Kapitel 11

Renesmee

Besuch aus der Heimat

Der Wolf kam mit gefletschten Zähnen auf uns zu. Ich war unsicher was ich tun sollte, denn ich kannte ihn nur zu gut und war ziemlich verwirrt, was den sandfarbenen dazu gebracht haben könnte, dass er mich so hasste, dass er mich anknurrte.

Doch viel Zeit blieb mir nicht zum Überlegen, denn Oliver neben mir hatte entsetzliche Angst, sodass ich mich erstmal auf ihn konzentrierte, natürlich den Wolf trotzdem im Auge behaltend.

„Oli, keine Angst..."

Er antwortete nicht. Nun gut, wahrscheinlich sollte ich ihm einiges erklären, bevor er noch vor Angst an einem Herzinfarkt starb. Also griff ich nach seiner Schulter und wandte meine Gabe an.

Ich zeigte ihm Bilder von meinen ersten Erinnerungen, nämlich von meinen Eltern, von meinen Tanten und Onkel, meinen Großeltern. Dann ging ich zu Gedanken über, die vieles über mich verrieten:

Mich beim Bluttrinken mit meinen Eltern, die es mir gleichtaten.

Mich, wie ich schnell durch den Wald rannte.

Mich, wie ich mich an einen großen warmen Wolf kuschelte.

Ich übermittelte Oliver sehr viele Eindrücke und alle mit meinen Gefühlen und teilweise auch direkten Gedanken. Ich wollte so sehr, dass er mich verstand, dass er verstand, dass ich und auch niemand aus meiner Familie eine Bedrohung für ihn darstellte.

Und ich wollte, dass er verstand, weshalb ich so vorsichtig war ihm die Wahrheit nicht sagen zu wollen.

Dies alles geschah in nur wenigen Sekunden, sodass der Wolf uns noch nicht erreicht hatte.

Ich zog meine Hand zurück und suchte Olivers Blick. Sicherlich würde er nicht alles verstehen oder er würde sich fürchten, es würde nichts mehr mit mir zu tun haben wollen, doch als ich in seine Augen sah, war ich vollends verwirrt.

Sein Blick war klar, verstehend und in keiner Weise abgeneigt.

„Nessie, also, wenn ich das jetzt richtig verstanden habe ist dieser Wolf da sein Freund?"

Ich entspannte mich. Er hatte es also begriffen und er nahm es bisher gut auf.

„Genau", viel mehr konnte ich nicht sagen, ich war ziemlich verwirrt von meinem Menschenfreund.

„Aha, und dann sag mir doch bitte," ergriff Oliver wieder das Wort, als er merkte, dass ich nichts mehr sagen würde, „wieso er uns angreifen will?" Seine Stimme zitterte nun.

„Hm…" Mir wollte einfach keine gute Antwort einfallen und als sich der Wolf umdrehte und wieder im Wald verschwand, war es schon zu spät.

Mit einem Mal dröhnte lautes Gelächter an meine Ohren und mit einem Schlag war mir alles klar.

Er wollte uns gar nicht angreifen. Seth hatte nur gelacht und ich war so blöd gewesen seine Mimik Misszudeuten.

Grinsend kam der Idiot auch schon wieder aus dem Wald herausgelaufen und steuerte auf uns zu. Einen Kommentar konnte er sich natürlich nicht verkneifen.

„Nessie, dein Gesicht", er unterbrach sich für einen Lachanfall und fuhr dann weiter, „Du hättest dich mal sehen sollen!"

Ich fand seinen Scherz wirklich nicht unterhaltsam, schließlich hatte er Oliver und auch mir, Angst eingejagt.

„Ja sehr witzig Seth, sehr witzig." Mehr sagte ich nicht, bis ich aufstand und ihn in die Arme schloss.

Der typische Geruch der Wölfe stieg mir in die Nase und bereitete mir ein Kribbeln im Bauch. Wie lag war es her, seitdem ich das letzte Mal diesen Geruch vernehmen konnte?

Mir kam es wie Jahre vor, obwohl es sicherlich erst ein paar Wochen waren.

Ich wollte Seth nicht loslassen, ich wollte ewig so stehen bleiben und seine warme Haut an meinem Körper spüren, die die gleiche Temperatur hatte wie meine.

Doch als Seth sich langsam aus meinem Griff löste, blieb mir keine andere Wahl, als ihn loszulassen. Für das Erste..

„Ist ja gut meine kleine, ich hab dich auch vermisst", er gab mir einen Kuss auf die Wange, der mich wieder seit so langer Zeit an ihn als meinen großen Bruder denken ließ. Schließlich hatte er mich aufwachsen sehen und war mir selten von der Seite gewichen.

Ich schaute ihn an und wusste, dass er seine Worte ehrlich gemeint hatte, er strahlte pure Freude aus. So hatte ich ihn selten gesehen, obwohl Seth fast immer gut gelaunt gewesen war.

Ich lächelte ihn nur glücklich an, glücklich darüber, dass endlich jemand aus meinem Rudel wieder bei mir war. Meine Verbindung nach zu Hause.

„Ähm, ich stör ja nur ungern, aber… kann mich hier mal jemand aufklären? Ich meine, ich habe zwar schon viel verstanden vorhin, glaube ich zumindest, aber alles…noch nicht."

Natürlich, wie hatte ich nur Oliver vergessen können? Die Antwort war ganz simpel, mein bester Freund war gerade gekommen… Kein Wunder, ich hätte sogar Olivers Existenz bezweifelt hätte, wenn mich jemand gefragt hätte, so abgelenkt war ich…

„Oh, Entschuldigung, natürlich. Seth, das ist Oliver, wir gehen auf die gleiche Schule und er ist ein Freund für mich geworden. Oliver, das ist Seth, er ist mein…bester Freund gewesen, bevor ich weggezogen bin."

„Na ich hoffe das bin ich jetzt auch noch, sonst hätte ich mir den langen Weg ja auch sparen können!" Er grinste mich an, es war nur Spaß.

„Na klar, du bist mein bester Wolffreund, den ich habe." Ich nutze die Gelegenheit, um ihn wieder in die Arme zu nehmen. Hoffentlich nervte ich ihn nicht mit meiner Aufdringlichkeit, aber da musste er nun durch. Mein Knuddelwolf sollte ja nicht umsonst gekommen sein.

Da fiel mir ein, dass ich gar nicht wusste, warum er genau gekommen war. Es interessierte mich, daher fragte ich ihn danach.

„Ich wollte dich besuchen und mal schauen wie ihr jetzt so lebt, mal was von euch hören, weißt du. Vielleicht kannst du es dir nicht vorstellen, aber ich vermisse dich schon…"

„So war das doch gar nicht gemeint, ich freu mich doch, dass du da bist, ich dachte nur, dass es vielleicht einen speziellen Grund hatte!"

Dann schwiegen wir, aber es war eine angenehme Stille, gefüllt mit der Wiedersehensfreude durch seinen Besuch. Es war ein schönes Gefühl ihn wieder bei mir zu wissen, wenngleich ich nicht wusste für wie lange.

Schließlich ergriff Oliver das Wort und zerbrach so die Stille zwischen uns.

„Ich geh mal nach Hause, ich hab einiges, worüber ich nachdenken möchte. Nessie?" Ich horchte auf und nickte ihm leicht zu „Sehen wir uns morgen?"

„Natürlich. Und, Ähm Oliver? Ich wäre dir dankbar, wenn du das alles für dich behalten würdest."

Daraufhin nickte er und sagte noch kurz auf Wiedersehen, ehe er dann kopfschüttelnd hinter den Bäumen, in Richtung seines Zuhauses, verschwand. Ich konnte ihn noch ‚wach auf, Oliver' murmeln hören. Scheinbar glaubte er dies alles nicht…

Es war mir lieber, als wenn er hysterisch ausgerastet wäre.

Dann wandte ich mich wieder an Seth, mir brannten so unendlich viele Fragen auf den Lippen.

„Und was ist Zuhause los? Wie geht's den anderen? Hat sich was verändert?"

„Nessie, Nessie, langsam, frag doch nicht so viel auf einmal!"

„Ok, ok…. Also, nun sag schon, wie geht's den anderen? Sam und Quil? Und Embry?"

Seth zögerte einen Moment. Hatte er bemerkt, dass ich Jake mit Absicht herausgelassen hatte? Ich hoffte nicht. Schließlich setzte er dann aber doch zu einer Antwort an.

„Ach, denen geht's gut, weißt du? Claire ist viel gewachsen in letzter Zeit und sie ist so unglaublich süß, na ja das weißt du ja, aber sie wird immer hübscher von Tag zu Tag, du kannst quasi zuschauen! Das ist echt beängstigend."

Ich schmunzelte. Claire war schon immer sehr aufgeweckt und süß gewesen, es überraschte mich nicht, dass sich dies nicht verändert hatte.

„Nessie? Können wir vielleicht zu dir nach Hause gehen, bevor ich noch mehr erzähle? Sonst erzähl ich alles zweimal…"

Ich hätte so vieles so gern sofort gewusst, doch ich hatte Verständnis, schließlich hatte nicht nur ich die Wölfe gern und wollte wissen wie es jedem einzelnen von ihnen ging, meine Familie hing auch sehr an ihnen und wollte die Neuigkeiten bestimmt auch erfahren.

„In Ordnung, wie du magst. Ich glaube sie sind alle schon nach Hause vorgegangen. Ich hatte hier noch was mit Oliver zu klären, weißt du?"

Gemeinsam schlugen wir die Richtung zu meinem neuen Zuhause ein, Arm in Arm, ich hatte mich dicht an ihn gekuschelt. Ihm schien es nichts auszumachen. Auf Fremde hätten wir gewiss wie ein verliebtes Pärchen gewirkt. Mir war es egal.

„Ich habe mich schon gefragt, was du da alleine mit ihm im Wald gemacht hast."

„Und, bist du zu einer Antwort gekommen?"

„Nein, nicht wirklich."

Ich erzählte ihm, was alles heute passiert war und errötete leicht. Es war mir peinlich, dies alles vor ihm zu erzählen, dennoch fand ich, war ich es ihm schuldig. Ich wollte ihn nicht anlügen, wir hatten uns solange nicht gesehen und ich fand, er sollte einfach alles erfahren.

Wir waren schon nach kurzer Zeit bei mir zu Hause angekommen, mein Vater kam uns schon entgegen gelaufen. Er hatte unsere Gedanken wohl schon wahrgenommen. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass wir so schnell gelaufen waren, die Zeit erschien mir, als wären erst ein paar Sekunden vergangen, seitdem ich Seth im Wald getroffen hatte.

„Seth, du bist also wirklich hier."

„Hallo Edward!" Seth löste sich aus meiner Umklammerung, um zu meinem Vater zu stürmen und ihn zu umarmen. Ich lies ihn nur widerwillig gehen, aber ich wusste, unsere Trennung würde nicht von langer Dauer sein.

Ich freute mich für die beiden, sie waren sehr gute Freunde. Ich vergas immer wieder, dass ich nicht die einzige war, die jemanden in Forks oder La Push zurück gelassen hatte.

Mein Vater war glücklich, selten hatte ich ihn so vor Freude überschäumen gesehen. Sicherlich, es war kein Vergleich zudem, was er für meine Mutter fühlte, aber dennoch… auch für ihn war es nicht leicht gewesen Seth zurückzulassen, der in harten Zeiten zu uns gestanden hatte. Nur war Vater umsichtiger als ich gewesen und hatte seine Traurigkeit nicht so heraushängen lassen wie ich.

Vater löste leicht seinen Griff. Seth war zwar im Vergleich zu einem Menschen hart im Nehmen, jedoch war auch er zerbrechlich, anders als meine Familie mit der kalten Haut.

„Es ist schön, dass du wieder da bist!" Auch meine Mutter konnte sich jetzt nicht mehr zusammenreißen und stürmte schließlich auf die beiden zu und nahm sie gleich zusammen in ihre Arme.

Und dann geschah etwas ganz seltsames. Irgendwie gab sich jeder einen Ruck und nur ein paar Momente später standen wir alle zusammen um Seth und aus den Gesichtern meiner Familie konnte ich ehrliche Freude lesen. Selbst Rosalie hatte den kleinen lebensfrohen Wolf vermisst. Da hätte ich nie gedacht.

Die vermissten wohl alle unser altes Zuhause. Und Seth war die Verbindung dahin.

Dieser schaute jedoch nur etwas verwirrt, aber auch berührt aus der Wäsche.

„Hey, solch eine herzliche Begrüßung hab ich ja noch nie bekommen!" scherzte er. Noch bevor er etwas sagen konnte, was Esme versehentlich verletzten konnte, bahnte ich mir meinen Weg durch die Gruppe, griff Seths Hand und zog ihn zu mir. Gemeinsam gingen wir ins Haus und setzten uns auf die Couch, nebeneinander, Arm in Arm.

So schön es auch war, dass Seth hier, neben mir war, erinnerte er mich doch an einen anderen Freund, den ich hatte zurücklassen müssen. Es schmerzte mich sehr, an Jake zu denken, also versuchte ich mich abzulenken.

Meine Familie stand um uns herum, für sie war es einerlei, ob sie standen oder saßen.

„Also Seth, du meintest du möchtest nicht alles doppelt erzählen. Nun sind alle hier, also fang doch bitte an." Ich versuchte ein Gespräch zustande zu bringen, obwohl ich mir nicht sicher war, ob ich überhaupt zuhören konnte. Viel zu sehr genoss ich die Nähe von meinem warmen Wolf. Ich fühlte mich nicht mehr ganz so allein.

„Oh. Ja, gut." Er zögerte einen Moment, so, als würde er überlegen, was er sagen wollte.

„Also im Großen und Ganzen ist alles in Ordnung zu Hause. Ich hab Nessie ja schon einiges erzählt… Quil und Claire sind ein Herz und eine Seele, ihr solltet sie mal sehen… Charlie geht es auch soweit ganz gut, denk ich. Ich hab ihn leider nur noch ein oder zweimal gesehen, seit ihr weggegangen seit. Er meidet die Leute, glaube ich. Er ist sehr einsam. Aber er versucht es sich nicht anmerken zu lassen und er wird darüber hinweg kommen, da bin ich mir sicher. Achso, ich soll euch schön grüßen."

Diese Nachrichten beunruhigten mich ein wenig und ich wusste, dass es besonders meiner Mutter nicht anders erging. Charlie hatte nun keine Familie mehr in Forks. Natürlich war er einsam. Wir telefonierten zwar häufig mit ihm, aber er würde es sich nie anmerken lassen. Er wusste genauso gut wie wir, dass wir nicht in Forks bleiben konnten.

„Und wie geht es deiner Schwester?"

Ich wusste, dass es meiner Familie bereits, ebenso wie mir, aufgefallen war, dass Seth das Thema ‚Jacob' gemieden hatte. Genauso, wie ich. Ich wusste nicht warum er das tat und auch nicht, warum ich so handelte. Ich glaubte, ich hatte einfach Angst, etwas zu hören, das mir nicht gefallen würde. Das mich letzt endlich dazu bewegen würde, zurück nach Forks zu rennen, egal, was für Konsequenzen das für mich hätte.

„Ach, Leah… Der geht's ganz gut. Ihr wisst ja, sie hatte nie so die Bindung zu euch, hat es nie verstanden, wie ich das mit euch aushielt." Er musste lachen und auch mein Vater stimmte mit ein, ob auf den ausgesprochenen Satz hin oder auf Seth Gedanken, konnte ich nicht erraten.

Ich wusste, was Seth meinte. Wölfe und Vampire konnten sich gegenseitig wortwörtlich nicht riechen. Leah hielt es einfach kaum hier aus.

Ich wusste, ich würde die Frage bereuen, die mir auf den Lippen lag, doch trotzdem stellte ich sie. Seth verschwieg mir etwas und ich wollte wissen, was es war.

„Seth, du hast noch nicht erzählt, wie es Jake geht." Ein einfacher Satz. Nichts Schlimmes. Trotzdem wechselte auf einmal die Stimmung in unserem Wohnzimmer. Sie wurde angespannt. Wahrscheinlich dachte meine ganze Familie, ich würde nicht mit dem Gesprächsthema Jacob fertig werden. Ich merkte, wie Jasper neben mir bei dem plötzlichen Stimmungswechsel leicht zusammen zuckte.

„Ich… Öhm… Jacob…" Seth blickte vorsichtig zu meinen Vater hinüber, der mit einem Mal ziemlich bekümmert wirkte. Dennoch nickte er Seth zu.

„Oh Gott, er wird mich dafür hassen, dass ich es euch erzähle…", hörte ich ihn vor sich hin murmeln. "Weißt du Nessie, ihm geht es nicht so gut. Dass ihr weg gegangen seid, das macht ihm schon genug zu schaffen. Aber Billy geht es in der letzten Zeit immer schlimmer. Ich glaube, er wird den Winter nicht mehr überstehen."

Meine Mum blickte betreten zu Boden, Carlisle verzog sein Gesicht, so, als erlitte er Schmerzen. Ich wusste, dass er sich Vorwürfe machte, dass, wenn er geblieben wäre, es Billy schon längst wieder gut gehen würde. „Dich trifft keine schuld, Carlisle." Hörte ich meinen Vater sagen. Ich achtete kaum mehr darauf, mir drehte sich der Magen um.

Jasper schreckte hoch und verlies schnell das Zimmer. Ihn waren meine Gefühle wohl zu viel.

Er tat mir Leid, aber ändern konnte ich es nicht.

Ich machte mir solche Vorwürfe, wie noch nie in meinem Leben. Ich dachte schon, damals, als wir Forks verlassen hatten, hätten meine Gefühle nicht mehr gesteigert werden können.

Damals war kein Vergleich zu dem, was ich jetzt fühlte.

Ich war schuld an allem. Ich war schuld daran, dass es Jake so schlecht ging. Wenn es mich nicht gegeben hätte, dann hätte er sich auf jemand anderen geprägt. Jeder hätte ihn glücklicher machen können, als ich je in Stande dazu gewesen wäre.

Ich hatte es nie wirklich versucht. Ich war so selbstsüchtig… Nie hatte ich an sein Glück gedacht. Und nun war ich nicht einmal bei ihm, wenn sein Vater starb. Wenn er mich am Meisten brauchen würde, wie nie zuvor. Wenn er meine Mutter brauchen würde. Ich liebte ihn, aber gab es für alles eine Entschuldigung?

„Scht, Nessie, es ist alles in Ordnung…", versuchte mich mein Vater zu beruhigen. Doch ich lies es nicht zu.

„Nichts ist in Ordnung! GAR NICHTS! Jake geht es schlecht, nur meinetwegen!"

„Das ist doch Quatsch-" setzte Seth an, ich jedoch fiel ihm ins Wort, ich wollte seine Ausreden erst gar nicht hören.

„Achso, das ist Quatsch, ja? Seth, das ist doch nicht dein Ernst! Ich müsste bei ihm sein, anstatt hier zu diskutieren, ob es Jake gut geht oder nicht!"

„Junge Dame, du gehst nirgendwo hin, außer auf dein Zimmer, um nachzudenken"

Urgs, dachte meine Mutter wirklich noch von mir wie ein kleines Kind? Noch nie hatte sie so mit mir gesprochen. Es brachte mich vollkommen aus der Fassung, sodass ich sie nur entgeistert anstarren konnte.

„Ich soll… Was?"

„Ab in dein-„

„Bella, es reicht." Fiel ihr mein Vater ins Wort. Ich war ihm so dankbar. Ich hätte nicht mit meiner Mutter diskutieren können. selbst nicht, wenn ich gewollt hätte. Ich konnte ihr einfach nicht wehtun. Mein Vater wusste genau, was ich dachte, er verstand mich.

Dennoch, ich gehorchte meiner Mutter. Weshalb wusste ich auch nicht so recht. Vielleicht lag es daran, dass ich ihr noch nie widersprochen hatte.

„Na schön." ich benahm mich kindisch und ich wusste es auch.

Natürlich konnte ich jedes einzelne Wort was sie sprachen auch noch in meinem Zimmer mithören, aber ich war für sie wenigstens aus dem Raum und hatte eine Chance, wenn auch eine geringe, mich wieder ein bisschen zu fangen, ohne vollends vor ihnen zusammenzubrechen.

Jake litt sehr unter der Krankheit seines Vaters. Natürlich, Jake war schon erwachsen, jedoch hing er an Billy, wie ich an meinen Eltern und er hatte furchtbare Angst ihn zu verlieren. Es musste schwer für ihn sein, so viele Freunde und vor allem auch Familie in so kurzer Zeit zu verlieren.

Ich wusste nicht, wie lange ich in meinem Zimmer auf meinem Bett lag und nachdachte. Heute war so viel passiert und ich hatte nicht die geringste Ahnung, wie das alles wieder gut werden sollte.

Da war zum einen Oliver, der nun wusste, woran er bei mir und meiner Familie war. Ich vertraute ihn, aber kannte ich ihn gut genug, zum wirklich sicher zu sein, dass er niemanden das Geheimnis erzählen würde? Wenn er dies machen würde, dann könnten wir hier gleich wieder fortziehen. Vielleicht wieder näher zu Jake, näher nach Forks.

Gedankenverloren nahm ich eine Rote Strähne meines Haares zwischen meine Finger und zwirbelte sie herum.

Würde es Jake je wieder gut gehen? War Billy vielleicht sogar schon tot? Nein, das würde Seth wissen, er stand schließlich in Verbindung mit Leah und Quil, wenn er in seiner Wolfsgestalt war…. Und die wussten sicherlich, was mit Jake los war.

Würde ich je aufhören, mir Vorwürfe zu machen, dass es Jake so schlecht ging?

Stunden später, vielleicht aber auch nur Minuten, klopfte es an meiner Tür und meine Mutter trat herein.

„Ich… Nessie, ich wollte mich wegen vorhin entschuldigen, ich hätte es nicht zu dir sagen sollen… Ich…" Sie wusste nicht, was sie noch sagen sollte, es spielte aber auch keine Rolle. Ich verstand sie, verstand sie sosehr wie wohlmöglich kein anderer in dieser Familie.

„Ist schon gut, ich bin dir nicht böse, Mommy. Ich brauchte die Zeit um nachzudenken."

Sie sagte nichts weiter, das brauchte sie auch nicht, jedoch nahm sie mich in den Arm und drückte mich für eine Weile, bis sie mir dann einen Kuss gab, aufstand und mein Zimmer verließ.