Ha! Dieses Mal habe ich mich wirklich beeilt und das Kapitel innerhalb einer Woche fertig gestellt! Kleine Warnung: Das nächste könnte wieder etwas länger dauern… sorry. Aber jetzt erst mal viel Vergnügen bei Kapitel 12!
Kapitel 12: Das Ultimatum
„…in lauter Sterne explodiert. Es hat so schön ausgesehen… Daddy? Daddy!"
Harry schreckte je aus seinen Gedanken und blickte auf seinen Sohn hinab, der ihn jetzt vorwurfsvoll ansah. „Entschuldige, mein Engel. Ich war gerade im Gedanken an… Komm her", seufzte er und hob Damian in seine Arme.
„Woran hast du gedacht, Daddy?", fragte der Junge neugierig und schien seinen Groll gegen seinen Vater schon wieder vergessen zu haben.
„Ich hab daran gedacht, wie sehr ich dich vermisst habe", erwiderte Harry und lächelte tapfer, obwohl ihm heute gar nicht danach zumute war. Es war wieder Vollmond und er war trotz seiner Freude seinen Sohn zu sehen noch immer total niedergeschlagen, wenn er an die letzten Tage dachte. Er hatte seitdem er die Nacht mit Draco verbracht hatte nichts mehr von einen seiner Freunde gehört. Nur einmal war Sirius vorbeigekommen, um zu fragen ob es ihm gut ging und ob er schon bereit wäre Draco wieder zu sehen. Sein Pate hatte merkwürdig blass und müde gewirkt und Harry hatte sich ziemlich mies gefühlt, als er ihm gesagt hatte, dass er noch ein bisschen mehr Zeit brauchte.
Die Zerrissenheit, ob er es riskieren konnte sich Hilfe zu holen oder nicht, war nicht verschwunden. Jedes Mal wenn er sich zu einer Entscheidung durchgerungen hatte, hatte er wieder Dinge gefunden, die dagegen sprachen. Es war zum Verrücktwerden, aber er konnte sich einfach nicht entscheiden, was das Beste wäre. Weiterhin schweigen, oder alles seinen Freunden zu erzählen?
„Wieso kommst du denn nicht öfter her?", durchbrach Damians Stimme erneut seine Überlegungen. Der traurige und leicht schmollende Ausdruck auf dem Gesicht seines Sohnes brach Harry fast das Herz.
„Glaub mir, mein Engel, wenn ich es könnte, würde ich jeden Tag bei dir sein. Das weißt du doch", murmelte er und drückte Damian noch fester an sich. „Und irgendwann wird mir das auch gelingen, das schwöre ich dir."
„Aber ich will, dass du jetzt hier bleibst!", schmollte Damian weiter und wand sich leicht aus der Umarmung. „Ich will nicht, dass du wieder so schnell gehst, Daddy", fügte er mit glasigem Blick hinzu.
Zum wohl millionsten Mal wünschte sich Harry, dass Lucius Malfoy einfach tot umfallen würde. Diese ganze Situation war die reinste Hölle. Und das Schlimmste war, dass sein Sohn am meisten darunter zu leiden hatte – und in der Zukunft wahrscheinlich noch mehr leiden würde, vor allem, wenn er einmal verstand was wirklich um ihn her geschah. Das konnte und wollte der Ex-Gryffindor nicht zulassen. Er musste handeln. Es war Zeit, dass er etwas gegen die düstere Zukunft, die Damian in diesem Haus erwartete, unternahm.
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Es war genau Mitternacht, als Harry eine seiner Geschichten über seine Zeit in Hogwarts beendete und Damian dabei eingeschlafen war. Wie in jeder Vollmondnacht saß der Schwarzhaarige noch eine Weile da und sah seinen Sohn wehmütig an. In den wenigen Stunden, die seit seinem Entschluss etwas zu tun, vergangen waren, hatten sich erneut leise Zweifel in ihm geregt, die er verzweifelt versuchte zu ignorieren. Mit einem schweren Seufzen und einen kleinen Kuss auf Damians Stirn verließ er das Zimmer und ging wie üblich zu Lucius', um ihm mitzuteilen, dass er jetzt nach Hause gehen würde.
Harry war sich klar darüber wieso Malfoy immer von ihm verlangte noch kurz zum Abschied vorbeizuschauen. Es war nicht so, dass dieses Monster sich darum kümmerte wann genau er das Haus verließ, sondern die Tatsache, dass Lucius ihn leiden sehen wollte. Seine Qual seinen Sohn immer nur so kurz besuchen zu können zeichnete sich selbstverständlich jedes Mal deutlich auf seinem Gesicht ab und das würde sich Malfoy niemals entgehen lassen wollen.
Als er vor der Tür zu Lucius' Zimmer ankam, blieb er nun etwas nervös davor stehen. Er durfte heute nicht wieder ausrasten wie letztes Mal. Es war wichtig, dass er ruhig blieb und sich nichts anmerken ließ. Wenn Malfoy mitbekam, dass er ernsthaft in Erwägung zog sich Hilfe zu holen, dann… Er wollte sich nicht einmal vorstellen, was dann geschehen würde. Einmal holte er tief Luft und klopfte anschließend an die Tür.
„Herein", ertönte die schnarrende, kalte Stimme, die Harry so hasste von der anderen Seite.
Er trat ein und schloss die Tür hinter sich. Lucius stand mitten im Raum und sah ihn mit einem Blick an, den Harry nicht deuten konnte, aber nichtsdestotrotz lief ihm dabei eine Gänsehaut über den Rücken. „Ich wollte nur bescheid sagen, dass ich jetzt nach Hause gehe", sagte er und versuchte angestrengt nicht zu zeigen wie unbehaglich er sich gerade fühlte.
Malfoy ging nicht auf seine Abschiedsworte ein, sondern meinte leise: „Du warst heute ziemlich merkwürdig gelaunt. Mir scheint fast, als würde dir etwas Sorgen machen." Der feixende Unterton war deutlich herauszuhören.
„Mir geht's gut. Ich hab nur in letzter Zeit nicht besonders gut geschlafen", erwiderte Harry und musste sich davon abhalten in Panik ausbrechen. Es stimmte, dass er heute sehr zerstreut gewesen war, doch er hatte nicht geglaubt, dass Lucius es mitbekommen hatte.
„Ah, aber dafür muss es doch einen Grund geben, oder?", fragte der Blonde in falscher Besorgnis. „Willst du mir nicht sagen, was dich so schlecht schlafen lässt?"
„E-Es sind nur Alpträume… von Vold – ", setzte er an, doch er wurde rasch unterbrochen.
„Sprich den Namen des dunklen Lords nicht aus, du unwürdige Missgeburt", zischte Malfoy und es war nichts von seiner gespielten Freundlichkeit übrig.
Normalerweise hätte Harry es sich in dieser Situation nicht verkneifen können etwas Sarkastisches darauf zu erwidern. Es schien ihm lächerlich, dass Lucius es noch immer nicht wagte Voldemorts Namen auszusprechen, wobei dieser doch schon seit Jahren tot war. Doch er hielt es besser ihn jetzt nicht zu provozieren. „Es tut mir Leid", log er und versuchte so ehrlich wie möglich zu klingen.
„Nein, das tut es nicht", sagte Lucius, der ein paar Schritte auf ihn zuging. „Zumindest noch nicht. Und jetzt sag mir den wahren Grund, weshalb du heute nicht einmal Damian deine volle Aufmerksamkeit geschenkt hast. Wenn du die einzige Gelegenheit deinen Sohn in einem Monat zu sehen nicht wirklich auskostest, dann muss dich wirklich irgendetwas sehr beschäftigen und ich will wissen was es ist."
Tausend Gedanken und Ausreden schossen dem Schwarzhaarigen durch den Kopf, doch keine schien ihm besonders überzeugend. Die Angst, die er schon beim Betreten des Zimmers gespürt hatte wurde stärker und machte es ihm noch schwerer klar zu denken.
„Na, was ist? Oder soll ich es selbst herausfinden?", fragte Malfoy und bei diesen Worten drehte sich Harry der Magen um. Er wusste was Lucius tun würde, wenn er nicht endlich eine gute Antwort gab. Es war genau das wovor er sich gefürchtet hatte, seit seiner Nacht mit Draco. Und er würde nicht die geringste Chance haben sich zu wehren.
Doch noch bevor er sich etwas überlegen konnte, zog Malfoy seinen Zauberstab, richtete ihn auf den Ex-Gryffindor und knurrte: „Legilimens!"
Nein!, schrie Harry innerlich auf, doch er konnte sich gegen den Angriff auf seinen Geist nicht verteidigen. Sofort tauchten Bilder vor seinen Augen auf – er war in dem kleinen Lokal und stand zum ersten Mal seit fünf Jahren Draco gegenüber – grausame Lügen verließen seinen Mund und Schmerz überzog Dracos Gesicht, kurz bevor er ihm einen Kinnhaken verpasste, der ihn niederwarf – Ron und Hermine versuchten ihn zu überzeugen ihnen zu sagen wieso er seinen Tod vorgetäuscht hatte – Sirius umarmte ihn liebevoll und er ließ es ohne sich zu wehren zu – Draco stand vor seiner Tür und er trat auf ihn zu, um ihn – NEIN!, schrie Harry erneut, dieses Mal lauter und die Verbindung brach so plötzlich ab, dass er vollkommen desorientiert zu Boden fiel.
Als er zu Lucius aufblickte begann er am ganzen Körper zu zittern. Der ehemalige Todesser stand mit ausdruckslosem Gesicht und reglos da. Seine kalte, beherrschte Maske saß perfekt, doch trotzdem hatte Harry noch nie in seinem Leben solche Furcht vor Malfoy gehabt. Leicht stolpernd kam er wieder auf die Füße und überlegte fieberhaft was er jetzt noch sagen konnte, um sich eine Nacht voller Cruciatus-Flüche zu ersparen, doch ein kleiner Teil von ihm war erleichtert, dass Lucius wenigstens nicht gesehen hatte, dass er mit Draco geschlafen hatte.
„Ich denke, diese letzte Erinnerung war nicht ganz vollständig", meinte der Blonde jedoch auf einmal und abermals hob er den Zauberstab. „Legilimens!"
Dieses Mal hatte Harry absolut keine Chance, denn Lucius wusste jetzt nach welcher Erinnerung er suchte und als perfekter Legilimentor war es kein Problem für ihn, die schwache Abwehr des Ex-Gryffindors zu durchbrechen. Erneut schossen Bilder durch dessen Kopf – Draco lag unter ihm auf dem Sofa und er merkte, dass er seinen Geliebten Schmerzen zugefügt hatte – verzweifelt murmelte er eine Entschuldigung, die Draco sofort annahm, doch er konnte die Tränen nicht zurückhalten – jetzt lag er auf den Rücken in seinem Bett und spürte wie Draco langsam und vorsichtig in ihn eindrang – erschöpft und zum ersten Mal seit Jahren wieder glücklich, schliefen sie aneinander gekuschelt ein…
Harry wartete auf den Folterfluch, von dem er überzeugt war, dass er gleich kommen würde. Er hatte keine Ahnung wie er sich jetzt noch davor retten sollte. Er wagte es nicht Lucius anzusehen, doch als nichts geschah, blickte er auf. Der Blonde stand noch genauso reglos da wie vorhin. Die Stille und das Fehlen jeglicher Emotionen auf Malfoys Gesicht machten Harry noch unbehaglicher, als wenn Lucius sofort angefangen hätte ihn zu verfluchen.
„Komm mit", sagte Malfoy plötzlich leise und ging auf die Tür zu. Der Schwarzhaarige zuckte etwas zusammen, doch folgte er ohne zu Widersprechen.
Lucius ging die Treppe hinunter in die Eingangshalle und wandte sich zu einer eisernen Tür zur Linken, die in den Kerker führte. Harry wäre am liebsten umgekehrt und weggelaufen, aber er wusste, dass er das nicht tun konnte. Wenn er jetzt davonlief, würde er nie wieder zu seinem Sohn zurückkehren können, denn Malfoy würde ihn gewiss auf der Stelle töten. Wenn er das nicht sowieso vorhat, dachte er sich grimmig.
Seit zirka eineinhalb Jahren war er schon nicht mehr in dem Kerker gewesen und darüber war er unendlich dankbar gewesen. Lucius hatte ihn zwar fast nie ohne jegliche Bestrafung gehen lassen, doch die Nächte im Kerker waren immer das Schlimmste gewesen. Es war kalt und klamm dort unten und nicht nur Flüche waren es, die er dort hatte ertragen müssen. Der ehemalige Todesser verstand es seine Opfer zu quälen und zu foltern und das hatte er ohne Zweifel in Beweis gestellt.
Trotz seiner stetig wachsenden Furcht stieg Harry nun jedoch hinter Malfoy die Treppe hinab. Die Temperatur sank drastisch mit jedem seiner Schritte und schon bald begann er in dem Hemd, das er anhatte zu frieren. Als sie am unteren Treppenabsatz ankamen musste er sich davon abhalten vor Angst und Kälte zu erschaudern. Die grauen Steinwände waren nass und es war ein Tropfen zu hören, das von der hinteren Ecke des quadratischen Raumes zu kommen schien. An der Wand gegenüber der Tür waren Fesseln eingebaut, die sich (wie Harry durch Erfahrung wusste) durch einen Zauber um die Hand – und Fußgelenke der Gefangenen schlossen.
Der Ex-Gryffindor hatte sein Schicksal bereits angenommen und wollte zu der Wand hinüber gehen, doch kaum hatte er Lucius den Rücken gekehrt traf ihn ein Fluch ins Kreuz, der ihn direkt gegen die Steinmauer mit den Fesseln warf. Sein Kopf schlug hart dagegen und seine rechte Schulter tat ein lautes Knacksen, als sie mit voller Wucht gegen den kalten Stein prallte. Ächzend lehnte er sich gegen die Mauer und griff sich mit der linken Hand auf die Stirn. Blut rann ihm aus einer Platzwunde direkt am Haaransatz.
Noch ehe er mehr tun konnte, als heftig blinzelnd auf das scharlachrote Blut auf seinen Fingern zu starren, war Lucius vor ihm niedergekniet und riss seinen linken Arm hinunter zu einer der Fußfesseln, die sich augenblicklich fest um sein Handgelenk zogen. Verwundert sah Harry zu dem Blonden auf – normalerweise war immer sein ganzer Körper in die Fesseln gelegt worden, damit Malfoy ihn besser foltern konnte. Wieso sollte er dieses Mal am Boden sitzen?
Nur ein paar Sekunden später wünschte er sich niemals die Antwort darauf bekommen zu haben. Lucius umklammerte sein rechtes Handgelenk mit eisernem Griff und drehte seinen Arm mit einem Ruck um, sodass seine angeknackste Schulter protestierend schmerzte. Das linke Auge musste er inzwischen zukneifen, damit ihm das Blut nicht hinein rinnen konnte. Im nächsten Moment spürte er wie sich die Spitze von Lucius' Zauberstab in seinen Unterarm bohrte.
„Du wirst es nie wieder wagen dich mir zu widersetzen!", zischte Malfoy und kaum hatte er diese Worte ausgesprochen begann Harrys Haut, dort wo der Zauberstab sie berührte, unangenehm zu kribbeln und zu stechen. Verwirrt blickte er mit seinem offenen Auge hinab auf seinen Arm und sah, dass die Spitze des Zauberstabs, sowie seine Haut rot glühten. Bevor er sich ernsthaft Sorgen machen konnte was das bedeutete, durchfuhr ein Schmerz seinen ganzen rechten Arm, der ihm die Luft aus der Lunge presste und ihn dazu brachte beide Augen fest zu schließen.
Es brannte! Merlin, sein ganzer Arm fühlte sich an, als würde er in Flammen stehen! Ein heiserer Schrei entfuhr seiner trockenen Kehle, während er verzweifelt versuchte sein Handgelenk loszureißen, doch es war ihm unmöglich. Der Schmerz war fast schlimmer, als der Cruciatus-Fluch und raubte ihm beinahe sein ganzes Denkvermögen. In einem letzten klaren Augenblick fragte er sich, ob Malfoy wohl tatsächlich seinen Arm in Brand gesteckt hatte. Nur kurze Zeit später wurde ihm bewusst, dass es stimmte, denn der übelerregende Gestank von verbranntem Fleisch stieg ihm in die Nase. Ohne es zu merken rannen ihm Tränen über sein blutverschmiertes Gesicht, während er haltlos zitterte und wie von Sinnen schrie. Es war nicht das erste Mal, dass Lucius ihn mir Feuer angriff, doch etwas war anders. Es war Magie ihm Spiel – das konnte Harry trotz seines vernebelten Verstandes wahrnehmen. Es war, als ob Malfoy ihm etwas in die Seele brannte.
Er wusste nicht wie lange er schon diese Folter ertragen musste, aber es kam ihm vor wie Stunden. Ein kleiner Teil seines Gehirns, der nicht vollkommen von den Schmerzen eingenommen war, fragte sich, ob Lucius vorhatte seinen ganzen Arm einfach abzubrennen. Doch dann – endlich – wurde das Brennen leichter, bis er wieder das Kribbeln spürte mit dem es angefangen hatte. Dann löste Malfoy den Kontakt seines Zauberstabes mit seinem Arm und auch das Kribbeln verschwand. Zurück blieb ein pochender Schmerz, der Godric sei Dank nicht so schlimm wie vorhin war.
Jetzt da sein Bewusstsein nicht völlig mit den Schmerzen beschäftigt war, roch er den Gestank seines eigenen verbrannten Fleisches stärker als zuvor. Sein Magen rebellierte augenblicklich und schnell wandte er den Kopf zur Seite, um sich zu übergeben. Als er endlich aufhörte zu würgen lehnte er sich zitternd und äußerst erschöpft zurück gegen die Wand und versuchte nicht durch die Nase zu atmen. Stattdessen keuchte er vor sich hin, bis ihn ein Ruck an seinem verletzten Arm je in Erinnerung rief, dass seine Bestrafung vielleicht noch nicht zu Ende war.
„Sieh es dir an!", hörte er Lucius' kalte Stimme wie durch einen dicken Ohrenschützer.
Mit größter Mühe öffnete er die Augen – das linke war einigermaßen von seinem Blut verklebt – und blickte wie befohlen hinunter auf seinen Arm. Ein entsetztes Keuchen entfloh seinem Mund und er hörte auf zu zittern. Starr vor Schreck saß er da und kämpfte dagegen an sich erneut zu übergeben.
„Gefällt es dir?", höhnte Malfoy mit einem sadistischen Grinsen.
Harry schüttelte wild den Kopf und ignorierte den Schmerz, der ihn bei dieser raschen Bewegung durchzog.
„Ach, wirklich nicht? Zu schade. Nun, ich dachte auf diese Weise könnte ich deinem mickrigen Gehirn einbrennen, wem du gehörst", meinte der ehemalige Todesser mit tiefer Genugtuung in der Stimme.
Der Ex-Gryffindor brachte kein Wort heraus. Alles was er tun konnte war auf seinen entstellten Unterarm zu starren. Niemals hätte er gedacht würde er dieses Zeichen tragen, doch da war es: das dunkle Mal. Doch es war nicht nur Voldemorts Zeichen, dass jetzt tief in seine Haut gebrannt war. Über dem Schädel des Mals war ein großes, gewundenes M zu sehen, das zweifellos für Malfoy stand. …wem er gehörte…
„Ich gehöre niemanden", krächzte er unbewusst, während er weiterhin mit Grauen auf das Brandmal starrte.
Er hörte ein wütendes Knurren und Lucius richtete erneut seinen Zauberstab auf seinen Arm. Harry zuckte leicht zurück, doch es brachte ihm nichts. Eiskaltes Wasser überzog die Wunde und er wimmerte, als der Schmerz dadurch wieder stärker wurde. Es schien ihm, als wären tatsächlich kleine Rauchwolken von seinem verbrannten Fleisch aufgestiegen, doch durch seine wässrigen Augen war er sich nicht sicher.
„Du gehörst mir. Und du wirst dieses ekelhafte Schlammblut und deine anderen Blutsverräterfreunde nie wieder sehen – vor allem nicht Draco! Hast du das verstanden?", schnarrte Malfoy mit vor Zorn verzerrtem Gesicht.
Er sollte ‚Ja' sagen – das wusste Harry. Doch was seinen Mund verließ, war etwas ganz anderes. „Was wenn ich sie doch wieder sehe?", fragte er beinahe provozierend. Er konnte sich sein Verhalten nicht erklären, aber die Tatsache, dass er gerade das dunkle Mal eingebrannt bekommen hatte, verstörte ihn zutiefst.
Ein grausames Grinsen zog sich über Lucius' Lippen. „Ich denke, dann werde ich Damian auch an seinen Platz erinnern müssen", erwiderte er drohend und warf einen kurzen Blick hinunter auf den Arm des Schwarzhaarigen.
Harry begann wieder zu zittern. „D-Das würdest du nicht tun", wisperte er voller Furcht. Das Letzte was er wollte war, dass sein Sohn genau die gleichen Schmerzen durchmachen musste wie er selbst es gerade getan hatte, um dann anschließend das dunkle Mal zu tragen.
„Anscheinend kennst du mich nicht so gut, wie ich dachte, Harry", höhnte Malfoy. „Ich würde es tun und ich würde jede Sekunde genießen."
„Du widerlicher Scheißkerl!", schrie Harry verzweifelt und wutentbrannt. „Wage es nicht meinen Sohn anzurühren, oder ich – " Ein schmerzerfülltes Schluchzen entfuhr ihm, als Lucius sein Handgelenk losließ und stattdessen seinen Unterarm fest umgriff.
„Schwöre mir, dass du deine Freunde nie wieder siehst, oder Damian wird dafür bezahlen!", verlangte Malfoy unnachgiebig.
„I-Ich…", stammelte Harry und ein weiteres Schluchzen schüttelte seinen Körper. Er wusste, er hatte verloren. Er konnte seinen Sohn nicht Lucius' Folter überlassen. „Ich schwöre es…"
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Zwei Tage waren seit jener schrecklichen Nacht im Kerker vergangen. Harry hatte die meiste Zeit damit zugebracht Schlaftabletten zu nehmen, damit er nicht über alles was geschehen war nachdenken musste. In den wenigen Stunden, die er wach gewesen war, hatte ihn die Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung beinahe in den Wahnsinn getrieben. Lucius' Drohung Damian das dunkle Mal einzubrennen hatte ihn schwer getroffen.
Am dritten Tag wachte er trotz der Tabletten um halb sieben in der Früh auf. Die Brandwunde auf seinem Arm tat noch immer höllisch weh und außerdem hatte er grausige Träume durchlitten. Schweiß überströmt stand er nun auf und ging sich duschen. Das kalte Wasser brannte auf seiner Haut dort wo das dunkle Mal war und er versuchte die Stelle so wenig wie möglich unter den Duschstrahl zu halten.
Nachdem er im Bad fertig war ging er hinüber ins Wohnzimmer und setzte sich auf die Couch, wo er abermals in seinen düsteren Erinnerungen versank. Der laute Knall, der nach einer Weile erklang erschreckte ihn so sehr, dass er tatsächlich leicht aufhüpfte. „Sirius!", keuchte er mit rasendem Herzen und stand etwas wackelig auf.
Sirius hätte beinahe ebenso ein erschrockenes Keuchen von sich gegeben. Harry sah schrecklich aus. Ein Schnitt war auf seiner Stirn zu sehen, direkt über der blitzförmigen Narbe, sein Gesicht war bleich und dunkle Ringe lagen unter seinen trüb aussehenden Augen und er konnte deutlich blaue Flecken auf seinem Hals erkennen, die wirkten, als wären sie von zudrückenden Fingern entstanden. Er schluckte schwer, um sich zu fassen, doch es wollte ihm nicht so richtig gelingen. „Oh, Harry… was ist passiert?", fragte er ungewollt.
Harry war nur für einen kleinen Augenblick versucht ‚Nichts' zu sagen, doch auf einmal hatte er das Gefühl ersticken zu müssen. Er brachte kein Wort heraus; alles was in den letzten Tagen, Monaten, Jahren geschehen war brach wie eine Flut über ihn herein und schien ihn ertränken zu wollen. Ohne es zu planen, ohne sich wirklich dazu zu entschließen, stürzte er nach vorne in die Arme seines Paten und weinte sich fünf Jahre Schmerz, Wut, Trauer und Verzweiflung von der Seele.
Einigermaßen geschockt über diesen abrupten Zusammenbruch drückte Sirius ihn trotzdem fest gegen seine Brust und wiegte ihn sanft hin und her. Die Sorge was geschehen war, dass Harry so fertig gemacht hatte war unerträglich, doch er würde jetzt keine Fragen stellen, da sein Patenkind allen Anschein nach im Moment ohnehin nicht in der Lage wäre zu antworten. Die Schultern des jungen Mannes in seinen Armen bebten heftig und ein nicht zu enden wollendes Schluchzen kam aus dessen Mund.
Als sich Harry nach zirka zehn Minuten etwas zu beruhigen schien bugsierte Sirius sie hinüber zur Couch und ließ sich, ohne sein Patenkind loszulassen, darauf nieder. Behutsam streichelte er über Harrys Rücken und konnte sich nun die Frage nicht mehr verkneifen. „Was ist los, Harry? Was ist passiert?"
„V-Versprich mir… d-dass du niemanden etwas s-sagst…", stammelte der Grünäugige zwischen zwei Schluchzern. Er konnte es einfach nicht mehr ertragen – er musste mit jemanden reden. Er konnte das nicht allein durchstehen, das war ihm klar geworden.
„Ich verspreche es", murmelte Sirius sofort, aufgeregt, dass er vielleicht die Wahrheit erfahren würde und dann endlich helfen konnte.
„Au-Auch nicht Hermine… oder R-Ron! U-Und Draco auch nicht…", verlangte Harry mit zitternder Stimme.
Der Animagus zögerte nur eine Sekunde, dann wisperte er: „Ich werde es keinem verraten, solange du es nicht willst. Ich verspreche es."
Die Mauer, die seit seinem ersten Treffen mit Draco immer größer werdende Risse bekommen hatte, brach nun endgültig und Harry erzählte alles – wirklich alles – was seit seinem letzten Duell mit Voldemort geschehen war. Jetzt da er erst einmal zu reden begonnen hatte, konnte er nicht mehr aufhören. Der Gedanke an Lucius' Drohung vor drei Tagen war zeitweilig vergessen und die Wörter sprudelten nur so aus seinem Mund hervor. Glücklicherweise unterbrach ihn sein Pate nicht ein einziges Mal, denn er dachte nicht, dass er den Mut dazu finden würde weiterzureden, sollte dieser es tun.
Sirius saß wie versteinert da und hörte vollkommen geschockt zu. Er versuchte die vielen Informationen, die Harry ohne innezuhalten von sich gab, aufzunehmen und zu verstehen, was durch seine immer widersprüchlicher werdenden Gefühle zunehmend schwieriger wurde. Nichts hätte ihn auf solch eine grausame Geschichte vorbereiten können und sein Wunsch Lucius Malfoy in der Luft zu zerfetzten wurde immer stärker.
Es dauerte fast eine Stunde bis Harry endlich aufhörte zu erzählen und emotional total geschafft wollte er sich einfach in die Arme seines Paten kuscheln, doch dieser erwachte nun aus seiner Starre. Sanfte, doch fordernde Hände drückten ihn weg und er spürte wie Sirius seinen Blick suchte. Er sah jedoch nicht auf, er wollte sich jetzt nicht darüber Gedanken machen welche Konsequenzen, das was er gerade getan hatte, haben konnte. Nur für ein paar Minuten lang wollte er der Realität entfliehen.
Er zuckte zusammen und zischte durch die Zähne, als Sirius vorsichtig seinen rechten Hemdärmel zurückzog und der Stoff gegen die Brandwunde strich. „Nicht…", bat er, doch es war zu spät. Voldemorts Mal war entblößt, genau wie das ‚M', das darüber eingebrannt war.
„Dieser verdammte Bastard", knurrte der Animagus und klang sehr nach dem bärengroßen Hund in den er sich verwandeln konnte. Er lenkte seine Gedanken hauptsächlich auf Malfoy, denn der Gedanke daran, dass Harry einen Sohn hatte – mit Draco, der nichts davon wusste! – war vollkommen überwältigend und er wusste nicht so recht was er davon halten sollte. Harry war noch so jung, er hatte nie eine richtige Kindheit gehabt und war mit der ständigen Bedrohung Voldemorts aufgewachsen. Er hatte schon so früh eine Last getragen, die nie einen Jungen in diesem Alter hätte auferlegt werden dürfen und doch hatte er sie ohne sich zu beschweren getragen und gemeistert. Doch das hier… er wusste ehrlich nicht wie sein Patenkind so stark sein und ganz allein solche Zeiten durchmachen konnte. Umso mehr freute er sich, dass er jetzt in der Lage sein würde Harry beizustehen, so wie er es Lily und James vor so vielen Jahren versprochen hatte.
„E-Es ist schon okay", stotterte Harry und versuchte das Mal wieder zu verdecken. Der Anblick jagte ihm eine Gänsehaut über den ganzen Körper. „Ich will n-nur nicht, dass… dass Damian es auch tragen muss… und vielleicht hab ich gerade das bewirkt", schloss er ängstlich, als die Tragweite seines Handels ihn einholte.
„Das werde ich nicht zulassen! Ich werde zu diesen verfluchten, hinterhältigen, kranken Schwein gehen und ihn bei lebendigen Leib häuten!", rief Sirius zornentbrannt über die große Furcht, die aus der Stimme seines Patenkindes herauszuhören war.
„Nein!", schrie Harry panisch auf. „Nein, das kannst du nicht machen! Du darfst dich nicht einmischen! Er wird Damian umbringen, wenn es nötig ist! Und vielleicht st-stirbt er sowieso, wenn Lucius getötet wird. Ich weiß es nicht – und ich kann es nicht riskieren! Bitte, bitte versprich mir, dass du nicht versuchen wirst ihn zu finden und ihm irgendwas anzutun!"
Der Ausdruck blanker Angst und Verzweiflung auf dem Gesicht des Grünäugigen ließ einen Teil von Sirius' Wut für den Moment verrauchen. „Hör zu, ich verstehe, dass du Angst hast", sagte er sanft. „Aber du mir erlauben dir zu helfen! Ich kann nicht einfach nichts tun, wenn ich weiß was Malfoy dir und deinem – deinem Sohn antut. Merlin… Draco wird –"
„Du darfst es ihm nicht sagen! Du hast es versprochen!", unterbrach ihn Harry flehentlich.
„Da wusste ich noch nicht worum es geht", schoss Sirius zurück, der fest entschlossen war seinem Patenkind zu helfen. Und je mehr Leute die Wahrheit wussten, desto größer war ihre Chance das zu schaffen.
„Bitte! Ich – ich hätte dir das alles nie erzählen dürfen. Ich habe keine Ahnung was ich tun soll, wenn Lucius erfährt was ich dir alles gesagt habe, aber ich…"
„Harry, sei doch vernünftig", warf der Animagus drängend ein. „Du hast es mir nun mal gesagt und das war die beste Entscheidung, die du hättest treffen können. Damian ist so oder so in Gefahr. Du kannst mir nicht allen Ernstes erzählen, dass du Malfoy traust, dass er deinem Sohn nichts tut?"
Als Harry den Kopf schüttelte, fuhr er augenblicklich fort: „Na eben. Und wir können dir helfen! Wir werden dir helfen! Am besten wir sagen auch Dumbledore Bescheid, er könnte –"
„Verdammt, wem willst du es denn noch aller sagen, dass ich nicht tot bin!", schrie Harry dazwischen. „Wieso erzählt ihr es nicht dem Tagespropheten – dann wüsste es gleich die ganze Zaubererwelt!"
„Beruhige dich, Harry", bat Sirius eindringlich. „Ich kann mir ziemlich gut vorstellen wie schwer das alles für dich ist, aber –"
Erneut wurde er von seinem Patenkind unterbrochen. „Ach ja? Kannst du das wirklich? Du hast doch nie Kinder gehabt, du hast keine Ahnung wie ich mich fühle!" In dem Moment, in dem die Worte seinen Mund verließen, bereute er sie schon zutiefst. Er wusste, dass dieses Thema für Sirius sehr schmerzlich war, denn er hatte nun mal sein ganzes Leben nur Remus geliebt und trotz der Tatsache, dass Zauberer ein Kind bekommen konnten war diese Option für die beiden unmöglich, da Remus ein Werwolf war. Obwohl sie lange darüber diskutiert hatten, hatte Sirius den Vorschlag seines Freundes abgelehnt, dass er mit jemand anderen ein Kind zeugen und es mit demjenigen großziehen sollte. Der Gedanke Remus zu verlassen war weitaus schlimmer gewesen, als sich daran zu gewöhnen, dass sie nun mal nie Kinder haben würden.
„Es tut mir so Leid", krächzte Harry niedergeschlagen. Er schien in letzter Zeit ein Talent dafür zu besitzen den Leuten wehzutun, die ihn liebten und ihm nur helfen wollten. Zuerst Draco, dann Ron und Hermine und jetzt auch noch seinen Paten…
„Schon okay", murmelte Sirius, der wusste, dass Harry es nicht böse gemeint hatte. Er seufzte tief, um seine Gefühle in den Griff zu bekommen und sagte dann leise: „Ich habe vielleicht keine eigenen Kinder, aber als ich von deinem Tod erfuhr, habe ich um dich getrauert wie um einen Sohn. Als wir uns in deinem dritten Schuljahr begegnet sind, hatte ich für kurze Zeit das Gefühl, als hätte ich meinen besten Freund wieder, doch ich habe schnell verstanden, dass du nicht James bist und von da an, denke ich, fühlte ich mich zum ersten Mal in meinem Leben wie ein Vater."
Mit stockender Stimme erwiderte Harry: „I-Ich hab dich auch wie – wie einen Vater gesehen. Ich – es tut mir alles so Leid!"
„Hör auf dich zu entschuldigen", befahl der Animagus bestimmt, der durch diesen Satz plötzlich einen dicken Kloß im Hals spürte. Wieder versuchte er sich zu beruhigen, bevor er noch mehr sagte. „Wenn du mich wirklich als Vater siehst, dann wirst du es sicher verstehen, dass ich nicht zusehen kann wie du leidest. Lass mich dir helfen! Und erzähl den anderen auch die Wahrheit – vor allem Draco! Denkst du nicht er hat das Recht darauf es zu erfahren?"
„Er wird mich hassen", würgte Harry unter einem erneuten Schluchzen hervor.
Verwirrt runzelte Sirius die Stirn. „Wieso in Merlins Namen sollte er das tun?"
„Weil ich nicht mal unseren Sohn beschützen kann. Ich habe total versagt", nuschelte sein Patenkind ohne ihn anzusehen.
„Das ist kompletter Schwachsinn", erwiderte Sirius mit fester Stimme. „Du hast euren Sohn immer beschützt, Harry. Das ist doch der einzige Grund, weshalb du und Damian in dieser Lage seid. Weil du ihn sogar vor seiner Geburt beschützen wolltest. Du hast getan was du konntest und jetzt sind wir dran dir dabei zu helfen deinen Sohn endgültig in Sicherheit zu bringen. Du musst es nur zulassen."
Und ganz langsam, mit noch immer glasigen Blick und etwas unsicherer Miene, nickte Harry zustimmend.
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Ich hoffe die Szene zwischen Harry und Sirius hat euch gefallen! Das nächste Mal ist Draco mit der Wahrheit dran – mal sehen, wie er reagieren wird! ;)
Bis zum nächsten Mal und schickt mir fleißig Reviews! Lg jezzi85
