auf die Probe stellten. Bevor sie jedoch nach dem Funkgerät greifen und die anderen darauf ansprechen konnte, wurde sie von einem viel stärkeren Erdstoß überrascht. Diesmal verlor sie den Halt und rutschte weg. Sie machte sich innerlich auf einen harten, schmerzhaften Aufprall gefasst, doch der Sturz blieb aus als sich ein fester Griff um ihren rechten Oberarm schloss und sie im nächsten Moment gegen einen anderen Körper gezogen wurde. Sie fragte sich überrascht, woher Rennie so plötzlich gekommen war, als sie registrierte, dass ihr Helfer nicht die Militäruniform der Crew trug, sondern vollkommen fremde Stoffe. Sobald das Beben nachgelassen hatte, löste sie sich hastig und zog im Reflex ihre Waffe.
oOo
Eli öffnete die Augen und starrte in den Himmel über sich. Zwei kleine Monde und eine niedrigstehende Sonne teilten sich das gleichmäßige Hellblau. Es gab weder Wolken noch Vögel oder irgendetwas anderes. Der Anblick dieser Welten war längst nichts Neues mehr für ihn, es wirkte fast schon unspektakulär. Ignorierte man den zweiten Mond, konnte man sogar glauben, dass man sich auf der Erde befand. Doch er wusste, dass es nicht so war und dass sich dieser Ort schnell in eine Todesfalle verwandeln konnte, so wie jeder andere Ort auf ihrer Reise.
„Bleib im Hier und Jetzt", mahnte Eli sich selbst leise und setzte sich langsam auf. Die Realität war, dass er keine Ahnung hatte, wo er sich gerade befand und wie er hier her gekommen war. Das war grundsätzlich kein guter Ausgangspunkt. Er atmete tief durch und war ein wenig stolz auf sich, dass er nicht in blinde Panik ausbrach. Mit der Zeit hatte er wirklich Fortschritte gemacht.
Außerdem konnte er auch noch später in Panik verfallen. Was er als erstes brauchte, war eine genaue Analyse seiner Umgebung. Sein Rucksack lag neben ihm auf dem steinigen Boden, der verdammt unbequem war. Schwungvoll kam Eli auf die Beine und sah sich um. Nicht weit von ihm entfernt stand ein Sternentor, ansonsten schien es hier auf den ersten Blick nichts zu geben. Keine Pflanzen, keine Tiere, kein Wasser. Er hatte atembare Luft und war unverletzt, das war immerhin etwas.
Im Rucksack fand er alles, was er zuletzt hinein gepackt hatte. Unteranderem eine gefüllte Wasserflasche, Trockenfrüchte und seine alte Kleidung. Die hatte er gegen ein neues Outfit aus einem bequemen, robusten Stoff von den Aza'an getauscht. Jacke, Hose, Hemd und Handschuhe waren in verschiedenen mattblauen Tönen und so perfekt an seine Form angepasst, dass sie seinen Körper komplett verhüllten und nur noch seine Fingerspitzen frei ließen. Die Kleidung war zum Schutz nicht zur Tarnung gedacht.
Als er prüfend an seinen Hals tastete, fand er eine Kette mit drei kleinen Phiolen, die sicher unter dem Stoff verborgen lagen. Sie waren das wichtigste Geschenk seiner neuen Freunde gewesen und er würde alles in seiner Macht stehende tun, um die eine blau markierte seinem gedachten Nutzer zu übergeben. Die anderen beiden waren für einen Notfall, der hoffentlich nie eintrat.
Doch dafür musste er erst einmal hier wegkommen. Er holte das fliegende Auge und die Fernbedienung hervor und besah sich die Anzeige. Es gab nur eine einzige Adresse und die gehörte natürlich nicht zur Destiny. Das wäre auch zu einfach gewesen. Er erkannte die Adresse auch nicht, aber die Chance bestand, dass er von dem anderen Planeten aus mehr Adressen erreichen konnte. Ihm blieb nur die übliche Vorgehensweise: fliegendes Auge vorschicken und wenn es sicher war, hinterhergehen.
Eli kam sich ein wenig blöd vor, als er das Tor anwählte und das Ganze auch in die Tat umsetzte. Er konnte eigentlich nur auf diesem Wege gekommen sein, also wieso sollte der andere Planet nicht sicher sein? Aber das hatte er damals auch von dem Planeten gesagt, auf dem er für kurze Zeit mit Chloe und Matt gestrandet war. Er hatte seine Lektion gelernt. Außerdem musste seine Gedächtnislücke auch einen Grund haben. Vielleicht lag der ja dort.
Das fliegende Auge verschwand durch den Ereignishorizont und übertrug schon kurz darauf seine Daten. Eli las die Angaben zwei-dreimal, doch das Ergebnis blieb immer das gleiche. Die Atmosphäre war hochtoxisch. Auf diesem Wege war er nie und nimmer auf diesen Planeten gekommen.
Seine Gedanken begannen zu rasen.
Wie war er dann von den Aza'an hierhergekommen, wenn nicht durch das Tor?
Wie sollte er jetzt seinen Weg zurück zur Destiny finden?
War es okay, jetzt in Panik zu verfallen, egal wie wenig hilfreich es war?
Dummerweise war damit für ihn auch das fliegende Auge verloren und alle seine Aufzeichnungen der vergangenen Wochen.
„Verdammt." Er fluchte mehrmals verhalten und versuchte sich dann zu sortieren. Als er die Daten der Fernbedienung durchging, stockte er überrascht. Entweder war das Teil defekt oder zwischen dem letzten Mal als er auf die Uhr gesehen hatte und jetzt waren drei Tage vergangen. Ersteres schloss er aus und das war alles andere als beruhigend. Das Letzte woran er sich erinnern konnte, war sein abrupter Abschied von den Aza'an. Was hatte er in den drei Tagen seit dem getan und was war mit seinen Erinnerungen an diese Zeit passiert?
Diese vielen Fragen ohne Antworten hinterließen eine Hilflosigkeit, die es ihm schwer machte, klar zu denken.
Ein seltsames Gefühl unter seinen Füßen lenkte ihn ab. Der Boden bebte, erst nur ganz leicht, dann wurde es immer stärker. Er sah sich hastig um, doch er konnte nichts sehen oder hören, was eine Quelle der Beben sein könnte. Keine Herde von bizarren Tieren, keine offensichtlichen geologischen Formationen. Was nicht hieß, dass es im Boden unter seinen Füßen nicht anders aussah. Die Beben verebbten, bevor ein plötzlicher, viel stärkerer Erdstoß Eli fast von den Füßen riss. Er ging in die Hocke und stützte sich ab. Der Stoff an seinen Händen dämpfte den Kontakt mit dem scharfkantigen Gestein.
Misstrauisch wartete er darauf, dass weitere Beben folgen würden, doch es blieb still. Nur langsam traute er sich wieder aufzustehen.
Es brachte nichts einfach nur neben dem Tor abzuwarten und zu hoffen, dass die Destiny plötzlich auf der Fernbedienung auftauchen würde. Er hatte das unbestimmte Gefühl, dass er genau deshalb hier war, doch nichts tun war keine Option für ihn. Für den Fall, dass er hier länger aushaaren musste, musste er sich umsehen und nach Wasser, Nahrung und Schutz Ausschau halten. Sein Vorrat war für einen direkten Weg zurück zum Schiff gedacht gewesen, nicht für einen längeren Aufenthalt im Nirgendwo.
Er drehte sich einmal im Kreis und lief dann in einer geraden Linie vom Tor weg, die Monde links von sich. Der Weg war uneben und Eli kam nur langsam voran. Es brauchte seine volle Konzentration, auf dem Boden nicht den Halt zu verlieren und gleichzeitig die Umgebung im Blick zu halten, falls irgendwelche Aliens auftauchen sollten, auch wenn er sich wahrscheinlich nicht wirklich gegen einen Angriff wehren würde können. Mit Steinen könnte er werfen, davon gab es hier genug.
Seine Anstrengungen wurden mit einem freien Blick über eine riesige Ebene belohnt als er den höchsten Punkt des nun hinter ihm liegenden Hanges erreichte. Es wäre eine Erleichterung gewesen, wenn sich dort ein Wasserlauf und Vegetation befunden hätten, doch stattdessen gab es dort nur mehr Gestein und Trockenheit und große, dunkle Risse, die sich sternenförmig vom Zentrum der Ebene ausbreiteten. Mehr konnte Eli nicht erkennen, dafür war alles zu weit entfernt. Er musste sich entscheiden, ob er es in die andere Richtung versuchen wollte oder näher heranging.
Noch bevor er eine Wahl treffen konnte, begann der Boden erneut zu beben. Wieder war es erst eine Serie von kurzen, leichten Beben, dann ein großes, starkes. Durch Zufall hielt Eli seinen Blick dabei auf die Ebene gerichtet. Sofort wurde ersichtlich, dass die Beben und die Risse in Zusammenhang standen, denn der Boden hatte sich sichtlich ein wenig angehoben, während die Risse weiter wuchsen. Ob die Beben die Risse auslösten oder umgekehrt, konnte Eli nicht sagen, doch ein mulmiges Gefühl machte sich in ihm breit. Er warf einen kurzen Blick zurück in Richtung Tor, dann einen Blick auf die Fernbedienung, aber natürlich war die Destiny nicht innerhalb der letzten halben Stunde plötzlich aufgetaucht.
Er hatte wahrscheinlich mehr als genug Zeit um es später auch noch in die andere Richtung zu versuchen. Also machte er sich vorsichtig an den hindernisreichen Abstieg in die Ebene. Er hatte etwa den halben Weg geschafft, als er bemerkte, dass sich der Himmel über ihm verdunkelte. Die Sonne ging unter, während die kleinen Monde höher stiegen und sich am Horizont ein noch weitaus größerer Mond dazugesellte. Hoffentlich würde der genug Licht in der Nacht spenden. Absolute Dunkelheit war das letzte, was Eli gebrauchen konnte. Beunruhigt setzte Eli seinen Abstieg fort und stoppte schließlich auf einem Vorsprung etwa zehn Meter oberhalb der Ebene. Von dort konnte er endlich mehr Details erkennen.
Die untergehende Sonne warf lange Schatten auf einen Teil der Risse. Ihre Ränder schienen zu verschwimmen. Als Eli genauer hinsah, wich er unwillkürlich zurück. Die Ränder waren nicht verschwommen, sondern von unzähligen spinnenartigen Wesen mit aufrechten Oberkörpern verdeckt. Sie kamen aus der Erde und breiteten sich überall dorthin aus, wo das Sonnenlicht nicht mehr hinreichte.
Eli war nicht nah genug, um die Wesen genauer zu erkennen, doch er beschloss, dass er definitiv die falsche Richtung für seine Expedition gewählt hatte. Bei dieser enormen Anzahl hatte er nicht vor, mehr über sie herauszufinden ohne einen gesicherten Fluchtweg. Wenn er die Größe richtig einschätzte, hätte er wahrscheinlich nicht einmal gegen einen von ihnen eine Chance.
Jetzt erst recht auf seine Schritte bedacht, machte er sich auf den anstrengenderen Rückweg zum Tor, da dieser Hang weitaus steiler war als der auf der anderen Seite.
Eine neue Bebenserie bremste ihn aus, während er immer wieder nervöse Blicke über die Schulter zurück warf. Bisher schienen diese Wesen ihn aber entweder nicht bemerkt zu haben oder sie interessierten sich nicht für ihn. Und noch befand er sich im Schein der letzten Sonnenstrahlen. Was auch immer es war, er hoffte inständig, dass es so blieb.
Als er wieder bei den obersten Felsen ankam und so für seinen Geschmack wenigstens einen halbwegs sicheren Abstand zwischen sich und die Wesen gebracht hatte, fiel ein klein wenig der Anspannung von ihm. Doch was sollte er jetzt tun?
Am Tor warten, darauf hoffend, dass Hilfe kam, bevor Nahrung und Wasser aufgebraucht waren und diese Viecher ihn fanden?
In der anderen Richtung sein Glück versuchen, auf die Gefahr hin, dass es dort ähnlich aussah?
Die Sonne war mittlerweile fast ganz untergegangen, während der große Mond sich vom Horizont gelöst hatte. Elis Hoffnung stieg, dass die Nacht, wie auch immer sie auf diesem Planeten aussehen mochte, hell genug sein würde, um seine Umgebung zu sehen. Das wäre ein schwacher Trost, bei dem was er zuvor entdeckt hatte.
Wer oder was auch immer ihn hier abgesetzt hatte, hatte hoffentlich einen verdammt triftigen Grund dafür gehabt, sowie einen Plan, der nicht in seinem Tod endete.
Wenn er nur eine Möglichkeit hätte, mit der Destiny zu kommunizieren, schließlich ...
Eli stöhnte entnervt auf. Der Drohnenangriff, natürlich. Er war so ein Idiot, dass er nicht eher daran gedacht hatte. Er musste sich nur wieder in die Subspace-Kommunikation des Tores schalten. Mit dem Messer, das irgendwo in seinem Rucksack vergraben war, würde er schon irgendwie an die Schaltkreise kommen.
Mit ausreichendem Sichtschutz verharrte er am höchsten Punkt um eine Pause zu machen und die nächste Serie an Beben abzuwarten. Mittlerweile war ihm klar, dass diese in einiger Regelmäßigkeit auftraten und wenn ihn sein Zeitgefühl nicht trog, standen die nächsten kurz bevor.
Er nutzte die Zeit um etwas zu trinken und zu essen, während er die Fernbedienung hervorzog um noch einmal die aufgezeichneten Messwerte des Planeten zu prüfen. Vielleicht hatte er etwas übersehen, das ihm behilflich ...
Er musste zweimal hinsehen, um zu glauben, was er da sah.
Die Adresse der Destiny.
Unscheinbar blinkte sie ihm auf dem Display entgegen. Hastig wechselte er die Anzeige und konnte sein Glück kaum glauben. Dort blinkte das Signal einer zweiten Fernbedienung, doch sie bewegte sich von ihm weg. Eli vergaß seine Vorsicht und sprang auf, um den schnellsten Weg zum Tor zurück zu nehmen, noch während er das Essen wieder wegpackte. Er würde auf keinen Fall seine wahrscheinlich einzige Chance verpassen, diesen Planeten zu verlassen.
Wie er es vorhergeahnt hatte, begann im nächsten Moment eine erneute Bebenserie. Jetzt, wo er ihr Muster erkannt hatte, federte er die kleineren Beben in seinen Schritten aus, als hätte er nie etwas anderes getan. Er sprang zwischen zwei hohen Felsen hindurch und wäre beinahe in eine ihm bekannte Gestalt gelaufen, als der finale Erdstoß einsetzte. Sie strauchelte und Eli dachte nicht nach. Er fasste nach ihr und zog sie an sich, bevor sie stürzen konnte.
Kaum war das Beben vorbei, war sie bereits zurückgewichen und hatte ihre Waffe gezogen. „Vorsicht, ein Sturz in diesem Gelände könnte böse enden", sagte er erschrocken und hob die Hände.
„Eli?!" Sie sah ihn mit großen Augen an und er grinste einen Augenblick verlegen.
„Genau der."
„Wie bist du...?"
„Scht, nicht so laut. Wir sind hier nicht alleine." Er war die ganze Zeit nicht gerade leise gewesen und sie waren auch weit genug von den Rissen entfernt, doch Vanessas Stimme erschien ihm jetzt zu laut.
Sie trat noch einen Schritt zurück und hielt ihre Waffe auch weiter auf ihn gerichtet.
„Tut mir leid, aber bist du es wirklich?", fragte sie, die Unsicherheit deutlich im Gesicht, doch sie sprach tatsächlich etwas leiser. Ihre langen, dunklen Haare waren ein wenig in Unordnung geraden, zwei Strähnen hatten sich aus ihrem Zopf gelöst und fielen ihr ins Gesicht.
„Ja, ich bin's, komplett nanitenfrei. Zu Hundertprozent ich. Ich kann's beweisen. Als Riley und ich mit dem fliegenden Auge damals aus Versehen falsch abgebogen sind, wolltest du uns den Kopf abreißen ... Okay, schlechtes Beispiel. Das wird dir kaum als Beweis reichen, wenn du mich für eine Halluzination hältst, weil dann hätte ich ja die gleichen Erinnerungen wie du. Aber dann hätte ich dich eben nicht festhalten können. Und wenn ich von Aliens entführt und geklont wurde oder gesteuert werde, bringt das auch nichts, also..."
„Stopp." Eli schloss abrupt den Mund und hörte auf zu plappern. „Ich glaube dir, dass du es bist - nicht dass es ein Versehen war."
Eli grinste und antwortete nicht darauf.
„Was meintest du damit, dass wir hier nicht alleine sind?", wurde sie schnell wieder ernst und sah sich um. Sie richtete ihre Waffe nicht mehr auf Eli, aber steckte sie auch nicht wieder weg. Er deutete hinter sich zu den Felsen.
„Auf der anderen Seite befindet sich eine Ebene, auf der ein Schwarm von riesigen, außerirdischen was auch immer rumkrabbelt. In Anbetracht ihrer Überzahl würde ich eine Rückkehr zum Tor vorschlagen und eine Erkundung mit dem Auge aus sicherer Entfernung vorziehen."
„Zeig sie mir."
Eli murrte widerwillig, drehte dann aber um und lief voraus. Hinter dem nächsten Felsen konnte er bereits sehen, dass die Aliens sich noch weiter ausgebreitet hatten, denn der Boden der Ebene wirkte dunkler. Zu seinem Schrecken bewegten sie sich auch langsam auf ihre Position zu.
„Lieutenant James, hier Reynolds. Die Beben eben haben uns ziemlich durchgeschüttelt. Graham ist gestürzt. Abgesehen von ein paar Kratzern, sieht sein Bein nicht gut aus."
Vanessa hatte mit einer Hand das Fernglas hervorgeholt und beantwortete mit der anderen das Funkgerät. Die Waffe hatte sie dafür nach kurzem Zögern endlich weggesteckt.
„Verstanden. Kann Graham laufen?"
„Ja, das sollte gehen."
„Dann kehren sie aufs Schiff zurück, aber seien sie vorsichtig, wir sind nicht die einzigen auf dem Planeten. Rennie, haben Sie das mitgehört?"
„Ja, Lieutenant. Bei mir ist alles soweit klar, ich habe die Spitze erreicht und... Heilige ..." Er schien etwas zu fluchen, doch Eli konnte es nicht verstehen. „Was zum Teufel ist das?"
„Sag ihm, er soll sich zurückziehen. Wenn er näher rangeht und sie aufschreckt, haben wir keine Chance", warnte Eli eindringlich und Vanessa warf ihm einen düsteren Blick zu, der deutlich zeigte, was sie von seinem Hinweis hielt. Natürlich wusste sie auch ohne Elis Kommentar, was sie tat.
„Ich sehe es auch. Ziehen Sie sich zum Tor zurück, Rennie. Ich wiederhole, ziehen Sie sich zurück. Auf keinen Fall näher rangehen. Wir werden das später mit einem fliegenden Auge untersuchen."
„Verstanden."
„Lass uns zurückkehren, bevor die nächsten Beben kommen", sagte Vanessa nachdem sie Funkgerät und Fernglas wieder weggepackt hatte.
„Nichts lieber als das", entgegnete Eli erleichtert. Er wartete, dass Vanessa losging, doch sie sah ihn nur abwartend an. Es dauerte einen Moment, bis er verstanden hatte, und seufzend mit den Augen rollte. „Schon gut, ich geh vorne weg, aber lass bitte die Waffe stecken. Das ist wirklich unangenehm und nicht nötig."
„Du warst länger weg als irgendjemand anderes zuvor. Es wurde immer unwahrscheinlicher, dass du noch lebst. Niemand wusste ob und auf welche Art du zurückkommen würdest", erwiderte sie, während sie nach einander in zügigem Schritt dem Weg zurück zum Tor folgten. „Und was ist das für Kleidung?"
„Der aktuelle Trend unter den Aza'an. Bequem, robust und doch absolut chic." Eli drehte sich einmal um sich selbst mit ausgebreiteten Armen und grinste kurz, bevor er wieder ernst wurde. „Ich schwöre, ich bin ich. Kein Fremdeinfluss, keine Pläne zur Übernahme oder Zerstörung der Destiny. Ich will nur nach Hause kommen."
Bevor Vanessa etwas antworten konnte, stieß Airman Rennie im Laufschritt zu ihnen. Er blieb abrupt stehen, als er Eli sah und zog dann sofort seine Waffe.
„Lieutenant?", fragte er unsicher Richtung Vanessa, während Eli erneut nachlässig die Arme hob. „Miese Reaktionszeit, wirklich. Und wieso zielen alle auf mich? Das hat bei Chloe und Rush doch auch keiner getan. Ich wette Greer wird auch auf mich zielen, wenn er die Gelegenheit bekommt. Der mag mich einfach nicht."
„Eli!", warnte Vanessa und schüttelte den Kopf. „Nehmen Sie die Waffe runter, Airman. Es ist alles in Ordnung."
Es dauerte einen Augenblick bis Rennie die Waffe tatsächlich wegsteckte und Eli die Hände wieder runternehmen konnte.
„Hi", grüßte er den Airman mit einem schiefen Grinsen und erntete dafür einen finsteren Blick. Eli seufzte. „Sie nehmen mir doch nicht etwa das Schlafmittel übel?", fragte er direkt, erhielt aber keine Antwort. „Dann eben nicht, aber damit Sie es wissen, ich hätte auch die weniger sanfte Methode wählen können", murmelte Eli schulterzuckend vor sich hin. Auch wenn er damit nicht weit gekommen wäre, fügte er mental hinzu.
„Genug jetzt, das können wir auch noch später klären. Es wird Zeit, dass wir aufs Schiff zurückkommen", sagte Vanessa resolut.
Als sie nur noch wenige Minuten vom Tor entfernt waren, meldete sich Colonel Young über das Funkgerät. „Lieutenant James, bitte kommen."
„Hier James."
„Reynolds und Graham sind soeben zurückgekehrt. Gibt es bei Ihnen Probleme?"
„Nicht direkt, Sir, wir sind auch gleich am Tor. Wir sind auf Außerirdische gestoßen und es gibt in regelmäßigen Abständen Erdbeben. Der Planet ist nicht gerade sicher."
„Verstehe. Wir lassen das Tor für Sie offen."
„Danke, Sir ... und Colonel?" Sie sah zu Eli und der wurde nervös. Die Umstände unter denen er das Schiff verlassen hatte, holten ihn schlagartig ein. Sein erstes Treffen mit Young nach seiner Rückkehr, war ein Gedanke, den er in den letzten Wochen immer wieder durchgespielt hatte, doch er konnte absolut nicht einschätzen, wie der Mann reagieren würde. Vor der Crew wahrscheinlich erst einmal zurückhaltend.
„Ja, Lieutenant?", fragte der Colonel etwas ungeduldig, als Vanessa nicht gleich weitersprach.
„Wir haben etwas Interessantes gefunden. Können Sie ..." Sie wurde von einem vielfachen, markerschütternden Kreischen unterbrochen, woraufhin sie sich alle drei gleichzeitig umdrehten. Es wirkte, als würde sich eine schwarze Welle den Hang hinab bewegen, von dem sie gerade erst kamen. Die Aliens hatten sie entdeckt und so wie die sich auf sie zubewegten, sah das nicht nach einem friedlichen Willkommen aus.
„Oh, verdammt! Wir haben Verfolger, Sir. Halten Sie sich bereit und schließen Sie das Tor, sobald wir durch sind."
Vanessa musste nichts weiter sagen. Eli war automatisch losgelaufen, dicht gefolgt von Rennie und ihr. Sie hatten Glück, dass das Tor schon so nah und offen war.
Sie erreichten es und betraten die Rampe, doch im letzten Moment zögerte Eli, sodass er die anderen beiden ausbremste. Er musste sich eingestehen, dass es nicht nur der Colonel war, der ihn nervös machte. Auch die Reaktion der restlichen Crew machte ihm zu schaffen. Wie Vanessa es schon angesprochen hatte, war es nüchtern betrachtet wirklich ein Wunder, das er noch lebte. Das würde Misstrauen geben, da machte er sich keine Illusionen. Er würde sie davon überzeugen müssen, dass alles in Ordnung war, obwohl er selbst seine Zweifel daran hatte, wenn er an die verlorenen Tage dachte.
„Eli!"
Unsicher sah er zu Vanessa, doch ihm blieb keine Zeit zu reagieren. Rennie packte ihn am Arm und zog ihn mit sich durch den Ereignishorizont. Vanessa war die letzte, die durchs Tor kam.
Auf der anderen Seite wurde er von einem Anblick begrüßt, der ihm nur allzu vertraut war. Colonel Young stand hinter der Konsole neben Barnes und hatte noch immer das Funkgerät in der Hand. TJ kniete vom Tor abgewandt am Boden und schien einen ersten Blick auf Grahams lädiertes Bein zu werfen, während Reynolds ihn stützte. Morrison und einer seiner Kollegen standen mit Rucksäcken ausgerüstet etwas abseits. Wahrscheinlich hatten sie auf das Okay gewartet, auf den Planeten zu gehen. Eli blieb nicht die Zeit, den ganzen Raum zu erfassen.
Das sich schließende Tor hinter und die gelöste Sicherung einer Waffe rechts von ihm waren ohrenbetäubend in der plötzlich herrschenden Stille. Er hob automatisch die Arme, während er einen düsteren Blick zu Greer warf, der offenbar gemeinsam mit Sergeant Michaels für die Sicherung des Torraums zuständig war.
„Tadaaaa, ich bin zurück. Und fürs Protokoll: die Wette hätte ich gewonnen", flüsterte er viel zu laut zu Vanessa, die ihm dafür ein ehrliches Grinsen schenkte, bevor sie es verhindern konnte.
„Eli?!" TJ drehte sich abrupt zu ihm. Ihr erschrockener Blick wurde von strahlender Freude abgelöst, während endlich auch Young reagierte. „Greer, nehmen Sie die Waffe runter."
„Danke, meine Arme fingen schon an, einzuschlafen", scherzte Eli unsicher, als Greer dankbarerweise dem Befehl sofort nachkam.
„Eli, Sie haben uns einen ganz schönen Schrecken eingejagt", sagte Young, während er hinter der Konsole hervortrat und ein paar Schritte näher trat. Die Distanz, die er jedoch bei seinen Worten ausstrahlte, war unerwartet. Definitiv nicht das, was Eli sich gewünscht hatte.
„Das war nicht meine Absicht." Ungewollt passte Eli sich der Distanz an und hatte eine unangenehme Vorahnung darüber, was als nächstes kommen würde.
„Wir sind alle auf Ihre Geschichte gespannt, aber zuerst lassen Sie sich von TJ untersuchen."
„Natürlich, was auch sonst." Eli seufzte. Konnte Young das nicht ein wenig freundlicher sagen?
„Sergeant Greer, würden Sie Eli bitte den Rucksack abnehmen." Eli ließ den Rucksack von seinen Schultern zu Boden gleiten. Da war nichts drin, was die anderen nicht sehen durften.
„Wie haben Sie ihn gefunden, Lieutenant?", wandte Young sich dann an Vanessa, als wäre Eli nicht mehr da.
„Er hat uns gefunden, Sir."
„Als ich zu dem Planeten mit dem Camp zurückkam, war die Destiny schon weg und mir blieb nichts anderes übrig als der Torkarte in meinem Kopf zu folgen, in der Hoffnung, sie unterwegs abzupassen." Young konnte Eli die kalte Schulter zeigen, so viel er wollte, hier ging es trotzdem um ihn. Das war nicht zu ändern.
„Ich habe mein fliegendes Auge bei der letzten Planetenerkundung verloren und konnte nicht mehr weiter." Eli versuchte sich die Lüge nicht anmerken zu lassen. Wenn auch nur einer auf dem Planeten einen genaueren Blick auf die Fernbedienung geworfen hatte und eins und eins zusammenzählte, dann würde auffallen, dass an seiner Geschichte etwas nicht stimmte, doch niemand unterbrach ihn.
„Mir blieb nur zu hoffen, dass die Destiny irgendwann auf der Fernbedienung auftaucht und in der Zwischenzeit wollte ich den Planeten erkunden, für den Fall dass das länger dauern würde. Ihr Timing war perfekt. Ich wollte die Nacht nur ungern da verbringen. Zu überfüllt für meinen Geschmack."
Airman Rennie hatte sich von Eli entfernt und zu seinen Kameraden begeben. Bevor jemand nachfragen konnte, was Eli meinte, setzte er für ihn die Erklärung fort. „Etwa zwei Meter große spinnenartige Aliens, Sir. Da waren hunderte davon in einer Ebene etwa zwei Kilometer südlich vom Tor. Die müssen uns irgendwie bemerkt haben. Kurz bevor wir durchs Tor kamen, waren sie nicht weit hinter uns. Dieses Mineral, das wir brauchen, werden wir dort wohl nicht bekommen."
„Die Viecher scheinen sonnenscheu zu sein. Sie kamen erst heraus, als die Sonne unterging und haben sich anfänglich nur im Schatten bewegt. Wenn das Material so wichtig ist, könnte man es höchstens am Tag versuchen", fügte Eli noch seine Beobachtung hinzu.
Colonel Young schien einen Moment zu überlegen und wandte sich dann an Barnes. „Richten Sie eine Überwachung mit den fliegenden Augen ein. Lassen Sie sich von James und Rennie beschreiben, auf welches Gebiet Sie sich konzentrieren sollen. Wir werden sehen, ob wir uns mit diesem Planeten weiter auseinandersetzen, oder ob die Datenbank noch andere Optionen für uns hat. Halten Sie mich auf dem Laufenden."
„Ja, Sir."
TJ kümmerte sich unterdessen um ihre Patienten. „Corporal Reynolds, helfen Sie Graham zur Krankenstation. Wir werden ihn dort versorgen. Es scheint nichts gebrochen zu sein, aber die Wunde muss ausgewaschen und verbunden werden. Schaffen Sie es bis dorthin?"
„Ja, Ma'am", erwiderten die beiden Männer und gingen voraus, einer den anderen stützend. Dann wandte sie sich an Eli. „Kommen Sie? Umso schneller haben Sie es hinter sich."
„Bleibt mir denn eine Wahl?" Eli hatte den Drang die Hände tief in seinen Jackentaschen zu vergraben, doch weil der Anzug so etwas nicht hatte, umklammerte er nur kurz den unteren Saum der Jacke, bevor er seine Hände zur Entspannung zwang und sich ihr anschloss. Als sie den Raum verließen, sah er noch wie Young Sergeant Michaels Zeichen gab. Der Mann folgte ihnen daraufhin schweigend.
„Es ist schön, dass du zurück bist Eli. Wir haben dich vermisst", sagte TJ vertraulicher kaum dass sie den Torraum verlassen hatten. Er rang sich ihr zuliebe ein Lächeln ab.
„Ging mir nicht anders. Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat."
„Jetzt bist du wieder hier. Das ist das Wichtigste. Chloe wird sich freuen. Brody und Volker auch, Rush hat sie fast in den Wahnsinn getrieben, während du weg warst."
„Ich wusste nicht, dass ich ihm so viel bedeute", entgegnete Eli mit einem schelmischen Augenaufschlag. Sie grinsten beide.
Auf der Krankenstation übernahm jemand anderes die Versorgung von Grahams Bein, so konnte TJ sich direkt um Eli kümmern.
„Setz dich und zieh die Jacke aus, ich will..." Sie stockte und sah Eli mit großen Augen an, als dieser das Oberteil seines Anzuges auszog und seine Hände und Arme freilegte.
„Was ist?", fragte er unbehaglich.
„Deine Brandnarben."
„Oh, das." Eli sah auf seine Arme und zuckte verlegen mit den Schultern. Es war so viel passiert, dass er das ausgeblendet hatte, und unter der langen Kleidung war fast die ganze Haut bisher verborgen gewesen. „Bevor die Aza'an mir die Lita entfernt haben, konnte ich endlich bewusst mit ihnen kommunizieren und sobald sie rausgefunden hatten, dass die Narben einen konkreten Zellschaden darstellen, haben sie alle Spuren repariert. Ist noch etwas ungewohnt. Ich sah für einige Tage aus, wie eine sich häutende Schlange. Hat auch gejuckt wie Sau."
„Zieh dein Shirt aus, die Hose auch", kommentierte TJ resolut, nachdem sie sich von dem Schock erholt hatte, und Eli seufzte.
„Muss das sein?"
„Ja."
Eli griff das schlichte Shirt, das er unter der Jacke trug, am unteren Saum und zog es sich über den Kopf, die Hose folgte ebenfalls. Er hatte keine einzige Narbe mehr. Das war tatsächlich ein wenig unheimlich. Dafür war jetzt deutlich die Kette zu sehen, die er unter dem Stoff getragen hatte, und das Tattoo auf seinem linken, unteren Rippenbogen. Es bestand aus einer Reihe von Kreisen und Spiralen und schien keinen wirklichen Sinn zu ergeben.
Ein Tattoo, an dessen Ursprung er sich nicht erinnern konnte.
„Woher hast du das?", fragte TJ auch prompt und berührte es vorsichtig. Eli zuckte zurück. „Nicht!" Sie sah ihn erschrocken und ein wenig misstrauisch an und Eli versuchte zu lächeln. „Entschuldige. Das war nach den Naniten und ist noch etwas empfindlich." Eli überlegte einen Spruch zum Thema Konsequenzen einer durchfeierten Nacht zu machen, ließ es dann aber bleiben. Er wollte sich nicht unnötig verraten.
„Es ist nur eine Erinnerung, nicht weiter wichtig." Eine Erinnerung, die er nicht hatte. „Cooler als die Narben sieht es allemal aus... Kann ich mich jetzt wieder anziehen? Es ist kühl."
„Gleich. Und was ist das für eine Kette? Die ist neu?"
„Ja. Ein Geschenk." Eli griff instinktiv an den Anhänger, der die Phiolen in einem verworrenen Muster integrierte und so unscheinbar werden ließ. Er hoffte, dass niemand auf die Idee kam, ihm die Kette abzunehmen.
„Sie ist schön", sagte TJ und beließ es dann dabei. Sie ging einmal um ihn herum und betrachtete seine Haut, wahrscheinlich auf der Suche nach Parasiten. Er ließ es unbehaglich über sich ergehen und war froh, als er sich endlich wieder anziehen durfte.
„Ich brauche nur noch etwas Blut, dann bin ich gleich fertig."
Gehorsam hielt Eli ihr seinen Arm entgegen. Während sie sich nahm, was sie brauchte, sah er zu Young, der mittlerweile nachgekommen war, aber geschwiegen hatte. Der scharfe Blick zu seinen Armen und seinem Hals war ihm nicht entgangen.
„Ich habe schon erwartet, dass Sie sauer sind, aber wollen Sie überhaupt nichts sagen?", fragte Eli, als sich die Stille zwischen ihnen in die Länge zog.
„Warum glauben Sie, dass ich sauer bin?"
„Weil ich gegangen bin, hinter Ihrem Rücken. Ich weiß, dass Ihnen das nicht gefallen hat."
„Sie sind wieder hier und offenbar gesund. Das ist alles, was zählt." Youngs Stimme hatte einen Unterton, der so vieles unausgesprochen ließ. Offensichtlich war Elis Rückkehr eben nicht alles, was zählte.
Eli wandte den Blick ab, gerade rechtzeitig um Chloe zu sehen, die in den Raum gerannt kam. Weil TJ erst einmal mit ihm fertig war, hatte er beide Arme frei, um sie aufzufangen und ihre Umarmung zu erwidern.
„Eli! Oh mein Gott, du bist es wirklich. Ich bin so froh, dass du wieder da bist. Wir haben dich so vermisst."
„Hey Chloe." Er schloss für einen Moment die Augen und genoss die Nähe zu ihr. Young hatte wirklich keine Ahnung, was er in den letzten drei Wochen mitgemacht hatte. Eli mochte sich nicht an alles erinnern, aber die Erinnerungen, die er hatte, reichten für ein ganzes Leben.
„Ich hab dich auch vermisst. Sorry, dass ich einfach verschwunden bin und dass es so lange gedauert hat", sagte er leise. Es würde wohl für eine Weile sein Standardspruch werden.
„Das ist jetzt egal, du bist wieder da."
„Ja." Hinter ihr konnte er sehen, wie Matt hereinkam, gefolgt von weiteren Crewmitgliedern. Offenbar hatte sich herumgesprochen, dass er zurück war und jeder wollte sich selbst überzeugen. Wenn das weiter so ging, würde es hier bald verdammt voll werden.
Er schaffte es nur schwer, Chloe wieder von sich zu lösen. „Also raus mit den Fragen. Damit wir das hinter uns bekommen." Eli musste gähnen, gleichzeitig knurrte sein Magen. Es fühlte sich an, als wäre es schon eine Ewigkeit her, dass er vor dem Tor aufgewacht war. Doch auf seine Worte hin, begannen alle gleichzeitig durcheinander zu reden. Die Taktik war nicht so schlau gewesen.
„Genug", forderte Young laut genug, dass alle verstummten. „Das hier ist immer noch eine Krankenstation. Ich werde mich mit Eli unterhalten und sobald TJ fertig ist, kann er all ihre Fragen in der Messe beantworten. Raus jetzt, alle die hier nichts verloren haben... das gilt auch für Sie, Chloe", setzte Young noch nach, als sie keine Anstalten machte, sich von Elis Seite zu lösen.
Als der Raum fast leer war, sah Eli wieder zu Young. „Dass wir uns unterhalten, würde beinhalten, dass Sie tatsächlich mit mir reden und mich nicht nur wieder anstarren."
„Im Moment ist nicht wichtig, was ich zu sagen habe. Ihre Geschichte interessiert mich mehr."
„Okay." Eli setzte sich bequem auf die Liege und versuchte, seine Erinnerungen halbwegs sinnvoll zusammenzufassen. Doch bevor er anfangen konnte, wurden sie erneut unterbrochen.
Wie aus dem Nichts stand Rush plötzlich in der Tür und sah sie nur schweigend an.
„Hi", sagte Eli, ein wenig verlegen, bekam aber keine Antwort. Rush drehte einfach um und ging wieder. Eli blieb verwirrt zurück. „Was war das denn?"
„Wahrscheinlich wollte er sich nur selbst davon überzeugen, dass Sie wieder da sind. Dass er Ihnen geholfen hat, hat ihm keine Sympathiepunkte gebracht. Von mir schon gar nicht."
„Oh." Eli sah betroffen zu Boden. Dass er Rush mit seiner Bitte so sehr in Schwierigkeiten bringen würde, hatte er irgendwann komplett ausgeblendet. Später musste er sich unbedingt richtig mit ihm unterhalten.
„Sie wollten gerade erzählen, was passiert ist", unterbrach Young Elis Gedanken.
„Ach ja, stimmt. Also, nachdem ich das Schiff verlassen hatte, bin ich den Adressen auf der Liste gefolgt. Rush hat Ihnen sicherlich davon erzählt. Unterwegs gab es keine Probleme. Und nein, die Sache fiel mir nicht leicht. Ich hab vor der letzten Adresse mehrmals überlegt, umzudrehen. Am Ende bin ich durchgegangen. Auf der anderen Seite bin ich auf die Aza'an gestoßen, aber bevor ich irgendetwas tun oder sagen konnte, haben die Lita die Kommunikation übernommen. Das ist ein Gefühl, das sich kaum beschreiben lässt. Ich war mit allen im Umkreis vernetzt. Gedanken, Gefühle, Bilder. Die Aufregung über mein Auftauchen war so groß, dass ich unkontrolliert alles auf einmal abbekommen habe. Das war zu viel für mich und es hat mich umgehauen.
Als ich wieder zu mir kam, hatten sie schon weitestgehend herausgefunden, was passiert war. Xavens Freunde, der Aza'an den Matt getötet hat, hatten die Aufgabe übernommen, sich um mich zu kümmern und am Anfang war das nicht lustig, aber ich habe gelernt, bewusst mit ihnen zu kommunizieren, und als sie schließlich das ganze Bild verstanden hatten und was es für mich bedeutete, dass ich zu ihnen gekommen war, haben sie mir geholfen."
„Das hätte auch anders ausgehen können."
„Ich weiß, aber hier hätte ich auch nicht mehr lange durchgehalten. Mein Zustand hat sich bei ihnen weiter verschlechtert und als sie verstanden haben, wo das Problem lag, haben sie berechnet, dass ich vielleicht noch eine Woche gehabt hätte, bevor mein Immunsystem im Kampf gegen die Lita mich innerlich verbrannt hätte. TJ hätte es nicht verhindern können."
„Diese Außerirdischen klingen sehr fortgeschritten. Rush und das Team sind auch nicht weiter gekommen, bei dem Versuch die Daten aus dem Schiffswrack zu entschlüsseln. Aber wenn ich das richtig verstanden habe, haben die jetzt ihr gesamtes Wissen. Denken Sie nicht ..."
„Sie sind keine Gefahr, wenn Sie darauf hinauswollen", unterbrach Eli ihn.
„Sind Sie da sicher?"
„Ja, sie haben kein Interesse daran, die Destiny und uns anzugreifen. Es hätte keinen Nutzen für sie."
„Würden sie uns helfen können, zur Erde zu kommen?"
„Nein, dafür fehlen ihnen im Moment die Ressourcen."
„Haben Sie denn gefragt? Wenn es nur die Ressourcen sind, kann man vielleicht..."
„Nein!", unterbrach Eli Young erneut, diesmal etwas zu heftig, und wandte den Blick hastig ab. „Sie hätten uns nicht helfen können. Sie haben ihre eigenen Probleme. Belassen Sie es dabei", bat er dann kleinlaut und wusste, dass er mit diesem Verhalten nur noch mehr Fragen aufwarf, die er im Moment nicht beantworten wollte.
„Also haben Sie mir eben nicht die ganze Geschichte erzählt."
„Nein, natürlich nicht. Ich weiß, dass das nicht hilfreich ist und dass es Ihnen in erster Linie darum geht, herauszufinden, ob ich eine Gefahr für das Schiff bin. Das bin ich nicht. Wirklich. Alles andere ... Sie haben keine Ahnung, was dort passiert ist. Das war nicht nur ein ‚Hallo, heilt mich, lasst uns Party machen und ich bin wieder weg'. Für die ganze Geschichte brauche ich mehr Zeit."
Eli war dankbar, als TJ im nächsten Moment wieder zu ihnen trat, ein sanftes Lächeln auf den Lippen. „Keine Naniten und auf den ersten Blick auch keine anderen Fremdkörper. Dein Blut ist scheinbar sauber, Eli." Er erwiderte ihr Lächeln und sparte sich ein ‚hab ich doch gesagt'.
„Danke, TJ", sagte Young und sie ging sich wieder anderen Aufgaben widmen.
Eli sah Young entschieden an. „Ich wollte nie so lange wegbleiben. Hätte ich gekonnt, ich wäre eher zurückgekommen, jetzt kann ich es nicht mehr ändern. Ich weiß nicht, was hier passiert ist, während ich weg war, und es tut mir leid, aber wir müssen irgendwie weiter machen."
Young schwieg eine ganze Weile. Eli konnte nicht einschätzen, was er dachte, und war froh, als er endlich antwortete.
„Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, aber warten Sie nicht zu lange. Ich erwarte, dass Sie bald auf der Erde einen Bericht abliefern und der sollte dann vollständig sein. In der Zwischenzeit bleibt mir keine andere Wahl, als Sie weiter unter Bewachung zu halten. Sie mögen keine Naniten mehr in sich tragen, aber das heißt nicht, dass Sie nicht irgendwie anders beeinflusst wurden."
„Natürlich, was auch sonst."
„Ich begleite Sie zur Messe, bis dahin sollten Sie sich eine bessere Reaktion auf die Frage nach Hilfe von Ihren neuen Freunden überlegt haben. Eine Lüge wird Ihnen hier kaum helfen."
„Ich weiß, danke."
Sobald er die Messe betreten hatte und Young gegangen war, wurde er mit Fragen bestürmt. Er beantwortete sie geduldig, während er seinen Hunger mit einem großen Teller von Beckers aktueller Kochkunst stillte. Fragen, die zu nah an Themen kamen, die er noch nicht teilen wollte, umging er geschickt. Er wollte das Mitleid nicht und das Verständnis, das keines war, denn was passiert war, war seiner Meinung nach kaum zu verstehen.
Es war leicht sie mit Beschreibungen des Mondes und der Technik zu unterhalten und so von dem, was ihn am längsten aufgehalten hatte, abzulenken. Glücklicherweise musste er auch nicht den Alleinunterhalter mimen. So wie er seine Geschichte erzählte, erfuhr er von den umstehenden, was während seiner Abwesenheit passiert war.
In all dem Trubel und trotz seiner wachsenden Müdigkeit entging ihm nicht, dass zwischen denen, die sich offen freuten, auch andere waren, die Abstand hielten und eher misstrauisch blickten. Es war also so, wie er erwartet hatte.
Chloe, die kaum von seiner Seite wisch, half ihm dabei, das die meiste Zeit auszublenden. Es brauchte einiges an Versprechen und Beruhigung, um sie später loszuwerden. Wahrscheinlich, hätte sie an seinem Bett Wache gehalten, um sicher zu gehen, dass er nicht wieder verschwand, hätte er es zugelassen. Als er endlich allein in seinem Quartier war, hatte er einen kleinen Moment lang Angst vor den Träumen, die ihn erwarten würden. Doch er war körperlich und geistig so müde, dass er das erste Mal seit Langem in sein eigenes Bett fiel und tatsächlich nach kurzem tief und fest eingeschlafen war.
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Am nächsten Morgen machte er sich als aller erstes auf die Suche nach Lisa, die er schließlich auf dem Observationsdeck fand. Um diese Zeit war hier fast niemand und jene, die ihm fragend misstrauische Blicke zuwarfen, ignorierte er so gut es ging. Er verstand ihre Vorsicht ja, aber es tat trotzdem weh und er hatte keine Ahnung, wie er sie davon überzeugen sollte, dass er immer noch Eli war und keine ferngesteuerte Marionette, mit dem Ziel Destiny auszuspionieren oder gar zu zerstören.
Im Moment blieb ihm nur ein Schritt nach dem anderen zu machen. Deshalb ging er auch direkt zu Lisa, die allein auf einer Bank saß und scheinbar gedankenlos ins All starrte. Die große Sonnenbrille, die ihre Augen noch immer verdeckte, beantwortete ihm bereits die Frage, die er hatte stellen wollen.
"Lisa?", fragte er leise, um sie nicht zu erschrecken, doch sie zuckte trotzdem ein wenig zusammen.
"Eli?"
"Ja. Darf ich mich zu dir setzen?"
"Natürlich."
Eli atmete erleichtert auf und setzte sich, den Rücken zur Tür, wo sein permanenter Schatten stehen geblieben war. Er hatte der Wache zwar zugestimmt, doch das bedeutete nicht, dass es ihn nicht störte. Und eine Wahl hatte er ohnehin nicht gehabt. Um sich abzulenken, konzentrierte er sich voll auf das Gespräch.
"Wie geht es dir?"
"Gut."
"Wirklich?"
Lisa seufzte. "Nicht wirklich. Ich fühle mich überflüssig. Meine Augen werden nicht besser. Ich kann zwar hier und da Berechnungen machen, aber die meiste Zeit bin ich nur Ballast und weiß nicht, was ich mit mir anfangen soll. Und du?"
"Auch gut."
Lisa wandte ihr Gesicht Eli zu und legte den Kopf leicht schief. "Ich mag blind sein, aber nicht taub. Du bist noch nicht einmal einen Tag zurück und schon wird geredet. Die Zeit ohne dich, hat viele ganz schön runtergezogen. Alle wollten, dass du zurückkommst. Aber jetzt wollen sie nicht so recht glauben, dass du es wirklich bist, und halten Abstand, oder?"
"Ja. Aber was soll ich machen? Ich kann sie nicht zwingen, mir zu glauben."
Sie zuckte mit den Schultern. "Ich glaube dir."
"Danke." Eli fühlte sich ein wenig erleichtert, weil es das für ihn einfacher machte. Er prüfte unauffällig, ob ihnen jemand zuhörte, doch niemand war in direkter Nähe, so sprach er leise weiter. "Ich weiß nicht, wie viel du gestern tatsächlich mitbekommen hast, aber ich möchte dir etwas erklären. Hör mir einfach nur zu, okay?"
Lisa zog die Augenbrauen nachdenklich zusammen und nickte dann langsam.
"Xaven hatte mich mit seinen eigenen Naniten infiziert. Diese sind schon seit so vielen Generationen im Blut der Aza'an, dass sie begonnen hatten, von ihrer ursprünglichen Programmierung abzuweichen. Sie entwickelten sich eigenständig weiter, verbanden sich mit den Zellen ihrer Träger und so entstanden die Lita.
Die Aza'an konnten alle Lita aus mir entfernen und ich bin wirklich nur noch ich. Keine Mutationen, keine Gedankenkontrolle, keine Gefahr. Aber die Aza'an haben auch noch immer die einfachen Naniten, die programmiert werden können, für individuelle Aufgaben. Sie gehören zu ihrem Alltag. Ich ..." Eli stockte.
"Ich habe ihnen erlaubt, mich zu studieren und mit den Naniten haben sie mein ganzes Wissen erhalten. Vor der Rückkehr zur Destiny habe ich um einen Gefallen gebeten."
Unauffällig holte Eli den Anhänger unter seinem Hemd hervor und löste die kleine blaue Phiole aus der Halterung. Er nahm Lisas Hand in seine und drückte ihr dabei den kleinen Glasbehälter in die Hand, bevor er sie wieder losließ. "Das sind Naniten, darauf programmiert, den Schaden an deinen Augen zu reparieren. Das ist ihre einzige Aufgabe. Wenn sie das erledigt haben, schalten sie sich ab und werden wie jeder andere Fremdkörper einfach aus deinen Augen gespült. Sie gehen nicht ins Blut, sie vermehren sich nicht, sie entwickeln sich nicht weiter. Das Problem ist, dass es keine Garantie gibt, dass es richtig funktioniert, nur mein Wort, dass ich nicht noch einmal zulasse, dass dir etwas passiert. Ich konnte dich nicht retten, aber vielleicht kann ich dich so heilen."
Lisa schluckte schwer. Eli konnte sehen, dass sie mit ihren Emotionen zu kämpfen hatte, auch wenn er ihre Augen hinter den dunklen Gläsern nicht sehen konnte. "Wieso bist du damit nicht zu TJ gegangen, oder dem Colonel?", fragte sie leise.
"Weil ich möchte, dass es deine Entscheidung ist. Es geht nur um dich. Niemand sollte dir vorschreiben, dass es zu gefährlich ist und dir den Versuch verbieten, aus Mistrauen mir oder den Aza'an gegenüber. Du musst es aber nicht geheim halten, ich wollte nur, dass es in deinen Händen liegt."
Nach kurzem Zögern fuhr Eli fort. „Ich hätte auch welche für TJ mitgebracht, wenn das möglich gewesen wäre, aber so leicht ist das nicht. Ein paar defekte Nerven zu reparieren ist etwas anderes, als DNA zu manipulieren, die weder ich noch die Aza'an verstehen."
"Oh Eli."
Eli stand abrupt auf. "Ich sollte weiter. Mein Schatten langweilt sich sicher, wenn ich zu lange hier rumsitze. Das kann ich nicht verantworten."
Ein Lächeln schlich sich in Lisas Mundwinkel. "Danke, Eli. Ich werde darüber nachdenken."
"Lass dir alle Zeit der Welt. Warne mich nur, wenn du es jemandem erzählst, damit ich in Deckung gehen kann. Dieses kleine Geheimnis wird nicht gerade dabei helfen, das Vertrauen aller anderen wieder zu gewinnen, doch das ist es mir wert." Er ging zu Airman Tracey, bevor Lisa noch etwas dazu sagen konnte, und grinste ihn breit an.
"Ich hab Mordshunger. Wenn Sie gerade nichts zu tun haben, können sie mir ja beim Frühstück Gesellschaft leisten."
Wenn er seine fröhliche Maske nur lange genug trug, würde es vielleicht bald keine Maske mehr sein.
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