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In this chapter, it is not easy for Rango to forget his trauma...
12. Mental wounds
Er lag auf dem Rücken. Um ihn herum war alles dunkel. Das Chamäleon versuchte seine Arme und Beine zu bewegen. Aber sie waren schwer wie Blei. Auf einmal ging die Sonne auf. Rango kniff die Augen zusammen. Blinzelnd sah er sich um. Um ihn herum nur karge öde flache Wüste. Die Sonne brannte erbarmungslos auf seiner Haut. Das grelle Licht schmerzte in seinen Augen und sein Kopf tat furchtbar weh. Stöhnend setzte er sich auf und hielt sich die Hände vor die Augen. Plötzlich erklang ein Rauschen. Er nahm die Hände runter.
Die Landschaft hatte sich verändert. Um ihn herum waren jetzt Stein und Felsen. Über ihm… ein riesiges altes Tier-Skelett. Um ihn herum standen Kakteen. Riesige Kakteen. Der Wind wehte ihm ins Gesicht. Ein Lachen aus weiter Ferne klang in seinen Ohren. Rango verengte die Augen. Die Kakteen nahmen Gestalt an und formten sich mit Armen und Beinen. Jetzt begannen sich die Gestalten zu bewegen. Schritt für Schritt kamen sie näher. Sie kreisten ihn ein. Das Chamäleon erschrak.
Die Jenkins-Cousins!
„Na, kleiner Töter!", höhnte der Größte von ihnen.
Rango versuchte sein Gesicht zu sehen, aber er war viel zu groß.
„Lust auf ein Spielchen?"
Im Schein der Sonne erschien eine Peitsche. Rango versuchte zurückzuweichen, aber die anderen schnitten ihm den Weg ab. Sie hatten ihn eingekesselt. Ein Schmerz traf ihn auf den Rücken. Rango schrie auf.
„Dem sind deine Spiele zu langweilig", rief eine andere Stimme. „Schlag fester."
Jetzt spürte er die Peitsche ohne Unterbrechung. Die Schmerzen verteilten sich auf seinem ganzen Körper.
„Nein! Nein! Bitte hört auf!"
Doch die Schmerzen nahmen kein Ende.
Rango rang nach Luft. Die Schmerzen raubten ihm den Atem.
Er sah auf den Boden. Der Sand war blutrot.
„HÖRT AUF!", schrie er.
Jemand packte ihn und zog ihn hoch. Ein harter Schlag traf ihm ins Gesicht.
Rango versuchte sich loszureißen. Aber er konnte nicht weg. Jetzt begannen sie ihn zu schütteln.
„Nein, nein! Lasst mich! Aufhören!"
Blut tropfte an ihm runter.
„NEIN!"
„Wach endlich auf!"
„Wach endlich auf!", schrie Jake genervt.
Er wusste einfach nicht was er machen sollte. Rango hatte wie ein Verrückter im Bett geschrieen. Als der Klapperschlange das zu viel wurde, hatte er Rango im Würgegriff genommen und begonnen ihn zu schütteln.
Rango war total orientierungslos. Wie ein Blinder wand er sich in Jakes Griff und keuchte so angestrengt nach Luft wie nach einem langen Marathon-Lauf.
Jake spannte seine Muskeln an. Vielleicht wachte Rango auf, wenn er ihn etwas fester drückte. Panisch begann das Chamäleon zu röcheln, wachte aber immer noch nicht auf.
„Verdammt nochmal!", fluchte Jake.
Ohne länger zu überlegen kroch er mit Rango im Würgegriff in die Küche, wo er einen großen Eimer mit Wasser hingestellt hatte. Dort steckte er Rango kopfüber ins Wasser und tunkte ihn mehrere Male unter. Keuchend und prustend spuckte Rango das Wasser aus. Prüfend hielt Jake ihn noch in der Luft. Doch eine weitere „Wasser-Therapie" war nicht nötig, denn Rango öffnete die Augen.
Etwas zufrieden mit sich selbst drehte Jake das tropfende Chamäleon wieder herum und schaute ihm düster ins Gesicht. Er war wütend, dass Rango ihn aus dem Schlaf geweckt hatte. Noch immer atemlos schnappte Rango nach Luft.
„Dir scheint es wohl Spaß zu machen mir den Schlaf zu rauben", knurrte Jake.
Rango blinzelte. Das Wasser tropfte seinen Körper runter, trotzdem waren seine Tränen auf dem Gesicht nicht zu übersehen. Vielleicht lag es auch daran, dass Jake seine Tränen riechen konnte.
„Die Jenkins-Cousins waren wieder da gewesen", keuchte Rango weinerlich.
Jake rollte die Augen. „Ich hab dir doch gesagt, dass sie tot sind."
„Und wenn einer von ihnen doch noch überlebt hat?"
Jake schnaubte. „Denkst du ich bin bescheuert? Ich weiß ganz genau, wann jemand tot ist."
Mit diesen Worten ließ er Rango auf den Boden fallen und ließ ihn einfach dort liegen. Jake kroch zum Kamin zurück und rollte sich wieder ein. Mürrisch blickte er zu Rango, der immer noch in der Küche auf dem Boden lag.
Jake seufzte genervt. „Jetzt geh wieder ins Bett."
Er hob zischend den Kopf, als Rango sich stattdessen auf dem kalten Boden zusammenkauerte.
„Willst du jetzt auf dem Boden übernachten, oder was?"
Ein Jammern war alles was er als Antwort erhielt.
„Wie du willst."
Jake schloss die Augen und legte sich einfach hin.
Nach einer Weile öffnete er sie wieder, als er schlürfende Schritte hörte.
Rango war wieder aufgestanden und ging mit gesenktem Blick wieder auf sein Bettlager.
Jake betrachtete ihn von oben bis unten. Da Rango keine Kleider trug, konnte er die Wunden genau sehen. Es war ein jämmerlicher Anblick. Kurz vor dem Bett wischte Rango sich noch das restliche Wasser vom Körper. Dann kroch er still unter die Bettdecke.
Jake atmete erleichtert auf. Vielleicht blieb ihm heute noch eine ruhige Nacht. Doch seine Hoffnung wurde zunichte gemacht, als Rango nach einer Weile leise zu Weinen begann.
Jake knurrte leise und steckte seinen Kopf unter seinen Körper.
Am nächsten Morgen kam Dr. Tibbar wieder vorbei. Zum Glück war Rango diesmal wach, sodass der Arzt ihm direkt nach seinem Befinden fragen konnte.
„Nun, wie geht es Ihnen? Wie fühlen Sie sich heute? Haben Sie noch Schmerzen?"
Rango, der zum ersten Mal Dr. Tibbar bewusst wahrnahm, sah ihn schüchtern an.
„Überall", antwortete er leise.
Der Arzt lächelte leicht. „Wenigstens sind Sie wieder bei Bewusstsein. Das ist schon mal ein Fortschritt."
Er drehte sich verwundert um, als Jake laut gähnte. Im Gegensatz zu Dr. Tibbar, der wieder fit und munter war. Was nicht verwunderlich war. Ihm hatte man den Schlaf nicht geraubt.
„Na gut", fuhr Dr. Tibbar fort. „Dann sehen wir mal, ob die Therapie erfolgreich gewesen war."
Mit diesen Worten griff er nach der Bettdecke und wollte sie wegziehen, doch Rango wich mit der Bettdecke zurück.
Überrascht hielt Dr. Tibbar inne. „Keine Sorge, ich tu Ihnen nichts. Ich möchte nur Ihre Wunden untersuchen."
„Ich will das nicht", sagte Rango und rutschte weiter weg.
„Du tust jetzt was er sagt", sagte Jake streng.
Doch Rango drückte sich enger ins Kissen und zog die Decke fest um sich.
„Wenn du es nicht tust, dann zähle ich bis drei."
Jake zog seinen Revolver und richtete ihn auf Rango.
Rango erstarrte vor Angst.
Dr. Tibbar räusperte sich. „Mister Jake. Ich glaube, dass das nicht nötig ist."
„Wie soll ich ihn denn sonst dazu zwingen?", fragte Jake laut.
„Mister Jake! Bitte!", mahnte der Arzt.
Jakes Augen wanderten wieder zu Rango, der aussah, als ob er jeden Moment in Tränen ausbrechen würde. Verärgert ließ die Klapperschlange ihre Waffe wieder sinken.
„Kommen Sie, es wird Ihnen nicht schaden", sagte Dr. Tibbar aufmunternd. „Falls doch dann denke ich, wird Mister Jake das nicht gerne sehen wollen."
Etwas widerwillig ließ Rango den Arzt die Decke wegnehmen. Sorgfältig inspizierte der Arzt die Wunden und tastete die Haut ab. Bei jeder Berührung zuckte Rango leicht zusammen. Er spürte immer noch jeden Schmerz, der sich in sein Gedächtnis eingebrannt hatte.
„Ist ja alles einigermaßen sehr gut verheilt", meinte Dr. Tibbar zum Schluss. „Nur die Wundverbände an den Handgelenken würde ich noch länger dranlassen. Sie haben echt Glück gehabt, dass ich Ihnen die Hände nicht amputieren musste."
Rango wurde blass. Dr. Tibbar räusperte sich entschuldigend. „Na ja. Ist ja nochmal alles gut gegangen. Jetzt richten Sie sich bitte auf, damit ich die Atmung abhören kann."
Etwas zittrig setzte Rango sich im Bett auf. Dr. Tibbar hatte sein Stethoskop rausgeholt und hielt das eine Ende auf Rangos Rücken. Rango zuckte zusammen, als das kalte Metall ihn berührte. Der Arzt merkte, wie sich Rangos Hände verkrampften und der Puls sich beschleunigte.
„Okay, jetzt tief ein und langsam wieder ausatmen."
Rango tat es.
„Gut, noch einmal bitte."
Erneut holte das Chamäleon Luft um anschließend wieder auszuatmen.
„Na das hört sich doch ganz gut an", meinte Dr. Tibbar und packte das Gerät wieder in die Tasche. „Mit etwas Glück können Sie in einer Woche wieder aus dem Bett. Aber bis dahin ist absolute Bettruhe. Vielleicht ab und zu ein Sonnenbad. Das wird den Heilungsprozess beschleunigen. Aber nicht allzu lange. Und ansonsten noch strenge Bettruhe. Gute Besserung."
Mit diesen Worten verabschiedete er sich und ging zur Tür. Jake begleitete ihn nach draußen und schloss die Tür hinter sich.
„Sie wirken nicht gerade munter", meinte der Arzt. „Keine gute Nacht gehabt?"
Jake zischte „Wie auch? Dieser Versager hatte letzte Nacht nur gejammert."
Dr. Tibbar hob die Augenbrauen. „Wie hat sich das geäußert?"
„Ich weiß es nicht genau. Er hat unruhig geschlafen, dann ist er schreiend aufgestanden und hat ständig vor Schmerzen geschrieen."
Dr. Tibbar legte die Stirn in Falten. „Ein Trauma, vermute ich. Sie haben ihn gefoltert, haben Sie gesagt."
„Ja."
Dr. Tibbar nickte bedächtig. „Es ist nicht leicht so etwas zu verarbeiten. Viele leiden sogar ihr ganzes Leben darunter. So etwas vergisst man nie. Schon gar nicht, wenn es vor kurzem passiert ist."
„Und was soll ich jetzt tun?"
„Normalerweise zu einem Psychologen schicken. Aber hier in dieser Gegend?"
„Soll das heißen, ich muss mir jetzt ständig diese Alpträume anhören?"
Der Arzt zuckte die Achseln. „Je nachdem wie er damit zurecht kommt. Das ist von Patient zu Patient verschieden. Manche verarbeiten es selber, andere kommen ohne einen Seelen-Arzt nicht aus. Er muss zuerst von seinen leiblichen Verletzungen genesen. Die Seelischen kommen als Nächstes dran. Bis dahin würde ich Ihnen raten, nicht gleich los zu brüllen, wenn er Ihnen damit auf die Nerven gehen sollte. Das würde alles nur noch schlimmer machen."
„Ich lass mir keine Vorschriften machen", murrte Jake.
Der Arzt hob die Hand. „Ich kann Ihnen nur einen Rat geben. Was Sie daraus machen ist Ihre Angelegenheit. Aber bedenken Sie, seelische Wunden verheilen langsamer als körperliche. Und die sind noch viel empfindlicher. Ein Fehlschritt und es fällt alles wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Überlegen Sie sich was Sie tun."
Mit diesen Worten drehte Dr. Tibbar sich um und ging durch die Wüste nach Hause.
Grimmig starrte Jake ihm hinterher.
Während die beiden sich draußen auf der Terrasse unterhielten, lag Rango im Bett und starrte an die Zimmerdecke. Noch immer hatte er die Bilder seines Traumes in Erinnerung. Seine Hände verkrampften sich, als er an die Peitschenhiebe dachte. Ob er das je wieder vergessen könnte? Langsam strich er mit der Hand über seine vernähte Schnittwunde im Gesicht. Die Nähte waren noch drinnen. Er nahm die Hand weg und betrachtete die Wundverbände, die um seine Handgelenke gewickelt worden waren. Zögernd schob er den Wundverband etwas zur Seite und sah die verkrusteten Einstiche vom Stacheldraht. Ihm wurde übel bei dem Anblick. Stöhnend ließ er die Hände wieder sinken. In diesem Moment öffnete sich die Tür und Jake betrat den Raum. Ohne etwas zu sagen, schloss er die Tür.
Für einen kurzen Moment herrschte Stille. Rango wagte kaum zu atmen. Zögernd hob er den Kopf. Jake wich seinem Blick aus, als ihn seine Augen trafen. Wortlos kroch er an Rango vorbei, hob etwas Holz neben dem Kamin und legte es ins Feuer. Dann starrte er in die Flammen und sagte immer noch kein Wort. Rango lag im Bett und knetete nervös seine Hände. Vielleicht könnte er etwas schlafen, aber er war im Moment nicht müde. Das Schweigen war erdrückend.
Rango holte tief Luft. „Wie ist das Wetter draußen?"
Ein paar Sekunden Schweigen.
„Sonne und trocken", murmelte Jake monoton.
Rango legte den Kopf zur Seite und sah in seine Richtung. Ob Jake diese Frage lächerlich fand?
„Oh, also wie immer?"
„Ja."
Wieder starrte Rango an die Zimmerdecke. Hatte Jake keine Lust zu reden, oder fand er das Thema bescheuert?
„Du hattest echt Glück gehabt, dass ich einen Arzt in der Nähe auftreiben konnte", sagte Jake zu Rangos Überraschung. „Es hätte nicht viel gefehlt und ich hätte deine Leiche irgendwo hinbringen müssen."
Rango schluckte. Normalerweise hätte ihm Jakes schwarzer Humor nichts ausgemacht. Doch im Moment war er noch zu traumatisiert von der Folter, um einen Gegen-Witz zu machen. Stattdessen begann sein Herz schneller zu schlagen, bei dem Gedanken beinahe gestorben worden zu sein.
Leider war Jake seinen dunklen Spaß so gewohnt, dass er nicht auf Rangos Gemütszustand achtete. „Die Jenkins-Cousins hätten mit deiner Leiche viel mehr Verwendung gehabt. Hätten sie dich getötet, dann wärst du jetzt eine Deko für ihren Eingang geworden."
Rangos Haut verfärbte sich dunkel. Seine Hände krallten sich in die Bettdecke.
In diesem Moment drehte Jake sich zu ihm um. Verwundert hob der die Augenbrauen.
„Du siehst krank aus. Vielleicht solltest du mal in die Sonne."
Rango riss vor Schreck die Augen auf.
„Sonnenbad. Sonnenbad", hallte es ihm durch den Kopf.
Er schüttelte den Kopf „Nein!"
Jake rollte die Augen. „Jetzt komm. Der Arzt hat gesagt, in die Sonne."
„Ich will nicht!"
Jake biss die Zähne zusammen. Dieses hysterische Chamäleon trieb ihn in den Wahnsinn.
„Du wirst da jetzt rausgehen, und wenn ich dich rauszerren muss!"
Rango warf die Bettdecke über den Kopf.
Jake kochte vor Wut. Niemand widersetzte sich seinen Anweisungen!
Wütend zog der mit seinem Mund die Bettdecke weg und schaffte es, Rango mit seinem Körper zu packen, noch bevor er weglaufen konnte. Dann kroch er mit ihm Richtung Tür.
„Nein! Nein! Lass mich los!"
„Jetzt benimm dich nicht wie ein kleines Kind!", schimpfte Jake. „Das ist ja furchtbar mit dir!"
Er öffnete die Tür.
Grelles Sonnenlicht schien in den Raum. Rango kniff geblendet die Augen zusammen. Wieder diese Bilder in seinem Kopf. Wie die Banditen ihn in die Sonne gezerrt hatten.
„Nein! Lass mich! Ich will nicht!"
Doch Jake tat so, als würde er ihn nicht hören. Ohne stopp kroch er auf die Terrasse und von dort ein Stück weiter auf den Hof.
Rango hatte aufgehört zu schreien, stattdessen weinte er nur noch.
Mitten auf dem Hof hielt Jake an.
„Na bitte, war doch nicht so schwer, oder?", fragte er sarkastisch.
Er kam sich vor wie ein Kinder-Mädchen, mit einem verheultem Gör.
„Hörst du jetzt endlich mit dem Geheul auf!", rief er.
Rango sank kraftlos mit dem Kopf nach vorne. Seine Schultern bebten. Jakes Augen weiteten sich als die Tränen auf seine Haut tropften. Angeekelt verzog er das Gesicht.
„Schwächling", zischte er leise.
Ein paar Minuten blieben sie auf dem freien Platz in der Sonne. Rangos Weinen wurde leiser.
Die Tränen trockneten in der warmen Luft. Der leichte Wind strich sanft über seine Haut. Als versuchten die Naturkräfte ihn zu beruhigen. Rangos Atmung wurde ruhiger. Nach so langer Zeit im Bett tat die Sonne gut und gab ihm neue Energie. Trotzdem plagten ihn immer noch die schlimmen Erinnerungen.
„Okay, das reicht", sagte Jake und kroch mit Rango wieder in die Hütte. Dort ließ er ihn wieder frei. Mit zittrigen Knien sank Rango auf den Boden.
„Na, das war doch gar nicht so schlimm, oder?", fragte Jake gehässig.
Rangos Hände ballten sich zu Fäusten. „Tu das nicht wieder", zischte er.
Jake hob die Augenbrauen. „Was war das?"
„Ich sagte, tu das nie wieder", sagte Rango etwas lauter.
Jake schnappte nach Luft, als Rango ihm wütend ins Gesicht sah. Wie ein bockiges Kind.
„Nicht in diesem Ton mit mir, Freundchen!", konterte Jake zurück. „Ich verschone dich vor dem Tod und das ist der Dank?!"
Beschämt senkte Rango seinen Blick. Er wusste, dass sein Verhalten kindisch war. Trotzdem hatte er diese Wut im Bauch. Er hasste sich selber, dass er so panisch reagiert hatte. Er war wütend auf sich selber.
Um nicht noch weiter dummes Zeug zu reden, stand das Chamäleon schnell auf und ging mit schnellen Schritten in die Küche. Jake sah ihm beleidigt hinterher.
„Wo willst du hin?", fragte er barsch.
Rango drehte sich nicht um. „Lass mich einfach eine Weile in Ruhe."
„Was zum Teufel ist denn nur los mit dir?"
„Lass mich einfach in Ruhe!"
Mit diesen Worten rannte Rango in die Küche und verschwand aus Jakes Blickfeld.
Eine Weile stand Jake sprachlos da und wusste nicht was er von dieser Reaktion halten sollte. Was hatte er denn jetzt schon wieder falsch gemacht? Er hatte ihn nur einen Gefallen getan und ihn in die Sonne geschickt, und das war der Dank?
Er schnaubte. Von wegen die Guten wären immer dankbar. Von wegen!
Mit Wut geladen, rutschte er zur Küche und lugte in den Raum.
Rango hockte in einer Ecke und starrte ins Leere. Am liebsten hätte Jake ihn angeschrieen, aber dann rief er sich seine Selbstbeherrschung wieder in den Sinn und hielt den Mund geschlossen. Das Chamäleon sah völlig verloren aus. Trotzdem empfand Jake kein großes Bedauern. Rango hatte kein Recht so mit ihm zu reden. Zischend zog er den Kopf zurück und kroch wieder zum Kamin.
„Undankbare Kreatur", knurrte er.
Noch immer beleidigt rollte er sich ein. Rango hatte sich völlig verändert. In der Vergangenheit hätte er sich nie so verhalten. Weder an dem Tag wo er ihn besiegt hatte, oder als er ihn aus der Stadt verbannt hatte. Nie hatte er eine Träne geweint. Und jetzt verging kein Tag wo Rango nicht weinte.
Er dachte daran, was der Arzt gesagt hatte.
„Es ist nicht leicht so etwas zu verarbeiten. Viele leiden sogar ihr ganzes Leben darunter."
Nachdenklich legte Jake seinen Kopf auf seinen Körper. Er hatte selber schon viel Schlimmes erlebt, hatte aber nie so reagiert wie Rango. Er meinte gehört zu haben, dass Chamäleons sehr empfindlich auf Stress reagieren, hatte es aber selber noch nie beobachten können. Es gab so gut wie keine Chamäleons hier in der Wüste.
Jake seufzte. Er war müde. Hoffentlich konnte er bald wieder richtig schlafen. Allzu lange konnte das ja nicht mehr dauern. Rangos Wunden waren fast geheilt. Dann würde er ihn wegschicken. Dann wäre er wieder frei. Aber bis dahin…
„Bis dahin würde ich Ihnen raten, nicht gleich los zu brüllen, wenn er Ihnen damit auf die Nerven gehen sollte. Das würde alles nur noch schlimmer machen."
hörte Jake die Stimme des Arztes wieder in seinem Kopf.
Wenn er den Rat befolgen würde, dann müsste er sich in Zukunft mehr auf die Zunge beißen.
Ausgerechnet er, aber wenn es was nützte.
„Wehe es bringt nichts", knurrte er.
Bohne sah zur Sonne hoch. Es war fast Mittag. Sie richtete ihren Blick wieder nach vorne und lenkte ihren Roadrunner durch die felsigen Schluchten. Wounded Bird ritt hinter ihr her und musste sich ab und zu die Nase putzen.
„Wie weit wollen wir noch reiten, Bohne?", fragte der alte Indianer und musste kurz darauf niesen.
„Nur noch ein kleines Stück", sagte Bohne schnell.
„Das du vor einer Stunde auch gesagt", meinte Wounded Bird. „Bohne. Wir müssen zurück, sonst wir schaffen es nicht vor Anbruch der Dunkelheit wieder nach Hause."
Widerwillig hielt Bohne ihren Roadrunner an.
Der Indianer ritt neben sie und hielt ebenfalls an. Trotz seiner Erkältung erkannte er Bohnes inneren Kampf. Ihre Hände lagen verkrampft um die Zügel und ihr Blick war starr gesenkt.
„Kehren wir um, Bohne", sagte der Indianer leise. „Es bringt jetzt nichts."
Bohne nickte leicht. Ziellos in der Wüste umherzuirren brachte wenig. Solange Wounded Bird erkältet war, standen die Chancen schlecht eine Spur von Rango zu finden.
Mutlos lenkte sie ihren Roadrunner um und ritt in die entgegengesetzte Richtung.
Wounded Bird folgte ihr schweigend. Außer wenn er niesen musste.
Plötzlich hielt Bohne an. „Moment. Riechst du das?"
Wounded Bird hatte gerade wieder sein Taschentuch gezogen und sah sie überrascht an.
„Riechen? Ich kann gerade nicht riechen."
Bohne achtete nicht auf seine Antwort und nahm erneut einen tiefen Atemzug. Angewidert verzog sie das Gesicht. „Wähh! Das riecht richtig ekelhaft."
Wounded Bird sah sich um. Konnte aber nichts entdecken.
„Wonach?", fragte er.
„Ich habe solch einen Geruch nur einmal gerochen. Das war in der Nähe eines verendeten Tier- Kadarvers gewesen."
Wounded Bird hob die Augenbrauen. „Tier hat dann wohl hier den Tod gefunden…"
Der Indianer brach ab, als er Bohne davon reiten sah.
„Miss Bohne?"
„Ich will nachsehen was das ist", rief Bohne hinter sich.
Seufzend setzte sich auch der alte Indianer mit seinem Roadrunner in Bewegung und ritt Bohne hinterher.
So gut es ging folgte Bohne dem Verwesungsgeruch. Er war nicht sehr stark, trotzdem war der Geruch unverkennbar für sie. Und ihre Vermutung trieb in ihr eine Panik hoch.
Bitte, nicht er! Bitte, nicht er!
Be continued... Next chapter more with Beans and Wounded Bird.
