12. Kapitel: Gedankengänge
Die beiden ehemaligen Erzfeinde
lächelten sich ehrlich an. Dann wand Harry seinen Blick zu
Snape.
"Professor, ich glaub unser Gespräch könnte
etwas Zeit beanspruchen. Ist es ihnen recht, wenn es hier
stattfindet?"
"Natürlich. Ich fühl mich hier wie zu
Hause.", grinste Snape.
"Sie können diesen Raum jederzeit
benutzen. Es ist genug Platz für einen zweiten Kessel und
Zutaten sind unten im Lager."
"Stör ich, oder kann ich
hier bleiben?", fragte Draco.
"Von mir aus, kannst du
bleiben.", meinte Harry.
"Sehr gut.", kommentierte der
Blonde, bevor Snape auch nur einen piep sagen konnte.
"Meinst du
nicht, Professor Snape hat da auch ein Mitspracherecht?"
"Nein,
sonst schlaf ich heut in meinem Zimmer.", meinte Draco und sah den
Tränkeprofessor drohend an.
"Na toll.", grummelte
der.
"Ich seid zusammen?", fragte Harry vorsichtig. Könnte
ja sein, dass er das eben falsch verstanden hatte.
"Ja, seit
knapp einem halben Jahr.", strahlte Draco.
"Na dann,
Glückwunsch.", meinte Harry ehrlich. Trotzdem wurde er kurz
traurig, denn ihm wurde bewusst, das Tom seine Gefühle nie
erwidern würde.
"Hey, was hast du?", fragte der Blonde
und sah den Schwarzhaarigen fragend an.
"Ein anderes Mal,
okay?"
"Okay."
"Mister Potter, ich denke, dass ich
diesmal der jenige bin, der sich entschuldigen muss.", meinte Snape
plötzlich in neutralem Ton.
Harry sah den Tränkemeister
nur ungläubig an.
"Ich habe sie auf Grund von James'
früherem Verhalten, mir gegenüber, vorschnell verurteilt
und mir nie wirklich die Mühe gemacht, sie wirklich kennen zu
lernen. Allerdings musste ich in der kurzen Zeit, die ich jetzt hier
war, feststellen, dass sie ganz anders sind, als ihr Vater."
"Wie
meinen sie das?"
"James war sehr von sich und seinem Auftreten
überzeugt. Vor allem stand er sehr gerne im Mittelpunkt. Sie
scheinen am glücklichsten zu sein, wenn sie ihre Ruhe
haben."
"Wahr. Aber wie sind sie darauf gekommen? Ich hab doch
die letzten Tage, in denen sie hier waren, nur hier verbracht."
"Ihre
Freunde waren so nett, uns etwas mehr über sie zu
berichten."
"Du."
"Wie meinen?"
"Sie können
mich duzen. Ich hasse es, als Mister Potter angeredet zu werden.
Diese Ansprache setzt so viele Erwartungen in mich."
"Und
Harry nicht?", fragte Draco.
"Nein. Den Namen gibt es oft.
Aber ich bin in ganz Hogwarts der einzige Potter."
"Aha. Du
würdest also lieber in der Masse untergehen, statt über ihr
zu stehen?"
"Ja. Darum die mittelmäßigen
Zensuren."
"Das hätten sie...du besser machen
können?"
"Ja, aber ich wollte nicht auffallen."
Snape
seufzte.
"Du bist wirklich nicht wie James."
"Ich weiß.
Sirius hat zwar oft gesagt, ich bin wie er, aber...er hat auch nur
das gesehen, was er sehen wollte.", meinte Harry und grinste
schief.
"Ja. So wie ich. Harry, es tut mir Leid. Vielleicht
sollten wir auch noch mal einen Neuanfang machen?", mit diesen
Worten streckte Snape Harry seine Hand entgegen.
"Ja. Das
sollten wir.", Harry nahm die ihm angebotene Hand entgegen und
schloss mit seinem drittschlimmsten Feind, nach Voldemort auf dem
ersten und Draco auf dem zweiten Platz, Frieden.
Dann grinste er
wieder. "Mir gehen die Feinde aus."
"Wie meinst du das?",
fragte Draco.
"Na ja. Ich werd Voldemort heiraten und hab mit
dir und Professor Snape..."
"Severus.", unterbrach dieser
ihn.
Harry sah den Mann vor sich nur kurz an. "..na gut. Severus
Frieden geschlossen. Somit ist meine Anzahl an ernstzunehmenden
Feinden auf eine Person geschrumpft."
"Und die wäre?",
wollte Draco wissen.
"Dumbledore."
"Warum nur er?"
"Weil
er der Einzige ist, der mir gefährlich werden kann. Zur Zeit ist
er offiziell noch tot, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er bei
einem erneuten Raubzug von Voldemort persönlich auftauchen wird.
Zum einen, weil er nicht damit rechnet, dass irgendeiner bei den
Todessern weiß, dass er wieder da ist und zum anderen um
Aufmerksamkeit zu erregen."
"Warum sollte er Aufmerksamkeit
wollen?", fragte Draco.
"Wenn bekannt wird, dass er noch lebt,
werden viele Leute zum Orden des Phönix aufblicken. Er wäre
dann nämlich offiziell das zweite Wesen, das einen Todesfluch
überlebt hat."
"Was bedeutet, dass er etwas besonderes
wäre.", flüsterte Severus.
"Bingo. Was denkst du,
wie die Leute reagieren, wenn sie hören, dass der große
Albus Dumbledore einen Weg gefunden hat, den Todesfluch zu
überleben."
"Es werden einige misstrauisch.", meinte
Draco.
"Nein, Dray."
"Dray? Muss das sein."
"Mir
gefällt's, also werd ich dich so nennen. Zurück zum
Thema. Die Menschen wollen jemanden, der anders ist. Sie würden
Dumbledore wahrscheinlich auf die gleiche Stufe stellen, auf die sie
mich gestellt haben."
"Womit du in seinen Augen überflüssig
wärst.", meinte Severus.
"Eben. Er hat Angst vor mir,
deshalb möchte er mich aus dem Weg haben."
"Wie kommst du
darauf? Ich meine, dass er Angst vor dir hat."
"Wozu sonst die
ganzen Banne. Er hat etwas in mir verschlossen, damit ich mich besser
kontrollieren lasse. Allerdings musste er im Laufe der Jahre
feststellen, dass ich mich größtenteils doch nicht von ihm
Kontrollieren lasse, egal, wie viele Banne er auf mich legt."
"Darum
hat er sie nicht gebrochen und hofft, dass Tom die Sache für ihn
erledigt, damit er dann Tom besiegen kann und als Retter da steht?",
wollte Severus wissen.
"Bingo."
"Und warum all die Jahre,
in denen er verzweifelt versucht hat, dich zu stützen?"
"Tarnung.
Damit er glaubwürdig als der großzügige Retter der
Welt rüberkommt, musste er natürlich auch ein Auge auf den
werfen, der derzeitig diesen Titel trägt. Aber jetzt überleg
mal weiter, was denkst du passiert, wenn ich auf einmal nicht mehr
neben Dumbledore stehe, sonder mich offiziell zurückziehe?"
"Wäre
er nicht etwas besonderes, würde er wahrscheinlich Unterstützung
verlieren. Einige sind dem Orden beigetreten, um dem Retter der Welt
unter die Arme greifen zu können. Wenn dieser also geht, warum
sollten sie sich dann für nichts und wieder nichts töten
lassen."
"Eben."
"Harry, du machst mir Angst.",
meinte Severus plötzlich.
"Warum?", fragte der
Schwarzhaarige verwirrt.
"Weil du verstehst, wie Dumbledore
denkt."
"Ist das so was besonderes?"
"Nicht mal Tom
versteht, wie Dumbledore denkt. Sonst hätte er keinen Spion in
dessen Reihen gebraucht."
"Oh.", meinte Harry nur und
verstummte.
Eine Weile herrschte Schweigen zwischen den drei
Anwesenden, bis ein Klopfen von der offenen Tür kam. Harry
drehte sich zur Tür uns sah Bill und Remus im Rahmen
stehen.
"Stören wir?", wollte der Werwolf wissen.
"Nicht,
dass ich wüsste, was wollt ihr?", meinte Harry.
"Mal kurz
mit dir alleine reden.", antwortete Bill.
"Okay, ähm,
sorry Dray, sorry Severus, aber ich glaub, ich muss euch
rausschmeißen."
"Und warum gehst du mit den beiden nicht
in dein Zimmer?", fragte Draco.
"Weil ich den Trank unter gar
keinen Umständen mehr aus den Augen lasse."
"Du vertraust
uns nicht.", stellte der Blonde leicht gekickt fest.
"Wenn es
um den Trank geht, vertraue ich in diesem Haus niemandem.", meinte
Harry nur und sah Draco entschuldigend an.
"Schon gut. Komm
Draco, wir hatten noch was vor.", meinte Severus.
"Oh ja. Das
wird lustig.", meinte Draco und hatte ein diabolisches Grinsen auf
den Lippen.
"Will ich es wissen?", fragte Harry vorsichtig
nach.
"Nein.", meinte Severus nur, während er mit leicht
hängenden Schultern aus dem Raum schlich.
"Hey, wart auf
mich.", meinte der Blonde nur und rannte seinem Liebsten nach.
"Ihr
habt euch vertragen?", fragte Bill.
"Wir haben Frieden
geschlossen. Alles weitere braucht Zeit, um sich zu entwickeln. Setz
euch doch. Ach ja, nächste Woche ist doch Vollmond, wenn ich
nicht irre."
"Ja. Wo soll ich denn da hin?", fragte
Remus.
"Hä? Ich dachte eigentlich, das du von mir nen
Wolfsbanntrank bekommst und dann in deinem Zimmer bleiben kannst.
Wenn dir langweilig alleine wird, kannst du auch zu mir
kommen."
"Harry, ich weiß nicht, wie ich auf Menschen
reagiere, selbst, wenn ich den Trank genommen habe.", meinte Remus
sanft.
"Wie reagierst du auf Tiere?", fragte der
Schwarzhaarige stattdessen.
"Das ist kein Problem, warum?"
Harry
lächelte leicht und glitt mit einer gleichmäßigen
Bewegung von der Couch. Doch statt des Schwarzhaarigen Zauberer sahen
sich Remus und Bill einem schwarzen Panther mit stechend grünen
Augen, die gefährlich schimmerten, gegenüber.
"Wow.",
meinte Bill nur, während Harry zurück auf die Couch sprang
und sich dort, immer noch in Tiergestalt, einrollte. Den Kopf auf die
Pfoten gelegt, fixierte er immer noch den Werwolf und den Weasley.
