Verzeiht bitte die unregelmäßigen Updates – der Weihnachtsstress ist die Hölle. Im Türchen Nr. 12 – das bis etwa zur Ernennung Soneas zur Novizin des Hohen Lords canon ist – befindet sich ein Oneshot mit Sonea und Regin im Fokus (kein Pairing, keine Sorge). Lasst euch überraschen!
Danke an lovethis für das Review! Thank you for reviewing and reading this story even though you have to use google translate to do so! I originally intended to publish this story in English too but I found that, at the moment, I don't have the time to translate all 24 chapters (especially since I did not receive much reviews for the English version either), which is why there are only 3 for now. However, if people are interested in reading all 24 one-shots in English, I would be willing to translate and upload them :-) Anyway, thanks for reviewing and I hope you keep reading my story.
12. Der Widersacher
Als Sonea an diesem Morgen das Klassenzimmer betrat, war etwas anders. Anfangs konnte sie es sich nicht erklären, denn es waren keine offensichtlichen Unterschiede erkennbar. Die Novizen an den kleinen Tischen waren noch dieselben, und auch der Raum selbst sah noch genauso aus wie am Tag zuvor. Verwirrt ließ Sonea ihren Blick noch einmal durch das Zimmer schweifen, doch als sie erneut nichts entdecken konnte, schrieb sie das seltsame Gefühl ihrer schlaflosen Nacht zu und setzte sich auf ihren üblichen Platz. Sie war gerade dabei, ihre Schreibutensilien auf dem Tisch zu plazieren, als ihr plötzlich einfliel, was seltsam war: Niemand beachtete sie. Nicht, dass sie üblicherweise viel Aufmerksamkeit bekam, das Fehlen negativer Zuwendung seitens der anderen Novizen war jedoch ungewöhnlich.
Anfangs, nachdem sie die Novizin des Hohen Lords geworden war, hatte man sie zum größten Teil in Ruhe gelassen, zumindest in der Öffentlichkeit. Nach einiger Zeit jedoch hatten die anderen Novizen gemerkt, dass es durchaus Dinge gab, mit denen sie durchkamen. Also hatten sie sich allerlei kleine, perfide Gemeinheiten überlegt, um ihr das Leben so schwer wie irgend möglich zu machen, ohne dabei besonders aufzufallen. Es war also sehr merkwürdig, dass bis jetzt niemand ihre Schreibutensilien hatte davonschweben lassen; ihr Tintenfass hatte sich noch nicht wie von Zauberhand über ihre Notizen ergossen und auch auf ihrem Stuhl hatte sie nichts Unappetitliches vorgefunden.
Sonea glaubte nicht daran, dass sie plötzlich die Lust verloren hatten, sie zu piesaken/ärgern, vor allem nicht Regin. Wo war er überhaupt?Ein schneller Blick über die Schulter zeigte ihr, dass er noch nicht auf seinem üblichen Platz schräg hinter Sonea saß. Erst kurz vor Unterrichtsbeginn betrat er schließlich das Klassenzimmer. Sonea musterte ihn überrascht. Statt sie zu begrüßen ignorierte Regin die anderen Novizen, die sich zu ihm umdrehten, ging ohne ein Wort an ihnen vorbei und ließ sich in seinen Stuhl fallen. Er schien einen besonders schlechten Tag zu haben. Vielleicht hat ja sein Diener vergessen, ihm heute morgen sein Frühstück in einer gldenen Schüssel zu servieren, dachte Sonea spöttisch.
Gleich nach Regin betrat Lord Elben den Raum und begann zu sprechen, weswegen Sonea ihre Aufmerksamkeit nach vorne richtete und begann, sich sorgfältig Notizen zu machen. Nach einer Zeit hörte sie, wie die anderen Novizen hinter ihr zu flüstern begannen. Sie straffte sich in der Erwartung, gleich ihren eigenen Namen zu hören, was jedoch nicht geschah. Stattdessen vernahm sie etwas, das wie Schande und ungeheuerlich klang. Sie runzelte die Stirn. Nicht, dass ihre Bevorzugung durch den Hohen Lord nicht schon öfter als Schande bezeichnet worden war, doch meistens gelang es ihren Klassenkameraden, ihre Empörung über Soneas Existenz bis zu den Pausen für sich zu behalten.
Auch Lord Elben schien die Unaufmerksamkeit seiner Novizen zu bemerken und wies sie mit wachsender Verärgerung mehrmals zu recht. Als der Unterricht schließlich vorüber und Lord Elben entnervt aus dem Raum gerauscht war, beeilte Sonea sich, es dem Magier gleichzutun. Sie wollte vor dem Mittagessen noch in die Novizenbibliothek, um für die morgige Prüfung in theoretischer Kriegskunst zu lernen. Auf dem Weg dorthin musste sie einen Umweg durch einen seltener frequentierten Bereich der Universität machen, um sicherheitshalber die geheimen Gänge zu meiden, die Akkarin ihr vor kurzem zu benutzen verboten hatte.
Als sie um eine Ecke bog, hörte sie plötzlich vielstimmiges, höhnisches Lachen und verfluchte sich für ihre Vorsicht und Akkarins Verbot, die es den anderen Novizen nun noch leichter gemacht hatten, ihr aufzulauern. Sie wappnete sich und zog einen Schild hoch, doch zu ihrer Überraschung beachtete sie die Gruppe gar nicht, stattdessen richtete sich ihre Aufmerksamkeit auf etwas in ihrer Mitte. Verdutzt trat sie näher und hörte, was die Novizen sagten. „… geradezu abstoßend, findest du nicht auch, Regin?" Gelächter folgte Vallons Worten. „Allerdings. Wirklich eine Schande. Da fragt man sich doch, was mit der Familie nicht stimmt. Warum sonst sollte sich eine junge Dame aus gutem Hause mit einem Hüttenbewohner einlassen", fügte die sonst eher zurückhaltende Issle mit gerümpfter Nase hinzu.
„Wer weiß, vielleicht hat ja unser Regin hier ähnliche Vorlieben wie seine Schwester?" Diesmal war es Alend, der gesprochen hatte. Etwa acht oder neun Novizen hatten einen Kreis um… Regin gebildet – ganz ähnlich wie sie es oft bei ihr getan hatten – und schienen über ihn herzuziehen. „Halt die Klappe, Alend", fuhr Regin ihn an, doch der ignorierte den blonden Jungen. „Na ja, wenigstens deine Eltern scheinen noch zu wissen was sich gehört. Wie man hört haben sie die kleine Hure verstoßen, nicht wahr, Regin?" „Nenn sie nicht so!" Regin hatte rote Flecken im Gesicht und seine Hände waren zu Fäusten geballt. „Nur war es dann schon zu spät." Issle kicherte. „Was glaubt ihr, ob das Balg–" Sie kam nicht dazu, ihren Satz zu beenden, denn Regin hatte einen flammende, magische Späre erschaffen, die nun auf Issle zuflog. Die Novizen schienen jedoch mit Regins Angriff gerechnet zu haben und attackierten ihn nun ihrerseits mit Magie.
Regin, der es nicht wie Sonea gewohnt war, sich gegen mehrere Angreifer gleichzeitig zu verteidigen, verbrauchte den Großteil seiner Magie für ein paar wenige, starke Kraftschläge, die aber am gemeinsamen Schild der anderen Novizen wirklungslos abprallten. Bald darauf versagte sein einenes Schild und ihm blieb nur, sich mit den Armen zu schützen als die anderen damit fortfuhren ihn zu verspotten und mit mehr oder weniger harmlosen, aber schmerzhaften Gedanken- und schwachen Kraftschlägen zu traktieren.
Sonea stand eine Weile lang einfach nur da und beobachtete das Geschehen überrascht. Es war ein seltsames Gefühl, nicht derjenige zu sein, der von den anderen Novizen schikaniert wurde – und noch seltsamer, zu sehen wie Regin gedemütigt wurde. Gerade Regin, der ihr seit ihrer Aufnahme in die Magiergilde unzählige Male aufgelauert, sie beleidigt und erniedrigt hatte. Immer war sie diejenige gewesen, die man aufgrund ihrer Herkunft ausgegrenz und drangsaliert hatte. Sonea hätte niemals damit gerechnet, dass sich das Blatt so schnell wenden könnte, dass sich die Novizen tatsächlich gegen einen der ihren wenden würden. Nur wegen – wegen was? Dem nach zu urteilen was sie gehört hatte war der Grund dafür wohl irgendeine Familiensache. Regins Haus schien an Ansehen verloren zu haben.
Sonea zögerte. Regin hatte es verdient. Er hatte alles verdient, was die anderen Novizen ihm gerade antaten, und noch mehr. Er war ein Widerling und hatte jahrelang nach Kräften dafür gesorgt, dass niemand vergaß, wo sie herkam und wo ihr Platz seiner Ansicht nach war. Sie wandte sich zum Gehen. Hinter ihr erklangen ein hämisches Lachen und dann ein Schmerzenslaut. Sonea blieb stehen und fluchte. Das hier war die perfekte Gelegenheit. Sie musste einfach nur nichts tun und weggehen. Wenn sie Glück hatte, würde diese Sache mit Regin sogar dazu führen, dass die anderen das Interesse an ihr verloren. Zumindest wäre es mehr als unwahrscheinlich, dass er noch einmal ihr Anführer würde, was bedeutete, dass die Zahl der Angriffe auf sie durch das Fehlen des treibenden Kraft stark abnehmen würden.
Sie hörte ein zischendes Geräusch und einen gedämpften Protest und dann erneut Gelächter. Langsam drehte sie sich um und ging wieder auf die Gruppe zu. Sie musste wahnsinnig sein. Völlig wahnsinning. Kano bemerkte sie zuerst. Er sah sie überrascht an und dachte wohl für einen Augenblick, sie würde sich ihnen anschließen wollen, denn er hielt sie nicht auf, als sie begann sich zwischen den Umstehenden durchzudrängen. Vor dem am Boden kauernden Regin kam sie zum Stehen. der äußere Teil seiner Roben war angesengt und seine Haare mit einer zähen Flüssigkeit verklebt. Die Novizen verstummten, als sie Sonea bemerkten und Regin hob den Kopf. Als er Sonea sah trat ein trotziger, aber wissender Ausdruck in seine Augen. „Na los", murmelte er und biss die Zähne zusammen.
„Hört auf damit." Regin blickte ungläubig auf. Auch die anderen Novizen schienen überrascht. „Als ob wir uns von dir Befehle geben lassen würden, Hüttenmädchen." Die kurzzeitige Unsicherheit, die ihre Anwesenheit verursacht hatte, legte sich offensichtlich bereits und den Novizen war wieder eingefallen, warum genau sie Sonea nicht mochten. Sonea streckte das Kinn vor und blickte Vallon, der gesprochen hatte, fest in die Augen. „Ihr hattet euren Spaß. Jetzt lasst ihn in Ruhe." Vallon verengte seine Augen. „Und was, wenn nicht?" Bevor Sonea antworten konnte, erklang Trassias Stimme. „Was interessiert dich das überhaupt? Es ist ja nicht so, als würdet ihr euch besonders gut leiden können." Issle nickte bekräftigend. „Außer – ooh, magst du ihn etwa?" Sie lachte hämisch.
„Nein, wie passend. Hast dir wohl auch eine schmutzige kleine Freundin angelacht, was Regin? Wusste ich doch, dass du die Neigungen deiner Schwester teilst!" Issles Augen funkelten vor boshaftem Vernügen. Jetzt, wo Regin bei seinen Klassenkameraden in Ungnade gefallen war, war die Position des Anführers freigeworden. Und die Novizin hatte offensichtlich nicht vor, diese einem anderen zu überlassen. Sie grinste und sah in die Runde. „Ich sage, wir zeigen ihnen, wo ihr Platz ist." Die anderen wechselten unsichere Blicke. Einen einzelnen Novizen anzugreifen war das eine. Aber gleich zwei? Regin war geschwächt, aber sie hatten bereits einen Teil ihrer Kraft aufgebraucht, um seine Angriffe abzuwehren und sein Schild zu durchbrechen. Und Sonea gehörte zu den stärksten Novizen.
„Ich weiß nicht, Issle." Es war Kano, der gesprochen hatte. „Vielleicht sollten wir einfach gehen. Wir haben schon das Mittagessen verpasst und die nächste Unterrichtsstunde beginnt in zehn Minuten. Ich habe keine Lust, wegen dem hier zu spät zu kommen." Issle warf ihm einen bösen Blick zu. „Geh doch, wenn du zu feige bist." Kanos Worte hatten jedoch auch bei ein paar anderen Bedenken ausgelöst, die jetzt zögernd von einem Fuß auf den anderen traten und unsicher zwischen Issle, Kano, Regin und Sonea hin und her blickten. Sonea sah ihre Chance und ergriff ihrerseits das Wort. „An eurer Stelle würde ich lieber tun, was Kano sagt. Mich mögt ihr ja ungestraft drangsalieren können, aber glaubt ihr wirklich, dass das bei Regin auch so läuft? Was glaubt ihr wohl, was passiert, wenn Lord Garrel herausfindet, was ihr hier veranstaltet?"
Das Zögern in den Augen der Novizen wich Besorgnis und Kano, Trassia, Narron, Elayk und Gennyl wandten sich mit einem letzten Blick auf Issle um und gingen. Die wiederum warf Vallon und Alend einen drohenden Blick zu, doch als sie sah, wie blass die beiden bei dem Gedanken an den strengen und einflussreichen Krieger geworden waren, sackten ihre Schultern herab. „Lass uns lieber gehen." Alends Stimme klang vorsichtig, aber bestimmt. Issle war Vieles, aber nicht dumm. Sie wusste, wann sie verloren hatte. Sie nickte ihren beiden Klassenkameraden abgehackt zu und drehte sich nach einem letzten verächtlichen Blick auf Sonea und den am Boden liegenden Regin und einem Wir werden ja noch sehen! am Absatz um und ging, gefolgt von Alend und Vallon, mit hoch erhobenen Kopf davon.
Plötzlich waren Sonea und Regin allein in dem verlassenen Korridor. Einige Augenblicke lang sagte keiner von ihnen ein Wort, dann richtete sich der blonde Novzie hastig auf und spuckte ein Klumpen der schleimigen Flüssigkeit aus, die auch in seinen Haaren klebte. „Was sollte das?", fuhr er sie dann an. Sonea hatte keine Dankbarkeit von ihm erwartet, aber sie sah auch nicht ein, sich für ihre Hilfe von ihm auch noch zurechtweise zu lassen. Sie warf ihm einen finsteren Blick zu. „Wie wäre es, wenn du einfach danke sagst? Oder bringen sie euch das in euren ach so feinen Häusern nicht bei?" Sie sah, dass er seinen Arm vor seine Brust gepresst hielt und die Heilerin in ihr streckte unwillkürlich ihre Hand danach aus, doch Regin zuckte zurück und sah sie wütend an. Jetzt wo die anderen Novizen weg waren, war sie die einzige, gegen die er seinen Unmut richten konnte.
„Was, hast du gedacht, wir wären jetzt Freunde? Glaubst du etwa, uns verbindet etwas, nur weil ich einmal Pech gehabt habe? Wir haben nichts gemeinsam. Was du gemacht hast, bedeutet gar nichts. Das hätte ich auch gut alleine hinbekommen." Sonea zog die Augenbrauen hoch. „Ach, wirklich? Sah aber nicht so aus."„Lass mich doch einfach in Ruhe. Du hast es nur noch schlimmer gemacht. Jetzt glauben sie, ich hätte etwas mit dir. Das werde ich nie wieder los." Sonea jedoch machten seine Worte nichts aus. Sie hatte ohnehin keine Freundlichkeit von ihm erwartet. Sein Verhalten überraschte sie nicht. Er erinnerte sie irgendwie an das verletzte Harrel, das sie einmal als Kind in einer Gasse gefunden hatte. Sie hatte es streicheln und ihm helfen wollen, doch das verängstigte Tier hatte sie in die Hand gebissen und war dann verendet.
Sie beäugte noch einmal prüfend die Art, wie er seinen Arm hielt. „Bist du drauf gefallen? Das ist wahrscheinlich gebrochen. Du solltest zu einem Heiler gehen." „Ich brauche deine Hilfe nicht", kam prompt seine Antwort, doch er klang nicht mehr ganz so überzeugt wie zuvor, offensichtlich wurden die Schmerzen in seinem Arm stärker. „Und wie, bitte schön, soll ich das den Heilern erklären?" Er machte mit seinem unverletzten Arm eine ausladende Handbewegung und deutete auf den Zustand seines Äußeren. „Du könntest ihnen sagen, was vorgefallen ist", schlug Sonea vor. „Und vor den anderen das Gesicht verlieren, weil ich gepetzt habe? Nein, danke." Er zuckte zusammen, als er das Nein mit einer Geste hatte unterstreichen wollen und aus Versehen die verletzte Hand bewegt hatte.
Sonea seufzte. „Na gut. Gib mir deinen Arm, ich seh's mir an." Einen Moment lang sah es so aus als ob Regin protestieren würde, doch dann trat ein resignierter Ausdruck in seine Augen und er nickte. Sonea trat auf ihn zu, berührte seine Hand und sandte ihre Sinne aus, um die Wunde genauer zu untersuchen. „Jap, gebrochen", lautete ihr knapper Kommentar einige Sekunden später. Regin zögerte einen Moment, dann murmelte er: „Kannst du es heilen?" Sonea blickte ihn überrascht an. „Warum tust du es nicht selbst?" Regin blickte sie unwillig an. „Heilkünste… sind nicht meine Stärke. Ich habe keine Lust, dann mit einem schiefen Arm herumzulaufen, wie ein Krüppel." Sonea besann sich eines Besseren als ihm zu erklären, dass das bei einem unkomplizierten Bruch wie dem seinen unwahrscheinlich war, und seufzte erneut. „Na gut."
Während sie die Knochen in seinem Arm wieder zusammenfügte, gewann die Neugier in ihr die Oberhand und sie sah ihn an. „Was ist eigentlich passiert? Seit wann bist du bei den anderen denn in Ungnade gefallen?" Regin schien kurz zu überlegen, ob er ihr antworten sollte, tat es aber schließlich doch. „Meine Schwester, sie… sie hat sich geweigert, in eine arrangierte Ehe einzuwilligen und ist mit ihrem Geliebten davongelaufen. Irgendso ein schmuddeliger Krimineller aus den Hütten. Mein Vater hat sie aus der Familie ausgestoßen." Sonea ignorierte seine indirekte Beleidigung und hakte nach. „Und das ist alles? Deswegen haben dich die anderen angegriffen? Aber das ist lächerlich! Wie kann man die beiden dafür bestrafen, dass sie einander mögen?" „Sie hat sich der Anweisung ihres Familienoberhaupts widersetzt. Und sie hat die Ehre ihrer Familie und ihres Hauses beschmutzt, als sie sich mit diesem Mann eingelassen hat." Regin winkte ab. „Du wirst das nicht verstehen." Sonea ließ seinen inzwischen geheilten Arm los. „Stimmt. Das verstehe ich wirklich nicht. Sie ist doch deine Schwester. Wie kannst du so über sie sprechen? Magst du sie denn nicht?" Regin verzog gequält das Gesicht, er schien vergessen zu haben, mit wem er sprach. „Das spielt keine Rolle. Von mir wird erwartet–" Er brach ab, als in der Ferne ein Gong erklang, der den Beginn des Nachmittagsunterrichts signalisierte. „Verflucht, ich komme zu spät zu Heilkunst."
„Da sind wir schon zwei", meinte Sonea wenig begeistert. Lady Indria war zwar nicht für Wutausbrüche oder Strafarbeiten bekannt, aber es bestand die Möglichkeit, dass sie ihr Zuspätkommen Akkarin melden würde. Etwas, das sie unbedingt vermeiden wollte. „Noch schlimmer. Man könnte glatt denken–" Regin unterbrach sich schaudernd. Sonea schnaubte. „Das ist jetzt dein kleinstes Problem." Sie deutete auf seine versengten Roben und die verklebten Haare. „Wenn du so zu Heilkunst gehst, könnte das auffallen", meinte sie trocken. „Ach, meinst du wirklich?", entgegnete Regin, konnte aber nicht anders, als leicht zu grinsen. Dann wurde er wieder ernst. „Ich… gehe dann." Er schupperte und verzog das Gesicht. „Ich muss dringend in die Badehäuser." Sonea nickte nur und wandte sich zum Gehen. Wenn sie sich beeilte, käme sie vielleicht nicht allzu spät.
Nach einigen Metern erklang eine Stimme hinter ihr. „Sonea?" Sie drehte sich um. „Ja?" „Danke." Regin deutete auf seinen Arm, sah sie aber nicht an. Überrascht starrte sie den anderen Novizen an. Mit allem hätte sie gerechnet, aber nicht damit. „Äh, ist schon gut", murmelte sie schließlich. „Ich– werd dann mal…" Regin fühlte sich sichtlich unwohl in seiner Haut und als sie nickt drehte er sich abrupt um und ging. Sonea stand noch einen Moment lang verblüfft im leeren Gang. Was war bloß in ihn gefahren? Sie blinzelte mehrmals. Möglicherweise hatten die anderen Novizen ihn auch am Kopf getroffen. Ja, das klang plausibel. Oder es lag am nahenden Winterfest. Rektor Jerrik war heute morgen auch schon ungewöhnlich fröhlich gewesen und hatte, ein kleines Liedchen vor sich hinsummend, es sogar verabsäumt, sie für ihr Laufen auf einem Flur der Universität zu maßregeln.
Sie schüttelte den Kopf und trottete entgegen ihres vorherigen Entschlusses sich zu beeilen langsam in Richtung ihres Klassenzimmers. Seltsames Völkchen, diese Magier. Jetzt fehlte nur noch, dass Akkarin beim obligatorischen Abendessen gut gelaunt ein Tänzchen hinlegte. Sie prustete los, als sie sich vorstellte, wie der finstere, meist reservierte Hohe Lord mit einem festlichen Marinzweig im Haar und wallenden Roben hin und her schunkelte. Als sie mit beträchtlicher Verspätung im Klassenzimmer ankam und von Lady Indria zurechtgewiesen wurde, grinste sie immer noch.
Ich hoffe, es hat euch gefallen :) Da es mein Geburtstag ist, kommt in Türchen 13 ein besonderer Oneshot – Akkarin und Sonea! :D
