Kapitel 11: Eifersucht
Da Harry schon einige Nächte nicht mehr richtig geschlafen hatte, wachte er am nächsten Morgen erst auf, als ihn Ron mit einem Kissen bewarf.
"Aufstehen du Schlafmütze", rief er gut gelaunt - für Harrys Geschmack zu gut gelaunt.
"Viel zu früh", grummelte er und drehte Ron seinen Rücken wieder zu.
Er hatte endlich mal wieder durchgeschlafen und wollte sich das nicht von Ron nehmen lassen.
"Ich gehe schon mal vor, aber wenn du in einer viertel Stunde nicht unten beim Frühstück bist, schicke ich Hermine zum Wecken", drohte er seinem Freund an.
Da ihn diese Androhung wenig erschreckte, blieb er weiterhin in seinem Bett liegen. ‚Nur noch ein paar Minuten', dachte er sich bevor er wieder einschlief. Er wurde erst wieder wach, als er einen Kuss auf seiner Wange spürte. Langsam öffnete er seine Augen und sah Hermine vor sich.
"Guten Morgen, Du Langschläfer" sagte sie in einer ganz anderen Stimme als Ron ihn vorher geweckt hatte. Sie war weich und warm, und Harry hatte gar kein Bedürfnis mehr aufzustehen. "Willst du freiwillig aufstehen, oder muss ich dazu zwingen?" Bei dem letzten Satz blitzten ihre Augen schelmisch auf.
"Wie willst du mich zwingen?" fragte Harry scheinbar unbeteiligt.
"Ich dachte zum Beispiel an so etwas …" Damit fing sie an Harry durch zu kitzeln.
"Aufhören…das ist gemein!" kam es von Harry. Er sprang aus dem Bett und rannte hinter Hermine her, welche versuchte aus dem Zimmer zu entkommen. Kurz vor der Tür holte Harry sie ein und begann, sich für das Wecken zu rächen. Allerdings hatte er nicht mit der Gegenwehr von Hermine gerechnet, welche ihm nach ein paar Minuten fast spielerisch leicht entwischte.
Kreischend floh Hermine aus dem Zimmer. Da er mittlerweile wirklich wach war beschloss er, sich nach einer kurzen Dusche auf den Weg nach unten zu machen. Dort wurde er allerdings von Ginny abgefangen.
"Guten Morgen, Harry", sagte sie. "Hast du gut geschlafen?"
"Ja, wunderbar", antwortete er.
"Kannst du mir nach dem Frühstück bei meinen Hausaufgaben für Verwandlung helfen?" fragte sie
"Meinst du, ich bin der Richtige dafür?" fragte er etwas ratlos. "Hermine kann das bestimmt besser."
"Sie wollte mir aber nicht helfen und du bist meine letzte Hoffnung. Bitte!" sagte Ginny
und setzte dabei einen Hundeblick auf, bei dem Harry nicht absagen konnte.
"Ja, natürlich", beeilte er sich zu sagen.
"Vielen Dank, Harry", flüsterte Ginny. "Ich wüsste nicht, was ich ohne dich machen würde." Nach dem letzten Satz verschwand sie so schnell wie sie gekommen war wieder in ihrem Zimmer. Selbst in dem etwas dunklen Treppenhaus hatte Harry erkennen können, dass Ginnys Gesicht fast die gleiche Farbe wie die ihrer Haare angenommen hatte.
Da sein Magen ihm mittlerweile deutlich sagte, dass er Hunger hatte, begab er sich noch eine Etage tiefer. Hermine strahlte ihn schon von der einen Seite des Esstischs an, bevor Mrs. Weasley mit einem Satz schon in die Küche gerannt war.
"Willst du mir den Rang des Langschläfers abnehmen" sagte Ron schlecht gelaunt in Harrys Richtung. Wegen irgendetwas war Ron sauer auf Harry und er war sich sicher, dass es nichts mit dem langen Schlafen zu tun hatte.
"Was hältst du davon, Harry, wenn wir heute zusammen schwimmen gehen?" riss ihn Hermine aus seinen Gedanken.
"Ähm, ihr könnt gerne schwimmen gehen wenn ihr wollt, aber ich habe Ginny versprochen ihr mit den Hausaufgaben zu helfen." Hermine sah für einen Moment deutlich sauer aus, während sich Rons Mine aufhellte.
"Ja, warum nicht!" sagte er eine Spur zu begeistert.
"Wenn Harry nicht mitkommt, habe ich keine Lust" sagte Hermine beleidigt.
"Aber eben noch wolltest du unbedingt schwimmen gehen", sagte Ron verständnislos, wofür er einen bösen Blick von Hermine erhielt.
"Was haltet ihr davon", fiel Harry in ihre Streitereien ein, "wenn wir morgen alle zusammen schwimmen gehen? Ginny könnte auch mitkommen."
Auf einmal sahen beide Harry böse an, sagten aber nichts dazu. Harry war etwas irritiert. Irgendetwas stimmt hier nicht, denn Ron und auch Hermine hatten doch gesagt, das sie gerne schwimmen gehen wollten. Aber Hermine wollte nicht ohne ihn, wohingegen Ron nicht mit ihm schwimmen wollte. Und Hermine wollte nicht das Ginny mitkam. Harry versuchte, seine Gedanken zu ordnen. Statt aber des Rätsels Lösung näher zu kommen, wurde er nur noch verwirrter. Daher beschloss er einfach, dass er die anderen morgen beobachten müsste, vielleicht war ihm etwas entgangen was er noch nicht bemerkt hatte.
"Kommt ihr morgen mit schwimmen?" fragte Harry noch mal.
"Ja, von mir aus", kam es von Ron und Hermine gleichzeitig.
"Und was macht ihr heute?" fragte Harry vorsichtig nach.
"Ich werde weiter dein Buch lesen", kam es sofort von Hermine.
Da Ron kein Wort sagte, machte sich Harry auf den Weg zu Ginnys Zimmer.
Vor Ginnys Zimmer hielt Harry kurz an und klopfte gegen die Türe. Er hörte eine hektische Bewegung und dann Ginnys Stimme die "Herein" sagte.
Bevor er das Zimmer ganz betreten hatte, erstarrte Harry in der Tür. An dem Schreibtisch stand eine wunderschöne Frau in einem hellblauen Sommerkleid. Die Sonne umspielte ihre Haare und ließ sie golden schimmern. Ihre Haare fielen sanft auf die Schultern und verdeckten die Träger des Kleides. Und dann ging sein Blick tiefer und er musste unwillkürlich schlucken. Wo kamen auf einmal die wohlgeformten Brüste her und war das wirklich Ginny? Harry konnte seine Augen nicht von ihr abwenden und bemerkte zum ersten Mal, wie schön sie war. Bisher hatte er sie nur als Rons Schwester angesehen, das kleine Mädchen, welches ihn schon immer gemocht hatte. Und nun hatte sie sich in eine wunderschöne Frau verwandelt. Aber, halt! Woran hatte er nur gedacht? Das war immer noch Rons Schwester. Was würde Ron dazu sagen? Er würde ihm wahrscheinlich den Kopf abreißen. Nein, nein, er würde sich nicht in Ginny verlieben.
"Hi", sagte er mit einer Stimme, die er bisher nicht kannte. Sie war rau und er hatte das Verlangen, sofort eine Menge Wasser zu trinken. Er räusperte sich, bevor er weiter sprach.
"Was machst du hier?" fragte er ratlos.
"Ich wollte mir von dir bei meinen Hausaufgaben helfen lassen, schon vergessen?" sagte sie und das Lächeln auf ihrem Gesicht wurde noch breiter.
"Ja, aber warum hast du DAS an?"
"Gefällt es dir nicht?" fragte sie und blickte etwas enttäuscht an sich herunter.
"Ähm, nein es sieht wundervoll aus", beeilte er sich zu sagen. "Es ist nur so, dass ich so etwas von dir nicht gewohnt bin."
"Danke für das Kompliment", sagte Ginny wobei sich ihr Gesichtsausdruck wieder entspannt hatte. "Komm', ich zeige dir was wir lernen müssen." Mit diesen Worten zog Ginny ihn auf einen Stuhl vor dem Schreibtisch und setzte sich neben ihn auf einen Hocker. Die Hausaufgaben für Verwandlung stellten sich als nicht besonders schwierig heraus. Harry konnte sich noch gut daran erinnern, wie sie selbst das Thema behandelt hatten und Hermine ihnen die gleichen Tipps gegeben hatte, welche er nun an Ginny weitergab. Schwieriger fand er, das Ginny die ganze Zeit so nah bei ihm saß. Er musste sich sehr konzentrieren, dass er nicht dauernd den Faden verlor. Was war nur los mit ihm? Früher hatte er nie Probleme gehabt neben Ginny zu sitzen. Aber auf einmal war es die reinste Folter - und zugleich das Schönste, was er sich vorstellen konnte. Verstohlen blickte zu ihr herüber. Sie war vollständig in einen Absatz über die Verwandlung von einem Vogel in eine Teekanne vertieft und kaute dabei auf ihrer Feder herum. Ihre Haare waren ihr ins Gesicht gefallen, und Harry verspürte den Drang, seine Hände durch ihr Haar streichen zu lassen und dabei ihre zarten Lippen zu küssen. Halt, was zum Teufel hatte er jetzt schon wieder gedacht? Er wandte sich abrupt ab und konzentrierte sich auf den Text des Buches vor ihm. Aber das Bild von Ginny verfolgte ihn weiterhin in seinen Gedanken. "Sie ist Rons Schwester, sie ist Rons Schwester", wiederholte er immer wieder in seinem Kopf.
Nach etwa 2 Stunden hatte sie die kompletten Hausaufgaben beendet und Ginny packte ihre Sachen ein.
"Ohne dich hätte ich das nie geschafft." Diese süße Stimme holte Harry aus seinen Gedanken zurück. Bevor er allerdings etwas antworten konnte, hatte ihn Ginny schon umarmt und ihm einen Kuss auf die Wange gegeben. Harry erwiderte etwas irritiert die Umarmung. Er fühlte, wie es überall wo sein Körper Ginnys Körper berührte, seine Haut zu kribbeln begann, und er spürte eine Wärme in sich aufsteigen, die den ganzen Körper durchströmte. Am liebsten hätte er sie für immer so in den Armen gehalten. Er wurde unsanft durch Ginnys Worte wieder in die Gegenwart zurückgeholt.
"Harry…willst du mich wieder loslassen?"
"Ähm… ja natürlich!" Hastig löste er seine Arme von ihrem Rücken und trat verlegen einen Schritt zurück.
"Nicht, das es mir nicht gefallen hätte", sagte sie mit einem Glitzern in den Augen, was er nicht zuordnen konnte. "Aber wenn uns Ron sehen würde, bringt er uns um."
"Äh, ja, damit hast du wahrscheinlich Recht", beeilte er sich zu sagen.
"Ich habe sicher Recht", sagte sie. "Schließlich kenne ich meinen Bruder schon mein ganzes Leben."
"Ach, da wir gerade von Ron reden. Er hat vorgeschlagen heute baden zu gehen, aber da ich dir schon versprochen hatte mit dir zu lernen hatte ich die Idee, dass wir morgen alle zusammen schwimmen gehen können. Was meinst du?"
"Ich würde schon gerne mitkommen, aber störe ich euch drei nicht?" fragte Ginny besorgt.
"Ach, Quatsch. Und ich hätte dich gerne dabei. Die beiden benehmen sich in letzter Zeit gegenüber mir so komisch."
"OK, überredet. Lass uns schauen, ob es schon was zum Mittagessen gibt."
Ron war nach dem Frühstück sofort in seinem Zimmer verschwunden und hatte die Tür verbarrikadiert. Warum musste Harry immer alles kaputt machen? Da hatte er endlich mal die Möglichkeit mit Hermine alleine baden zu gehen, und dann machte es ihm Harry kaputt! Das Schlimmste war allerdings, was er morgen beim baden ertragen musste. Er konnte es sich schon wunderbar vorstellen: seine wunderschöne Hermine würde die ganze Zeit nur an Harry hängen! Und das Ginny mitkam war auch kein Trost. Wahrscheinlich würde sie sich nur wieder lustig über ihn machen, und er machte sich zum Deppen. Das waren wirklich tolle Aussichten. Wieso tat ihm Harry das an? Wutentbrannt schleuderte er seinen Besen durch das Zimmer. Aber irgendwie hatte ihm das nicht geholfen. Vielleicht war Harry ja nicht mehr sein Freund? Vielleicht wollte er ihn nur ausnutzen, um noch besser dazustehen?
Wahrscheinlich hätte er nie eine Chance bei Hermine. Er musste einfach aufhören sie zu mögen. Ja das war wohl das Beste. Wenn er nicht mehr in Hermine verliebt war, konnte es ihm egal sein, mit wem sie sich abgab. Auch wenn es Harry war. Dieser Gedanke ließ sein Herz sich schmerzhaft zusammen ziehen.
Hermine setzte sich nach dem Frühstück auf die Couch im Wohnzimmer. Sie nahm sich ein Buch und versuchte, ihre Wut mit Lernen zu verdrängen. Das hatte bisher immer funktioniert. Immer wenn sie traurig oder wütend war, konnte sie sich zurückziehen und lernen. Aber jetzt funktionierte es nicht mehr. Was bildete sich Ron eigentlich ein? Er hatte den Vorschlag torpediert, dass sie allein mit Harry schwimmen gehen konnte. Und Ginny, dieses Miststück, hatte es geschafft Harry als Hausaufgabenhilfe zu missbrauchen. Als wenn sie das nötig gehabt hätte. Wie konnte sie es wagen sich einfach Harry zu schnappen. Immerhin war sie mit ihm seit dem ersten Schuljahr befreundet und Ginny kannte ihn nur durch Ron. Schon wieder etwas was Ron ihrem Glück in den Weg gestellt hatte. Und Harry hatte sogar darauf bestanden, Ginny morgen mit zum Baden zu nehmen. Das konnte ja nur schief gehen. Ob er vielleicht etwas für Ginny empfand? Und warum mochte er sie nicht? Vielleicht war sie nicht schön. Das Haar war wirklich etwas zu buschig und ihre Brüste zu klein. Und erst ihre Beine. Vielleicht sollte sie sich ein Buch über Schönheitszauber besorgen. Außerdem hatte sie immer noch die Chance, Harry im Grimmauldplatz für sich zu gewinnen, da Ginny dort nicht mitkommen würde. Und diese Chance wollte sie sich nicht entgehen lassen.
Am nächsten Morgen saβen Ron und Hermine missmutig am Frühstückstisch. Harry bemerkte es allerdings nicht, sondern ließ es sich schmecken. Zwischendurch warf er immer wieder einen Blick auf Ginny, welche heute eine Jeans und ein rosa Top an hatte. Nur mit Mühe konnte er sich auf das Essen konzentrieren.
Nach dem Frühstück machten sich alle vier auf den Weg zu einem nahe gelegenen See.
Auf dem Weg waren alle in ihre eigenen Gedanken vertieft. Harry ärgerte sich darüber, das Ron und Hermine seit Tagen mit schlechter Laune herum liefen. Was war nur in die Beiden gefahren? Irgendwas stimmte nicht, und er würde schon noch herausfinden, woran es lag.
"Wir sind da", sagte Ginny und Harry sah auf. Das war wirklicher ein schöner Platz. Zwischen einigen Bäumen sah Harry das Wasser des Sees, auf welchem die Sonne die ganze Wasseroberfläche überall zum Glitzern brachte. Zwischen den Bäumen erstreckte sich eine grüne Wiese, die bis zur anderen Seite des Sees zu reichen schien.
"Schön ist es hier", sagte Harry, während er verträumt durch die Gegend schaute. Bis sein Blick auf Ginny fiel. Erst nach ungefähr einer Minute bemerkte er, wie er sie anstarrte und beeilte sich, hinter Ron und Hermine zum See zu kommen.
Am See breiteten sie ihre Handtücher aus, und gerade als Harry sich in seiner Badehose niedergelassen hatte, begann sich Hermine direkt vor ihm ihren Umhang abzustreifen. Nach und nach ließ sie ein Kleidungsstück nach dem anderen langsam fallen, und als Harry gerade überlegte ob er wegschauen sollte, hatte sie nur noch ihren Bikini an und streckte sich vor ihm auf ihrem Handtuch. Eines musste man Hermine lassen, sie sah wirklich schön aus. Sie würden wahrscheinlich die Jungs in Hogwarts zurück halten müssen, was nicht verwunderlich war bei diesem Anblick. Ein Blick auf Ron zeigte ihm, dass er Recht hatte. Er stand wie versteinert neben seinem Handtuch und starrte auf Hermine. Diese warf ihm aber nur böse Blicke zu.
Als Harry sich umdrehte, sah er etwas was er noch lieber als Hermine sah. Ginny. Sie hatte einen orange-roten Badeanzug, der ihre Haare farblich gut unterstützte und Harry ließ kurz seinen Blick über ihren Körper schweifen. Bevor er es sich überlegte noch einmal zu schauen, riss ihn Hermine mit schriller Stimme aus seinen Gedanken.
"Auf, lasst uns ins Wasser gehen", fauchte sie und ging auf das Wasser zu, ohne Harry aus den Augen zu lassen. "Kommst du, Harry?" rief sie ungeduldig, als sie schon mit den Füßen im Wasser stand. Als sich Harry davon vergewissert hatte, das Ginny auch ins Wasser ging, sprang er begeistert ins Wasser. Im ersten Augenblick war das Wasser ziemlich kalt, aber schon nach einer Minute fühlte es sich angenehm erfrischend an.
"Ron, willst du nicht auch ins Wasser kommen?" rief Harry zum Ufer, an dem Ron immer noch abwartend stand.
"Ja, ich komme schon ins Wasser", sagte er mit einer Stimme, die alles andere als glücklich klang. Währenddessen hatte Hermine schon mit einer Wasserschlacht begonnen, bei der Harry und Ginny sich begeistert beteiligten. Nachdem alle jede Menge Wasser ins Gesicht bekommen hatten, fiel Hermine plötzlich auf Harry und begrub ihn unter sich.
"Oups, tut mir leid", sagte sie mit einer Stimme, die gar nicht danach klang, nachdem Harry wieder aufgetaucht war. Da das Wasser hier sehr flach war, saß Hermine immer noch auf Harrys Schoss und machte auch keine Anstalten das zu ändern. Harry war etwas unsicher. Warum tat sie das? Vielleicht will sie sich nur einen Moment ausruhen. Ein Blick auf Ginny machte ihm sofort klar, dass es das nicht war. Sie zog ihre Augenbraue nach oben und stieg aus dem Wasser. Und dann fiel sein Blick auf Ron. Und was er dort sah, erschütterte ihn zutiefst! Auf Rons Gesicht war die nackte Wut abzulesen. Er hatte seinen Kiefer zusammengepresst und die Lippen hätten Prof. McGonnagal bestimmt Konkurrenz gemacht. Aber das wirklich Erschreckende war der Blick, den er Harry zuwarf. Er hatte Ron noch nie so wütend gesehen. Bevor er fragen konnte was los war, drehte dieser sich um und flüchtete fast aus dem Wasser.
Harry, dem es mittlerweile wirklich unangenehm war, das Hermine sich so an ihn drückte, ließ sich zur Seite rollen und ging ebenfalls aus dem Wasser, während ihm ein tötungswilliger Blick folgte, den er nicht bemerkte.
Harry lag schon auf seinem Handtuch, als er bemerkte wie Hermine neben ihm ihr Handtuch ausbreitete. Harry schloss seine Augen und hoffte einfach, dass dieser Tag ohne weitere Komplikationen ablaufen würde. Er sollte vielleicht mit Ron reden. Als er seine Augen öffnete um nach ihm zu sehen, sah er statt Ron direkt in Hermines Gesicht die ihn anlächelte.
"Harry", schnurrte sie. "Könntest du mir den Rücken mit der Sonnencreme einreiben? Bitte!" Sie sah ihn mit dem bittendsten Blick an, den sie hatte. Und Harry stand auf um sich neben ihr nieder zu knien. Sie legte sich auf den Bauch und schloss ihre Augen. Harry nahm derweil ihre Sonnencreme und begann ihren Rücken einzuschmieren. Er verteilte die Creme auf ihren Schultern und dem Rücken. Als er schon wieder aufstehen wollte, hörte er wieder Hermines Stimme.
"Bitte die Beine noch." Harry starte ungläubig auf Hermine und hörte, wie Ron aufstand und verschwand. Harry verteilte die Sonnenmilch so schnell wie er konnte. Er bemühte sich dabei, nicht zu nah an Hermines Po oder Oberschenkel zu kommen, was äußerst schwierig war, da sich Hermine immer dann ein Stückchen bewegte, wenn er sich diesen Stellen näherte.
Als er endlich fertig war, stand er auf und versuchte Ron zu finden. Er musste ihm einfach zuhören. Ron war nicht weit weg. Er saß an einen Baum gelehnt und starrte auf den See. Als er Harry kommen hörte, schnaubte er böse und sah weg.
"Ron, was ist los?" versuchte Harry ein Gespräch zu beginnen. "Seit Tagen benimmst du dich merkwürdig."
"SO, ICH BENEHME MICH MERKWÜRDIG?" brüllte er los. "DU BIST DERJENIGE, DER SICH MERKWÜRDIG VERHÄLT."
"WAS?" fragte Harry verblüfft. "Was hat das denn mit mir zu tun?"
"DU ZERSTÖRTST UNSERE FREUNDSCHAFT, MERKST DU DAS NICHT"
"Was habe ich denn gemacht?" fragte Harry sich mühsam beherrschend. Er war sauer, dass Ron ihn einfach so anbrüllte. Er konnte ihm doch einfach sagen, warum er wütend war.
"WAS DU GEMACHT HAST?" brüllte Ron fassungslos "DIE GANZE ZEIT HÄNGST DU MIT HERMINE RUM UND LÄSST DIR KEINE MÖGLICHKEIT ENTGEHEN, UM SIE ANZUBAGGERN."
"WAS?" brüllte nun auch Harry wütend zurück "DU SPINNST DOCH!"
"ICH SPINNE?" schrie Ron und eine Ader auf seiner Stirn begann unheilvoll zu zucken. Das war bei Onkel Vernon immer das Zeichen dafür gewesen, sich spätestens in Sicherheit zu begeben, aber Harry war viel zu wütend auf Ron, um jetzt zu gehen.
"DIE GANZE ZEIT KÜSST DU HERMINE UND CREMST IHREN RÜCKEN EIN UND…!"
"DU KANNST IHR JA AUCH GERNE DEN RÜCKEN EINCREMEN, WENN DU WILLST!" Harry war kurz vor einer Explosion und es war ihm egal das Ron sie abbekam.
"DANN GEH' DOCH ZU DEINER HERMINE ZURÜCK UND CREME IHR AUCH NOCH DEN BAUCH EIN. ICH BIN JA SCHEINBAR NICHT MEHR DEIN FREUND", schrie Ron und sein Gesicht war nun genauso rot wie seine Haare. Damit drehte er sich um und rannte davon.
"SIE IST NICHT 'MEINE HERMINE'", brüllte ihm Harry hinterher.
"DU BIST SO EIN IDIOT!" Ron hatte es scheinbar noch gehört, denn er machte eine wüste Geste in Richtung Harry, bevor er aus seinem Blickfeld verschwand. Na toll, das war ja wirklich gut gelaufen. Er wollte sich mit Ron aussprechen und stattdessen hatten sie sich angebrüllt. Aber das war nur Rons Schuld. Wie konnte man nur so etwas sagen? Lachhaft, das er mit Hermine die ganze Zeit küssen würde und sie auch eincremen wollte. Er hatte Hermine nur einen Gefallen getan, mehr nicht!
Als er sich einigermaßen abgeregt hatte, ging er wieder zu Ginny und Hermine zurück. Ginny warf ihm einen bedauernden Blick zu, während Hermine bei seiner Ankunft sofort aufsprang und ihn ins Wasser ziehen wollte.
"Nein", sagte er genervt. "Ich habe keine Lust mehr, baden zu gehen."
"Nur kurz", bettelte sie und zog ihn in Richtung Wasser.
"NEIN!" rief er. "Geh´ doch allein ins Wasser, wenn du willst." Hermine drehte sich um und stolzierte ins Wasser. Währenddessen setzte sich Harry neben Ginny auf sein Handtuch und starrte reglos auf das Wasser.
Nachdem sie eine zeitlang reglos am Ufer gesessen hatten, fragte Ginny vorsichtig, was passiert war. Harry erzählte ihr, dass Ron ihn angebrüllt hatte und dann verschwunden war. Obwohl es in Harry immer noch brodelte, tat es gut, mit Ginny darüber zu reden. Dazu hatten sie aber nicht lange Gelegenheit, da gerade Hermine schon wieder aus dem Wasser kam. Scheinbar hatte sie allein im Wasser die Lust verloren.
Da Harry keine Lust hatte, weiteres Gefauche zwischen Hermine und Ginny zu ertragen, machte er sich ebenfalls schleunigst auf den Weg zurück.
Da es erst Nachmittag war und er keine Lust hatte, seine Zeit mit einem miesepetrigen Ron zu verbringen, kletterte er auf einen Baum im Garten und übte noch ein bisschen stablose Magie. Nebenbei dachte er über seine Freunde nach und beschloss, nach dem Abendessen noch mal mit Ron zu reden.
Dieser Plan funktionierte allerdings nicht, denn als Harry nach dem Essen einen Schritt in Rons Zimmer getreten war, hatte er sofort wieder zu brüllen begonnen und ihn mitsamt seinem Hogwartskoffer vor die Zimmertür gesetzt.
In den nächsten Tagen schlief er daher auf der Couch im Wohnzimmer und sah Ron und Hermine nur zum Essen. Beide sahen dabei schlecht gelaunt aus, und Harry hatte es bisher nicht mehr versucht, mit ihnen zu sprechen. Er war lieber auf den Baum im Garten und las in einem Buch oder übte für sich. Sollten doch die Anderen zwei sich drinnen die Köpfe einschlagen. Er hatte keine Lust mehr, den Vermittler zwischen den Beiden zu spielen. Wenn sie ihre eigenen Probleme nicht auf die Reihe bekamen.
